Das Liber Mortis

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Magnus Siluvaine
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Das Liber Mortis

Beitrag von Magnus Siluvaine »

Wenn sich ein Mensch dazu entschließt, sein Dasein einzig und allein dem Guten und dem Wohle anderer zu widmen, so wird er danklos sterben und vergessen werden. Wenn er sein Genie jedoch nutzt, um Schmerz und Tod über unzählige Menschen zu bringen, so wird sein Name durch die Jahrtausende getragen. Ruchlosigkeit ist der Schmach daher stets vorzuziehen.



Prolog: Der Foliant



Dämmrig warfen die glühenden Reste der Kohleschalen ihr Licht in den kleinen Altarraum. Hätte jemand diesen Raum vor drei Monaten das erste und heute schließlich das zweite Mal betreten, er würde ihn kaum wieder erkennen. Die aus feinstem, schwarzen Obsidian gefertigte Statue Krathors schien das ohnehin kaum vorhandene Licht förmlich aufzusaugen, kein Staubkorn ließ sich mehr auf ihr finden. Auch der aus Marmor gefertigte Altar selbst wurde penibel genau gesäubert, wobei auch hier darauf geachtet wurde dem alten Ritus der Reinigung Folge zu leisten.

Zwei Schritte später erreichte der Diener das, ebenfalls aus pechschwarzem Marmor gefertigte, Podest auf dem Altar, dessen einziger Zweck es war die uralten Werke zu beherbergen aus denen der Diener sein Wissen über die verbotenen Rituale bezog. Er ließ die nackten Fingekuppen der rechte Hand langsam und andächtig über den kalten Stein gleiten. Heute thronte dort kein Buch... Noch nicht ...

Direkt neben dem Podest stellte er nun die löchrige, alte Tasche ab. Sein Blick senkte sich auf das poröse Leder und während er jene Tasche öffnete und das in feinsten, roten Samt eingeschlagene Bündel hervor holte, rezitierte er eines der uralten Gebete.




  • "Ich wandle auf dem Pfad der Verderbtheit. Und sei er mit Glasscherben ausgelegt, ich wandle bloßen Fußes über ihn; und führe er über Flüsse aus Feuer, ich setze über sie hinweg; und sei er unermesslich lang, die Schwingen Krathors werden meine Schritte leiten."



Erst danach legte er das Bündel auf dem Podest ab und befreite es vorsichtig von dem Samtumschlag. Der Blick seiner blaugrauen Augen richtete sich auf den Foliant der nun sein neues zu Hause gefunden hatte. Die Stirn des Dieners war zerfurcht, zum einen ein Ausdruck der Ehrfurcht, zum anderen ein Ausdruck des Staunens und Unglaubens dass es ihm nach all den Jahren tatsächlich gelungen war dieses einzigartige Werk in den Händen zu halten.

"Das Liber Mortis .... "

Die Worte wurden in tiefster Demut von ihm gemurmelt. Er atmete einmal tief durch, streckte die rechte Hand aus und schlug den schweren Einband aus gegerbter Menschenhaut auf.


"Willkommen der, der du dich auf dem Weg zur "Stimme des Todes" befindest."


Er schluckte schwer als er diesen ersten Satz gelesen hatte und schlug das Buch wieder zu. Lange Zeit betrachtete er stumm den Folianten dort auf dem Podest. Auf seinen Lippen formte sich ein schmales, zufriedenes Lächeln .....



[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/libertenebraruyitrva4osj.jpg[/img][/url]



Ich werde vom Tisch der Dekadenz stehlen, um die Münder der Schwachen zu speisen.
Zuletzt geändert von Magnus Siluvaine am Mittwoch 20. August 2014, 20:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Magnus Siluvaine
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Beitrag von Magnus Siluvaine »

Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Haß, dann laß mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen.




Kapitel I: Traumfänger



Der kleine, pechschwarze Rabe saß vollkommen regungslos dort auf dem Fensterbrett. Sein Gefieder schien die perfekte Tarnung zu sein und ließ ihn beinahe eins werden mit der schwärze der Nacht. Der Kinderfaust große Kopf richtete den Blick seiner dunklen Knopfaugen in das Innere des heruntergekommen Zimmers oberhalb der Taverne. Drinnen war es ebenso finster wie außerhalb, nicht eine Kerze brannte, kein Schein einer Kohlepfanne erhellte den Raum. Dennoch saß der Rabe starr da und schien zu beobachten. Was spielte Zeit denn schon für eine Rolle ? Die Krähenfüße bohrten sich noch fester in das morsche Holz des Fensterbrettes, ganz so als wäre es ein Ausdruck von aufkeimender Vorfreude.


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Die Hände griffen nach der schweren, grauen Robe. Die kleinen, in den Stoff eingewebten, Knochenfragmente klackerten leise in dem dunklen Kellerraum, als er sich die Robe des Dieners überzog. Genau 127 davon zierten die Robe, er hatte sie, wie jedesmal bevor er dieses Relikt anzog, alle gezählt, genauso wie es der Ritus verlangt und vorschreibt.

Das aus Messing gefertigte Kohlebecken, welches er genau neben dem Altar aufgestellt hatte, erhellte den Raum gerade gut genug dass er sämtliche dort ausgebreiteten Utensilien noch erkennen konnte. Langsam stieg nun auch ein dünner, beissend riechender Rauchfaden von der Kohlepfanne gen der Kellerdecke. Obwohl sich sein Körper dagegen sträubte, zwang er sich, den beissenden Rauch tief einzuatmen. Die blaugrauen Augen warfen einen Blick auf den aufgeschlagenen Folianten dort auf seinem Podest und er nickte zufrieden nachdem er sich so vergewissert hatte, dass das Ritual genau nach der Beschreibung auf den uralten Seiten verlief.



Die Ohrringe. Sie waren der Schlüssel. Sie hatte jene arglos entgegen genommen. Doch was hätte sie auch für eine Grund haben sollen ängstlich oder zurückhaltend zu sein ? Es waren lediglich Ohrringe ! Zumindest für den unwissenden Beobachter.... Sie zog sie schließlich an weil sie dachte er würde dann Ruhe geben und es würde ihm eine Freude machen. Doch in Wirklichkeit stellte sie ihm so selbst den Fokus zur Verfügung, welchen er nun als Nährboden für das Ritual nutzte.


Ein leises, dumpfes Geräusch ertönte als der Diener dort vor dem Altar auf die Knie fiel. Er spürte wie der Rauch aus der Kohlepfanne seine Wirkung immer weiter entfaltete und Schwäche und Müdigkeit Einzug erhielt in seinen Körper. Er hatte nur diesen einen Versuch, denn für die Erstellung einer weiteren Tinktur zur Erzeugung des Rauches fehlten ihm die Ingredenzien. Ein weiterer Grund warum es so wichtig war dass er Erfolg hatte und sie ihm brachte was er brauchte.


Die Schere. Sie war der zweite, kleine Baustein. Natürlich war ihm klar dass Sie ihm nicht freudig lächelnd geben würde was er wollte. Aber darum ging es auch nicht. Es ging darum dass sie die Schere nahm. Es ging darum sie so weit zu provizieren, dass sie versuchen würde ihn damit zu verletzen. Und letztlich ging es darum ihr durch diesen Versuch so nahe zu kommen, um einen winzig kleinen Tropfen der Tinktur auf ihre Hand aufzutragen zu können. Alles was er jetzt noch tun musste war sie weiter in Rage zu bringen. Je mehr ihr Blut jetzt in Wallung kam, desto scheller würde die schwere Müdigkeit einsetzen und desto schnelle würde sie einschlafen ohne daran zu denken die Ohrringe, die als Fokus für ihn unablässig waren, abzulegen.


Für sie genügte ein kleiner Tropfen der Tinktur, aber er selbst musste penibel genau darauf achten dass auch der letzte Tropfen in dem Kohlbecken neben ihm verdampfte, so war es in dem Folianten niedergeschrieben. Sein Kopf wurde schwer und knickte ein. Für die Dauer eines Herzschlages schloß er die schweren Augenlider... und sah ein erstes Bild. Sie saß dort... in der Taverne in Bajard... er hatte es geschafft. Er war in ihren Traum eingedrungen. Ein letztes mal öffnete er die Augen. Etwas fehlte noch. Er wollte nicht nur in ihren Traum eindringen, nein, er wollte den Traum manipulieren. Es kostete ihn sichtlich Kraft und es bildeten sich dicke Schweissperlen auf seiner Stirn. Aber das Gebet musste gesprochen, so verlangte es der Ritus:



  • "Mit meiner Kraft zerstöre ich,
    Mit meinem Wort verderbe ich,
    Mit meiner Macht beherrsche ich,
    Mit meinem Blut korrumpiere ich."



Ein dumpfer Aufprall ertönte als er Diener zur Seite kippte und ohnmächtig dort auf dem Boden lag. Die dicken Schweissperlen rannen über seine Wange und baumelten von dort aus auf dem Marmorboden. Auch seine Körperlage war sicherlich alles andere als bequem. Doch all dies bekam er in diesem Moment nicht mit.

Er saß dort in der Taverne in Bajard, genau neben der rothaarigen Frau. Er umarmte sie, lächelte sie an. Und er tröstete sie. Er stimmte ihr zu als sie ihm erläuterte dass der Streit unnötig war und er beteurte ihr dass nun alles wieder gut sei. Natürlich sei nun wieder alles in Ordnung und man würde weiter zusammen arbeiten wie zu vor. Und er konnte ihr sogar ein Lächeln abgewinnen, als er ihr erklärte dass ihr die kurzen Haare durchaus sehr gut anstehen. Einige Zeit lang plauderten sie noch über dies und das, doch dann erklärte sie ihm dass sie nun gehen müsse. Und so zahlte er das Essen und die Getränke und begleitete sie noch zur Kutsche. Dort verabschiedete sie sich von ihm und sie sah glücklich und zufrieden aus, auf eine solche Art und Weise, wie er sie bisher noch nie gesehen hatte. Er sah der Kutsche noch einen Moment lang nach. Erst dann verstaute er die kleine Schatulle, welche sie ihm geschenkt hatte, in seiner Tasche und machte sich langsam auf in Richtung des Waldes.




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Die ersten, schmalen Sonnenstrahlen drangen nun durch das milchige, ungeputzte Fenster Der Rabe neigte den Kopf ein wenig zur Seite und betrachtete die Frau dort im Bett noch eine Weile weiter. Sie hatte sich stundenlang hin und her gewelzt, Decke, Laken und Kissen befanden sich inzwischen auf dem Boden, der Schlaf war wohl alles andere als ruhig und sanft. Ab und an schien sie ihm Schlaf zu reden... Worte zu murmeln... und dazwischen auch immer wieder einen Namen. Schweiss schien ihren Körper zu benetzen. Der Rabe neigte den Kopf nun in die andere Richtung. Dort sah er den Nachttisch. Auf jenem lag eine kleine, geschlossene Schatulle und direkt daneben eine alte Schere, die Schneide aufgeklappt und zwei oder drei feurrote Haare hatte sich um die obere klinge gewickelt. Der Rabe öffnete den Schnabel, ein lautes Krächzen wurde ausgestoßen, dann drückte er sich von dem Fensterbrett ab und erhob sich mit kräftigen Flügelschlägen in den Himmel ......



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Dunkle Träume lasten auf dem Herzen.
Die Saat der Ketzerei ruht in den Träume der Vernünftigen
"Theoretisch möglich !"
Liska Erlengrund

Beitrag von Liska Erlengrund »

“Scheiße...“

Die Stirn lehnte sich an das Holz, während sie tief durchatmete. Sie hatte genug von diesem Tag, eindeutig. Erst diese Seeratte, die sie provoziert und so unverschämt an Veiyla rumgetatscht hatte und dann dieser abstruse Streit!

Sie hatte den Termin nicht eingehalten, dessen war sie sich bewusst. Und ebenso bewusst war sie sich, dass man seinen Auftraggeber versöhnen musste. Man verzichtete für gewohnt auf einen Teil der Auszahlung, ließ sich auf einen kleinen Gefallen ein oder gab Versprechungen in die Zukunft, die sich auf künftige Geschäfte beschränkten. Das genügte meistens den Interessenten und die weiteren Geschäftsbeziehungen konnten ihren Lauf nehmen ohne weitere Störungen. Doch nicht so mit ihm, nein....

Die Müdigkeit überrannte sie geradezu. Der lange Tag, das übermäßige Training und dann auch noch diese Vision, die am Nachmittag durch sie durch gedrungen war. Es war bereits die zweite gewesen und beide ließen sich nicht verbinden. Ein Teil fehlte, dessen war sie sich bewusst, doch wie dieses aussehen sollte, erschloss sich ihr nicht. Irgendetwas fehlte...eindeutig.
Die Gedanken wurden schwammiger. Der Rotschopf war sich kaum bewusst, wie sie die Schere in der Hand auf den Nachttisch legte, die Lichter löschte und in kompletter Montur auf das Bett fiel. Sie wollte einfach nur schlafen und vergessen, dass sie sich wieder einmal auf den falschen Kerl eingelassen hatte. In der Liebe wie im Handel war das Glück ihr nicht hold, wie es schien. Doch statt der Ruhe fiel sie in einen unruhigen Schlaf. Der Traum konnte beginnen, während sie sich begann, unruhig hin und her zu werfen...

Die Taverne war an diesem Abend gut besucht. Stimmen umrankten sie, während sie nervös an der Schatulle herumfriemelte in ihrem Schoß. Eine große Reue durchdrang sie, wie sie sie noch nie gespürt hatte. Und dann war da dieses Hoffen auf Vergebung. Würde er kommen?

Die Decke fiel auf den Boden, als sie sich im Schlaf aufsetzte; die Augen öffneten sich, ohne dass der Geist in ihr dabei erwachte. Das fahle Licht der Laternen an der Tavernenaußenwand schien karg in die Kammer und gaben dumpf das Aufblitzen der Schweißperlen wieder, die auf ihrer Stirn sich bildeten. Der stumpfe Blick glitt zu dem Nachttisch und der Schere, als die Hand begann, nach jener zu greifen...

„Natürlich vergebe ich dir....“ Sie wusste nicht warum, doch mit diesen Worten fiel ihr ein Stein vom Herzen. Sie brauchte seine Aufträge, brauchte ihn. Ihr war nicht klar, wieso oder warum, doch einzig und allein, dass er gekommen war, hatte ihr bereits neuen Mut geschenkt. Er würde das Geschenk annehmen, ganz sicher.

Es wirkte so einfach und entspannt, wie die Schere durch den Zopf glitt, das Haar vom Schopf löste. Die Verflechtung löste sich am offenen Ende, sobald die scharfe Klinge es aus seinem Halt löste. Und irgendwann erklang dieser leise dumpfe Laut, als der Zopf zu Boden fiel. Geistesabwesend legte die Rothaarige die Schere wieder auf den Nachttisch und legte sich wieder hin, als sei nie etwas gewesen.

„Du siehst gut aus. Irgendwie verwegen und jünger. Das wird uns nützen, in zukünftigen Geschäften.“ Seine Worte taten gut, Balsam auf der geschundenen Seele, die so einiges auszuhalten hatte. Es war alles zu viel dort draussen in der Welt und einzig diesen Moment würde sie auskosten und genießen. Die Nacht sollte ihrem Wunsch nach nie enden...

So ruhig der Traum auch war, so lieblich die Bilder, sie kamen nicht gänzlich von ihr. Und so kämpfte unbewusst der Körper, warf sich hin und her, knirschte mit den Zähnen. Worte entfleuchten ihr murmelnd, Worte und ein Name.
„Mordrid...“
Ihre Kleider waren durchnässt vom Schweiß, klebten an ihr. Rote, lose Haarsträhnen verteilten sich auf dem zerknitterten Laken. Die Ohrringe hatten ihr Werk vollbracht, ihren Dienst geleistet, wie es hatte sein sollen.

Es war das Krächzen des Rabens samt einer zugeknallten Türe innerhalb des Gasthauses, das sie aufschrecken ließ. Der Atem ging stoßweise, das Herz schien zu rasen. Die Gedanken waren noch halb im Traum, dem unruhigen Schlaf gefangen, als ihr Blick gen Fenster schnellte, um die Zeit einzuschätzen. Die faden Sonnenstrahlen verrieten ihr, dass sie sich beeilen musste, um beim morgendlichen Lauf dabei zu sein

Es dauerte,... dauerte den Weg zur Waschschüssel und dem täglichen Prozedere des Wassers ins Gesicht hin. Und als das kalte Wasser in den Nacken gewischt wurde, wachte jeglicher Sinn in ihr auf. Die Hand suchte vergebens den Rest des Zopfes, als sie plötzlich ruckartig den Blick hob und sich im Zimmer umsah. Steif erblickte sie die chaotische Bettstatt, die von roten Fäden durchzogen war. Nein, keine Fäden...Haare....und auf der Decke am Boden lag der geflochtene Zopf, in seiner vollen Pracht. Nur das gelöste Ende hatte sich aufgedröselt und gab wellig den feuerroten Schein wider auf dem weißen Untergrund. Nein...nein das kann nicht sein! Ihre Nerven waren bereits angespannt; der Entzug würde heute wieder sie quälen und das Zittern ihr ständiger Begleiter sein. Doch nun durchfuhr eine unergründliche Angst sie ebenso. Hatten die Visionen etwas damit zu tun? War das eine Prüfung oder eine Nachricht eines Wesens, das nun durch sie sprach? Sie hatte es schon beobachtet bei anderen Schwestern. War sie nun dran?
Angst. Diese Angst machte sich in ihr breit, nicht bereit zu sein für so etwas. Sie verstand nicht, was in den letzten Tagen mit ihr geschah und langsam aber sicher nagte es an ihr...

Sie verließ das Zimmer einen halben Stundenlauf später. Die Kammer war aufgeräumt, die nassen Kleider in einer Ecke liegend. Und auf dem Nachttisch, neben der Schatulle, lag der Zopf, der nun an beiden Enden jeweils mit einem Lederband zusammengehalten wurde.
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Magnus Siluvaine
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Beitrag von Magnus Siluvaine »

Wage es nicht, mich oder meine Methoden zu verurteilen du engstirniger Narr! Du kannst weder die Größe der Aufgabe verstehen, die ich mir gestellt habe, noch die Konsequenzen meines Versagens.


Kapitel II: Manipulation


Inzwischen war es fast schon wieder so wie früher, wie in den alten Tagen. Er genoß die Momente die er hier im Gewölbe verbrachte und ebenso genoß er den süßen Geschmack der Vorfreude wenn er eine weitere Etappe erreicht hatte und sich auf den Weg machen konnte den nächsten Stein ins Rollen zu bringen. Bisher lief alles nach Plan, doch gab es bisher auch nur wenige Variablen in seiner Gleichung. Er brauchte Sie, hatte viel mit ihr vor, doch war ihm auch klar dass es mit jedem weiteren Schritt schwieriger werden würde konkrete Pläne zu schmieden. Ihr derzeitiger "Zustand" konnte für ihn jedoch nur von Vorteil sein. Sie war geschwächt, körperlich und geistig, und so sollte es zumindest bei den nächsten Schritten keinerlei Probleme geben.

Er zog die schwere Robe über den Kopf und legte sie, nachdem er sie sorgfältig zusammen gefaltet hatte, auf dem Altar direkt neben dem Podest mit dem Folianten ab. Es war vollbracht und nun musste er sich beeilen. Er musste wieder vom Zielort verschwunden sein ehe es hell wurde, und es war ein weiter weg dorthin.....


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"Mordrid. Ich danke dir .... du bist gerade rechtzeitig gekommen. Wärst du nicht hier .. ich wäre rückfällig geworden ... Ich bin so froh dass du da bist ..."
Er lächelte sie an und winkte beiläufig mit der Rechten ab. Worte von ihm waren nicht nötig, sie erkannte an seinem Gesichtsausdruck dass er es ehrlich mit ihr meinte.... gut mit ihr meinte....


Der ohnmächtige Körper des Dieners dort auf dem Marmorboden regte sich ein wenig. Die linke Hand zuckte plötzlich und der dadurch enstehende Luftzug löschte die Flamme einer der unzähligen Kerzen die dort rund um ihn auf dem Boden aufgestellt wurden. In ihre Träume einzudringen und ihr das Erlebte des Tages in verfälschter aber real wirkender Art und Weise zu implementieren kostete auch ihn Kraft.


Erneut kam eine Kutsche an, doch keiner von beiden ließ sich von den aussteigenden Fahrgästen ablenken. Zu tief waren sie dort am Lagerfeuer nahe Bajards in ihr Gespräch verwickelt.
"Weisst du Mordrid. Ich war nicht ehrlich zu dir .... Die Sache mit dem Zopf ... ich habe ihn nicht wegen dem Training abgeschnitten. Ich .... ich habe es getan weil du es dir gewünscht hattest ...."
Er nickte einmal und reichte ihr das Bündel aus ihrem feuerrotem Haar. Dabei beugte er sich etwas zu ihr herüber. Er flüsterte ihr zu dass er das wusste. Er flüsterte ihr zu dass er nun möchte dass sie den Zopf wieder an sich nimmt da er ihn, jetzt wo sie endlich ehrlich zu ihm war, nicht mehr brauchte. Und er flüsterte ihr zu dass sie ihn nie wieder zu belügen braucht und dass er ihr helfen würde auf ihrem hartem Wege.
Glücklich und erleichtert lächelte sie ihn an. In diesem kurzem Moment schien sie sich das erste mal seit sehr langer Zeit wieder wohl und geborgen zu fühlen....



Ruckartig erwachte der Diener aus seiner Ohnmacht. Er war blass, müde und geschwächt. Schweiss benetzte jeden Zoll seines Körpers. Das Traumritual forderte seinen Tribut, und dennoch war es wichtig, ja unablässig, für sein Vorhaben dass er sie die letzten Stunden immer und immer wieder diese beiden Szenen in ihrem Traum sehen ließ. Er musste sicher sein dass sich diese Bilder, und die damit verbundenen Emotionen auch tief bis in die letzte Wurzelspitze ihres Unterbewußtseins implementierten.

Er brauchte zwei Versuche, bis es ihm schließlich gelang sich zu erheben. Langsam und leicht gebeugt schritt er an den Altar, umschloß mit beiden Händen einen Messingkelch in Form eines Menschenschädels mit geöffneter Schädeldecke, und leerte den dampfenden Inhalt mit einem Zug. Der Sud schmeckte scheußlich. Er war bitter und brannte in der Speiseröhre und es kostete ihn seine letzten Kräfte um sich zu beherrschen und sich nicht zu ebrechen. Als er den Kelch wieder abstellte entdeckte er am Rand eine daumennagelgroße, feuerrote Haarspitze. Offenbar war die Strähne zu lang gewesen, als dass sie sich hätte vollends in dem Sud auflösen können. Doch das war nicht wichtig, für heute würde es reichen. Und ihm fehlte sowohl die Zeit, als auch das Material um das Ritual von vorn zu beginnen, denn er hatte sich nur drei Strähnen genommen und somit nur noch zwei von ihnen übrig. Er schloss die Augen und atmete mehrmals tief durch während das Gebräu seinem Körper zu neuen Kräften verhalf.

Schließlich griff er nach dem blutroten, aus Dämonenknochen gefertigten Ritualdolch und wandt sich um. Noch während er zu dem frisch gezogenen Pentagramm auf dem Boden schritt, entledigte er sich des Handschuhs an seiner rechten Hand. In der Mitte des Pentagramms angekommen ging er auf die Knie und stellte neben sich eine kleine Phiole ab, welche bis zur Hälfte mit klarer Flüssigkeit gefüllt war. Den Schnitt, den er sich in der Fingerkuppe des Zeigefingers zufügte spürte er gar nicht, zu dick hatte sich dort, an jener Stelle, in den letzten Jahren die Hornhaut gebildet. Er drückte seinen Finger gegen den offenen Rand der Phiole und wartete bis drei Tropfen seines Blutes sich mit der Flüssigkeit vermengten. Ein leises Zischen ertötente, aber nachdem sich das Blut mit der Flüssigkeit vermengte war der Inhalt der Phiole wieder glasklar und durchsichtig. Er verschloss das Behältnis mit einem Korken und verstaute es in seiner Tasche. Dann drückte er die blutende Fingerkuppe genau in der Mitte des Pentagramms auf den Marmorboden. Noch während er den Namen "Liska" dort mit seinem Blut auf den Boden schrieb sprach er das Gebet:




  • "Betet zum unsterblichen Krathor
    - Denn er ist unser Beschützer

    Preiset unseren unsterblichen Krathor
    - Für seine strenge Führung

    Ehret unseren unsterblichen Krathor
    - Für seine ewigwährende Macht

    Heiligt unseren unsterblichen Krathor
    - Denn er ist unser Herr und Meister

    Achtet unseren unsterblichen Krathor
    - Denn ohne ihn sind wir nichts"




_________________________________________________________________


Noch während er sich die Treppen in der Taverne nach oben zu den Gästezimmer schlich dachte er über die Geschehnisse der Nacht nach. Die Worte waren gesprochen worden, der Trank wart getrunken und die Phiole vorbereitet worden. Das Band konnte also geknüpft werden. Doch um sicher zu gehen dass die Bindung stark genug war und nicht drohte abzubrechen musste sie den Inhalt der Phiole selbst und freiwillig zu sich nehmen. Das Risiko, dass das Band im falschen Moment reisst, wenn er ihr die Phiole selbst einflöste war zu unkalkulierbar. Doch auch dafür hatte er sich etwas ausgedacht.

Mit einem selbstzufriedenem Schmunzeln stellte er fest dass ihre Tür einen winzigen Spalt weit geöffnet war. Das mit dem Schlafwandeln funktionierte ohne Probleme, blieb nur zu hoffen dass auch die in ihr Unterbewußtsein eingepflanzten Bilder und Träume die erhoffte Wirkung zeigten. Leise öffnete er die Tür, gerade weit genug, um sich hindurch schieben zu können. Dort lag sie auf ihrem Bett. Das Laken zerwühlt, Decke und Kissen erneut auf dem Boden. Unruhiger Schlaf war nunmal eine der Nebenwirkungen. Doch jetzt gerade lag sie seelenruhig dar, und das leise Schnarchen deutete auf einen tiefen Schlaf hin. Dennoch wollte er sich beeilen. Er zog seinen Umhang aus, legte ihn auf ihr ab und drehte sie ein wenig, so dass sie halb auf dem Stoff lag. Dann legte er ihre Arme um das alte Kleidungsstück, so dass es wirkte, als hätte sie sich die Nacht über eng an jenes gekuschelt. Auf dem Nachttisch platzierte er einen, vor dem Bett zwei Weinkrüge, in beiden war nur noch ein winziger Rest von dem tiefroten Rebensaft enthalten. Schließlich öffnete er eine Flasche Wein und verteilte einen kleinen Teil des Inhalts auf dem Laken und auf dem Boden vor dem Bett. Bis sie aufwachen würde, wären die kleinen Spritzer und Pfützen eingetrocknet. Zum Schluss platzierte er noch einen Brief auf dem Nachttisch. Dann schlich er sich wieder hinaus und schloss leise die Türe. Nur wenige Augenblicke später flog ein Rabe in Richtung Bajards.





Liebe Liska,

ich bin gestern Abend sofort zu dir geeilt als mich deine Nachricht, dass du mich sehen willst und meine Hilfe brauchst, erreichte.

Doch leider erreichte sie mich zu spät... Ich weiss nicht woher du den ganzen Wein hattest, aber es spielt auch keine Rolle. Ich sagte dir schon bei unserem Treffen am gestrigen Mittag dass ich dir helfen werde, und dazu stehe ich immer noch.

Ich habe deinem Wunsch zu bleiben nicht entsprochen, ich würde niemals etwas tun was dich denken lassen könnte dass ich deine Situation versuche auszunutzen. Ich bin allerdings so lange geblieben bis ich sicher war dass du in einen festen Schlaf gefallen bist, denn Schlaf war aus meiner Sicht das wichtigste für dich.

Ich werde in der Taverne in Adoran auf dich warten, so wie ich es dir heute Nacht versprochen habe. Ich bin für dich da.

Wir schaffen das zusammen, du und ich.



Mordrid





Komm, nimm meine Hand! Es gibt keinen Wunsch, den ich dir nicht erfüllen kann, kein Verlangen, das ich nicht stillen kann. Vergiss deine Götter, deine Familie, deine Geliebten. Was können sie dir schon bieten! Ich kann dir mehr bieten, als du dir jemals erträumt hast, ich kann dir solche Dinge zeigen, solche Freuden bereiten. Keine Liebe ist stärker als meine! Komm nun, folge mir! Es ist so ein einfacher Schritt, so schnell getan! Ja, so ist es richtig. Komm zu mir, mein Champion, und bleibe für immer...
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Liska Erlengrund

Beitrag von Liska Erlengrund »

„Irre ich mich oder bist du sonst nicht ganz so vertrauenseelig gegenüber Fremden?“

„Er ist wie ein Bruder für mich...“

Das Unterbewusstsein eines Menschen ist ein Ort, an dem alle Geheimnisse aufbewahrt werden. Dort, tief in dem Geist versteckt, verbergen sich alle Hoffnungen, Sehnsüchte, Träume und Ziele. Aber auch die Ängste und Zweifel haben ihren Platz fein säuberlich dort eingenommen. Es ist der Platz, der einen davor bewahrt, zu viel von sich Preis zu geben. Er soll den Geist schützen, soll den Menschen davor bewahren, verletzbar zu sein. Doch wenn einmal dieser Schutz gebrochen ist, verändert sich der Mensch. Im schlimmsten Falle kann dieser Riss zum Wahnsinn führen...

Sie hatte bewusst einige Dinge nicht ausgesprochen, doch hätte ihre Schwester gefragt, wären auch jene benannt worden. Mochte sie die ganze Welt um sich herum belügen, eine Schwester aus der Gemeinschaft wurde schlichtweg nicht getäuscht. Und doch waren so viele Dinge unausgesprochen. Sie träumte oft von ihm und allzu oft gingen die Gedanken auch nach Bajard oder Adoran in die Taverne, um sich einzelne Gespräche wieder in Erinnerung zu rufen. Nein, sie war sich ganz und gar nicht klar darüber, was das Ganze bedeutete. Sie wusste lediglich, dass es ihr gut tat, dass sie das Gefühl hatte, wieder ruhiger innerlich zu werden.

„Ich hab' nur schon lange keinem Mann mehr so vertrauen können. Es ist als würde er mich grundlegend verstehen. Als würde er alles über mich wissen. Er ist einfach da...“

Unbewusst wehrte sich ihr Geist, strebte gegen den Einfluss an. Ja, er war wieder erstarkt und hatte eine Form angenommen, die auch ihr neu war. Und doch war der Samen schon zu tief in ihr verankert, sodass sie die geformten Gedanken in ihr ausbreiteten. Das Trugbild schien richtig und völlig klar.
Vergessen und verdrängt durch die falschen Bilder war der Abend, an dem sie gewarnt wurde. Ausgelöscht der Satz, der das alles hätte beenden können.

„Mordrid ist nicht gut, Liska... ganz und gar nicht gut.. wir können nur helfen, wenn du es willst...“

Er hatte dafür gesorgt, dass sie in einer anderen Welt lebte. Ihre Gedanken kreisten um ihn wie um einen Bruder, einen Vertrauten und waren fest in ihrem Geist verankert. Ja, die Saat der Illusionen hatte sich nur zu gut ausgestreut, hatte ihren schwachen Moment ausnutzen können. Sie hatte hungernd geradezu das geheuchelte Mitgefühl in sich hineingesogen und war ausgefüllt damit. Ihr Tun wäre vertrauensvoll und loyal ihm nun gegenüber. Schließlich hatte er sie ebenso geschützt und nicht verraten, als sie an dem einen Abend ein weiteres Mal schwach geworden war. Noch immer konnte sie sich die Erinnerungslücke nicht erklären und diesen totalen Ausreißer. Doch es spielte keine Rolle mehr. Sie war langsam, aber sicher dabei, sich zu erholen und wieder gestärkt an ihre Aufgaben zu gehen. Einige Dinge müssten entschieden werden. Wichtige Entscheidungen, die sie wieder klarer werden lassen sollten in ihrem Geist...

Der Geist eines Menschen ist manipulativ. Ihn zu beeinflussen kann sowohl mit subtilen Mitteln erfolgen als auch mit höherem Wirken. Man sollte jedoch stets darauf achten, dass man den Willen eines Menschen nicht bricht. Ein gebrochener Geist und Wille ist im nachfolgenden meist eher unberechenbar und viel schlechter zu manipulieren als ein sanft geschaffenes Weltbild. Gewalt und Grobheit können für schwerwiegende Traumatas sorgen und im Zweifelsfall sogar die ganze vorherige Arbeit zunichte machen, da der Mensch nicht mehr in seinen Fähigkeiten zu gebrauchen ist. Daher ist die Maipulation des Bewusstseins eines Menschen mit Vorsicht zu genießen.

„Sei bedacht mit Mordrid.“

„Er ist vertrauenswürdig. Glaub mir.“

„Ich bitte dich auch nur, auf dich acht zu geben, ja?“

„Ja... werd' ich. Versprochen.“

Sie war schon mittendrin in dem Ganzen. Unbewusst und ohne es zu wissen steuerte sie auf etwas hinzu, dessen Tragweite sich ihr schlichtweg nicht auftat. Und wohin es auch gehen sollte, so war diese Entscheidung nicht mehr die ihrige...
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Magnus Siluvaine
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Beitrag von Magnus Siluvaine »

Ein freier Verstand ist wie eine unbewachte Festung mit offenen Toren


Kapitel III: Trugbilder


Eng hatte der kleine, pechschwarze Rabe die Flügel an den Körper angelegt. Es war ungewöhnlich für diese Jahreszeit und viel zu früh, aber der Baum, in dessen Krone er sich niedergelassen hatte, verlor bereits die ersten Blätter. Doch war das Blättermeer noch immer dicht genug um den Vogel vor zufälligen Blicken zu verbergen. Der kleine Kopfe ruckte unablässig von links nach rechts, die Knopfaugen waren offenkundig auf der Suche nach irgendetwas oder irgendjemanden.

Er hatte die letzten vier Tage damit verbracht ihre morgendliche Route zu erkunden. Natürlich würde man einen Raben nicht als „ungewöhnlich“ bezeichnen, von denen gab es hier mehr als genug. Aber dennoch musste er auf der Hut sein und darauf achten dass niemand merkte dass er sie verfolgte. Und so hatte er sich Zeit genommen. Am ersten Tag begnügte er sich damit herauszufinden wo sie ihr Training beginnen würde. Und die nächsten drei Tage hatte er sie immer in kleinen Etappen begleitet.

Erneute ruckte der kleine Kopf zur Seite, würde ihn jemanden beobachten, könnte man fast annehmen er wäre aus irgendeinem Grund nervös. Wo blieb sie nur?

Auch die letzten Nächte hatte er sich stets in ihre Träume geschlichen. Das Gebräu hatte inzwischen genug Zeit um sich in ihrem Körper auszubreiten und die körperliche Schwäche nach dem Training sollte nun den Boden bereiten für den ersten Test. Die Macht des Nachts ihr Unterbewusstsein zu manipulieren hatte er erworben, ja. Nun war es an der Zeit sich auch in ihr normales Bewusstsein einzuschleichen. Ein kleiner, winziger Eingriff, nicht mehr als ein Test. Doch nach und nach würde er sich in ihr ausbreiten wie ein Geschwür. Und dann … könnte er endlich mit dem Beginnen, was er mit ihr vor hatte……



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Er saß stumm an dem großen Tisch der Taverne. Wie immer um diese Zeit herrschte gähnende Leere. Ein Blick zur Schankmaid verriet ihm, dass diese wohl gegen den Wunsch einfach einzuschlafen ankämpfte, denn ein weiteres Mal begann sie jene Krüge, die sie gerade erst gereinigt hatte, von vorne zu polieren. Der Blick seiner blaugrauen Augen senkte sich auf seinen eigenen, mit klarem Wasser gefüllten, Krug. Wasser … irgendwie konnte er jenem noch nie wirklich etwas abgewinnen, zumindest nicht seitdem er schon als Knabe das erste Mal den intensiven Geschmack eines strengen, roten Weines gekostet hatte. Anders wie sie hatte er sich dabei jedoch im Griff. Aber es brachte nichts, wenn sie wieder weg war konnte er sich immer noch einen „richtigen“ Krug gönnen.

Er erhob sich, gab den halbvollen Krug an die Schankmaid zurück und verließ die Taverne. Es sollte nicht mehr lange dauern bis sie endlich kam. Doch würde er nicht im Innern auf sie warten. Sie sollte den Schankraum betreten, sich nach ihm umsehen und dann feststellen dass er nicht da war. Sie sollte das Aufkeimen dieses unwohlen Kribbelns spüren während sie sich fragte ob Sie ihn verpasst hatte, ob sie nicht hätte schon früher aufbrechen sollen …. und ob er ihr nun böse sein würde.

Und sein Aufbrechen erfolgt keine Minute zu früh, denn kaum hatte er die Taverne durch den hinteren Ausgang verlassen, trat sie ein. Sie hielt ein Bündel in ihren Armen, sah sich um, und drückte es in jenem Moment fester an ihren Leib als sie feststellte dass dort niemand war der auf sie wartete…..

Nach einiger Zeit setzte sie sich auf genau jenen Stuhl, auf welchem er sich die Zeit mit dem Warten vertrieben hatte. Das Bündel legte sie vor sich ab und ihr Blick wand sich gen des Eingangs.

Er schob die rechte Hand in seine Tasche und seine Finger umtänzelten die kleine Phiole, die dort verborgen im inneren schlummerte. Seine Mundwinkel hoben sich an und er leckte sich, in vorfreudiger Erwartung, einmal über die Lippen. Es fühlte sich für ihn beinahe so an, als ob er ihre Verwirrtheit und ihre innere Qualen schmecken konnte.

Es war an der Zeit das Schauspiel beginnen zu lassen, und so ging er um das Gebäude und betrat es erneut vom vorderen Eingang. Kaum war die Tür wieder hinter ihm geschlossen konnte er sehen wie ihr Kopf nach oben ruckte und sie in seine Richtung blickte. Ein kurzes aufleuchten ihrer Augen und ein ebenso kurzes aufhellen ihrer Gesichtszüge. Freude und Erleichterung ihn zu sehen ? Dass er doch noch einmal kam?



„Es verläuft genauso wie es niedergeschrieben stand ….“


Doch drängte er den Gedanken sogleich wieder bei Seite und bemühte sich um ein besorgtes Gesicht.

Die Begrüßung glich eher einer Höflichkeitsfloskel, doch hatte er auch nicht erwartet dass sie ihm direkt um den Hals fallen würde. Sie wollte etwas sagen, doch er winkte ab und ging zur Schankmaid. Sie blinzelte einmal verdattert als er schon wieder vor ihr Stand, doch er drückte ihr direkt das doppelte an Münzen in die Hand als er ihr eigentlich für die beiden Krüge Wasser geschuldet hätte, und für sie war dies wohl Grund genug ihre Verwunderung nicht mit Worten zu untermalen.

Schnell fand der Inhalt der kleinen Phiole den Weg in einen der Krüge und während er sich zurück zum Tisch begab, hatte sich das Wasser mit dem Gebräu bereits vollends vermischt.

Innerlich musste er Schmunzeln als er dann neben ihr saß und sie es anfangs nicht schaffte ihm in die Augen zu blicken. Erneut konnte er ihre Verwirrtheit, gemischt von Scham und Reue aufgrund des eingebildeten Rückfalls hatten sie erfasst.

Sie schob ihm das Bündel, welches sie mitgebracht hatte, herüber. Es war sein Umhang, sorgsam gefaltet. Sie beteuerte dass sie sich nicht mehr an die Nacht erinnerte, dass sie keine Ahnung habe woher sie all den Wein hatte. Und er beteuerte erneut dass er ihr helfen würde, für sie da wäre und sich um sie kümmern würde. Für ihn hatte all das Ähnlichkeit mit einem eingeübten Theaterstück, doch für sie war es Realität, für sie war es echt… Jetzt endlich hob sie den Kopf an und blickte ihm direkt in die Augen. Dieser Moment … ihr Blick … und ihr Ausdruck in den Augen waren der Beweis dass er mit seinen nächtlichen Heimsuchungen Erfolg hatte.



„Ich danke dir Mordrid dass du für mich da bist ….“


Lange ging das Gespräch nicht mehr, und es war auch nicht mehr von Nöten, hatte sie doch endlich ihren Krug bis zur Hälfte geleert. Mehr als ausreichend …. Die Verabschiedung war lange nicht mehr so kühl wie die Begrüßung und er konnte spüren dass sie eigentlich noch etwas anderes sagen wollte….


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Schritte! Endlich Schritte! Die kleinen Knopfaugen fixierten direkt den Ausgangspunkt der Geräusche. Und da kam sie auch endlich den Weg entlang. Ihr Leib war verschwitzt, was nicht zuletzt an den verklebten, kleinen Haarsträhnen zu erkennen war. Nicht für eine Sekunde entließ der Rabe sie aus seinem Blick als sie sich dort auf eine Bank setzte, die Ellenbogen auf den Knie abstützte und den Kopf in den Handflächen bettete. Sie machte stets an der selben Stelle eine Pause, doch würde sie dort nicht ewig sitzen. Wo blieb nur dieser elende Landstreicher den er bezahlt hatte?

Ganz so als hätte er die Gedanken des Dieners gehört kam die Gestalt auch um die Ecke. Sie sah sich um, suchend hätte man meinen können. Und als er den Rotschopf dort auf der Bank ging er auch direkt auf sie zu. Es konnte beginnen.

Der Rabe fixierte sie erneut mit seinem Blick, der Kopf ruckte dabei ein wenig nach vorne. Die Welt um sich herum nahm er nicht mehr wahr, weder das Rascheln der wenigen Blätter, noch die Sonnenstrahlen die sich in sein schwarzes Gefieder brannten. Er sah nur noch sie … Sein Schnabel öffnete und schloss sich in einer rhytmisch anmutenden Bewegung….

Die Frau zuckte überrascht zusammen als eine Hand ihre Schulter berührte und sie so aus den Gedanken riss. Sie hob den Blick und Überraschung übermannte ihre Züge … und dann … plötzlich .. ein kleines Lächeln.


„Mordrid !“


Natürlich war die Stimme geprägt von Verwunderung aber auch von … Freude … ?

Der Landstreicher jedenfalls öffnete den Mund, nur um ihn dann irritiert und wortlos wieder zu schließen. Er war von dem vermummten Kerl am Morgen dafür bezahlt worden hier auf eine rothaarige Frau zu warten und er sollte, sobald sie sich hier setzte, nur zu ihr gehen, und sie nach dem Weg fragen.



„Ich komme gerade erst vom Training. Was machst du denn hier …?“


Der Landstreicher räusperte sich, stammelte kurz und fragte dann wo es denn hier zur nächsten Kutsche geht.


„Willst du mich verarschen Mordrid? Du weißt doch genau wo die Kutsche ist.“



Es raschelte leise dort oben in der Baumkrone als sich ein Rabe in die Lüfte erhob und sich auf den Weg gen Osten machte. Hätte jemand diese Szene beobachtet, so hätte er, direkt nach verschwinden des Raben eine rothaarige Frau gesehen die erst einige Male blinzelte, dann einen laut der Überraschung von sich gab, und sich in dem Moment, als sie erkannte dass dort vor ihr ein Landstreicher steht, einfach nur schnell umwand und nach Hause rannte…….

Sobald sie dort die Tür geöffnet hatte, sah sie einen kleinen Zettel der unter ihr hindurch geschoben wurde.


Ich will dich sehen....

Mordrid

Gesegnet sei der Verstand der zu klein für Zweifel ist
"Theoretisch möglich !"
Liska Erlengrund

Beitrag von Liska Erlengrund »

„Es gibt Dinge im Leben die man nicht mag und auch nicht will.Und dann gibt es eben auch Dinge die man aber wirklich will, und das sind dann die Auslöser dafür, die erst genannteren Dinge doch zu tun und Risiken einzugehen ...“

Es erinnerte sie alles so sehr an damals. Dieses Verlieren in die Gedanken; das Träumen und Vorstellen einer Zukunft. Damals hatte es kein gutes Ende genommen und sie war betrogen worden. Weggeworfen wie ein leerer Sack, dem man sein Hab und Gut entnommen hatte.

Der Verstand wusste nicht mehr, was er glauben sollte oder nicht. Sie wusste, dass sie dabei war, wie ein Seiltänzer einen Balanceakt einzugehen. Und egal welche Entscheidung sie treffen würde, sie würde jeweils ein gewaltiges Risiko eingehen. Konnte sie damit leben? Sie wusste es nicht, wollte es nicht wissen. Was ihr schmerzhaft bewusst war, war die Tatsache, dass sie in beiden Fällen ein Geheimnis wahren musste. Und dass es ebenso kein gutes Ende nehmen würde. Sie kannte Tragödien, wusste um so viele Liebesballaden, in denen die Sehnsucht das einzige war, von dem gesprochen wurde. Es war ein verdammt gefährliches Spiel. Unwissend war sie nur eine Schachfigur, nicht wissend oder ahnend, welchen Posten sie einnahm.

Wem sollte sie glauben? Wem konnte sie ihr ganzes Vertrauen schenken ohne einen gewaltigen Verlust einzugehen? Es war kein Handel mehr, nein. Da war viel mehr, das sie nicht ermessen konnte. Unsichtbare Fäden durchdrangen sie, zogen sich in ihrem Innersten zu einem Ganzen und um ihr Herz herum. Sie spielten mit ihr, zogen die Strippen zurecht, um sie zur Marionette zu machen. Doch da war immer noch der innere Wille, der sich in den Kopf gesetzt hatte, das Herz zu spalten. Zweierlei Liebe...wie konnte das nur sein? War so etwas möglich? Zweierlei Sehnsucht... ein Unterschied wie Tag und Nacht schien es ihr, diese beiden Optionen. Und beide hüteten ihr Geheimnis. Beide würden sie in einen Schlund der Lügen ziehen. Wie offen könnte sie den Schwestern weiter entgegentreten? Sie war gewarnt worden,... doch wollte sie es wirklich hören?

„Es gibt Leute, die wollen nicht, dass ich dich sehe Mordrid...“

Wenn sie wählen müsste, wen würde sie wählen? Es gab zu viele Optionen, zu viele Wahlmöglichkeiten, die ihr den Kopf schwirren ließ. Sie wusste es nicht; konnte sich einfach nicht entscheiden. Nein, ….wollte sich nicht entscheiden. Ihr Herz glich einem Gittergeflecht, hunderten von Waben. Und jede von ihnen schenkte einer anderen Person das Vertrauen. Sie liebte die Schwestern, liebte diesen einen und den anderen Mann. Sie liebte ihre leibliche Schwester, die weiterhin irgendwo auf dieser Insel verschollen war. Und sie begann, jeden Gott und jede Göttin auf dieser Erde zu achten und zu respektieren. Sie begann, das Gleichgewicht zu verstehen, je mehr sie sich in diese Verstrickungen ihres Selbst verlor.

Sie wusste nur eines: Ihr Inneres war zerrissen, so sehr kämpfte es mit der getäuschten und der wahren Zuneigung. Sie selbst verstand diese Kampf nicht, verlor sich in ihm und versuchte immer wieder, die Haltung zu wahren. Sie begann, Listen zu schreiben, Punkte zu sortieren, die das Für und Wider beleuchteten. Sie studierte die Tugenden wie auch die Gebote, suchte in beiden Welten eine Erklärung für das, was in ihr tobte. Immer wieder verlor sie sich in den Weiten der Bibliotheken, verbrachte ihre freie Zeit dort. Sie wollte Antworten und Zeit für sich. Doch die Gedanken ließen sie nicht allein. Es wäre ja auch zu einfach...

„Das ist der Falsche Ansatz Liska. Der richtige wäre: Nimm was du willst, denn sonst wird es dir genommen“

Sie war nicht mehr die skrupellose Händlerin, nein. Die Zweifel und die Suche nach dem Sinn hatten sie zu sehr verändert. Die Schwesternschaft hatte sie geformt und Eluive sich ihr mehr als einmal gezeigt. Sie hatte einen anderen Weg einzuschlagen; sie hatte es sich Selbst versprochen. Sie musste an ihre Grenzen gehen. Doch jene erst einmal herauszufinden und zu entdecken war eine völlig neue Aufgabe. Und so zermarterte sich das Hirn weiter darüber aus, was Richtig und Falsch sei und inwiefern das Gleichgewicht in diesem ganzen Gefüge mitwirken würde...



Denn, wenn Du mich berührst,
mich mit Worten verführst,
Deine Augen vereinst mit mir.
Spiel'n die Sinne verrückt,
bin der Welt ich entrückt,
voll Erregung, voll Lust und Gier...

'S ist ein Weg ohne Ziel,
eine Sünde zuviel,
und mir sagt mein Gefühl:
ein gefährliches Spiel...

(aus Jekyll and Hide, Musical)
Zuletzt geändert von Liska Erlengrund am Montag 8. September 2014, 19:02, insgesamt 1-mal geändert.
Liska Erlengrund

Beitrag von Liska Erlengrund »

Die Kerzen flackerten still vor sich hin, während der Wind eisig und pfeifend durch die Fenster und Ritzen des Tempels drang. Es war kalt...nein, schweinekalt. Sie zog den Kragen weiter nach vorne, ließ die Nasenspitze in den Mantelstoff verschwinden, den sie als Zudecke benutzte. Die Übelkeit war nach den Kopfschmerzen gekommen, durchdringend und anhaltend, schlug ihr auf den Magen und die Wahrnehmung. Sie wollte nur schlafen, hatte mehr als die Nase voll davon, sich mit sich und ihrem Körper zu beschäftigen, der einfach nicht still sein wollte. Doch das Pulsieren in ihr, die unaufdringliche Übelkeit und das Pochen in den Schläfen hinderte sie daran.
Sie wünschte diesem Kerl fast, dass er die gleichen Schmerzen hatte wie sie...und wie sie es sich wünschte.

Sie hatte jenen Abend gefürchtet, als sie die Nachricht erhielt, sie solle sich am Tempel mit dem Ritter treffen. Mit dem Zopf. Sie hing an dem guten Stück wie man an ein altes Andenken hängen konnte und war sich sicher, dass man irgendetwas damit anstellen würde. Vor allem mochte sie den Gedanken nicht, dass man in ihr rumwerkelte und manipulieren würde. Noch mehr widerstrebte es ihr, in Mordrid einen Raben zu sehen. Auch wenn sie ihn einige Monde nicht gesehen hatte, gar den ganzen Herbst nicht, so waren die Gedanken immer noch an ihn da. Sie hatte stets gehofft, auf ihn zu treffen, an versteckte, heimliche Orte entführt zu werden und seiner Stimme lauschen zu können. Oh ja, sie war vollends bereit, sich fallen zu lassen und wäre gefolgt, wo immer sie hingeführt hätte. Sie verzieh ihm jede Entfernung, jede Zeit, die sie ihn nicht sehen konnte. Verfallen...so musste es sich doch anfühlen, wenn man liebte.

Das Verhör, was folgte, brachte sie innerlich ins Straucheln. Der Wunsch zu schützen war stärker, sodass sie zu lügen begann. Sie wollte nicht darüber sprechen, dass sie so oft von ihm träumte, wollte nicht von dem Geschenk des Zopfes an ihn sprechen. Und nein, sie wollte so ganz und gar nicht zugeben, dass Mordrid ein Mann war, der mehr für sie als ein Geschäftspartner war... Und trotzdem ließ man nicht locker und bohrte nach. Die Blicke sprachen ihre eigene Sprache und sie wusste, man würde sie nicht gehen lassen, ohne dass man das Ganze besser einschätzen konnten.

„Entspannt euch...“

Was folgte, waren Schmerzen, die sie noch nie empfunden hatte. Sie spürte diese Kraft in sich, diese unerklärliche Art von Einfluss, die sich durch sie hindurchschob und rüde nach Etwas suchte, was nicht dazugehörte. Alle Abwehr half nichts, brachte nur noch stechendere Schmerzen, die sich durch ihre Stirn bohrten und einnisteten. Sie wollte dort weg, wollte einfach raus aus dem Tempel und nach Hause, sich einschliessend für die nächsten Tage. Doch die Hände um sie herum waren stärker, griffen und packten sie. Der reine Instinkt ließ sie sich wehren, als der Kopf wieder penetriert wurde mit Schmerzen, die ihr bisher unbekannt waren. Und erst, als sie sich völlig im eisernen Griff des Ritters befand, durchbrach der Schmerz sie vollkommen. Hallend stob der Schmerzensschrei durch die Halle, als die Tetrarchin mitsamt der Vicaria das gewobene Band zwischen ihr und dem Rabendiener durchtrennten. Brutal hatte man etwas herausgerissen, was nicht hatte dort sein sollen. Zurückgeblieben war der bittere Geschmack auf der Zunge, die Übelkeit, das Zittern und die Kopfschmerzen.

Und irgendwo da draussen war ein Rabendiener, dem etwas brutal entrissen wurde. Ein Band der Verbundenheit, das Zeit und Kraft gekostet hatte. Das sorgsam aufgebaut und nun einfach durchschnitten war. Es war sicher auch schmerzhaft für ihn und der Verlust nur allzu spürbar. Der Wille war wieder frei und unlenkbar; schlichtweg nicht mehr greifbar....

Diese Nacht war unruhig für sie. Sie hatte zu allen möglichen Göttern und Göttinnen ein Stoßgebet geschickt, um ihren Frieden zu finden. Und doch träumte sie schlecht, wachte immer wieder mit pulsierenden Schmerzen im Kopf auf, die sie kaum auszuhalten mochte. Sie konnte nicht wissen, dass die Bahnen ihres Liedes sich wieder zusammenfügten und die wahren Bilder der Vergangenheit sich schleichend einen Weg in ihre Wahrnehmung schoben. Noch waren sie schemenhaft, einem Traum gleich, der mitten in der tiefsten Phase des Schlafes geträumt wurde. Doch aus Schemen würden Schatten werden, aus Schatten erste bunte Lichtflecken und aus jenen einzelne Bestandteile einer Wahrheit, die unangenehm und erkenntnisbringend zugleich war.

Diese Nacht jedoch war die schlimmste seit langem. Sie hatte Verluste erlitten. Wunden waren geschlagen worden, die nicht erkennbar waren. Sie würde verändert aus der Sache herausgehen. Doch zunächst hieß es, die Wunden zu lecken, wieder aufzustehen und weiterzumachen...bis aus den Wunden Narben wurden, die sie tief ins Herz einschliessen würde.
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