Glanz der Wüste

Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Den Kopf auf die Arme gestützt und in Gedanken versunken saß Saheeb am Nachmittag mitten in Menekur auf einer dieser kleinen, sandsteinfarbenen Bänke unter den schönen, weißen Baldachinen. Der Schatten war erfrischend, auch wenn die Luft trocken und heiß blieb. Nur so mancher Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, ließ sein Haupt leicht erröten. Saheeb war froh, dass um diese Zeit die Stadt so gut wie ausgestorben war. Die meisten waren auf der Jagd oder in dier Mine, nähten Kleider in ihren Wohnungen oder hatten irgend etwas anderes wichtiges zu tun.

Saheeb blickte sich um. Neben der Bank stand sein kleines Häuschen, ein quadratischer Bau aus Sandsteinen mit jeder Menge schöner Fenster. An einem Fenster erspäht er die rötliche Glut eines Kohlebeckens, das er zu löschen vergessen hatte. Saheeb hatte nicht mehr als ein müdes Seufzen für dieses Haus übrig. Es war miserabel eingerichtet - bis auf das kleine Bad, das war äußerst hübsch gemacht worden. Und er fand weder die Ruhe noch genug kreative Ideen, um das Haus hübscher zu machen. Dabei musste noch so viel gemacht werden! Es mussten Wände eingezogen werden, eine kleine Küche sollte Platz darin finden. Und vielleicht noch der Dachbereich als Wohnraum. So viele Ideen und Träume, so wenig Zeit und so wenig Lust.

Zeit, ja die hatte er kaum noch. Die Insel und sein Volk brauchte das kostbare weiße Gold, dessen Beschaffung Saheeb fast den ganzen Tag kostete. Dann waren da noch die Magier und Alchemisten, die mehr Flaschen verbrauchten am Tag, als Saheeb in seinem ganzen Leben. Und die ganzen bauwütigen Menekaner, die Tonnen von Sandstein unter ihre Häuser betteten und damit wunderbare Keller ausbauten.

Aiwa, es war so viel zu tun, aber er hatte keine Lust mehr. Natürlich machte ihm die Arbeit im Berge Cantar noch Spaß, er liebte es immer noch, die kleinen Salzkristalle zu beobachten, zu untersuchen, sich einfach an ihrer Vielfalt und ihrem Aussehen zu erfreuen. Aber Zaina hatte ihn schon richtig durchschaut, er ging eigentlich viel häufiger in die Mine, um sich abzulenken, als einfach, weil er seine Arbeit liebte. Woran das lag, wusste er, wusste Zaina - wusste Charis das auch? Konnte sie wirklich nicht erkannt haben, was in ihm vorging?

Ahhh, da war sie schon wieder, die kleine Menekanerin. Es war wie ein Alptraum, ständig und überall dieses hübsche Gesicht. Hätte er je seine Geschichte aufgeschrieben, jeder Leser hätte spätestens jetzt entnervt aufgegeben. "Schon wieder diese Charis! Wieso unternimmt er denn nicht einfach etwas?"

Unternehmen? Aiwa, es wurde Zeit, dass Saheeb aktiv wurde. Er würde Charis einfach zeigen, was er für sie empfand... oder... naja, das vielleicht nicht. Aber zumindest, dass er sie gern hatte. Was hatte sie mit Aalina besprochen? Datteln? Aiwa, Aalina mochte Datteln, das wusste er noch zu gut. Und Charis schien auch ganz verrückt nach diesen kleinen Früchten zu sein. Es war fast ein wenig wie bei einem Tier, und dafür schämte sich Saheeb zutiefst, aber er nahm sich vor, der kleinen Frau ein Geschenk zu machen. Mit einem Mal war alle Lustlosigkeit verloren - und einige Äste der Dattelbäume merkwürdig leer.
Charis Yazir

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Abermals schlenderte sie durch die Stadt, an einigen Häusern lief sie vorbei und betrachtete sich jene genauer. Eine Weile hielt sie inne, als sie vorm Haus des Handelsministers stand. "Da wohnte er also!" dachte sie sich, mit einem Lächeln im Gesicht ... "Vielleicht sollte ich mir auch bald ein sinnvolles, stilvolles Dach über dem Kopf suchen!" murmelte sie leise vor sich hin. Langsam war es an der Zeit, hatte sie so schon rein gar nichts vorzuweisen, was hatte sie schon ... nichtmal ihre Schwester war aufzufinden, alles verlief sich im Sand. Ja Sand, den gab es hier meilenweit... sie musste Festigkeit unter den Füßen finden. Endlich.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Mit der Rechten schirmte er das Sonnenlicht ab, das ihn zu blenden drohte, als er in den Gipfel der kleinen Palme blickte. Einige Blätter des schönen Wüstenbaumes, der mitten in Menekur stand, hingen bis zum Dach seines Hauses herab, und wer gut hinsah, konnte die eine oder andere Dattel erkennen. Saheeb lächelte verschmitzt. Datteln, aiwa, Charis liebte sie. Er wusste schon, wieso er diesen Baum ausgewählt hatte.

Nachdenklich wog er die kleine Kiste in der Hand. Es war eine schmale, in mattem Gold verzierte Metallkiste, in der sich neben einem kleinen, sauber geschriebenen Blatt Papier in menekanischer Schrift auch noch ein ganzer Haufen Datteln fand. Er war sich sicher, würde Charis wieder der Dattelhunger packen, sie würde hinaufklettern und die kleine Kiste finden.

Entschlossen packte er die kleine Kiste in einen Beutel, der ihm um den Hals hing, und steig vorsichtig am Stamm des Dattelbaumes empor. Er war deutlich zu ungeschickt und auch zu behäbig, um da in einem Affenzahn hinauf zu kommen, so wie er es Charis zutraute. Dennoch, trotz seines Ungeschickes und einiger recht wackliger Fehltritte schaffte er es auf den Baum und ins Geäst. Tatsächlich fand sich dort eine kleine Astgabel, in der er die Kiste so verstauen konnte, dass Charis sie sofort entdecken musste, sollte sie je auf diesen Baum klettern. Von unten jedoch war sie kaum zu finden. Und auch, wenn jemand an dem Baum rüttelte, Saheeb hoffte sehr, dass die Kiste an ihrem Fleck bleiben würde.

Sollte Charis jedoch jemals diesen kleinen Baum vor Saheebs Haus besteigen, um nach Datteln zu suchen, würde sie wohl die Kiste finden. Darin findet sich, wie erwähnt, neben einigen leckeren Datteln, der kleine, nach süßen Früchten duftende Papierbogen, auf dem in feinsten, menekanischen Lettern geschrieben steht:

Salam, Charis aus dem edlen und stolzend Hause der Yazir, Tochter der Wüste und Schönheit des Volkes,

unser letztes Gespräch am Eingang der stolzen goldenen Stadt, unserer Heimat, unsere Treffen an eben jener Stelle, sie begleiten mich wie gute Geister, sei es bei der Arbeit, im Schlaf oder beim Bade. Ich hoffe sehr, dass du diesen Brief, dieses kleine Geschenk von mir an dich, findest und es dein Herz erfreut. Aiwa, du hattest Recht, als du mich gefragt hast, ob ich dir schmeicheln will, als ich deine Schönheit vor allen anderen lobte und auch jetzt noch lobe. Ich kann nicht umher, mich für mein Verhalten zu entschuldigen, sollte es dich brüskiert haben - ich weiß selbst nicht, was genau mich so weit trieb. Mir scheint, wann immer ich auf dich treffe, setzen Kopf und Verstand aus, und ich fühle mich wie der kleine Junge, der ich vor langer Zeit einmal war.
Vermutlich sind auch diese Zeilen, die ich dir hier schreibe, weder besonders ausformuliert noch voller Inhalt. Ich weiß selbst nicht genau, wieso ich das hier alles schreibe, wieso ich es dir nicht einfach sage, aber scheinbar bekomme ich das ja nicht hin.

Ich hoffe jedenfalls, du freust dich über diese kleine Aufmerksamkeit meinerseits - sollte sie dir missfallen, leg sie einfach zurück in meinen Briefkasten, ich werde dich von da an in Ruhe lassen.

Möge Eluive deinem Gesicht allzeit seine Schönheit erhalten und dich überall begleiten und schützen,

Saheeb


Dutzende Male hatte er den Brief geschrieben, wieder zerknüllt, erneut angefangen. Er wusste kaum, seine Gefühle zu beschreiben, und zuguterletzt schrieb er sich einfach von der Seele, was er ihr damit mitteilen wollte, und doch war es ihm nicht deutlich genug. Auch seine Titel, sein Haus, all das Glanzvolle an ihm ließ er weg, als er das kleine, aber ordentliche Saheeb unter den Brief setze. Aber er wollte nicht alles wagen mit diesen Zeilen, nicht riskieren, alles zu verlieren - und irgendwie, tief in seinem Inneren, hoffte er doch, sie würde es nie finden, aus Angst vor ihrer Reaktion.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Aalina hatte sich Großes vorgenommen. Seit Wochen hatte sie es aufgeschoben,wollte sie doch für Ordnung in ihrem neuen zuhause - Raakins Turm - sorgen. Und genau dieses wollte sie nun angreifen. Sie rückte Möbel umher, sortierte Schränke und Truhen aus, beschriftete Beutel und Kisten mit dem, was drin lag. Es war anstrengend, hatte sie doch zeitweise alles einfach dort abgelegt, wo freier Platz war. "So schnell wird man für seine Unordnung bestraft, Aalina!" murmelte sie, während sie über der Reagenzienkiste von Raakin gebeugt war. Sie räumte Reagenzien auf und sonstige Dinge, die ohne irgendwelche Beutel in der Kiste umherschwirrten. Sie wollte die Kiste gerade zuklappen, als etwas glänzendes in ihre Augen sprang. Schnell griff sie danach und staunte nicht schlecht, was sie dort in der Hand hielt: Raakin's Ehering. Sie blickte auf ihre Hand. Sie trug ihren Ring immer an ihrem Finger, was sie schließlich misstrauisch stimmen ließ. Warum hatte er seinen Ring abgelegt? Sicher gab es eine Erklärung dafür, die sie von ihm einfordern würde. Etwas sauer schloss sie die Truhe, während sie den Ring wieder darin verstaut hatte. Sie schien noch eine Weile vor der Truhe zu stehen und gedankenverloren daraufzustarren. Wäre Raakin in der Lage sie zu...? Nein, jeder. Nur nicht Raakin. Schnell schüttelte sie ihren Kopf, streichte einmal kurz über die Truhe und ging nach unten und öffnete die Türen, an welchen es gerade geklopft hatte. Wahrscheinlich war es eh Raakin, der wieder einmal seinen Schlüssel zuhause gelassen hatte. Sie eilte zur Tür und öffnete sie.

Es war nicht Raakin, der vor ihr stand, mit dem sie auch fest gerechnet hatte sondern Kamahir stand vor ihrer Tür. Schnell wischte sie sich ihre Hände ab und neigte ihm ihr Haupt zu, ehe sie ihn ins Haus bat. Raakin hatte sicher wieder einmal Unmengen an Salz bestellt, welcher er vorbeibringen wollte. Verwundert war sie allerdings, dass Kamahir wohl Aalina besuchen wollte, da er für sein Haus ein paar Dinge benötigte. Aalinas Miene erhellte sich ein wenig, war sie doch immer wieder froh und glücklich, wenn sie einem der Menekaner mit ihren fleissigen Händen weiterhelfen konnte. So bat sie ihn ihr in die Schneiderei zu folgen, was er auch sogleich tat. Aalina begann gerade ihn zu fragen, was er denn benötigte und sogleich ihre Utensilien einzupacken, als ihr auffiel, das ihr Rucksack ja von dem Umräumen noch mehr als vollgestopft war. Für einen Moment entschuldigte sie sich und eilte hinab in das Erdgeschoss, wo sie allerdings fast von den Treppenstufen gefallen wäre. Raakin stand mitten im Raum, sie hatte ihn gar nicht gehört, wie er nach Hause gekommen war. "WAAAH!" schrie sie, scheinbar so laut, dass es durch das ganze Haus zu hören war und Kamahir fragte, ob alles in Ordnung wäre. Lina verjahte, schließlich war sie einfach zu sehr in Gedanken gewesen. Sie legte schnell ihre Sachen beiseite und ging zu ihrem Mann.

"Wir haben Besuch!"
- "Ach, haben wir das?"
"Ja, Kamahir ist da, er möchte..."


Doch konnte sie nicht wirklich aussprechen, eilte Raakin schon nach oben und begrüßte Kamahir. Sie ging hinterher, schließlich wollte sie Kamahir auch nicht allzu lange warten lassen. Da sich Aalina auch nicht so recht vorstellen konnte, wie sein Haus aussah und was er sich dort alles wünschte schlug er vor, dass sie sich das Haus vor Ort ansehen konnten. Noch bevor sie antworten konnte antwortete Raakin für sie: "Sicher können wir uns das ansehen!" Aalina schmunzelte leicht in sich hinein. Scheinbar hatte Raakin die Bemerkung Kamahirs über ihre samtweichen und flinken Hände etwas aus der Bahn geworfen. Doch sollte ihm doch klar gewesen sein, dass Aalina ihre Hände benötigte und die meisten dadurch erfuhren, wie zarte und weiche Hände sie doch hatte. Schnell packte sie ihre Sachen zusammen und ging gemeinsam mit Kamahir und Raakin zu Kamahir.
Dort angekommen ließ Aalina ihren Blick durch den Raum schweifen und Kamahir zeigte ihr, was er benötigte. Aalina nickte, machte sich sogleich an die Arbeit. Sie war so sehr in die Arbeit vertieft, dass ihr wahrscheinlich genau deshalb die Blicke, die Kamahir auf sie warf, entgangen waren. "Ich hab meine Farben vergessen!" seufzte Aalina, ehe sie die Beiden nacheinander ansah und lächelte. Schnell eilte sie nach Hause, um diese zu holen.

Leise klopfte sie abermals an die Ratantüren von Kamahir, war sie sich sicher, dass Raakin und Kamahir sich prächtig unterhalten hatten. Die Türe wurde geöffnet, Aalina trat ein. Kamahir schien sie nicht mehr anzusehen, Raakin lächelte ihr mit einem zuckersüssen Lächeln entgegen. Kurz sah sie zwischen beiden hin und her ehe sie vermutete, was wohl passiert war. Schnell färbte sie Kamahir einige Dinge, ehe sie seine Bestellung aufnahm und dann wohl mit Raakin wieder nach Hause ging. Sie hatten einiges zu besprechen, wie es schien.

...

Er stand vor der Alchemietruhe, eilig schien er darin zu wühlen und steckte sich letztendlich seinen Ring an.

"Warum hattest du ihn nicht an?"
- "Äh.. ach... deeen?"
"Ja?"
- "Mhh.. ich.. ich hab ihn.. also er war zu eng und dann ist er mir irgendwann vom Finger gerutscht und ich habe ihn verloren!"
"Wie kannst du einen Ring verlieren, der zu eng ist?"
- "Äh... ich... ich hab ihn wirklich verloren!"
"Und warum ist er in DIESER Kiste?
- "Hab ihn wohl darüber verloren und er ist hineingefallen!"
"Ahja...
... und jetzt sag mir den wahren Grund!"
- "Glaubst du ich lüge dich an? Es war so."
"Ich hoffe für dich, dass du mich nicht belogen hast!"
- "Hey...
... Kleines! ... Ich könnte dich nie belügen!"


Aalina's Miene schien sich aufzuhellen. Doch war sie nicht zufrieden mit seiner Antwort. Natürlich schenkte sie seinen Worten Glauben und sie wusste auch, dass er es wahrscheinlich wirklich nur verplant hatte ihn wegen irgend etwas wieder an den Finger zu stecken, dennoch: Es konnte nicht sein, dass er eifersüchtig war wenn sie für einen Menekaner schneiderte mit ihrem Ehering am Finger und er ohne seinen Ehering durch die Gegend lief. "Was war eben bei Kamahir los? Auf einmal war alles anders!" fragte sie ihren Liebsten. Er sah sie an. Wenn er sie ansah könnte sie fast immer wieder schwach werden und ihren inneren, tief sitzenden Gelüsten folgen, doch wusste sie, dass es weitaus wichtigere Dinge gab als das. Sie versank jedes Mal wieder in seinen Augen, erinnerte sich an den Tag, als sie das erste Mal richtig hineinblickte, als sie auf dem Boden saß und Teppiche verlegte, zu ihm aufsah und einfach nur Hin und Weg von ihm war. Er war so anders, so verschlossen und geheimnisvoll gewesen - ein Reiz für jede Frau. Und dennoch hatte sie sich niemals auch nur irgendwelche Hoffnungen gemacht. Wie sehr man sich täuschen konnte.

- "Ich mag es nicht, wie er dich ansieht!"

Aalina kannte genau diese Problematik, es war ihr unmöglich sich ein Schmunzeln zu verkneifen.

"Wie er mich ansieht?"
- "Na, hast du das nicht bemerkt? Er sieht dich an wie ein süsses Früchtchen, aber das bist du nicht. Du bist meine Frucht.. also.. im übertragenen Sinn!"
"Natürlich bin ich das und nein, es ist mir nicht aufgefallen, da ich meiner Arbeit nachgehe und nicht darauf achte, wie ein Mann mich ansieht! ...
... Zumal ich dich liebe und ich es nicht für nötig halte, auf andere Blicke zu achten als auf die deinigen!"


Sie sah ihn an.

"Er hat doch noch nicht einmal meine volle Schönheit genießen können, er sieht mich ja nur verhüllt!"
- "Und das ist DEIN Glück!"


Sie hob ihre Augenbraue. Ihr Glück? Wohl eher seines.

"Und überhaupt, ich stehe sogar verhüllt vor DIR!"
- "Ja, warum eigentlich?"


Er sah sie an.
Und er nahm ihr den Schleier ab. Er sah sie weiterhin an. Nach seinen Worten wickelte sie auch ihren Turban ab. So stand sie da, unverhüllt. Nur er konnte sie in diesem Antlitz sehen. Im Flackern des Kerzenlichtes, welches ihr zuhause erwärmen sollte. Und wie er sie so ansah konnte sie nicht anders. Sie musste ihn küssen - was auch geschah. Wie sehr hatte sie sich in den letzten Tagen immer und immer wieder nach ihm gesehnt. Und jetzt war er da. Greifbar. Nahe. Die Wärme seines Körpers versank in ihrem Körper und sie fühlte sich zum ersten Mal wieder wie eine Frau - wie seine Frau. Allein durch diesen Kuss. So wenig Zeit hatten sie füreinander. Doch wollte er sich bald sehr viel mehr Zeit für sie nehmen. Und sie war glücklich. Sie war einfach nur glücklich.

Der nächste Tag kam.
Mit dem nächsten Tag kam auch die Arbeit. Immer wieder räumte sie den Turm um, sortierte das nach dort und das andere nach da. Ein hin und her. Schließlich hatte sie letztendlich keine Lust mehr und beschloss Kamahir zu besuchen. Auch, wenn Raakin eigentlich dabei sein wollte, wenn sie ihm die Kissen überbrachte. Aber warum? Schließlich vertraute er ihr und sie liebte ihn.
Bei Kamahir angekommen wurde sie freundlich von ihm in Empfang genommen, schnell verteilte sie die Kissen, hatte sie sich doch wirklich Mühe damit gemacht. Während sie ihre Arbeit tat richtete er sein Wort an sie. Wahrlich, er wusste, wie man mit Worten einer Frau schmeicheln konnte. Das sagte sie ihm auch. Ebenso sprach sie ihn auf das Gespräch an, welcher er wohl mit Raakin geführt hatte. Es schien ihn traurig gemacht zu haben. Aalina war sich unsicher, ob er Interesse für sich hegte, im Grunde war es ihr auch alles andere als wichtig. Sie tat ihre Arbeit. Und umso schneller sie fertig war umso schneller konnte sie nach Hause und dort weiter aufräumen. Sie verabschiedete sich von Kamahir. Und doch, seine letzten Worte lagen in ihren Gedanken. Hatte sie wirklich richtig gehört? Meinte er wirklich zu ihr, dass ihre Besuche erregend waren? Sie seufzte leise. Es war immer das Gleiche mit den Männern. Erst interessiert sich keiner für einen, sobald man vergeben war und dazu noch verheiratet, wollte einen jeder haben. Und doch: Ihr Herz.. gehörte Raakin. Und es würde ihm immer gehören.

Zuhause angekommen saß Aalina inmitten ihrer Kleidung. Sie sortierte ihre Schubladen aus, in denen sie tausende an Kleidungsstücke fand. Sie legte Turban auf Turban, hatte sie doch in sämtlichen Farben und Varianten solchige zuhause liegen. Bei den Kopfbedeckungen musste sie an ihre Begegnung mit diesem Hutmacher denken. Ash Corbin. Sie traf ihn in Bajard in der Bank und unterhielt sich lange mit ihm. Er war weitaus älter als sie, aber sie war fasziniert von seiner Kunst Hüte zu formen und mit Worten umzugehen. Vielleicht hätte er auch Geschichtenerzähler werden sollen, so euphorisch wie er erzählte. Aalina hatte ihm gerne zugehört, was er von sich gab, wenn sie auch manchmal während dem Gespräch das Gefühl hatte, dass er ein wenig verwirrt schien. Hutmacher. Hutzauber. Was sie nicht alles erfahren hatte. Sie hatte Raakin noch gar nicht von dieser Begegnung erzählt. Und vertieft in ihre Gedanken sortierte sie weiter ihre Kleidung.

...
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Nachdenklich betrachtete Saheeb seine neue alte Wohnung. Wann immer Zaina ihn besuchen kam, immer änderte sich etwas. Erst gestern hatte sie ihm Möbel und Vorhänge vorbei gebracht, hatte mit ihm den Architekten besucht und gemeinsam mit ihm den Raum in seiner kleinen Hütte neu eingeteilt. Und es war... perfekt. Auch wenn es ungewohnt war, zum ersten Mal fühlte sich Saheeb in seiner Wohnung wohl. Wie nur schaffte Zaina es immer wieder, ihm so Gutes zu tun?

Aiwa, der verdankte ihr in seinem Leben schon so vieles. Er war sich sicher, dass Zaina niemals geglaubt hatte, er könnte Saalih zurückstoßen, könnte ihre Hochzeit verhindern. Oh nein, er würde seiner Schwester zuliebe sogar wieder ins Exil gehen, würde sie es verlangen. Er wusste nicht einmal wirklich warum. Waren es nur geschwisterliche Bindungen, die zwischen ihnen standen? Oder verstanden sie sich einfach so gut, war er ihr soviel schuldig, dass er alles für sie tat?

Allein, er mochte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, Zaina zu verlieren. Und er betrachtete eine Zaina aus dem Hause Ifrey als Verlust. Als riesigen Verlust, den zu machen er eigentlich nicht bereit war. Zaina bedeutete ihm viel, sie war der Glanz der Familie in seinen Augen und eines der stolzesten und ehrbarsten Geschöpfe der Insel. Konnte er zulassen, dass nur die Liebe zu irgendeinem Mann sie von ihm trennte? Von ihrer Familie?

Er sah es doch an Aalina. Sie war nun eine Yazir, keine Masari mehr, und genau, wie der Namenswechsel es andeutete, sah er sie kaum noch. Er würde sie besuchen müssen - und dummerweise hatte er auch noch einige Dinge zu erledigen für einen fähigen Schneider, der sie ohne Frage war. Saheeb seufzte tief. Er wollte nicht, dass es so aussah, als würde er sich für sie nur noch interessieren, wenn er was brauchte. Er mochte Aalina, sogar sehr. Sie war frisch und lebendig, schon immer gewesen. Und auch wenn Zaina meinte, sie hätte sich zu einer "guten Hausfrau" entwickelt, mochte er nicht an eine radikale Veränderung seiner Schwester glauben.

Dennoch, er wollte Zaina nicht genauso fern und fremd werden. Zu lange hatte er sie vermissen müssen, als sie auf dem Festland war. Dann sein Jahr im selbsternannten Exil, in der einsamen Wüste, wo niemand war außer hie und da ein Wüstenkäfer. Und nun sollte ein fremder Mann ihm das nehmen, was er gerade wieder für sich entdeckt hatte? Das zu akzeptieren fiel Saheeb wahnsinnig schwer.

Und anscheinend auch Zaina selbst, denn sein Vorschlag, den er ihr unterbreitete und den er Saalih noch zu machen hatte, stieß bei ihr sichtlich auf Freude. Solange er es konnte, er wollte Zaina nicht verlieren, denn nichts, gar nichts konnte ihre Stellung in seinem Leben mehr einnehmen.

Oder... vermochte Charis vielleicht, die entstandene Lücke der "geraubten Schwester" zu füllen? Noch war das kleine Kistchen nicht in seinem Briefkasten gelandet, NOCH durfte er hoffen. Mit diesen Gedanken im Kopf marschierte er schließlich richtung Salzmine.
Charis Yazir

Beitrag von Charis Yazir »

Ein langer Tag verging. Die Wüste zog an ihr vorüber sowie auch der Tag, kaum hatte sie ihn wahrgenommen, so war sie doch ständig irgendwo mit ihren Gedanken. Nein, eigentlich zog es sie immer in eine Richtung ... "Warum lief sie immer in die selbe Richtung, wenn sie in die Stadt ging?" fragte sie sich selbst ... kopfschüttelnd ging sie weiter, bis sie letztendlich wiedereinmal vor Saheebs Haus stand ... lange sah sie es einfach nur an. "Sollte sie anklopfen? Nein. Vor allem, was sollte sie ihm sagen, warum sie hier war ... brauchte es überhaupt einen Grund?" nachdenklich stand sie vor seinem Haus und sah sich um. Die Palme dort, ja genau die, sie trägt Früchte ... und tat sie nichts lieber als in den Palmen herumzuklettern, sich dort aufzuhalten, die Ruhe dort oben geniessend um nachdenken zu können. Sicherlich ahnte keiner, dass sie gern dort oben saß, man konnte so schön träumen dort oben, an die vielen Geschichten denken, die ihr Vater immer erzählte ... einfach davonfliegen ... wie wenn eine andere Welt einen umschlingt und mit sich trägt. Oben in der Palme angekommen blitzte ein kleines Kistchen. Verwundert sah Charis es an "was war das denn? wer war so verrückt und deponierte eine kleine Kiste mitten in einer Palme?" ... neugierig wie sie war, musste sie es natürlich öffnen. Ihre Augen weiteten sich, als sie den Inhalt sah, einige Datteln sowie ein Schreiben ... und das war auch noch an sie gerichtet. Aufmerksam laß sie jenes Schreiben durch, während sie es sich auf den grossen Palmenästen-blättern bequem machte, ein leuchten überflutete ihre Augen immer wieder als sie den kleinen Brief überflog. Sie musste ihn immer und immer wieder lesen ... ihr gefiel jener Brief, ein zartes, doch verschmitztes Lächeln zierte ihr Gesicht dabei, würde man sie sehen, würde man glauben ein fröhliches kleines Mädchen säße hier und würde sich über eine neue Puppe freuen.

Sie legte den Brief an ihr Herz und sah in den wolkenlosen Himmel hinauf. "Konnte es wirklich sein, dass ein so ehrwürdiger Mann sein Herz an sie verlor? Fast klang es so, doch war es nicht eindeutig, aber sie würde es herausfinden, wozu hatte sie weibliche Reize?!"

Sorgsam faltete sie den Brief wieder, um ihn in die Kiste zurückzulegen, verschloss die Kiste, klemmte jene unter den Arm und versuchte, vorsichtig die Palme wieder hinunter zu klettern. Doch gelang ihr jenes wohl nicht so recht, sie rutschte ab und riss sich die Handflächen dabei leicht auf. "Verflucht!" ... murmelte sie vor sich hin, die Kiste auf den Boden stellend und die Wunde mit ein paar sauberen, übrigen Stoffetzen einbindend. Danach nahm sie die Kiste wieder eng zu sich und schlenderte davon....
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Lächelnd blickte Saheeb nach einem anstrengenden Tag in den sternenbehangenen Himmel über der Wüsteninsel. Der Sandboden gab die letzte Wärme des Tages ab und sorgte so für eine unglaubliche Atmosphäre, in der sich Saheeb wirklich wohl fühlte. Aber nicht nur das stimmungsvolle Ambiente und das Rauschen des Meeres, das ganz in der Nähe an die Küste brandete machten Saheeb glücklich.

Je mehr er darüber nachdachte, desto bewusster wurde ihm, wieviel Glück er in seinem Leben eigentlich gehabt hatte und auch jetzt noch hatte. Sein Vater war - und ist - ein guter Mann mit einem ehrbaren Beruf gewesen, und auch seine Mutter liebte und schätzte er zutiefst. Er vermisste die beiden, die sich irgendwo zur Ruhe gesetzt haben mussten, abseits von Stress und Trubel, der die goldene Stadt Menek'Ur tagsüber heimsuchte. Er hatte wunderbare Geschwister, drei liebenswerte und aufgeweckte Schwester, die er alle unter keinen Umständen jemals eintauschen wollte. Nur zu gut erinnerte er sich an den gestrigen Tag, an dem Aalina sich mit ihrem Pferd abgemüht hatte. Oder wie lange sie sich Gedanken gemacht hatte, welche Farbe zu ihrem Haar wohl am besten passen würde und welche Raakin wohl am meisten lieben würde. Doch das Rot, dass ihren Kopf bei ihrem aller ersten Treffen schmückte? Eher blond? Nein, das passte nicht zu einer menekanischen Schönheit wie Aalina. Das sah fast tiefländisch oder festländisch aus. Grün? Blau?
Aalina schaffte es immer wieder auf eine unglaubliche Art und Weise fast beiläufig Saheeb zum Lachen zu bringen. Dafür liebte er seine Schwester und war froh, dass es sie gab.

Dann war da natürlich Zaina, seine Zwillingsschwester, heißgeliebt und ihm am verwandtesten von allen. Sie spürte sofort, wann immer irgendetwas war, vertraute ihm vieles an und genoß im Gegenzug auch sein vollstes Vertrauen. Wem sonst hatte er bisher schon von seinen Gefühlen erzählt? Er wollte es noch Aalina erzählen, ja, aber sie war zu nahe an der Person seiner Gedanken, als dass er sich getraut hätte. Zaina war immer Bezugspunkt in seinem Leben gewesen, und selbst, als sie damals aufs Festland 'geflohen' war, blieb sie ein Standbein in seinem Leben. Lächelnd erinnerte sich an viele gemeinsame Tage zurück, in denen sie lachend und spielend umherliefen, er,seine Schwestern, seine Brüder.

Amira... ja, die edle Haremsdame aus dem Hause Masari. Er sah sie viel zu selten für seinen Geschmack und vermisste sie auch ein wenig. Wann kam er schon dazu, sich mit ihr zu unterhalten? Ihr von sich zu erzählen? Wusste Amira überhaupt, dass er wieder da war? Von seinen ganzen Geschwistern war sie ihm am fernsten, abgeschirmt im Palast. Aber sie sorgte für den Stolz und den Ruhm ihres Hauses, und alleine das machte sie zu einer wunderbaren Schwester.

Saheeb setzte sich auf eine kleine Steinbank im Zentrum von Menek'Ur. Es wurde langsam kalt und er zog den orange-beigen Umhang etwas enger um sich. Stille kehrte in den Straßen und Gassen ein, die Menekaner legten sich zur Ruhe und warteten auf einen neuen Tag voller Abenteuer und Arbeit. Mit einem Mal kam ihm wieder jene alte Geschichte in den Sinn, mit der Aalina und Zaina ihn immer aufzogen, und mit der auch er sie dauernd ärgerte. Ja, die Sache mit dem Wasserfass war eine lustige gewesen, er erinnerte sich noch genau.

Es war gewesen, als er etwa 14 oder 15 Sommer alt war, wenn er sich recht erinnerte, und er war mit seinen Brüdern und Freunden unterwegs gewesen. Ja, es war eine Zeit gewesen, in der sie sich für das andere Geschlecht zu interessieren begannen. Man schaute den menekanischen Schönheiten hinterher, natürlich nur vorsichtig, denn die Ehre der Frau musste gewahrt bleiben. Aber schon ein paar Ecken weiter tuschelte und lachte man dann und malte sich dies und jenes genauer aus. Einmal, es war wieder ein heißer Tag im Frühling, waren Zaina und Aalina den Jungen gefolgt, wohl eher zum Spaß, und hatten ihren Gesprächen und Späßen gelauscht. Und wie das nun einmal so ist bei Jungen in diesem schwierigen Alter kam man auch bald ins Prahlen, Angebereien wurden ausgetauscht und zuguterletzt vertiefte man sich in ausschweifende und optimistische Darstellungen der eigenen Ehr- und Mannbarkeit. Es war ein altes Spiel, und natürlich wurde hier viel zu dick aufgetragen. Saheeb kannte und konnte dieses Spiel besonders gut, er hatte nur selten dabei verloren. Gerade hatte er wieder in schmückenden Beschreibungen in allerbestes Licht gerückt, als Aalina und Zaina, die bis dahin still und leise hinter einer Mauer gesessen und gelauscht hatten, in wildes Gelächter ausbrachen.
Dass dies grenzenlose Folgen für Saheebs Ansehen bei seinen Brüdern und Freunden nach sich zog bleibt hier unerwähnt. So entblößt und zur Schau gestellt, sich lauter lachenden Jungen und Mädchen gegenüber packte Saheeb der Zorn. Schwester waren das Lästigste auf der Welt, aber dass sie nun ihn, Saheeb, vor seinen Freunden bloßstellten, ging zu weit!
Kurzerhand also schnappte er sich alle beide und stopfte sie in das nächste Wasserfass - alles Zerren, Ziehen, Kratzen und Beißen der beiden half nichts. Als der Deckel auf dem Fass saß, war Saheeb endlich zufrieden. Sollten sie sehen, wie sie da wieder raus kamen. Er hatte seine Rache.

Sie kamen wieder heraus. Mit Hilfe ihres Vaters Fateen, der sie heraus schneiden musste, weil er sie anders nicht mehr frei bekam. Und so gut sich Saheeb im Moment seiner Rache gefühlt hatte, die Tracht Prügel, die er danach von seinem Vater bekam, vergaß er sein Lebtag nicht mehr. Es war ein teuer bezahlter Spaß gewesen, aber er hatte ihn genossen, oh ja!

Saheeb lachte bei dem Gedanken daran in die Nacht hinaus, laut und ungeniert. Bis von einem Fenster aus einem naheliegenden Haus eine Frauenstimme herunterbrüllte: "Ruhe da unten, Säuferpack!" Begleitet wurde dies von einigen wesentlich leiseren, aber noch deutlich vernehmbaren menekanischen Verwünschungen. Saheeb schmunzelte breit. Man sollte niemals einen Menekaner aus dem Schlafe wecken, wenn man nicht lebensmüde war.

Müde erhob er sich schließlich, blickte noch einmal zu dem Haus hoch, aus dem gerade die Stimme gekommen war, lächelte milde und machte sich dann auf den Heimweg. Wie üblich in letzter Zeit summte er dabei eine kleine, orientalisch anmutende Liebesmelodie vor sich hin. Aiwa, nach seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinem Beruf, der ihn ehrbar und vermögend machte, hatte er das letzte und vollkommenste Glück auf der Welt gesichtet, das einzige, was ihm noch abging: die Frau an seiner Seite, mit der er den Rest des Lebens verbringen wollte. Gefunden hatte er sie, da war er sich sicher, die Frage war nur, ob Eluive sich dem Flehen und sehnsuchtsvollen Seufzen seines Herzens erbarmte. Denn noch immer wusste er nicht, wie sie vin ihm dachte oder ob sie gar etwas für ihn empfand. Sie hatte die kleine Kiste behalten, die Datteln und auch den Brief, den er an sie geschrieben hatte. War er zu direkt gewesen? Oder eher noch viel zu ungenau? Musste er ihr ins Gesicht sagen, wie er empfand? Vielleicht. Ja, vielleicht musste das sein. Die Unsicherheit, die bei ihm entstanden war, lähmte ihn und machte ihn unglücklich oder hielt ihn von seinem Glück fern. Sollte sie ihm das nächste Mal über den Weg laufen, würde er es ihr sagen, er nahm es sich fest vor.

Mit diesem Gedanken legte er - zuhause angekommen - die letzten seiner Kleider ab und schlüpfte in das strohbefüllte Bett. Langsam umfingen ihn Eluives Lieder und Klagen mit einem wohligen Schleier, nahmen ihn mit auf eine Reise in das Land der Träume.
Zaina Masari

Beitrag von Zaina Masari »

Lange Zeit lag sie wach, einschlafen konnte sie nicht ... zuviele Gedanken, Erinnerungen wachten über sie und ließen sie nicht los.

Die Geschehnisse der letzten Tage beschäftigte Zaina, waren es doch soviele glückliche Momente. Glücklich war sie mit Saalih an ihrer Seite, andererseits fühlte sie sich dennoch oft allein gelassen. Einzig allein vertraute sie sich ihrem Zwillingsbruder Saheeb an ... mit ihm konnte sie immer über alles reden, sie konnte sich im anvertrauen ohne Scheu. Saheeb verstand sie immer, nein meistens ... doch war er seltsam geworden, manchmal undurchschaubar. Früher war ihr es ein leichtes zu sehen, was in ihm vorgeht ... was es heute auch noch manchmal ist, doch scheint sein Herz tief im innersten verschlossen. "Sollte sie sich Sorgen um ihn machen?" zu gerne würde Zaina wissen, was in ihm vorgeht. Sicher, er ist auf dem Weg die Liebe zu einer jungen, hübschen Menekanerin zu finden ... aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass das der Grund für seine Verschlossenheit war. Saheeb war ihr immer nah, doch er entfernte sich ... die Weite konnte sie nicht erkennen.

Viele Gedanken umkreisten die Nacht um sie ... der Schlaf wollte einfach nicht hereinbrechen, abermals, tausendmal drehte sie sich in ihrem Bett hin und her und zerbrach sich den Kopf. "Lag es daran, das sie selbst ein anderer Mensch wurde? Das sie Saalih kennen und lieben lernte und ihre Gedanken nur noch um ihn kreisten?! Merkte sie selbst nichtmehr was um sie herum geschah?!"

... trübseelig schüttelte sie sachte den Kopf, schloss abermals die Augen und versuchte einzuschlafen ... allein mit ihren Gedanken. Sie liebte Saalih über alles ... sie liebte ihren Bruder ... doch irgendetwas scheint die Welt in ihrem Herzen zu trüben.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Immer fremder wurde er sich selbst, seiner Schwester, dem ganzen Trubel auf Menek'Ur. Die Sehnsucht nach der Einsamkeit in der weiten Wüste packte ihn nun fast jede Nacht, wenn er wieder mit hinter dem Kopf verschränkten Armen an die Decke seines Hauses starrte. Er vermisste die unendliche Weite, die Stille und das Gefühl, einzig und allein in einem so weiten Gebiet zu sein. Keine anderen Menekaner, keine Kunden, nichts, als er und die Natur.

Und seine Gedanken kreisten immer mehr, um Charis, deren liebliches Gesicht ihn nicht losließ, und die er trotzdem nie antraf - welch süßes Verhängnis, das Glück zum Greifen nah und doch so fern. War sie das Glück?
Um Zaina kreisten seine Gedanken, die liebevolle, verständnisvolle Schwester, mit der er soviel gemein hatte, und die ihn doch nicht mehr verstand. Nicht mehr verstehen konnte, verstand er selbst sich doch nicht. Er brauchte Ruhe, Abstand. Zeit, sich und die Welt um ihn herum wieder zu begreifen. Er vermisste seine Eltern, Fateen, Yasemeen. Zum ersten Mal seit seiner Jugend war Saheeb wieder ratlos - und niemand konnte ihm dabei helfen.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Es war spät, als Aalina diese Nacht nach Hause kam. Im Turm brannte noch Licht. Raakin war zuhause und - er war noch wach. Sie freute sich, dass er noch wach war und eilte nach Hause in der Hoffnung, dass er nicht weiter nachfragen würde, woher sie kam.

Bis eben saß sie noch bei Kamahir, hatte sie ihm doch die letzten Kissen gebracht. Doch hatte sie niemals damit gerechnet, was sie dort zu hören bekam. Es tat ihr fast schon leid, dass sie einem Menekaner das Herz brechen musste, hatte er ihr doch eben sein komplettes Herz ausgeschüttet. Keine schönere und liebenswertere Frau auf ganz Menek'Ur? Aalina sprach ihm zu, versuchte ihm vielleicht sogar eine andere Meinung einzureden, aber Kamahir schien von seinem Weg nicht abkommen zu wollen. Aalina hasste solche Situationen, hätte sie ihn doch am liebsten in den Arm genommen. Doch wäre das die falsche Reaktion gewesen, hätte ihm das vielleicht sogar noch Hoffnungen gemacht. Aalina war sichtlich verwirrt darüber, was sie wohl in anderen auslösen konnte. Dabei hatte sie nichts weiter getan als mit ihm geredet. Er sagte ihr, es läge an ihren Augen. Ihre Augen, waren sie so klar wie der Ozean, so türkis wie die Buchten Menek'Urs...
Und ja, sicherlich würde sie ihrem Liebsten davon erzählen. So teilte sie doch alles mit ihm. Selbst die kleinsten Geheimnisse. Sie würde jetzt schon wissen, wie er reagieren würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine solche Situation hervortrat. Damals war es nicht anders, sie wusste es noch genau. Der Tag, an dem sie nach Menek'Ur zurückkehrten und es längst klar war, dass sie Raakins Frau werden würde. Und doch hatte sie mit ihm sprechen müssen und sie wusste, was zuerst passiert war. Wütend, sauer, enttäuscht? Konnte man es so nennen, als er davon erfuhr, dass sie von einem 'fremden' Mann auf die Nasenspitze geküsst wurde? Doch sie wusste, wen sie liebte - und Raakin wusste dies auch. Ihre Mundwinkel zuckten bei den Erinnerungen, ehe sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen legte. Vielleicht war es auch ganz gut gewesen, an diesem Abend der Heimkehr, dass sie alles von sich auf den Tisch legte. All ihre Gefühle, all ihre Gedanken - schließlich waren sie zuhause und sie waren vereint. Und sie war sich sicher gewesen, allzu lang würde es sicher nicht mehr dauern und sie würden heiraten. Sie schmunzelte auf, hatte sie doch Raakins Worte noch im Ohr als er neben ihr in ihrem Haus lag und sie ansah und sich wünschte, dass er sich nicht nach Hause schleichen müsste.

Sie ging die Stufen zur Tür nach oben, öffnete diese. Sie war sich sicher, dass ihr Liebster über einem seiner vielen Tränke saß und daran herumtüftelte. - Dem war auch so. Sie schlich sich nach oben, sortierte einige Reagenzien in die Kiste, war er doch so vertieft in sein Tun, dass er sie erst später wahrnahm. Und wenn sie ihn so sah musste sie immer wieder daran denken, wie sie sich kennenlernten. Und sie war so froh ihn an ihrer Seite zu haben.

So zogen die Tage dahin. Eines Abends begannen sie mit den Holzschwertern zu üben. So gut wie jeden Abend standen sie bis spät in die Nacht oder bis zum frühen Morgen irgendwo in der Wüste und übten sich im Axtkampf und in Verteidigung. Aalina tat die Bewegung gut, wenn auch trotzdem jeder ihrer Knochen schmerzte, sollte sie dann ins Bett fallen und schlafen können. Aber es war schön. Immerhin konnte sie so seine Nähe spüren, immerhin war er so bei ihr.

Doch gab es Nächte, in denen sie allein war. Raakin schlief. Er war müde, die langen Nächte hatten ihm zu schaffen gemacht. Sie wollte noch raus, ein paar Früchte von den Bäumen schütteln, um morgen ein schönes Frühstück zu bereiten. Sie wollte gerade wieder nach Hause, als sie von Najiya und einem ihr noch fremden Menekaner aufgehalten wurde. Es war amüsant. Ein amüsantes Gespräch, welches Aalina auch nicht so schnell los lies. Er sprach mit Worten, die sie lange Zeit nicht mehr gehört hatte. So ... frei und direkt heraus. Und doch konnte er so ... förmlich sein ... als er erfuhr, wessen Frau sie war. Sein Name? Ismaael Numair. Aalina wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte, wenn sie wie eine kleine "Prinzessin" behandelt wurde. Schließlich war sie das nicht. Anfangs war es ihr sehr peinlich gewesen, wenn sich jemand vor ihr verneigte. Sie wusste nie, was sie darauf sagen sollte, was sie tun sollte. Es war anfangs sehr schwer gewesen, diese Umstellung. Auf einmal war sie verheiratet gewesen und innerlich so erfüllt, so als würde sie Tagelang nichts weiter mitbekommen als das Gefühl des außergewöhnlichen Glückes. An diesem Tag hatte sie zum ersten Mal verstanden, was ihre Mutter ihr immer wieder gesagt hatte.

Zuhause saß Aalina noch eine Weile in ihrer Hängematte auf dem Dach. Komisch das sie dort immer saß, wenn sie sich Gedanken machte. Sei es über die Vergangenheit, die Zukunft oder auch über das, was gerade war. Langsam klappte sie ihr Buch zu. Sie hatte genug über den heutigen Tag geschrieben. Ismaael Numair ... an irgendwen erinnerte dieser junge Menekaner sie. Ihr war noch nicht genau klar, an wen er sie erinnerte. Sie seufzte leicht, stieg die Treppen hinab, legte das Buch auf ihren Schreibtisch und ging in den Keller. Für heute würde sie dem Tag "Gute Nacht" sagen, und sie kletterte in das Bett, gab ihrem Liebsten, welcher längst schlief, einen Kuss auf die Stirn ehe sie ihre Arme um ihn schlang und seelenruhig einschlief.
Charis Yazir

Beitrag von Charis Yazir »

Lange Zeit blickte sie auf ihre verwundete Hand, die wohl nicht zu heilen vermochte. Immer wieder kam Sand hinein und immer wieder riss sie sich jene Wunden auf. "Ich sollte das klettern sein lassen und die langen Wüstenspaziergänge ... was machte es schon, Klarheit schaffte es in meinen Gedanken sowieso nicht, ich sollte mich wieder mehr für mich selbst interessieren, für meine Arbeit für mein Leben und mich nicht mit Träumen auszeichnen!" all jene Gedanken schossen Charis durch den Kopf.

Nun hatte sie endlich ein kleines Häuschen, doch konnte sie es nicht einrichten, sie wusste gar nicht wie ... um Teppiche zu machen, war sie noch nicht fähig, dazu musste sie wohl noch viel lernen und Aalina schien selbst kaum Zeit zu haben. Kissen konnte sie, doch fehlten ihr die Federn um jene dick auszustopfen ... leise seufzte sie und sah sich in dem leeren Haus um. "Vielleicht sollte ich wieder ausziehen, zurück ins Gasthaus, dort war alles immer gemütlich und ich muss mich um nichts selbst kümmern!" murmelte Charis leise vor sich hin ...

Wie ging es überhaupt Saheeb, lange hatte sie ihn nichtmehr gesehen, das letzte Mal, als er nachfragte, ob sie die Kiste gefunden hätte. Natürlich hatte sie jene gefunden und den Brief trug sie immer mit sich an ihrem Herzen. Doch wusste er es nicht, er wusste überhaupt nicht, was sie für ihn empfindet ... sie wusste es manchmal nichtmal selbst ... sollte sie Klarheit schaffen für beider Seelen? ...
Jasmin Elais

Beitrag von Jasmin Elais »

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Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Aalina saß zwischen ihren ganzen Stoffen und Baumwollresten. "Wo verdammt ist mein Lehrling, wenn ich ihn mal brauche?" Aalina seufzte auf während sie alles sortierte und in Ordnung brachte.

Sie hatte endlich ihre Schneiderei und sie hatte endlich Platz, um Charis auszubilden. Ebenso war es an der Zeit für Charis, eine große Bürde auf sich zu nehmen... sie sollte Aalina begleiten, so der Erhabene es zulies, wenn Aalina für ihn die Kleidung anpasste. Aber nichts, Charis war seit Wochen verschwunden.

Zufrieden saß sie im Freien in ihrem Garten. Ihre Freizeit hatte in letzter Zeit sehr gelitten, kaum hatte sie Zeit für sich selbst. Und idie Zeit wollte sie sich nehmen. Sie schnappte sich ein Badetuch, breitete dies aus und legte sich in den Garten in den Schatten der Dattelpalmen. Der süße Geruch der Palmen lockte einige Tiere an, die Aalina aber nicht weiter stören sollten. Sie schloss ihre Augen und lauschte dem ruhigen Treiben des Meeres, ehe sie wohl einschlief.

"Isaac, Jameela! Kommt her!" Aalina stand da und ihr Gesichtsausdruck zeigte deutlich, wie ermahnend ihre Worte sein sollten. "Was denkt ihr euch nur dabei immer wieder abzuhauen. Ihr wisst ganz genau wie gefährlich es ist alleine durch die Wüste zu laufen.. AUCH für einen Menekaner!" Die Beiden rollten mit den Augen und kicherten drauf los. Aalina hielt sich ihre Hand vor die Stirn und schüttelte nur den Kopf. "Ab nach oben. Es gibt Essen!" So schnell sie konnten rannten die Beiden los. "LANGSAAAAAAAAM.. ihr stoßt euch irgendwann beide noch von den Stufen! Und denkt den Tisch bis euer Vater nach Hause kommt!" Aalina lies sich seufzend auf den Stuhl in ihrer Schneiderei fallen und blickte dem Treiben nach, ehe unten die Tür ging und sie gar nicht so schnell schauen konnte, wie die beiden wieder nach unten rannten. "Jameela, Jameela, Abu (Vater, Papa) ist da!" Isaac rannte an Aalina vorbei. Jameela hüpfte auf Aalina zu. "Umm, loooos, Abu is daaaa!" Sie erhob sich und ging mit Jameela an ihrer Hand die Stufen nach unten, ehe die Kleine ihre Hand loslies und auf Raakin zustürmte. Schmunzelnd stand Aalina da, beobachtete die Beiden, wie sie auf ihren Vater zustürmten ......

PENG. Das Schlagen des Tores hatte sie aus ihren Träumen gerissen. Mühseelig und etwas neben sich stehend erhob sie sich und schlenderte ebenfalls in den Turm. So oft hatte sie nun solche Träume, so oft hegte sie den Gedanken mit Raakin über das zu sprechen, was sie sich wünschte, was in ihren Gedanken umherging. Doch sie hatte fast schon eine Vermutung, wie er darauf reagieren würde. Und sie würde auch wissen, dass er Recht hat. Sie waren sehr oft beschäftigt und sie waren aus unterschiedlichen Gründen so oft unterwegs. Und was wäre dann? Sollten sie ihre Kinder mitnehmen, wenn es wieder einmal darum ging, dass Raakin zu politischen Treffen reisen musste und Aalina mitkam um fremde Länder zu erkunden? Sicherlich, machbar wäre es. Aber hätten ihre Kinder es auch gut bei ihnen? Was für eine Frage. Aalina schüttelte den Kopf. Sicher würden sie es gut haben. Also half nichts anderes. Sie musste mit Raakin reden: Jetzt. Schließlich war er gerade nach Hause gekommen.

Sie ging in den Turm. Zögerlich hob sie ihr Wort, begrüßte ihn, teilte ihm mit, dass sie mit ihm sprechen wolle. Er nickte, deutete ihr zu ihm zu kommen. Sie wollte gerade ansetzen und loslegen, als es an der Tür klopfte. Hilflos lies sie die Schultern sinken und seufzte auf. Ismaael, scheinbar suchte er Raakins Hilfe. So sollte es sein. Die beiden verschwanden im oberen Stockwerk während Aalina weiterhin da saß und langsam etwas genervt wurde, dass dies so lange dauerte. Wäre es irgendwas gewesen um das es ginge wäre es ihr egal. Aber es war ihr zukünftiges Leben über welches sie sprechen wollte. Aalina erhob sich, blätterte in einigen Büchern ehe es abermals an der Tür klopfte. Was war heute nur los? Rasch ging sie zur Tür und öffnete. Es war Sharie, welche zu ihr wollte und einen kleinen Auftrag dabei hatte, welchen Aalina umgehend ausführte. Gemeinsam mit Ismaael verließ Sharie dann das kleine Anwesen der Yazir. Aalina atmete leicht durch und Raakin sah sie auffordernd an. Also setzte sie abermals an und begann zu sprechen. Weit kam sie allerdings nicht, es klopfte abermals an den Türen. Langsam verließ Aalina der Mut und der Wille überhaupt noch über irgendwas sprechen zu wollen. Die Wasserpfeife war kaputt, war sie doch vorhin gegen die Wand geworfen worden von ihrer eigenen Hand und sie kam auch einfach nicht dazu mit ihm zu sprechen.

"Ich... ich... ich denke ... es wäre schön ... wenn uns Kinder umgeben würden!" Sie hatte es ausgesprochen. Doch Raakin schien nicht sonderlich begeistert zu sein. "Jaaa... vielleicht ... aber nur menekanische Kinder ... wenn ich das Waisenhaus in Varuna sehe wird mir übel!" Aalina schüttelte den Kopf. "Eigene..... Kinder!"
Es war als hätte es Raakin von einem auf den anderen Moment die Sprache verschlagen und er sah sie nur an. Aalina wusste, dass er so reagieren würde. Sie hatte es gewusst und sie senkte ihren Blick. "Eigene Kinder? Du meinst... eigene... Kinder? Einen Sohn...? ... den du mir schenken willst...?" Aalina sah auf. "Ja, so Eluive uns einen Sohn schenken mag.." Raakin sah Aalina an. "Jaa... jaaaa... aber... das sollten wir gut besprechen... wir werden dafür sehr viel benötigen, auch jemand zu dem wir das Kind bringen können!" Aalina sah ihn fast fassungslos an. "Du willst unser Kind dann weggeben?" Doch Raakin schüttelte sogleich den Kopf und besänftigte sie. "Nein... nur, wenn wir unterwegs sind und Dinge zu erledigen haben, bei denen unsere Kinder nicht mitgehen können!" Aalina nickte. Und sie war glücklich darüber, dass er ihren Wunsch nicht abgeschmettert hatte. Sie war sich sogar sicher ein wenig Stolz und Wehmut in seinen Augen erkannt zu haben. Vielleicht hatte er sich selbst schon eine Familie gewünscht, im tiefsten Inneren und den Wunsch nur sogleich wieder verworfen.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Ein langer Arbeitstag hatte ihm wieder einen wunderbaren, sonnigen Tag im schönsten Menek'Ur verdorben. Stundenlang war er einsam und nur beobachtet von einigen menekanischen Wachmännern in der Salzmine gestanden und hatte in schweißtreibender Arbeit Rohsalz gefördert. Mit einem Schmunzeln hatte er auch die Geröllmassen am anderen Ende der Mine zur Kenntnis genommen - dem Ort, an dem Zaina, seine Schwester, am liebsten grub.
Die Gabe Eluives bedeutete viel Arbeit und viel Schweiß, wenn man dem Volk - und natürlich auch sich selbst - dienen wollte. Reich entlohnt wurden häufig die Mühen, die Männer und selten auch Frauen aufbrachten, das weiße Gold zu schürfen und in feines, körniges Pulver zu mahlen. Nicht umsonst gehörten schon immer viele der schönen und großen Häuser den angesehenen Schürfern und ihren Familien. Auch dem Emir, dem Erhabenen, dem Einzigartigen, dem Sohn der Sonne und ersten Bruder der Wüste diente das kostbare Salz zu Reichtum und Wohlstand, im gleichen Maße wie seinem Volke.

Nun war es wieder einmal Abend und mit gleißend rotem Licht verschwand die Sonne am Horizont. Der Wüstenboden schien wie in ein rotes Meer aus kostbaren Rosendüften verwandelt zu sein... halt. Rosendüfte? Saheeb schüttelte den Kopf. Nicht schon wieder! Er hatte sich vorgenommen, das Thema Liebe und Charis beiseite zu schieben. Und es gelang ihm ganz gut - bis auf einige wenige Ausnahmen. Immerhin traf er sie kaum, das war ein unschätzbarer Vorteil. Und er hatte genug andere Dinge, um die er sich kümmern musste.

War da nicht der Salzhandel mit den grünhäutigen Kindern Eluives, den ehrbaren Waldelfen gewesen? So bescheiden Saheeb auch im Normalfall war, über den reibungslosen Ablauf des ersten Tauschhandels war er mehr als zufrieden gewesen. Und wer wusste schon, wohin ein langanhaltender, regelmäßiger Handel führen konnte? Handel, der Austausch von Waren und Kultur, war der erste Schritt in eine lange dauernde Freundschaft. Und Freunde konnte man immer brauchen, solange sie nicht ehrlos und barbarisch wie das Volk der kleinwüchsigen Halblingszwerge waren.

Dann war da auch noch die Sache mit Amira... seine Schwester aus dem Harem sah er selten, und umso erfreuter - und natürlich auch überrascht - war er gewesen, sie im Basar bei einer seiner Einkaufstouren zu entdecken. Sie stand vor den Auslagen und machte ein sichtlich betrübtes Gesicht. Saheeb hasste es, betrübte Gesichter zu sehen, bei Frauen noch mehr als bei Männern und bei seinen Schwestern sowieso. Umso glücklicher machte es ihn, ihr den Grund für ihre Betrübnis nehmen zu können. Wofür hat man schließlich einen salzschürfenden Bruder mit etwas Gold in der Tasche? Wenn er Amira schon so selten sah und zu Gesicht bekam, sollte sie wenigstens die Wasserpfeife als Geschenk seiner Person annehmen. Sie schien sich zu freuen. Selbst, wenn es nur gespielt gewesen wäre - Saheeb freute sich selbst über gespieltes Lächeln. Er fühlte sich dann einfach besser.

Auch die Sache mit Aalina kam ihm in den Kopf - und sorgte bei ihm zum hundersten Male für Stirnrunzeln. Eine Frau, Festländerin mit seltsamen Gewändern, war zu Besuch auf der Wüsteninsel gewesen und hatte ihn um etwas Salz gebeten. Natürlich wollte er die Frau nicht ausnehmen, erst recht nicht, als sie vorgab, Aalinas Freundin zu sein. Aber ein wenig Handeln konnte doch nicht schaden? Es machte ihm Spaß, und die Festländer durften ruhig beweisen, dass sie etwas von Gold und Werten verstanden.
Nur Aalina schien das nicht begriffen zu haben. Zumindest war es für Saheeb sehr ungünstig, dass sie plötzlich von der Seite begann, seine Argumente zu entkräften. Seine eigene Schwester? Entblößt ihn, ihren Bruder, vor einer Festländerin?

"Aalina! BITTE!" - es waren nur zwei menekanische Worte, die eindringlich gesprochen wurden, um Schlimmstes zu vermeiden. Was folgte, passte nicht mehr zu dem, was Saheeb von seinen Schwestern wusste. Beleidigt und erzürnt warf sie ihm an den Kopf, dass sein Gegenüber, die Festländerin, ihr schon so manches Kleid umsonst geschneidert habe und sie nur nicht wolle, dass er sie ausnehme. Und er sich gar nicht so haben müsse. Oder so ähnlich. Dann war sie auch schon weg - wuterzürnt und ohne sich zu verabschieden.

Er würde mit ihr sprechen müssen. Auf der einen Seite wollte er auf keinen Fall Streit mit seiner Schwester - gegen geschwisterlichen Zoff hatte er nichts einzuwenden, davon hatten sie weiß Eluive genug gehabt. Aber handfester Streit wegen einer Lappalie?
Allerdings war ihr Verhalten untragbar gewesen. Sie WUSSTE, dass er das Feilschen und Handeln liebte, und auch wenn diese Festländerfrau ihre Freundin war hatte sie nicht das Recht, ihn vor ihr als Lügner oder Betrüger vorzuführen. Er hatte Glück, dass seine Kundin das entweder nicht mitbekommen oder nur wenig ausgeschlachtet hatte. Schon als kleines Mädchen hatte sie sich unsagbar viel herausgenommen, doch die Ehe mit ihrem mächtigen Gatten hatte dem nicht unbedingt gut getan.

Doch nein. Schon wieder war er dabei, sich aufzustacheln gegen sein eigen Fleisch und Blut. Sie war, blieb und würde immer seine Schwester sein. Und nachdem Fateen und Yasemeen sich zurück gezogen hatten, war es nun einmal seine verdammte Pflicht, sich um das Haus zu kümmern. Und er würde seinem Vater zur Ehre gereichen, wenn Eluive ihm beistand.

Inzwischen stand er mitten in Menek'ur neben seinem Haus. Angrenzend stand Aalinas altes Haus, in dem sie vor ihrer Heirat mit Raakin gewohnt hatte. Es war groß und schön, passend für eine Meisterin der Schneiderkünste. Und daneben stand noch ein kleineres, unscheinbareres Haus. Es war ihm bei einem Spaziergang aufgefallen, dass der alte Besitzer es aufgegeben haben musste. Denn die Lettern, die das Hausschild nun zierten, hieben sich wieder einmal wie Messerklingen in seine Stirn:

Charis Yazir
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Es war alles ganz anders gelaufen als sie es erwartet hatte. Alles war aus dem Ruder geraten. Wie konnte sie nur so gemein gewesen sein? Aalina ging im Turm auf und ab. Sie hatte ein schlechtes Gewissen und das sehr. Und dabei war es doch alles gar nicht so schlimm gewesen? Sie hatte sich für den Moment so verdammt ungeliebt gefühlt.

Angefangen hatte es damit, dass sie zum zweiten Mal den Ring von Raakin - seinen Ehering der die beiden verbindet - in einer Truhe fand. Letztes Mal war er liebevoll zurechtgerückt dort drin von ihr aufgefunden, aber dieses Mal lag er dort als hätte Raakin ihn verloren. Aalina machte es traurig als sie den Ring in ihrer Hand hielt. Sie drehte und wendete ihn in ihrer Hand und steckte ihn in ihre Tasche. Und es hatte nicht lange gedauert bis Raakin das Zimmer betrat in welchem Aalina sich aufhielt. Sie hatte sich gut überlegt, wie sie anfangen sollte. Raakin schien so, als würde er was suchen. Wann sonst räumte er freiwillig auf? "Hast du das gefunden, was du gesucht hast?" Aalina bemühte sich darum, nicht auszurasten. Und er lächelte sie an. Er hatte wirklich den Mut ihr noch ins Gesicht zu lächeln? Sie war enttäuscht. Innerlich schmerzte alles und sie hätte vor Wut am liebsten irgendwas gegen die Wand geworfen. Aber immer wieder besinnte sie ihr Temperament, versuchte es zu zügeln. Sie kramte in ihrer Tasche, hielt ihm den Ring hin. Zuerst schien er den Ring gar nicht zu erkennen, ehe er versuchte mit seinen Handschuhen an den Händen danach zu greifen, was ihm natürlich misslang. Aalina riss sich immer mehr zusammen das sie nicht fürchterlich zu schreien und weinen begann. Sie war so sensibel, sie wusste gar nicht, warum es überhaupt ein Problem darstellte. Wahrscheinlich hatte er den Ring wieder einmal nur von dem Finger genommen. Doch warum lag er dann einfach so rum? Raakin versuchte ihr zu erklären, dass er ihm wohl vom Finger gerutscht war bei der Arbeit. Aalina sah ihn weiterhin an. Woher wollte er wissen, aus welcher Kiste sie den Ring entnommen hatte? Er redete und redete. Aalina wollte ihm nicht glauben und sie wusste verdammt nochmal nicht warum. "Wer weiß was du hier treibst wenn ich nicht da bin?" drang es über ihre Lippen. Das hatte sie nicht wirklich gesagt? Aalina biss sich dafür gedanklich auf die Lippen. Sie hatte nicht wirklich gerade den Mann den sie so abgöttisch liebte dazu bezichtigt, das er womöglich seinen Ehering nur nicht trug, weil er anderen Frauen schöne Augen machen wollte? Sie hasste sich dafür. Sie hasste sich so sehr dafür und auf einmal ging alles so verdammt schnell. "WAS soll das heißen?" donnerte die Stimme von Raakin. Aalina hatte ihn selten, achwas, noch nie so wütend gesehen. Sie schüttelte nur den Kopf. "Das wirst du schon selbst wissen...!" Aber er schien mit dieser Aussage nicht zufrieden. "Ich bin STOLZ den Ring an meinem Finger zu tragen, jedem zu zeigen das ich zu dir gehöre.. und du? Du trägst ihn nichtmal!" donnerte Aalina zurück. "Der Ring schreckt die anderen Männer ab... was heißt das es andere Frauen nicht abschreckt dich anzusprechen, da du deinen Ring nicht trägst!" Aalina konnte nicht fassen was über ihre Lippen drang. Das war nicht sie, das war verdammt nochmal nicht sie. Raakin sah sie an. "WANN hab ich schon mit anderen Frauen zu tun außer mit den Steinharpien die manchmal im Ahnengrab herumfliegen?" Er sah sie an. Sie sah in seinen Augen das er wütend war. "Ich weiß doch nicht was du hier tust wenn ich meine Schneidertermine wahrnehme?" entgegnete sie wütend. Er sah sie weiterhin an, auch sie hielt seinem Blick stand. "Ich alchemiere, dazu muss ich den Ring runtertun, außerdem ist das eine viel größere Kunst als deine Schneiderei!" Aalina schluckte. Sie hatte sich nun wirklich verhört oder hatte er behauptet, dass ihre Schneiderkunst keinerlei ansehnliche Arbeit wäre? Sie wurde zornig. Auf einmal waren all ihre Gedanken wie ausgelöscht, keinerlei Reue zeigte sich in ihr. "Achja? DANN SCHNEIDER DOCH AB SOFORT DEINE RÜSTUNGEN SELBER!" Aalina schrie ihn an. Das erste Mal, dass sie wirklich schrie. Er sah sie an. "Gut, wie du willst, TZ. Dann ist ja alles BESTENS!" Aalina sah ihn an und im selbigen Moment zog sie ihren Ring von ihrem Finger. Es war als würde sie neben sich stehen. Innerlich zog sich alles zusammen, es schmerzte als sie den Ring auf den Boden fallen ließ. Aber sie wusste keinerlei Ausweg mehr. Er verlegte den Ehering, daraufhin bezichtigte er sie dazu, dass ihre Kunst des Schneiderns nichts wert wäre. Sie musste sich Luft machen. Wie in Zeitlupe schien es als der Ring auf dem Boden aufprallte und ein blechernes Klirren von sich gab. Raakin sah Aalina an und seine Augen verengten sich. Doch Aalina hielt es nicht mehr aus. Sie stürmte aus dem Turm.

"Wo gehst du hin?" Raakin hatte sich vor ihr und ihrem Mustang Minou aufgebaut. Aalina sah ihn an. "Das kann dir doch egal sein?" sprach sie mit enttäuschter Stimme. Er sah sie fassungslos an. "Was? Bist du von sinnen? Du bist mein Weib, du gehst nirgends hin wenn ich es dir nicht gestatte?" und legte seine Hand auf das Gartentor. Aalina sah ihn weiterhin an, zog eine Augenbraue nach oben und zog die Zügel ihres Pferdes herum. Sie hörte von Raakin wohl ein sichtlich zufriedenes Ausatmen, hatte er nicht damit gerechnet, dass Aalina mit dem Mustang über die Mauern des Gartens sprang. Draußen angekommen ritt sie los. "WARTE!" Raakin eilte ihr nach. Sie hielt an. "Ich dachte du liebst mich... !" Aalina wandte sich ob der Worte zu ihm und sprach leise mit Tränen in den Augen. "Das dachte ich von dir auch..." - "Und nur weil ich für unser täglich Brot sorgen wollte und mir dabei zweimal ein Missgeschick passiert ist... aber das scheint dir recht zu passen... ich wette du ziehst zu Kamahir?" Er sah sie an. Aalina erwiderte abermals seinen Blick. Langsam wandelte sich ihr Zorn und ihre Wut über all das Geschehene nur noch in Trauer. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, jeder Herzschlag fügte ihr Schmerz zu. "DAS HÄTTE ICH DIR NICHT ZUGETRAUT, AALINA!" wütend stapfte Raakin zum Tor. Aalina wusste nicht mehr was sie tun sollte. "Ich hab es nicht nötig... mich um andere Männer zu kümmern...!" sprach sie leise, ehe er sich abermals zu ihr drehte. "KLAR, weil die Männer Schlange stehen!" Aalina sah ihn erneut an und schüttelte nur den Kopf. Es machte sie traurig was er sagte und es tat ihr so weh. "Geh... geh nur.. ich wusste immer das du es nicht lange bei mir aushältst.. wenigstens habe ich die traurige Gewissheit immer recht zu behalten!" Aalina konnte nicht mehr. Es schmerzte innerlich alles so sehr. "Und so behandelst du die Frau, die du einst so sehr geliebt hast?" sprach sie mit zitternder Stimme, den Tränen sehr nahe. "Merkst du eigentlich das du mich gerade verlassen willst, Aalina?" entgegnete er. Aalina schloss für einen Moment die Augen. "ICH LEGE MEINEN EHERING WENIGSTENS NICHT AB.. weisst du verdammt nochmal wie ich mich fühle wenn ich jedes mal wieder in meinen Händen deinen Ehering halte und mich frage wo du bist?" - "Aalina, wir leben in einer Ehe, nicht in einem Ehering.. Der Ehering ist zweitrangig. Aber das versteht ihr Frauen wohl nicht. Gold und Geschmeide, darum dreht sich wohl alles!" Sprach er zornig und setzte eine Art Wurfbewegung in ihre Richtung an. "Es geht mir um wertvolle Dinge? Oh nein, da täuschst du dich!" sprach sie daraufhin zu ihm, abermals mit zitternder Stimme. Er sah sie mit Trauer in den Augen an. "Stimmt... denn viel wert scheine ich nicht für dich zu haben!" Mit diesen Worten band er seinen Mustang von dem Pfosten vor dem Turm. "Fragt sich, wer für wen keinen Wert hat...!" sprach Aalina abermals leise. Raakin sah sie erneut an. "Allerdings.. erst meinen Ring verstecken um dann einen Streit anzuzetteln.. so wirkt das auf mich. Es tut mir leid wenn du einen schlechten Tag hattest!"

"Du denkst ich hab...?" Aalina bebte innerlich. Das war zuviel. Er unterstellte ihr sie hätte das mit Absicht getan? "Und Kinder will ich so eh nicht mit dir in die Welt setzen. Es ist das schreckliichste für sie in eine zerrüttete Familie geboren zu werden.. ich kann nur sagen: Glück für sie!" Aalina konnte nicht mehr. Um sie herum drehte sich alles und sie zerrannen sich weiterhin in der Diskussion. Aalina wurde übel. Alles drehte sich, ihr Magen zog sich zusammen und sie stieg vom Pferd. "Ich werde für mein Volk da sein, es ausrüsten!" Aalina hatte ob seines Satzes zum ersten Mal gemerkt, dass sie in seinem Leben an zweiter Stelle stand. Sie hatte es von Anfang an gewusst, nur immer wieder verdrängt. Es machte sie so traurig. So verdammt traurig. Geschwächt ließ sie sich in den Sand fallen und begann fürchterlich zu weinen. So hätte das Gespräch nicht laufen sollen. Sie war nur so verdammt emotional gewesen, so traurig, so enttäuscht. Und nun war sie ein jämmerlicher Haufen Dreck, auf dem besten Wege den Mann zu verlieren, den sie so liebte. Sie saß im Sand und weinte bitterlich. Raakin sah sie von einiger Entfernung an, fast schon verzweifelt, band seinen Mustang wieder an und ging zu ihr um sich zu ihr herunterzubeugen. "Es tut mir leid, Aalina, es tut mir leid. Ich wollte nicht gemein sein.. du hast recht.. ich war schuld. Ist ja nicht schlimm.. Schhhhh... Es tut mir leid!" Zögerlich fasste er an ihre Wange und schob eine Sträne ihres Haares aus dem Gesich um sie besser sehen zu können und wischte ihr mit einem Finger eine ihrer Tränen weg. "Komm... wollen wir uns nicht wieder vertragen? Das ist es alles nicht wert!" Er streckte ihr seine Hand hin und sie griff danach. Sie war noch immer traurig und enttäuscht, dass es zu diesem Streit gekommen war.. doch sie konnte ihm nicht böse sein. Sie konnte ihm einfach nicht böse sein, auch wenn das Gespräch tiefe Narben zurücklies. Sie sah ihn an. Sie liebte ihn. Mehr als irgendwen anderen. Keinen anderen Menekaner konnte sie so lieben wie sie ihn liebte. Und doch musste sie damit zurechtkommen in seinem Leben die zweite Person zu sein.

Nachts wachte Aalina auf. Sie hatte Schmerzen, starke Schmerzen. Leise schlich sie nach oben, vielleicht hatte sie nur Durst. Vielleicht war es die Aufregung gewesen, welche sie so aufgewühlt hatte und ihr Schmerzen bereitete. Hastig trank sie einen der Tränke, die immer in einem der oberen Regale stand und ging wieder zurück in ihr Bett.
Es war am Abend gewesen des folgenden Tages als sie zuhause saß, über ihr Tagebuch gebeugt. Den ganzen Tag über hatte sie starke Schmerzen in ihrer Lunge. Atmen viel ihr schwer, kaum bewegte sie sich zu schnell wurde ihr schwindlig und schlecht. Sie vermisste Raakin so sehr wie nie zuvor und konnte es nicht erwarten bis er nach Hause kam. Doch er kam nicht. Angst machte sich in ihr breit. War er doch zu sehr angeknackst von ihren Launen gewesen?
Es klopfte an der Tür. Aalina quälte sich die Treppen hinunter. Ismaael stand vor der Tür, er wollte seine Rüstung abholen, doch kam er nicht soweit. Er sah Aalina und bemerkte sofort, das etwas nicht stimmte. Sie sprach ganz leise zu ihm, ihre Stimme ließ nichts anderes mehr zu, war sie doch so erschöpft von dem Schmerz, der ihre Lunge immer wieder krampfen lies. Ismaael stand da und redete auf sie ein das sie Najiya aufsuchen sollte. Aber Najiya schlief. Und urplötzlich bekam sie keine Luft mehr. Sie japste und sie schnappte, aber sie bekam keine Luft mehr. Ihre Lunge schmerzte, ihr Kreislauf schien schlappzumachen und sie brach in sich zusammen.

Als sie wach wurde lag sie auf der Liege in der Küche. Ihr schien es auf einmal besser zu gehen. Neben sich sah sie ein Gläschen mit einem heilenden Trank. Sie nahm es in die Hände und ließ es durch ihre Finger gleiten. Sie presste ihre Lippen aufeinander. Es war wohl knapp gewesen. Sie sah abermals auf den Trank. Was wohl passiert wäre, wenn sie den Trank nicht irgendwie getrunken hätte? Aalina wollte gar nicht dran denken. Aber sie war beruhigt. Zwar fühlte sie sich noch geschwächt und absolut K.O., dennoch war sie zufrieden, dass ihre Lunge nicht mehr ganz so sehr schmerzte. Die Krämpfe waren weg. Sie sah zu den Sternen. Wo auch immer Raakin war, er würde wissen, wie es ihr gerade eben noch ergangen war. Da war sie sich sehr sicher. Und jetzt wusste sie was sie zu tun hatte, sie musste sich schonen. Einfach nur schonen. Keinerlei Aufregung. Wenn da nur nicht diese unerklärliche stetige Übelkeit wäre.......
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