Vom Alpha zum Omega?

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Gast

Vom Alpha zum Omega?

Beitrag von Gast »

Krieg... Schwingenstein wird vom Schatten des Westens belagert.
Die Kaluren längst vor Ort, die Thyren scheinbar nicht einmal informiert.
Schwingenstein... der Ort an dem Yves beinahe ihr Leben ließ, ein Ort an dem schon viele Liedklänge verstummten. Ein Ort der für die Menschen des lichten Reiches so heilig war, das er jedes Blut wert schien.

Es war bereits spät in der Nacht, Yves hatte gerade erst die Kunde vernommen. Sie kehrte von ihrem Rudel im Nebelwald zurück in die Stadt und las das Schreiben. Eine unkontrollierte Situation in Schwingenstein? Die Lage ungewiss und die Machtverhältnisse absolut ungewiss.
Yves wusste, diese Fragen mussten so schnell wie möglich geklärt werden. Shalaryl war häufig im Kloster und wachte dort mit Menschen und Zwergen. Lu'ariel war auf einer Expedition und Lethalon war über Tage auf Kräuter suche im Nebelwald.
Der Rat war also nicht erreichbar, die Situation ungewiss und Yves sah sich mit einem Mal gezwungen die Stimme zu erheben, eine Entscheidung zu treffen?
Sie fühlte sich verantwortlich, für ihre jungen Maethor, welche bei ihr lernten, welche ihr Wort schätzten. Verantwortlich dafür, dem Rat alle nötigen Informationen zu geben, welche für eine Entscheidung notwendig wären.
Der Mond schien hell, die Wolken schienen fern. Das Kloster war noch völlig unbefestigt und die Anwesenden sehr aufgemischt. Raindri, ein Adlerritter, Vaughain, Obster des Regiments und Ernst, ein Mann des Regiments, sie waren an der Treppe mit der ermüdeten Aurea. Aurea verließ die kleine Gruppe schnell und die drei Menschenmänner waren absolut nicht erfreut über die Worte der jungen Maethril. Sie sprach davon, die Eledhrim vorerst zum Schutz im Nebelwald halten zu wollen, ihre Schützlinge nicht in das selbe Schicksal zu werfen wie es ihr widerfahren war.
Vaughain fand einige beruhigende Worte, doch war es Korporal Ernst Eichengrund, welcher die junge Maethril davon überzeugen konnte, die Elfen sollten eingreifen und ihren Verbündeten helfen.
Vaughain sprach von der Aussichtslosigkeit und dem Bedarf an Streitern, Yves hatte ihre Hilfe zugesichert, auch wenn sie damit nicht für ihr Volk sprechen konnte.
Jene Worte fanden ebenso Platz in einem Bericht an den Rat wie die Zweifel über den Mann der ihr drohte. Ein Mann in den Reihen der Lichten, welcher androhte selbst einem Eledhrim sein Leben zu nehmen, wenn er nicht für das selbe Kämpfe wie er – Raindri, der Adlerritter der bloß seinen fanatischen Glauben in etwas Höheres sah.
Yves hatte nicht lange mit ihm gesprochen und doch hatte es dieser Mensch geschafft das zu wecken, was normaler Weise tief in ihrer Seele ruht. Den Jagdtrieb des Wolfes, den Schutzinstinkt des Rudels gegenüber und vielleicht auch etwas mütterliches, ihren Schützlingen gegenüber.
Sie griff Raindri mit Händen und Füßen an, auch wenn dieser sich kaum beeindruckt zeigte. Ein Effekt blieb aus und so hatte der Ritter kaum mehr als Verachtung für die junge Maethril über.


Heimkehr und Ausbruch
Kaum einen Tag später war Lethalon zurück und war völlig empört über den Aushang von Yves, keine Edhil hätte sich anzumaßen einen Befehl zu erteilen, welcher alle Maethor betrifft.
Ihre Berichte ließ Yves mit einmal verschwinden, strich all ihre Schreiben durch und verwies bloß noch an Lethalon. Egal was es noch gab, sie verwies alles an den Nestor.
Gebrochen in Willen und Stolz war die junge Elfe kaum mehr in der Lage zu sich selbst zu finden. In Seelengestalt streifte sie alleine durch den Nebelwald, wich ihrem eigenen Rudel aus und blieb für sich, dachte nach und wicht erneut Wesen aus. Es schien bald schon als würde der ganze Wald sich um den Wolf sorgen, welche Anzeichen gab es schon dafür, das ein gesunder Wolf alleine durch den Wald streifte. Was konnte das lebende Kollektiv des Nebelwaldes mit einem Wesen anfangen, das einfach nur dort war, keinen Zweck und keinen Platz hatte?
Selbst die Bäume whisperten leise im Wind, sprachen zur Elfe und versuchten ihre Gedanken zu ordnen, sie darauf zu besinnen was sie war und was noch immer in ihrem Herzen ruht.


Doch was war es, das in ihrem Herzen ruhte?
Die Seele eines Wolfes, die Liedklänge einer Edhil, das Herz... was war es, was ihr Herz erfüllte.
Es war Beides, jedoch nahm in den letzten Tagen die Sorge eines Wolfes überhand. Sie wollte ihr Rudel schützen, wollte ihr Rudel behüten, nicht das Rudel ihrer Freunde.
Es war ein Wesen der Edhil, welches unter den Eledhrim durchaus gern gesehen ist, doch nicht wenn es solche Dominanz über den Verstand erlangt.
Die Eledherim waren stets ein Volk das den Rat der Älteren befolgte, kein Volk das Befehlen folgte oder ein Volk das jene überhaupt benötigt hatte. Yves hatte den Pfad ihres Liedklanges verlassen, hatte sich ihrem Instinkt hingegeben.


Zeit der Zweifel?
Yves war erst in den letzten Tagen der Belagerung in Schwingenstein eingetroffen, sie hatte erst jetzt wieder klare Gedanken gefasst und konnte zumindest ihren Geschwistern folgen. Denken wollte sie nicht mehr groß, sie wollte bloß noch ihre Geschwister schützen. Schützen... war es das was dieser Raindri auch wollte? Hatte Yves sich diesen Mann bereits zum Feind gemacht – würde er sie töten wollen?
Nicht einmal für diesen merkwürdigen Adan hatte sie Gedanken über, sie hatte sich gerade genug gefangen um dem zu folgen, was ihre Geschwister taten.
Noch am letzten Abend hatte sie schließlich das Gespräch zu Lethalon und Elin'thilion gefunden, konnte ihre Sorgen kundtun und bekam zum ersten mal einige Worte zu hören, die ihre Sorgen milderten.

Bin ich noch eine Edhil?

Doch war es der selbe Abend, an dem Elin'thilion vernichtende Worte für die junge Maethril sprach. Ihr Verhalten sei keines das einer Edhil angemessen wäre, sie hätte die Grundsätze des Volkes verachtet und verraten. Einen Befehl auszusprechen in einer Rasse die sich nur nach den Räten der Älteren richtet, das sei keine akzeptable Reaktion auf den Kriegsfall.
Er konnte sie verstehen und doch waren es vernichtende Worte für das Gemüt der jungen Maethril.


Zeit ist uns reichlich geschenkt!
Es war Lamentinu, welche am nächsten Morgen zu der jungen Elfe sprach. Sie erkannte den Kummer und das erloschene Feuer für ihr Volk. Sie wusste scheinbar genau wie sie das Lächeln wieder in das Gesicht der jungen Kämpferin bringen konnte – natürlich konnte sie das, die Mutter der jungen Rilya, wenn nicht sie, wer könnte es dann?
Sie brachte Erleichterung für das Gemüt von Yves, sprach von den vielen Fehltritten die eine Edhil formen würde, von Fehlern und Missglücken die einen jeden Charakter formen würden.
Zeit, heile alle Wunden und lässt Missgunst über einen Befehl vergehen. Es sei eine extreme Situation gewesen die enorm schnelles Umdenken verlangte, das war ebenso wenig das Wesen der Eledhrim wie es der Befehl der jungen Maethril waren.


Es scheint als würde die Zeit für wenige Woche stillstehen, die Entwicklung welche Yves vollzog würde mit einem Schlag zu nichte gemacht werden. Ein Schreiben das sie selbst in die Schatten der Eledhrim warf. Ein Befehl, eine Sorge, ein Schutzinstinkt... der ihr Leben für immer ändern sollte?

Nein, dem war Yves sich nun sicher. Ihr Weg war nicht zu ende, ihre Entscheidungen nicht weniger wichtig als zuvor und ihre Meinung nicht weniger von Interesse als sie es vor der Belagerung waren. Yves war Maethril, sie ist es noch immer – Kämpferin ihres Volkes, tirn en-Eledhrim, Wächtrin der Elfen und Ausbilderin der Maethor.

Y'vesliv Fey'ulayn, eine Edhil die einen Schritt zurück machte... doch nur um auch über diese Hürde zu springen!

[img]http://newsimg.bbc.co.uk/media/images/47152000/jpg/_47152368_wolf.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 31. Juli 2014, 19:45, insgesamt 2-mal geändert.
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Lamentinu Celebren
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Beitrag von Lamentinu Celebren »

Die letzten Tage waren äußerst turbulent gewesen. Lamentinu suchte Ruhe in der Musik, doch ihre Gedanken schweiften ab. So nahm sie schließlich die Spindel und sponn Flachs und Schafswolle zu feinen Fäden, wie sie es schon so oft für die Schneider ihres Volkes getan hatte. Es war eine gute Tätigkeit, um zu schlichter Ruhe zurückzufinden und die Gedanken kreisen zu lassen, ehe sich alles geordnet hatte.
Die Belagerung um Schwingenstein war auch nicht ganz spurlos an der Bardin vorübergegangen. Es begann mit den besorgniserregenden Aushängen der Geschwister und schließlich bestätigten sich ihre Befürchtungen, dass sich Rilya mit ins Schlachtgetümmel stürzte. Bei Phanodain, sie war doch fast noch ein Kind, gerade erst seit einem Wimpernschlag ausgewachsen! Auf einem Schlachtfeld hatte sie nun wirklich nichts zu suchen. Irgendwann würden ihre Haare noch an Glanz verlieren und zu schalem grau werden vor Sorge. Wie sollte sie in solchen Situationen ihren Nachwuchs schützen? Sie war auf dem Schlachtfeld doch selbst die falsche Besetzung. Außerdem - war es nicht ohnehin Entscheidung des Rates gewesen, zu schützen und sich um Verletzte zu kümmern? Was machten die Eledhrim denn überhaupt an der Front? Sie war verunsichert ob der Geschehnisse. Es war lange her, dass der Beschluss des Rates das letzte Mal so frei ausgelegt wurde.

Doch offenkundig war sie nicht die Einzige, die ob der Geschehnisse in Schwingenstein in Aufruhr geraten war. Auf ihrer Morgenrunde durch Ered Luin war sie auf Yves getroffen. Und jener, das war offensichtlich, lastete etwas auf der Seele. Sie war auf der Suche nach ihrem Platz in der Gemeinschaft. Die junge Kämpferin würde schon noch lernen, dass es keinen festen Platz gab. Dass verschiedene Zeiten verschiedene Aufgaben erforderten, die man meisterte - zum Wohle aller. Sie dachte an ihre eigene Vergangenheit - erst hatte sie nur Augen für die Musik. Dann wurde sie schließlich Mutter. Dann führte sie das Volk als Visionärin, als Camvaethol, als die Zeiten rau wurden und die Panthersbrut angriff. Doch als jene Bedrohung wieder wich, so schied auch sie wieder aus jenem Amt: Es brauchte keine Camvaethol in Friedenszeiten. Nun war sie gleichsam Musikerin, Mutter und das offene Ohr für die Sorgen der Jüngeren. Jeder Lebensabschnitt brachte neue Herausforderungen und Aufgaben mit sich, und nicht immer waren jene offensichtlich. Das würde die junge Kämpferin auch noch lernen. Sie sorgte sich um Verlust, dabei war es nur ein weiterer Reifeprozess, den sie durchlief. Lamentinu spürte, dass die Last der dunkeln Gedanken auf den Schultern der Jüngeren zu groß war - sie lichtete jene ein wenig. Nun würde sie wieder frei sein, offen mit den Herausforderungen der jetzigen Zeit umzugehen. Sie war überzeugt, dass sie sich finden würde.

Sie ließ die Spindel sinken und blickte auf die fertigen Garnspulen. Gemessen an diesen musste sie eine ganze Weile dort gesessen haben ohne es zu realisieren. Sie lächelte in sich hinein. Die Gedankengänge hatten eine ganz eigene Zeit...
Gast

Beitrag von Gast »

Befehle als Leitfaden?

Es vergingen Tage und Wochen seit einem Schreiben, welches die Maethril verfasste. Worte die sie niederschrieb um ihre Eigenen zu schützen, die und das zu schützen, was sie wie ihre eigenen Welpen betrachtete.
Es war ein Schutzinstinkt der die Elfe erfüllte und sie wusste, all jene die sich den Tagen der Ausbildung und der Weitergabe von Wissen anschlossen, an jenem Punkt standen... wo sich ein auch Y'vesliv wiederfand. Unfähig den Feind zuschätzen und zu ungeschickt im Kampf als das sie jemals hätte bestehen können. Doch war es ihre Pflicht... ihre Aufgabe zu kämpfen...
Waren sie es wirklich?
Sie hatte damals keine Befehle erhalten und doch kam es der jungen Kämpferin so vor, sie hatte die Pflicht ihrem Volk beizustehen. Den Ratsmitgliedern mit in die Schlacht zu folgen... eine Pflicht, doch gab es nie den Befehl dazu.

Traurige Zeiten kamen auf die Elfe zu, Zweifel und Ungewissheit machten sich in ihrem Kopf breit. Eine nützliche Kämpferin war sie Momentan ohnehin nicht, wer könnte schon kämpfen, wenn der Kopf sich nicht auf etwas Fokussieren kann.
Es waren Zeiten angebrochen in denen sich Yves selbst wiederfinden musste und die Tage machten es nicht leichter.
Da war ein Gesuch an den Rat, sie hatte gewünscht ihrem Volk zunächst den Rücken kehren zu dürfen um im Regiment der Menschen dienen zu können. Sie hatte natürlich auch diesen Schritt schon zwei mal überdacht und noch ein weiteres mal bevor sie das Schreiben an den Hals des Wolfes band. Yves hatte lernen wollen, nein sie hatte lernen müssen. Es war nun ihre Pflicht aus ihrem Fehler zu lernen und die Ursachen dafür zu finden.
Es brauchte eine Zeit bis der Rat sich darüber besprochen hatte und dem Vorhaben der Elfe zustimmen konnte, dennoch gab es Diplomatisches, welches vorher noch geklärt werden wollte.
Zweifel an der Motivation der Elfe kamen nie auf, nicht einmal bei dem Gespräch mit der Oberst Leutnant Helisande.

Und doch hatte Yves mit diesem Vorhaben schon lange dazu gelernt und Aufgaben erhalten, welche niemals einer einfachen Maethril zuzuordnen wären. Sie hatte auch in ihrem Volk einen so großen Schritt vorgemacht, das sie ihn weder begreifen konnte, noch wollte sie es.
Yves wurde zu einer Art militärischen Diplomatin, einer Vorreiterin die den Weg für zukünftige Generationen an Maethor ebnen sollte. Die Kämpferin bekam die Aufgabe, eine Basis zu schaffen und diese zu festigen.

Das Gespräch...

verlief alles andere als günstig für die Aufgabe und das gesamte Bild dazu. Yves hatte wenig erfreuliche Dinge erfahren und musste sich doch zusammen nehmen um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Es war ein diplomatisches Gespräch zwischen Kämpfern, welche vermutlich beide keine sonderlichen Erfahrungen mit der Diplomatie machen konnten. Es offenbarte sich der Zweifel an den Eledhrim und das negative Bild was man seit Jahren von ihnen hatte. Es war ein Gespräch das weniger Klärung brachte als es Fragen aufwarf. Yves hatte das Gespräch zu jedem Moment beenden wollen, flüchten und die Diplomatie an andere übergeben... doch es war ihre Aufgabe, ihr Befehl... ihre Pflicht.
Yves fühlte sich mit einem mal bedrückt und fühlte sich gefangen in ihrer Rolle, sah sich ihr nicht gewachsen und suchte noch am selben Abend ihr Wolfsrudel im Nebelwald auf. Dort fühlte sie sich wohl und konnte im Geflüster der Bäume ihre Gedanken ordnen. Die Worte der Bäume erzählten von Schlachten, von Siegen und Niederlagen. Sie berichteten von all ihren langen Erfahrungen und während Yves den Bericht an die Ratsmitglieder beendete, sagten sie etwas, das die Maethril aufatmen ließ.


Nach all dem was geschah, ob gut ob böse, ob schwer ob leicht, nach allem... nach all dem, stehen wir noch immer hier und halten wache.

Worte die der Kämpferin Mut machten, nicht aufgeben und standhaft bleiben. Sie musste kämpfen, nicht mehr mit der Klinge und auch nicht mehr mit dem Pfeil, nun musste sie einen Kampf lernen, welchen sie als Mutter sicher schon lange erlernt hätte oder wüsste, wie sie damit umzugehen hätte.
Nun war ihre Waffe das Wort und ihr Schild waren die Gesten. Es war die Zeit angebrochen einen neuen, einen weiteren und einen wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen. Die Macht der Sprache erlernen und zu erforschen.

Y'vesliv hatte eine Aufgabe, den Weg der Eledhrim in das Regiment der Menschen zu ebnen, sollte das scheitern, würde sie neue Wege suchen müssen um die fehlende Kompetenz in militärischen Fragen zu ersetzen... doch auch dafür hatte sich die gewillte Maethril einen Plan geschmiedet.

Es war Zeit für Worte...


Harthon an adovadas Edain
Gast

Beitrag von Gast »

Erkenntnis

Getarnt in einem Rudel Wölfe schlich die junge Maethril durch den Nebelwald, hielt Ausschau, lauschte den Geräuschen und nahm den Duft des Waldes auf.
Es schien ruhig und doch schlug ihr Herz wild, irgendetwas versetzte sie in Aufruhe, doch war es nicht der Wald oder seine Bewohner.
Sie selbst, ihr Gewissen und ihre Art war es. Es schoss ihr mit einem mal alles wieder in den Kopf. Ein einziges Schreiben, welches sie von ihrem Weg abbrachte und sie innerhalb der Eledhrim in eine schwere Position gerückt hatte.
Sie wandelte sich, saß in Elfengestalt auf einem Baum. Knarzend und knarrend bewegte er sich unter ihr und begann langsam, gedehnt zu sprechen.
Erzählte von Vielen die kamen und gingen, Viele die er sah und grüßte, Wenige die sich noch verabschiedeten.
Hätte Shalaryl die Säbelschwingern auf dem Baum gesehen, wäre sie sicher vom Glauben abgefallen, Yves trug zwar ihre Rüstung und doch saß sie auf einem Baum und gab sich der Ruhe hin. Lauschte den Worten des Baumes und beruhigte sich nach langer Zeit der Ruhe wieder. Es war eine Aufruhe in ihr die sie nicht verstehen konnte. Was wollte ihr Körper damit sagen, hatte ihr Körper, ihre Seele bereits mehr Wissen, ahnten sie etwas das die Elfe noch nicht verstand?

Der Baum senkte den Ast ab auf dem Yves ruhte und so rutschte sie unfreiwillig herab auf den Boden. Verwundert und verständnislos sah sie zum Baum und legte ihren Kopf zur Seite.
Dann erklang es wieder, das Pochen des Herzens, die Aufruhe in ihr selbst. Der Baum sprach mit einem mal schnell, beinahe wie es Menschen untereinander tun, doch war es nicht viel, nur ein einziger Satz.

Deine Zeit ist gekommen, weiter zu machen.

Sie kannte den Wald nicht, sie war nicht so vertraut mit ihm wie es die grünen Geschwister oder die Taurandir waren.
Ihre nächsten Schritte waren ihr mit einem mal wieder bewusst, fern der Sauberkeit und der edlen Struktur der Edhil, musste sie im schier endlosen Gewirr aus Ästen, ihre Geschwister aufsuchen und beginnen zu verstehen.
Nicht den Wald, nicht die Worte des Baumes, sie musste lernen sich selbst zu verstehen und damit auch beginnen, ihre Geschwister zu erkennen.
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 7. September 2014, 16:26, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Es war merkwürdig. Seit der Belagerung Schwingensteins, dem Kampf der edain, wo sie als Verbündete gefragt waren, hatte sich einiges verändert. Vieles war verständlich, doch eine Sache beunruhigte den jungen maethor doch etwas. Y'vesliv, seine ewig aufgeweckte Neck-Kameradin hatte sich gewandelt. Immer mehr und immer öfter zog sie sich zurück, schien förmlich nur mit sich selbst beschäftigt. Sie wirkte unschlüssig, verschlossen, als kämpfe sie mit sich selbst.
Zu gerne hätte Ivor gewusst, was ihre Sorgen waren und zu gerne hätte er ihr geholfen, doch wusste er nicht, wie er es anstellen sollte. Er war nicht der Wortgewandteste und erst recht nicht bei ernsten Themen, doch es musste einen Weg geben, Y'vesliv dennoch zu helfen. Irgendetwas musste sie doch wieder glücklich stimmen. Mehrere Male hatte er sie längere Zeit etwas im Auge gehalten und war stellenweise auch einfach in seiner Seelentiergestalt, dem Adler über ihren Kopf hinweg geflogen. Schweigend und nur beobachtend. In der Hoffnung, vielleicht Antworten auf seine Fragen zu finden. Und egal, was es war. Fest stand, dass er in der ebenso jungen maethril nicht nur eine Artverwandte hatte, sondern auch eine freundschaftlich betrachtete Konkurrentin und eine Person, zu der er aufschaute.
Irgendwann kam ihm ein unangenehmer Gedanke: "War es sein Verhalten zur Zeit der Belagerung ihr gegenüber gewesen, was sie so hatte werden lassen?" Er hatte ihre Anweisung verweigert, weil er es nicht eingesehen hatte, nur herum zu sitzen und zu warten, während Freunde und Verbündete bereits ihr Leben riskierten. Er hatte niemals an ihr gezweifelt, doch vielleicht war es genauso angekommen. Schließlich hatte er nicht gesagt, dass er sie dennoch respektierte und ihre Beweggründe verstand. Eine ganze Weile dachte er über diesen Aspekt nach und dann nahm er sich schließlich vor, seine gwathel aufzusuchen.
Es war scheinbar doch nötig, zu sprechen...
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 7. September 2014, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Ivor, ein junger Kämpfer und zielstrebiger Mann. Manches mal fühlte sich die verblasste Kämpferin wie seine Mutter, als müsse sie ihm die Ohren lang ziehen und ihm die Flausen austreiben.
Zu gut waren die gackernden Geräusche oder das unschuldige herum schieben des Fußes auf dem Boden, noch in ihren Gedanken. Es war ein Übungsabend an dem sich im Volk der Eledhrim Grundsätzliches offenbarte:
Der Wille zum Frieden.

Yves war anders, ihre Hände hielten oft still und sie beobachtete zunächst, offenbar zu lange - zumindest im Fall Schwingenstein. Sie wog Risiken und Chancen ab, schätzte Stärken und Schwächen ab, maß die Anzahl der Aggressoren und der Landshüter. Sie war sich sicher, Schwingenstein war sicher. Massive Mauern, wenig zivile Bevölkerung, ein Lebensmittelvorrat in Form eines ganzen Hofes. Nicht zuletzt der Schutz ihrer Göttin.
Die ewigen Leben der Eledhrim waren rational gesehen zu wertvoll für diesen Kampf, emotional jedoch, waren ihre Geschwister gebunden und Yves selbst an ihre Geschwister.
Sie folgte, sie kämpfte, sie lebte.
Erfolgreicher als ihre erste große Schlacht, hatte sie in diesem Kampf dem Feind erhebliche Schäden zufügen können. Sie kannte ihn, sie hatte ihn zuvor nur durch die Gnade der Götter überlebt.
Ein großer schwarzer Feind, doch waren nicht nur Feinde vor der Palisade Schwingensteins. Ebenso fürchtete Yvesliv die Aussage des Adlerritters, jeden zu töten der nicht seinen Zielen folgte - selbst Eledhrim.

Yves verlor vor diesem Adan das erste mal ihre Beherrschung, sie fühlte sich wie eine Schutzherrin der Maethor, wie ihre Mutter.
Ihr Seelentier, der Wolf, war ihr in dieser Situation ein erheblicher Nachteil. Der Schutz des Rudels, des Nachwuchses, der Stand an oberster Stelle... Sie handelte falsch!

Ihr Haar verlor in den vielen Tagen die dunkel blonde Färbung. Es wurde grau-weiß und matt. Die jünglichen Jahre hatte sie hinter sich gelassen, viel zu früh kam die Farbe, welche sonst nur Geschwister trugen, welche deutlich länger lebten oder ihren Haaren diese Farbe verliehen.
Maethril... Eledhrim und Wolf. Eine Mischung die aus einem Wesen einen unermüdlichen Beschützer ihres Gleichen machte, ein Wesen das viel Zeit hatte und sich diese auch nahm.
Sie verlor den Übermut, verlor das Talent, auszusprechen was sie dachte.
Sie war erwachsen geworden. Fehler leiteten sie, Fehler führten sie. Doch zurück fand sie nur in sich selbst.
Ihr Herz schlug für ihr Volk, ihr Geist lebte für den Schutz.


Maethril... mae, fae habe meinen Pfad gefunden.
Phanodain leitet mich und offenbart ihn mir.
Der Nebelwald flüstert seine Geschichten.
Meine Zeit ihnen zu lauschen,
hatte gerade erst begonnen.
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