Dieser Weg wird kein leichter sein

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Gast

Dieser Weg wird kein leichter sein

Beitrag von Gast »

Ein kalter Windhauch streifte Dashnor’s Nacken. Das Fenster am anderen Ende der Schlafkammer stand weit offen. Eine Böe erfüllte die Vorhänge mit gespenstigen Bewegungen, das Fenster klopfte gegen die Wand jenes kleinen Bauernhauses, südlich der Stadt Varuna, in dem er aufgewachsen war. Es war früh am morgen, die Sonne war gerade erst im Begriff aufzugehen. Eben genau diesen Moment liebte Dashnor und manchmal hatte er das Gefühl leise, ungewöhnliche und wohlklingende Geräusche wahrzunehmen, wenn die Sonne über den Horizont stieg oder am Abend hinab wanderte und irgendwo am Ende dieser Welt das Wasser des Ozeans berührte. Jene Geräusche die er in den vergangenen Wochen und Monaten immer häufiger wahrnahm und nicht zuordnen konnte. Bisher hat er niemandem davon erzählt, zu groß war seine Angst von seinen Eltern oder den Freunden für verrückt erklärt zu werden.

Manchmal erweckte es den Eindruck als seien sie Bestandteil von ihm und deren Herkunft käme tief aus dem inneren seines Bewusstseins, ein anderes Mal wiederum, als ständen sie in Verbindung mit den Tieren und Pflanzen draussen in den Wäldern. Denn genau dort, wo er sich in seiner freien Zeit aufhielt um die Tiere des Waldes zu beobachten, erlebte er diese Situationen immer wieder. Obgleich ihm diese Stimmen gleichzeitig mit Wohlbehagen aber auch teilweise Unsicherheit und Angst erfüllten, suchte er eben jene Orte, an denen er sie sehr intensiv und oft erlebte, immer wieder auf.

Langsam rollte er sich aus seiner Koje, das dunkle Leinentuch, welches seine besten Tage wohl schon hinter sich hatte und an einigen Stelle bereits große Löcher aufwies schob er beiseite und streckte seine Gliedmaßen erst einmal ausgiebig, bevor er sich erhob und die kleinen Stiefelchen, die neben seinem Bett standen überzog. Ein kurzer Blick zu eben jenen Fenstern die ihn aus seinen Träumen gerissen hatten und weiterhin in unregelmäßigen Abständen gegen die Wand seiner kleinen Schlafkammer stießen, gefolgt von einem tiefen Seufzer, stapfte er langsam in jene Richtung und schloss diese, bevor er sich die schmale Leiter die nach unten in die Wohnstube führte nach unten kletterte.
Es war ungewöhnlich ruhig an diesem Morgen, die meisten Tiere des kleinen Hofes schienen noch zu schlafen, auch von den Hühnern, die sonst schon recht früh den neuen Tag einläuteten, vermochte er nichts wahrzunehmen.

Für heute hatte er sich vorgenommen die kleine Lichtung an der in letzter Zeit immer mal wieder einen prachtvollen Hirsch beobachten konnte aufzusuchen, er hatte bis die täglich Arbeit am Hofe begann noch etwas Zeit, die er sinnvoll nutzen wollte. Leise schlich er sich in Richtung der schweren Eichentür, die zwischen ihm und der frischen Luft lag und die er zu jeder Tages- und Nachtzeit genießen wollte. Öffnete eben jene so leise wie es ihm möglich war, denn die Scharniere waren alt und quietschten leicht beim öffnen oder schliessen. Nachdem er den ersten Schritt nach draussen gemacht hatte, streckte er wie jeden Morgen als erstes seinen Kopf in den Nacken und nahm einen tiefen Atemzug, fast schon als wäre es ein tägliches Ritual seinerseits. Sein Blick schweifte langsam über den kleinen Hof und über den Waldrand der direkt an jenem lag und musterte zunächst prüfend die Umgebung, ehe er sich langsam in Richtung des Waldes aufmachte, in dem er bereits zahlreiche Stunden verbracht hatte und in dem er sich sehr wohl fühlte. Eine innere Geborgenheit umgab ihn, wenn er sich in der freien Natur aufhielt, die Pflanzenwelt beobachtete und sich an den Tieren des Waldes ergötzen durfte. Einige Minuten vergingen ehe er die kleine Lichtung erreichte, die ihm in den vergangenen Tagen und Wochen seltsame wenn gleich schöne Momente bescherte. Er nahm eine gebückte Haltung ein, kniete nieder und ließ abermals seinen Blick schweifen und begann nach dem prachtvollen Tier Ausschau zu halten. Immerhin hielt es sich in den vergangenen Tagen immer häufiger inmitten dieser Lichtung auf.

Einige Momente vergingen und schon fast wollte er den Rückweg antreten, ehe seine Eltern ihn suchen müssten, weil er mal wieder zu spät zur Arbeit erschien und seine Pflichten am Hofe vernachlässigte, was in der Vergangenheit immer öfter der Fall war. Ein leises knacken im Unterholz, ein kurzes röhren und dann stand er da. Ein Hirsch wie man ihn sonst nur selten sieht. Er hob den Kopf weit in den Nacken, das mächtige Geweih berührte daraufhin kurz seinen rehbraunen Rücken, ehe erneut ein uriges Röhren aus dem Recken hervor bricht. Rau und tief wie aus einer anderen Welt, hallt der Ruf im Gewölbe des Waldes. Ein kurzer Ruck ging durch Dashnor’s Körper, ein kurzes Zusammenzucken seinerseits, muss wohl in eben jenem Moment einen kleinen Stock, der unter seinen Füßen lag versehentlich zerbrochen haben. Ungewöhnlich laut schallte das knacken über die Lichtung und wurde von dem prachtvollen Tier natürlich wahrgenommen. Den Kopf rasch in Dashnor’s Richtung gewandt trafen sich die Blicke der beiden.
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 5. Dezember 2014, 07:58, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

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Emotionslos und ohne jegliche Regung starrte Dashnor das edle Tier an und spürte, wie eine ungewöhnliche und ihm fremderscheinende Hitze, in seinem Körper zunahm. Er schloss daraufhin seine Augen und lauschte den wohlklingenden Geräuschen, die in diesem Moment und ganz tief in seinem Unterbewusstsein erklangen und dort ihren Ursprung haben mussten. Ungewöhnlich laut hat er sie dieses Mal vernommen, lauter als sonst, fast wie ein Ruf aus der Ferne. Doch von wem fragte er sich immer wieder.

Abermals ein kurzer Ruck, der durch seinen Körper raste und seine Haut anschliessend förmlich zum glühen brachte. Schweißperlen liefen über sein zartes jugendliches Gesicht und tropften auf den vor ihm liegenden Waldboden. Er spürte förmlich das irgendetwas anders ist, anders als sonst. Die Hitze nahm zu und wurde für ihn immer unerträglicher. Er hatte das Gefühl als würde er innerlich verbrennen.

Während die wohlklingende Geräusche tief in seinem Geiste immer lauter wurden und sich langsam zu einer Art Lied formten, konnte er unmittelbar vor sich ein leises zischen, ein rascheln und knistern wahrnehmen. Erschrocken davon, riss er seine dunklen rehbraunen Augen auf und senkte ruckartig den Blick auf seine Hände. Sie schienen förmlich zu glühen, gar fast wie eine eiserne Klinge über der Feuerstelle eines Schmiedes. Kleine hell und rotaufleuchtende Funken bildeten sich zwischen den beiden Hände und schossen zwischen ihnen hin und her. Es schien fast wie ein Spiel, als würden sich spielende Kinder einen Ball immer wieder zuspielen wollen. Doch für Dashnor war es alles andere als ein Spiel, ..............
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 5. Dezember 2014, 08:12, insgesamt 1-mal geändert.
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