Wenn die Krähe fliegen lernt

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Gast

Wenn die Krähe fliegen lernt

Beitrag von Gast »

  • Der Flügelschlag einer Krähe,
    für dich ist er bedeutungslos
    für mich ist er das Symbol
    für Leben und Stärke.
    Das ist der Unterschied,
    zwischen Leuten wie dir
    und Leuten wie mir.
„Was für eine Bruchbude!"
Und das war wirklich noch geschönt! Das Ding, das sie hier Haus nannten, war nichts weiter als ein billiger Bretterverschlag mit viel zu viel Zuglöchern, sowohl in den Wänden als auch im Boden und im Dach.
„Egal, ich nehm's."
Der Verpächter drückte mir die Schlüssel in die Hand und knöpfte mir einen wahren Wucherpreis als Miete ab. Drecksack. Der würde dreifach bezahlen, sollte der je meine Dienste in Anspruch nehmen wollen, dieser schmierige Ranzen!
Das war nicht der Krähenfelsen in Krähenau. Es war Adoran. Wer in einer großen Stadt besseres erwartete in den Vierteln für die Armen, der irrte. Das Irrwitzigste daran war, es war das Viertel für die Armen! Und dieser schmierige Fettsack verlangte für diesen Verschlag fast volle drei Kronen! Andernorts hätte ich dafür eine wunderhübsche Behausung bekommen. Da begann ich schon Mordgedanken zu hegen. Vielleicht verkaufte ich irgendwann seine Seele oder meine Pfeile würden sich beizeiten verirren. Mal sehen.
Gerade hatte ich andere Sorgen. Ich war ja nicht allein hergekommen. Die zwei anderen Mädels wollten auch irgendwie unterkommen und das hier war eben das, was wir uns leisten konnten und am schnellsten zu kriegen war, ohne allzu lange Amtsgänge. Also beguckte ich mir den Schaden eingehender, stiefelte danach in den Wald. Wir brauchten eindeutig Holz für den Boden und für die Schindeln, dann noch schwere Vorhänge, darum konnte sich Denara kümmern. Beizeiten ein Teppich! Ich wollte einen Teppich haben, unbedingt! Und wenn es nur ein ausgelatschter nichts hermachender Teppich war.
Möbel brauchten wir und eine Kochecke. Ein Doppelbett für drei Weiber. Das wurde eng, aber immerhin auch warm. Das zugige Loch von Baracke würde die gegenseitige Wärme auch nötig machen.

Den halben Tag verbrachte ich im Wald und suchte das passende Holz zusammen. Ohne Pferd und für mich kleine Frau eine Knochenarbeit. Ich fluchte, zeterte, schimpfte, aber es nutzte alles nichts. Was getan werden musste, musste getan. Irgendwann hatte ich Bretter, die ich in der Baracke auf dem Boden auslegte und vernagelte, ich hatte Schindeln, mit denen ich die Löcher stopfte, ich besorgte die schweren Vorhänge und brachte sie an. Steinmöbel, Holzmöbel, eine Kochecke wurde aus einfachen Steinen geschaffen, die ich mit Lehm verklebte und dann mit dem Feuer trocknete, damit es hielt. Not machte erfinderisch und die kleine Krähe wusste sich eben zu helfen, wie immer!

Kleine Krähe. So hatte mich mein Vater immer genannt. Er hatte hohe Erwartungen in mich gehabt, die ich nicht erfüllte. Natürlich sah er mich bei der Eliteeinheit der Schützen aus Krähenfelsen. Meine Fähigkeiten waren aber niemals gut genug gewesen, um auch nur annähernd dort aufgenommen zu werden. Die Aufnahmeprüfung war die Hölle für mich gewesen, bei der ich so sang- und klanglos versagte, dass ich danach aus der Stadt geflohen war.
Danach war ich darauf angewiesen mich durchzuschlagen. Zur Jagd taugte es so gerade, was ich konnte. Ich musste also nicht verhungern und an Gold kam ich mit der Zeit dann anderweitig. So schlug ich mich eben durch, bis ich meine Cousine wiedertraf. Angetan davon den gleichen Dienstweg zu gehen, setzten wir unsere Wege gemeinsam fort, bis die Dritte im Bunde dazu stieß. Tja, nun waren wir hier.
Nach und nach machte die Baracke sogar einen relativ wohnlichen Eindruck her und die andern beiden Mädels trudelten ein. Wir würden hier auf jeden Fall zurecht kommen. Viel mehr Platz war kaum nötig. Jetzt jedenfalls noch nicht.

Aber ich wollte unbedingt noch einiges dazu lernen und die ersten Bekanntschaften waren vielversprechend. Eine Krähe würde ich nie werden. Das war einfach nicht meins. Mal sehen, vielleicht war es mir ja möglich anderweitig dazu zu lernen. Fein wäre es allemal. Und verdienen sollte ich auch noch einiges dazu, unbedingt, denn es fehlte noch immer der verfluchte Teppich.

Oh, und was mir auffiel: Wie in Krähenfelsen, so wimmelte es auch hier vor Soldaten. Dort waren es zwar eher Schützen, aber Soldat war Soldat. Soldat bekam Sold, so wie es der Name ja schon sagte. Und Soldat gab Sold auch gerne aus. War Zeit, dass wir Mädels die Köpfe zusammen steckten für weitere Pläne, wie wir den Jungs den Sold aus der Tasche ziehen konnten.
Und dabei hatte ich bestimmt nicht Glücksspiel im Sinn. Wie viele von den feinen Herrschaften vorne rum so edel und treuherzig auch taten, so viele schleppten das Gold eben auch zu den Dirnen. Und hier kamen wir ins Spiel.

Adoran - du wirst meine Festtafel sein!
Gast

Beitrag von Gast »

Auch wenn ihr erste Gedanke war, dass die Häuser hier alle ungemütliche, zugige Bruchbuden waren, hatte Evi aus ihrer gemeinsamen, kleinen Hütte schon was ziemlich wohnliches gemacht.
Die improvisierte Feuerstelle spendete warmes Licht, deren Flammen jedesmal aufzuckten, wenn wieder einmal kalte Luft durch irgendwelche Ritzen und Spalten zog. Dann gab es da die kleine Küche die um jene Feuerstelle herum gebaut war, einige Truhen, Kommoden und schliesslich noch ein großes Bett. Denara ließ den Rucksack neben der Tür fallen und begann ihre wenigen Habseeligkeiten zu verstauen. Ja, da fehlte wirklich nur noch der Teppich, der das gequälte Aufquietschen der Dielen unter den Stiefeln bei jedem Schritt etwas abfing und dem kleinen Häuschen den letzten Schliff gab.
Viel hatte sie nicht dabei. Einige Kleider zum wechseln, etwas Proviant und ein paar Münzen.
Doch hier konnte man sich niederlassen, hier konnte man aufbauen.

Nachdem sie ausgepackt hatte und Evi ihr die Stadt gezeigt hatte, holten sie die wichtigsten Besorgungen ein. Dies in Form von Rohstoffen, die man verarbeitet gut an einige Händler loswerden konnte, um sich einige Münzen als Startkapital zu verdienen. Startkapital für ihr eigenes kleines... Geschäft. Sie waren zu dritt, kannten sich schon recht lange und gut und wussten sie konnten aufeinander zählen. Vielleicht würden sie das Geschäft in Form einer Taverne oder so etwas anmieten

Sie sah ihre Aufgabe dabei weniger in den Hinterzimmern, als mehr im Schankraum. Dort füllte sie die Krüge auf, bereitete Speisen zu, bot den Gästen ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte, und hörte was es so Neues gab. Sie hatte gelernt das es recht nützlich war "Dinge" zu wissen..In der Vergangenheit hatte sie dieses Wissen schon oftmals gerettet, beispielsweise als dieser schmierige Kerl von Soldat der Meinung war, er könne ihr etwas anhängen weil sie nicht so wollte wie er und sie dann ihrerseits einige Beweise auf den Tisch gelegt hatte, die ihn in eine unschöne Situation gebracht hätten. So wurde die Sache unter den Tisch fallen gelassen.
Sollte es nötig sein, warf sie auch schonmal jemanden vor die Tür, mithilfe von Nudelholz und Bratpfannen, vermittelte wenn Gäste anfingen zu streiten oder liess jemanden garnicht erst rein der Hausverbot hatte.
Aufgaben die ihrer Meinung nach mindestens genauso wichtig waren, und sie fand sie machte ihre Sache garnicht so schlecht.

Nun....die ersten Schritte in dieser neuen Stadt waren getätigt...
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 19. November 2014, 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
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