Die Edain
Es gibt vier Sorten der Edain, habe ich festgestellt.
Die einen sind verbunden mit Temora der Lichten, der Tochter Eluives, die anderen, die Talari mit Alatar, dem Dunklen der Götter, Sohn der Schöpferin und Bruder Temoras. Dann gibt es noch jene die Eluive zugetan sind und somit auch auf dem lichten Pfad wandeln und dann jene die sich wie Laub im Sturm treiben lassen und keinem der Gottheiten zugetan sind.
Was aber all diese edain verbindet, ist die geringe Lebenszeit, die ihnen zuteil wurde. Daraus wiederum resultiert, was mir auch mein Mentor gestern bestätigt hat, die Hast, die Unruhe, die Eile. Sie versuchen damit die ihnen gewährte Zeit zu kompensieren, was logisch klingt.
Gut und Böse, Licht und Dunkelheit
Was ist gut und was ist böse? Sicherlich gibt es jene Begriffe, doch entsprechen sie der Realität, dem was die Edain darunter verstehen?
Habe nicht ich, als Kind meines Schöpfers, dem Allweisen, die Harmonie zu wahren?
Und kann ich dies tun, wenn ich, wie die Edain diesen Schnitt mache, hier ist gut und da ist böse, hier ist Licht und dort drüben in Rahal herrscht die Dunkelheit?
Ist der Tag, nur weil er hell und dem Glanz der Sonne unterworfen ist, gut? Ist die Nacht mit dem an schönen Abenden klaren Sternenhimmel als schlecht zu bezeichnen?
Wer prägt diese Richtlinien und vor allem wer definiert sie? Von der Logik her, das ist mir bewusst, würden diese Standpunkte niemals standhalten. Eines kann ohne das andere nicht bestehen, und beides existiert wohl nur aus jenem Grund um sich voneinander zu unterscheiden und das Gleichgewicht zu halten, was wiederum auch Harmonie ist.
Besteht also nicht mein Auftrag, ich die ich der Harmonie verbunden bin, beides zu bewahren? Licht und Dunkelheit? Gut und Böse? Denn was wäre das eine, ohne dem anderen?
Wieso besteht dann der Begriff gut und böse? Besteht er nur deshalb, damit die edain ihn beherrschen und somit das Wahre der Gegensätze unterscheiden lernen?
Stets bedacht die Klänge der Harmonie zu bewahren, bekämpfe ich die Dissonanzen. Aber ohne jene Dissonanzen, wäre dann die Harmonie in ihrer Deutlichkeit noch so erkennbar?
Würde dann die Welt noch bestehen ohne sie? Was wäre sie ohne Licht oder Dunkelheit dann, ohne Tag und Nacht, ohne gut und böse?
Und wie soll ich mich dabei als Liedweber verhalten? Ist dem nicht so, dass ich als Liedweber niemals das Negative unterschätzen, aber auch nicht meiden sollte?
Ist es nicht geradezu meine Pflicht der Dissonanz stets einen Platz einzuräumen um die Harmonie zu wahren? Muss mir nicht Harmonie wie auch Dissonanz stets bewusst sein, um dann dem Auftrag meines Schöpfers entsprechen zu können?
Die Conclusio daraus ist, dass ich in den Dissonanzen niemals wie die Edain das Böse, Schlechte und die Dunkelheit sehen sollte, sie haben ihren Platz in dieser Welt. Sie sind die Gegensätze der Harmonie und wenn sie restlos ausgelöscht werden würden, mae wo aber bleibt dann die Harmonie, das Gleichgewicht? Ich sollte diese Gegensätze vom universellen Standpunkt her betrachten, und so demnach auch berücksichtigen. Denn auch ich trage einen winzigen Klang der Dissonanz in mir, nicht nur die laue Luft des Winds, auch den Sturm und vielleicht sind gerade deshalb meine Klangvariationen im Seelenlied harmonisch und ich stets bedacht bin, dies auch so zu bewahren? Vielleicht gab mir deshalb der Schöpfer diesen einen winzigen Ton einer Dissonanz auf den Weg mit, um auch auf das Gleichgewicht in dieser Welt Rücksicht zu nehmen, es zu erhalten?
Nachdem ich all das niedergeschrieben habe, bin ich zu dem Heim meines Mentors gegangen und habe all die vollgeschriebenen Seiten auf den Tisch gelegt, damit er darauf einen Blick werfen kann. Zu viele Fragen, zu wenig Antworten und zu viele Gedanken standen auf den Seiten. Ich habe noch einen Stein darauf gelegt, damit die Seiten nicht im Wind davon flattern mögen.