Was das Leben bereit hält

Geschichten eurer Charaktere
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Die Wahrung des Gemeinwohls steht vor der Beachtung des privaten Nutzens.
    Corpus juris Justinians vorbildliche Gesetzessammlung Kaiser Justinians des Großen. Die »Institutionen« und »Pandekten« traten am 30. Dezember 533 in Kraft
    Quelle: Paulus, Lehrsätze II.,19.2
Es waren mittlerweile schon einige Stunden vergangen und das einzige Licht, dass den Tempel erhellte, kam von den Kerzen, die ebenfalls gemächlich herunterbrannten. Dann und wann weckte ich sie auf, wenn ich aufstand, um die Kerzen auszutauschen und zu erneuern. Gewohnheit war es, die mich dazu antrieb auch das übergelaufene Wachs abzukratzen vom Steinboden.
Es fügte sich sogar fast in einem etwas eigenwilligen Rhythmus ein, dass sie sich wieder anlehnte, sobald ich mich setzte und irgendwann wieder einnickte. Bisweilen war ich versucht zu zählen, nur um zu prüfen, ob es im gleichmäßigen Abstand geschah. Ich unterließ es letztlich aber, als mich die Erinnerung einholte, warum und wo ich hier saß. Mein Blick irrte gleichsam zu dem aufgebahrten Leichnam zurück. Er mochte mir nachsehen, dass ich die Totenwache sitzend abhielt. Vielleicht war es eine kleine Spur des Trotzes für das ewige Herumstehen bei Tisch. Kurz musste ich über mich selbst schmunzeln.

Schließlich nutzte ich die Zeit der Stille und des Schweigens dazu, mir die Momente vor Augen zu führen, in dem der Ahad und ich miteinander zu tun hatten. Da gab es sicher einige, aber – wie ich fand – trotz allem erstaunlich wenige. Die rechte Bindung hatte sich nicht aufgebaut.
Fann fragte mich während der Wache irgendwann, was er für ein Mann gewesen war. Sie hatte ihn nicht wirklich gekannt. Das zu erklären fiel mir durchaus nicht leicht, auch wenn ich mich bemühte. Dabei blieb ich nicht nur bei den guten Seiten, als gälte es den Tod damit zu mildern, ein herrlicheres Bild von ihm zu machen.
***
Ich war dankbar dafür, als die Ritterin irgendwann kam zur Ablösung. Nach drei durchwachten Nächten schrie mein Bett förmlich nach mir. Vermutlich war es der völligen Übermüdung geschuldet, dass mir das Einschlafen letztlich schwer fiel. Aller Erschöpfung zum Trotz hielten mich meine dauerhaft kreisenden Gedanken wach.

Es war nicht so, dass noch weiteres geschehen war, was wirklich als gravierend einzustufen gewesen wäre. Die üblichen Querelen, die immer mal wieder auftauchten. Alleingänge, Konfrontation, und so weiter und so fort. Jedes Mal aufs Neue. Immer mal wieder mit einem anderen Hintergrund. Letztlich lief alles aber wie stets auch auf das Gleiche hinaus. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wann die Leute dazu lernten. Faszinierend – oder auch frustrierend – daran war, dass es zumeist die gleichen Personen waren, die sich dahingehend in Wiederholungen verirrten. Als wenn sie gerade erst gehörtes beim nächsten Schritt schon wieder vergaßen. Manche weigerten sich offensichtlich dazu zu lernen, andere schienen einfach zu – nun ja - zu dumm dazu zu sein. Wie man dem Herr werden konnte, wusste ich indes allerdings auch nicht.
Es konnte einiges so viel leichter und einfacher sein, wenn sie alle die Zusammenarbeit und Einheit nicht aus den Augen verlören, aber das passierte offenbar leider auch in den eigenen Reihen direkt vor der eigenen Nase immer wieder mal. Schien eine ganz menschliche Krankheit und Natur zu sein.
Sicherlich lehrte uns der All-Eine, dass wir – jeder einzelne - zur Perfektion streben und sollte. Die Leitsätze sprachen sogar von Macht und so weiter. Aber die größte Stärke war und blieb das einheitliche Reich. Allein für sich war jeder eben nur einer allein für sich. Viele konnten ungleich mehr bewirken. Natürlich bedeutete das für jeden einzelnen Kompromisse eingehen zu müssen. Aber das sollte an sich nichts sein, was über die Maßen schmerzte, wenn das höhere Ziel dafür doch erreicht werden konnte.
Nie, wirklich nie zuvor, war mir soviel Egoismus in so vielen verschiedenen Ebenen und Schichten entgegen geschlagen wie in diesem Flecken des alatarischen Reiches.
Ja, ich empfand es als frustrierend.
Mit einem Seufzen drehte ich mich um, lehnte mich an die „Wand“ und bemühte mich einmal mehr den Geist zu leeren, um endlich Schlaf zu finden. Es war so müßig, immerhin konnte ich es ohnehin nicht ändern.
  • Es findet sich immer einer, der nie dazu gehört.
    Stefan Schütz
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Dir zu dienen, heißt die Jüngeren lehren und zu unterstützen, denn sie werden die Wurzeln sein, welche dein Reich auf Erden fest im Boden verankern.
    5. Gebot des All-Einen, Quelle: Glauben heißt dienen
Es war wirklich an der Zeit mir aufzuschreiben, was ich alles zu erledigen hatte. Allmählich verlor ich den Überblick. Natürlich war mir bewusst, dass ich dafür nicht allein verantwortlich war und Unterstützung hatte, das Ganze weiter verteilt wurde, und so weiter und so fort.
Nichts desto trotz nahm ich mir ein Notizbüchlein heran und schrieb auf:
  • Bruderschaft:

    - Bestattungsvorbereitungen (Knappen)
    - Mörder des Ahads stellen
    - Arion unterweisen
    - Unterweisung bei der Ritterin ersuchen
    - Mit Statthalterin Vales sprechen

    Privates:

    - Unterrichte (heute, in zwei Tagen privat, am 27.)
    - Frühlingsfest
    - Gespräch Axorn in drei Tagen
    - Unterrichte von/bei Garde aufsuchen
    - Unterricht privat (beizeiten, wann?)
    - Unterricht bei der Lethry fortsetzen (wann?)
    - Vertiefung im Umgang mit dem Bogen (wann?)
    - Ausbildung des Schlachtrosses
Ich hielt im Schreiben inne, starrte auf die Liste und blinzelte. Mochte Alatar geben, dass der nächste Krieg auf sich warten ließ. Dafür hatte ich nicht mal annähernd Zeit! Vermutlich konnte ich froh sein, wenn ich am Ende meinen Namen noch wusste.
Andererseits, was beklagte ich mich? Ich hatte zu tun, langweilig wurde es so sicherlich nicht. Damit war die Vorbereitung auch noch nicht getan. Bei weitem nicht.

„Dazen, du brauchst einen Schreibtisch. Du brauchst mehr Platz…“, murmelte ich vor mich hin, als ich nach oben lief und aus meiner Truhe im Schlafzimmer eine Landkarte der Region herausholte. Mit der kehrte ich zurück an den Küchentisch zu meinem Notizbuch und dem anderen Krempel, den ich dort mittlerweile ausgebreitet hatte. Neben dem Krug Milch, dem Notizbuch, einem Griffel, Tintenfass, Feder und Löschsandbeutelchen, losen Pergamenten, teils beschrieben, teils neuwertig oder sauber abgeschabt, einem Pergamentschaber, Siegelwachs und Siegel, brachte ich die Karte auch noch irgendwo unter. Kaum getan, zog ich weiter zur Küchenzeile, holte mir ein Brot und ein Stück Wurste, queste selbige ins Brot und machte mich mit gesegnetem Appetit darüber her, während ich mich an den Tisch setzte, und die Karte nachdenklich studierte. Ich setzte einige Markierungen darauf und legte den Griffel danach wieder beiseite.

Wieder stand ich auf, ging zum Bücherregal in der Wohnstube und holte dort ein Buch hervor, mit dem ich mich wieder an den Tisch setzte. Ich legte ein Pergament daneben und begann damit einige Stichpunkte darauf zu notieren. Hierarchie. Während ich schrieb, kam wieder der bittere Beigeschmack hinzu, der mich immer heimsuchte, wenn es um dieses Thema ging. Nicht, weil ich dieser Hierarchie nichts beimaß, sondern weil gut die Hälfte der Bevölkerung offensichtlich vergessen hatte, dass es sie gab und wie damit umzugehen war.
Es war für mich immer wieder eine Herausforderung mildernd aufzutreten, wenn ich jemanden vor mir stehen hatte, der der Auffassung war jeden Respekt einzufordern, aber nicht bereit war diesen selbst zu gewähren. Erst recht, wenn dessen Gegenüber nach Würde und Rang diesen allein schon deshalb verdiente. Letztlich erhielt niemand solches, der nichts geleistet hatte. Die Anmaßungen nahmen kaum noch ein Ende an vielen Stellen. Auch bei solchen, die es besser wissen sollten.
Nicht, dass es mich persönlich sehr traf, allerdings nahm die Verrohung dadurch allmählich Überhand und die Hierarchie fand immer weniger Beachtung. Diese Ordnung war vom All-Einen gegeben, um seine Ziele und sein Reich voranzubringen. Die meisten behaupteten Seinem Glauben zu folgen, aber letztlich taten sie es wohl nur vordergründig. Eigentlich suchten sie nur ihre eigenen Ziele durchzusetzen. Im Sinne des Herrn war nur weniges davon. Aber das Deckmäntelchen passte ihnen samt und sonders wunderbar in ihre Pläne hinein.
Ich legte den Griffel nieder und lehnte mich zurück. Meine Gedanken kehrten zurück zu dem erst kürzlich geführten Gespräch, das ich gesucht hatte. Es war mir wichtig Eindrücke zu gewinnen, Erfahrungen zu sammeln und mir ein Bild von gewissen Dingen zu machen. Wäre dem nicht so, hätte ich das Gespräch sicher nicht führen wollen.

Der Vorwurf, ich miede die Garde, ließ mich fast aus allen Wolken fallen. Ich sollte anfangen zu notieren, wann ich dort aufschlug, mit welchen Anliegen, mit welchen Informationen und es ihr gebündelt um die Ohren schlagen. Allein schon diese Behauptung war dreist. Das Biwak, wenn es etwas an Informationen gab, die relevant für die Garde waren, ich stand jedes Mal auf der Matte. Was hatte ich dafür je zurück erhalten? Wenig, aber das hatte mich nicht gekümmert. Vielleicht sollte ich anfangen Gegenleistung zu verlangen, angemessene Gegenleistung. Respekt vor allem. Auch hier wurde deutlich verabsäumt daran zu denken, dass Kritik schön und gut war, aber in einem angemessenen Rahmen zu erfolgen hatte. Der Rahmen war nicht gegeben gewesen.
Wenn aber eine Annäherung stattfinden sollte, und damit sie es auch konnte, war es wenig sinnvoll sich wie die Axt im Walde aufzuführen. Also bot ich tatsächlich ein Ausbund an Vorbild, lächelte, nickte, bedankte mich für die Kritik und ließ sie im Glauben mit allem Recht so gehandelt zu haben. Es war nicht zielführend die Kritik zurückzugeben, zumal ich mittlerweile wusste, dass solche anzubringen durchaus mehr Konflikt heraufbeschwören würde, als irgendwas zu klären oder in die Richtung verlief, in die wir gehen wollten.
Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt, dass der Wunsch auf Zusammenarbeit von Seiten der Garde nicht nur ein Lippenbekenntnis war. Anzeichen dafür, dass es erst gemeint war, gab es. Natürlich musste die Bruderschaft sich erstmal abstimmen. Scheinbar ging das nicht schnell genug. Bestenfalls hätte das schon vor dem Vorschlag seitens der Leutnant stattfinden sollen – zumindest wenn es nach der Hauptmann ging. Nun ja, was macht es. Ein Kamel in der Töpferwerkstatt wurde nicht über Nacht zu einem anderen Tier. Besprechungen und Abstimmungen verhielten sich da sehr kamelähnlich – manche Personen auch.

Ich musste mich tatsächlich allmählich fragen, ob sie sich durch irgendwas bedroht fühlte. Anzunehmen war das ganz ohne Frage, denn solch ein Verhalten beobachtete ich nicht zum ersten Mal. Und die Anzeichen bei den Malen, wo ich die Gelegenheit dazu erhalten hatte, ließen sich auch hier finden. Was mir allerdings fehlte, war das Puzzlestück dazwischen. Jenes Stückchen, das für das Empfinden von Bedrohung sorgte. Ich war mir dahingehend tatsächlich keiner Schuld bewusst, noch hegte ich Ambitionen ihr irgendwas, was die Garde anbelangte, ab- oder wegzunehmen. Ganz zu schweigen davon, dass ich daran auch nur annähernd Interesse hätte, irgendeinen Aufgabenbereich von ihr inne zu haben. Ich hatte ja wahrlich genug zu tun. Noch mehr Aufgaben konnte ich kaum bewältigen. Es schien mir utopisch, dass es daran liegen könnte. Was aber war es dann? Einen Kerl spannte ich ihr wohl kaum aus. Übliche Stutenbissigkeiten fielen damit gänzlich unter den Tisch. Was also steckte hinter diesen verbalen Angriffen?
Mir gefiel es nicht, das Gefühl zu bekommen, mich rechtfertigen zu müssen, wo und wie ich meinen Aufgaben nachging. Das hatte ich nur vor der Bruderschaft, dem Alka und dem All-Einen und mir zu abzuliefern.

Plötzlich packte mich die Unzufriedenheit ob der Unordnung auf meinem Tisch und ich begann aufzuräumen und dabei leise vor mich hinzuschimpfen. Ich ärgerte mich, sehr sogar. Ich ärgerte mich sogar maßlos über diese Anmaßung. Und daraus resultierte letztlich ein Entschluss, den ich fasste. War an der Zeit ein weiteres Gespräch zu führen. Ich hatte genug davon mich ärgern zu lassen, erst recht mit haltlosen Vorwürfen, die durch nichts der Wahrheit entsprachen, einzig entstanden aus missverstandenen Eindrücken und Behauptungen von irgendwelchen Leuten, die nicht annähernd etwas mit mir zu tun hatten.
  • Dir zu dienen, heißt den Rat der Älteren zu erhören und befolgen, denn aus ihnen erwächst deine Weisheit, welche du ihnen in langen Jahren zuteil werden ließest.
    4. Gebot des All-Einen, Quelle: Glauben heißt dienen
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Kritik ist eine Bürste, die man bei leichten Stoffen nicht verwenden darf,
    weil sie da alles wegnähme.
    Honoré de Balzac
Ich ärgerte mich über mich selbst. Schon wieder kam ich mir vor wie ein Glaskasten mit allzu bereitwillig präsentierter Auslage. Selbst nach Stunden des Nachdenkens kam ich nicht drauf, wie sie auf die Feststellung kam, dass mich etwas beschäftigte – oder wie sie es ausdrückte, das auf mir lastete. Wie ein offenes Buch. Ärgerlich, sehr ärgerlich. Zumal ich keinen Bedarf danach hatte, mich darüber auch nur annähernd zu unterhalten oder mich damit zu befassen. Letztlich musste ich mir aber eingestehen, dass ich zu abgelenkt gewesen war an diesem Abend.

Vielleicht musste ich mich wirklich fragen, ob ich mit nichts zufrieden war. Letztlich bemühte ich mich selbst so um Perfektion, dass ich es von meinem Umfeld ebenso erwartete. Allerdings lag die Erwartungshaltung da genauso hoch wie mir gegenüber. Vielleicht war das einfach zu hoch, viel zu hoch.

Da ich mich genug ärgerte, dass es mich ohnehin um den Schlaf bringen würde, zog ich letztlich in den Tempel Düstersees. Ich bestückte den Weihrauchschwenker neu und entzündete ihn wieder. Wie von selbst tauschte ich auch die Kerzen aus und brachte alles in Ordnung. Etwas zu tun zu haben war eine gute Unterstützung, um zur Ruhe zu kommen.
Nach kurzem Zögern nahm ich den Schild vom Sarkophag herunter und wischte auch diesen ab, befreite ihn von der leichten Staubschicht – selbiges tat ich letztlich mit dem steinernen Sarg. Danach legte ich den Schild an seinen Platz zurück. Ich hatte die Tempeltore offen gelassen, damit etwas frische Luft hinein kam.
So setzte ich mich am Ende schließlich neben den Sarkophag und sah gedankenverloren nach vorne.
War es das? Verlangte ich zu viel? Hatte ich zu hohe Erwartungen?
Und was genau machte sie anders, dass dort nicht einmal annähernd versucht wurde zu diskutieren, bei mir aber schon? War es wirklich die Distanz, oder griff ich nicht genug durch? Oder zu sehr? Und wie bei allen Dämonen sollte da jeder Zweifel Vergangenheit sein?
Ich stieß ein leises Seufzen aus und rutschte von der Bank, kniete mich vor dem Altar nieder und begab mich in stille Zwiesprache. Dabei erwartete ich nicht, dass ich Antworten auf meine Fragen erhielt. Mir war nur allzu bewusst, dass ich mir die wohl eher selbst erarbeiten musste.

Erst zum Morgengrauen verließ ich den Tempel wieder, rechtschaffend müde. Ich ließ den Lauf ausfallen an diesem Tag. Mochten sie denken, was sie wollten. Mein Weg führte mich heimwärts, zurück in mein Bett, wo ich dieses Mal auch Schlaf finden sollte, wenngleich auch begleitet von ein paar wirren Träumen, an die ich mich später nicht erinnern konnte.
Oft war es ja so, dass nach dem Aufwachen der Tag viel besser schien als der davor. Irgendwie fühlte es sich dieses Mal unverändert an. Ich dachte an die kurze Begegnung zurück in der Schneiderei und schon war die gute Laune, die um die Ecke gespäht hatte, auf und davon.

Einerlei, auch die kommende Nacht verlief nicht gerade so, wie ich es mir gewünscht hätte. Wieder recht schlaflos und unruhig, so dass ich irgendwann aufgab und stattdessen mit Zecke einen Ausflug unternahm. Er nebenher laufend, ich hoch zu Ross.
***
Es war ja nun nicht wirklich unbekannt, dass ich Kinder hasste. Was ich aber noch mehr hasste, waren verzogene, rotzige, respektlose vierjährige Triefnasen, die meinten, sie wären so viel mehr als irgendwer auf der Welt. Gerade noch in Windeln geschissen und noch nichts geleistet in dieser Welt, außer zu brüllen, zu nerven und die ersten Schritte zu gehen, und schon glaubten sie, sie könnten sich alles erlauben, weil die Menschen um sie herum nicht in der Lage waren für eine anständige Erziehung zu sorgen.
Nebenbei hasste ich ebenso sehr heulsusende Sklavinnen, die nur aus gutem Willen geduldet waren. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn dieses ungehorsame Weiber nachstellende Früchtchen von Alie abgeführt worden wäre wegen Spionage oder anderem Unsinn. Es hätte auch nicht mehr viel gefehlt und ich hätte sie den Yazirs in Stückchen zurückgebracht und den Schaden einfach bezahlt. Das wäre es mir wirklich fast wert gewesen. Tauchte sie noch einmal auf, so nahm ich mir vor, zeigte ich ihr gleich wie das Hafenbecken so roch und das Wasser darin schmeckte. Mir war’s genug.
Dass die selbsterkorene Mutter dieses Rotzgörs und zugleich wohl auch – es graute mir noch immer bei dem Gedanken – Liebhaberin dieser unfähigen, ebenso verzogenen Sklavin mit beiden nicht zurande kam, total überfordert war und weder Kind noch Sklavin dort irgendwas lernen würden, was sie nachhaltig am Leben halten würde, wurde mir in dem Moment einfach nur allzu bewusst. Ganz ohne Frage war die Bekanntschaft damit dahin. Nun, dann war es so. Umso weniger ich mich mit so einem Mist befassen musste, umso mehr Zeit hatte ich für Wichtigeres.

Allerdings war dadurch etwas anderes nicht in die Wege geleitet worden, was ich an dem Abend eigentlich vorhatte zu tun. Bescheiden gelaufen. Ich musste mir also schleunigst eine andere Möglichkeit überlegen, wie es noch zu bewerkstelligen war. Diese verdammten Weiber mit ihrem Drecksbalg. Alles brachten sie durcheinander. Und nicht nur die…

… das später folgende Gespräch fiel mir nicht leicht. Aber es machte ganz den Eindruck auf mich, dass es nicht nur mir so ging. Im Grunde wurden ganz grundlegende Dinge klargestellt, die für jeden anderen vermutlich selbstverständlich waren. Für mich nicht. Ich glaube auch das galt nicht nur für mich allein. Und auch wenn alles soweit geklärt schien, ich todmüde war, ließ der Schlaf auch diese Nacht ein Weilchen auf sich warten. Aber immerhin, als er mich dann einholte, hätte mich vermutlich nicht einmal mehr das Brüllen eines Dämons geweckt.
Das Resultat daraus war, dass ich am nächsten Morgen viel zu träge war, um aus den Fellen zu kriechen und ans Tageswerk zu gehen. Ich blieb liegen. Im Stillen sagte ich mir, dass ich solang liegen bleiben wollte, bis mich wer raustrat. Die Möglichkeit, dass das eintrat war zwar gering, aber sie bestand immerhin. Also robbte ich zur nächsten Wärmequelle und schloss wenig später schon wieder die Augen. Gewissensbisse hatte ich keine, nur das unbestimmte Gefühl es später vielleicht noch zu bereuen.
Das war mir aber egal, zumindest in diesem Augenblick. Es war warm, es war gemütlich, es war weich, es roch gut, es war viel zu perfekt, um das schon aufzugeben. Und so verbrachte ich den Morgen solange dösend, wie ich denn gelassen wurde und die Wärme sich nicht davon machte.
  • Kritiker sind gute Freunde, die uns auf Fehler hinweisen.
    Benjamin Franklin
Liska Erlengrund

Beitrag von Liska Erlengrund »

„Möge Ihm gefallen, was er auf Euren Wegen sieht, Liska...ich bin mir sicher, wenn ihr so weiter macht, werden wir uns ganz sicher alsbald im Westen wieder sehen.. und das freut mein Herz.“

Die Flasche rollte über die Holzdielen, als sie mit dem Fuß dagegenstieß und sie sich dem nebulösem Zustand des Alkohols in ihren Adern hingab. Wie hatte die Blechbüchse so schön gemeint? Die Reaktionsfähigkeiten schwächen ab, der Geist wird vernebelt... Ein amüsiertes Grunzen entwich von den Lippen, als sie sich aufzurappeln versuchte und mit dem nächsten Schritt wieder den Boden küsste. Der Morgen würde wieder unschön beginnen; soviel war sicher...

Er begann furchtbar. Das Licht, dass in die bajarder Teestube der Sumpfheilerinnen fiel, war viel zu grell für die Augen und der Kopf schien hämmernd daran zu erinnern, was sie sich den Abend zuvor angetan hatte. Beim Aufsetzen schwoll die Übelkeit an. Die Stimmen außerhalb der Stube, die vorbeigingen, schienen ihr ins Ohr zu brüllen, während der Kreislauf Karussell spielte mit dem Körper. Bewegungslos verharrte der Rotschopf einige Momente sitzend auf dem Boden, ehe sie sich auf den Raum konzentrieren konnte.
Das Feuer im Kamin war ausgegangen. Einige Flaschen lagen zwischen den Sitzkissen verteilt herum. Alles nicht so schlimm im ersten Moment,... wäre da nicht die eine Wand, an der ein dunkler, strähniger Fleck die Spur gen Borden zu den Scherben verfolgte und markierte. Mit größter Konzentration versuchte sie in ihrem Zustand auszumachen, wie das ganze entstanden war, was sich vor ihren Füßen bot als Anblick und ließ den Abend Revue passieren in ihrem hämmernden Hirn.
Sie erinnerte sich wage an die beiden Rahaler, die in die Teestube der Sumpfheilerinnen gekommen waren. Cara hatte sie schlichtweg allein gelassen mit ihnen, wohl wissend, dass es mehr als eine Prüfung für sie wäre, dem ganzen stand zu halten und nicht gleich zu explodieren. Wie sehr hatte es doch in ihr gegärt und gebrodelt. Es lag an einem Wunder, dass sich nicht ein Sturm um das Haus gebildet und sämtliche Türen und Fenster herausgerissen hatte. Wahrscheinlich hatte der Fokus auf den Alkohol dem Ganzen sprichwörtlich den Wind aus den Segeln genommen. Zumindest ihrem Willen, irgendwas auszureissen. Oder in die Luft fliegen zu lassen. Oder diese Blechbüchse anzuspucken...
Stöhnend richtete sie sich auf, an der Theke festkrallend und den nächsten Übelkeitsanfall abwartend. Dieser Mistkerl... ging es ihr grollend durch den Kopf, während ihr der säuerliche Geschmack in den Hals drang und sie sich umso mehr vorbeugte, darauf bedacht, den Raum nicht mit noch mehr Unappetittlichem zu füllen. „Möge Ihm gefallen, was er auf Euren Wegen sieht, Liska... Der Satz schoss durch sie hindurch, ließ sie krampfhaft zusammenzucken und den Magen rotieren. Sämtliche Eingeweide schienen bereit, sich umzustülpen, als sie nun mit einem Ruck sich abdrückte und den Weg rasch zur Tür suchte.
In diesen wenigen Schritten war ihr mehr als klar: Sie hasste Rahaler weiterhin, allein dafür, dass er ihr das angetan hatte. Dass sie wieder zu viel getrunken hatte... dass sie sich wieder den halben Tag abschotten müsste. Dass ihr die Bilder aus früheren Tagen hervorschossen... und dass die Welt sich eigentlich außer einigen wenigen für sie interessierte.
Die gegenüberliegende Hauswand erreichte sie mit Mühe und Not, ehe der Körper nun endlich verlangte, sämtlichen Mageninhalt auf der Straße auszuschütten. Die Leute, die unterwegs waren, um ihr Handwerk zu verrichten, schüttelten darüber sichtlich den Schopf. Sicher ging ihnen durch den Schopf, dass nur Tagelöhner und Herumtreiber Zeit zum Saufen hatten...

Es ist der beste Beweis dafür, dass wir alle Menschen sind...

Es dauert eine Weile, ehe sie sich an der Wand abstützend wieder aufrichtete und gierig die Tagesluft einsog. Der Kopf rumorte immer noch, schlimmer als zuvor und ließ keinen klaren Gedanken zu. Doch innerhalb jenem und ihrem langsamen Gang zurück zur Stube, um sich auf das Aufräumen vorzubereiten, dachte sie an das, was ihr eigentlich inne sein sollte. Licht und Schatten, ein Gedanke, der waagschalen-mäßig auf und abwiegen sollte, der sich stets gleich halten musste. Und doch konnte sie nicht. Sie konnte es nicht verstehen und wollte es nicht. Wie so vieles, dass sie nicht wollte. Sie wusste, wenn sie diesem Ritter nochmal begegnen sollte, würde sie ihm wirklich ins Gesicht spucken. Sie war es Temora schuldig...oder letztlich sich selbst.
Gast

Beitrag von Gast »

  • Fluchwürd'ger Argwohn, unglücksel'ger Zweifel!Es ist ihm Festes nichts und Unverrücktes,Alles wanket, wo der Glaube fehlt.
    Johann Christoph Friedrich von Schiller
Ich löste mich langsam aus meinem schattigen Plätzchen, das mir das gegenüberliegende Haus bot. Da hatte sich jemand wirklich einen vorzüglichen Kater eingefangen. Mit einiger Belustigung hatte ich mitverfolgt, wie umwerfend gut sie sich fühlen musste. Allerdings beschloss ich, sie den gestrigen Abend und den nachfolgenden Kater erstmal verdauen zu lassen. Vielleicht wäre es noch amüsant gewesen, sie in dem Moment der Schwäche zu ärgern, aber ich beließ es dabei. Es war schließlich der Sache an sich nicht förderlich.
Ein rechtes Herzchen, diese Kratzbürste. So verstockt, verkrampft und festbeißend. Sie wirkte auf mich keineswegs wie eine rechte Gläubige. Mir schien es eher, als wäre es ihr nur bequem sich nicht mit anderem zu befassen, und als lästig, wenn sie dazu genötigt wurde. Und Zweifel waren da. Eine Menge Zweifel.

Die Spitzen und Beleidigungen des Vorabends hätten andere zur Weißglut getrieben, da war ich schwer von überzeugt. Da lobte ich mir die ganzen schwierigen Charaktere, mit denen ich mich ohnehin schon ständig befasste - und der ich selber war. Was brachte es doch für enorme Vorteile für einen selbst, wenn man das erkannte und lernte damit umzugehen. Ihr fehlte es an Kontrolle, über ihren Zorn und über sich selbst. Es war nicht zu übersehen. Vielleicht war genau das der Ansatz, den es brauchte, um sie vom richtigen Weg zu überzeugen.
Ein Vorteil war es sicherlich auch, dass sie mit Cara befreundet schien, ja, sogar ihretwegen vermied mit uns allzu sehr aneinander zu geraten. Um das auch zu schaffen, hatte sie sich besoffen. Das Einzige, was sie offenbar davon abgehalten hatte, sich grenzenlos zur Besinnungslosigkeit zu saufen, war die Tatsache, dass wir sie ja hätten verschleppen können. Tja, das hätten wir auch so tun können. Betrunken genug dafür war sie. Viel Gegenwehr wäre da ohnehin nicht zu erwarten gewesen. Aber was hätten wir davon gehabt? Sie war weder wirklich wichtig, noch war es den Ärger wert, den sie machte, wenn sie wieder nüchtern wurde.

Interessant dürfte es vielleicht dann werden, wenn sie keinen Alkohol hatte, mit dem sie sich zuschütten konnte. Ich nahm an, der hatte für einen so benebelten Zustand gesorgt, dass sie nicht völlig in Rage geraten war. Bis zu diesem Tag wusste sie ja noch nicht einmal wohin ich gehörte. Sie wusste damals nur, dass ich Knappe war. Weder von wem, noch aus welchem Reich. Das gestaltete das erste Gespräch eigentlich recht unterhaltsam und auch angenehm. Wie verwandelt es dafür doch an diesem Abend verlaufen war - auch wenn ich schon damit gerechnet hatte. Ihre Reaktionen auf die, die an dem Abend am Feuer am Eingang Bajards in Seinem Namen gegrüßt hatten, wären vermutlich tot umgefallen, wenn Blicke töten könnten.
Ich will mal vermuten, Menos und ich wären genauso umgefallen wie die Fliegen, wenn…
Wirklich, ein wahres Herzchen, dieses Persönchen. Und wie das nun einmal so war mit meiner Schwäche, dass ich Herausforderungen nicht wirklich ablehnen konnte, begann ich mich gedanklich schon einmal damit zu befassen, wie ich das Früchtchen überzeugt bekam vom rechten Glauben.
Es versprach in jedem Fall ein interessanter Zeitvertreib und eine gute Aufgabe zu werden.
  • Glaube, um zu erkennen.
    Erkenne, um zu glauben.
    Augustinus Aurelius
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Ein Geheimnis, das du verborgen halten willst, darfst du keinem – auch nicht den Vertrautesten – mitteilen, denn keiner wird das Geheimnis besser bewahren als du selbst.
    Saadi
Der Umzug zerrte an meinen Nerven. Was es nicht alles zu beachten galt, was nicht alles zu tun war…
Aber ganz allmählich, Stück für Stück, fügte sich alles zusammen, griff und wurde zu einem ansehnlichen Etwas, das man Heim nennen konnte. Morgen kamen die letzten Möbel, dann würde sich zeigen, ob noch etwas fehlte.

Das Ganze wurde aber zu einer Nebensächlichkeit am gestrigen Abend. Es ging irgendetwas im Axorn vor und sie trugen es an die Oberfläche, schwiegen sich dazu aus und ließen uns mit einem Haufen Elementaren, einem Drachen und noch größeren Untieren stehen, mitten in der Reichsstadt. Keine Erklärung, keine Erläuterung, nichts. Nur ein Splitter in diversen Häusern der Stadt, die offenbar das ganze Chaos auslösten, eine Rotte Letharen, die diese Dinger offenbar suchten, ein Ala’thraxor, der eines davon aus dem Gardegebäude holte und in den Axorn brachte. Ich hörte noch, wie er sagte, die übrigen sollten uns unterstützen, doch als der letzte Gegner verreckt war, war nicht ein Kind des All-Einen mehr zu sehen gewesen. Wenn der Regen und das seltsame von grünlichen Blitzen durchzogene Gewitter nicht schon den Zorn geschürt hätte, wäre das spätestens der Moment gewesen, in dem ich diesen von allein verspürt hätte.
Auch hatte ich bis jetzt keine warnenden Aushänge in der Stadt gesehen, weshalb ich mich daran setzte, selbst welche zu verfassen und an all den Plätzen anzubringen, die die Bürger passieren mussten. Es nutzte nichts, alleine nur Schilder vor den entsprechenden Häusern aufzustellen, da nicht abzuschätzen war, wann es wieder begann, auch nicht wo, und niemand darüber hinaus wusste, um was es sich eigentlich bei diesen Splittern handelte. Das einzige, was ich wusste, war, dass es bösartig und gefährlich sein sollte. Nun die Gefahr war ja nicht zu übersehen, die davon ausging.
Mangelhafter Informationsfluss war allerdings auch nicht zu übersehen. Was fanden alle nur so verdammt schwer daran, gescheit zusammen zu arbeiten? Diese Geheimniskrämerei am falschen Platz war einfach… ich spürte schon wieder den Zorn in mir hochschlagen und den unbedingten Wunsch in den Axorn zu gehen und irgendwen dafür mindestens zu verprügeln, wahlweise die Lavagrube dort unten zu suchen und irgendwen hineinzuwerfen, und wenn ich dabei selbst hinterher flog.
Im nächsten Moment rief ich mich wieder zur Ordnung, atmete tief durch und schob den Zorn ins hinterste Eckchen meines Bewusstseins für einen besseren Zeitpunkt.

Nachdem ich die kurzen aber hoffentlich prägnanten Schreiben angefertigt hatte, verließ ich das Haus und machte mich daran die Anschläge in Rahal anzubringen. Es blieb zu hoffen, dass es sich wirklich nur auf Rahal beschränkte, aber von Vorfällen aus den anderen Ortschaften im Reich hörte ich bislang nichts.
Zweifelsfrei war das an sich die Aufgabe der Garde, es war – meines Wissens nach – sogar ein Gardist dabei gewesen, aber offenbar war der nicht auf den Gedanken gekommen. Und da ich nicht unnötige Zeit mit Bürokratie verschwenden wollte, hoffte ich einfach auf ein Nachsehen. Es ging mir schließlich nicht darum jemanden die Butter vom Brot zu stehlen, sondern um die Sicherheit der Bürger, vor allem und weniger wehrhaften und dennoch nützlichen sollen, die ihren Platz woanders in der Glaubensgemeinschaft hatten.

Hinzu kam die Neuigkeit, dass die Ausbildung der zukünftigen Scharfschützen begann. Ein erstes Gespräch mit dem zuständigen Ausbilder brachte erste kleine Erkenntnisse, auf die etwas Größeren würden wir wohl noch ein wenig warten müssen.
Ich war gespannt, wie sich das Ganze anging. Der Mann schien mir zunächst einmal fähig zu sein, das aber war nur der erste Eindruck. Ob sich das auch hielt, würde die Zeit zeigen. Weder kannte ich ihn, noch wusste ich um seine Fähigkeiten. Und wie immer genügte es mir ja nicht, auf das Urteil seiner Heiligkeit bei einzelnen Personen zu vertrauen – ich machte mir einfach viel zu gern selbst ein Bild. Nicht, dass ich vorhatte seine Stellung untergraben, aber ich gehörte wohl einfach zu den Menschen, die sich keiner vorgefassten Meinung eines anderen hingaben.
Es blieb also abzuwarten, wohin das Ganze noch führte. Die erste Erkenntnis war zumindest einer Person schon gekommen und brachte mich dazu kurz belustigt zu grinsen. Ich konnte also davon ausgehen, die nächsten Tage morgens nicht allein zu laufen und würde noch jemanden zum Trietzen und Antreiben dabei haben. Sie würde sich garantiert bitterlich versuchen zu rächen dafür, aber ich hatte nicht vor sie das Tempo bestimmen zu lassen. Nicht, wenn sie ihr Ziel zu erreichen gedachte.
  • Dir zu dienen, heißt sich im Kampfe zu schulen.
    8. Gebot des All-Einen, Quelle: „Glauben heißt dienen“
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Wer keinen Wert auf Wertschätzung legt,
    wird mit der Zeit nicht mehr geschätzt.
    Andreas Marti
Die frisch versorgte Wunde brannte. So musste es in der Hölle sein. Mit ein wenig Selbstironie ging mir auf, dass ich denselben Gedanken schon einmal hatte bei einer anderen Verletzung. Ich schlief unruhig die Nacht, war schweißgebadet und fieberte leicht. Auch das war mir nicht fremd. So war das in der ersten Nacht häufig. Der Körper kämpfte, ich beteiligte mich daran mit halbherziger Schlaflosigkeit, die hinweg gefegt wurde, wenn die Erschöpfung sie einholte – beides im steten Wechsel.
Irgendwo am Rande nahm ich wahr, dass ich nicht allein war. Dann dämmerte mir auch schon, dass ich das natürlich nicht war.

Gelegentlich driftete ich in die Dämmerphase, in der die Bilder hochkamen, die den Geist beschäftigt hielten. In diesem durchlebte ich den Kampf vor Grenzwarth noch einmal. Was ein kleiner zäher Dämon. So schnell. Egal, welcher Treffer sich in den Gedankenbildern wiederholten, ob nun die ihren oder die meinen, es riss mich jedes Mal wieder in den Wachzustand zurück.
Alatar, ich hasste das. Die Bilder nach solchen Kämpfen. Eigentlich sollte ich mich mittlerweile daran gewöhnt haben, aber das hatte ich nicht. Die lösten keine Zweifel aus, sie beschäftigten nur meinen Geist, und das ständig. Fehleranalyse. Vor allem damit. Perfektion – wie weit die noch fort war.

Ich dämmerte erneut ein, wachte aber – gefühlt – nach nur wenigen Augenblicken direkt wieder auf. Der Durst war schlimm. Mir war völlig klar, dass ich diesen verspürte, weil ich fieberte. Dankbar darum, dass neben dem Bett eine Karaffe Wasser und ein Glas standen, soff ich den Inhalt der Karaffe sicherlich dreimal in der Nacht leer. Irgendeine gute Seele füllte ihn immer wieder auf. Oh, nicht irgendeine. Ich wusste ja wer. Trotzdem entglitt mir diese Tatsache in der Nacht mehrfach. Zumeist dann, wenn ich das Gefühl hatte innerlich zu verglühen vor Hitze. Irgendwann landete auch ein feuchter kalter Lappen in meinem Gesicht. Wirklich, eine Wohltat. Verdammter kleiner zäher Dämon. Ich hoffte, sie kotzte vor Kopfschmerzen, die sie durch den Schlag auf den Helm bekommen haben sollte. Immerhin zog mir der Treffer durch den eigenen Schild auch in den Schädel. Und die Zunge fühlte sich an wie ein aufgequollener Schwamm. Was musste ich auch darauf beißen, ich Esel.

Bei allem innerlichen Fluchen und Wettern, die Frau rang mir einen gewissen Respekt ab. Weder kniff sie, noch übte sie sich in einer weinerlichen Art Zweikampf. Vielmehr nutzte sie alle schmutzigen und bisweilen kreativen Tricks, die ihr irgendeinen, und sei es noch so kleinen, Vorteil brachten. Das war nicht das, was im Westen über die Alumener behauptet wurde. Ganz im Gegenteil. Ich schätzte mich tatsächlich glücklich aus dieser Auseinandersetzung mit einem Unentschieden herausgekommen zu sein. Nicht, dass ich das auch nur annähernd vor irgendwem zugeben würde. Das verkniff ich mir dann doch. Ich war schon froh gewesen, dass mich niemand nach dem Kampf auf selbigen angesprochen hatte und hoffte, das blieb auch weiterhin aus.

Irgendwann in den Morgenstunden gab ich es auf anständigen Schlaf zu finden und setzte mich mühsam auf. Ich verzog das Gesicht, als der stechende Schmerz in meiner Seite gefühlt durch und durch ging. Verflucht sollte das Weibsbild sein.
Wenigstens das Fieber war zurückgegangen. Es fühlte sich nicht mehr so an, als müsste ich gleich gar gekocht sein. Mein Blick richtete sich kurz auf die Wasserkaraffe, irrte dann zu der, die sie die Nacht über immer wieder aufgefüllt hatte. Da schlief sie, vermutlich vor Erschöpfung. Mit etwas Mühe und von weiteren Schmerzen begleitet, griff ich zur Decke und warf sie über sie drüber. Erst danach machte ich mich daran erneut das Wasser in mich hinein zu bekommen.
Der Natur folgend, quälte ich mich irgendwie aus dem Bett heraus und machte mich unter Schnaufen und weiteren unterdrückten Flüchen auf den Weg zum Schont. Manche Bedürfnisse, die sich gerne mal als Last auslegten, konnten sich so ungemein in Erleichterung verwandeln, wenn man ihnen nachging. Es war einfach unbeschreiblich.

Noch immer wacklig auf den Beinen zog ich das Bett allem anderen wieder vor, auch wenn mein Magen knurrte. Obschon es bereits in den frühen Morgenstunden relativ warm war, fror ich. Ich konnte also getrost davon ausgehen, dass ich besser noch ein bisschen das Bett hütete, wollte ich nicht vollends danieder liegen. Erfahrungsgemäß, das wusste ich, war das nach einem Tag durchgestanden. Also gab ich allem diesen einen besagten Tag. Mochte sie in Kra’thors Schlund verenden, dieses Miststück.
  • Doch ehe man Respekt genießt,
    muss man sich ihn verdienen.
    Und um ihn zu verdienen, darf man sich ihn nicht wünschen.
    Leo (Lew) Nikolajewitsch Graf Tolstoi
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Eine strategische Allianz zwischen zwei Starken ist äußerst selten.
    Prof. Dr. Hermann Simon
Wahnsinn! Anders konnte ich die vergangenen zwei Tage nicht mehr beschreiben.

Ich war gerade erst von einer Reise zurückgekehrt. Zuhause bei den Eltern ging es drunter und drüber, weshalb ich kurzfristig aufbrach. So kurzfristig, dass keine Verabschiedung möglich war. Ich konnte mir keine Verzögerung leisten, so dass ich Tag und Nacht unterwegs war, zu Land und zu Wasser. Drei Tage hin ohne großartige Rast, wenn man von der Wartezeit auf dem Schiff mal absah, die auch kein Vergnügen war. Ich erinnerte mich noch an die Worte des Kapitäns, der warnte, dass die Sommerzeit fast vorbei wäre und die ersten Stürme aufkämen. Als hätte er es heraufbeschworen, bekamen wir eine kleine Kostprobe davon kurz vor unserem Ziel. Mir behagte die Seefahrt sowieso schon nicht, mit den windigen Kapriolen noch weniger.
Zeit zum Nachdenken blieb mir dabei auch nicht, ich hatte genug damit zu tun über der Reling zu hängen und hingebungsvoll die Fische zu füttern.

Der Aufenthalt zuhause versprach auch keine Erholung. Ich schlief kaum, war nur damit beschäftigt den Hof am Laufen zu halten, zum einen durch kräftiges Anpacken und schuften, als auch helfende Hände für meine Mutter zu suchen. Der Heiler war schon regelrecht bei uns eingezogen und kümmerte sich seit meiner Ankunft doppelt so angestrengt darum den alten Mann am Leben zu erhalten und zur Genesung anzutreiben. Angst beflügelte offenkundig, dabei hatte ich noch  nicht einmal ein sprödes Wort verloren, sondern nur höflich gegrüßt.

Darüber hinaus war es der erste Besuch zuhause seit der Ernennung zum Ritter. Und genau das hatte ich törichterweise völlig unterschätzt. Ich war ein paar Tage zuhause. Lange konnte ich mich nicht hier aufhalten. Es war sowieso schon genug eigene Arbeit liegen geblieben. Aber die zwei drei Tage genügten, dass ich schwer mit meiner Selbstbeherrschung zu ringen hatte. Kein Tag, wo der Hof nicht von etlichen Leuten belagert wurde. Der einzige Vorteil daran war, dass helfende Hände schnell gefunden waren, die dann auch gleich fleißig zur Hand gingen und gelehrig aufnahmen, was zu tun war, so dass Fragen dazu nur einmal aufkamen.

Befriedigt, alles zuhause getan zu haben, was in der Kürze der Zeit möglich war, musste ich mich wenig später von meinen Eltern verabschieden. Der Heiler versicherte, Vater käme durch, er setze alles daran, dass der Alte wieder auf die Beine käme und so frisch und vergnügt durch die Lande hüpfen würde können, wie vor dem Unfall. Ich glaube ihm die Hälfte der Worte nicht, aber da ich nichts daran ändern konnte, käme es anders, ließ ich es dabei bewenden.

Auf dem Rückweg zur Stadt am Meer - und dem dortigen Hafen - machte ich einen kurzen Zwischenstopp bei meinem alten Lehrer. Besorgt wurde mir bewusst, wie alt der Mann geworden war, der mir die Grundlagen im Umgang mit dem Schwert beigebracht hatte. Noch auf dem Weg zum Hafen wurde mir bewusst, dass ich ihn vermutlich das letzte Mal gesehen hatte. Meinen Vater vielleicht ebenso. Auch das war nicht zu ändern und der Lauf der Dinge. Also behielt ich den Blick nach vorn gewandt und setzte mich auch auf der Rückreise der unruhigen See aus.

Ich kehrte zurück ans Festland nach weiteren zwei bis drei schlaflosen Tagen und Nächten, völlig ausgelaugt, schmutzig und müde. Trotzdem meldete ich mich zurück, holte mir ein paar Neuigkeiten ab, bevor ich in der Ritterfeste wie tot und schmutzig von der Reise wie ich war in eines der Betten fiel.

Auch am nächsten Tag kam ich gar nicht erst bis nach Hause. Ich konnte das Haus zwar sehen, wurde aber bereits auf dem Marktplatz aufgehalten. Auch wenn ich mich noch so sehr nach einem heißen Bad sehnte, schob ich den Gedanken daran nach hinten und ließ mich auf die Unterhaltung ein, bis hin dazu mich in der Taverne hinzusetzen und dort ein Wasser zu mir zu nehmen. Es dauerte gar nicht lange, da war soviel los, dass ich völlig vergaß, dass ich an sich ja heimwärts wollte und sollte, erst recht als das Lämmchen zur Schlachtbank stakste und mühselig versuchte dem Alkohol fern zu bleiben.

Es war also erforderlich das Lämmchen abzulenken und zu beschäftigen, was uns damit zum Übungsgelände der Garde führte und zu einer ordentlich schweißtreibenden Runde für die Abhängige. Faszinierend fand ich inzwischen das Gemurmel unseres neusten etwas irren Zugangs. Wenn ich eines feststellen durfte, dann dass er als Heiler sicherlich taugte, zumindest wenn es um Anatomie, Beobachtungsgabe und Stichpunkte ging, der er sich da machte.
Gleichzeitig vermutete ich, dass sein liebster Satz „Probantin diskutiert wieder" war. Irgendwie erwartete ich ja, dass die Furie beim Lämmchen langsam durchkam, aber nichts dergleichen geschah. Sie diskutierte zwar, aber sie tat auch, was man ihr sagte. Es zeigte auch die Wirkung, dass Versagen zu Wiederholungen führte, diese zu Erschöpfung und Schmerz durch Erschöpfung, trotzdem gab sie nicht auf.
Dank der freundlichen Unterstützung von Gabriella erhielt sie nach der kleinen Tortur saubere Klamotten, ein kurzes Bad und etwas Essbares.

Wir hatten uns gerade auf den Rückweg gemacht gen Rahal, als wir in ein Rudel Piraten, angeführt von Mederic reinliefen. Das war in etwa der Moment, wo mich die Erschöpfung wieder zu übermannen drohte, denn die Aufregung war nicht von der Hand zu weisen, die von dem Grüppchen ausging - und die Verletzungen, die zu sehen waren auch nicht.
Nach einem kurzen Bericht ließ ich unseren irren Wissenschaftler und das Lämmchen zurück bei dem Pack, die sich dort um die Verletzungen kümmerten, während ich mit Mederic den leichtsinnigsten Akt seit dem Ritterschlag antrat, an den ich mich zurückerinnern konnte. Es würde sich an diesem Abend wohl zeigen, wie gut es um den eigenen Ruf und den Respekt beim Feind bestellt war. Mederic holte in Düstersee noch Muireall ab, die mich an Bajards Kreuzung fröhlich mit den Worten empfing: „Ich bring dich um, wenn wir das überleben!"

Im Stillen und bei aller Nervosität dachte ich mir noch: Das sind die rosigsten Aussichten der letzten Tage!

Letztlich hatte ich mich nicht verkalkuliert, die Situation weder überschätzt noch unterschätzt, was mich innerlich aufatmen ließ, während ich äußerlich so tat, als wäre das ja sowas von selbstverständlich gewesen. Sehr gut gefiel mir die Vorlage, die mir geliefert wurde für den Folgetag. Für diesen Abend sollten wir die zwei Schwätzer Schaf und Esel wieder mitnehmen können.
Was das kommende Duell anging, war ich guter Hoffnung. Die Einladung dem Duell beizuwohnen hatte überrascht. Aber auch hier hatte ich wenig Zeit darüber nachzudenken. Es gab noch einiges vorher zu klären, zu besprechen und irgendwann kam ich tatsächlich zuhause an, fiel in ein leeres Bett und schlief wie ein Stein, ohne mir Gedanken zu machen, dass ja eigentlich jemand fehlte.
Diese Person sah ich auch am nächsten Tag zunächst einmal nicht, so dass ich am Abend aufbrach zu besagter Einladung, nicht ohne die Vorlage genutzt zu haben.

Ich hatte mir die Freiheit genommen am Nachmittag tatsächlich Blumen zu organisieren. Dass die mich nicht dauerhaft zum Niesen brachten, war auch alles. Wie ich dieses Gesträuch hasste. Aber… es diente einem guten Zweck! Also Augen zu und durch.

Weiße Rosen, rote Nelken - Ewigkeit und Wahrhaftigkeit, sowie  hingebungsvolle Leidenschaft. Sehr hübsch, auch wenn die Bedeutung dahinter eher anders zu interpretieren war, als Liebende es täten. Immerhin hatte sie mir versichert, sie wolle mich mit aller Leidenschaft der Ewigkeit vorm All-Einen überantworten. Ich dachte mir, ich sollte dieses „Geschenk" vergelten, denn immerhin musste Mann sich sowas ja auch verdienen. Später, nach dem Duell sollte ich Arenvir sogar zusichern, sie mitzunehmen im Zweifel, immerhin konnte ich ja nicht verantworten, dass sie allein zurückblieb. Er sprach es einfach so schön offen aus, dass meine Zuwendung nochmal mein Tod sein würden. Ich vermutete, er wusste recht genau, wie nah das Ganze an dem Versprechen lag, das gegeben wurde.

Mit diesem Strauß im Gepäck, der Ritterin an meiner Seite, sowie mit genug Begleitung - und wieder waren Esel und Schaf mit dabei - ließen wir uns erneut zum Feind kutschieren. Einladungen sollten nicht ausgeschlagen werden. Erst recht nicht nach Zusicherung des freien Abzuges.
Ein wenig moralische Unterstützung für den Gouverneur würde nicht schaden. Ich wusste selbst, wie beflügelnd es sein konnte, stand man nicht alleine vor einer Horde Feinde, die im Grunde nichts anderes hofften, als dass man zu ihren Gunsten versagte. Genauso war mir bewusst, dass dies ohne Beistand nur allzu leicht und schnell passierte. Das zu verhindern, dafür musste der Beistand im Grunde nur anwesend sein. Ein Eingreifen war gar nicht nötig.
Während also meine wahrhaftig hingebungsvolle Leidenschaft mit der Ewigkeit rang im Ring, wanderte ich gemächlich um diesen herum und machte mir mein eigenes Vergnügen aus der ganzen beschissenen Situation, indem ich alle in schiere Nervosität stürzte allein dadurch, dass ich nicht artig auf meinem Hinterteil sitzen blieb.

Ich umrundete unser Singvögelchen, dessen Anwesenheit mich nicht überraschte, dank seiner zugesicherten Loyalität und Wahrheitsliebe. Nur ein kurzer Austausch hinter vorgehaltenem Milchbecher. Oh, das sollte man vielleicht wirklich erwähnen. Der gute irre Wissenschaftler und Heiler hatte tatsächlich an Honigmilch für mich gedacht! Eine Einladung ging eben nicht damit einher auch verköstigt zu werden, wie ich feststellen musste. Aber.. ich war gut versorgt!
Einige Augenblicke verblieb ich neben Merrik und kaum dass ich weiterstiefelte, hatte ich gefühlte 40 Augen auf mir ruhen - vermutlich waren es sogar so viele oder ein paar mehr. Der Akoluthin vertraute ich wenig später an, dass sie einen heimlichen Verehrer hatte - ich konnte es mir einfach nicht verkneifen den Esel in die Pfanne zu hauen. Kaum getan, war das Duell auch schon vorbei - viel zu schnell für meinen Geschmack. Wirklich Zeit sich ein wenig umzusehen und umzuhören war gar nicht geblieben. Ärgerlich. Aber nun, ich überreichte die Blümchen, als kleinen Trost und nach einem kurzen Wortwechsel war durchweg klar, sie kannte die Bedeutung - und ging erstmal von falschen Tatsachen aus. Allerdings war ich mir sicher, sie würde noch darauf kommen, wie sie tatsächlich gemeint waren. Später vielleicht. Und wenn nicht? Noch besser! So oder so, ich hatte mein perfides Vergnügen daran, auch wenn ich das „Honigbärchen" von Muireall mitten auf dem Platz nicht sonderlich gelungen fand. Aber, da ich ja auch Humor besaß, nahm ich es mit all diesem den ich gerade aufbringen konnte. Meine gute Laune konnte sie mir damit nicht verderben (auch wenn ich gelegentlich das Gefühl hatte, dass genau das die Intention dahinter war).
Artige Verabschiedungen folgten - weniger artige erhielt ich zurück. Hochgeboren neigte einfach dazu sich zu vergessen, aber Nachsicht üben  konnte ich gut im Anbetracht einer Überzahl an Feinden um mich herum, auch wenn ich mir ein paar Takte dazu nicht verkniff und auf den Umstand hinwies, dass das wirklich ein stilloses Mittel war. Es blieb zu hoffen, dass beim nächsten Mal mehr zu erwarten war, als niveaulose Beleidigungen. Beherrschte ich auch, nutzte ich sogar - aber doch nicht vorm Feind, bitte schön!

Nun hatten wir nur noch ein Problem im Kerker der Adoraner: Drakhon. Und ich hatte beim besten Willen keine Idee wie ich diesen verfluchten Raben dort herausbekommen sollte. Das sie ihn auf den Scheiterhaufen stellen wollten, war nicht weiter verwunderlich, gefallen wollte es mir trotzdem nicht. Nicht, dass ich eine große Zuneigung zu den Raben entwickelt hätte, aber sie hatten uns nun einmal zahlreich unterstützt. Hier aber war ich mit meinen Sprachkenntnissen am Ende, wie man so schön sagte.
Nach einem kurzen Austausch mit dem Gouverneur vor Bajard war klar, dass wir so schnell nichts rausholen konnten, nichts desto trotz kam ein Aufgeben ja nun nicht in Frage. Seeseite. Schon wieder aufs Schiff! Ich möchte brechen. Ach was sagte ich, ich würde brechen!
Einerlei, das liebe Federvieh wollte rausgepaukt werden. Bündnisse musste man pflegen - also sollte der Versuch wenigstens unternommen werden, auch wenn mir schwante, dass wir zu spät einflogen.

Als wäre es an dem Tag nicht genug gewesen, folgten Uneinsichtigkeiten, Sturheit und Kleinlichkeiten, die aufwiesen, dass das große Ziel gerne mal aus dem Blick geriet, gefolgt von Konsequenzen, die mir nicht gefielen, aber wohl nötig waren. Letztlich hatte ich dahingehend getan, was ich konnte, das war offensichtlich nicht genug, und ich war nicht gewillt mir von jemandem auf der Nase rumspringen zu lassen, der zwar schon ein wenig geleistet hatte, aber bei weitem nicht genug, um sich derart weit aus dem Fenster lehnen zu dürfen. Er ging, am Ende konnte ich dafür nicht mal mehr Bedauern aufbringen.

Darauf folgte eine weitere Auseinandersetzung, bei der ich rigoros beschloss, dass das nicht mein Kampf war und die Weiber sich von mir aus gegenseitig selbst die Augen auskratzen durften. Wehe dem, es zog mich eine davon weiter mit hinein, dann hatte der Arsch aber Narrenfestzug! So hatte ich mir das Wiedersehen wirklich nicht vorgestellt.
Aber immerhin wurde es im Anschluss daran deutlich besser. Da mir die Lust zum Streiten fehlte - davon hatte ich ja vorher schon genug - hörte ich mir im Groben die Neuigkeiten an, gab im Groben selbige von mir wieder und ansonsten entspannten wir uns. Es war nicht viel Zeit, bis es so spät wurde, dass das Bett die laut rufende Alternative wurde. Ich nutze sie aber immerhin dazu, ihr noch etwas zu geben, das ich zwei Tage vorher noch abgeholt hatte. Wenigstens das hatte ich im ganzen Trubel geschafft! Darauf war ich mitunter bei weitem am Stolzesten. Immerhin hatte ich einiges wieder gut zu machen - und das fiel einem Kotzbrocken wie mir sowieso schon ungemein schwer. Aber offenbar war der Anfang wirklich gut gelungen. Wenigstens das! Nun ja, ich hoffte es zumindest. Oder.. glaubte, dass es gut war. Vielleicht ja auch nicht. Wer konnte das schon wissen bei den Weibern?
Alatar, warum hatte deine verdammte Mutter das Ganze so umständlich gestaltet, dass es zurecht als ungünstige Ablenkung galt?
Wie dem auch war.. beinahe hatte sie mich soweit gehabt, dass ich etwas gesagt hätte, das bestimmt fatale Folgen nach sich zog, sollte ich es jemals wagen. Aber eben nur beinahe! Und darauf war ich ebenso stolz! Nur um das mal klarzustellen!

Ich musste zugeben: Ich hatte sie vermisst. Auch ihre verdammte lose Klappe, die ich manchmal lieber knebeln würde, als die Worte daraus zu hören.
  • Die heilige Allianz der Völker ist das Ziel meiner Jugend gewesen und ist noch der Stern des alten Mannes.
    Theodor Mommsen
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Gemeinschaftlicher Wahnsinn hört auf Wahnsinn zu sein und wird Magie. Wahnsinn nach Regeln und vollem Bewusstsein.
    Novalis
Bei Licht und Verdammnis!

Ein ruhiger Tag, vielmehr Abend, hatte es werden sollen. Nun ja, an sich war es das auch geworden, darüber konnte ich mich also kaum beschweren. Wir saßen zusammen, unterhielten uns und tauschten uns über die vergangenen Tage aus. Ich erzählte grob von daheim, von den Geschehnissen rund um die Besuche vor Adoran, und so weiter. Sie berichtete von den ‚kranken‘ Tieren, von der Taverne und dem Unterricht. Dabei fiel mir wieder ein, dass ich mich unbedingt mal darum kümmern wollte, wieder beizuwohnen und auch selbst wieder ein paar Unterrichtsstunden zu geben.

Alles in allem war es sehr gelungen und entspannend, ganz wie angedacht. Das Essen war gut – und ich war mir sicher, sie hatte es selbst gemacht, auch wenn sie vorgaukelte es ‚gefunden‘ zu haben. Lag auch auf der Straße, so ein Gulasch. Ganz bestimmt!
Das sollte auch so bleiben im Grunde. Nun ja, so ähnlich jedenfalls. Fast. Bis zu dem Augenblick, in dem ich meine Zunge doch mal wieder nicht im Zaum halten konnte und sowieso schon ahnte, dass der Schuss nach hinten losgehen würde. Irritierenderweise tat er das aber nicht. Also nicht ganz jedenfalls, nur so ein bisschen.

„Ich will erst die Ausbildung abgeschlossen haben…“

Damit fing es an und endete in Blödelei und typischer Ironie. Die von mir getroffene Feststellung, dass sie sich da gerade mit Absicht hineinflüchtete, wurde bestätigt – und ab da fing ich an Muffensausen zu bekommen. Nicht, dass ich es gezeigt hätte – wo kämen wir da denn auch hin! Aber ich hatte wirklich das Gefühl, dass meine Hände feucht wurden und mir war ziemlich flau. Einschlafen konnte ich auch nicht, so dass ich mich irgendwann in der Nacht davonstahl und mir bestimmt eine ganze Karaffe Milch gönnte, in der Hoffnung, danach schlafen zu können.
Ich kann versichern – wer glaubt, dass Milch mit Honig hilft in solchen Fällen, der irrt. Gewaltig sogar. Also schnappte ich mir Zecke und ging mit ihm eine Runde spazieren, wobei ich barfuß lief, nur in Hosen, es war ja eh mitten in der Nacht, wer sollte sich daran also stören?
Half aber auch nichts. Ich brachte Zecke nach erledigtem Geschäft zurück und stand dann unschlüssig eine Weile vorm Kamin, ging irgendwann wieder zur Schlafenden zurück und legte mich erneut dazu. Fakt war, es wurde eine verdammt lange Nacht. Lang genug um viel zu grübeln. Viel zu lang um viel zu viel zu grübeln.

War das nun eine Zustimmung gewesen? War es keine? War es ein vielleicht, ein irgendwann mal oder.. was genau war es eigentlich? Was auch immer, egal welche Möglichkeit davon, da musste ich nun wohl durch, so oder so.
  • Die Verlobung ist der Beginn der bedingungslosen Kapitulation.
    Helmut Wulf genannt Ostendorf
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Seelenleiden zu heilen vermag der Verstand wenig,
    die Zeit viel,
    entschlossene Tätigkeiten alle.
    Johann Wolfgang von Goethe
Ich zweifelte an der Tatsache, dass sie nicht rückfällig werden würde. Aber es war ihr Leben und ihre Entscheidung. Müßig, zu drängen Begonnenes fortzusetzen. Es würde wohl allein der nächste Morgen schon zeigen, ob sie den Ehrgeiz auch allein zeigte, ohne dass sie jemand antrieb.
Generell konnte ich dem allerdings zustimmen, dass sie anders auf  mich wirkte als noch die Wochen davor. Es gab auch etwas, was mir daran nicht gefiel, aber ich bekam es nicht so recht zu fassen.

Etwas anderes war es mit der treuen Köchin und Wirtin. Oh, sie dachte noch immer - und versucht es krampfhaft so beizubehalten - ich wüsste nicht, dass sie es konnte. Ich hatte sie eiskalt erwischt. Aber so richtig eiskalt. Die Tatsache, dass ich zu dem stand, was wir einen Abend zuvor zum Thema hatten, und das auch noch völlig offen, brachte mir am Folgeabend einige Erheiterung ein. Sie begann mit der Verkündung der Tatsache. Von der Vicaria war nur noch eine Staubwolke zu sehen, der die Magistra gemäßigt folgte. Ich blieb grinsend zurück, kümmerte mich noch um den Schwätzer, um dann wenig später zusammen mit ihm und unserem Neuzugang erst dessen neues Labor anzuschauen und dann in der Hafenschenke Einzug zu halten. Dort setzte sich die Erheiterung fort.
Ein Knäul von Wirtin und Vicaria am Boden, direkt hinter der Tür, nebst einer Magistra, die daneben stand und sich das Ganze interessiert anschaute. Das Einzige, worüber ich mir nicht so ganz sicher war: Ob es den Zuspruch der Rotberobten fand, oder nicht. Irgendwie wurde ich aus Ihrem Verhalten nicht ganz so schlau, wie ich es gerne geworden wäre. Und dann folgte, was ich hingegen erwartet hatte:

„Ritter Wolfseiche und ich müssen uns mal unterhalten."

Ich rechnete mit einem Donnerwetter der reinsten Art. Da war ich fast schon enttäuscht drüber. Sie war gar nicht so drachisch unterwegs. Trotzdem, der Anfang war gut! Und ich genoss es wirklich, wirklich sehr ihr den Wind mit nur einem Satz völlig aus den Segeln zu nehmen.

„Du wolltest doch, dass ich kämpfe."

Vielleicht war es nicht die Art und Weise, wie ich es anging, die sie sich erhoffte oder erwartete, denn ihr dämmerte, dass sie jetzt unmöglich noch würde kneifen können ohne sich zu blamieren, aber sie erkannte auch, dass sie sich kaum beschweren konnte. Und natürlich tobte sie noch ein bisschen - mittelmäßig - vor sich hin, sehr zu meinem Amüsement. Die nachfolgende Drohung trieb mir ein äußerst breites Grinsen ins Gesicht, als wir zurückkehrten in den Schankraum.
Fakt war, es war etwas völlig anderes als beim ersten Mal. Dieses Mal fühlte es sich richtig an, nicht übereilt. Hier lagen andere Gründe vor. Passendere.

Das war aber sicher nicht die einzige Entscheidung, die es zu treffen galt. Das hatte die Versammlung am gestrigen bewiesen. Seit Stunden brütete ich nun über meine Notizen. Es gab sicherlich drei oder vier, die noch würden warten müssen.
Wieder war ich an dem Abend nicht enttäuscht worden, was meine eigenen Erwartungen betraf. Was musste ich mich zusammenreißen zwischendurch nicht zu lachen und meinen Senf dazu zu geben. Gelobte Milch, die dazu geeignet war, die Schnute zu füllen und Worte zu ersäufen, die besser ungesagt blieben. Auch wenn ich damit Gefahr lief das Zeug quer über den Tisch zu sprotzen im Zweifel, weil ich lachen musste. Aber das blieb mir und auch allen anderen zum Glück erspart.
Ich feierte im Stillen für mich, dass ich mal nicht Ziel der Bissigkeiten war, sondern unsere teuren Gäste. Mir war das nicht neu. Ich wusste noch so gut, als wäre es gestern gewesen, wie sie mich damals auseinander genommen hatte. Und ich stand einst allein vor ihr. Das war in dem Moment kein Vergnügen für mich gewesen. Gestern sah das anders aus, immerhin war ich nicht Fokus dessen.

Es gab einige gute Antwort, einige, die mich eher nachdenklich stimmten und wieder andere, die soviel Arbeit versprachen, dass mir schwindlig davon wurde. Rundum zufrieden war ich sicher nicht mit dem Gehörten. Letztlich war es aber wohl nichts, womit man nicht arbeiten konnte - oder musste im Zweifel. Also hatte ich mir eben diese Notizen gemacht. Dinge, die mir aufgefallen waren und ich nicht vergessen wollte, um dort eventuell anzusetzen, wenn nötig. Das Pergament legte ich nun aber erstmal beiseite und machte mich daran mich für den Abend vorzubereiten. Es gab einiges zu besprechen und anzugehen und ich war schon gespannt darauf, wie es verlief. War an der Zeit wieder Bündnispflege zu vertreiben, ausgiebig und ausführlich.
Andere mochten sich mit anderem befassen, mir war das einfach wichtig. Wichtiger noch seit der Belagerung. Es nutzte nichts, sich den Vorstellungen hinzugeben, dass der Rat etwas dafür tat, wenn es nicht explizit und laut gefordert wurde. Zwei oder drei Mal hatte ich bereits aufmerksam gemacht, nun hatte ich genug. Dann ging ich es eben selbst an - auf die eine oder andere Weise.
Was die angebliche Zusammenarbeit diverser betraf, die diese angeblich wünschten, in aller Regelmäßigkeit aber bewiesen wie wenig Wert sie wirklich darauf legten, wollte ich darauf keine Rücksicht mehr nehmen. Entweder es folgten Bekenntnissen endlich Taten oder sie waren eben außen vor und würden es für mich auch bleiben bis der Rest gefestigt genug war, dass man auf solche Kindereien kein Auge haben musste und diese nicht mehr störten oder behinderten. Nannte man wohl den Gaul von hinten aufzäumen. Manchmal nicht das Schlechteste. Immerhin fing man klugerweise immer mit der Satteldecke und dem Sattel an nach dem Striegeln. Zumindest wenn man sein Pferd zu schätzen wusste.
Ja, ich war gespannt, auch darüber wie sich das Angedachte entwickeln würde. Sehr sogar.
  • Es kommt für jeden der Augenblick der Wahl und der Entscheidung:
    Ob er sein eigenes Leben führen will, ein höchst persönliches Leben in tiefster Fülle,
    oder ob er sich zu jenem falschen, seichten, erniedrigenden Dasein entschließen soll,
    das die Heuchelei der Welt von ihm begehrt.
    Oscar Wilde
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Wege, die in einer Sackgasse enden
    zwingen uns, den Rückzug anzutreten.
    Anke Maggauer-Kirsche
„Ich herrsche.“

Nach dem morgendlichen Lauf und Waffengang suchte ich den Weg heimwärts. Ich zog
mir bequemere und unauffällige Kleidung an und mich verdrückte mich direkt im Anschluss wieder. Den ganzen Morgen über schon war ich kurz angebunden, hielt alle und alles auf Distanz und wartete nur auf den Moment, dass ich allein sein konnte.
Als ich den Wald erreichte, bahnte ich mir den Weg durch das Unterholz und fand irgendwann ein Plätzchen ein gutes Stück entfernt von der Stadt, ruhig und verlassen – von irgendeinem aufdringlichen Vogel im Geäst mal abgesehen. Dort setzte ich mich auf den Stamm eines umgestürzten Baumes und atmete tief durch.

Der Vorabend war aufwühlend gewesen. Wie fast jeden Abend suchte ich den Tempel zum Abendgebet auf. Der Segen vom Vorabend zeigte noch immer seine Wirkung, schenkte mir eine Ruhe, an die ich mich regelrecht klammerte. Wie so oft wurde ich auch an diesem Abend zu dem Gespräch eingeladen, das dort stattfand.
Mir fielen die Worte ein, die nach dem Gespräch im Gemeinschaftshaus dazu gefallen waren: „Wisst Ihr eigentlich, was ihre Gründe sind, die sie dazu bewegen?“ – „Ich habe nie danach gefragt.“ Ich hatte die Lüge sehr bewusst gewählt. Elend genug, dass ich sehr gut wusste, wieso, auch wenn sie etwas anderes vorgab. Natürlich hatte ich gefragt. Es wäre kaum ich, wenn ich so etwas nicht hinterfragte.

Das danach folgende Gespräch schmeckte mir nicht. Es geschah genau das, weshalb ich mich zu dem Schritt entschlossen hatte, den ich gegangen war. Tadel, Maßregelung von jemand, der sich nicht in der Position befand derartiges ungebeten auszuteilen. Trotzdem musste ich ein wenig schmunzeln im Nachhinein. Ich nahm schwer an, dass das nur deshalb geschah, weil sie der Emotionalität, die sie mir vorhielt, selbst erlegen war. Irgendetwas machte sie wütend, enttäuschte, oder welcher Grund auch immer sie dahin führte.
Jemand anderes merkte dafür, dass ein Zureden und Überzeugen danach wenig Sinn hatte. Zurecht. Ich war nun einmal ein sturer Bock und an sich war das auch nicht unbekannt. Im Stillen musste ich auch zugeben, dass der Dritte im Bunde einige Argumente hatte, die für sich sprachen, andere aber zu sehr bauchpinselten, als dass ich mich darauf einlassen wollte. Da griff die Sturheit nicht weniger.
Der Vorwurf, ich würde weglaufen wollen, ging mich allerdings durchaus an. Nichts dergleichen hatte ich vor. Und niemand kam wirklich auf die Idee zu hinterfragen, oder ich bekam es nicht richtig mit. Tatsächlich saß ich eine Weile lang da und überlegte, ob mir die Nachfrage entgangen war. Meine eigene Antwort darauf war letztlich: Vielleicht.

Am meisten aber überraschte mich die Lethra. Nein, ich traute ihr nicht. Nicht mehr so, wie ich es vorher vielleicht getan hatte. Vielleicht aber traute ich auch einfach meinem eigenen Urteil nicht mehr. Was mich noch mehr überraschte, war die Tatsache, wie enttäuscht ich davon war. Und dann das.

„Ich herrsche.“

Ich griff in meine Hosentasche hinein, holte den Talisman heraus und sah ihn an. Den Namen dafür hatte ich schon wieder vergessen, die Bedeutung allerdings nicht. Ein Geheimnis, das spürte ich mehr, als dass ich es sicher wusste. Etwas, worüber sie noch nie gesprochen hatte, vielleicht auch nie wieder sprechen würde. Fakt war, ich sollte diese Kette sicherlich niemals offen tragen. Aber das war nicht weiter wichtig. Ich musste sie nicht zur Schau stellen, um zu ahnen, was für eine Bedeutung dahinter steckte.
Ob sie wirklich und wahrhaftig bereute? Irgendwie fiel es mir schwer das zu glauben, es anzunehmen und die tatsächliche Bitte um Vergebung als wahr zu betrachten. Es passte nicht zu diesem Volk, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie um Freundschaft ersuchte.
Wie oft hatte ich mitbekommen, wenn Thanaya nicht hörte, wie sie klar stellte, dass sie nur so tat, als wären sie Freunde? Es zeigte an sich sehr deutlich, woran die Kleine an ihr war. Warum also sollte es sich bei mir anders verhalten?
Und trotzdem…
Ich zweifelte schon wieder an meinem Urteil, das eines Talismans wegen, der eine Bedeutung hatte, von der gewiss allein die Kinder des All-Einen wussten, wenn sie ihn sahen, aber niemand sonst. Wie viele Geheimnisse lungerten da unten der Höhle noch herum? Und wie war da heranzukommen?
Die nächste Frage war: Schliefen wir nicht alle besser, wenn wir es gar nicht erst wussten?

In meiner eigenen Frage brachte es mich keinen Deut weiter. Aber was machte es schon. Es war leichter sich mit anderem zu befassen. Viel leichter. Und noch war ich nicht soweit, dass ich die gezogene Konsequenz wieder rückgängig machen wollte. Ich wollte sehen, dass sie es auch anders konnten. Wenn dieser Schritt sie in die richtige Richtung trieb, dann musste er eben gegangen werden.
  • Verflucht, wer uns an Orten des Rückzugs aufsucht!
    Dr, phil. Michael Richter
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Die Zukunft ist voller Aufgaben und Hoffnungen.
    Nathaniel Hawthorne
Ich saß zuhause, verzichtete auf ein Oberteil während ich nach vorn gebeugt über einem Pergament hin und mit einem Kohlestift darauf die ein oder andere Notiz und Randnotiz dazu setzte. Mein Rücken quälte mich im Augenblick nicht so sehr, eben weil ich auf ein Hemd oder ähnliches verzichten konnte, was ich durchaus zu schätzen wusste. Da ich außerdem darum gebeten hatte die Salbe aufzutragen, glänzte der Rücken gerade vermutlich wie eine Speckschwarte. Einerlei, solang er nicht wieder anfing zu jucken, wie in der letzten Nacht. Natürlich war das Jucken ein gutes Zeichen. Das hieß, es heilte, aber genauso gut wie das Zeichen war, genauso lästig war der Heilprozess eben auch.
Der war aber weniger im Fokus meiner Aufmerksamkeit. Vor mir hatte ich den Ausbildungsplan liegen für die Knappen und ich brütete noch immer darüber, wo oder zu wem ich sie schicken wollte. Letztlich kamen beide aus der Garde und ich hielt es für absolut unsinnig sie dorthin zu schicken, um die Taktiken zu vertiefen, einfach weil sie dort die Grundlagen ohnehin für dies und das eingetrichtert bekamen und der Blickwinkel sich dadurch kein Stück erweiterte. Auch würden sie ja ihre Ausbildung oder auch die Aufgaben dort weiter fortsetzen. Wie sie ihr Zeitmanagement hinbekamen, war ihre Sache, und ich nicht ihr Vater, der das für sie übernahm.

Nun gut, der erste  Punkt auf der Liste war weitaus interessanter. Ich musste mich also bestenfalls zeitnah einmal mit Ilphrin zusammensetzen und ausklüngeln, was wir auf die Beine stellen konnten. Da der Winter vor der Tür stand, kamen mir meine eigenen Übungen vom letzten Winter in den Sinn. Ich verzog das Gesicht kurz und notierte etwas in die Liste hinein. Das würde die reinste Wonne werden. Und so nahm die ganze Sache langsam Gestalt an.
  • Kampflehren der Kinder des All-Einen (Ala'thraxor oder Mael'Qil)

    - Absprache mit Ilphrin: Anzahl der Einheiten, Themengebiete Praxis & Theorie; Austausch Lethrixoren & Knappen; Evtl. weiterführende Einheiten während der gesamten Knappenzeit inklusive weiterer Lehren der Kinder (Winterzeit nutzen) - hierzu vielleicht auch mit Vyel'tareala sprechen?

    Militärischer Drill und taktisches Vorgehen

    - Ursprüngliches Aufgabengebiet Garde: Weitere Möglichkeiten hierzu ausschöpfen, um andere Blickwinkel zu erhalten. Beide Knappen gehören der Garde an und werden dort die Ausbildung schon erhalten oder erhalten haben, beziehungsweise sogar selbst unterrichten. Eventuell genügt auch eine Aufgabe, die aus verschiedenen Blickwinkeln angegangen wird. Mal mit Muireall abstimmen. Bei ihrer Knappin verhält es sich ja gleich.

    Tempeldienst

    - Absprache mit der Erhabenen Aliyahna: Aufgaben, Unterricht, Aufenthaltszeit

    Lehren der Bruderschaft

    - Ritterlicher Kodex, Tugenden; Stationen bei den übrigen Gewerken des Reiches; Aufgaben; Etikette; Besuch bei den Auszubildenden der Scharfschützen, evtl. gemeinsame Übungseinheiten; Gelegentliche Prüfungen zum bereits gelernten
Völlig selbstvergessen lehnte ich mich nach getaner Schreibarbeit zurück in den Sessel und zuckte direkt wieder fluchend vor, als sich ein unangenehm stechender Schmerz in meinem Rücken ausbreitete. „Zum Dämon mit ihnen!"
Mit Ungeduld wartete ich darauf, dass der Schmerz nachließ, bevor ich mich entspannte und leise seufzte. Dann griff ich den Kohlestift wieder auf und schmierte noch etwas unter die Notizen, was ich vermutlich nach einigen Tagen selbst schon nicht mehr entziffern würde können.
  • Stationen: Schreiner & Bogner, Schmied & Feinschmied, Bauer, Heiler, Bibliothekare & Chronisten; Kinder des All-Einen, Tempel, Scharfschützen

    - Auktions- und Handelshaus
    - Xen'draxol, Dyla'Xunrae
    - Gabriella Mittgenstein, u. a.
    - Diverse für verschiedene Blickwinkel und Eindrücke
    - Hort des Wissens, Liska
Ich legte das Pergament erst einmal sorgfältig und ordentlich in mein dazugehöriges Buch, das ich für die Zusammenfassung der Fortschritte hernehmen wollte, den Stift darauf und ließ es damit gut sein. Eine Woche hatte ich zur ersten Vorbereitung, die wollte genutzt werden.

Außerdem hatte ich noch etwas anderes zu erledigen. So schickte ich eine kurze Bitte zu Quel'ryn und hoffte, er bekam hin, was ich haben wollte. Vor allem hoffte ich, dass ich das gute Stück bis zum fünften Tag in den Händen hielt. Es war wohl an der Zeit etwas zurück zu geben für die Pflege und die Schimpfe, für die Sorge und die nächtliche Aufopferung. Es war mir nicht entgangen und irgendwo regte sich zumindest eine Spur von schlechtem Gewissen.

Der Kurzbesuch für die Salbe am gestrigen Abend nach der Versammlung und der Aufnahme der Knappen war etwas, das mich in vollem Umfang spüren ließ, wie sehr ich dabei war mich zu verändern. Ich schätzte, ich musste aufpassen, dass es nicht noch weitere Auswüchse annahm und ich wenigstens noch in mancherlei Hinsicht ich selbst blieb. Sonst verlor ich mehr, als dass ich gewann. An meinen ursprünglichen Entschluss aber hielt ich fest. Weiterhin.
In aller mir zu eigenen Sturheit hatte ich mir vorgenommen aus den jetzigen Prätorianern, ob Anwärter oder Geweihte und Vereidigte, einen anständigen vorzeigbaren Haufen zu machen, kostete es, was es wollte. Ich wollte sie als Vorbilder für andere sehen, die dessen bedurften. Bestenfalls so aalglatt, dass ein jeder Versuch der Gemeinschaft und mir an den Karren pinkeln zu wollen, abperlte wie der Tau von einem Ginsengblatt.
Und bei Alatar, ich schwor mir dieses Ziel zu erreichen. Dieses und ein eigenes, ganz persönliches, egal, was es kosten mochte.
  • Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.
    Dante Alighieri
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Die wichtigste Konsequenz aus der Wahrscheinlichkeitstheorie:
    Alles ist möglich.
    Alexander Kulitsch
„Bettet sie um. Dorthin."
Die Anweisung erfolgte im befehlsgewohnten Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Es brauchte mir einen ungläubigen Blick der beiden Totengräber ein.
„Was ist das Problem? Es sind eine versuchte Urne und ein paar stinkende Blumen!"
„Das kostet aber etwas, Herr Ritter."
Natürlich, nicht mal der Tod war umsonst. Wie gern hätte ich den beiden den Spaten aus den Händen gerissen und über den Schädel gezogen. Es war nun drei Monde her. Drei ganze Monde. Ich schwor mir, das nächste Mal nichts mehr in die Hände irgendeines Arkorithers zu legen. Das führte zu nichts als Ärger.
„Wie viel?" Die zwei kurzen Worte klangen gereizt. Die zwei Hallodris vor mir duckten sich, als sie den Preis nuschelten. Der hatte es in sich. Zweifellos war das Wucher, zweifellos wollten sie sich bereichern, zweifellos schreckten sie nicht mal auf dem Anger des Tempels davor zurück gegen das Gebot zu verstoßen. Ich gönnte mir ein freudloses Lächeln, steckte ihnen die Münzen zu und trat auf Seite. „Umgehend."
Mit leisem Fluchen setzen die zwei sich in Bewegung und machten sich an die Arbeit. Ich hörte sie schimpfen, ich hörte sie mich verdammen, die Arbeit gleich mit, aber sie taten sie. Vermutlich sähe das anders aus, wäre ich gegangen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, die zwei würden hier nicht mehr lange in Lohn und Brot stehen. Als die Arbeit getan war, verabschiedete ich mich kurz angebunden und hörte noch wie sie hinter mir loszeterten - leise zwar, aber ich bekam es noch mit. Selbstredend beleidigend, selbstredend gegen meine Person gerichtet, die sie gerade noch gut ums Gold gebracht hatten. Nicht, dass mich das störte, denn ich hielt mich an die Gebote. Und eben weil ich das tat, kehrte ich kurz darauf im Tempel ein und hinterließ eine freundlich sachliche Notiz für die Erhabene zu dem Vorfall.

Nachdem ich mich um die Tote gekümmert hatte, wollte ich mich dann den Lebenden zuwenden, die ohnehin weit mehr Aufmerksamkeit bedurften. Es stand ein Gespräch aus, das ich gut vorbereitet wissen wollte, denn mir gefiel schon jetzt nicht, wohin es führen würde, aber es war wohl unabdingbar und notwendig. Es gab sicher Gutes, wie auch Schlechtes. Es gab einiges, das sich gebessert hatte, aber anderes, das sich verschlechterte in einer Form, die mir ganz und gar nicht gefiel.
Klugscheißer mag keiner. Der Gedanke kam schnell und ließ mich fast auflachen. Wie oft hatte ich den Satz selbst gehört? Mit einem Seufzen setzte ich mich zuhause hin und zeichnete eine Tabelle in das blaue ledergebundene Buch und fing an Pro und Kontra zu notieren. Ich ließ mir ordentlich Zeit mit der Auflistung. Nein, es war nicht nur alles schlecht, aber es fiel mir wirklich schwer ein Gleichgewicht zu finden zwischen beiden Seiten.

Irgendwann gab ich es erstmal auf und lehnte mich zurück. Mein Blick fiel auf das letzte erhaltene Schreiben der Erhabenen und wieder stahl sich ein feines Lächeln auf meine Züge. Abgewiesen. Dieser hochtrabende Möchtegern. Wäre es nicht so hochgradig albern, müsste ich ihn für seine Ignoranz anklagen, die er seit der Ablehnung an den Tag legte. Immerhin stand er nach wie vor unter mir. Aber es war so müßig sich mit diesem Menschenschlag zu befassen, außer es ging darum, die Schwäche, die er darstellte, auszumerzen. Und selbst dazu fehlte mir derzeit der Elan. Es war einfach nur.. ermüdend.
Ich hoffte nur, dass der Rat den Antrag annahm, die Überprüfung anlief und das Resultat das gewünschte werden würde. Sollte er mich hassen auf Lebzeiten. Es war mir einerlei. Dafür gab ich mich dann doch allzu gern her.
An sich hätte es ein angenehmes Nebeneinander geben können, aber wer austeilte, musste wohl oder übel eben lernen, dass auch Einstecken dazu gehörte. Ich hatte eingesteckt, genug sogar. Allerdings war mittlerweile ein Maß erreicht, bei dem ich nicht mehr gewillt war wegsehen, es hinzunehmen und darüber zu schweigen. Wäre es nur gegen mich gegangen… aber die Art und Weise, wie dieser Undiplomat musste in alle Richtungen treten, wollte offenbar den Prätorianern einfach auf Dämon komm raus schaden. Damit war das Fass dann übergelaufen. Fehdehandschuh geworfen, Fehdehandschuh aufgenommen. Und ich hatte mir geschworen nicht mehr zu ruhen, als bis ich dieses nervige Insekt los war. Die anderen Glühwürmchen, die um ihn herumtanzten, interessierten mich dabei reichlich wenig. Zwar ließ ich sie inzwischen auch nicht mehr aus den Augen, aber sie waren so.. unwichtig. Nichts als kleine Speichellecker, bis auf eine klitzekleine Ausnahme.

Was ich mich allerdings noch immer fragte: Was hatte dafür gesorgt, dass er sich zu so kleingeistigen kindischen, selbstprofilierenden und hochmütigen Anwandlungen hatte hinreißen lassen? Irgendwas an uns musste seine eigene kleine rosa Welt doch immens gestört haben. Wehe ihm, ich fand heraus was. Das würde ein Fest geben - aber sicher keines für ihn.

Wer Hass säht, wird Wüste ernten. War das nicht ein hübsches Wortspiel? Gerade für ihn? Ich war entzückt!
  • Rache ist mein Gewerbe.
    Johann Friedrich von Schiller
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche,
    ein hochmütiger schreibt es sich zu.
    Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
Der Mensch tat sich damit schwer seine Stärken zu benennen, weil es ihm viel zu schnell und viel zu oft als Hochmut ausgelegt wurde, als denn das Erkennen seines eigenen Könnens. Allerdings war es eines auf Aufforderung seine Stärken darzulegen, ein anderes, wenn dies unaufgefordert geschah, noch dazu in einer Vehemenz, die einen vom Stuhl zu reißen drohte.
Sie konnte das hervorragend. Ich war mir allerdings bei weitem nicht so sicher, ob das aus Hochmut oder aus Selbstschutz geschah. Es wirkte wie ersteres, meinte aber, dass sie es nur deshalb tat, um sich zu schützen, um stärker zu wirken, als sie war. Bald ein Jahr nun und es war noch immer nicht genug Vertrauen da, um wenigstens mit mir offen umzugehen.
Auch hier versuchte sie noch immer ihre Schwächen zu verstecken, die so offensichtlich wurden allein durch diesen aufgebauschten Versuch. Gelegentlich ließ mich das Schmunzeln, gestern Abend machte mich das eher wütend, weil sie dabei eine so fordernde Haltung annahm, als wäre sie in der Position dafür. Nein, in dem Fall verhielt es sich ganz und gar nicht so. Letztlich aber, das war mir sowieso schon klar, blieb das, was draus werden sollte, an mir hängen, da ich mich zu kümmern hatte. Und ich ahnte auch schon, dass der Rest es sich da sehr einfach machen würde - wie so oft.
 
Es war auch nicht das Einzige, was mich verärgerte. Stubenhocker brachten mich auch zunehmend in Rage. Vor allem die Sorte Stubenhocker, die dann wenn sie mal die Nase rausstreckten, meinten sie könnten erwarten, dass alle spurten und sich wunderten, wenn das nicht funktionierte.
Aber so war es nun einmal, wenn sich nur um den eigenen privaten Kram gekümmert wurde, andere Pflichten dafür versäumt wurden. Erheiternd daran war wiederum der Umstand, dass mancher Stubenhocker anderen Ablenkungen verbieten wollten, sich selbst aber nur zu gern ablenken ließen.
Und eigentlich ärgerte mich daran am meisten die fehlende Unterstützung, die solche Stubenhocker hätten sein sollen.

Vielleicht sollte ich auch einfach aufhören mich über andere zu ärgern und mich allein auf meine eigenen Pflichten konzentrieren. Zeit wurde es allemal. Es war ja nicht so, dass ich nicht genug zu tun hätte. Allein heute würde ich noch etwas vorbereiten müssen für den morgigen Tag, an dem es für Korlay dann bereits losging mit seiner ersten Prüfung auf dem Weg seiner Knappschaft. Hier war ich gespannt, wann er begann seinen eigenen Standpunkt zu vertreten und nicht zu allem „Jawohl" und „So soll's sein" sagte. Es war ohne Frage angenehm jemanden um sich zu wissen, der wusste, was Gehorsam war, aber prinzipiell fehlte mir da ja dann zumeist auch der eigene Geist ein wenig, wenn so gar keine Einwände kamen. Trotzdem, bislang konnte ich mich über diesen Knappen erstmal nicht beschweren.
Was aus Santhalasa werden würde, das musste sich erst noch zeigen. Hier stand noch das Gespräch aus, die Prüfung sowieso und allein erst einmal die Tatsache, dass sie überhaupt anwesend war. Aber das würde sich schon noch geben.

An sich konnte ich zufrieden sein. Das Theater bei den Prätorianern hatte sich beruhigt. Die Hoffnung starb zu vorletzt, dass es sich eine Weile lang so hielt. Es gab sogar ein paar Dinge, die mich ein klein bisschen stolz sein ließen, ohne aber dass ich sie derzeit erwähnte. Nach all dem Ärger der letzten Wochen war noch kein Platz für überschwängliche Lobhudeleien.

Damit kehrten die Gedanken auch schon wieder zu den beiden Frauen zurück, die sich als Scharfschützen ausbildeten, insbesondere eben zu einer davon. Was also, Dazen, hast du vor mit den beiden? Wohin sollte die Reise mit ihnen gehen?
Selbstredend sollten sie sinnbringend eingesetzt werden. Auch mussten sie wohl oder übel etwas mehr abdecken, als das bloße auf der Lauer liegen und das Töten eines Einzelnen. Auskundschaften gehörte genauso dazu. Wir benötigten Kundschafter, Gute, unbedingt. Im Grunde mussten sie am Ende sogar weit mehr sein als Scharfschützen. Natürlich hatten sie dafür allein schon eine gewisse Anerkennung verdient, denn sie leisteten damit gute Arbeit, wenn ihnen das alles gelang, was erwartet wurde.
Darüber hinaus durfte aber auch nicht vergessen werden, dass es auch noch viele, viele andere gab, die ihr Leben für das Reich gaben und in ihren Gebieten ebenfalls versiert waren. Auch diese Menschen erhielten kein Sonderprädikat in Form einer Sonderbehandlung. Das was sie sich wünschten konnte ich ganz bestimmt nachvollziehen, aber ich glaubte nicht daran, dass es sich umsetzen ließ.
Trotzdem, ich wollte mit Tugor wenigstens darüber gesprochen haben, bestenfalls bevor es zu dem Besuch der beiden auf der Festung kam.
Und.. ich wollte mehr. Auch darüber musst gesprochen werden. Ich wollte mir auch hier den Umweg ersparen und direkt mit dem Ahad darüber ein wenig sinnieren. Vielleicht ließ sich da etwas bewegen. Es wäre jedenfalls wünschenswert. Und ich hielt beide für mögliche Kandidaten das Ganze auf die Beine gestellt zu bekommen. Die kleine Großschnauze war es in jedem Fall.
  • Dir zu dienen, heißt Ehrfurcht zu lernen,
    um nicht im falschen Hochmut den Sinn unseres Strebens
    aus den Augen zu verlieren.
    1. Gebot der alatarischen Glaubenslehre - Glauben heißt dienen
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

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Zuletzt geändert von Dazen Wolfseiche am Donnerstag 30. Oktober 2014, 16:48, insgesamt 3-mal geändert.
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