Eine gewagte Aktion

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Rafael de Arganta

Eine gewagte Aktion

Beitrag von Rafael de Arganta »

Arton war also wirklich gefangen in Rahal.
Rafael mochte sich gar nicht ausdenken was man dort mit ihm anstellen würde, vor allem wie lange er dort schon feststeckte.
Es musste was geschehen doch die Frage war was.
Man hatte keine Gefangenen die man austauschen konnte, zumal sie sich nicht erpressen lassen durften. Es hatte ja nicht wirklich etwas mit dem Reich zu tun.

Als Darna von Elbenau dann kam setzte man sich sofort zusammen .
Das man deswegen keinen offenen Angriff begehen würde, war beiden klar doch schien die Ritterin schon eine Idee zu haben.
Sie schlug vor das sie sich mit der Kerkermeisterin treffen würde, sie war sicher, das sie einem Treffen zustimmen würde, um dann über die Freilassung Artons beraten zu können.
Vielleicht gab es etwas auf das sie sich einlassen würde.
Ganz gefiel Rafael der Vorschlag nicht, es hieß den Rahalern oder dieser Kerkermeisterin vielleicht irgendwelche Zugeständnisse machen zu müssen, aber hatten sie eine andere Wahl?
Es war ein Versuch wert.
Was dieser kosten sollte, würde man dann sicher erfahren.
Aus Sicherheitsgründen würde Rafael die Ritterin begleiten und auch Ritter Krenor sollte gefragt werden.

Was immer auch geschehen sollte, man würde sehen und Zeit, sollten sie nicht vergeuden.
Arton war schon viel zu Lange in Rahal.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Ich könnte versuchen, in Erfahrung zu bringen, unter welchen Bedingungen Herr Langenfels auslösbar wäre, Hoheit."
"Oh, möglicherweise unter meinem Abtritt beziehungsweise meinem Treueschwur zu Meritor?", antwortete der Truchsess mit unüberhörbarem Zynismus in der Stimme. Unüberhörbar... außer für Darna. Skeptisch hob sich steil ihre Braue.
"Ich glaube, Frau Amarth ist an der Politik Rahals im Grunde wenig interessiert, Hoheit. Es geht ihr meist eher um persönliche Belange", erwiderte sie ernst. Dies war auch ihre einzige Hoffnung. Sie hatte aus der Vergangenheit zur Genüge gelernt, daß man sich in politischen Dingen auf gar keinen Fall erpressbar machen lassen durfte.

Doch Arton war dafür im Grunde auch kein geeignetes Druckmittel. Er war Mitglied der Allianz und ein bekannter Krieger, aber kein Hebel für die Regierungsgeschäfte des Reiches. Dies hier... war persönlich.
Darna kannte ihn nur flüchtig - doch er hatte bereits im Kerker gesessen, als sie da war, keine paar Räume entfernt... es drehte ihr den Magen um.
"Führt Eure Verhandlungen, doch seid bedacht, wem eure Treue gilt - zu gelten hat."
Darna starrte ihn an. Beliebte seine Hoheit jetzt zu scherzen?
"Und seid Euch ebenso bewusst dass ich mich nicht zum Spielball Rahals und seiner Schergen mache", fuhr er fort.
"Indiskutabel", war alles, was ihr dazu durch den Kopf schoß. "Meine Treue gilt einzig Euch und seiner Majestät, Hoheit - und alles, was Euch tangiert, ist schlicht indiskutabel." Es gab kein besseres Wort dafür. Eher würde Arton sein bedauernswertes Leid bis zum bitteren Ende allein tragen müssen, ehe sie derartig seine Hoheit und damit auch sich selbst verriete.

Nachdenklich blickte sie später ins Dunkel ihres lediglich durch Vorhänge abgetrennten winzigen Raumes. "Wieviel ist ein Menschenleben wert?", geisterte es ihr immer wieder durch den Kopf. Und sie hatte diese Nachricht von Luzcilla gelesen, die sie am Zelt von Erinna gelassen hatte. "Sie soll leiden!", hallte ihr die kalte Stimme noch jetzt durch die Gedanken.
"Oder wieviel sind zwei Menschenleben wert?"

Sie würde sich mit Luzcilla auseinandersetzen müssen. Dabei durfte sie sie keinesfalls unterschätzen. Ehrbar und aufrichtig zu sein, hatte nichts mit Dummheit zu schaffen. Darna hoffte auf die verläßlichen Seiten an der gefallenen Frau, doch langsam vermeinte die humorlose Ritterin, den Sinn der Redewendung näher zu begreifen:
"Ich trau dir so weit, wie ich dich werfen kann."
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Wut und Hoffnungslosigkeit wechselten sich ab.
Warum hatte man nur Darna die Verhandlungen führen lassen. Nur weil sie die Frau Amarth kannte?
Die fünf Rahaler denen man während der Verhandlung gegenüber gestanden hatte, fürchtete Rafael nicht wirklich. Mit Aradan an seiner Seite, rechnete er sich gute Chancen aus, zumal die Bogenschützen nicht sehr austrainiert aussahen.
Dennoch wusste er das man die Dame Lucilla Amarth nicht unterschätzen durfte.
Die Pöbeleien und versuchten Provokationen der Dunklen überhörte Rafael geflissentlich, doch als die Ritterin dann mit Lucilla wiederkam und berichtete was sie ausgehandelt hatten, stieg unbändige Wut in ihm auf, über den Unverstand Darnas.
Sie hatte angeboten sich mit der Frau Amarth zu duellieren, um dann wenn sie verlieren würde, sich zu ergeben und mit nach Rahal zu kommen im Austausch für die zwei Gefangenen.

Sie folgte der Tugend der Opferbereitschaft, sicherlich, doch wirklich als gut konnte Rafael es nicht empfinden.
Denn geschah nicht ein Wunder, würde Darna nicht bestehen können, vielleicht gar ihr Leben verlieren.
Und Wunder... wie Aradan so schön sagte, geschahen nicht auf Kommando.
Hätte man nicht andere Dinge anbieten können?
Anderes Aushandeln?
Er fürchtete um die Ritterin in der Zeit da sie in Rahal weilen würde, man hatte im Endeffekt ein Übel mit dem andren ausgetauscht.
Nun würde man überlegen müssen wie man Darna aus Rahal holte und erneut dachte er über die Pläne nach die er zum Angriff auf Rahal dem Grafen vorgelegt hatte.

Das Duell verlief wie man es sich hatte ausrechnen können.
Die Ritterin hatte nicht den Hauch einer Chance, und jene Dunklen Gardisten brüllten ihnen ihr ALATAR ALATAR entgegen, was Rafael sich den Magen umdrehen ließ.
Aber er konnte, durfte nichts tun.
Ein Wort war gegeben, und er würde es nicht brechen.
Sicherlich folgte Darna dem Weg der Ritter, der Tugend der Opferbereitschaft, dennoch...
Er seufzte ...
Was folgen musste war unwiderruflich. Sie mussten handeln und das nun konnte man sich keine Zeit mehr dafür nehmen.
Das Dunkel würde in Rahal nach Darna greifen. Er wusste das sie bestehen konnte, doch wie lange?
Gemeinsam brachte er Darna mit Aradan zusammen zu Angelina, damit diese die Ritterin verbinden konnte, damit ihre Verletzungen bei der Übergabe verheilt waren.
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Lamentinu Celebren
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Lamentinu Celebren »

(Post für Nuria, war der falsche Char eingeloggt)

Als sie von ihrer Kräutersuche zurück zur Insel kam, traute sie ihren Augen kaum: 2 Wächter des Lichtes vor der Brücke, die zu ihrer Heimat führte. Gegenüber einige dunkle Gestalten. Was hatte das alles zu bedeuten? Sie war noch damit beschäftigt, die Lage zu überblicken, als einer der Dunklen sie auch schon anpöbelte. Innerlich bebte sie. Wusste er, wer sie war und was sich auf der Insel verbarg?
Eine Verhandlung zwischen einer der Rahaler, und keine mit niedriger Stellung noch dazu, und einer derer, die Temoras Pfaden folgten... am Schrein.. warum hatten sie ausgerechnet diesen Ort ausgewählt? Ihre Gedanken überschlugen sich. Was konnte, was sollte sie tun? Mutters Rat wünschte sie sich so sehr wie noch nie.
Die beiden Verhandelnden kehrten wieder. Aufmerksam folgte sie den Worten, bemüht, den verpassten Anfang durch erhöhte Konzentration wett zu machen. Ein Duell... vor der Insel, die ihr Unterschlupf war...
Langsam begab sie sich auf die Brücke und beobachtete das Geschehen mit wachen Augen und zusammengebissenen Zähnen.
Die Frau der Lichtseite ging recht schnell zu Boden. "Alatar!" hallte es. Würde man durch das aufeinanderbeißen der Zähne diese zerstören können, so wären ihre zweifellos gesprungen. Man heiligte den Brudermörder, direkt vor der Brücke ihres Rückzugsortes! War es schon so weit gekommen, dass nicht einmal vor diesem Ort die Schar des Brudermörders halt machte? Sie hätte schreien können, sie wünschte sich, ein Blitz würde vom Himmel fahren und diesem Schmach ein Ende bereiten. Doch sie war noch unerfahren, erst leise klangen die Melodien in ihr... aufgewühlt setze sie ihren Weg fort zu ihrem Unterschlupf. Das würde sie Vivianne berichten müssen. Und sie wusste.. sie würde sicherlich nicht minder innerlich brodeln als sie..
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Als sie Rafael brüllen hörte „AAAAAAAANGELIIIIINA!“, wusste sie, dass etwas schief gelaufen war. Sie hastete aus dem Haus zu der angekommenen Gruppe.
Ihr Mann war wütend, das konnte sie an seinen Augen, seinem verkniffenen Gesicht sehen. Die junge Ritterin offensichtlich verletzt, denn sie war bleich und stand mit gesenktem Haupt, während der Ritter Krenor unablässlich auf sie einredete. Im Hinterrund hielt sich still noch ein Mann. Angelina erkannte ihn an seinem verunstalteten Gesicht als den Templer, von dem Rafe ihr schon einmal erzählt hatte.
Behutsam forderte sie Darna auf, ihr ins Heilerhaus zu folgen, denn sie befürchtete, dass die Ritterin sich in ihrer verbeulten Rüstung nicht mehr lange auf den Beinen halten würde.
Der Templer bot seine Hilfe an, die Angelina gern annahm.
Gemeinsam entledigten sie Darna der Rüstung.
Aus ihrer angestrengten und verhaltenen Atmung konnte Angelina auf gebrochene Rippen schließen. Der ungewöhnlich große Bluterguss auf dem Brustkorb, aus dem sogar etwas Blut sickerte, unterstrich ihre Diagnose. Doch nicht die Verwundung machte Angelina wirklich Sorge, sondern der seelische Zustand, in dem die junge Frau sich befand.
Der Templer half Darna von Elbenau aufzurichten und hielt sie, während Angelina ihr einen festen Verband um den Brustkorb anlegte. Salbe und ein Trank sollten ihr gegen die Schmerzen des Körpers helfen.
Doch dann zog sich Angelina zurück und überließ es dem frommen Mann, sich um das Seelenheil ihrer Patientin zu kümmern.
In der Nacht stand Angelina noch einmal auf und wollte nach der Verletzten sehen, ihr erneut ein Schmerzmittel geben oder aber einfach bei ihr bleiben, wenn sie nicht schlafen konnte.
Doch als sie leise die Tür einen Spalt breit öffnete, sah und hörte sie, dass Herr Krenor bei ihr an der Liege saß und sie sich gedämpft unterhielten.
Angelina schloss die Tür zum Heilerhaus so leise, wie sie sie geöffnet hatten und kehrte zu ihrem Mann ins Bett zurück.
Ithamar

Beitrag von Ithamar »

Im Augenblick schien alles Schlag auf Schlag zu kommen. Er war gerade auf dem Rückweg von seiner zweiten Visite, die er dem geschändeten Schrein der Geistigkeit abgestattet hatte, als er auf die Ritter de Arganta, Elbenau und Krenor stieß. Die Ritterin war verletzt und in schlechtem Zustand, so dass er sich ihnen anschloss und die drei Reiter zum Anwesen Sire Rafael de Argantas begleitete, wo sich die Gattin des Ritters, die Dame Angelina de Arganta, eine wohlbekannte Edelfrau und Heilerin, wobei letzteres in diesem Falle von größerer Bedeutung war, der Versorgung der jungen Ritterin annahm. Es stellte sich rasch heraus, dass die Wunden ihres Leibes mäßig waren, verglich man sie mit den Besorgnissen ihrer Seele, oder besser gesagt den Lasten, welche sich die Ritterin auferlegt hatte. Voreilig, wie mancher meinte. Die erregten Gesichter verrieten große Unruhe.

Tatsächlich hatten die Opferbereitschaft und Ehrbarkeit der Ritterin insofern fragwürdige Früchte getragen, als sie eben jene ohne Umschweife in die Dunkelheit zu führen schienen. Eine Auslegung der man sich durchaus anschließen konnte, die aber im Nachhinein von geringer Bedeutung war. Es dauerte eine ganze Weile, bis es dem Templer gelang aus den Worten der Ritterin tatsächlich herauszulesen, was sie ganz praktisch unternommen hatte. Die Schilderung, die sie dabei gab, enthielt durchaus beunruhigende Momente. Aus der Perspektive des Glaubens heraus aber ließ sich im Nachhinein nichts anderes mehr tun, als ihr Hoffnung zu geben und den Segen der Göttin zu versprechen. Ein Abweichen von ihrem Wege, wie es sich mancher vielleicht insgeheim wünschte, würde zweifelsohne die Verdammnis von drei Seelen mit sich bringen, denn eine solche Rache würde sich das betrogene Rahal kaum nehmen lassen, so dass wenig Hoffnung bestand, dass ein solcher Schritt wirklich zuträglich wäre. Weder für die Opfer, noch für den Seelenzustand der Dame von Elbenau, welche diese Rache durch ihren Wortbruch herausgefordert hätte.

Zum Ende blieb der Trost, dass es unter Umständen einfacher würde eine Person aus den Klauen Rahals zu befreien als zwei. Alles andere würde von der Stärke der Ritterin abhängen. Die schwarze Vorahnung der Ritter teilte er nicht. Zwar konnte ein Licht in Dunkelheit erlöschen, aber Licht kann auch erhellen, denn das allein macht es aus. Die Fronten mochten ungleich erscheinen, aber noch war das letzte Wort nicht gesprochen, noch stand die Ritterin aufrecht. Es musste sich zeigen wer am Ende obsiegen würde, die Ritterin oder Rahal. Es war auch an ihnen dafür Sorge zu tragen, dass es die Ritterin sein würde. Noch bestand kein Grund zur Aufgabe.
Zuletzt geändert von Ithamar am Samstag 20. Mai 2006, 12:51, insgesamt 1-mal geändert.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

„Doch möge auch jedes Herz eines Wissen und erkennen dass diese Worte von Temora sind. Trauer mag euer Herz überkommen sowie es sie überkam ob dieser Taten und unserem Versagen. doch Hass führet zu Alatar. Hinterfragt wenn ihr euer Augenmerk gen Rahal wendet was euch führt, Denn ihr könnt den niemals eine Macht durch sich selbst besiegen sondern werdet ihrer Teil,“
So hatte die Heiligkeit gesagt und Rafael verinnerlichte sich diese Worte noch bevor er an in die Vorhalle des Schlosses trat.

Der Graf würde sehr erfreut sein über das was er zu hören bekam, bemerkte er sarkastisch zu sich selber und er verfluchte sich innerlich dafür.
Darna hatte recht gehandelt, den Tugenden entsprechend, ihr Leben gegen das zweier anderer getauscht, und doch schmeckte ihm diese Entscheidung nicht.
Hätte es nicht einen anderen Weg geben können?
Ein Angriffsplan gen Rahal hatte er längst vorgelegt gehabt, und nun... ob der Worte der Heiligkeit hinterfragte er sich warum. War es wirklich Hass und der Wut die ihn leitete?
Nein.
Es war eher die Verschlagenheit der Rahaler.
Darna hatte mit gutem und bestem Gewissen jene Verhandlungen geführt, und war doch so in eine Falle gelaufen. Keine Hand hatte man angelegt, dennoch sie, die Tugenden der Ritter durchschauend, auf Hinterlistige Weise dazu gebracht sich selber in ihre Hand zu geben..
Mit guten Worten konnte man nichts mehr reichen, würde man nichts erreichen, das hatte der Abend gezeigt.
Nein man schändete Temoras Orte, verhöhnte sie und alles was den Rittern Heilig war.
Nun war ein Punkt erreicht an dem wohl nun das Schwert sprechen musste.
Ein Plan war längst vorgelegt.
Vielleicht musste er nun doch eher in Angriff genommen werden als vorgesehen, aber wenn...
So würde der Stachel tief in des Fleisches der Rahaler sitzen.

Sie durften Darna nicht Rahal überlassen, sie musste gehen, das war sie ihrem Wort schuldig, doch sie waren es Darna schuldig sie von dieser Schmach zu befreien, und für sie ein zu stehen.
Rafael wusste das die Menschen auf die Ritter schauten, und an ihrem Verhalten die Macht Temoras und ihren Glauben messen würden.
Sobald bekannt würde das Darna sich in der Macht Rahals befinden würde, und die Ritterschaft das einfach tatenlos zuließe, würden sie vielleicht an der Macht Temoras und vielleicht der Glaubwürdigkeit der Ritterschaft zweifeln.
Es wurde Zeit das den vielen guten Worten, Taten folgten.
Rafael vertraute darauf, das das Schwert der Ritterschaft, von Temora geführt wurde, denn es war nicht Hass der ihn antrieb, sondern die Liebe zu ihr und das Versprechen für ihre Tugenden zu leben.
Und auch Temora war es die irgendwann zum Schwerte griff. Sie verteidigte die Menschen sie beschützte sie vor dem Vernichtung und dem Hass bringenden Bruder.
Sie wurde geachtet, und wie würden die Ritter geachtet werden, wenn diese stets tatenlos zusehen würden, wie die Macht Alatars ungebremst wachsen würde?

Temora hatte Alatar in seine Schranken gewiesen, und Rafael hoffte das nun mit der Ritterschaft gemeinsam ebenso zu bewerkstelligen, indem er Darna den hungrigen Pranken Alatars entreissen würde, und dabei Rahal auch noch einen Wehen Stich versetzen konnte.
Sie sollten die Macht Temoras zu spüren bekommen.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Geliebter Feind

"Wollen wir in den Schrein?", fragte Luzcilla.
"Ich habe nicht vor, dir das zuzumuten", entgegnete Darna ruhig.
"Ich fürchte mich vor ihr nicht. Nicht so, wie du dich vor ihm."
"Man braucht sich vor ihr, der Gütigen, auch nicht zu fürchten" - die Lippen der Ritterin waren nicht schnell genug, es auch zu sprechen. Vielleicht war es besser so.
"Es sind von Menschen errichtete Bauwerke, vergesst das nicht."
"Wenn du nur das darin siehst...", erwiderte sie gleichmütig, fast mitleidig.

Es war schwer, hier zu stehen. Es würde schwer werden, hier zu bestehen. Darna sah auf das Symbol. Blutstropfen? Träne? Beides? Mehr?
"Was willst du Rahal bieten, daß wir solche Gefangenen herausgeben? Ich denke nicht, daß du Rahal drohen kannst."
"Es geht mir nicht um Rahal, Luzcilla. Und beide sind keine politischen Gefangenen, trotz ihrer Ränge. Was also würde dich interessieren, um sie ziehen zu lassen?"
"Das ist eine schwere Frage." Luzcilla sah auf das Meer, Darna in ihrem Rücken stehend. Zwei Frauen, eine in schwarzer, eine in silberner Rüstung, beide mit ihren roten Umhängen, der eine düster, der andere leuchtend. Zwei Seiten der gleichen Magie?
"Nimm dir ruhig Zeit für eine Antwort."
"Nein, ich kenne die Antwort. Nur, sie dir ins Gesicht zu sagen erfordert mehr Stärke als ich kaum vermag, aufzubringen."
"Ist es etwas politisches, dann vergiss es gleich. Die Grafschaft lässt sich nicht erpressen."

Doch die Antwort legte weit schlimmer eine Schraubzwinge um sie.
"Ich möchte, daß du meine Waffenschwester wirst, daß du meine Heimat kennenlernst. Daß du beide Seiten der Medaille kennenlernst. Daß du ihn und seine Gnade erlebst.
Ich möchte gerne dich gegen die Gefangenen tauschen. Aber verstehe mich nicht falsch - du würdest nicht in den Kerker kommen. Du kommst zu mir nach Haus. Du sollst seine Lehren kennenlernen, du sollst begreifen, warum ich zurückging.
Dieser Zwist hat zuviele Leben gekostet, ich möchte nicht gegen den letzten Freund, den ich habe, in die Schlacht ziehen. Ich habe mit dem Erhabenen gesprochen - er möchte, daß du in die Stadt kommst."
"'Seine Gnade'...", erwiderte Darna nach einem Moment der Sprachlosigkeit ungläubig-verachtend, "Du meinst diese 'Gnade', ja?"
Nur dezent zeigte die Geste auf Luzcillas fehlendes Auge, das sie dem Panther geopfert hatte, doch der Hinweis reichte.
"Es war mein freier Wille mein Auge dem Einen hinzugeben, ich tat es aus Liebe zu ihm, daß er mich in seinem Herzen wieder aufnimmt."
Darna schnaubte. "Keine Liebe rechtfertigt das."

"Alatar verdreht nicht nur Freiheit, Gehorsam, er verdreht auch noch Liebe und Frieden." - sie konnte es kaum fassen. In welchen Wahnsinn sah sie Luzcilla immer tiefer stürzen?
"Warum urteilst du über Dinge, die du nicht kennst? Bist du zu feige, dir beide Seiten anzuhören? Hast du Angst vor der möglichen Wahrheit?"
"Ich muß einen glühenden Herd nicht erst anfassen, um zu wissen, daß er heiß ist. Daß der Alka meine Anwesenheit in Rahal wünscht, kann ich mir denken", entgegnete Darna mit umso kühlerem Ton.


Was ist der Preis und was ist es wert?

"Und wieder gebe ich dir mein Versprechen, daß dir nichts passiert. Es ist ein kleiner Preis für zwei Leben, die dem Tode geweiht sind, meinst du nicht?
Sagt mir, Ritterin Temoras, verbietet dir dein Gott, dich aufzuopfern? Ist das Leben unter Temora so wenig wert, daß du es nicht erhalten willst?"
"Erspar dir deinen provokativen Spott."
"Versucht nicht, Mitleid in mir zu wecken", hallten in ihr Rafaels Worte nach. Sie verstand ihn mehr denn je. Es war einfach falsch, was Luzcilla hier versuchte, sie erkannte das Gift, erkannte die Symptome - und sie hoffte auf das Gegenmittel:
"Lass dich zu nichts hinreißen. Lass dir von ihr keinen alten Klepper als Rennpferd verkaufen."
Aufopferung. Natürlich ging es um zwei Menschenleben. Arton und den Templer, von dem Luzcilla berichtet hatte - und von Erinna wusste die Kriegerin Rahals noch nicht einmal. Ein Kloß schnürte Darna die Kehle zu.
Aufopferung. Es würde nichts, rein gar nichts bringen, wenn sie sich hier blindlings in irgendwas hineinstürzte, doch unter Luzcillas Worten, die wie Hagelkörner auf sie einprasselten, fiel es schwer, einen klaren Kopf zu bewahren.
Wenn es ihr gelang, diese drei Menschen zu retten, was verlangte das dann für ein Opfer? Was war der wahre Preis? Sicher nicht nur ihr eigenes freies Leben, wie Luzcilla es ihr weis machen wollte, denn sie hatte Verpflichtungen.
"WAS ist das hier für ein Ort? Los, sag es mir! Für was steht diese Tugend?" Luzcilla trat gegen den Altar.
"Hör sofort auf damit!"

"Ich glaube, ihr seid nur Heuchler. Ritter ohne Prinzipien."
"Muß ich dich an dein Wort nach dem Duell erinnern oder gilt es schon nichts mehr?", fragte Darna scharf.
"ICH ketze nicht!"
"Lüge." "Dann wage es nicht, gegen den Altar zu treten."
"Wie steht es um deine Aufopferung für deinen Gott?"
"Fordere keine Tugend von mir ein, die du selber einzig benutzt, um sie dir zurechtzubiegen, wie es dir grad passt."
"Du vergisst, daß ich nicht deinen Kodex habe. Ich folge anderen Tugenden."
"Dann wage es nicht, darüber zu urteilen", entgegnete die Ritterin nun leise knurrend, "Aber das hast du nie begriffen, nicht wahr? Wann Druck die Menschen zerbricht. Du bist doch selbst nur Opfer."
"Denkst du das?"
Ja. Es war alles, was ihr das Mitleid für Luzcilla bewahrte.

"Also? Wie ist deine Antwort?"
"Eine schwere Frage", griff Darna Luzcillas eigene Worte auf. Und ebenso schien die Antwort klar.
"Die Antwort ist einfach - für mich wäre sie einfach."
"Ja - weil du die weitertragenden Konsequenzen deines Tuns nie abwägst. Du achtest kaum darauf, wen du mit deinem blinden Handeln verletzt."
"Ich mache das, was richtig ist."
"Das glauben wir beide", entgegnete die Ritterin kühl, die Hände auf dem Rücken verschränkt.

Der Sturm namens Luzcilla Amarth riß an ihren Blättern und Zweigen, doch noch war nicht die Zeit, sich zu beugen - noch nicht.
"Daß mir keine Gefahr droht, glaubst du selber nicht."
"Ich gebe dir mein Wort!"
"Zu DIR mag ich Vertrauen haben... zum Alka nicht", entgegnete sie ruhig.
"Ich gebe dir eine Woche. Mehr kann ich den Todgeweihten nicht geben. Danach werden sie bluten."
Es schienen Luzcillas letzte Worte zu sein. Darna verengte die Augen.
"Ich bin mit dir noch nicht fertig.
Du jagst auch Erinna."
"Aye. Was ist mit Erinna?"
"Ich möchte, daß du auch sie in Ruhe lässt."
"Was erdreistest du dich? Denkst du wirklich, dein Leben ist so teuer, daß du alles dafür verlangen kannst?"
"Du hast eine interessante Frage aufgeworfen, Luu... was ist ein Menschenleben wert?"
"Aye."
"Und was ist man selber wert... Du forderst alles von mir. Alles, was ich freiwillig geben könnte. Fast schon mehr als das."
"Aye."


Die letzte Karte

"Wie kann ich dir beweisen, daß du irrst? Muß ich dich erst verprügeln, engstirniges Weib?"
"Du hast schon einmal verloren, nur weil die - von dir akzeptierten - Regeln andere waren, als du es gewohnt bist."
"Aye. Erinnerst du dich an meine Worte danach?"
"Oh ja, nur zu gut", nickt Darna ernst.
Es lief darauf hinaus, oder? Sie konnte, sie durfte nicht einfach so zustimmen. Und sie durfte nicht einfach gehen. Durfte nicht gehen, bevor sie nicht alles versucht hatte.
"Du tötest noch immer, wenn du einfach nur kämpfst. Wieso sollte ich das auf mich nehmen wollen?"
"Das musst du entscheiden", lächelte Luzcilla. Es war bereits entschieden.
"Ich glaube kaum, daß du meine Bedingungen annehmen würdest - und alles andere macht keinen Sinn."
"Was wären deine Bedingungen?"
"Daß, wenn ich gewinne, du die beiden Gefangenen freilässt und deine Rache an Erinna begräbst. Ohne Weiteres, ohne daß ich mitkomme."
"Bei welchen Bedingungen? Kampf bis zur Bewusstlosigkeit?"
"Gewinnst du... ist mein Blut der Preis für ihre Freilassung. Und ich werde dir folgen, egal, was seine Hoheit oder sonstwer dazu sagt."
"Bei welchen Kampfbedingungen?"
"Bis zur Aufgabe."
"Aye - aber vor allen Zuschauern."
"Du nimmst an?", fragte Darna schon fast argwöhnisch, ungläubig.
"Aye. Gehen wir zurück, damit wir das hinter uns haben."


Kurz und schmerzvoll

"Sires..." Alle Blicke richteten sich auf sie, bis auf Luzcillas, die sich für den Kampf rüstete.
"Es wird ein Duell geben", fuhr Darna fort, "Ich bitte Sir Aradan, mir als Sekundant zur Seite zu stehen."
"Ihr wollt gegen Frau Amarth antreten?!
Wie in Temoras Namen konntet ihr euch auf solcherlei Dummfug einlassen Lady von Elbenau?" Aradan war selten so außer sich gewesen, daß er solche Worte wählte.
"Der Graf wird höchst begeistert sein wenn er davon erfährt. Ich hätte euch wirklich für klüger gehalten", entfuhr es Rafael. "Ich kann Eure Entscheidung nicht gutheißen!"
"Ich weiß, Sir Rafael." Sie senkte den Kopf. Der Tadel war zu recht gesprochen, aus ihrer Sicht, diese Wahrheit schmerzte. Was sollten sie auch denken? Nach langem Gespräch kamen sie zur Brücke zurück und die junge Ritterin gab kund, sich nach einem aussichtslosen Kampf erhobenen Hauptes in die Sklavenschaft begeben zu wollen.
"Doch mein Wort ist gegeben."
Es gab hiervor kein Zurück mehr. Luzcilla wartete.
"KOMMT schon, Ritterin von Elbenau!", rief sie, im Jubel der rahalischen Gefolgsleute badend, "Ich zeige Euch, daß SIE nicht über Euch wacht!"

"Denkt an das, was man Euch lehrte", sprach Aradan.
Sie kam nicht mehr dazu, die Worte auszusprechen, mit denen sie Temora selbst für diesen Tag dankte. Irgendwann nach "...deine Macht erhebe ich meinen Arm, der in Treue fechten soll für alle, die seiner bedürfen", fand Darna es bezeichnend, daß der erste Anblick, als sie die Augen wieder aufschlug, lauter Halme offenbarte.
Kleine Grashalme... abertausende...
Es war ein Wunder geschehen - sie lebte noch.
"Mein... Wort... wie besproch... en", brachte sie vor Schmerzen ächzend hervor. Luzcilla nickte und zog ab.


Verletzt an Körper und Geist

"Ein weiterer Schritt, uns vor Rahal lächerlich zu machen. Meinen herzlichsten Dank!"
Wenn das der Zorn Rafaels war, wie würde der seiner Hoheit aussehen?
Sie mochte darüber noch nicht nachdenken.

Sie brachten sie zum Haus von Sir Rafael, wo seine Frau ihrem Körper zu helfen wüsste - und nie zuvor war sie so dankbar gewesen, einen Templer zu erblicken. Ihn musste der Himmel des Weges geschickt haben. Manchmal rückte ihr schwer greifbar ins Beusstsein, daß sie seinen Namen bis heute nicht kannte, als Bettler hatte sie ihn das erste Mal in der Taverne zu Varuna wahrgenommen. Er war einfach "Euer Gnaden".
Und während Frau Angelinas Salbe den riesigen Bluterguß auf ihrer Brust kühlte, war Ithamars stoische Ruhe Balsam für ihre Seele.
Er legte ihr sein heiliges Symbol in die rechte Hand und sie schloß sie wie um einen rettenden Anker.
"Was hab ich getan?", ging es ihr immer und immer wieder durch den Sinn. Aradan schien bereits begriffen zu haben, daß sie dem Kampf nicht aus Leichtfertigkeit zugestimmt hatte, auch wenn er tatsächlich argwöhnt hatte, sie hätte ihn nur als halb gelogenen Deckmantel der Entschuldigung nehmen wollen. Es war nicht so.

Sie erzählte Ithamar alles, was sich zugetragen hatte, so, wie sie es wiederzugeben vermochte. Als sie an den Punkt gelangte, was sie alles aufzugeben bereit war, wusste sie nicht mehr wirklich weiter. Es war wie betäubend.
"Eure Schilderung verliert an Klarheit, Frau von Elbenau. Befragt Euch in aller Ruhe und fokussiert Eure Gedanken."
Er war eine Stütze, um sie bei diesem Wanken auf einem geraden Weg zu halten. Was wäre geschehen, wenn sie es nicht getan hätte?
"Hätte ich die drei da nicht rausgeholt, würde seine Hoheit sicher nicht wütend werden - doch es würde vielleicht alles seinen grausamen Gang gehen, sie alle drei würden sterben. Luzcilla ist brutal und energisch genug dafür. Die Gefangenen... hätten womöglich nichts gemerkt. Nicht gemerkt, daß ihnen jemand helfen wollte. Sie wären nur... grausam gestorben."
Ja, das war das wahrlich Entsetzliche daran. Vor Darnas Auge schob sich die Tatsache, daß alle drei sonst vielleicht ohne Hoffnung geblieben wären. Nur durch Zufall hatte sie von Arton erfahren. Der Templer schien bislang nicht einmal vermisst worden zu sein. Und von Erinna hallten ihr noch die Worte durch den Kopf:
"Varuna wird mir nicht helfen."
"Euer Gnaden, es ist mir egal, ob seine Hoheit wütend wird. Nein - nicht egal. Aber... dann ist es eben so."
Sie senkte die Stimme.
"Es ist nicht so, daß ich nicht Angst hätte, Euer Gnaden."

"Ihr seid also zu diesem Schritte entschlossen?"
"Es war die Bedingung des Duells - ich gab mein Wort und habe verloren."
"Ich werde Euch nicht widersprechen koennen, Frau von Elbenau. Nicht aus der Sichtweise des... Glaubens. Aus jeder anderen Sichtweise muß es wie Wahnsinn scheinen."
"Es ist nicht klug - doch ich hoffe, es ist trotzdem richtig."
"Es ist ein Opfer", fügte er zurückhaltend, fast ausweichend an, "Es könnte ein Opfer sein, das Eure Vorstellung übersteigt."
"Ich will nicht hochmütig sein, Euer Gnaden", erwiderte sie selber vorsichtig, "Tatsächlich dumm wäre es, den Alka zu unterschätzen. Nur... ich werde das..." Sie geriet ins Stocken und schüttelte den Kopf, den Tränen nahe. "Ich weiß nicht, was kommt."
Der Templer nickte beschwichtigend. "Ihr werdet bestehen."
"Ich möchte bestehen."
"Dann werdet Ihr bestehen...", wiederholte er behutsam, berührte sie sacht am Kopf, schenkte ihr die Ruhe eines Gebetes.

"Siebenfach ist unser Weg ... durch sieben Tugenden leitest Du uns an und gewährst uns deine Gnade. Nimm dieses Opfer deiner Dienerin gnädig an und führe sie auf ihrem Weg durch die Dunkelheit. Durch deine Tugenden soll sie obsiegen und kein Schaden soll ihr drohen... keine Gefahr soll sie schrecken, kein Schwert soll bis in ihre Seele dringen. Erhöre deine demütigen Diener und gewähre uns die Gnade, gewähre ihr die Gnade deines Schutzes. Der Segen der Göttin...", mit milder Zartlichkeit zeichnete die Kuppe seines Daumens einen siebenstrahligen Stern auf ihre Stirn.
"Siebenfach ist dein Schild... und siebenfach wird sie dich hüten. Vergesst es nicht, Frau von Elbenau. Wie dunkel es auch sein mag, es werden Euch stets sieben Wege offen stehen. Die Wege der Tugenden. Keine Macht kann sie euch verwehren."

Sie blinzelte, irgendwas wollte sich als Begreifen in ihren Geist drängen.
"Je länger ich darüber nachsinne, umso schmaler scheint mir der Grat zu sein, auf dem man zur Tugend der Aufopferung geht."
"Lange schien mir die Geistigkeit die schwierigste Tugend..."
"Wo viele der Tugenden schwer zu erreichen sind, halte ich Ehre für eine Tugend, die stattdessen schwer zu bewahren ist."
"Mitgefühl ist eine gewaltige Aufgabe, denn es ist die Ermahnung, sich stets als Teil des Ganzen zu begreifen."

Es waren schmale Grate, ja. Doch sie hingen doch zusammen! Wer sich im Wahnsinn an einem zu verbeißen wünschte, mißachtete doch die sechs anderen, die ebenso zu beschreiten waren.
"Verstehen und begreifen... das sind manchmal zwei verschiedene Dinge."
Sie wandelte nicht auf einem schmalen Weg.
"Was ich tun kann, ist getan", sprach der Templer.
"Und ich danke Euch herzlich für alles."

Sie sah zur Tür - davor... wartete Aradan, seit Stunden...


nicht allein

"Wie fühlt Ihr Euch?", fragte er warm und mitfühlend. Die Sorge in seinem Blick war nicht zu verleugnen. Hätte er ihr je wirklich zürnen können?
"Ich kam soweit zur Ruhe, Sir."
"Ich hoffe der Korporal wird das auch wenn er hiervon erfährt ..."
Adrenalon. Sie ächzte innerlich. Ach, wäre es durch nur einfach ihr Leben gewesen, um das es bei all dem gegangen wäre... doch wahrscheinlich hätte ihr Leben sich dann niemals überhaupt erst diesen Wert verdient, nicht wahr?
"Ich weiß, daß dieses Opfer nicht allein Gutes in sich trägt, Sir. Es tut mir leid für ihn. Für ihn und alle anderen, die dies außer mir verletzt", erwiderte sie ruhig. Auch wenn sie Ithamar sein Symbol zurückgegeben hatte, zehrte sie von der inneren Wärme, die es ihr gespendet hatte.

"Ich schätze eure Ehre Milady ... doch sagt, würde es Euer Wort brechen, wenn ihr nie in Rahal ankommt?"
"Verfallt nicht auf Wortklaubereien, Sir", bat sie leise, "Nicht jetzt. Wenn sie nicht wenigstens halbwegs kriegt, was sie will, wird ihr Zorn unermeßlich sein, weil sie sich betrogen fühlt. Ich habe ihr die Rache an Erinna abgenommen. Das war der einzige Moment, wo sie wütend wurde."

"Würde ich im Kerker landen, würde ich dafür beten, noch vor dem Betreten desselben befreit zu werden, Sir... Doch ich muß diesem Wort von Luzcilla trauen können, auch wenn niemand sonst es mehr tut. Und vielleicht gerade deswegen. Sonst ist alles tot. Alle Hoffnung. Dann habe ich gar nichts mehr, was ich von ihr erwarten darf und das heißt, mich bereits verloren zu geben."
Er verstand, nickte. "Ich will Euch aber nicht verloren geben, Milady von Elbenau...", sprach er und starrte nun vor sich hin.
"Dort sind Mächte am Werk welche wir uns nicht vorstellen können..."
"Seine Gnaden gemahnte mich an eine Kraft, die stets näher ist, Sir. Und ebenso unvorstellbar groß..."
Irgendwann schien es, sie hätten auch bei ihm Zuhause sitzen können, wie zuvor als Ritter und Knappin, an einem Tisch. Er mahnte, tadelte, riet, doch stets voller Liebe, wie ein Vater, ein großer Bruder. Und doch war etwas anders. Er tat ihr leid, wie er da so auf seinem Stuhl saß, sie glaubte zu spüren, daß er im Herzen kaum minder litt als sie. Er hatte soviel Kraft in sich und doch schien es ihr, als wäre nicht nur sie es, die Trost und Zuspruch brauchte.

"Ihr habt Euer Seelenheil aufs Spiel gesetzt - oder Ihr werdet es. Rahal ... ist ein Sündenpfuhl ... dort gibt es kein Licht außer Euch, selbst wenn es manchmal so scheinen mag. Dort ist nur Finsternis ... und so sehr ich bete das Ihr mit Eurer über alle Maßen tugendhaften Seele so lange wie mglich durchhaltet .. so sehr bezweifel ich, daß Ihr dies für Jahre schafft ... eine Befreiung wird aus genau jenem Grunde notwendig, egal wie man es dreht."
"Ich möchte bestehen", wiederholte sie.
"Das werdet Ihr auch ... sonst werde ich meine Ritterwürde ablegen..."
Sie weitete bei dieser ruhigen Feststellung von ihm entsetzt die Augen.
"Das ist regelrecht eine Drohung, Sir, was soll das?"
"Nein keine Drohung, aber ich könnte nicht weiter Knappen ausbilden wenn ich nicht wüsste das die vielversprechendste unter ihnen, jene mit einem so reinen Herzen wie das Eure gefallen ist, es wäre nicht richtig ... denn es würde bedeuten, daß ich versagt habe, indem ich Euch eigentlich auch auf solch dunkle Zeiten hätte vorbereiten müssen."
Sie sah ihn getroffen an. Auf sowas konnte man niemanden vorbereiten!
"Noch dazu ... würde ich niemals Euch gegenüber stehen wollen, denn ich könnte meine Klinge nicht gegen Euch erheben, nicht für die Krone, nicht für den Prinzen, für Niemanden ..."
"Es ist nicht Eure Aufgabe, irgend etwas ewig zu halten und zu stützen, Sir, wenn es nicht irgendwann die Kraft hat, auch selbst zu stehen, Sir."
"Hmm ... ja das mag sein ... aber ich wäre mir bei niemanden so sicher, daß es jene Kraft hat wie bei Euch milady ... ich glaube in Euch so fest, wie ich wohl nie wieder in jemanden glauben könnte und die Erkenntnis euch verloren geben zu müssen ..." - er schüttelte den Kopf.
"Ich könnte nie mehr jemanden ausbilden.
Darum will ich alles in meiner Macht stehende tun ... daß der Aufenthalt dort nicht länger dauert als nötig und ihr nicht länger als nötig auf die Probe gestellt werdet, denn dann ... werdet ihr bestehen können", endete er nickend.

Sie wusste hinterher nicht mehr zu sagen, warum es nicht weh getan hatte, als sie ihre sitzende Position auf der Liege verließ, um zu ihm treten zu können. Sie legte ihre Hand an seine Schulter, als er fragend zu ihr aufschaute - sie beugte sich herab und gab ihm einen sanften geschwisterlichen Kuß auf die Stirn.
Wie konnte sie sich je verloren oder allein glauben?
Er lächelte ein wenig und eine einzelne Träne rann seine Wange herab, verdeutlichte den Kummer und die Sorge, die er um sie selber hatte.

"Ich vermisse die Tage da Ihr als meine Knappin gedient habt, es hat ... jenes Haus einfach mit Leben erfüllt."
"Dann horcht in Euch, Sir",antwortete sie sacht, "Ihr seid ebensowenig allein wie ich."

Morgen musste sie ins Schloß.
"Nicht allein" - mit diesem Gedanken überließ sie sich dem Schlaf.


Lass warm und still die Kerze heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag;
Temora ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.


(aus "Von guten Mächten" von Dietrich Bonhoeffer)
Darna von Hohenfels

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Der Rittersaal.
Ihre letzte Zuflucht, die letzte Zuflucht in den letzten Tagen vor der unvermeidlichen Dunkelheit? Sie wurde gerade zum Gerichtssaal.

Adrenalons Faust krachte auf den großen Tisch, daß die Blumen in der Mitte einen kleinen Hüpfer machten. Als er die Hände löste, aus der für ihn typischen Verschränkung der Arme vor der Brust, dachte sie für einen Moment, er würde ihr an die Gurgel gehen und sie mit bloßen Händen erwürgen.
"Aus jeder anderen Sichtweise muß es wie Wahnsinn scheinen."
Ja. Wie naiv war sie gewesen?
Adrenalon tigerte durch den Raum, Angst griff nach ihr, daß er durch den Vorhang einfach nach draußen stürmen würde. Er hielt inne und starrte die Wand an.
"Ich glaub das nicht...", flüsterte er, drehte sich um, starrte sie an, wurde lauter:
"Ich glaub das nicht."
"Sie würden sterben, Adrenalon." Sie wagte es kaum, sich zu verteidigen. "Nicht nur das. Geopfert. Abgeschlachtet. Jeder, allein."
Er lachte laut auf, ein Geräusch, das ihr nicht einmal bei Gernot so weh getan hatte.
"Bitte? Du etwa nicht??! Verdammt... WIE KANNST DU NUR?"
Sie senkte den Kopf, senkte den Blick, senkte selbst den Oberkörper, auch wenn es wehtat.

Vor ihr fuchtelte Adrenalon hilflos mit den Armen in der Luft herum.
"WAS IST DENN IN DICH GEFAHREN?"
Er senkte nur unwesentlich die Stimme, das Donnerwetter war noch lange nicht vorbei.
"Was, verdammt nochmal glaubst du, wer du bist?? Schau dich an! Verdammt, du hättest draufgehen können!! Ich fass es nicht... Ich fass es nicht!!!"
Sie schwieg, sie wusste selber keine Worte. Alles, was sie dazu getrieben hatte, bedeutete ihm nichts, im Gegenteil, er würde es nun womöglich nur noch mehr verantwortlich für das Leid machen, was es für ihn bedeutete.
Sollte sie ihm was von Mitleid für andere erzählen? Jetzt? Nein. Sie schwieg.
"Schau dich an, verdammt!"
Sie hob vorsichtig den Kopf. Er hatte am Tor schon mit Argwohn ihr Hinken bemerkt, als er den dicken Verband unter ihrem Hemd registrierte, hatte er sein Recht eingefordert, zu erfahren, was geschehen war. Und dies war also das, was er von all dem hielt. Und sie machte sich Sorgen wegen seiner Hoheit?
Er fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht.
"Du.. du wirst ernsthaft in die Höhle des Löwen gehen. Was soll das?? Fühlst du dich für alles verantwortlich? Oder willst du einfach nur mehr Gutes tun, als alle anderen? Verdammt nochmal!!"
Nein, dazu durfte sie nicht schweigen. Es war nie darum gegangen, sich an anderen zu messen.

"Ich will diesen Dreien die Hoffnung zurckgeben, von denen ich wusste, daß sie keine mehr haben."
"Darna, das ist grober Unfug! Wie kannst du dich auf ein", er ächzte laut, "Duell mit Luzcilla Amarth einlassen?!?"
"Weil sie mich nicht töten wollte."
"Nein? NEIN? Verdammt, schau dich an! Viel hat wohl nicht mehr gefehlt.
Du bist verdammt nochmal nicht die Weltgarde!"
In ihr krampfte sich alles zusammen, sie atmete langsam aus, schluckte.
Das tat weh, entsetzlich weh. Brauchte es denn eine 'Weltgarde', um drei Leben aus diesen Klauen zu lösen?
"Du bist doch ein denkendes Wesen! Wieso denkst du dann nicht nach, wenn es darauf ankommt."
"Glaubst du, es wäre mir leicht gefallen?" Er überhörte sie, sie brachte auch kaum verstehbare Worte zuwege.
"Was hast du dir dabei gedacht? Nichts? Das...gibt es doch nicht! Wie naiv kann man denn sein?!"
"Was wäre denn geschehen, wenn ich nichts getan hätte?", wagte sie nun doch in die Ecke gedrängt, sich zur Wehr zu setzen.
"Was denkst du? Wir spazieren nach Rahal, die Leute kommen frei, und stattdessen bist du da? Ein fairer Tausch."
Seine Stimme troff vor Ironie, doch er sprach mit der einzigen Person, die keine Ohren dafür hatte.

"Es gilt von uns beiden das Wort. Es geschah vor allen Zeugen."
"Das ist ja ...fantastisch." Er hob die Arme, ließ sie schlaff wieder fallen.
"Aber was solls. Hier ist ja keiner, der um dich trauert. Oder der sich gar Sorgen machen würde."
Sie furchte düster die Stirn. "Aradan ist nicht gewillt, mich aufzugeben." Sie sah ihn an, der Blick banger denn je. "Sei auch du es nicht, bitte..." - sie wagte es nicht, es auszusprechen.
"Achwas. Ich werde das einfach so hinnehmen, meinen Dienst weiter verrichten, die Ausbildung alleine beginnen und so weiter und so..."
Seine Augen weiteten sich plötzlich, als er selber begriff, was er da gerade tat.
"Mensch, Darna!!!!" Sie zuckte zusammen wie ein waidwundes Tier, in dessen Verletzung man rumbohrte. "Verstehst du denn nicht? Du hast anscheinend keinen Moment an all jene gedacht, denen du was bedeutest!"
"Doch, habe ich", winselte sie brüchig, "Die ganze Zeit."
"Genau! GENAU!" Er brüllte.
"Ich wäre nicht gegangen, ginge es um euch. Dich."
Er wendete sich ruckartig zum Vorhang.
"Adrenalon...", flehte sie leise. "Geh nicht."
"Natürlich. Es geht ja um drei andere!!! Da bin ich doch nicht mehr wichtig! Oder Aradan! Oder vielleicht auch nur..DU SELBST!"
"Doch... Aber...", sie war kaum mehr zu hören, doch sein vernichtender Blick ruhte auf ihr.
"Aber was?", fragte er gefährlich lauernd und leise.
"Sie haben sonst nichts..."
"Und du. Du weisst nicht, was du hast, und haben kannst."
Seine Worte waren plötzlich einfach nur noch traurig, und stirnrunzelnd sah die Wache dem Korporal nach, der es einer Träne nicht mehr verwehren konnte, an seiner Wange herunterzurinnen.

Fassungslos sah Darna ihm nach, nicht fähig, sich zu rühren. Nicht zu wissen, was sie hatte... doch, sie wusste es - spätestens jetzt, wo sie es zu verlieren schien.
"Adrenalon...", brach es erstickt von ihren Lippen, bevor sie am viel zu großen und leeren Tisch sitzend heulte wie ein Schloßhund.
Darna von Hohenfels

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Die erste Höhle des Löwen

Seine Hoheit war nicht amüsiert.
"Die Gefahr, die ich sehe, und da können mich auch alle Worte nicht wirklich überzeugen: Sie als Spielball Rahals zu sehen bringt möglicherweise viel eher Informationen über uns in ihre Hände, sowie ein Schwert an Frau Amarths Seite, das sich sodann willig gegen uns richtet."
"Niemals!", fuhr Darna nun empört auf. Die ganze Zeit hatte sie eher wie ein Häufchen Elend am Tisch gesessen und auf den Kerzenleuchter vor sich gestarrt, während Aradan den Grafen davon zu überzeugen versuchte, daß die Sache auch ihre guten Seiten haben mochte.
Unbeirrt fuhr Adrian fort:
"Oder aber sie wird ihnen überflüssig wenn sie eben dies nicht erreichen und auf die bekannte Weise Rahals entsorgen.
Die Mauern Rahals sind höher, man fliegt länger."
Darna wandte den Kopf bitter zur anderen Seite.

"Ich fragte mich, ob es nicht besser für Euch ist, Ritterin, Euch vor Euren irrsinnigen Wortgebungen zu bewahren, ohne Eure Ehre zu zerstören dadurch, daß Ihr jenes Wort brecht, indem man Euch einsperrt. Denn dann seid Ihr nicht mehr verantwortlich."
"Damit entehrt Ihr Euch weit mehr als mich, Euer Hoheit - wenn ich schon gefehlt haben sollte, dann lasst mich bitte dies büßen."
"Ihr wäret längst eingesperrt, hätte ich diese Option für weise gehalten", entgegnete er knapp. "Euch gehen zu lassen, halte ich indes auch nicht für weiser.
Ihr habt dort keinen Rückhalt und alles was Ihr erfahren werdet, ist die Verführung. Was gibt mir die Sicherheit, daß Ihr nicht dereinst zurückkehrt und durch sie neu geformt mir und auch dem König das Schwert in den Rücken bohrt?
Dieser Meritor würde Euch wohl hoch ehren."
Das war nicht sein Ernst, oder? Doch er sah nicht aus, als wäre er gerade zu Scherzen aufgelegt.
"Das wäre keine Ehre, Hoheit", erwiderte sie fest und mit plötzlicher Ruhe, "Jeder varuner Bettler ist edler geboren als dieser Emporkömmling und Königsmörder.
Und ich gehe nicht als Spion dorthin. Sondern, weil mein Wort für drei Menschenleben einsteht."

Sie richtete sich leicht auf, endlich schaffte sie es, ihre Fassung halbwegs zurückzugewinnen. Dieser Argwohn aus politischem Kalkül herrührend kränkte sie.
"Ich gebe zu, ich habe nicht Euch einen Dienst erwiesen, als ich einwilligte und selbst dagegen noch das Schwert zog. Doch wollt Ihr mir erklären, es war nicht recht, Hoheit? Ich hätte sie elendig und ohne Hoffnung auf den Opferaltaren Rahals enden lassen sollen?"
"Nein, das sage ich nicht, doch was ist so gewonnen?
Statt ihrer haben sie nun Euch zum spielen, um entweder zu bekommen, was sie wollen: in Euch eine neue Gefährtin, die das Schwert gegen uns hebt, ihren Wegen zu ehren - oder aber ein neues Opfer.
Die Zeit wird wohl zeigen, was sie in Euch haben."
Aradan mischte sich ein: "Mit Verlaub, Euer Hoheit... solange sie es noch nicht wissen bleibt Zeit zum Handeln und zu befreien..."

Adrian sah sie fixierend an.
"Tretet vor mich und wisst, was ich nun verlange ist mir toternst."
Musste es sie beunruhigen, daß er die Silbe "tot" so betonte? Sie stand vorsichtig auf, das linke Bein nicht zu sehr belastend. Es stand zu hoffen, daß sie nicht schon zur Übergabe noch wie ein Krüppel erscheinen würde.
"Ihr seid Zeuge, Hauptmann Krenor."
Sie sackte etwas ungelenk auf das rechte Knie, bemüht, den bandagierten Oberkörper gerade zu halten.
"Hebt die Hand und schört bei Ehre und Leben, daß keine Eurer Schritte und Taten, die ihr gehen werdet und kein Wort, das Ihr sprechen werdet, dem Reich zuschaden ist."
Es klang hart, doch sie war regelrecht dankbar für diese Worte. Es gebot ihr, zu schweigen, statt die Wahrheit sagen zu müssen. Mochte es sein, daß die daraus nötige Sturheit ihr das Genick brechen würde, aber... Sie hob die Hand.
"Meine Ehre so zu verlieren, ist gleichbedeutend damit, daß mein Leben wertlos wird - und genau so soll es dann enden, Euer Hoheit."
Sie presste die Kiefer aufeinander. Aradans Lippen bildeten nur noch einen schmalen Strich.

"Ein Wort, das ich wie jedes sehr ernst nehme", erwiderte Adrian nach einer kurzen Weile. "Jene, zu der Ihr Euch begebt, brach ihr Wort... Ich erwarte es nicht von Euch, doch sollte es geschehen, werde ich es als Hochverrat am Reich und seinem König werten."
Natürlich. Und es wäre gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Sie senkte zustimmend den Kopf.
"Eure Entscheidung kann ich leider nicht rückgängig machen, ohne Euch zu entehren - so hoffe ich auf Eure Treue zu Eurem Wort, nicht nur ihr gegenüber, sondern auch dem Reich.
Wisst, sie ist eine Wortbrüchige, daher solltet Ihr jener Frau nicht bedingungslos vertrauen, denn das wäre vielleicht Euer letzter Fehler."
"Kadavergehorsam hat sie überhaupt erst fallen lassen, Hoheit. Gehorsam, der ihre eigenen Schwüre sinnlos werden ließ. Ich will so nicht enden, Hoheit."
Gewissermaßen musste sie Luzcilla regelrecht dankbar sein... sie war ihr ein Vorbild.

Ein schlechtes.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Modesty, propriety can lead to notoriety
You could end up as the only one
Gentleness, sobriety are rare in this society
At night a candle's brighter than the sun

Takes more than combat gear to make a man
Takes more than a license for a gun
Confront your enemies, avoid them when you can
A gentleman will walk but never run

If, "Manners maketh man" as someone said
Then he's the hero of the day
It takes a man to suffer ignorance and smile
Be yourself no matter what they say

I'm an alien I'm a legal alien
I'm an Englishman in New York..."


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Ein Ritter in Rahal

Das Gefühl, unter den schweren Wachtürmen der Stadt des Brudermörders hindurchzugehen, glich dem einer schweren Eisentür, die sich hinter mir schloß.
Dafür waren zwei Menschen wieder Zuhause... ich musste es mir beständig vor Augen halten. Luzcilla redete, erklärend, wo ich zukünftig essen, schlafen, leben, lernen würde. Lernen... ihren Weg, zu töten, wollte sie mich lehren. Und was stellte sie sich dabei vor, mir anzukündigen, mit mir im Alatartempel beten zu wollen?
"Wie stellst du dir das alles vor, Luzcilla? Träumst du?"
Ich brachte die Lippen nicht für mehr auseinander als ein knappes "Ja", "Nein" oder "Sicher". Regelrecht eine Gnade, mich auf die Zeiten berufen zu können, in denen ich als Knappe oder Kadettin die nötige Demut zur Pflicht gelernt hatte. Nicht argumentieren, bloß nicht.
In diesen Mauern war "sich um Kopf und Kragen reden" kein leeres Sprichwort, und ich hatte keinerlei Bedarf, es darauf anzulegen.

Dann, die rahaler Garde. Ein bunter Haufen, der angetreten war, es schien irgendwas außerdienstliches zu sein, oder? Still setzte ich mich an den Tisch und beobachtete die seltsame Versammlung.
Fremde Gesichter, größtenteils. Am schlimmsten war diese Hauptfrau, die die meiste Zeit ihren Helm aufbehielt. Schon, als sie bei der Übergabe verspätet angeritten kam, drängte sich mir sofortig die Angst auf, daß nun alles zu eskalieren drohte. Irgendwas haftete ihr an, was mir unheimlich schien, doch genau benennen konnte ich es nicht. Ich wusste nur mit sicherer Überzeugung, es war besser, ihr aus dem Weg zu gehen - auch wenn ich mir in ihrer Nähe stets sofort Schwert und Schild wünschte wie nichts anderes sonst.

Unter den Gardisten Rahals entstand auch mit meiner Ankunft Unruhe.
Nun... nein, eigentlich nur mehr Unruhe, als ohnehin schon. Der andere Grund für die Unruhe: die Pest...
Es schien, daß irgendjemand sich die Krankheit zugezogen hatte und nun ein Ausbrechen der Seuche zu befürchten war. Herrin Temora, wo war ich hier hineingeraten?
"Rahal ist ein Sündenpfuhl...", hatten Aradans Worte gelautet, und diese makabere Irrationalität, dieser blinde Zorn, die mir hier entgegenschlugen, erinnerten mich lediglich an das Armenviertel, an die Leute, die in ihrer hoffnungslos scheinenden Not versuchten, den Adel für ihr Elend verantwortlich zu machen.
Also durchatmen und die Worte ignorieren. "Die Pest kommt bestimmt davon, weil wir so Gewürm aufnehmen. Sowas kommt doch nicht von nirgendwo."
Welch Logik... noch vor meiner Ankunft gab es hier Pest, und ich sollte dafür verantwortlich sein? War das wieder einer dieser seltsamen Scherze? Nein, sicher nicht - es schien tatsächlich dieser mangelnde Verstand zu sein, der jede Vernunft ignorierte, um in einer Zeit der hilflosen Fragen befriedigende Antworten zu finden, gleichgültig ob Lüge oder Wahrheit.
"Die Hurendienerin, die noch immer nicht in Ketten liegt, sondern hier herumspaziert, als wär sie frei."
Das nannte er Freiheit...?
Es zeigte mir jedoch deutlich, mit was ich hier zu rechnen hatte. Die dunklen Seiten des Armenviertels.

Ein Gesicht erkannte ich ebenso, und es überraschte mich gleichermaßen wie auch nicht, sie hier zu sehen: Eine junge Frau, fast noch Kind, verwahrlost scheinend, die Haare verfilzte Strähnen. Sie schien Anhängsel im Gefolge von jemand anderem zu sein, wie ich. Sie setzte sich neben mir auf die Bank, während die Hauptfrau über alle Anwesenden die Quarantäne verhängte.
Ich hatte das Mädchen schon mal gesehen, in Varuna, und die Vermutung wurde Gewißheit, als sie mir unbekümmert einen Apfel entgegenhielt. Gleiches hatte sie in der Begleitung zweier Männer getan, die Adrenalon und ich dazu auffordern mussten, ihre Waffen in der Stadt abzulegen.
Das 'Apfelkind'... diese gleichmütige Unbekümmertheit, dieses Geben ohne Hintergedanken war mir ein wärmeres Willkommen in diesen dunklen Gemäuern als es mir alles andere bisher gewesen war, ließ selbst Luzcillas handreichende Geste zuvor am Wegekreuz leer und schal wirken.

"Dort ist kein Licht..."
Doch, Sir. Ich wärmte mich an seinem kleinen Schein, während ich das Stück Obst verzehrte. Es bot eine geistige Zuflucht, während ein obskurer Heiler mit widerwärtigstem Gebräu Heilung von der Pest versprach, es war etwas, was meinen Zorn besänftigte, als Luzcilla mir weismachen wollte, daß das varuner Militär Rahals Nahrung stehlen und die Brunnen vergiften würden.
Die Diskussion mit Ronya darüber, daß es auch ein Verbrechen bleibe, wenn man aus den Lagern Rahals Nahrung stehle, kam mir bitter wieder in den Sinn... und die Tiefländer, die fast gestürzt wären über eine blinde Rache, nur weil Rahal einen Mord in den Insignien der varuner Garde vorgetäuscht hatte...
"Lüge. Wie kommst du auf all das, Luzcilla? Welchem Wahn folgst du?"

"Ich bin Selissa."
"Temora ist mit dir, Apfelkind..."
"Ich bin Darna von Elbenau."
Ein kleines Stück Wärme, argwöhnisch beobachtet...
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Der Preis des Blutes

"Auf dem Schlachtfeld gibt es keine Ehre."
"Auf dem Schlachtfeld nicht - nur in einem selbst."
"Stimmt, dennoch muß man zwischen Leben und Tod wählen."
"Wer so denkt, gibt die Hälfte seiner Ehre schon auf."

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Ich habe noch nie zweimal am Tag das Gebet gesprochen. Noch immer knie ich hier und versuche... zu begreifen.

Ich dachte, ein Besuch bei Richard Amarth, diesem Widerling, wäre schlimm. Auf dem Weg dorthin die Mauern Berchgards zu sehen, keine zehn Schritt entfernt... war schlimmer.
Wie gerne hätte ich dem Zwergen zugerufen, er solle mich hier rausholen, auf dem Boden der Grafschaft, befreien von Luzcilla... doch ich fürchte, ich muß für den neuerlichen Schmerz dankbar sein.
Jeder Tag hier besteht aus Schlägen ins Gesicht, Ohrfeigen der Erkenntnis. Tarrak... Er sah aus wie einer der Schlächter, denen wir in Berchgard die Stirn boten, ich werde seine Worte nicht vergessen - einer von Luus besten Schülern, er freue sich darauf, zu ihr, nach Rahal zurückzukommen...
Ich begreife, warum sie uns für naiv und blind halten.

Darf ich auf dieses Flüstern in mir hören? Tröstend spricht es "Wie naiv warst du denn? Erinner dich, du hast Aradan davon abgeraten, ihn in die Garde aufzunehmen, der sorglose Umgang mit dem Zorn anderer hat dich an ihm abgeschreckt - im Kleinsten liegt nicht immer, aber oft wenigstens Hinweis auf das Ganze..."
Deswegen energischer gegen ihn vorzugehen, wäre Unsinn gewesen - welch maßloses Unrecht, wenn man irrt! Doch ich hoffe, er wird eines Tages die gerechten Früchte seiner Treue ernten, ich hoffe, er wird es bereuen.

Bereuen... Vergeltung... Strafen... Gutgläubigkeit...
Ich sehe Dinge, die sich meinem Fassungsvermögen zu entziehen scheinen, es schürt die Wut, die man leicht Dingen gegenüber empfindet, die man nicht versteht. Richard Amarth, seine Schmiede mitten auf den Landen der Grafschaft... und die Schlächterin Rahals geht hin und kann für jene, die sie ihre Günstlinge nennt, eine Rüstung aus edlem Erz fordern, ohne einen Gedanken an Bezahlung verschwenden zu müssen.
Tarrak, ihr Schüler, begrüßt sie herzlich, so wie sie ihn, und sie machen sich gemeinsam auf den Weg, eine Ritterin in der Kunst des Tötens zu unterweisen, ihr mit Leichtigkeit vorzuführen, warum sie schon nach wenigen Treffern in die Knie ging, unter den johlenden Begeisterungsrufen des Schergen Rahals.
Und ich sehe ihre Art des Kämpfens und sehe den Tod darin.

Ich habe heute wieder das erste Mal seit langer Zeit die Wut gespürt, die mir in den Kämpfen gegen Gernot zur Gewohnheit geworden war, die Aradan mir wieder abgewöhnt hat.
Ich musste seit nun schon längerer Zeit während des Kampfes wieder beten, schlicht, um nicht in einem Übungskampf Tarrak und Luzcilla zerfleischen zu wollen. Es erschreckt mich. Ich unterlag so oder so. Ich kämpfe nicht wie sie, weigere mich, so zu kämpfen, und kopfschüttelnd beweisen sie mir, wie oft sie dann gewinnen werden - fast jedes Mal, wenn nicht Wunder geschehen. Zwei Wege...
Auf dem einem liegt der Erfolg um jeden Preis, der Begleiter heißt Grausamkeit, am Ende warten Haß und Tod.
Auf dem anderen liegt der Erfolg nur dann, wenn jeder sich an die Regeln hält, der Begleiter heißt Gutgläubigkeit, am Ende warten Enttäuschung und Tod.

Wie nur, wie?
Wie lässt sich der Pfad des Bewahrens beschreiten, wenn man den Weg der Klinge wählt und wählen muß? Nie sah ich mich mit der bitteren Konsequenz meiner Überzeugung derartig konfrontiert, daß ein Ritter nicht der beste Kämpfer sein muß - es bedeutet angesichts der Taten des Brudermörders, das eigene und schlimmer noch, das Leben anderer nicht schützen zu können.
Ich habe es so dahergesagt, doch die Erinnerung an einen von mir selbst gesagten Satz vor dem Kampf kehrt als neue Ohrfeige zurück:
"Ich gehe davon aus, daß du den ersten Kampf deutlich verlierst."
"Es steht ohnehin zu erwarten, daß ich einen Kampf ohne Waffe verliere, Luzcilla."

Wann ist die Grenze der Nettigkeit erreicht? Ist der Weg der Ehre unter den Notwendigkeiten des gegenseitigen Mordens nicht mehr gangbar?
Nein... falsch, ganz falsch, es muß falsch sein...
"Ehre kann man nicht als solches 'tun'. Ehre entsteht aus dem Bewahren tugendhaften Verhaltens."

...
DAS ist der Schlüssel!
Mitgefühl - der Grund, warum die Nutzung von Gift und mutwillige Verstümmelung indiskutabel ist.
Gerechtigkeit - der Grund, warum wegen eines Toten nicht zehn massakriert werden.
Aufopferung - der Grund, warum das Leben eines Einzelnen das mehrerer aufwiegen kann.
Tapferkeit - der Grund, warum selbst aussichtslos scheinende Kämpfe gefochten werden können, warum Raum für Wunder bleibt.
Demut - der Grund, warum selbst hinter der Niederlage noch Platz für Hoffnung ist.
Geistigkeit - der Grund, am Ende all dessen die Wärme Temoras zu spüren.

Und nichts von alledem verbietet, mit aller Kraft zu kämpfen, im Gegenteil.
Nein... nein. Ich werde deinem Weg des Kampfes nicht folgen, Luzcilla. Nicht dem Haß darin, nicht dem Schwelgen im rücksichtslos errungenen Sieg, stehend im Blut des Gegners.
Doch lernen werde ich - von dir, ja. Ich werde lernen, was deine Finten sind, um ihnen begegnen zu können. Ich werde lernen, was deine Rüstung ist, um von ihren Schwachstellen zu wissen. Ich werde lernen, was deine Waffe vermag, um zu wissen, was sie nicht vermag. Ich werde lernen, wie du denkst, um zu wissen, was du außer Acht lässt.
Und ich denke... der Panther hat verloren, weil er an der Herrin nur die Federn sah, doch nicht die Krallen.

Temora, wenn dies der Weg ist... dann lass mich lernen, egal wie bitter die Lektionen sein mögen.

Nie sprach ich zweimal am Tag dieses Gebet.
"Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag."
Ich hörte Gernots Stimme wieder, sie hatte einige Zeit geschwiegen, doch nun wollte ich mich an diese spöttischen Worte erinnern: "Ich denke, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben?"
Ich konnte sie endlich wegwischen. Doch, Gernot, soll man - davor und danach.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

So kam das Ende...

"You build it up and tear it down,
there's no reason to follow you.
You left the song without a sound,
you left the story I made for you -
softly angels bow and cry
in the stillness of the night.

Never is a long time - goodbye..."


************************************

"DARNA!" Luzcillas Faust hämmerte an die Tür.
"Es geht gerade um dein Leben. Wir gehen... nimm deinen Kram - alles."
Bajard. Es musste mit Bajard zu tun haben. Es war nicht viel, was ich zusammenzuklauben hatte - doch beinahe hätte ich meine kleine Einhornstatue unter dem Bett vergessen. Ich hatte sie bislang nicht verloren; mein Anker, an Sir Hagen zu denken, die Mahnung, in diesem wunderschönen Tier stets die Reinheit der Welt zu sehen.
Tarrak und Richard begleiteten Luzcilla, und die Nervosität war greifbar.

"Varuna hat den Erhabenen. Und das Volk fordert dein Leben, wenn er nicht freigelassen wird."
Das war es also. Der schlimmste Alptraum schien einzutreten: Mächte, die Luzcilla nicht aufhalten konnte und die meinen Tod verlangten.
"Ihr habt Bajard selber angegriffen", zischte ich sie an, "Und nun soll ich also bluten, weil Letast gefangen ist?"
"Aye - Befehl der Ritterin."
"Und dein Wort?"
"Mein Wort hat Bestand - von daher... komm bitte mit, wir müssen dich schützen."
Eingekeilt zwischen Angst und Erleichterung folgte ich ihr - ausgerechnet zum Kerker.
"Luzcilla, was soll das?"
"Willst du sterben oder Körperteile verlieren?"
"Nein, natürlich nicht."
"Dann solltest du anfangen, mir zu vertrauen."
Welch Wahl...

Dann trat er ein, und ich dachte, mein Tod betritt den Raum. Ich weiß nicht genau, was es war - die schwarze Klinge, die er in der Hand hielt... war nur Symbol seines Wesens. Ich wusste seinen Namen nicht, doch ich wusste, er war mein Feind, und hier war ich ihm schutzlos ausgeliefert. Einzig Luzcillas Worte waren noch zwischen ihm und mir, und nur zu deutlich registrierte ich, daß sie es vermied, mich als Ritterin auszuweisen.
Nicht auffallen... ich beugte meinen Geist, war lediglich da, wie es ein unbeachteter Bediensteter und ein Knappe hinter seinem Herrn ist. Ich stand direkt vor ihm und dennoch spürte ich nur zu gut, daß sich jetzt alles daran aufhing, nicht seine volle Aufmerksamkeit zu erregen.
"Dem varunesischen Volk liegt viel an der Dame. Sehr viel."
"Wir sollten ihr den Kopf gleich hier abschlagen, so sie den Varunesen wichtig ist."
Manche erzählten von einer unerklärlichen Ruhe, die einen befalle, wenn man ein Messer an der Kehle hat, während andere schreien und winseln. Ich schloß die Augen.
Kein Winseln, nein. Doch auch kein Stolz. In diesem Moment schien nichts mehr in meinen Händen zu liegen - warum dachte ich dann ausgerechnet jetzt an das Symbol des Schwertes?
"So nehmt sie", sprach er, "und führt die Verhandlungen."
Ich war nicht einmal mehr fähig, Erleichterung dafür zu empfinden.


Das Südtor Varunas. Der Baum, den ihre Gnaden Valeth der neuen Stadt gepflanzt hatte. Der Baum, der mir nie etwas hatte bedeuten können, denn ich war nicht dabeigewesen.
Ich weiß nicht, was ich bei dem Anblick empfand. Irgendwas in mir schien tot und wagte nicht, zu atmen. Es hatte sich ähnlich angefühlt, als die zwei Räuber, die Sir Hagen auf dem Gewissen hatten, in die Galgenschlinge fielen. Nichts - Leere.
"Unser Wort darauf, daß Ihr danach mit den Euren gehen könnt. Ein Ahad gegen eine Ritterin" - Sir Rafael. Ich vermochte kaum, wirklich zu registrieren, wer dort alles stand. Ich sah die Farben des Hinrahclans, einer ihrer Krieger, doch ich konnte nur an Viola denken, an ihren Umhang, und immernoch die Frage, ob ich ihn ihr würde wiedergeben können.
"Euch glaube ich kein Wort", erwiderte Luzcilla, "Aradan soll vortreten."
"Ich gebe ebenso mein Wort."
Er war da. Es war das Erste, was diese Totenstille in mir zu rühren vermochte. Natürlich war er da. Sie standen da vorne, alle... was ich einzig nicht mehr merkte, war das Zittern, das nun langsam von mir Besitz ergriff. Weniger als zehn Schritt...

"Ich werde dich vermissen." Ein Kuß auf meine Wange, und ich wollte nicht über die Wahrheit und Lüge in diesen Worten nachdenken, ließ es regungslos geschehen.
"Komm, du darfst heim."
"Es war sicher nicht das letzte Mal." Hatte ich es geschafft, das zu sagen? Bitter war mir klar, daß dieses Land nicht groß genug war, um uns beide trennen zu können, mochte es zum Guten, oder - weit eher - zum Schlechten sein.
Die Grenze hieß Letast, und ich schritt an ihm vorbei, in den Kleidern Luzcillas, Aradans weiße Rüstung vor mir, seine Worte... "Kommt zu uns, Milady von Elbenau."
Zuhause.
Hatte ich gestern noch glauben können, dieses Martyrium tage- gar wochenlang überstehen zu können? Ich trat in ihre Reihen, als hätte ich es endlich geschafft, aus tiefer See wieder an die Oberfläche zu gelangen, endlich wieder atmen zu dürfen.

"Es ist vorbei, Milady." Besorgt ruhten die Blicke auf mir, ich konnte ihnen nicht allen begegnen. Zuviel... "Es erleichtert Euch nicht, befreit worden zu sein?"
"Doch..." Doch, ich musste etwas fühlen, nicht? Ich kam mir weiterhin vor wie grausam betäubt.
"Es soll ein Fluch auf ihr liegen", wurde abseits von Mund zu Ohr geflüstert, ich hörte es nicht.
Wir traten auf die Hauptstraße. Die breite Allee aus schlanken Bäumen, die Blumen...
"Adrenalon ist wieder da. Und Ihr seit ihm nicht egal. Ganz gewiß nicht."
Es tat mir um Aradans Besorgnis leid, doch ich konnte nicht mehr über meine Beine gebieten, die in diesem Moment ihren Dienst verweigerten. Ich hätte weinen, schreien mögen über diese... diese... Leere, hinter der nur Flammen auf mich warteten. Das erste Mal sah ich sie und sah, begriff, daß davor etwas fehlte, daß in mir etwas fehlte, wie ein Loch.
"Was habt Ihr?"
"Ich weiß es nicht. Ich... ich müsste froh sein und kann nicht..."
Grundgütige, nie im Leben hatte ich so sehr begehrt, aus tiefstem Herzen einfach zu sagen "Ich freue mich, Euch zu sehen, Sir", dieser sonst so hohlen Floskel, die ich stets mied, den Sinn zu geben, der ihr zustand. Doch es ging nicht. Tränen liefen stattdessen über mein Gesicht.
"Shhhht..."
In seinen Armen war ich geborgen und ich flüchtete mich unter seine Fittiche, ließ mich in die Umarmung sinken, die mein Herr und Bruder mir gewährte. "Ihr habt jene Prüfung überstanden. Ihr werdet auch diese bestehen", sprach er mir Trost zu. "Wir werden mit ihrer Heiligkeit reden, sie wird einen Weg wissen. Sie haben sich ebenso um Euch gesorgt. Stellt Euch vor, sie haben sogar bei uns nachgefragt."
Seine Gnaden, sein Rat im Haus von Lady de Arganta... wieder dieser schmerzliche Griff in die Leere, höhnisch brandeten mir die Flammen eines Scheiterhaufens entgegen.
"Shhht... es wird alles wieder gut, Milady. Kommt... wir bringen Euch zum Schloß, dort könnt Ihr Euch ausruhen."
Nein.
Nein... es gab einen anderen Ort, der zuvor verdient hatte, beachtet zu werden.


"Da war ich noch nie drin", sprach Hudgarr nachdenklich, das hohe Gebäude der Kirche musternd.
"Ihr braucht uns nicht zu folgen, wenn Ihr nicht wünscht - abr ich würde mich freuen", erwiderte Aradan. Wie viele Menschen dort draußen begriffen nicht?
"Diesen heiligen Boden braucht niemand zu fürchten..." - hätte ich es Luzcilla sagen sollen? Hätte sie je begriffen?
Es spielte keine Rolle, als ich vor dem Altar auf die Knie sank und allem Raum geben konnte, was mich in diesen Momenten bewegte. Zuhause. Waren es nur so wenige Tage gewesen, in denen ich eingesperrt in diesem fensterlosen Zimmer kaum gewagt hatte, laut zu beten?
"Siebenfach ist dein Weg, gütige Mutter.
Lass mich dir danken, daß ich ihn gehen darf. Lass mich dir danken, daß ich die Augen öffnen durfte für jedes Licht, das du in diese Dunkelheit sandtest. In Selissa, selbst in Luzcilla, jedes Licht... sie wiesen mir den Weg, daß ich bei dir bleiben durfte und hier zu dir zurückfand."
Das Temorakreuz, die Geistigkeit - sie hatte den Sinn bewahrt und erweitert, den ich in ihr gesehen, nein, erahnt hatte. Nie würde ich es wahrhaftig zur Gänze erfassen können, doch ich wusste, dies war eine Stunde, in der ich gestrebt und gesehen hatte - nun war die Zeit gekommen, zu mir zurückzufinden und zu verinnerlichen. Es würde dazu mehr als diese Momente jetzt hier brauchen...
"In jeder Nacht leuchtest du umso heller. Neben allem Zorn sind deine Tugenden nur umso klarer, mögen sie verborgen scheinen, nie sind sie versteckt...
Gebe das Licht deiner Wahrheit, daß es jeder sehe, der zu sehen gewillt ist. Keine Lüge hat Bestand. Neben dir wird die Dunkelheit zum fliehenden Schatten...
Schenke mir Erkenntnis, wo noch wirre Gedanken sind. Ich möchte lernen, Herrin, jeden Tag. Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag."

Es hätte soviel mehr gegeben, doch alles, was ich hier nicht in Worte fassen konnte, wusste die Gütige besser als ich. Und nie hätte ich mir ausmalen können, was dieser Tag noch weiter vermocht hatte, zu geben, in meinem zweiten Zuhause, dem Schloß seiner Hoheit.
"Hauptmann?", meldete eine Wache in den Gemächern der Ritterschaft, "Vor dem Tor steht der Korporal..."
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