Das größte Theaterstück der Welt

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Dazen Wolfseiche

Das größte Theaterstück der Welt

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Name der Inszinierung: Krieg
    Anzahl der Akte: Unbekannt

    Autor: unbekannt
    Darsteller und Statisten: Die Beseelten, Seelenlosen, mit Verstand Geplagten und die Götter selbst
Auszüge aus der Inszinierung

Als Vorwort sei gesagt, dass die Akte und Szenen willkürlich benannt und allein aus der Sicht eines einzigen Protagonisten verfasst sind, gleichwohl zu den Szenerien sicherlich viele Sichtweisen vorhanden sein dürften. Im Grunde also handelt es sich wohl mehr um eine Art von Tagebuch, das in einen etwas zuträglicheren Rahmen verfasst sein will – allein der Nickeligkeit und der Tugenden wegen. Zum Beispiel wird der wache Sinn eher nicht diesseits vermutet, aber er soll wenigstens irgendwo gelebt werden, wenn schon nicht dort, wo diesem angeblich gefrönt wird. Ein Prosit auf das alumenische Reich, dem rechtschaffenen Glauben an die heilige Temora und ihren Tugenden, gleich welchem Kodex entsprungen. Keine Szene kann sich höher rühmen, als jene, in denen sie ihren Glauben so offensichtlich zur Farce werden lassen. Aber der Verfasser will nicht vorgreifen.
***
Akt 1 – Szene 1

Darsteller: Helisande Senheit, Thelor von Schwertfluren, Arenvir von Goldenfall, Lafayette, Dazen Wolfseiche

Den Umständen geschuldet, dass die Belagerung für die Alatari und ihre Verbündeten als verloren galt, blieb also eine Schlacht als geschlagen anzusehen. Des einen Leid war des anderen Freud, davon war mehr als sicher auszugehen, das Ende der Inszenierung damit aber nicht erreicht. Denn nach der Schlacht war vor der Schlacht.
Diese sollte auch ihre Fortsetzung finden, zunächst einmal auf Pergament und mittels geschriebener Worte. Gleichwohl sollte der geneigte Beobachter, Leser oder Zuschauer wissen, womit sich diese Lettern, die zwischen den verfeindeten Reichen verschickt wurden befassten:
  • Der wache Sinn

    Der ritterliche Mensch ergibt sich nicht dauerhaft tumben Vergnügungen oder allein der Gewalt seines starken Armes, sondern er bildet auch seine Verstandes- und Seelenkräfte durch das Anhören von klugen Balladen, durch Lektüre und Gebet aus. Unter der Priesterschaft wird der „Wache Sinn“ besonders gelebt, während die Paladine und Tempelritter naturgemäß den „Starken Arm“ betonen.
Wie es die Götter so wollten, sollte ein Aufeinandertreffen beider Parteien dem geschriebenen Wort – also der Lektüre – vorausgehen. Ein Besuch sogar, zu dem Alumener gar Alatari einluden. Verbündete ließ der gemeine Alatari ungern im Stich, der Würdenträger noch viel weniger. Also begab sich die kleine Delegation erwählter Eingeladener vor die Tore Adorans. Die Zusicherung des freien Abzugs wurde frohen Mutes zur Kenntnis genommen und wenn mit einem zu rechnen war, dass zumindest in solcherlei Belangen das Wort gehalten wurde. Eine kleine Narretei, die solche folgten, die von Intrige nichts verstanden oder wahren Glauben heucheln mussten. Bedauerlich für sie, umso erfreulicher für die Gegenseite. Die am Vortag vorausgegangene Klage über das Fehlen eines Blumenstraußes war nicht ungehört geblieben.
Das Duell sollte ausgetragen und gewonnen werden, ein Strauße von weißen Rosen und roten Nelken wurde überreicht und die Delegation zog um eine Person reicher wieder unbescholten ab. Vielleicht sollte an der Stelle noch erklärt werden, dass Frau Knappin und Oberstleutnant des geschätzten Regiments von Lichtenthal sich gegen den Gouverneur der Insel stellte und der Pirat ihr das Fell ein wenig gerbte, ganz verdient und gekonnt, während die geladenen Gäste dem Kampfe brav folgten und mit dem ein oder anderen Einwurf den Gouverneur gar beflügelten – oder die gesamte anwesende alumenische Bagage nervös machte durch unstetes herumwandern.

Da nun daheim befunden wurde, dass der Strauß nicht reiche, um die wahren Gefühle zu verdeutlichen, wurde Feder und Pergament gewählt und ein Brief verfasst, ganz dem wachen Sinne entsprechend in Worte gekleidet, die mehrerlei Deutung zuließ. Der Verfasser war sich indes sicher, dass die holde Maid auf der anderen Seite dies recht zu verstehen wusste. Und so verbrachte der treue Bote Lafayette die Botschaft ins alumenische Reich.
  • Die schützende Pranke des Allmächtigen über Euch, Teuerste.

    Es sind schon wieder ein paar Tage ins Land gestrichen, an denen wir uns nicht gesehen haben. So dachte ich mir, ich bringe mich wieder in wohlwollende Erinnerung.

    Beigefügt habe ich diesem Schrieb gleichwohl eine kleine Gabe zur Lehre. Ich habe mich getraut einer eurer Tugenden anzunähern - der des wachen Sinns, gleichwohl ich feststellen musste, dass weder Malerei noch Musizieren etwas für mich ist oder gar je sein wird. Ich fürchte, das Gebet ist tatsächlich der Aspekt, der mir am nächsten ist. Vielleicht findet die Fabel ja dennoch Euer Wohlgefallen.
    Es wäre mir eine über alle Maßen große Freude, Ihr könntet sogar eine Lehre daraus ziehen, so wie es bei Fabeln ja der Sinn sein soll.

    Ich hoffe indes, es verläuft für Euch alles in den rechten Bahnen, dem Herrn zum Wohlgefallen. Ehrlich gesagt, bin ich ein wenig besorgt um Euch.Nicht nur wegen Eures Seelenheils, sondern auch wegen der davon getragenen Verletzung aus dem Duell.

    Die Verletzung macht hoffentlich nicht zu sehr zu schaffen und die Genesung möglichst rasch voranschreiten. Nichts ist schlimmer als in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein. Das wünsche ich dem ärgsten Feind nicht.

    Inzwischen verbleibe ich in stiller maßvollen Verehrung und wünsche Euch, dass dem Allmächtigem gefällt, was Er auf Euren Wegen zu sehen bekommt. Auf dass Er im Guten über Euch zu richten weiß, wenn Ihr einst vor Ihm steht.


    Ritter Dazen Wolfseiche
Ob die Fabel von Furie und Wolf wohl ihren Gefallen fand?

Womit er indes nicht rechnete: Das arme Wesen musste sich gar sehr fürchten, denn es reichte die Zeilen direkt zum nächsten und so weitete sich die vermeintliche Brieffreundschaft auf zunächst eine weitere Person aus: Arenvir von Goldenfall. Erst hierdurch wurde dem armen Ritter bekannt, wer sein wahrer Vater zu sein schien, der ihm wohlwollend Ratschläge zu geben bereit war. Irritierend befand er allein den Pluralis, dachte er doch dieser sei Herzögen und Königen vorbehalten, aber was machte das schon. Es las sich fein. Doch die Bitte auf einen Termin hierzu blieb bis dahin zunächst ungehört.
  • Wissen und Weisheit unter Phanodains aufmersamen Blicken, Ritter Wolfseiche.

    Man kam nicht umhin, Eure letzten Ausschweifungen in Bezug auf unsere Knappin Senheit mitzubekommen. Was uns durch des Königs Begehr anvertraut, das schützen wir in Ausbildung, Rat und, so nötig, Tat.

    Wir würden es sehr begrüßen, besinnet Ihr Euch darauf, kein Ritter des Reiches, sondern einer des Alatar zu sein und sähet Euch nach einem passenden Weibe unter Euresgleichen um. Solltet Ihr darob eines fachkundigen Rates bedürfen, laden wir Euch ein, Euch vertrauensvoll an uns zu wenden, auf das wir Euch beratend unterstützen.

    Wir schließen diese Zeilen mit dem Wunsch Euch bis zur nächsten Schlacht wohlauf zu wissen, Euch dort vermutlich zu töten und nach Nileth Azur zu entsenden und verbleiben Euer ergebener Feind,


    Arenvir van Tilianas
    Oberst a.D.
    Magister Magus Concilium Phoenicis
    Frh. v. Goldenfall
    Und Euer ständiger Albtraum, wenn Ihr diesen Unsinn nicht bald aufgebt, mein Sohn.
Gleichwohl erhielt auch der Freiherr seine Antwort per Boten überbracht – und wieder musste Lafayette die Beine in die Hand nehmen, der arme Wicht.
  • Die schützende Pranke des Allmächtigen über Euch, verehrter Vater.

    Ich bin etwas irritiert davon zu erfahren, dass Ihr mein Vater seid. Bislang ging ich der Annahme meine Frau Mutter sei dem Mann treu gewesen, den ich Vater nenne. Aber bei allem was ich von Euch hörte und sah, könnte der Gedanke auch wieder nicht so fern liegen, daher also mein überschäumendes Temperament manchmal.

    Da Väter ja nunmal ihren Söhnen gute Ratschläge zu vergeben haben und ich gehalten bin, dank meines Glaubens, von den Älteren zu lernen, nehme ich das Angebot des Ratschlages an. Sagt mir doch einfach, wann und wo wir uns treffen sollen.

    Ich hoffe in diesem Zuge, auch den tatsächlichen Beweis Eurer Behauptung zu erhalten.

    In einem will ich Euch allerdings klar widersprechen. Ich hege nach wie vor keine Ambitionen dieser Art für Frau Oberstleutnant. Dass sie ebenfalls zur Knappin erwählt wurde, freut mich indes, wird sie doch nach erfolgreich absolvierter Knappschaft dann sogar das einfordern dürfen, was sie sich inniglichst wünscht.
    Mein Ansinnen ist dahingehend allein nicht in Vergessenheit zu geraten und die gute Hoffnung für sie nicht aufzugeben. Ich bin mir sicher, das kann mir ohne Bang und Weh gestattet werden.

    Mir ist übrigens bewusst, dass ich ein Ritter des einzig wahren Reiches bin. Wie könnte ich vergessen vor Euren Augen so gefehlt zu haben, werter Vater?

    Wie stets ein Vergnügen von Euch zu hören, vor allem in der Hoffnung auf ein Treffen zu den angebotenen Ratschlägen. Ich will dabei doch sehr davon ausgehen, dass dies nicht empfindlich gestört wird durch übereifrige Regimentler. Wenn Ihr allerdings die Knappin mitbringen wollt, wäre ich höchst angetan.


    Ritter Dazen Wolfseiche
Die Antwort der Maid erhielt er verbaler Natur – und sie wurde als ernüchternd unkreativ befunden, ja, fast schon enttäuschend genug, um die den Schrieb des Freiherren als erhebend und Trostpflästerchen zu betrachten.
Dennoch, es wurde sich zu einer Antwort schriftlicher Natur aufgerafft.
  • Gegeben am 22. Ashatar 257 unter den wachsamen Blicken des Allmächtigen.

    Die schützende Pranke des All-Einen über Euch, Teuerste.

    Mit Bedauern muss ich feststellen, dass Euch offenbar doch der Mumm fehlt, den ich bei Euch vermutet hatte. Nun versteckt Ihr Euch schon hinter meinem Vater (zumindest bezeichnet er mich als Sohn, die Rechtmäßigkeit gehört wohl noch bewiesen). Sollte die Erwiderung von gestern etwa bedeuten, dass Ihr den alten Herren vorschickt, anstatt selbst zu tun, was Ihr ankündigtet?

    Ich gebe zu, das bräche mir das Herz, da ich auf eine innige Vereinigung mit Euch hoffte. Waren die Zeichen derer noch nicht genug? Sofern es derer mehr bedarf, lasst es mich wissen und ich will bemüht sein noch unendlich viele Hinweise dergestalt zu finden, bis mein Ansinnen verstanden wird. Es liegt mir fern Duelle auszufechten euretwegen, wisset das. Immerhin zerstörte es doch Euer eigen Ansinnen, das Ihr mir mitteiltet in dem ruhigen Moment der trauten Zweisamkeit bei einem guten Kaffee, begleitet von dem leisen Plätschern der Meereswellen.

    Vielleicht solltet Ihr in Erwägung ziehen unsere Privatsphäre zu wahren, meine Liebe, wenn Ihr noch auf ein gutes Gelingen hofft, auch wenn ich den Eindruck gewinne, dass Ihr dies nicht mit Eurem Gewissen vereinbaren könnt.
    Nur wie soll es so möglich sein einandner endlich besser kennenzulernen?

    Ich verbleibe in bester Hoffnung,


    Ritter Dazen Wolfseiche
So wurden die Nachrichten überbracht und es geschah, dass wieder mehr Post zurück verbracht wurde – armer teurer Lafayette, der sich die Füße wund lief. Und wieder sah sich der Ritter überrascht, allein davon, dass ein Kronritter offenbar jede Contenance verlor und des Ritters Gehänge bedrohte. Eifersucht war ein schweres Laster – und soweit bekannt – die Liebschaft zwischen Freiherr und Nichts.. nun.. nichts? Was nur würde der König von all dem denken, so sinnierte der Herr Ritter vor sich hin.
Sollte dieser auch nur ein wenig von seinem Bruder in sich haben, nun, vermutlich rollten Köpfe. Hätte er auch nur ein wenig von seinem Bruder in sich, säße er vermutlich aber nicht in Adoran, sondern in Rahal. Vertrackt, aber beizeiten sicherlich eine Überlegung wert.
  • 25. Ashatar 257, Herzogtum Lichtenthal

    Da Ihr so frei wart, Herr Wolfseiche, im Namen Eures Gottes zu grüßen, möchte ich Euch allen erdenkliche Schutz wünschen, den Temora für eine arme und verlorene Seele des Wahns Alatars erübrigen kann, wobei ich befürchte, dass dies nicht viel sein wird, und natürlich auch Grüße des Alumenischen Großreiches Seiner Majestät Ador Segenus Corbinian Victor der Erste von Alumenas mit Euch.

    Es scheint mir so, als ob es reichlich schlecht um das Alatarische Reich bestellt ist, wenn ein Ritter des dunklen Gottes nun schon bei den Anhängern Temoras Brautschau betreiben muss. Ich vermute, wenn es so schlecht bestellt ist, wird spätestens unsere nächste Generation endlich das Pestgeschwür Rahal vom Antlitz Gerimors vertreiben können und somit endlich dem Land den Frieden ermöglichen, nachdem es sich seit Jahrhunderten sehnt.

    Um euren männlichen Gelüsten Einhalt zu gebieten, so sie Euer Antrieb sein mögen, um einer Knappin des Reiches und Offizierin Lichtenthals nachzustellen, sollte ich Euch warnen, denn sollten Eure Nachstellungen, Bemühungen und Bekehrungsversuche nicht aufhören, wird man zum Schutz der Knappin, ihres Ansehen und Rufes, etwaige Maßnahmen Eurer Person gegenüber treffen.

    Und ich versichere Euch, dies werden einschneidende Maßnahmen sein, die nicht unbedingt sie betreffen. Solltet Ihr vorhaben, Euch Eurer Gelüste gar ganz zu ergeben, kenne ich einen netten Balken am Eingang des Ortes Bajards, an dem man Euch zur Schaustellung Eurer Wollust auch an dem männlichen Gehänge genagelt, zur Zierde des Dorfes ausstellen kann.

    Ich hoffe deutlich genug geworden zu sein, auf dass Ihr Euren Jagdtrieb im Alatarischen Reiche auslebt, ansonsten betet zu Eurem Gott, dass Ihr mir gewachsen seid, wenn man sich begegnet.


    Sir Thelor von Schwertfluren
    Kronritter seiner Majestät Ador dem Ersten
Enttäuschend allein befand er nur den Brief der zu bekehrenden Maid, hatte er sich doch gerade von dort mehr versprochen an Geist und Scharfzüngigkeit.
  • Gegeben am 25. Ashatar 257, Berchgard

    Temoras ewiges, gleißendes Licht mit Euch, Ritter Wolfseiche.

    Ich hoffe, Ihr seid davon allzu geblendet, denn Eure Anwandlungen mir gegenüber lassen nur den Schluss zu. Wisset und nehmt für Euch an, dass ich keinen Herren vorschicken muss, um meinen Hof zu bestellen und meine Arbeit zu erledigen. Eine dieser Arbeiten seid Ihr, keine die mir unendliches Entzücken bereitet oder mich vor Freude erblühen lässt, aber immerhin im Glanze des ewigen, wahren Lichtes eine Arbeit, die zu erledigen ist.
    Treu als Dienerin des Reiches, Offizierin und Knappin, pflege ich die mir übertragenen oder die von mir übernommenen Aufgaben getreulich auszuführen bis zu ihrem Abschluss. In Eurem speziellen Fall ein bitterer Abschluss – für Eure Person.
    Versucht nicht in diese Zeilen irgendeinen Zweifel herauszulesen oder entfernt an Euch angelehnte Zärtlichkeit. Ihr seid ein Ritter Alatars und ich werde Euch töten.
    Nicht heute.
    Nicht morgen.
    Dennoch wird mein Gesicht das Letzte sein, welches Ihr seht, bevor Ihr Euren vergifteten Geist aushaucht.
    Der Ruf tötet den Mann. Die Frau ist der Ruf. Ich bin für Euch diese Frau.
    Schneidet Euch bitte nicht an diesem Pergament, es ist scharfkantig.

    Ich freue mich schon auf ein erneutes Zusammentreffen mit Euch. Vor allem auf den Moment, an dem meine Klinge Euch trifft.

    Temora beschützt. Ehre Reich und Krone.


    Senheit
Und so war es an der Zeit einen weiteren Brief zu verfassen – sowohl an die Holde, die sicherlich alles andere als Ziel irgendeiner Geschichte war, die in den Laken endete, als auch an den vermeintlich Gehörten armen Kronritter. Der Wortlaut wollte noch nicht so ganz als Tinte auf das Pergament fließen und so endeten die Versuche samt und sonders zunächst auf dem Stapel der Pergamente, die wieder sauber abgeschabt werden mussten. Vergeuden wollte hier schließlich auch niemand etwas.

Zu sehr war der Ritter betroffen, wie wenig dem wachen Sinne gefolgt wurde auf der anderen Seite, so dass er wahrlich die rechten Worte suchte, um seiner Empörung und seinem Bedauern darüber Ausdruck zu verleihen. Gleichwohl wollte er es sich nicht nehmen lassen, genau darauf zu verweisen und auf die Verrohung hinzudeuten, davor zu warnen – denn der Feind soll ja respektiert sein und werden. Nur schmälert es den Respekt, das Ernstnehmen des Gegenübers, wenn… ja, wenn… dieser sich mit gehaltvoller Niveaulosigkeit parfümiert.

Bedauerlich, aber die Antworten sollten noch auf sich warten lassen, vielleicht schon so lange, dass die geneigten Verfasser der Schmähungen davon ausgingen, der Ritter gäbe klein bei und kneife selbiges ein, das dem Balken Bajards versprochen wurde.
  • Das Theater ist die Schule des Weinens und des Lachens.
    Federico Garcia Lorca
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

Akt 1 – Szene 2

Darsteller: Die Prätorianer und andere

Es gab Wendungen des Schicksals, die sich so mancher selbst nicht erklären konnte. So erging es dann und wann auch dem Verfasser des Stücks. Dazu zählte ganz bestimmt auch der plötzliche und doch sehr ansehnliche Zulauf, den die Gemeinschaft der Prätorianer erfuhr. Dazu gehörten ebenso ein getragenes Kleid und unliebsame Gäste. In den letzten Wochen war so einiges geschehen, das danach schrie in eine Szene gefasst zu werden, die würdiger kaum sein konnte, begonnen mit dem Salzmarkt, den der Verfasser niemals erreichte.
So muss der geneigte Leser oder auch Beobachter sich damit begnügen die Zusammenfassung dazu aus zweiter Hand zu erhalten, selbstredend gefärbt nach dem Bild, dass er selbst davon erhalten hatte. Auch hier sei dem Leser oder Betrachter gesagt, dass dies ganz sicher nicht in vollem Umfang der Wahrheit der Anwesenden entsprach, sondern seiner eigenen, veränderten Wahrheit, die er durch die Eindrücke gewann, die er dazu gezwungenermaßen in Erfahrung brachte. Auch sei vermerkt, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen war und daraus vermutlich noch mehr Bilder und Szenen folgen sollten.

Der Salzmarkt fand an einem Sonnentage statt, begann zu einer Stunde, zu der der Verfasser noch mit anderen Dingen befasst war, als sich dorthin auf zu machen. So ging es hier, wie in den Tagen davor und danach darum, einen weiteren Anwärter in die Gemeinschaft der Prätorianer Alatars aufzunehmen und einzuweisen.
Man möge dem Verfasser den schwarzen Humor verzeihen, denn was das „Einweisen“ anging, so kam er nicht umhin allmählich wirklich „Einweisungen“ zu geben in ein Haus, das dringend eines Geistheilers bedurfte. Der wiederum fand sich sogar einige Tage später zu seiner großen Freude.
Wie dem auch war und sei, der Verfasser entschloss sich daraufhin zusammen mit dem Neuzugang und der werten Templerin den Salzmarkt aufzusuchen, nicht ahnend in was für eine Katastrophe er hinein laufen sollte.
Es war ähnlich wie mit dem Manne, auf den gewartet wurde, und der nie ankam. So verhielt es sich auch bei dem Verfasser mit dem Salzmarkt. Kaum das Gardegebäude erreicht, wurde er der werten Magistra und der Hauptmann gewahr, die den Gruß nicht einmal abwartete und ihn gleich hineinzitierte. Das Empfinden, das sich einstellte, kam einer Kutsche gleich, die einen überrollte und mitriss.
Selbstverständlich folgte der Verfasser der Weisung – und ließ sich von der Kutsche mitreißen. Es war ähnlich wie mit diesen kleinen possierlichen Tierchen, wo der eine dem anderen folgt, auch den Abgrund hinunter. Den Weg dorthin gingen die zwei sogar, wenn denn der geneigte Beobachter eine Treppe als solches sehen mochte.
Dort unten folgte ein recht unangenehmes Gespräch, verfärbt von dem Zugetragenen und den eigenen Eindrücken, die nicht sonderlich schön und wenig respektvoll vorgetragen wurden. Der Verfasser kam sich vor, als wäre er der Schwerverbrecher, obschon er nicht einmal beim Salzmarkt angekommen war. Was also hatte sich zugetragen?

Es wurde unterstellt, dass unser geschätzter Wissenschaftler und Heiler, in seinem Fach hervorragend, menschlich und geistig allerdings ein wenig schwierig unterwegs zuweilen, einen Streit verursacht haben sollte, und zwar mit den salzverkaufenden Wüstenbewohnern. Gleichwohl wurde über die treusorgende Magistra und auch über die Lethrusae gewettert und getobt. Die eine sollte sich unberechtigt Zugang verschafft, die andere sich mitsamt den übrigen Kindern des All-Einen gegen die Garde gestellt haben und gleichwohl dafür verantwortlich sein. Der eine saß ein, die andere war mit den übrigen Kindern abgezogen, die Magistra hatte die Aufgabe vom Verfasser erhalten sich gemeinsam mit der Templerin um den Neuzugang zu bemühen. Wann und wo der angeblich verschaffte Zutritt in die Kerker der Garde stattfand, wusste ich noch nicht so recht.
Wie das nun so ging, gute Miene zum finsteren Spiel gemacht, trat der Verfasser in der klaren Pose des Tadelnden vor den üblen Schwerverbrecher, natürlich vor einer gardistischen Zeugin.
Dem Leser und Beobachter mag dies verwundern, doch wer sein Bühnenstück nicht verdorben wissen will, weiß wie er sich verhalten sollte in welchen Situationen. Der Verbrecher wurde also zurückgelassen im Kerker, in dem Glauben er hätte übles angerichtet, während gleichwohl draußen ein sogenannter Diplomat die Straße zusammenkeifte und Köpfe oder ähnliches forderte. Wie auch immer geartet die Strafe für ihn ausfallen sollte, so war dem Verfasser schon jetzt klar, wozu diese ganze Angelegenheit diente und der Krieg führte in die nächste Schlacht.
Es sollte festgehalten werden an dieser Stelle: Das Wort ist eine nicht zu unterschätzende Waffe und wer sie geschickt zu führen weiß, hat oftmals den besseren Stand, als ein keifender und geifernder Wicht, in egal welchem Tand und mit welchen Würden angetan. Der Verfasser begann sich dies zunutze zu machen.

Der Verbrecher wurde unter Auflagen am nächsten Tage aus der Haft entlassen, mitgenommen und bekam einige klare Befehle, damit sich ein solches Drama nicht wiederholte, denn wie der Verfasser nach Verlassen der Garde erfuhr, war der Salzmarkt zu einem dramatischen Ende gekommen.

Ein Tag später wurden Berichte verfasst, gesichtet, eingereicht an korrekter Stelle, unaufgefordert gleichwohl. Immerhin waren die Anwesenden und der Verfasser bei dem desaströsen Ende des Salzmarktes daran interessiert das Reich stete Unterstützung zu sein. Es war schon erstaunlich, wie die sachlichen Berichte das zuvor gehörte fast vollständig im Stande waren zu negieren. Da stellte sich doch die Frage, wer die Tatsachen zu seinen Gunsten versuchte vollständig zu verdrehen und wer bei der Wahrheit blieb. Aber… konnten drei Aussagen für sich genommen, soviel Lüge enthalten, wenn sie doch sehr ähnlich ausgerichtet waren und das ohne jede getroffene Absprache?
Das zu entscheiden überließ er geneigt und ehrfürchtig jenen, die dafür bestellt waren dies zu tun. Allerdings verstand er nur zu gut, wohin das alles führen sollte, und es ließ ihn lächeln.

Keine zwei oder drei Tage später hatten sich die Mitgliederzahlen der Gemeinschaft mehr als verdoppelt. Natürlich war dem Verfasser klar, dass erst dann Zeit für Luftsprünge war, wenn sie sich samt und sonders in der Gemeinschaft hielten, sich weiterhin zeigten, zusammenhielten und auch zusammenarbeiteten. Aber allein die Tatsache, dass ein solcher Zulauf stattfand, sprach dafür, dass die Gemeinschaft wahrgenommen wurde.

Und kaum kam es zur Entscheidung, waren Gespräche geführt worden, folgte auch das nächste desaströse Drama. Es faszinierte, mit anzusehen, wie sehr die Forderung nach korrektem Auftreten eine wahre Hysterie auslöste, wie Kleinkinder mit dem Fuße aufzustampfen, das eigene und persönliche Unikat an Plätzchen zu bekommen, bestenfalls noch mit einem süßsahnigen Überzug der schmackhaftesten Sorte.
Wie nur, fragte der Verfasser sich, sollte so jemand jemals Respekt erfahren? Noch dazu, da er im Angesicht des Herrn als Gefallen galt, als Nichtsnutz, als Taugenichts. Denn das musste so sein, hätte Er doch nicht einen anderen Weg für diesen beschieden, der niederer war als der Tempel, nieder er noch als die Bruderschaft, nicht einmal Teil der von Ihm gegebenen Hierarchie, sondern nur geduldeter Verbündeter und Gast. Und was gab er als Verbündeter für das Reich? Er sähte Zwietracht, sorgte für Zerwürfnis statt Zusammenhalt, steckte die Nase in Angelegenheiten, die nicht die seinen waren, hetzte, wetterte, zeterte – wie ein altes Waschweib auf der Wäschetonne herumspringend und geifernd. Wäre es nicht so maßlos traurig gewesen, er hätte gelacht. Doch das, was diese Szene mit sich brachte, war nichts als ein großes Drama, für das Reich, das Land und die Leute.
  • Diplomatie ist eine Kunst, und zwar die des Verhandelns. Der Repräsentant des Reiches ist dazu angehalten für das Reich das Bestmögliche zu erwirken, ganz im Sinne des All-Einen. Dazu gehört die Pflege zwischen langjährigen Verbündeten, als auch die Aufarbeitung und Verbesserung der Beziehungen zu Außenstehenden. Letztere aber können und sollen niemals so viel an Wert tragen wie die Verbündeten, die seit Jahren bereits das Blut gemeinsam mit den Kämpfenden des Reiches vergießen. Der Repräsentant ist stets dazu angehalten im Auftrage des Rates und des Alkas zu handeln. Persönliche Befindlichkeiten sind stets hinten anzustellen. Der Respekt für diese Aufgabe sei gegeben, nicht aber, wenn er scheitert.
Der geneigte Leser und Beobachter möge den Fehler selber finden, wenn die Verbündeten bereit scheinen sich abzuwenden, wenn der Repräsentant beliebt sich gegen einen guten Teil der Bruderschaft zu stellen, wenn er Respekt einfordert für sich oder andere, an Stellen wo er selbiges nicht annähernd für irgendjemanden im Reich übrig hat, der ihm nicht zum persönlichen Vorteil gereicht.
Der geneigte Leser und Beobachter möge sich an dieser Stelle vor Augen führen, mit welch heuchlerischer Figur in diesem Schachspiel das Brett beschmutzt wird. Der geneigte Leser und Beobachter vermag mit Sicherheit den leise schwelenden Zorn heraus lesen und hören, der mit diesen Zeilen einhergeht. Vielleicht wird er sogar die Beschämung erkennen, die dieser Repräsentant für den Verfasser bedeutet, sollte er doch das Reich einen, nicht spalten, es halten, nicht zerstören, gar von den Zielen des Herrn abzulenken aus persönlichen Befindlichkeiten und gestohlenem Naschwerk.

Was hätte der Feind sein wahre Freude, wüsste er von all dem, denn just im Augenblick präsentierte sich das Reich geschwächter denn je. Wer brauchte den Feind schon, wenn das Zerfleischen im Innern stattfand. Welch kleingeistiges und kurzsichtiges Gemüt diejenigen doch hatten, die nichts anderes als Macht im Sinne hatten zum eigenen Vorteil, und nicht in der Lage waren über den Rand des eigenen Suppentellers hinauszublicken.

Weh dem, der sich verlief in Ehrentitularien, in Ehrenwürden, in Vertrauensvorschüssen, und diesen nicht gerecht wurde, Stellungen darin sahen, die in der Hierarchie nicht vertreten waren, sich höher hielten, als sie standen und … umso tiefer fallen würden.

Die Schlacht war eröffnet.
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

Akt 1 - Szene 3

Darsteller: Prätorianer und andere

Der geneigte Leser und Beobachter kennt es ja schon. Wie stets erhält er hier die schöngefärbte Sicht des Verfassers in vollem Umfang präsentiert und die Schlacht hat begonnen. Der Fehdehandschuh wurde aufgehoben und diplomatisch ins Gesicht geklatscht, und das in mehrerlei Hinsicht, auch wenn dem Verfasser nur zu klar ist, dass die Schwester ihm dafür derbe den Hintern aufreißen wird. Es gab aber nun einmal auch Dinge, die sollten nicht unnötig warten und Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen.

Dafür taten sich andere Gelegenheiten auf, die ergriffen werden konnten und die den Verfasser aufs höchste entzückten. Eine gereichte Hand, die ganz den Eindruck erweckte, dass sie zu ergreifen mehr lohnte, als bislang gemachte Angebote in den Monden davor. Ausgesprochene Eindrücke, die zum einen amüsierten, zum anderen auch überraschten. Wer hätte schon gedacht, dass ein deutlicher Faustschlag auf den Tisch solch eine Auswirkung haben konnte? Ja, in der Tat, es gab noch Geschehnisse, die den Verfasser überraschen konnten - positiv, das musste an dieser Stelle dick und doppelt unterstrichen werden. Immerhin gab es solcherlei viel zu selten.
Zusammenarbeit, hurra! Und natürlich wurde die Gelegenheit beim Schopf ergriffen zu zeigen, dass selbige höchst willkommen und gewünscht war. So fügten sich alle Teilchen zusammen, die zusammen gehören sollten und ließen den Verfasser wieder leise lächeln. Und wäre das eine Teilchen nicht von anderer Herkunft, wäre das Teilchen nicht anderem, falschem Glauben verfallen - es wäre vielleicht vom gleichen Schlag. Bedauerlich, denn so ein Teilchen fehlte noch an der eigenen Seite. Aber, das wollte nicht heißen, dass dieses Teilchen nicht trotzdem von Nutzen war und bestimmt auch etwas werden konnte, dass zu schätzen wert war.
***
  •  Eine kleine Spinne krabbelt an der Wand,
    kommt der große Regen, spült sie in den Sand.
    Kommt die liebe Sonne, trocknet Haus und Land,
    eine kleine Spinne krabbelt an der Wand.
Eine Kreuzspinne versteht sein Handwerk. Er spinnt ganz feine Netze aus hellsten, zartesten Seidenfäden, die so klebrig sind, dass ein jedes flatterndes und fliegendes Insekt sich nur darin verfangen kann. Fleißige kleine Kreuzspinne.
***
Nebenschauspielplatz:

Schwere Zeiten machten sich dadurch bemerkbar, dass vieles entweder aus dem Ruder lief, oder sich die Bedingungen im gesamten Umfeld verschlechterten. Es waren nicht die Art schlechte Zeiten, die Hungersnot und Elend mit sich brachten, sondern mehr die, die Schmerzen mit sich brachten, und das nicht nur für andere.
Jedoch konnte in Schmerzen etwas Schlechtes gesehen werden oder aber etwas Gutes. Der Verfasser neigt dazu dem Ganzen etwas Gutes abzugewinnen. Schmerz schürt Zorn, Zorn schürt Hass, beides für sich genommen und kontrolliert, zur rechten Zeit aufs rechte Ziel gelenkt, waren eine nicht zu unterschätzende Waffe. Damit folgte der Verfasser ganz der geneigten Lehre des Herrn und Allmächtigen.
Ein Quäntchen aber an der ganzen Sache erschwerte es auch ihm. Schmerz schürte auch Zweifel. Stille Zweifel, die nicht ausgesprochen werden wollten, nicht ausgesprochen wurden. Die letzten Tage ließen viel Raum für Nachdenklichkeit, weitgreifende Schweigsamkeit und eine Spur Verschlossenheit. Veränderung war das Wort, das sich durch all die Vorfälle zog.

Ich frage mich, ob ich dem wirklich gewachsen bin. Ich frage mich, ob die anderen dem gewachsen sind. Den Veränderungen, die auf uns alle eindringen. Nicht nur ich merkte die Veränderungen, um mich herum und an mir selbst vor allem. Es war wie ein Umbruch. Humorlos.

Strafen, ich träumte schon davon, und das nicht sonderlich gut. Ein paar mehr Alben für mich in der Nacht. Ich bin nicht einmal in der Lage es humorvoll in dieses Theaterstück zu fassen, obschon es ein Teil davon ist. Das ist es, da bin ich von überzeugt. Die Zweifel, die Schmerzen, der Verlust von Humor, die Strenge, die Ungnade, die Skrupellosigkeit, die Selbstbeherrschung. Ich kann es nicht in ein Stück fassen, zu dem es gehört, alleine schon, weil es mich von mir selbst entfernt.

Ich finde Halt, im Glauben. Wäre dem  nicht so, ich wäre nicht nur gestrauchelt in der Vergangenheit, sondern hätte ganz versagt. So aber gehe ich weiter. Manchmal lege ich eine Rast ein um Kraft zu sammeln. Aus dem Glauben, aus Zuspruch, aus so einigem, das sich in der kurzen Pause weiterbewegt, gelingt es mir genug zu finden, um weiter zu gehen. Manches Mal ist darunter sogar ein Ansporn anderer Art. Etwas, das den Zorn weckt, der mich vorantreibt.

Ich finde Halt an ihrer Seite, so irrational mir das selbst auch vorkommt. Die Verbindung ist für mich nur schwer zu erklären. Realistisch betrachtet bietet sie mehr Zündstoff als alles andere. Das Ganze auf einen Weg zu bringen, der für uns beide erträglich ist, fällt uns beiden schwer. Immerhin aber werden die Tage zahlreicher, an denen wir uns nicht beharken wegen irgendetwas. Es sieht so aus, als wären wir auf einem guten Weg. Auch das verändert mich, lässt mich ruhiger werden. Ein wahrer Drache zähmt den Wolf? Das Bildnis lässt mich fast lachen, ist es doch so schön missverständlich. Denn immerhin gibt es ja noch die Furie, die sich für einen Drachen hält.

Erstaunlich, aber, die Furie ist auch eine Art Halt, eine Gewissheit im großen Ganzen, die etwas Beruhigendes an sich hat. Ich habe keine Angst mich ihr zu stellen, nicht einmal ein mulmiges Gefühl. Es ist mehr jungenhafte freudige Erwartung, die ich in diesen Momenten spüre, ganz so, als gäbe es gerade etwas Neues zu spielen und zu entdecken.

Und auch die Dauernörgler, die, die sich stetig gegen mich stellten, waren eine Gewissheit, eine Konstante. Wenn eines sicher war, dann dass sie sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen würden, in dem Versuch mir ein Bein zu stellen. Eine weitere Gewissheit für jene: Ich trete euch auch weiterhin mit Wonne die Füße unterm Hintern weg, auf dass ihr euch irgendwann den Steiß und danach den Hals brecht. Euer Hochmut ist der mein Nährboden. Eure Kurzsichtigkeit mein Vergnügen. Eure Impertinenz das, was mich immer wieder das Heft in die Hand nehmen lässt, um die Kämpfe zu bestreiten, die ihr herausfordert. Mein Ziel: Ein geeintes starkes Reich, zu dem auch die Verbündeten zählen, die uns schon seit Jahren begleiteten, oder auch jene, die neu dazu gestoßen sind. Jene, die es schwächen durch ihren Hochmut, ihren Egoismus, jene, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, dabei über Leichen gehen und sich für nichts anderes als sich interessieren, gehören ausgemerzt, vernichtet und niedergestreckt. Denn sie sind es nicht, die im Namen des Allmächtigen handeln und seinen Glauben leben, gelernt und verinnerlicht haben. Sie sind es, die das empfindliche Gefüge stören, zerstören und zugrunde richten. Sie sind es, die dem Feind die Möglichkeit an die Hand geben zu obsiegen, zu erreichen, was niemals sein darf. Denn SEIN Wille zählt und SEINE Ziele sind die meinen.

Alin sagte mal: Leg dich nicht mit Wolfseiche an. Ich fürchte, sie hatte Recht. Manchmal vermisse ich diesen Quälgeist dann ja doch, auch wenn ich es niemals zugäbe.

  • Hochmut kommt nach dem Aufstieg.
    Walter Ludin
Zuletzt geändert von Dazen Wolfseiche am Dienstag 14. Oktober 2014, 18:23, insgesamt 2-mal geändert.
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