Reisen bildet. Ein Satz, den jedes Kind kennt. Ein Satz, der viele Jugendliche dazu verleitet, solche Reisen tatsächlich zu unternehmen. Die einen, um in ihrem gewählten Beruf voran zu kommen, die anderen um sich die Welt anzusehen, in der wir leben. Ich bin keine Jugendliche mehr. Um ehrlich zu sein habe ich diese Phase meines Lebens schon vor vielen Jahren hinter mir gelassen. Aber das hat mich nicht davon abgehalten, eine dieser viel gerühmten Reisen zu unternehmen, als man es mir auftrug. Und gebildet hat sie mich tatsächlich. Natürlich vor allem in meinem erwählten Beruf. Ich studierte viele, verschiedene Heilmethoden und lernte, sie anzuwenden. Aber eine weitaus wichtigere Lektion wurde mir erst kürzlich zuteil. Manchmal ist es leichter zu gehen, als zurück zu kommen.
Inzwischen bin ich seit Tagen - oder sind es schon Wochen - wieder hier. Ich gehe durch die Straßen, die mir einmal vertraut gewesen sind und stelle fest, dass sie sich fremd anfühlen. Ich sehe die Statue an, die den Mann zeigt, dem ich einst loyal diente. Heute ist er tot. Nichts mehr übrig, von seiner Lebendigkeit und ich stelle fest, dass es eine leere Stelle irgendwo tief in mir hinterlässt, das zu wissen. Ich kenne seinen Nachfolger nicht und bin mir nicht einmal sicher, ob ich diese fremde Heiligkeit kennen lernen will. Es erfordert einige Anstrengungen, mich daran zu erinnern, dass auch Faolan mir einst fremd war. Und er ist nicht der Einzige, der in den Schatten einer tiefen Nacht auf mich zu lauern scheint. Meine geliebte Schwester ist fort. Ich bin mir nicht sicher, ob sie das Exil gewählt hat, nach Hause zurückgekehrt ist oder den Tod gefunden hat. Hrathen, der mich einst lehrte was Loyalität bedeuten sollte ist tot. Hingerichtet für einen Mangel an Loyalität. Welch eine Farce. Von anderen weiß ich, dass sie fort gegangen sind um nicht mehr zurück zu kommen. Wohin? Das weiß wohl nur der All-Eine. Aber trotzdem sehe ich sie in meinen Träumen… Und dann sind sie nur zu lebendig. Schatten und Nachtmahre, geboren aus einer fremden Stadt.
Andere aus meiner Vergangenheit in dieser Stadt sind noch hier. Aber selbst sie sind mir zu einem Teil fremd geworden. Es scheint beinahe, als hätten wir nur eine Weile den selben Weg geteilt, um jetzt in unterschiedlichen Richtungen weiter zu gehen. Tut es mir weh? Vielleicht. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Wieder andere haben sich verändert. Darkan ist einer davon. Er hat sein Auge eingebüßt und wer weiß schon, welche Narben er sonst noch davon getragen hat. Vielleicht wird er wieder ein Teil meines Lebens hier sein. Ich vermag es nicht zu sagen. Sicherer ist es wohl bei Arendor. Ich erinnere mich an viele Dinge und manchmal scheinen sie die Gegenwart zu überlagern. Ich erinnere mich daran, dass ich mit ihm gestritten habe. Ich erinnere mich auch daran, dass er an mich glaubte. Aber auch das ist lange her und liegt irgendwo in einer Vergangenheit, von der ich mir nicht sicher bin, dass sie existiert. Oder vielleicht ist es die Gegenwart, die nicht existiert? Auch an Tara erinnere ich mich aus meinem Leben vor dieser Reise, von der ich mir wünsche ich hätte sie niemals gemacht. Verheiratet. Ein zweites Kind. Ich hätte es nicht glauben mögen, hätte mir jemand anders davon berichtet. Aber es ist schön, sie wieder zu sehen. Schön zu sehen, dass nicht alle verschwunden sind. Ich glaube das hätte mich dazu bewogen nicht zu bleiben. Wenn niemand mehr übrig wäre, der sich noch erinnern kann.
Aber natürlich gibt es auch neue Menschen in meinem Leben. Meine Schülerin ist eine davon. Vielleicht wird sie länger ein Teil davon sein, vielleicht auch nicht. Das wird wohl nur die Zeit zweifelsfrei belegen können. Dazen Wolfseiche ist eine weitere, flüchtige Bekanntschaft. Starrköpfiger, sturer Esel von einem Mann der er ist. Aber zumindest muss es ihm wieder gut gehen, denn nachdem ich ihn behandelte habe ich nicht wieder von ihm gehört. Ein gutes Zeichen, so weit. Und nun auch Helena. Taras Tochter, die kommen wird um die ersten Grundlagen dessen zu erlernen, was ich kann. Die Heilkunst ist nicht der Weg, den das Mädchen einschlagen wird, das weiß ich. Oder ich glaube es zu wissen. Aber wenigstens einen Teil, nur einen Hauch meines Wissens will ich weitergeben. Will dafür sorgen, dass sie ihn mitnimmt. Besonders in den Zeiten, von denen ich mir sicher bin dass sie kommen werden. Nicht heute, nicht morgen. Aber wer kann wissen, was übermorgen geschieht?
Ich bin müde, das muss ich gestehen. Ich bin der Reisen müde und ich bin der stetigen Unwägbarkeiten müde. Und doch weiß ich, spüre ich, dass hier etwas auf mich wartet. Auch das lauert in den Schatten. Nicht in denen der tiefsten Nacht. Nein, es lauert im Morgengrauen. Im Zwielicht, weil es noch nicht weiß, was es sein will. Möge Alatar mir gnädig sein, denn ich weiß es auch nicht. Aber einstweilen muss ich versuchen, wieder anzukommen. Wieder hier zu sein. Wieder herauszufinden, wer ich eigentlich bin. Und manchmal… in den tiefsten Stunden der Nacht auf die zu lauschen, die einst mein Leben waren. Vielleicht gestatte ich mir, sie zu vermissen. Nur einen Moment, eine Stunde. Nicht zu lang. Aber ein wenig.
Von alten Freunden - und neuen Aufgaben
- Releana Kelbela
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Von alten Freunden - und neuen Aufgaben
Deine Schönheit zieht sie an - und ein Wolf ist jeder Mann
Merk dir eines: In der Nacht, ist schon mancher Wolf erwacht.
Weine um sie keine Träne - Wölfe haben scharfe Zähne.
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- Releana Kelbela
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“Lächeln steht euch.”
“Die Zeiten bringen viel neues, positives. Da liegt es mir nicht fern.”
Normalerweise konnte sie Einsamkeit gut ertragen. Sie konnte sie sogar genießen und hielt sie für überaus erstrebenswert. Allein zu sein bedeutete auch, in Sicherheit zu sein. Nicht schwach zu sein, weil jemand einen angreifbar machte. Und an diesem Tag, nach all dem, was geschehen war, hätte man wohl erwarten sollen, dass sie die Einsamkeit noch mehr zu schätzen wusste. Nur, dass dem diesmal nicht so war. Auf der anderen Seite konnte man allerdings auch nicht sagen, dass sie sich wirklich allein oder einsam fühlte. Nein, das war es nicht. Eher war das Gegenteil der Fall. Zum ersten Mal seit Monaten fühlte sie sich eben nicht allein. Zum ersten Mal seit Monaten hatte sie einen Abend ohne Streit oder Arbeit zugebracht, und sie fühlte sich wohl damit.
Umso mehr zeigte es ihr in erschreckender Deutlichkeit, was ihr fehlte. Was sie vermisst hatte. Sie war zu ihm gegangen, wutschnaubend und mehr als willens, irgend etwas kurz und klein zu schlagen. Eigentlich grenzte es an ein Wunder, dass sie überhaupt in der Lage gewesen war, die Entscheidung zu treffen ihn aufzusuchen und nicht zu tun, wonach ihr in diesem Moment der Sinn stand.
“Bitte… haltet mich davon ab etwas zu tun, das ich bedauern würde”
“Kommt herein”
Mehr hatte es nicht gebraucht. So wenige Worte, und der Zügel war da. Geforderte Ruhe. Geforderte Erklärungen, die ihre Gedanken strukturierten und sie zur Selbstbeherrschung zwangen. So lange, bis sie sich wieder bewusst war, wer und was sie war. Wo sie war. Vor allem aber mit wem. Ohne dass sie selbst es bemerkt hatte, hatte er sie beruhigt, besänftigt und wieder in einen Zustand versetzt, der es ihr erlauben würde, unter Menschen zu wandeln ohne jemanden zu verprügeln. Ein gefährlicher Mann, in der Tat. Es sollte ihm nicht so leicht fallen.
Ihre Entspannung vertiefte sich in der folgenden Unterhaltung und zwang die Muskeln in eine ungewohnte Gestik, in den letzten Monaten. Echtes Lächeln. Ehrlich empfundenes Lächeln, weil sie den Mann mochte, dem sie es schenkte. Weil sie seine Gegenwart zu schätzen wusste und die Unterhaltung wirklich genoss. Ungewohnt. Aber nicht unvertraut, nicht unangenehm.
Als sie ihn verließ, war sie sich einmal mehr bewusst, was er an sich hatte. Etwas, das sie dringend wollte. Etwas, das sie dringend brauchte. Ja, die Zeiten brachten viel neues mit sich. Wie positiv es werden würde, das musste sich erst noch zeigen. Aber einstweilen… ja, einstweilen war es sehr positiv. Eineinhalb Stunden. Eineinhalb Stunden um von alles verzehrender Wut zu einem ehrlichen Lachen zu kommen. Und zu einer Sicherheit, mit der sie wieder zurück nach Hause ging. Sicherheit, die sie brauchen konnte, in den Tagen die kommen mochten.
“Du wirst mich noch für meine Treue verfluchen…”, murmelte sie leise, als sie die Tür zu ihrem Haus aufsperrte und in den vertrauten Geruch nach Kräutern trat, der sich sofort wie eine Decke um sie legte. Falls er immer noch glaubte sie würde auf das symbolische Halsband warten, würde er sehr bald eines besseren belehrt werden.
“Die Zeiten bringen viel neues, positives. Da liegt es mir nicht fern.”
Normalerweise konnte sie Einsamkeit gut ertragen. Sie konnte sie sogar genießen und hielt sie für überaus erstrebenswert. Allein zu sein bedeutete auch, in Sicherheit zu sein. Nicht schwach zu sein, weil jemand einen angreifbar machte. Und an diesem Tag, nach all dem, was geschehen war, hätte man wohl erwarten sollen, dass sie die Einsamkeit noch mehr zu schätzen wusste. Nur, dass dem diesmal nicht so war. Auf der anderen Seite konnte man allerdings auch nicht sagen, dass sie sich wirklich allein oder einsam fühlte. Nein, das war es nicht. Eher war das Gegenteil der Fall. Zum ersten Mal seit Monaten fühlte sie sich eben nicht allein. Zum ersten Mal seit Monaten hatte sie einen Abend ohne Streit oder Arbeit zugebracht, und sie fühlte sich wohl damit.
Umso mehr zeigte es ihr in erschreckender Deutlichkeit, was ihr fehlte. Was sie vermisst hatte. Sie war zu ihm gegangen, wutschnaubend und mehr als willens, irgend etwas kurz und klein zu schlagen. Eigentlich grenzte es an ein Wunder, dass sie überhaupt in der Lage gewesen war, die Entscheidung zu treffen ihn aufzusuchen und nicht zu tun, wonach ihr in diesem Moment der Sinn stand.
“Bitte… haltet mich davon ab etwas zu tun, das ich bedauern würde”
“Kommt herein”
Mehr hatte es nicht gebraucht. So wenige Worte, und der Zügel war da. Geforderte Ruhe. Geforderte Erklärungen, die ihre Gedanken strukturierten und sie zur Selbstbeherrschung zwangen. So lange, bis sie sich wieder bewusst war, wer und was sie war. Wo sie war. Vor allem aber mit wem. Ohne dass sie selbst es bemerkt hatte, hatte er sie beruhigt, besänftigt und wieder in einen Zustand versetzt, der es ihr erlauben würde, unter Menschen zu wandeln ohne jemanden zu verprügeln. Ein gefährlicher Mann, in der Tat. Es sollte ihm nicht so leicht fallen.
Ihre Entspannung vertiefte sich in der folgenden Unterhaltung und zwang die Muskeln in eine ungewohnte Gestik, in den letzten Monaten. Echtes Lächeln. Ehrlich empfundenes Lächeln, weil sie den Mann mochte, dem sie es schenkte. Weil sie seine Gegenwart zu schätzen wusste und die Unterhaltung wirklich genoss. Ungewohnt. Aber nicht unvertraut, nicht unangenehm.
Als sie ihn verließ, war sie sich einmal mehr bewusst, was er an sich hatte. Etwas, das sie dringend wollte. Etwas, das sie dringend brauchte. Ja, die Zeiten brachten viel neues mit sich. Wie positiv es werden würde, das musste sich erst noch zeigen. Aber einstweilen… ja, einstweilen war es sehr positiv. Eineinhalb Stunden. Eineinhalb Stunden um von alles verzehrender Wut zu einem ehrlichen Lachen zu kommen. Und zu einer Sicherheit, mit der sie wieder zurück nach Hause ging. Sicherheit, die sie brauchen konnte, in den Tagen die kommen mochten.
“Du wirst mich noch für meine Treue verfluchen…”, murmelte sie leise, als sie die Tür zu ihrem Haus aufsperrte und in den vertrauten Geruch nach Kräutern trat, der sich sofort wie eine Decke um sie legte. Falls er immer noch glaubte sie würde auf das symbolische Halsband warten, würde er sehr bald eines besseren belehrt werden.
Deine Schönheit zieht sie an - und ein Wolf ist jeder Mann
Merk dir eines: In der Nacht, ist schon mancher Wolf erwacht.
Weine um sie keine Träne - Wölfe haben scharfe Zähne.
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- Releana Kelbela
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Kämpfen lernen. Sie hätte nun wirklich nicht gedacht, dass es irgendwann doch noch dazu kommen würde. Geschweige denn, dass sie darum bitten würde, dass man es ihr beibrachte. Nicht, dass sie kein Interesse daran gehabt hätte. Nein, das war es nicht, aber letzten Endes war sie doch immer die Heilerin gewesen, die hinterher die Verwundeten versorgte. Nicht die, die auf dem Schlachtfeld ihre Leute versorgte. Das war in Ordnung gewesen, irgendwie. Es war nachvollziehbar gewesen und hatte niemals einen Grund gegeben, das zu ändern. Bis heute. Und dieses Mal war der Grund gut genug. Er war ihr die Mühen, die blauen Flecken und Wunden wert, die es kosten würde, bis sie es beherrschte. Dieses eine Mal hatte sie einen Grund dazu, über sich selbst hinaus zu wachsen und zu werden, was sie vielleicht sein konnte. Wenn sie sich nur genug Mühe gab.
Als sie schließlich im Bett lag und zur Zimmerdecke empor sah, war von der Müdigkeit, die sie noch vorher überfallen hatte kaum noch etwas zu spüren. Sie war hintergründig da, doch ihre Gedanken konnte sie nicht im Zaum halten. Gedanken und Fragen, die nach einer Antwort verlangten. Einer ehrlichen Antwort. Und sie konnte diese Antworten nicht einmal von jemand anderem fordern, sondern würde sie selbst geben müssen.
Solche Fragen waren die Schlimmsten. Sie glichen dem Blick in den Spiegel, wenn man die inneren Dämonen nicht mehr unter Kontrolle halten konnte. Und nach dem heutigen Abend konnte sie diese Wesen ganz sicher nicht mehr kontrollieren. Mit einem leisen Seufzen schloss sie die Augen und stellte sich dem Blick in den sprichwörtlichen Spiegel. An Schlaf war ohnehin nicht zu denken, und solange diese Fragen durch ihren Kopf spukten auch nicht an die Arbeit.
“Ich bin mir sicher, dass Ihr mich nicht enttäuschen werdet.”
Pah. Natürlich würde sie das nicht tun. Wie sollte sie es auch, wo sie doch genau wusste, ahnte was er von ihr erwartete und was nicht. Schleierhaft war eher die Frage, was er sich darunter erhoffte. Offene Erwartungen waren leichter. Damit konnte man umgehen, weil ihr Zweck und ihr Inhalt sich nicht verbargen, wenn man nur aufmerksam genug hinsah. Schwieriger, speziell in diesem Fall, waren die Dinge, die unter der Oberfläche darauf lauerten, sie zu packen und in die Tiefe zu zerren. Die unterschwelligen Erwartungen, die er nicht in Worte fassen würde. Die Hoffnungen, die er nicht laut aussprechen würde. Die Dinge, über die er nicht einmal dann sprechen würde, wenn sie allein waren und viele der Höflichkeiten verzichteten, die in der Öffentlichkeit ein Muss waren.
Bisher hatte es gut funktioniert, in den eigenen Spiegel zu sehen und sich zu fragen, wie sie selbst reagiert hätte. Es war überraschend leicht gewesen, die Anzeichen zu deuten und Schlüsse daraus zu ziehen. Aber würde es auch bei anderen Belangen funktionieren? Dieser Abend hatte etwas von einer Partie Schach gehabt. Entspannt und gelassen, vielleicht. Aber Schach blieb Schach und sie hatten einander vielleicht mehr entlockt, als auf den ersten Blick zu erkennen war. Aber wie in jeder Partie Schach half es nicht, nur diesen einen Zug, diesen einen Abend zu betrachten. Es galt das was vergangen war ebenso im Blick zu behalten wie die Zukunft. Die Schwierigkeit dabei war nur, dass er Recht hatte. Sie spielten diesmal nicht gegeneinander. Dieses spezielle Spiel war anders, und er hatte es versäumt, sie rechtzeitig über die Regeländerung zu informieren. Aber dieses Spiel… konnte man auch zu zweit spielen.
Rasch erhob sie sich und tappte im Dunkeln die Treppe herauf bis in die Küche. Immerhin hatten sie eine Verabredung miteinander. Sie kramte in den Tiefen des Weinregals, ehe sie eine Flasche zutage förderte und sie ungeduldig von der Staubschicht befreite, die sich darauf gebildet hatte. Dann der Griff zum Pergament.
Als sie schließlich im Bett lag und zur Zimmerdecke empor sah, war von der Müdigkeit, die sie noch vorher überfallen hatte kaum noch etwas zu spüren. Sie war hintergründig da, doch ihre Gedanken konnte sie nicht im Zaum halten. Gedanken und Fragen, die nach einer Antwort verlangten. Einer ehrlichen Antwort. Und sie konnte diese Antworten nicht einmal von jemand anderem fordern, sondern würde sie selbst geben müssen.
Solche Fragen waren die Schlimmsten. Sie glichen dem Blick in den Spiegel, wenn man die inneren Dämonen nicht mehr unter Kontrolle halten konnte. Und nach dem heutigen Abend konnte sie diese Wesen ganz sicher nicht mehr kontrollieren. Mit einem leisen Seufzen schloss sie die Augen und stellte sich dem Blick in den sprichwörtlichen Spiegel. An Schlaf war ohnehin nicht zu denken, und solange diese Fragen durch ihren Kopf spukten auch nicht an die Arbeit.
“Ich bin mir sicher, dass Ihr mich nicht enttäuschen werdet.”
Pah. Natürlich würde sie das nicht tun. Wie sollte sie es auch, wo sie doch genau wusste, ahnte was er von ihr erwartete und was nicht. Schleierhaft war eher die Frage, was er sich darunter erhoffte. Offene Erwartungen waren leichter. Damit konnte man umgehen, weil ihr Zweck und ihr Inhalt sich nicht verbargen, wenn man nur aufmerksam genug hinsah. Schwieriger, speziell in diesem Fall, waren die Dinge, die unter der Oberfläche darauf lauerten, sie zu packen und in die Tiefe zu zerren. Die unterschwelligen Erwartungen, die er nicht in Worte fassen würde. Die Hoffnungen, die er nicht laut aussprechen würde. Die Dinge, über die er nicht einmal dann sprechen würde, wenn sie allein waren und viele der Höflichkeiten verzichteten, die in der Öffentlichkeit ein Muss waren.
Bisher hatte es gut funktioniert, in den eigenen Spiegel zu sehen und sich zu fragen, wie sie selbst reagiert hätte. Es war überraschend leicht gewesen, die Anzeichen zu deuten und Schlüsse daraus zu ziehen. Aber würde es auch bei anderen Belangen funktionieren? Dieser Abend hatte etwas von einer Partie Schach gehabt. Entspannt und gelassen, vielleicht. Aber Schach blieb Schach und sie hatten einander vielleicht mehr entlockt, als auf den ersten Blick zu erkennen war. Aber wie in jeder Partie Schach half es nicht, nur diesen einen Zug, diesen einen Abend zu betrachten. Es galt das was vergangen war ebenso im Blick zu behalten wie die Zukunft. Die Schwierigkeit dabei war nur, dass er Recht hatte. Sie spielten diesmal nicht gegeneinander. Dieses spezielle Spiel war anders, und er hatte es versäumt, sie rechtzeitig über die Regeländerung zu informieren. Aber dieses Spiel… konnte man auch zu zweit spielen.
Rasch erhob sie sich und tappte im Dunkeln die Treppe herauf bis in die Küche. Immerhin hatten sie eine Verabredung miteinander. Sie kramte in den Tiefen des Weinregals, ehe sie eine Flasche zutage förderte und sie ungeduldig von der Staubschicht befreite, die sich darauf gebildet hatte. Dann der Griff zum Pergament.
Kein Siegel. Nur ein Korb, in dem der schlichte Zettel samt der Flasche lag. Beides würde sie noch am Morgen in seinen Briefkasten legen. Danach hieß es abwarten. Es war sein Zug.Seinen Segen, Khazkal,
Ich bin mir sicher ihr findet den richtigen Zeitpunkt und die richtige Gesellschaft.
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- Releana Kelbela
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Es gab Tage, an denen sollte man erst gar nicht aufstehen. Erstaunlicherweise war das einer dieser Tage, obwohl er einiges positives mit sich gebracht hatte. Es war einer dieser Tage, die, wenn man sie von außen betrachtete wirklich zufriedenstellend verlaufen waren und nur dann ihre wahre Schrecklichkeit offenbarten, wenn man mitten drin steckte. Für Releana waren die Schrecken dieses Tages, so wenig offensichtlich sie auch für einen Unbeteiligten sein mochten, doch überwiegend gewesen. Wann genau hatte sie damit aufgehört, ein gleichförmiges, vorausschauendes Leben zu führen? Wann genau waren Kämpfe, Dämonen und Burgherren hinein getreten und hatten etwas anderes aus ihr gemacht, als sei das nicht weiter schwierig?
Eine von hundert Fragen, auf die sie keine Antwort kannte. Es war einfach passiert. Nicht von einem Tag auf den anderen, sondern als schleichender Prozess, der damit begann, dass sie keine Heilerin in Rahal mehr sein wollte. Mit dem Tag, an dem ihr bewusst geworden war, dass Hrathen nicht wieder zurückkehren würde. Alles was danach gekommen war, war eine Farce. Ein Versuch, ihr Leben wieder aufzubauen und von vorn zu beginnen. Wieder zu sein, was sie einst gewesen war. Erfolglos, in der Rückblende betrachtet. Nichts hatte ihre Aufmerksamkeit so sehr fesseln können, dass sie sich wirklich wohl damit gefühlt hätte. Nichts hatte sie wirklich aus ihrer Trauer, die sie niemals nach außen getragen hätte, reißen können. Und alles in allem hatte sie es eigentlich auch nicht gewollt. Sie hatte darüber nachgedacht zu gehen, die Stadt hinter sich zu lassen und ihr Glück anderswo zu suchen. Vielleicht sogar wieder zurück in die Heimat zu gehen und dort ein langweiliges Leben fern der heiligen Stadt zu führen. Und doch war sie geblieben.
Dann, mit der Belagerung, war auch er in ihr Leben getreten. Und mit ihm die Kämpfe, Dämonen und der sprichwörtliche Tritt in den Hintern, der sie dazu gebracht hatte, endlich aufzuwachen. Ihr eigenes Glück in die Hand zu nehmen. Wie hatte er es gesagt? Wer etwas haben will - der muss es sich nehmen. Nun, das hatte sie getan, oder nicht? Sie hatte die Gelegenheit die sich ihr bot ergriffen und war aus der Trauer aufgetaucht. Hatte begonnen etwas zu verändern, bis ihr Leben ähnlich genug und doch verschieden war. Und sie hatte sich erlaubt, ihr Leben erneut in die Hände eines Mannes zu legen. Loyalität. Treue. Das war es, was sie einst gelernt hatte. Und sie hatte auch gesehen, hatte an ihrem eigenen Leben gespürt, was geschah wenn es niemanden gab, dem diese Treue gehören konnte. Wenn ein wichtiger Platz in ihrem Dasein leer und unausgefüllt blieb. Schatten und Albträume waren dann die einzigen Begleiter, die man kannte. Selbst dann, wenn lebendige und lachende Freunde um einen herum waren. Schatten und Albträume. Davon hatte sie genug gehabt.
Das alles gehörte zu den Dingen, die sie nicht einmal sich selbst gegenüber wirklich zugeben wollte. Sie tat es, weil es sie geschwächt hätte, sich zu belügen. Aber gefallen musste ihr dieser Umstand nun nicht gerade, und er tat es auch nicht. Aber letzten Endes wäre das die Antwort gewesen, die sie Armoran hätte geben müssen. Die Antwort, die ehrlich gewesen wäre, und nicht nur ein darum herum reden. Viele Worte um nichts. Viele Worte um zu sagen, dass sie nur ein Gebot befolgte, und es kein persönliches Interesse gab. Aber das gab es. Wenn es um die eigene Existenz ging, dann gab es immer ein persönliches Interesse. Und wie hätte sie es in Worte kleiden sollen? Wie hätte sie einem Mann wie ihm erklären sollen, was es bedeutete in einem Berg von Watte zu leben, mit dem Gefühl dass nichts und niemand einen selbst erreichen kann? Die Menschen berührten den Körper, sie lief herum und sie sprach. Sie lachte und wütete in gleichem Maße. Aber sie war nie wirklich da gewesen. Nie wirklich… ganz anwesend. Wie hätte sie ihm erklären sollen, dass dieser unsagbare Dämmerzustand sie beinahe umgebracht hätte?
Und, letzten Endes, wie hätte sie ihm erklären sollen, dass ein gewisser jemand sie aus diesem Berg Watte herausgezogen und wieder in’s Leben gestoßen hatte? Augenscheinlich hatte er nichts getan. Er hatte sie nicht gezwungen, sie nicht aus ihrem Haus heraus gezerrt und gezwungen, sich all dem wieder zu stellen. Hrathen hatte ihr das nur ein einziges Mal angedroht, es aber nie durchgeführt. Nein, das war nicht die Art, die er an den Tag gelegt hatte. Er hatte sie auch nicht mit Silberzungen überredet es zu tun. Auch das war es nicht. Nein, er war schlicht da gewesen und hatte sie genug sehen lassen, um zu erahnen, dass er den leeren Platz würde füllen können. Und sie? Sie hatte geahnt, dass sich etwas ändern musste, damit er es auch tat. Es war ein Kraftakt gewesen, aber letzten Endes… hatte sie ihn gewagt. Für das Versprechen von etwas, das Rowan in bessere Worte gekleidet hatte, als sie selbst es hatte tun können. Er führt. Er schützt. Er straft. Er versteht.
An mehr zu denken, mehr auch nur in Erwägung zu ziehen, würde sie sich nicht gestatten. Sie würde nicht an die andere, leere Ecke denken. Und nicht an das Spiel, das sie spielten. Sie hatten sich gefragt, ob sie sich verbrennen konnten. Inzwischen kannte sie die Antwort mehr als gut. Sie konnten. Beide. Die Frage war nur, wie sehr? Und war die Wärme das Risiko der Verbrennungen wert? Die Zeit würde es zeigen, aber… rein aus Trotz, rein aus Protest würde Armoran nicht recht behalten. Auf keinen Fall.
Eine von hundert Fragen, auf die sie keine Antwort kannte. Es war einfach passiert. Nicht von einem Tag auf den anderen, sondern als schleichender Prozess, der damit begann, dass sie keine Heilerin in Rahal mehr sein wollte. Mit dem Tag, an dem ihr bewusst geworden war, dass Hrathen nicht wieder zurückkehren würde. Alles was danach gekommen war, war eine Farce. Ein Versuch, ihr Leben wieder aufzubauen und von vorn zu beginnen. Wieder zu sein, was sie einst gewesen war. Erfolglos, in der Rückblende betrachtet. Nichts hatte ihre Aufmerksamkeit so sehr fesseln können, dass sie sich wirklich wohl damit gefühlt hätte. Nichts hatte sie wirklich aus ihrer Trauer, die sie niemals nach außen getragen hätte, reißen können. Und alles in allem hatte sie es eigentlich auch nicht gewollt. Sie hatte darüber nachgedacht zu gehen, die Stadt hinter sich zu lassen und ihr Glück anderswo zu suchen. Vielleicht sogar wieder zurück in die Heimat zu gehen und dort ein langweiliges Leben fern der heiligen Stadt zu führen. Und doch war sie geblieben.
Dann, mit der Belagerung, war auch er in ihr Leben getreten. Und mit ihm die Kämpfe, Dämonen und der sprichwörtliche Tritt in den Hintern, der sie dazu gebracht hatte, endlich aufzuwachen. Ihr eigenes Glück in die Hand zu nehmen. Wie hatte er es gesagt? Wer etwas haben will - der muss es sich nehmen. Nun, das hatte sie getan, oder nicht? Sie hatte die Gelegenheit die sich ihr bot ergriffen und war aus der Trauer aufgetaucht. Hatte begonnen etwas zu verändern, bis ihr Leben ähnlich genug und doch verschieden war. Und sie hatte sich erlaubt, ihr Leben erneut in die Hände eines Mannes zu legen. Loyalität. Treue. Das war es, was sie einst gelernt hatte. Und sie hatte auch gesehen, hatte an ihrem eigenen Leben gespürt, was geschah wenn es niemanden gab, dem diese Treue gehören konnte. Wenn ein wichtiger Platz in ihrem Dasein leer und unausgefüllt blieb. Schatten und Albträume waren dann die einzigen Begleiter, die man kannte. Selbst dann, wenn lebendige und lachende Freunde um einen herum waren. Schatten und Albträume. Davon hatte sie genug gehabt.
Das alles gehörte zu den Dingen, die sie nicht einmal sich selbst gegenüber wirklich zugeben wollte. Sie tat es, weil es sie geschwächt hätte, sich zu belügen. Aber gefallen musste ihr dieser Umstand nun nicht gerade, und er tat es auch nicht. Aber letzten Endes wäre das die Antwort gewesen, die sie Armoran hätte geben müssen. Die Antwort, die ehrlich gewesen wäre, und nicht nur ein darum herum reden. Viele Worte um nichts. Viele Worte um zu sagen, dass sie nur ein Gebot befolgte, und es kein persönliches Interesse gab. Aber das gab es. Wenn es um die eigene Existenz ging, dann gab es immer ein persönliches Interesse. Und wie hätte sie es in Worte kleiden sollen? Wie hätte sie einem Mann wie ihm erklären sollen, was es bedeutete in einem Berg von Watte zu leben, mit dem Gefühl dass nichts und niemand einen selbst erreichen kann? Die Menschen berührten den Körper, sie lief herum und sie sprach. Sie lachte und wütete in gleichem Maße. Aber sie war nie wirklich da gewesen. Nie wirklich… ganz anwesend. Wie hätte sie ihm erklären sollen, dass dieser unsagbare Dämmerzustand sie beinahe umgebracht hätte?
Und, letzten Endes, wie hätte sie ihm erklären sollen, dass ein gewisser jemand sie aus diesem Berg Watte herausgezogen und wieder in’s Leben gestoßen hatte? Augenscheinlich hatte er nichts getan. Er hatte sie nicht gezwungen, sie nicht aus ihrem Haus heraus gezerrt und gezwungen, sich all dem wieder zu stellen. Hrathen hatte ihr das nur ein einziges Mal angedroht, es aber nie durchgeführt. Nein, das war nicht die Art, die er an den Tag gelegt hatte. Er hatte sie auch nicht mit Silberzungen überredet es zu tun. Auch das war es nicht. Nein, er war schlicht da gewesen und hatte sie genug sehen lassen, um zu erahnen, dass er den leeren Platz würde füllen können. Und sie? Sie hatte geahnt, dass sich etwas ändern musste, damit er es auch tat. Es war ein Kraftakt gewesen, aber letzten Endes… hatte sie ihn gewagt. Für das Versprechen von etwas, das Rowan in bessere Worte gekleidet hatte, als sie selbst es hatte tun können. Er führt. Er schützt. Er straft. Er versteht.
An mehr zu denken, mehr auch nur in Erwägung zu ziehen, würde sie sich nicht gestatten. Sie würde nicht an die andere, leere Ecke denken. Und nicht an das Spiel, das sie spielten. Sie hatten sich gefragt, ob sie sich verbrennen konnten. Inzwischen kannte sie die Antwort mehr als gut. Sie konnten. Beide. Die Frage war nur, wie sehr? Und war die Wärme das Risiko der Verbrennungen wert? Die Zeit würde es zeigen, aber… rein aus Trotz, rein aus Protest würde Armoran nicht recht behalten. Auf keinen Fall.
Deine Schönheit zieht sie an - und ein Wolf ist jeder Mann
Merk dir eines: In der Nacht, ist schon mancher Wolf erwacht.
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- Releana Kelbela
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- Registriert: Mittwoch 15. August 2012, 04:55
innocence, once lost, can never be regained.
Ein tiefer Atemzug. Die Luft war geschwängert mit dem schweren Geruch verschiedener Kräuter, mit den Dämpfen, die dem letzten Elixier entstammten, das sie in dieser Nacht gebraucht hatte. Sie konnte das brennende Wachs riechen, den weichen Geruch, der vage an Honig erinnerte. Sie konnte das Kiefernholz riechen, das neben dem Kamin lagerte um beizeiten die Flammen zu nähren. Doch jetzt war der Kamin kalt. Asche füllte die Feuerstelle und eine leichte, nicht unangenehme Kühle hatte sich über den steinernen Raum gelegt. Sie spürte, wie sich unter der Kälte jedes einzelne, noch so feine Häärchen auf ihrer Haut aufrichtete, die Haut sich zusammen zog um einen Schutz gegen die kühle Nachtluft zu schaffen. Ein vertrautes Gefühl.
Sie öffnete die Augen, blinzelte einige Male in das weiche Licht der Kerzen, die den Raum in flackerndes Licht und zuckende Schatten tauchten. Dann, schließlich, schüttelte sie mit einem leichten Lächeln den Kopf. Ihre Gedanken waren ganz woanders und das war nichts, was sie in dieser Nacht brauchen konnte. Seufzend rieb sie sich die Schläfen, strich die roten Wellen aus dem Gesicht zurück. Nur einen Moment. Nur einen langen Augenblick wollte sie sich noch der Ruhe hingeben, bevor sie sich schließlich wieder an die Arbeit machen wollte. Nur einen langen Augenblick die Kühle genießen.
Es fiel ihr schwer, sich von dieser Ruhe loszureißen. Es fiel ihr schwer, die Hand nach der Feder auszustrecken und sie ins Tintenfass zu tauchen, um ihre Aufzeichnungen fortzusetzen. Die Untersuchung der Maden gehörte nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Und doch war sie notwendig, war ein Teil ihrer Arbeit und schlussendlich auch ein Aspekt dessen, was sie so sehr liebte. Diamantstahl der durch das feste, harte Fleisch der Made ging wie durch Butter. Eine Pinzette, die die einzelnen, hauchdünnen Scheiben voneinander trennte. Konzentrierte Arbeit, beinahe wie in Trance. Und doch reichte es nicht an das heran, was sie eigentlich liebte, was sie mehr begehrte, als alles andere auf der Welt.
Es reichte nicht an das heran, weshalb sie einst Heilerin geworden war. Nicht an das Gefühl warmer Haut unter ihren Fingerspitzen, die so empfindlich waren, dass sie jede Unebenheit erspüren konnte. Nicht an die Muskeln, die unter der Berührung zuckten und bebten, eine Bewegung, die sich kaum kontrollieren ließ und die doch ihr allein gehörte. Das harte, robuste Gerüst der Knochen, das doch so zerbrechlich anmuten konnte. Und letzten Endes das Innerste des Menschen. Sein Blut, seine Organe. All das, was die Menschen tatsächlich zusammenhielt. Nichts reichte an diesen Moment heran, wenn sie die Hände auf einen verletzten Körper legte, in ihn eintauchte und zusammen führte, was einst zusammen gehört hatte. Für diesen einen, winzigen Moment schien die Zeit still zu stehen und dieser Mensch, dieses Leben gehörte allein ihr. Sie hielt es in ihren Händen, konnte damit verfahren, wie es ihr beliebte. Alles wurde zu einer Einheit, bis die Zeit wieder zu fließen begann und alles zu sein schien, wie zuvor. Nur, dass sie diesen einen Menschen nun kannte. Er hatte ihr gehört. Nur für einen Augenblick, nicht länger als ein Atemzug.
Ihr Blick hob sich von der Made, wanderte zur Wand, wo die Dolche hingen. Fein säuberlich, einer neben dem anderen. Einst war sie Heilerin gewesen, und nichts anderes als das. Es hatte keinen Grund gegeben, zu kämpfen. Sie fügte zusammen was zusammen gehörte und verletzte nicht. Einst war es so gewesen, aber die Dinge hatten sich geändert. Jetzt waren die Waffen an der Wand ihr nicht mehr fremd. Wenn sie sie zur Hand nahm, dann waren sie ihr fast so vertraut, wie die zierliche Klinge, die die Made zerteilt hatte. Es war ein harter Weg gewesen, und er würde noch härter werden. Ihr Schild über den Waffen kündete deutlich davon. Kratzer und Dellen von Schlägen, die dazu bestimmt gewesen waren, sie zu töten. War es immer so? War es das, was ein Krieger empfinden musste? Er oder ich? Leben oder sterben?
Sie wusste es nicht. Vielleicht hätte sie fragen können. Aber sie bezweifelte, dass es jemand verstehen würde. Es fühlte sich falsch an - und gleichzeitig so richtig. Als sei sie nun weniger und gleichzeitig auch mehr. Einen Augenblick fragte sie sich, ob es jemals wieder anders sein würde. Ob sie jemals wieder so sein würde, wie früher. Aber das würde sie nicht. Es waren Dinge geschehen und hatten sie geprägt. Hatten sie verändert. Hatten mehr aus ihr gemacht und einen Teil von ihr geformt, der sich niemals wieder in seine alte Form zurückbiegen würde. Es war wie mit einem gebrochenen Knochen. Er würde vielleicht wieder zusammenwachsen. Aber er würde niemals genauso sein, wie vor dem Bruch. Verlorene Unschuld, gleich welche Form davon, kehrte nicht zurück. Sie ließ sich nicht herbeirufen wie ein Hund, ließ sich nicht durch einen Verband wiederherstellen. Und nichts konnte geschehen, das aus ihr wieder die Heilerin machte, die niemals eine Waffe in der Hand gehalten hatte.
Wieder schüttelte sie den Kopf. Wieder wandte ihr Blick sich der zerteilten Made zu. Als sie diesmal an die Arbeit zurückkehrte, tat sie es mit Ruhe. Nein, einen Weg zurück gab es nicht. Sie musste nach vorn sehen und weitergehen, egal was es kosten mochte.
Ein tiefer Atemzug. Die Luft war geschwängert mit dem schweren Geruch verschiedener Kräuter, mit den Dämpfen, die dem letzten Elixier entstammten, das sie in dieser Nacht gebraucht hatte. Sie konnte das brennende Wachs riechen, den weichen Geruch, der vage an Honig erinnerte. Sie konnte das Kiefernholz riechen, das neben dem Kamin lagerte um beizeiten die Flammen zu nähren. Doch jetzt war der Kamin kalt. Asche füllte die Feuerstelle und eine leichte, nicht unangenehme Kühle hatte sich über den steinernen Raum gelegt. Sie spürte, wie sich unter der Kälte jedes einzelne, noch so feine Häärchen auf ihrer Haut aufrichtete, die Haut sich zusammen zog um einen Schutz gegen die kühle Nachtluft zu schaffen. Ein vertrautes Gefühl.
Sie öffnete die Augen, blinzelte einige Male in das weiche Licht der Kerzen, die den Raum in flackerndes Licht und zuckende Schatten tauchten. Dann, schließlich, schüttelte sie mit einem leichten Lächeln den Kopf. Ihre Gedanken waren ganz woanders und das war nichts, was sie in dieser Nacht brauchen konnte. Seufzend rieb sie sich die Schläfen, strich die roten Wellen aus dem Gesicht zurück. Nur einen Moment. Nur einen langen Augenblick wollte sie sich noch der Ruhe hingeben, bevor sie sich schließlich wieder an die Arbeit machen wollte. Nur einen langen Augenblick die Kühle genießen.
Es fiel ihr schwer, sich von dieser Ruhe loszureißen. Es fiel ihr schwer, die Hand nach der Feder auszustrecken und sie ins Tintenfass zu tauchen, um ihre Aufzeichnungen fortzusetzen. Die Untersuchung der Maden gehörte nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Und doch war sie notwendig, war ein Teil ihrer Arbeit und schlussendlich auch ein Aspekt dessen, was sie so sehr liebte. Diamantstahl der durch das feste, harte Fleisch der Made ging wie durch Butter. Eine Pinzette, die die einzelnen, hauchdünnen Scheiben voneinander trennte. Konzentrierte Arbeit, beinahe wie in Trance. Und doch reichte es nicht an das heran, was sie eigentlich liebte, was sie mehr begehrte, als alles andere auf der Welt.
Es reichte nicht an das heran, weshalb sie einst Heilerin geworden war. Nicht an das Gefühl warmer Haut unter ihren Fingerspitzen, die so empfindlich waren, dass sie jede Unebenheit erspüren konnte. Nicht an die Muskeln, die unter der Berührung zuckten und bebten, eine Bewegung, die sich kaum kontrollieren ließ und die doch ihr allein gehörte. Das harte, robuste Gerüst der Knochen, das doch so zerbrechlich anmuten konnte. Und letzten Endes das Innerste des Menschen. Sein Blut, seine Organe. All das, was die Menschen tatsächlich zusammenhielt. Nichts reichte an diesen Moment heran, wenn sie die Hände auf einen verletzten Körper legte, in ihn eintauchte und zusammen führte, was einst zusammen gehört hatte. Für diesen einen, winzigen Moment schien die Zeit still zu stehen und dieser Mensch, dieses Leben gehörte allein ihr. Sie hielt es in ihren Händen, konnte damit verfahren, wie es ihr beliebte. Alles wurde zu einer Einheit, bis die Zeit wieder zu fließen begann und alles zu sein schien, wie zuvor. Nur, dass sie diesen einen Menschen nun kannte. Er hatte ihr gehört. Nur für einen Augenblick, nicht länger als ein Atemzug.
Ihr Blick hob sich von der Made, wanderte zur Wand, wo die Dolche hingen. Fein säuberlich, einer neben dem anderen. Einst war sie Heilerin gewesen, und nichts anderes als das. Es hatte keinen Grund gegeben, zu kämpfen. Sie fügte zusammen was zusammen gehörte und verletzte nicht. Einst war es so gewesen, aber die Dinge hatten sich geändert. Jetzt waren die Waffen an der Wand ihr nicht mehr fremd. Wenn sie sie zur Hand nahm, dann waren sie ihr fast so vertraut, wie die zierliche Klinge, die die Made zerteilt hatte. Es war ein harter Weg gewesen, und er würde noch härter werden. Ihr Schild über den Waffen kündete deutlich davon. Kratzer und Dellen von Schlägen, die dazu bestimmt gewesen waren, sie zu töten. War es immer so? War es das, was ein Krieger empfinden musste? Er oder ich? Leben oder sterben?
Sie wusste es nicht. Vielleicht hätte sie fragen können. Aber sie bezweifelte, dass es jemand verstehen würde. Es fühlte sich falsch an - und gleichzeitig so richtig. Als sei sie nun weniger und gleichzeitig auch mehr. Einen Augenblick fragte sie sich, ob es jemals wieder anders sein würde. Ob sie jemals wieder so sein würde, wie früher. Aber das würde sie nicht. Es waren Dinge geschehen und hatten sie geprägt. Hatten sie verändert. Hatten mehr aus ihr gemacht und einen Teil von ihr geformt, der sich niemals wieder in seine alte Form zurückbiegen würde. Es war wie mit einem gebrochenen Knochen. Er würde vielleicht wieder zusammenwachsen. Aber er würde niemals genauso sein, wie vor dem Bruch. Verlorene Unschuld, gleich welche Form davon, kehrte nicht zurück. Sie ließ sich nicht herbeirufen wie ein Hund, ließ sich nicht durch einen Verband wiederherstellen. Und nichts konnte geschehen, das aus ihr wieder die Heilerin machte, die niemals eine Waffe in der Hand gehalten hatte.
Wieder schüttelte sie den Kopf. Wieder wandte ihr Blick sich der zerteilten Made zu. Als sie diesmal an die Arbeit zurückkehrte, tat sie es mit Ruhe. Nein, einen Weg zurück gab es nicht. Sie musste nach vorn sehen und weitergehen, egal was es kosten mochte.
Deine Schönheit zieht sie an - und ein Wolf ist jeder Mann
Merk dir eines: In der Nacht, ist schon mancher Wolf erwacht.
Weine um sie keine Träne - Wölfe haben scharfe Zähne.
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- Releana Kelbela
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Manchmal holt die Vergangenheit einen Menschen wieder ein, gleichgültig, wie sehr man versucht zu vergessen oder sich mit dem neuen Leben zu arrangieren. Dies, so stellte sie bitter fest, würde definitiv eine solche Nacht werden. Sie häuften sich in der letzten Zeit, so wie es immer war, wenn Menschen in das eigene Leben traten die sich mit der Vergangenheit arrangieren mussten. Oder die Vergangenheit, die sich mit den neuen Menschen arrangieren musste. Was das betraf, so war sie sich alles andere als sicher, wer auf wen würde zugehen müssen. Doch eines war klar, es hatte Missverständnisse gegeben, aneinander vorbeireden. Sie musste das aus dem Weg räumen, und da war es besser, wenn sie die emotionale Talfahrt jetzt erlebte. Jetzt, wo sie allein war und niemand ihre Tränen sehen konnte.
Es war kein körperlicher Schmerz, den sie bei den Erinnerungen empfand. Es war die bittere Wehmut über etwas, das lange geschehen war und nicht mehr geändert werden konnte. Die bittere Wehmut, die damit einher ging, dass es jemanden gab der sie ihr Leben lang begleitet hatte und ihr jeden Tag aufs Neue zeigte, dass er weniger Glück gehabt hatte. Wehmut, die in sich den Keim des Gedankens trug, dass sie es hätte sein sollen, die gefangen wurde. Sie war die Ältere gewesen. Vielleicht hätte sie all dem besser standhalten können. Oder vielleicht wäre sie auch daran gestorben. Sie war noch nie besonders unterwürfig gewesen und knien lag ihr nicht gerade.
Freude…
Der Tag, an dem sie Alie zum ersten Mal gesehen hatte, gehörte zu den ersten, klaren Erinnerungen die sie hatte. Sonnenlicht war in das Zimmer gefallen, auf das kleine, in Decken gewickelte Bündel in seiner Wiege. Sie hatte an der Wiege gestanden und hinein gesehen. “Baby! Meins!” hatte sie bestimmt. Und mehr oder weniger war es auch so gewesen. Auch wenn man natürlich mit dem Baby nicht viel anfangen konnte, außer es in der Wiege hin und her zu schaukeln. Etwas, das sich änderte, als Alie endlich laufen lernte und man mit ihr all die wilden Spiele machen konnte, bei denen die Jungs sie nicht mitmachen lassen wollten. Baumhäuser bauen, durch Hecken kriechen und in Bäche springen, dass das Wasser nur so aufspritzte. Sie waren glücklich gewesen. Und beinahe unzertrennlich. “Ich passe immer auf dich auf”, war das erste Versprechen gewesen, das sie jemals gegeben hatte. Und es war das erste gewesen, das sie gebrochen hatte.
Schmerz…
Es war im Sommer gewesen. Die Zeit, in der so viele Kinder geboren wurden, wie sonst niemals. Das Handwerk ihrer Mutter, ihrer Großmutter, erlernte sie nun schon so lange sie denken konnte. An diesem Tag hatte sie ihre Mutter begleitet, lachend und fröhlich. Der Weg führte sie in ein anderes Dorf, am anderen Ende des Tals, in dem sie lebten. Eine schwere Geburt, bei der sie ihrer Mutter zur Hand ging und die beinahe einen ganzen Tag und die darauf folgende Nacht andauerte. Sie ahnten nicht, was in der Zwischenzeit in ihrem Heimatdorf geschah. Und der Anblick der sie erwartete, als sie schließlich nach Hause zurück kehrten brannte sich in ihr Gedächtnis ein. Die Bilder von Leichen, die den Weg pflasterten verfolgte sie auch heute noch in ihren Träumen.
Am schlimmsten aber war die Erinnerung an ein bestimmtes, leeres Haus. Die Tür, die aus den Angeln gerissen da hing und in einem fast sanften Windhauch hin und her schwang. Der schwere, kupferne Geruch nach Blut, der aus dem Inneren der Hütte drang. Die Leichen eines Mannes und einer Frau, über dem Küchentisch als hätte man sie beim Essen überrascht. Ein umgeworfener Stuhl. Ein leeres Zimmer und Stofftiere, die mit leeren Knopfaugen zur Decke hinauf starrten. Das nächste, woran sie sich erinnerte war Dunkelheit und ein gellender, verzweifelter Schrei.
Sie tauchte aus ihren Erinnerungen auf und atmete zitternd tief durch. Ihr Leben hatte danach einen anderen Verlauf genommen. An diesem Sommertag hatte sie Schmerz und Hass kennen gelernt. Und sie hatte beides zu einem Teil ihres Wesens gemacht. Sie hatte beides genommen und tief in sich eingesperrt, hatte die Gefühle genährt und sie verwendet, um Kraft daraus zu ziehen. Und sie hatte gelernt. Alchimie war ihr neues Interesse gewesen, Gifte, alles was den Tod bringt, den diejenigen erleiden sollten, die ihr das angetan hatten. Und doch… trotz dieser Wut hatte sie niemals getötet. Sie hatte Leben gerettet, Leben auf die Welt geholt. Sie war ehrgeizig geworden und hatte ihr Leben gelebt. Beinahe so, als hätte es Alie nicht gegeben. Und von allem was sie getan hatte, war das vielleicht das Schlimmste gewesen.
Sechzehn Jahre waren vergangen. Sechzehn lange Jahre, in denen sie geworden war, wie sie eben war. Eine erwachsene Frau, die ihren Weg mit all der Rücksichtslosigkeit verfolgte, die nötig war. Sie hatte geliebt, hatte gehasst. Sie hatte Menschen begraben die ihr nahe standen und hatte andere ziehen lassen, wenn es an der Zeit dazu gewesen war. Sie hatte sich mit ihrem Leben arrangiert, mit der Leere arrangiert, als der Bote kam. Sie war skeptisch. Oh ja, das war sie. Sechzehn Jahre waren eine lange Zeit. Sechzehn Jahre würden jeden Menschen zerbrechen, würden aus dem Mädchen das sie gekannt hatte vielleicht sogar einen Feind gemacht haben. Und doch ging sie nach Bajard.
In einem Punkt hatte sie Recht behalten. Das Mädchen das sie gekannt hatte, war gebrochen. Wo aus ihr eine erwachsene Frau geworden war, fiel Alie immer und immer wieder auf genau das zurück, was sie gewesen war. Ein Kind. Und wenn sie selbst gedacht hatte, dass die Jahre eine Qual gewesen wären… In diesem Moment, als sie Alie zu sich nahm und für sie sorgte… da begann die Qual erst. Unverständnis. Zorn. Hass. Wut. All diese Emotionen waren ihr entgegen geschlagen. Es hatte sie viel gekostet, an ihr festzuhalten. Ein Versprechen neu zu beleben. Und doch war es all das wert gewesen. Alie hatte ihnen allen gezeigt, dass sie noch lange nicht so zerbrochen war, dass sie schwach gewesen wäre. Sie hatte sich aufgerappelt und fand sich zurecht. Langsam. Aber auch die Anfälle wurden weniger. Schritt für Schritt, so ging man einen Weg nun einmal. Schritt für Schritt, und zuerst lernte man gehen, bevor man zu rennen begann.
Der Morgen dämmerte herauf, als sie schließlich den Kopf hob. Irritiert zunächst. Schon wieder ein neuer Tag? War die Nacht wirklich schon wieder vorbei? Erneut wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Straffte die Schultern. Setzte das Lächeln auf, das sie an diesem Tag tragen würde. Manchmal holt die Vergangenheit einen Menschen wieder ein. Aber diesen Umstand würde sie hinter einer Maske verbergen. Nur einen Moment würde sie sie herunter ziehen. Dann, wenn es galt, ein Missverständnis zu beseitigen.
Es war kein körperlicher Schmerz, den sie bei den Erinnerungen empfand. Es war die bittere Wehmut über etwas, das lange geschehen war und nicht mehr geändert werden konnte. Die bittere Wehmut, die damit einher ging, dass es jemanden gab der sie ihr Leben lang begleitet hatte und ihr jeden Tag aufs Neue zeigte, dass er weniger Glück gehabt hatte. Wehmut, die in sich den Keim des Gedankens trug, dass sie es hätte sein sollen, die gefangen wurde. Sie war die Ältere gewesen. Vielleicht hätte sie all dem besser standhalten können. Oder vielleicht wäre sie auch daran gestorben. Sie war noch nie besonders unterwürfig gewesen und knien lag ihr nicht gerade.
Freude…
Der Tag, an dem sie Alie zum ersten Mal gesehen hatte, gehörte zu den ersten, klaren Erinnerungen die sie hatte. Sonnenlicht war in das Zimmer gefallen, auf das kleine, in Decken gewickelte Bündel in seiner Wiege. Sie hatte an der Wiege gestanden und hinein gesehen. “Baby! Meins!” hatte sie bestimmt. Und mehr oder weniger war es auch so gewesen. Auch wenn man natürlich mit dem Baby nicht viel anfangen konnte, außer es in der Wiege hin und her zu schaukeln. Etwas, das sich änderte, als Alie endlich laufen lernte und man mit ihr all die wilden Spiele machen konnte, bei denen die Jungs sie nicht mitmachen lassen wollten. Baumhäuser bauen, durch Hecken kriechen und in Bäche springen, dass das Wasser nur so aufspritzte. Sie waren glücklich gewesen. Und beinahe unzertrennlich. “Ich passe immer auf dich auf”, war das erste Versprechen gewesen, das sie jemals gegeben hatte. Und es war das erste gewesen, das sie gebrochen hatte.
Schmerz…
Es war im Sommer gewesen. Die Zeit, in der so viele Kinder geboren wurden, wie sonst niemals. Das Handwerk ihrer Mutter, ihrer Großmutter, erlernte sie nun schon so lange sie denken konnte. An diesem Tag hatte sie ihre Mutter begleitet, lachend und fröhlich. Der Weg führte sie in ein anderes Dorf, am anderen Ende des Tals, in dem sie lebten. Eine schwere Geburt, bei der sie ihrer Mutter zur Hand ging und die beinahe einen ganzen Tag und die darauf folgende Nacht andauerte. Sie ahnten nicht, was in der Zwischenzeit in ihrem Heimatdorf geschah. Und der Anblick der sie erwartete, als sie schließlich nach Hause zurück kehrten brannte sich in ihr Gedächtnis ein. Die Bilder von Leichen, die den Weg pflasterten verfolgte sie auch heute noch in ihren Träumen.
Am schlimmsten aber war die Erinnerung an ein bestimmtes, leeres Haus. Die Tür, die aus den Angeln gerissen da hing und in einem fast sanften Windhauch hin und her schwang. Der schwere, kupferne Geruch nach Blut, der aus dem Inneren der Hütte drang. Die Leichen eines Mannes und einer Frau, über dem Küchentisch als hätte man sie beim Essen überrascht. Ein umgeworfener Stuhl. Ein leeres Zimmer und Stofftiere, die mit leeren Knopfaugen zur Decke hinauf starrten. Das nächste, woran sie sich erinnerte war Dunkelheit und ein gellender, verzweifelter Schrei.
Sie tauchte aus ihren Erinnerungen auf und atmete zitternd tief durch. Ihr Leben hatte danach einen anderen Verlauf genommen. An diesem Sommertag hatte sie Schmerz und Hass kennen gelernt. Und sie hatte beides zu einem Teil ihres Wesens gemacht. Sie hatte beides genommen und tief in sich eingesperrt, hatte die Gefühle genährt und sie verwendet, um Kraft daraus zu ziehen. Und sie hatte gelernt. Alchimie war ihr neues Interesse gewesen, Gifte, alles was den Tod bringt, den diejenigen erleiden sollten, die ihr das angetan hatten. Und doch… trotz dieser Wut hatte sie niemals getötet. Sie hatte Leben gerettet, Leben auf die Welt geholt. Sie war ehrgeizig geworden und hatte ihr Leben gelebt. Beinahe so, als hätte es Alie nicht gegeben. Und von allem was sie getan hatte, war das vielleicht das Schlimmste gewesen.
Sechzehn Jahre waren vergangen. Sechzehn lange Jahre, in denen sie geworden war, wie sie eben war. Eine erwachsene Frau, die ihren Weg mit all der Rücksichtslosigkeit verfolgte, die nötig war. Sie hatte geliebt, hatte gehasst. Sie hatte Menschen begraben die ihr nahe standen und hatte andere ziehen lassen, wenn es an der Zeit dazu gewesen war. Sie hatte sich mit ihrem Leben arrangiert, mit der Leere arrangiert, als der Bote kam. Sie war skeptisch. Oh ja, das war sie. Sechzehn Jahre waren eine lange Zeit. Sechzehn Jahre würden jeden Menschen zerbrechen, würden aus dem Mädchen das sie gekannt hatte vielleicht sogar einen Feind gemacht haben. Und doch ging sie nach Bajard.
In einem Punkt hatte sie Recht behalten. Das Mädchen das sie gekannt hatte, war gebrochen. Wo aus ihr eine erwachsene Frau geworden war, fiel Alie immer und immer wieder auf genau das zurück, was sie gewesen war. Ein Kind. Und wenn sie selbst gedacht hatte, dass die Jahre eine Qual gewesen wären… In diesem Moment, als sie Alie zu sich nahm und für sie sorgte… da begann die Qual erst. Unverständnis. Zorn. Hass. Wut. All diese Emotionen waren ihr entgegen geschlagen. Es hatte sie viel gekostet, an ihr festzuhalten. Ein Versprechen neu zu beleben. Und doch war es all das wert gewesen. Alie hatte ihnen allen gezeigt, dass sie noch lange nicht so zerbrochen war, dass sie schwach gewesen wäre. Sie hatte sich aufgerappelt und fand sich zurecht. Langsam. Aber auch die Anfälle wurden weniger. Schritt für Schritt, so ging man einen Weg nun einmal. Schritt für Schritt, und zuerst lernte man gehen, bevor man zu rennen begann.
Der Morgen dämmerte herauf, als sie schließlich den Kopf hob. Irritiert zunächst. Schon wieder ein neuer Tag? War die Nacht wirklich schon wieder vorbei? Erneut wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Straffte die Schultern. Setzte das Lächeln auf, das sie an diesem Tag tragen würde. Manchmal holt die Vergangenheit einen Menschen wieder ein. Aber diesen Umstand würde sie hinter einer Maske verbergen. Nur einen Moment würde sie sie herunter ziehen. Dann, wenn es galt, ein Missverständnis zu beseitigen.
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- Releana Kelbela
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“Sag, was du zu sagen hast”
Sie wappnete sich gegen seine Wut. Nichts wäre ihr lieber gewesen, als zuzulassen, dass sie auf sie übergriff, den Zorn in ihr ebenfalls entzündete und sich in einem gesunden, heftigen Trainingskampf schließlich Luft machte. Doch das konnte sie sich jetzt, in der Kühle des Spätsommerabends der bereits den ersten Hauch von Herbst mit sich trug, schlichtweg nicht leisten. Sie konnte es nicht wagen, mit ihm in dieser Stimmung allein zu sein, ohne ein gewisses Maß an Selbstkontrolle aufzubringen. Schwierig genug. Aber letzten Endes gelang es ihr. Mit genug Konzentration konnte, nein musste, es gelingen, wenn sie diese Nacht überleben wollte. Er war in mörderischer Laune. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Nur einige Wimpernschläge verwandte sie noch darauf, seine Stimmung genauer zu erfassen. Es waren winzige Nuancen, angefangen mit den verengten Pupillen, die ihr verrieten, wie weit sie gehen konnte. Eine Mischung aus respektvoller Vorsicht und dem, was er an ihr schätzte. Gnadenloser, ehrlicher Offenheit. Sie konnte die winzigen Anzeichen zunehmender Ungeduld deutlich sehen, während sie ihn diesen winzigen Augenblick warten ließ. Er war nicht nur in mörderischer Stimmung, er war auch nicht zu Großzügigkeit aufgelegt. Gut. Höflicher Respekt also. Und letzten Endes tat sie, was er verlangt hatte. Sie sagte, was zu sagen war. Versehen mit genug Spitzen, um einen verbalen Wutanfall zu riskieren, nicht genug, um ihn dazu zu reizen sie zu schlagen oder wirklich mit ihr zu kämpfen. Ein Spiel. Ein Tanz auf Messers Schneide. Aber an diesem Abend gelang er. Und wieder war sie klüger.
„Danke, Releana.“
Zwei Worte. So leise, ruhig ausgesprochen. Dank dafür, dass sie ihm gefolgt war? Dank für ihre Einmischung, obwohl er alles Recht gehabt hätte, ihr zu sagen, dass es sie nichts anging? Nein. Dank für eine Schlichtung. Dafür, dass sie tat, was sie konnte, um Wogen zu glätten, die noch zu glätten waren. Es war ein seltsames Gefühl zu wissen, dass er es bemerkte. Dass er es schätzte. Blieb nur zu hoffen, dass die zweite Anlaufstelle dieses Abends es ebenso zu schätzen wusste. Und dass sie nicht dem einen Tode knapp entronnen war, um ihn an anderer Stelle doch noch zu finden.
Rowan war, was das betraf, ein ganz anderes Kaliber. Releana verstand den Konflikt zwischen ihr und Sendur nur begrenzt, vor allem da sie selbst ganz anders behandelt wurde. Aber sie versuchte es. Sie versuchte, beide Seiten zu verstehen. Versuchte, Kompromisse aufzuzeigen. Versuchte, der jeweils anderen Partei nahe zu bringen, was falsch lief. Nur dass jeder Einzelne in der Eisenwart ebenso stur war, wie sie selbst. Und doch, Geduld war eine Tugend. In mancher Hinsicht die Einzige, über die sie verfügte. Also erklärte sie. Geduldig und ruhig, während sie selbst feststellte, dass es leichter wurde, sich aus dem Geschehen zurückzuziehen und die Sache nüchtern zu betrachten.
Manchmal hilft es, mehr Worte als einen Befehl zu verwenden. Das hatte sie selbst gesagt, und mehr konnte sie nicht tun. Mehr konnte sie in diesem Moment nicht anbieten. Aber es schien zu helfen, um die gröbste Spannung zu mildern. Milder Spott, der Sorgen verbarg. Gedanken offen legte, die vielleicht anders nicht so offen gelegt worden wären. Gelächter. Das war das Wichtigste an der Sache. Einen Tag mit Wut zu beenden mochte im Sinne mancher sein, und andere mochten das auch verkraften, aber Releana hatte die Erfahrung gemacht, dass unausgesprochener Zorn dazu neigte, unangenehme Auswüchse zu bilden. Auswüchse, die sie nicht unbedingt beobachten wollte.
Als sie in dieser Nacht, deutlich später, zurück nach Hause kam, vom schützenden Kräutergeruch umfangen wurde, atmete sie tief durch. Diesmal führte der erste Weg sie nicht herunter ins Labor, sondern hinauf in die Küche. Sie griff zielsicher nach einer Teedose. Lächelte, als sie das Etikett las und stellte den Krug mit Honig bereit. In dieser Nacht brauchten nicht nur der Fürst und der Vorsteher Lavendeltee, soviel stand fest.
Sie wappnete sich gegen seine Wut. Nichts wäre ihr lieber gewesen, als zuzulassen, dass sie auf sie übergriff, den Zorn in ihr ebenfalls entzündete und sich in einem gesunden, heftigen Trainingskampf schließlich Luft machte. Doch das konnte sie sich jetzt, in der Kühle des Spätsommerabends der bereits den ersten Hauch von Herbst mit sich trug, schlichtweg nicht leisten. Sie konnte es nicht wagen, mit ihm in dieser Stimmung allein zu sein, ohne ein gewisses Maß an Selbstkontrolle aufzubringen. Schwierig genug. Aber letzten Endes gelang es ihr. Mit genug Konzentration konnte, nein musste, es gelingen, wenn sie diese Nacht überleben wollte. Er war in mörderischer Laune. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Nur einige Wimpernschläge verwandte sie noch darauf, seine Stimmung genauer zu erfassen. Es waren winzige Nuancen, angefangen mit den verengten Pupillen, die ihr verrieten, wie weit sie gehen konnte. Eine Mischung aus respektvoller Vorsicht und dem, was er an ihr schätzte. Gnadenloser, ehrlicher Offenheit. Sie konnte die winzigen Anzeichen zunehmender Ungeduld deutlich sehen, während sie ihn diesen winzigen Augenblick warten ließ. Er war nicht nur in mörderischer Stimmung, er war auch nicht zu Großzügigkeit aufgelegt. Gut. Höflicher Respekt also. Und letzten Endes tat sie, was er verlangt hatte. Sie sagte, was zu sagen war. Versehen mit genug Spitzen, um einen verbalen Wutanfall zu riskieren, nicht genug, um ihn dazu zu reizen sie zu schlagen oder wirklich mit ihr zu kämpfen. Ein Spiel. Ein Tanz auf Messers Schneide. Aber an diesem Abend gelang er. Und wieder war sie klüger.
„Danke, Releana.“
Zwei Worte. So leise, ruhig ausgesprochen. Dank dafür, dass sie ihm gefolgt war? Dank für ihre Einmischung, obwohl er alles Recht gehabt hätte, ihr zu sagen, dass es sie nichts anging? Nein. Dank für eine Schlichtung. Dafür, dass sie tat, was sie konnte, um Wogen zu glätten, die noch zu glätten waren. Es war ein seltsames Gefühl zu wissen, dass er es bemerkte. Dass er es schätzte. Blieb nur zu hoffen, dass die zweite Anlaufstelle dieses Abends es ebenso zu schätzen wusste. Und dass sie nicht dem einen Tode knapp entronnen war, um ihn an anderer Stelle doch noch zu finden.
Rowan war, was das betraf, ein ganz anderes Kaliber. Releana verstand den Konflikt zwischen ihr und Sendur nur begrenzt, vor allem da sie selbst ganz anders behandelt wurde. Aber sie versuchte es. Sie versuchte, beide Seiten zu verstehen. Versuchte, Kompromisse aufzuzeigen. Versuchte, der jeweils anderen Partei nahe zu bringen, was falsch lief. Nur dass jeder Einzelne in der Eisenwart ebenso stur war, wie sie selbst. Und doch, Geduld war eine Tugend. In mancher Hinsicht die Einzige, über die sie verfügte. Also erklärte sie. Geduldig und ruhig, während sie selbst feststellte, dass es leichter wurde, sich aus dem Geschehen zurückzuziehen und die Sache nüchtern zu betrachten.
Manchmal hilft es, mehr Worte als einen Befehl zu verwenden. Das hatte sie selbst gesagt, und mehr konnte sie nicht tun. Mehr konnte sie in diesem Moment nicht anbieten. Aber es schien zu helfen, um die gröbste Spannung zu mildern. Milder Spott, der Sorgen verbarg. Gedanken offen legte, die vielleicht anders nicht so offen gelegt worden wären. Gelächter. Das war das Wichtigste an der Sache. Einen Tag mit Wut zu beenden mochte im Sinne mancher sein, und andere mochten das auch verkraften, aber Releana hatte die Erfahrung gemacht, dass unausgesprochener Zorn dazu neigte, unangenehme Auswüchse zu bilden. Auswüchse, die sie nicht unbedingt beobachten wollte.
Als sie in dieser Nacht, deutlich später, zurück nach Hause kam, vom schützenden Kräutergeruch umfangen wurde, atmete sie tief durch. Diesmal führte der erste Weg sie nicht herunter ins Labor, sondern hinauf in die Küche. Sie griff zielsicher nach einer Teedose. Lächelte, als sie das Etikett las und stellte den Krug mit Honig bereit. In dieser Nacht brauchten nicht nur der Fürst und der Vorsteher Lavendeltee, soviel stand fest.
Deine Schönheit zieht sie an - und ein Wolf ist jeder Mann
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- Releana Kelbela
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- Ich schaute mich immer wieder fragend an
Und was kommt dann? Was kommt dann?
Wie lautet der Titel vom nächsten Kapitel?
Was kommt dann?
An jedem anderen Tag, zu jeder anderen Zeit, hätte sie ihn aufgesucht. Seine Ruhe wäre ihr Zügel gewesen, wenn die Selbstbeherrschung sie zu verlassen drohte. An jedem anderen Tag. Aber nicht an diesem. Und vielleicht auch nicht in den nächsten. Sie wusste es nicht. Wusste nicht, ob sie es jemals wieder über sich bringen würde, sich ihm auf diese Art und Weise zu öffnen. Aber auch das hatte seinen Sinn und Zweck. Sie wusste es, ahnte es. Es war nur eine weitere Prüfung auf dem Weg, den sie eingeschlagen hatte. Auf dem Weg, auf dem sie diente, wie sie es für richtig hielt. Und doch drohte die Wut sie zu überwältigen. Wie hatte er es wagen können? Wie hatte er sich erdreisten können, über sie und ihre Motive zu richten? Hatte er nicht genau die Worte, die sie gesagt hatte verdient? Ausgerechnet er wagte es, sich zu beschweren? Ausgerechnet er wagte es, über das zu richten was sie sagte, dachte, tat? Er hatte kein Recht dazu, außer dem, das sie ihm gewährte.
Zumindest war es das, was der Zorn ihr einzuflüstern versuchte. Nur eine weitere Prüfung. Daran zu zweifeln, hieße die Gebote zu brechen die sie bisher um jeden Preis befolgt hatte. Es würde bedeuten, ihre Treue aufzugeben und sich von ihm abzuwenden, wegen einem Missverständnis. Einer Lappalie, über die sie in einigen Wochen vermutlich nicht einmal mehr nachdenken würden. Ja, es war nur eine weitere Prüfung. Und sie weigerte sich, zu versagen. Überrascht hielt sie inne, als sie den Gedanken fasste und horchte in sich hinein, schob Wut und Zorn beiseite und traf auf eine undurchdringliche Mauer aus Starrsinn und Stolz. Sie würde nicht Eidbrüchig werden. Sie würde sich nicht von ihrer Wut verzehren lassen. Sie weigerte sich.
Wieder drang das Rot des Zorns auf sie ein und drohte, ihr Blickfeld in tiefstes Scharlachrot zu tauchen. Aber diesmal wusste sie, wie sie dem zu begegnen hatte. Diesmal wusste sie, was zu tun war. Ihre Fingernägel gruben sich in das Fleisch ihrer Hand, bis sie das leichte Kitzeln der Blutstropfen spürte und der scharfe, brennende Schmerz das Rot der Wut durchdrang. Sie hielt an dem Brennen fest. Brennen war besser als der Zorn. Zischend atmete sie ein und ließ die Luft wieder entweichen. Wieder und wieder, bis ihr Atem sich dem erzwungenen, ruhigen Rhythmus anpasste, den sie wollte.
Wie lange sie auf diese Art geatmet hatte, den Zorn durch den Schmerz im Zaum gehalten, wusste sie nicht. Als sie wieder aufsah, huschte ein Lächeln über ihre Züge und die Wunden auf ihrer Handfläche hatten schon wieder aufgehört zu bluten. Für diesmal wenigstens. Sie trat durch den Vorhang vor ihren Spiegel und sah sich an. Einen langen, endlosen Moment, ehe sie laut in die Stille hinein sagte: “Mein Zorn beherrscht mich nicht.” Es fühlte sich richtig an, dies auch der Luft im Raum mitzuteilen, also hatte sie es getan. Und was weiter? Das, wie so vieles andere, wusste sie nicht. Aber immer eine Katastrophe nach der anderen. Für diesmal begnügte sie sich mit einem Teilsieg. Und mit dem Wissen, dass es noch eine Rechnung zu begleichen galt.
- Was gestern noch als Schmerz ich empfand
Wird heute schon wie Tränen im Sand
Zur Erinnerung weit hinten am Rand
Als mein Silber in den Stein des Lebens gebannt
Deine Schönheit zieht sie an - und ein Wolf ist jeder Mann
Merk dir eines: In der Nacht, ist schon mancher Wolf erwacht.
Weine um sie keine Träne - Wölfe haben scharfe Zähne.
Merk dir eines: In der Nacht, ist schon mancher Wolf erwacht.
Weine um sie keine Träne - Wölfe haben scharfe Zähne.