Er hatte gewartet und beobachtet. Nur der Schatten im Hintergrund eines Bildes. Unauffällig, unscheinbar, ungesehen. Im Vordergrund des Kunstwerks stand eine junge Frau und da wiederum nicht irgendeine.
Ein wahre Augenweide mit langen nussfarbenen Locken, den süßen Mischung aus grazilen Bewegungen und weichen Kurven einer Tänzerin. Na und dann dieses bildhübsche Gesicht. Zuerst war es nur ein schwaches Flaugefühl in der Magengrube, als sie den meerblauen Blick auf ihn gerichtet, zu lächeln begann. Dann aber strahlten ihm die Himmelssterne aus diesen Augen entgegen und zum ersten Mal hatte es irgendwer geschafft ihn sprachlos zu machen. Scheiße aber auch, es hatte ihn erwischt. Vollkommen erwischt!
Was tun? Wie reagieren?
In seinem Jäger-/Wilderer-/Gaunerleben gab es bei solchen ungewohnten Situationen eine Regel, die es dringend zu befolgen galt:
Beobachten und sowieso alle Sinne spitzen!
Gesagt, getan und so vernahmen die Ohren des Schattens bald, dass es eigentlich Herren im Leben des Sternenfräuleins gab. Doch war weit und breit von diesen nichts zu sehen. Stattdessen bemerkte er den traurigen Zug um ihre Mundwinkel und die tapfer wirkende Haltung. Irgendetwas war im Leben der Schneiderin vorgefallen und sie versuchte damit umzugehen. Ihre Unsicherheit und der verborgene Verlust auf diesem Gebiet waren spürbar. Es schmeckte nach Tränen und bitterem Abschied. Da roch er seine Chance: jetzt oder nie!
Die Zeit war gekommen um selbst in Aktion zu treten und vielleicht den Arschtritt seines Lebens zu kassieren. Der Schatten im Bild trat einen Schritt nach vorne.
Ganz simpel, kitschig und doch deutlich zu verstehen fand sich ein kleiner Strauß selbstgeklauter Rosen im Postkasten einer jungen Schneiderin.
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Vom tapferen Schneiderlein und dem Jägersmann
- Laures Valory
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- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20