Er lag wach und lauschte mit einer beinahe kindlichen Faszination dem ruhigen und gleichmäßigen
Atmen der Person, welche mit ihm das Lager teilte. Zärtlich und behutsam, beinahe so als könne sie
wie dünnes Glas zerbrechen, strich er ihr über die Wange, wischte eine verirrte Haarsträhne beiseite
und harrte dicht an ihrem Leib geschmiegt aus. Die Stille hing wie ein schweres Tuch über ihnen,
verstärkte jeden Laut, welcher aus den kleinsten Bewegungen geboren wurde und schien ihn weit in
die entlegenen Winkel des Raumes zu tragen.
Dünne ersterbend schwache Flammen tanzten auf der noch weißen Glut, als ihm bewusst wurde, dass
die Dunkelheit, welche sich anschickte sich des Raumes zu bemächtigen und alles Licht und jedwede
Wärme zu schlucken und ihren Schleier über ihnen ausbreitete, auch in ihm und seinen Gedanken die
Saat der Finsternis zum keimen brachte.
Eine undefinierbare Kälte erwachte in ihm, als ihn sein Geist an die Orte der vergangenen Tage zu
entführen begann. Der metallische Geschmack von Blut, gemischt mit Dreck, schlich sich auf seine
Lippen, während das aggressive Fauchen und Donnern der Pistolen seinen Erinnerungen eine Stimme
verlieh. Seine Unternehmung war erfolgreich gewesen und auch wenn sie Entbehrungen mit sich
gebracht hatte, so war sie am Ende mit jenem Artefakt belohnt worden, welche es ihn ermöglichte
seine Pläne weiter zu verfolgen.
Sein Augenmerk und all sein Streben lag nun auf einer Person, einer jungen Frau, welche er
auserkoren hatte, sich für seine Bemühungen zu opfern. Immer wenn er das Grau angelegt hatte und
sich seine Gestalt unter dem abgetragenen Stoff, welcher entfernt nach kalter Erde und der zarten
Berührung der Vergänglichkeit roch, führte ihn sein Weg an den Rand Adorans, wo er sie aufsuchte
und aus der Ferne beobachtete.
Sie mochte augenscheinlich nichts Besonderes darstellen, nicht von nennenswerter Herkunft, noch von
reinem Blute, war sie jedoch für ihn zu dem wichtigsten Fragment von allen geworden. Irgendetwas
an ihr hatte sein Interesse, gar seine Neugierde geweckt, eine Art Aura, welche, auch wenn nur er sie
wahrnehmen konnte, sie von allen anderen Menschen abhob und am Ende ihren Untergang bedeuten
sollte. Eine aufkeimende Unruhe signalisierte ihm, dass der Tag bald kommen würde, an welchem er
sie holen und sich ihr Schicksal erfüllen würde. Und auch wenn er sich bemüht hatte, stets unerkannt
zu bleiben und in den Schatten zu wandeln, so war er sich sicher das sie seine Gegenwart bemerkt
..sie sogar gespürt hatte und sich einer Verbindung bewusst war.
Es waren die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne, welche sein Antlitz berührten und ihn aus dem
Bann der Erinnerungen befreiten, während warmes Licht das innere des Raumes flutete und die Kälte
und die Schatten der Nacht vertrieben. Mit einem leisen Seufzen und einem unangenehmen Gefühl
der Leere, in seinem Inneren, welches ihn näher an den dicht bei ihm liegenden Körper trieb, ließ er
sich wieder in die Kissen sinken. Und auch wenn die Nacht überstanden war, blieb doch das Wissen
um seine Pflicht und den näher rückenden Tag der Erfüllung, wie eine dunkle Narbe.
Das besondere Band
-
Gast
Dunkelheit umgab sie und das einzige Gefühl, dass in ihr aufkam, war die Angst. Sie nahm völlig Besitz von ihr, kaum konnte sie sich dagegen wehren. Egal, wohin ihr Blick auch fiel, spürte sie stets die Augen, die ihr auf jeden Schritt und Tritt folgten. Sie konnte rennen, sodass sie völlig außer Atem war und noch immer, wusste sie, dass sie nicht alleine war. Sie hatte es aufgegeben wegzulaufen, um genau zu sein war sie gänzlich ratlos....
Sie zog ihre Knie etwas näher an ihren Leib und umschlung diese mit ihren Armen. Die hellblauen Augen starrten schwermütig und gläsern voran. Sie hatte sich angewohnt nachts irgendwo im Hafen zu verstecken, damit sie sich wenigstens da unbeobachtet fühlen konnte. Seid er weggezogen war und sie es irgendwie verschlafen hatte mitzugehen und sie nun nicht wusste, wo er war, hatte sich alles schlagartig geändert. Sie hatte kein Dach mehr über dem Kopf und fühlte sich alleine. Doch daran ändern, konnte sie nun auch nichts mehr. Natürlich vermisste sie ihn sehr, aber nun wo er fort war, musste sie alleine für sich sorgen. Anfänglich war das auch kein Problem, doch seit einigen Tagen spürte sie, wie die Kälte mehr und mehr Überhand nahm in ihrem Leben. Wie eiserne Fesseln legte sich etwas um ihre Fußknöchel und schien sie niederzuzerren. Eine Kraft, die sie nicht beschreiben konnte und sie doch fürchtete. Es war ihr, als spürte sie Rufe aus der Ferne, die sie näher lockten. Wie Sirenen - Stimmen, die so verzückend klangen... und doch wusste sie, würde sie ihnen folgen, wäre es ihr Untergang....
Ihr Ende... der Gedanke kam ihr lächerlich vor, wo sie doch noch so jung war und doch befasste sie sich seit dieser Tage immer mehr damit. Hatte ihre Mutter Recht gehabt... war ihr Leben zu nichts gut..? Würde sie in ihren jungen Jahren bereits von dieser Welt scheiden, ohne... jemals etwas besonderes geleistet zu haben...?
Sie schluckte schwer bei dem Gedanken und schloss die Augen dabei. Wer des Nachtes an diesem Tage am Hafen vorbeikommen würde, der würde ein leises, erbitterliches Wimmern vernehmen können. Tränen rannen über ihre Wange, eine tiefe Traurigkeit und Verzweiflung übermahnte sie und mit einem Mal wurde ihr klar, dass das Weglaufen keinen Sinn mehr hatte. Aus diesem Band... konnte sie sich nicht mehr lösen, dass spürte sie. Obwohl sie noch frei auf den Strassen Adoran's herumstreunerte, war ihr klar, dass sie bereits in Ketten lag und er sie nur noch 'einsammeln' musste, wenn es so weit war...
..und dennoch wollte sie sich nicht damit zufrieden geben. Sie riss sich aus ihrer Starre und beförderte Tinte und Feder, wie auch ein Pergament zu Tage und begann eilig einige Worte darauf zu schreiben, fast so, als wären das die Letzten, die je jemand zu lesen bekommen würde von ihr...
Sehr geehrtes Regiment,
vermutlich erklingt meine Bitte recht seltsam, dennoch will ich sie äußern. Seit einigen Tagen.. fühle ich mich verfolgt und fürchte, dass ich bald entführt werde. Ich weiss nicht warum, aber ich spüre, dass es kein gutes Ende für mich nehmen wird und ich.. habe schreckliche Angst.. Bitte... helft mir..! Ich möchte... noch nicht sterben...

Mit jedem Wort scheint ihre Schrift immer krakeliger zu werden, fast so als würde ihr die Energie ausgehen, auch die Tränen scheinen nicht zu versiegen und perlen auf das Blatt herab und verwischt das eine oder andere Wort vielleicht ein wenig.
Noch einen Moment lang flogen ihre Augen über das Geschriebene, ehe sie es zusammenfaltete und sich aufrappelte. Es war noch recht früh, aber die ersten Sonnenstrahlen traten bereits durch das Fenster. Also wischte sie sich flüchtig über die feuchten Augen und eilte voran, um ihre einzige Chance, die sie noch hatte... wenigstens zu versuchen...
Sie zog ihre Knie etwas näher an ihren Leib und umschlung diese mit ihren Armen. Die hellblauen Augen starrten schwermütig und gläsern voran. Sie hatte sich angewohnt nachts irgendwo im Hafen zu verstecken, damit sie sich wenigstens da unbeobachtet fühlen konnte. Seid er weggezogen war und sie es irgendwie verschlafen hatte mitzugehen und sie nun nicht wusste, wo er war, hatte sich alles schlagartig geändert. Sie hatte kein Dach mehr über dem Kopf und fühlte sich alleine. Doch daran ändern, konnte sie nun auch nichts mehr. Natürlich vermisste sie ihn sehr, aber nun wo er fort war, musste sie alleine für sich sorgen. Anfänglich war das auch kein Problem, doch seit einigen Tagen spürte sie, wie die Kälte mehr und mehr Überhand nahm in ihrem Leben. Wie eiserne Fesseln legte sich etwas um ihre Fußknöchel und schien sie niederzuzerren. Eine Kraft, die sie nicht beschreiben konnte und sie doch fürchtete. Es war ihr, als spürte sie Rufe aus der Ferne, die sie näher lockten. Wie Sirenen - Stimmen, die so verzückend klangen... und doch wusste sie, würde sie ihnen folgen, wäre es ihr Untergang....
Ihr Ende... der Gedanke kam ihr lächerlich vor, wo sie doch noch so jung war und doch befasste sie sich seit dieser Tage immer mehr damit. Hatte ihre Mutter Recht gehabt... war ihr Leben zu nichts gut..? Würde sie in ihren jungen Jahren bereits von dieser Welt scheiden, ohne... jemals etwas besonderes geleistet zu haben...?
Sie schluckte schwer bei dem Gedanken und schloss die Augen dabei. Wer des Nachtes an diesem Tage am Hafen vorbeikommen würde, der würde ein leises, erbitterliches Wimmern vernehmen können. Tränen rannen über ihre Wange, eine tiefe Traurigkeit und Verzweiflung übermahnte sie und mit einem Mal wurde ihr klar, dass das Weglaufen keinen Sinn mehr hatte. Aus diesem Band... konnte sie sich nicht mehr lösen, dass spürte sie. Obwohl sie noch frei auf den Strassen Adoran's herumstreunerte, war ihr klar, dass sie bereits in Ketten lag und er sie nur noch 'einsammeln' musste, wenn es so weit war...
..und dennoch wollte sie sich nicht damit zufrieden geben. Sie riss sich aus ihrer Starre und beförderte Tinte und Feder, wie auch ein Pergament zu Tage und begann eilig einige Worte darauf zu schreiben, fast so, als wären das die Letzten, die je jemand zu lesen bekommen würde von ihr...
Sehr geehrtes Regiment,
vermutlich erklingt meine Bitte recht seltsam, dennoch will ich sie äußern. Seit einigen Tagen.. fühle ich mich verfolgt und fürchte, dass ich bald entführt werde. Ich weiss nicht warum, aber ich spüre, dass es kein gutes Ende für mich nehmen wird und ich.. habe schreckliche Angst.. Bitte... helft mir..! Ich möchte... noch nicht sterben...
Mit jedem Wort scheint ihre Schrift immer krakeliger zu werden, fast so als würde ihr die Energie ausgehen, auch die Tränen scheinen nicht zu versiegen und perlen auf das Blatt herab und verwischt das eine oder andere Wort vielleicht ein wenig.
Noch einen Moment lang flogen ihre Augen über das Geschriebene, ehe sie es zusammenfaltete und sich aufrappelte. Es war noch recht früh, aber die ersten Sonnenstrahlen traten bereits durch das Fenster. Also wischte sie sich flüchtig über die feuchten Augen und eilte voran, um ihre einzige Chance, die sie noch hatte... wenigstens zu versuchen...
- Helisande von Alsted
- Beiträge: 4067
- Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42
Der Berg an Pergamenten auf ihrem Schreibtisch hauchte langsam seinen Geist aus als zu allem Überfluss ein Gardist klopfte und ein Schreiben abgab. Allein die Anrede war schon merkwürdig, immerhin war das Regiment keine Person, sonderen eine Reichsinstitution. Offenbar konnte die Verfasserin noch nicht all zu lange in Adoran sein oder sie war gestig zerrüttet oder schlicht von ihrem intellektuellen Fähigkeiten her sehr einfach gestrickt.
Seltsam.
Ein tiefer Atemzug wurde genommen und eine kurze Notiz an die junge Dame verfasst, jene wurde dem gleichen Gardisten in die Hand gedrückt, der das ursächliche Schreiben angenommen hatte. Der Befehl war klar umrissen, er möge bitte die junge Frau finden, genauer betrachten und ihr das Schreiben aushändigen.
Im gleichen Aufwasch wurde noch ein weiteres Schreiben verfasst, welches diesmal von einem Rekruten hurtig ins Königliche Lehrhospital getragen wurde um dort seinem Empfänger überstellt zu werden. Noch ein kurzer Eintrag in ihr persönliches Dienstbuch erfolgte, damit der Vorfall nicht bei ihr in Vergessenheit geriet.
Jedoch räumte sie der ganze Sache keine sonderlich hohe Priorität ein. Die jungen Damen der Stadt, so sie nicht Soldatinnen waren neigten bedauerlicherweise bisweilen zu einer gewissen Überspanntheit und Hysterie. Da war jede Spinne an der Wand gleich ein Zeichen für einen nahenden Fluch und jede tief fliegende Schwalbe kündete ganz sicher von einer Springflut.
Mit einem leichten Kopfschütteln griff sie dann zu ihrer Moccatasse und verzog nach dem Schluck gleich das Gesicht.
Kalt.
Seltsam.
Ein tiefer Atemzug wurde genommen und eine kurze Notiz an die junge Dame verfasst, jene wurde dem gleichen Gardisten in die Hand gedrückt, der das ursächliche Schreiben angenommen hatte. Der Befehl war klar umrissen, er möge bitte die junge Frau finden, genauer betrachten und ihr das Schreiben aushändigen.
Im gleichen Aufwasch wurde noch ein weiteres Schreiben verfasst, welches diesmal von einem Rekruten hurtig ins Königliche Lehrhospital getragen wurde um dort seinem Empfänger überstellt zu werden. Noch ein kurzer Eintrag in ihr persönliches Dienstbuch erfolgte, damit der Vorfall nicht bei ihr in Vergessenheit geriet.
Jedoch räumte sie der ganze Sache keine sonderlich hohe Priorität ein. Die jungen Damen der Stadt, so sie nicht Soldatinnen waren neigten bedauerlicherweise bisweilen zu einer gewissen Überspanntheit und Hysterie. Da war jede Spinne an der Wand gleich ein Zeichen für einen nahenden Fluch und jede tief fliegende Schwalbe kündete ganz sicher von einer Springflut.
Mit einem leichten Kopfschütteln griff sie dann zu ihrer Moccatasse und verzog nach dem Schluck gleich das Gesicht.
Kalt.
-
Gast
Immer wieder ließ er kleine Steine über die Wasseroberfläche hüpfen, beobachtete stumm ihren
Flug, bis zu jenem verhängnisvollen Augenblick wo sie von dem kühlen Nass geschluckt wurden und
seinem Blick entschwanden. So saß er bereits seit einiger Zeit da und rang um jeden klaren
Gedanken. "Wer seinen Namen vergisst, der vergisst sich selbst..." Wieder und wieder hallten ihm
diese Worte durch den Kopf und vor dem geistigen Auge konnte er ihr Lächeln so klar sehen, als
stünde sie immer noch vor ihm.
Er war Lafayette vom Rande der Welt, niemanden Mannes Sohn und keines Herrn Knecht. Verbissen
und mit einer aufkeimenden Wut in seinem Inneren, welche ihn an diesen einsamen Ort getrieben
hatte, wiederholte er Stein um Stein diese Lüge. Nun wo seine Hand nur noch ins Leere griff und es
keine Steine mehr aufzulesen gab, welche er seinem eigenen Antlitz entgegenwerfen konnte,
welches sich auf der glatten Oberfläche des Teiches spiegelte, begann sich die Wasseroberfläche
von den Wogen zu erholen. Der Ruhe und dem Frieden dieses Ortes machtlos ausgesetzt, begann es
in ihm zu brodeln und es schäumte immer mehr in ihm auf und sein getriebener und unruhiger Geist
rüttelte an seinem Inneren, wie ein wütendes und verzweifeltes Tier, an seinem Käfig.
Aimee war ihr Name... so hatte sie sich ihm vorgestellt und auch wenn er geglaubt hatte vorbereitet
zu sein, so konnte er nicht leugnen, dass sie ihn, mit ihrer ungezwungenen Art und ihrem kindlichen
Frohsinn berührt hatte. Er hatte sie aus der Ferne beobachtet, war in den Schatten gewandelt um in
ihrer Nähe zu sein und als er zum ersten Mal neben ihr saß und ihre Stimme in seinen Ohren
widerklang, war es nicht der Zweifel der ihn stocken ließ, sondern ein Hauch von Mitleid. Er ließ sich
dazu hinreißen ihren Weg zu teilen, ihren Sorgen und Ängsten zu lauschen, nur damit ein Teil seiner
Seele von ihr Abschied nehmen konnte und er frei war seiner Pflicht nachzukommen und ihre
Bestimmung zu erfüllen.
Er hatte sie im Lehrhospital abgeliefert, bei jenen Menschen welche ihr aus Gutmütigkeit helfen
wollten und es gewiss auch gekonnt hätten.. Die Stadt für einen Moment verlassend kam er in
veränderter Gestalt wieder. Das Haar geschwärzt und in Lumpen gehüllt, gerade so unbedeutend
aussehend, dass er weder Interesse aus Mitleid, noch aus Argwohn wecken konnte, schlenderte er
den Weg zurück und wartete - lauerte auf eine sich bietende Gelegenheit.
Die Sonne war hinter den Bergen verschwunden und Dunkelheit schwappte über die Stadt herein,
das klamme Licht der Straßenlaternen verwandelte die Häuserschluchten in Orte, an welchen ein
schwacher Geist, überwältigt von durch Angst getriebener Fantasie, nichts als Unheil vermuten
würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ein paar Stunden auf den Straßen ausgeharrt, hatte Obst
erworben und in kleinen Kreisen das Gebiet erkundet, als sie endlich vor die Tür trat. Sie rief ständig
seinen Namen "Lafayette.." doch finden konnte sie ihn nicht. Sie befragte Passanten, Stadtwachen
und Händler, doch die einzige Information, welche sie erhalten sollte, war das ein Mann auf den
diese Beschreibung passen sollte, bereits vor Stunden die Stadt verlassen hatte. Getrieben von einer
Hoffnung, welche für ihn fremd war, trat sie vor die Stadttore und verließ die Sicherheit der
schützenden Mauern. Immer weiter entfernte sie sich von dem Licht und rief seinen Namen
"Lafayette..!", als ob sie das sichere Ufer verlassen würde, drohte sie langsam aber sicher von der
Finsternis geschluckt zu werden und in den Schatten der schwarzen Nacht zu ertrinken.
Gerade als sie die Hoffnung aufgab und sich zur Stadt umwand, packte er sie. Ihre Augen
schreckgeweitet, als sich ihre Blicke kreuzten, war sie nur noch zu erstickenden Hilferufen im Stande,
während er sie mit eisernem Griff hinaus in die Nacht zerrte.
Flug, bis zu jenem verhängnisvollen Augenblick wo sie von dem kühlen Nass geschluckt wurden und
seinem Blick entschwanden. So saß er bereits seit einiger Zeit da und rang um jeden klaren
Gedanken. "Wer seinen Namen vergisst, der vergisst sich selbst..." Wieder und wieder hallten ihm
diese Worte durch den Kopf und vor dem geistigen Auge konnte er ihr Lächeln so klar sehen, als
stünde sie immer noch vor ihm.
Er war Lafayette vom Rande der Welt, niemanden Mannes Sohn und keines Herrn Knecht. Verbissen
und mit einer aufkeimenden Wut in seinem Inneren, welche ihn an diesen einsamen Ort getrieben
hatte, wiederholte er Stein um Stein diese Lüge. Nun wo seine Hand nur noch ins Leere griff und es
keine Steine mehr aufzulesen gab, welche er seinem eigenen Antlitz entgegenwerfen konnte,
welches sich auf der glatten Oberfläche des Teiches spiegelte, begann sich die Wasseroberfläche
von den Wogen zu erholen. Der Ruhe und dem Frieden dieses Ortes machtlos ausgesetzt, begann es
in ihm zu brodeln und es schäumte immer mehr in ihm auf und sein getriebener und unruhiger Geist
rüttelte an seinem Inneren, wie ein wütendes und verzweifeltes Tier, an seinem Käfig.
Aimee war ihr Name... so hatte sie sich ihm vorgestellt und auch wenn er geglaubt hatte vorbereitet
zu sein, so konnte er nicht leugnen, dass sie ihn, mit ihrer ungezwungenen Art und ihrem kindlichen
Frohsinn berührt hatte. Er hatte sie aus der Ferne beobachtet, war in den Schatten gewandelt um in
ihrer Nähe zu sein und als er zum ersten Mal neben ihr saß und ihre Stimme in seinen Ohren
widerklang, war es nicht der Zweifel der ihn stocken ließ, sondern ein Hauch von Mitleid. Er ließ sich
dazu hinreißen ihren Weg zu teilen, ihren Sorgen und Ängsten zu lauschen, nur damit ein Teil seiner
Seele von ihr Abschied nehmen konnte und er frei war seiner Pflicht nachzukommen und ihre
Bestimmung zu erfüllen.
Er hatte sie im Lehrhospital abgeliefert, bei jenen Menschen welche ihr aus Gutmütigkeit helfen
wollten und es gewiss auch gekonnt hätten.. Die Stadt für einen Moment verlassend kam er in
veränderter Gestalt wieder. Das Haar geschwärzt und in Lumpen gehüllt, gerade so unbedeutend
aussehend, dass er weder Interesse aus Mitleid, noch aus Argwohn wecken konnte, schlenderte er
den Weg zurück und wartete - lauerte auf eine sich bietende Gelegenheit.
Die Sonne war hinter den Bergen verschwunden und Dunkelheit schwappte über die Stadt herein,
das klamme Licht der Straßenlaternen verwandelte die Häuserschluchten in Orte, an welchen ein
schwacher Geist, überwältigt von durch Angst getriebener Fantasie, nichts als Unheil vermuten
würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ein paar Stunden auf den Straßen ausgeharrt, hatte Obst
erworben und in kleinen Kreisen das Gebiet erkundet, als sie endlich vor die Tür trat. Sie rief ständig
seinen Namen "Lafayette.." doch finden konnte sie ihn nicht. Sie befragte Passanten, Stadtwachen
und Händler, doch die einzige Information, welche sie erhalten sollte, war das ein Mann auf den
diese Beschreibung passen sollte, bereits vor Stunden die Stadt verlassen hatte. Getrieben von einer
Hoffnung, welche für ihn fremd war, trat sie vor die Stadttore und verließ die Sicherheit der
schützenden Mauern. Immer weiter entfernte sie sich von dem Licht und rief seinen Namen
"Lafayette..!", als ob sie das sichere Ufer verlassen würde, drohte sie langsam aber sicher von der
Finsternis geschluckt zu werden und in den Schatten der schwarzen Nacht zu ertrinken.
Gerade als sie die Hoffnung aufgab und sich zur Stadt umwand, packte er sie. Ihre Augen
schreckgeweitet, als sich ihre Blicke kreuzten, war sie nur noch zu erstickenden Hilferufen im Stande,
während er sie mit eisernem Griff hinaus in die Nacht zerrte.
-
Gast
Da saß sie nun einsam im Dunklen, an die kalte Steinwand gelehnt. Töricht war der Gedanke, dass sie nun in Sicherheit war. Aber sie war einfach leicht zu überzeugen.... und ebenso abzulenken...
Sie hatte das Treffen wahrgenommen und hatte etwas Unterstützung bei der Suche des Hospitales bekommen. So kam sie wohlbehalten an und sie fühlte sich auch nicht ganz so alleine. Sie war froh darüber, dass man ihre Ängste ernst nahm und sich anhörte, was sie zu sagen hatte. Trankerl-Torjan und Malena.. so waren die Namen der Beiden, untersuchten sie körperlich und geistig. Dabei gaben sie sich größte Mühe, sie bei guter Laune zu halten. Sie hatte schon lange nicht mehr so ehrlich und ausgiebig gelacht. Sie schafften es ihre Ängste zu vertreiben und ein kleines Licht in der Dunkelheit zu entzünden. Sie hatte Hoffnung... darauf, dass alles ein gutes Ende nahm. Sie wünschte sich, dass alles nur ein Hirngespinst war... und nach einer gewissen Zeit.. dass sie im Hospital verbringen würde... wäre alles wieder normal. Aber sie hätte dann neue Freunde gefunden. Bereits jetzt fühlte sie eine Zuneigung den Beiden gegenüber... sicher lag es daran, dass sie sich recht leicht tat Menschen zu vertrauen und sich ihnen zu öffnen. Aber... die Zwei waren etwas besonderes - das spürte sie! Nach einem langen und ausgiebigen Gespräch war ihr danach, sich noch bei ihrem helfenden Wegweiser zu bedanken. Bedauerlicherweise war er schon ein paar Einkäufe zu tätigen. Doch das hinderte sie nicht. Mit neuen Mut und Lebenswillen wuselte sie durch die Strassen von Adoran und suchte ihn. Als die Wachen am Tor auch nicht weiter wussten, entschloss sie sich für einen kurzen Moment noch nach draußen zu sehen. Sie rufte seinen Namen etwas lauter...
... als plötzlich eine Hand aus dem Nichts kam und sie am Nacken packte. Sie erschrack und schrie schrill auf. Mit einem Mal fuchtelte sie mit ihren Armen wild in der Luft herum und versuchte sich zu befreien. Sie schrie nach Hilfe und versuchte sich gegen den Unbekannten zu wehren. Doch sie war einfach so klein.. und auch schwach. Immer weiter zerrte er sie mit sich, ihre Stimme schrie so laut sie nur konnte. Die Panik stieg in ihr hoch... alles, was sie zu hoffen waagte, zerbrach in nur wenigen Sekunden... Es musste ein Alptraum sein. Noch immer flogen die kleinen Fäustchen durch die Luft... die Stimme rufte mit aller Kraft, die sie besaß nach Jemanden.. der sie retten würde.. sie war mit einem Mal so wütend... über das Geschehen.. über sich selbst.. und ihre törichte Naivität... und über diese Person. So sehr sie sich auch anstrengte ihn zu erblicken.. so sah sie doch nur eine graue Fratze... die sie angrinste... sie würde... nicht einmal wissen, wer dieser... grausame Mensch war... der sie von ihrer Heimat wegschleifte...
... als die Entfernung zum Tor immer weiter wurde... und es langsam am Horizont verschwand... ermattete ihre Kraft nach.. und nach... ihr Wille begann zu brechen und mit einem Mal blieb er am Anfang eines Waldstückes stehen und harrte aus. War... das ihre Chance...? Er sah in die Ferne und schien sie für einen Moment zu vergessen... und wieder blitzte für einen kurzen Moment die Hoffnung auf... dass sie sich befreien konnte.. dass sie doch Herr über ihr Leben war.. und sie entscheiden konnte, was passieren würde... und was nicht... da raffte sie sich auf... ein letztes Aufbäumen im Kampf um ihr Leben... dass sie doch... so gerne weiterführen wollte...
...umso heftiger war dann das Bewusstwerden, dass sie nicht länger die Macht darüber hatte. Ein kräftiger Schlag mit den Knochenpranken traf sie... und um sie herum wurde es schwarz.... der Körper der zierlichen Weisshaarigen sank bewusstlos zusammen...
Als sie erneut erwachte.. befand sie sich schon auf dem kalten Steinboden. Ihr Kopf dröhnte noch immer von dem Aufprall der Faust... und als sie die Beule betastete, quollen schon ein paar Tränen aus ihren Augenwinkeln.. der Blick streifte nur für einen Moment durch die Dunkelheit.. doch sie wusste nicht, wo sie sich aufhielt und sie konnte auch nicht sonderlich viel erkennen. Nur eines wusste sie nicht, hier bleiben... wollte sie nicht... sie wollte frei sein..
... doch je länger sie in dem modernden Gefängnis weilte, desto mehr schwand das Licht aus ihrem Geist... ihre wurde immer mehr klar, dass es hier raus.. kein Entrinnen mehr geben würde.. keine Rettung... und so harrte sie wimmernd mit zusammengezogenen Körper ihrem Schicksal aus...
Sie hatte das Treffen wahrgenommen und hatte etwas Unterstützung bei der Suche des Hospitales bekommen. So kam sie wohlbehalten an und sie fühlte sich auch nicht ganz so alleine. Sie war froh darüber, dass man ihre Ängste ernst nahm und sich anhörte, was sie zu sagen hatte. Trankerl-Torjan und Malena.. so waren die Namen der Beiden, untersuchten sie körperlich und geistig. Dabei gaben sie sich größte Mühe, sie bei guter Laune zu halten. Sie hatte schon lange nicht mehr so ehrlich und ausgiebig gelacht. Sie schafften es ihre Ängste zu vertreiben und ein kleines Licht in der Dunkelheit zu entzünden. Sie hatte Hoffnung... darauf, dass alles ein gutes Ende nahm. Sie wünschte sich, dass alles nur ein Hirngespinst war... und nach einer gewissen Zeit.. dass sie im Hospital verbringen würde... wäre alles wieder normal. Aber sie hätte dann neue Freunde gefunden. Bereits jetzt fühlte sie eine Zuneigung den Beiden gegenüber... sicher lag es daran, dass sie sich recht leicht tat Menschen zu vertrauen und sich ihnen zu öffnen. Aber... die Zwei waren etwas besonderes - das spürte sie! Nach einem langen und ausgiebigen Gespräch war ihr danach, sich noch bei ihrem helfenden Wegweiser zu bedanken. Bedauerlicherweise war er schon ein paar Einkäufe zu tätigen. Doch das hinderte sie nicht. Mit neuen Mut und Lebenswillen wuselte sie durch die Strassen von Adoran und suchte ihn. Als die Wachen am Tor auch nicht weiter wussten, entschloss sie sich für einen kurzen Moment noch nach draußen zu sehen. Sie rufte seinen Namen etwas lauter...
... als plötzlich eine Hand aus dem Nichts kam und sie am Nacken packte. Sie erschrack und schrie schrill auf. Mit einem Mal fuchtelte sie mit ihren Armen wild in der Luft herum und versuchte sich zu befreien. Sie schrie nach Hilfe und versuchte sich gegen den Unbekannten zu wehren. Doch sie war einfach so klein.. und auch schwach. Immer weiter zerrte er sie mit sich, ihre Stimme schrie so laut sie nur konnte. Die Panik stieg in ihr hoch... alles, was sie zu hoffen waagte, zerbrach in nur wenigen Sekunden... Es musste ein Alptraum sein. Noch immer flogen die kleinen Fäustchen durch die Luft... die Stimme rufte mit aller Kraft, die sie besaß nach Jemanden.. der sie retten würde.. sie war mit einem Mal so wütend... über das Geschehen.. über sich selbst.. und ihre törichte Naivität... und über diese Person. So sehr sie sich auch anstrengte ihn zu erblicken.. so sah sie doch nur eine graue Fratze... die sie angrinste... sie würde... nicht einmal wissen, wer dieser... grausame Mensch war... der sie von ihrer Heimat wegschleifte...
... als die Entfernung zum Tor immer weiter wurde... und es langsam am Horizont verschwand... ermattete ihre Kraft nach.. und nach... ihr Wille begann zu brechen und mit einem Mal blieb er am Anfang eines Waldstückes stehen und harrte aus. War... das ihre Chance...? Er sah in die Ferne und schien sie für einen Moment zu vergessen... und wieder blitzte für einen kurzen Moment die Hoffnung auf... dass sie sich befreien konnte.. dass sie doch Herr über ihr Leben war.. und sie entscheiden konnte, was passieren würde... und was nicht... da raffte sie sich auf... ein letztes Aufbäumen im Kampf um ihr Leben... dass sie doch... so gerne weiterführen wollte...
...umso heftiger war dann das Bewusstwerden, dass sie nicht länger die Macht darüber hatte. Ein kräftiger Schlag mit den Knochenpranken traf sie... und um sie herum wurde es schwarz.... der Körper der zierlichen Weisshaarigen sank bewusstlos zusammen...
Als sie erneut erwachte.. befand sie sich schon auf dem kalten Steinboden. Ihr Kopf dröhnte noch immer von dem Aufprall der Faust... und als sie die Beule betastete, quollen schon ein paar Tränen aus ihren Augenwinkeln.. der Blick streifte nur für einen Moment durch die Dunkelheit.. doch sie wusste nicht, wo sie sich aufhielt und sie konnte auch nicht sonderlich viel erkennen. Nur eines wusste sie nicht, hier bleiben... wollte sie nicht... sie wollte frei sein..
... doch je länger sie in dem modernden Gefängnis weilte, desto mehr schwand das Licht aus ihrem Geist... ihre wurde immer mehr klar, dass es hier raus.. kein Entrinnen mehr geben würde.. keine Rettung... und so harrte sie wimmernd mit zusammengezogenen Körper ihrem Schicksal aus...
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Gast
« Beaucoup d'hommes sont doués de raison, très peu de bon sens. »
Gustave Le Bon
Aus dem Leben einer Taugenichte
Dramatis Personae:
- die (vermeintliche) Stimme der Gefühle: Emotio
- die (vermeintliche) Stimme der Vernunft: Ratio
- Gastauftritt: Phantomschmerz
Die Handlung spielt in einem Zimmer auf der Freibeuterinsel namens La Cabeza bei Gerimor.
Akt 42
Erster Auftritt
Eine augenscheinlich weibliche Person sitzt im grauen Morgenzwielicht mit dem Rücken zur Wand im Bett und hat die Knie an den Körper gezogen. Über ihre Stirn zieht sich eine sauber angelegte Bandage; am Leibe trägt sie ein viel zu großes Männerhemd und knielange Matrosenhosen... dieses Wort wollte die Autorin schon immer schreiben und somit, obwohl es nichts zum Stück beiträgt, bitte ich Sie, wertes Publikum, sich das Ganze nochmal auf der Zunge zergehen zu lassen:
Matrosenhosen!
Nun, die Person ist gerade damit beschäftigt den zu langen Ärmel des, wie erwähnt, zu großen Hemdes immer wieder durchs Gesicht zu wischen und dabei zu schniefen; Schluchzer werden unterdrückt --> Auftritt Emotio
„Ich versuch's aber es hört nicht auf. Die laufen mir einfach aus den Augen, ich versuch's zu unterbinden aber es geht nicht. Im Grunde ist es doch grad auch egal, oder? Hier ist kein Bartos... Merde, wenn man nur wüsste wo der Kerl ist! Zut... zut... zut alors, was ist, wenn Yvette ihn nicht findet? Was passiert, wenn sie ihn erwischt haben und er irgendwo elendig verblutend im Dreckswald krepiert? Was, wenn das Duell heute gegen Sebastianos Gunsten endet – sie werden ihn hängen, köpfen... was-auch-immer sie mit Piraten machen. Merde, ich hätt' nicht laufen sollen aber Jean war doch direkt neben mir, ehe wir in dieses Funkending gerannt sind, dieses glühende...“
--> Auftritt Phantomschmerz
Die rechte Hand der Person tastet wischend über den Nacken
„Was hätt' ich tun sollen? In Berchgard waren wir gefundenes Fressen, Kanonenfutter. Nicht nur, dass die Toten ihren Tanz da veranstaltet haben – über den mag ich nicht mal denken – aber das Mädchen... Putain de merde, ich werde zum Ungeheuer... hörst du?! ZUM UNGEHEUER!“
Erneutes Schluchzen ist unterdrückt und leise zu hören, der Kopf sinkt nach vorne und die Hand fällt wiede beiseite, verkrampft sich im Lakenstoff
„... und danach? Nichts besser gemacht, nur noch schlimmer. Sie hat's gesehen, die Heilerin und sie war nicht alleine, da waren mehrere um mich herum. Phemo, wie soll ich dem je wieder ins Gesicht sehen? Silea... mince, was wird sie nun denken, ich kann ihr nicht vor die Augen treten... ja und was, wenn er's gesehen hat? Ich hätt' nicht nach La Cabeza, sondern gleich nach Rahal gehen sollen, ich hätt' umdrehen sollen, hätt'...“
Keuchen, Jappsen
„Ich komm nicht mit. Ich komm in all dem Wahnsinn nicht mit. Das Rad dreht sich zu schnell auf dieser Insel. Ich pack's nicht, wollte stark sein, wollte mich bewähren und nun... pack ich's nicht.“
Stille
--> Auftritt Ratio
„So, nun hörst du MIR einmal genauer zu:
Du bist jung, unerfahren und erst seit wenigen Wochen in dieser Gesellschaft. Dennoch investierst du all deine Gefühle, deine Hoffnungen und Zukunftspläne in einen Haufen Banditen, Mörder und Gauner, die sich nicht ohne Grund „Pack“ nennen. Oh, nicht dass ich dir den Dazugehörgkeitswunsch absprechen möchte, der ist schon nachvollziehbar und ich möchte noch nicht einmal an diesem „Volle Fahrt vorraus!“-Kurs mäkeln, denn du da so herzgelenkt an den Tag legst aber dann kannst du jetzt nicht die Segel streichen. Das ist die Spitze eines gigantischen Eisbergs und auch du hast schon so einiges mitgemacht, was Anderen wahlweise Verstand oder Leben kostete, warum jetzt einknicken? Ich kann dir gern den größten Fehler des gestrigen Abends nennen: du hast nicht hinterfragt, wie du es sonst bei jedem dämlichen Stück Gefühlsduselei machst. Gut, passiert und du hast dich selbst in der fetten, wanzigen Bredouille nicht falsch verhalten, hast mitgekämpft, hast Befehle befolgt und deinen Teil beigetragen. Ehrlich, Mädel, wärst du da gestorben am Friedhof, dann wär das verdammt dumm gelaufen und du hättest dich sicher nicht mit Ruhm bekleckert aber ebenso wenig wär's in Schimpf und Schande geschehen. Sehr viel dämlicher, da geb ich dir gerne Recht, war die fehlgeleitete Heldenaktion a la „Ich hol nun erst Hilfe und lass die Wunde am Rücken bluten“, denn du hättest dir und all den Anderen um dich herum die Zeit und das Tamtam sparen können, wenn du dich gleich irgendwo zusammenflicken hättest lassen. Wenn Liska das Mal gesehen hat, dann ist dem eben so. Leg dir ne Geschichte parat, wenn dich doch mal jemand drauf anspricht oder bleib bei der Wahrheit. Du bist frei, das Ungeheuer ist weg. Ach, a propos Ungeheuer – das Mädchen war schon tot, als der Rabe die Klauen zum ersten Mal nach ihr ausgestreckt hat, was glaubst du hättest du dann dagegen machen sollen?“
Stille
„D'accord. Wir machen das nun so: Es wird rasch was zusammengepackt, dann verlässt du die Wohnung erst einmal, bis du kein lächerliches Häufchen Elend mehr bist. Der wilde Reinstürzkurs darf, was Kühnheit und blinden Mut betrifft, weiterverfolgt werden, doch das Steuer übernehme ab jetzt ich. Schließ die Augen, komm zur Ruhe und schweig erst einmal. Ich... werd das Ding schon schaukeln.“
------------------------------------------------
[I'm gonna swing from the chandelier, from the chandelier
I'm gonna live like tomorrow doesn't exist, like it doesn't exist!
And I'm holding on for dear life, won't look down won't open my eyes
Keep my glass full until morning light, 'cause I'm just holding on for tonight!]
Sia - Chandelier
Gustave Le Bon
Aus dem Leben einer Taugenichte
Dramatis Personae:
- die (vermeintliche) Stimme der Gefühle: Emotio
- die (vermeintliche) Stimme der Vernunft: Ratio
- Gastauftritt: Phantomschmerz
Die Handlung spielt in einem Zimmer auf der Freibeuterinsel namens La Cabeza bei Gerimor.
Akt 42
Erster Auftritt
Eine augenscheinlich weibliche Person sitzt im grauen Morgenzwielicht mit dem Rücken zur Wand im Bett und hat die Knie an den Körper gezogen. Über ihre Stirn zieht sich eine sauber angelegte Bandage; am Leibe trägt sie ein viel zu großes Männerhemd und knielange Matrosenhosen... dieses Wort wollte die Autorin schon immer schreiben und somit, obwohl es nichts zum Stück beiträgt, bitte ich Sie, wertes Publikum, sich das Ganze nochmal auf der Zunge zergehen zu lassen:
Matrosenhosen!
Nun, die Person ist gerade damit beschäftigt den zu langen Ärmel des, wie erwähnt, zu großen Hemdes immer wieder durchs Gesicht zu wischen und dabei zu schniefen; Schluchzer werden unterdrückt --> Auftritt Emotio
„Ich versuch's aber es hört nicht auf. Die laufen mir einfach aus den Augen, ich versuch's zu unterbinden aber es geht nicht. Im Grunde ist es doch grad auch egal, oder? Hier ist kein Bartos... Merde, wenn man nur wüsste wo der Kerl ist! Zut... zut... zut alors, was ist, wenn Yvette ihn nicht findet? Was passiert, wenn sie ihn erwischt haben und er irgendwo elendig verblutend im Dreckswald krepiert? Was, wenn das Duell heute gegen Sebastianos Gunsten endet – sie werden ihn hängen, köpfen... was-auch-immer sie mit Piraten machen. Merde, ich hätt' nicht laufen sollen aber Jean war doch direkt neben mir, ehe wir in dieses Funkending gerannt sind, dieses glühende...“
--> Auftritt Phantomschmerz
Die rechte Hand der Person tastet wischend über den Nacken
„Was hätt' ich tun sollen? In Berchgard waren wir gefundenes Fressen, Kanonenfutter. Nicht nur, dass die Toten ihren Tanz da veranstaltet haben – über den mag ich nicht mal denken – aber das Mädchen... Putain de merde, ich werde zum Ungeheuer... hörst du?! ZUM UNGEHEUER!“
Erneutes Schluchzen ist unterdrückt und leise zu hören, der Kopf sinkt nach vorne und die Hand fällt wiede beiseite, verkrampft sich im Lakenstoff
„... und danach? Nichts besser gemacht, nur noch schlimmer. Sie hat's gesehen, die Heilerin und sie war nicht alleine, da waren mehrere um mich herum. Phemo, wie soll ich dem je wieder ins Gesicht sehen? Silea... mince, was wird sie nun denken, ich kann ihr nicht vor die Augen treten... ja und was, wenn er's gesehen hat? Ich hätt' nicht nach La Cabeza, sondern gleich nach Rahal gehen sollen, ich hätt' umdrehen sollen, hätt'...“
Keuchen, Jappsen
„Ich komm nicht mit. Ich komm in all dem Wahnsinn nicht mit. Das Rad dreht sich zu schnell auf dieser Insel. Ich pack's nicht, wollte stark sein, wollte mich bewähren und nun... pack ich's nicht.“
Stille
--> Auftritt Ratio
„So, nun hörst du MIR einmal genauer zu:
Du bist jung, unerfahren und erst seit wenigen Wochen in dieser Gesellschaft. Dennoch investierst du all deine Gefühle, deine Hoffnungen und Zukunftspläne in einen Haufen Banditen, Mörder und Gauner, die sich nicht ohne Grund „Pack“ nennen. Oh, nicht dass ich dir den Dazugehörgkeitswunsch absprechen möchte, der ist schon nachvollziehbar und ich möchte noch nicht einmal an diesem „Volle Fahrt vorraus!“-Kurs mäkeln, denn du da so herzgelenkt an den Tag legst aber dann kannst du jetzt nicht die Segel streichen. Das ist die Spitze eines gigantischen Eisbergs und auch du hast schon so einiges mitgemacht, was Anderen wahlweise Verstand oder Leben kostete, warum jetzt einknicken? Ich kann dir gern den größten Fehler des gestrigen Abends nennen: du hast nicht hinterfragt, wie du es sonst bei jedem dämlichen Stück Gefühlsduselei machst. Gut, passiert und du hast dich selbst in der fetten, wanzigen Bredouille nicht falsch verhalten, hast mitgekämpft, hast Befehle befolgt und deinen Teil beigetragen. Ehrlich, Mädel, wärst du da gestorben am Friedhof, dann wär das verdammt dumm gelaufen und du hättest dich sicher nicht mit Ruhm bekleckert aber ebenso wenig wär's in Schimpf und Schande geschehen. Sehr viel dämlicher, da geb ich dir gerne Recht, war die fehlgeleitete Heldenaktion a la „Ich hol nun erst Hilfe und lass die Wunde am Rücken bluten“, denn du hättest dir und all den Anderen um dich herum die Zeit und das Tamtam sparen können, wenn du dich gleich irgendwo zusammenflicken hättest lassen. Wenn Liska das Mal gesehen hat, dann ist dem eben so. Leg dir ne Geschichte parat, wenn dich doch mal jemand drauf anspricht oder bleib bei der Wahrheit. Du bist frei, das Ungeheuer ist weg. Ach, a propos Ungeheuer – das Mädchen war schon tot, als der Rabe die Klauen zum ersten Mal nach ihr ausgestreckt hat, was glaubst du hättest du dann dagegen machen sollen?“
Stille
„D'accord. Wir machen das nun so: Es wird rasch was zusammengepackt, dann verlässt du die Wohnung erst einmal, bis du kein lächerliches Häufchen Elend mehr bist. Der wilde Reinstürzkurs darf, was Kühnheit und blinden Mut betrifft, weiterverfolgt werden, doch das Steuer übernehme ab jetzt ich. Schließ die Augen, komm zur Ruhe und schweig erst einmal. Ich... werd das Ding schon schaukeln.“
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[I'm gonna swing from the chandelier, from the chandelier
I'm gonna live like tomorrow doesn't exist, like it doesn't exist!
And I'm holding on for dear life, won't look down won't open my eyes
Keep my glass full until morning light, 'cause I'm just holding on for tonight!]
Sia - Chandelier
-
Gast
Stille - im Augenblick, als das Leben langsam aus ihrem Körper wich und ihr Bewusstsein in Schwärze gehüllt wurde, fiel all die Angst und Panik von ihr ab. Die Gewissheit, dass ihr Leben in diesem Ritualkreis aus Ddem Blut des unschuldigen Totengräbers beendet wurde, war offensichtlich...
SIe hatte keine große Wahl. Mit einer Gruppe von Banditen und Grauröcken wurde sie nach Berchgard 'eskortiert', wo am Friedhof dann alles vorbereitet wurde. Sie konnte sich nicht groß wehren, lediglich ein paar Schläge hätte sie vermutlich dafür erhalten. Lieber blieb sie still und brav und ihr Tod war nicht ganz so schmerzerfüllt. Sie ärgerte sich auch nicht länger über ihre törichte Art. Sie war eben so.. sie glaubte an das Gute im Menschen... sie hatte ihr Leben lang viel gelacht.. sie war ein herzlich guter Mensch und war stets voller Hoffnung, Träume und Liebe... wie sollte man so ein Leben, egal wie kurz es war, schon verachten..? Nein.. ihre letzten Gedanken sollten nicht von so etwas erfüllt sein und auch wenn sie Angst hatte, vor dem was kam, so versuchte sie im Frieden von dieser Welt zu gehen. Was sollte es ihr noch bringen voller Hass auf diese Menschen, die wohl ziemlich verzweifelt sein müssen, um so eine Tat zu begehen, zu sterben..? Gar keinen.. Und als die graubekleidete Dame gut auf sie einsprach, damit sie in den Bannkreis gehen sollte, da hörte sie kaum noch zu... immerhin gab es keine andere Wahl, als dort hinein zu treten...
Da lag sie nun im Kreis aus Blut.. und als sie die Worte des Rabendieners hörte, der die ganze Prozedur nun begann, vernahm sie auch andere Stimmen. Fremde Stimmen, die wohl kämpften.. für sie. Der Gedanke, dass es Menschen gab, die tatsächlich bereit waren für sie zu kämpfen, machte sie glücklich... für einen kurzen Moment erfüllte sie eine warme Woge... ehe sie plötzlich einen starken Schmerz in ihrem linken Arm spürte, sie schrie vor Schmerz verzweifelt auf und dann spürte sie schon eine warme Flut über ihre kalte Haut wallen. Als ihre Augen dorthin irrten, sah sie das Blut, dass ihre weisse Haut nach und nach bedeckte und gen Boden rann. Dann ein erneuter Schmerz an der rechten Seite nun und dort offenbarte sich das gleiche Bild... ihr wurde ein wenig übel beim Anblick des ganzen Blutes und je mehr sie verlor, desto mehr überkam sie Erschöpfung. Sie war noch nie sonderlich stark.. und der Kampf ihr Bewusstsein nicht zu verlieren.. fiel ihr durchaus schwer. Als das Kampfgetümmel um sie herum ausbrach, schien sie schon gar nicht mehr so recht geistig anwesend zu sein.. denn mit einem Mal spürte sie, wie all die Luft aus ihrem Körper gepresst wurde.. und dann umgab sie direkt die Dunkelheit... sie hörte nichts mehr.. und sah nichts mehr...
... sie richtete sich langsam auf und vor ihr stand eine dunkle Gestalt, die sie tatsächlich etwas zu fürchten brachte. Würde er sie etwa mitnehmen..? Sie schüttelte den Kopf... nein... dass wollte sie nicht... mit einem Mal stand sie auf und begann zu rennen... und auch wenn ihr dieses dunkle Etwas folgte.. so hörte sie nicht auf zu laufen.. ob das wohl nun ewig so weitergehen könnte..? Nicht mit Aimee... denn mit einem Mal verfing sich einer ihrer Füße in ihrem Kleid und sie stürzte... sie drehte sich erschrocken herum und sah, wie dieses Wesen seine Hand nach ihr ausstreckte, abwehrend hob sie ihren Arm in die Luft und schrie erschrocken auf, als ein glimmendes Licht von ihr ausging und den Raum aufhellen ließ...
...sie öffnete langsam und kraftlos die Augen. Kaum nahm sie ihre Umgebung wahr, doch wie es scheint, war sie erneut bei Bewusstsein. Sie lag auf dem Schoss eines Herren und erblickte kurz verschwommen sein Gesicht... er sah traurig aus... und eine andere Gestalt war noch da. Eine Frau.. sie schien sehr konzentriert... ihre hellen Rüstungen waren die des Regimentes.. sie kannte sie... sie hatten die bösen Menschen vertrieben... und sie gerettet. Sie setzte an etwas zu sagen... doch gelang es ihr nicht. Und erst, als sie es ein weiteres Mal probierte... überkam ein sanftmütiges 'Danke.. ihr habt mich gerettet..' ihre blassen Lippen...
<<Es ist alles gut.. du bist in Sicherheit..>>
..ihre Augenlider senkten sich wieder und ein winziges Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Ja... sie fühlte sich sicher... in einem Kreis aus Menschen, die trauerten... um sie. Doch sie spürte, dass die Kraft, die in sie flutete nicht reichte. Zu sehr hatte das Ritual ihren Körper gebeutelt... doch im Moment ihres Todes spürte sie keine Angst mehr.. und keinen Schmerz.. sie war einfach glücklich, dass sie in Frieden gehen konnte... erneut umfing sie die Dunkelheit... doch dieses mal stand eine hell erleuchtete Person vor ihr.. eine Frau mit einem liebevollen Lächeln.. die ihre Hand nach ihr ausstreckte und sie ergriff. Sie fühlte sich warm an.. und der Griff war zärtlich... sie half ihr hoch und brachte sie fort. Nur kurz sah sie noch auf ihren leblosen Körper zurück... und auf die Personen, die um sie herum standen....
<<Wir nennen sie Hoffnung, denn diese stirbt stets zuletzt...>>
SIe hatte keine große Wahl. Mit einer Gruppe von Banditen und Grauröcken wurde sie nach Berchgard 'eskortiert', wo am Friedhof dann alles vorbereitet wurde. Sie konnte sich nicht groß wehren, lediglich ein paar Schläge hätte sie vermutlich dafür erhalten. Lieber blieb sie still und brav und ihr Tod war nicht ganz so schmerzerfüllt. Sie ärgerte sich auch nicht länger über ihre törichte Art. Sie war eben so.. sie glaubte an das Gute im Menschen... sie hatte ihr Leben lang viel gelacht.. sie war ein herzlich guter Mensch und war stets voller Hoffnung, Träume und Liebe... wie sollte man so ein Leben, egal wie kurz es war, schon verachten..? Nein.. ihre letzten Gedanken sollten nicht von so etwas erfüllt sein und auch wenn sie Angst hatte, vor dem was kam, so versuchte sie im Frieden von dieser Welt zu gehen. Was sollte es ihr noch bringen voller Hass auf diese Menschen, die wohl ziemlich verzweifelt sein müssen, um so eine Tat zu begehen, zu sterben..? Gar keinen.. Und als die graubekleidete Dame gut auf sie einsprach, damit sie in den Bannkreis gehen sollte, da hörte sie kaum noch zu... immerhin gab es keine andere Wahl, als dort hinein zu treten...
Da lag sie nun im Kreis aus Blut.. und als sie die Worte des Rabendieners hörte, der die ganze Prozedur nun begann, vernahm sie auch andere Stimmen. Fremde Stimmen, die wohl kämpften.. für sie. Der Gedanke, dass es Menschen gab, die tatsächlich bereit waren für sie zu kämpfen, machte sie glücklich... für einen kurzen Moment erfüllte sie eine warme Woge... ehe sie plötzlich einen starken Schmerz in ihrem linken Arm spürte, sie schrie vor Schmerz verzweifelt auf und dann spürte sie schon eine warme Flut über ihre kalte Haut wallen. Als ihre Augen dorthin irrten, sah sie das Blut, dass ihre weisse Haut nach und nach bedeckte und gen Boden rann. Dann ein erneuter Schmerz an der rechten Seite nun und dort offenbarte sich das gleiche Bild... ihr wurde ein wenig übel beim Anblick des ganzen Blutes und je mehr sie verlor, desto mehr überkam sie Erschöpfung. Sie war noch nie sonderlich stark.. und der Kampf ihr Bewusstsein nicht zu verlieren.. fiel ihr durchaus schwer. Als das Kampfgetümmel um sie herum ausbrach, schien sie schon gar nicht mehr so recht geistig anwesend zu sein.. denn mit einem Mal spürte sie, wie all die Luft aus ihrem Körper gepresst wurde.. und dann umgab sie direkt die Dunkelheit... sie hörte nichts mehr.. und sah nichts mehr...
... sie richtete sich langsam auf und vor ihr stand eine dunkle Gestalt, die sie tatsächlich etwas zu fürchten brachte. Würde er sie etwa mitnehmen..? Sie schüttelte den Kopf... nein... dass wollte sie nicht... mit einem Mal stand sie auf und begann zu rennen... und auch wenn ihr dieses dunkle Etwas folgte.. so hörte sie nicht auf zu laufen.. ob das wohl nun ewig so weitergehen könnte..? Nicht mit Aimee... denn mit einem Mal verfing sich einer ihrer Füße in ihrem Kleid und sie stürzte... sie drehte sich erschrocken herum und sah, wie dieses Wesen seine Hand nach ihr ausstreckte, abwehrend hob sie ihren Arm in die Luft und schrie erschrocken auf, als ein glimmendes Licht von ihr ausging und den Raum aufhellen ließ...
...sie öffnete langsam und kraftlos die Augen. Kaum nahm sie ihre Umgebung wahr, doch wie es scheint, war sie erneut bei Bewusstsein. Sie lag auf dem Schoss eines Herren und erblickte kurz verschwommen sein Gesicht... er sah traurig aus... und eine andere Gestalt war noch da. Eine Frau.. sie schien sehr konzentriert... ihre hellen Rüstungen waren die des Regimentes.. sie kannte sie... sie hatten die bösen Menschen vertrieben... und sie gerettet. Sie setzte an etwas zu sagen... doch gelang es ihr nicht. Und erst, als sie es ein weiteres Mal probierte... überkam ein sanftmütiges 'Danke.. ihr habt mich gerettet..' ihre blassen Lippen...
<<Es ist alles gut.. du bist in Sicherheit..>>
..ihre Augenlider senkten sich wieder und ein winziges Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Ja... sie fühlte sich sicher... in einem Kreis aus Menschen, die trauerten... um sie. Doch sie spürte, dass die Kraft, die in sie flutete nicht reichte. Zu sehr hatte das Ritual ihren Körper gebeutelt... doch im Moment ihres Todes spürte sie keine Angst mehr.. und keinen Schmerz.. sie war einfach glücklich, dass sie in Frieden gehen konnte... erneut umfing sie die Dunkelheit... doch dieses mal stand eine hell erleuchtete Person vor ihr.. eine Frau mit einem liebevollen Lächeln.. die ihre Hand nach ihr ausstreckte und sie ergriff. Sie fühlte sich warm an.. und der Griff war zärtlich... sie half ihr hoch und brachte sie fort. Nur kurz sah sie noch auf ihren leblosen Körper zurück... und auf die Personen, die um sie herum standen....
<<Wir nennen sie Hoffnung, denn diese stirbt stets zuletzt...>>
Zuletzt geändert von Gast am Montag 18. August 2014, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Janarey
Es war alles andere als ein ruhiger Tordienst, mit anschliessenden Wachritt. Als sie Aufstellung am Tor nahmen, kam auch schon kurz danach eine berittene wache aus Berchgard angeritten und berichtete, das sich Piraten und Rabendiener auf dem Berchgarder Friedhof verschanzt hätten.
Die Frau Oberstleutnant teilte die Truppe in zwei Abteilungen auf. Die eine geführt von Korporal Talianna, die aus dem Norden zum Friedhof stoßen sollte und die andere geführt von der Oleu selbst, die aus dem Süden zum Friedhof vorstiess.
Das Bild was sich uns dort bot, war grausam. Der ganze Friedhof war voller Rabendiener und Piraten und sie hatten dort ein Pentagramm, in dem eine junge Frau lag.
Sofort versuchten wir, dem ganzen einhalt zu gebieten. Doch wurden wir sofort abgegriffen. Als wir es dann schafften, den Friedhof zu stürmen und die Feinde einem nach dem anderen aus zu schalten, wurde um das Pentagramm eine Mauer erschaffen um das schändliche Ritual weiter führen zu können. Doch weder mit roher Gewalt der Kamaraden, noch mit Gebeten meinerseits, konnten wir diese Mauer überwinden und das Ritual beenden. Im inneren der Mauer zog ein Nebel auf, der mir einen Schauer durch Mark und Gebein fahren lies, als plötzlich die Mauer daraufhin verschwand. Dennoch schafften wir es nicht, diesen bannkreis zu durchbrechen um zur Frau zu gelangen. Ein großes sehr böses dunkles Wesen konnte ich darin warnehmen, was die innenstehenden Rabendiener in einen Nebel hüllte. Ich rief den Kamraden zu, keine Furcht zu zeigen und begann laut an zu beten.
Einige zeit später, wurden wir von einer Druckwelle von dem Bannkreis mehrere Schritt zurück geworfen und die Rabendiener verschwanden mit diesem Wesen im Nebel. Die Junge Frau, die während dessen im Pentagramm in der Luft schwebte, fiel zu Boden.
Ein kurzes knurren, dann ein Schütteln, und ich rappelte mich wider vom Boden auf. Rasch näherten sich mein Kamarad Arno und ich wider dem Pentagramm. Dieses mal konnten wir endlich die Frau darin erreichen. Es sah nicht gut um sie aus. Arno kniete sich vor ihr hin und zog sie an sich ran, so das sie mit leicht erhötem Oberkörper auf seinen Beinen lag. Ich kniete mich neben jene und legte meine Hand auf ihre Brust und begann erneut zu beten. Ich bat die Herrin, mir die Kraft zu geben die Frau zu heilen. Einen Moment lang sah es aus, als würde meine Kraft dafür reichen.
Sie öffnete einen kurzen Moment die Augen und brachte schwach einige leise Worte hervor. Alle Kraft die ich aufbringen konnte versuchte ich für sie ein zu setzen. Doch leider war ich nicht stark genug um die Kraft der Herrin voll zu nutzen und sie am Leben zu halten. Schliesslich verlor ich den Kampf um ihr Leben. Doch blieb die Gewissheit, das ihre Seele den Weg zu Temora gefunden hatte. Mit Tränen in den Augen, sahen Arno und ich uns einen Moment an. Als ich dann nur leicht den Kopf schüttelte, musste auch er sich eingestehen, das wir nichts mehr für sie tun konnten.
So fassten wir den Entschluss, das wir ihr zumindest noch die letzte Ruhe geben konnten. Wir sorgten dafür, das sie in Würde beerdigt wurde und niemand ihren Kampf gegen das Böse je vergessen sollte. Da wir allerdings nicht ihren Namen wussten, beschlossen wir, sie Hoffnung zu nennen.
So soll dieses Grab, einen jeden daran erinnern, das die Hoffnung immer zuletzt stirbt und man nie den kampf aufgeben darf.
Die Frau Oberstleutnant teilte die Truppe in zwei Abteilungen auf. Die eine geführt von Korporal Talianna, die aus dem Norden zum Friedhof stoßen sollte und die andere geführt von der Oleu selbst, die aus dem Süden zum Friedhof vorstiess.
Das Bild was sich uns dort bot, war grausam. Der ganze Friedhof war voller Rabendiener und Piraten und sie hatten dort ein Pentagramm, in dem eine junge Frau lag.
Sofort versuchten wir, dem ganzen einhalt zu gebieten. Doch wurden wir sofort abgegriffen. Als wir es dann schafften, den Friedhof zu stürmen und die Feinde einem nach dem anderen aus zu schalten, wurde um das Pentagramm eine Mauer erschaffen um das schändliche Ritual weiter führen zu können. Doch weder mit roher Gewalt der Kamaraden, noch mit Gebeten meinerseits, konnten wir diese Mauer überwinden und das Ritual beenden. Im inneren der Mauer zog ein Nebel auf, der mir einen Schauer durch Mark und Gebein fahren lies, als plötzlich die Mauer daraufhin verschwand. Dennoch schafften wir es nicht, diesen bannkreis zu durchbrechen um zur Frau zu gelangen. Ein großes sehr böses dunkles Wesen konnte ich darin warnehmen, was die innenstehenden Rabendiener in einen Nebel hüllte. Ich rief den Kamraden zu, keine Furcht zu zeigen und begann laut an zu beten.
Einige zeit später, wurden wir von einer Druckwelle von dem Bannkreis mehrere Schritt zurück geworfen und die Rabendiener verschwanden mit diesem Wesen im Nebel. Die Junge Frau, die während dessen im Pentagramm in der Luft schwebte, fiel zu Boden.
Ein kurzes knurren, dann ein Schütteln, und ich rappelte mich wider vom Boden auf. Rasch näherten sich mein Kamarad Arno und ich wider dem Pentagramm. Dieses mal konnten wir endlich die Frau darin erreichen. Es sah nicht gut um sie aus. Arno kniete sich vor ihr hin und zog sie an sich ran, so das sie mit leicht erhötem Oberkörper auf seinen Beinen lag. Ich kniete mich neben jene und legte meine Hand auf ihre Brust und begann erneut zu beten. Ich bat die Herrin, mir die Kraft zu geben die Frau zu heilen. Einen Moment lang sah es aus, als würde meine Kraft dafür reichen.
Sie öffnete einen kurzen Moment die Augen und brachte schwach einige leise Worte hervor. Alle Kraft die ich aufbringen konnte versuchte ich für sie ein zu setzen. Doch leider war ich nicht stark genug um die Kraft der Herrin voll zu nutzen und sie am Leben zu halten. Schliesslich verlor ich den Kampf um ihr Leben. Doch blieb die Gewissheit, das ihre Seele den Weg zu Temora gefunden hatte. Mit Tränen in den Augen, sahen Arno und ich uns einen Moment an. Als ich dann nur leicht den Kopf schüttelte, musste auch er sich eingestehen, das wir nichts mehr für sie tun konnten.
So fassten wir den Entschluss, das wir ihr zumindest noch die letzte Ruhe geben konnten. Wir sorgten dafür, das sie in Würde beerdigt wurde und niemand ihren Kampf gegen das Böse je vergessen sollte. Da wir allerdings nicht ihren Namen wussten, beschlossen wir, sie Hoffnung zu nennen.
So soll dieses Grab, einen jeden daran erinnern, das die Hoffnung immer zuletzt stirbt und man nie den kampf aufgeben darf.
- Helisande von Alsted
- Beiträge: 4067
- Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42
Ihr Name war Aimee.
Sie war die junge Frau gewesen, das Mädchen dass sich an sie gewendet hatte. Ihre Ängste waren real und begründet gewesen, keine hysterische Spinnerin. Ein Opfer dieser verfluchten, seelenlosen Bestien, die den Boden mit dem Blut der Unschuldigen getränkt hatten. Die Akoluthin hatte sich bis an den Rand der eigenen Erschöpfung bemüht zu verhindern, was sie nicht verhindern konnte. Dennoch wuchs erneut die Achtung der Rosthaarigen vor der jungen Geweihten. In jener ruhte eine innere Stärke, die auch dem Tod wohl den Schrecken nehmen konnte. So wie in der Diakonin auch. Beide waren von Temora berührt und irgendetwas gab ihr die Gewissheit, dass das Mädchen seinen Frieden nun hatte.
Selbst blass von den Ereignissen der letzten Tage kniete sie vor dem Grab nieder. Janarey hatte dafür gesorgt, dass alles seine Ordnung hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, hatte die Offizierin eine der weißen Rosen aus dem Strauß gepflückt, den ihr ausgerechnet ein rahalischer Ritter geschenkt hatte. Jene Rose legte sie nun auf die frische, dunkle Erde und senkte ihren Kopf ab.
Erneut roch die den Kampf, den sie gefochten hatte. Erneut hörte sie das Knallen der Muskete an ihrem Ohr, das in ihrer Wange eingebrannte Schießpulver wirkte wie ein Schönheitspflater auf dem Jochbein in ihrem Gesicht, es würde von allein herausfallen oder als Mahnung in ihrer Haut bleiben. Erneut fühlte sie das Grauen, das diesen Ort heimgesucht hatte und ihre Hilflosigkeit. Sie hätten es verhindern können, verhindern müssen! Diese Schändung eines Lebens erschien ihr weit aus grausamer als es je ein Tod in einer Schlacht sein konnte. Der frische Schnitt an ihrem Hals brannte ein wenig als sie den Kopf absenkte.
Lehrgeld. Jeder bezahlte es irgendwann. Sie tat es in diesen Tagen. Es galt noch achtsamer zu werden. Ein Offizier hat einen gewissen Machtspielraum und trägt mindestens doppelt soviel an Verantwortung. Nichts würde je den Tod des Mädchens auslöschen können. Kein Gebet vermochte gerade die Kriegerin zu trösten.
Ihr Name war Aimee.
"Ruhe in Licht und Frieden, Aimee. Temora beschützt nun. Ewig."
Unbeobachtet, so hoffte sie gestattete sie sich Tränen, die geboren waren aus der eigenen Machtlosigkeit und er Erschöpfung und ebenso Kind der ewigen Hoffung auf das Licht am Ende.
Sie war die junge Frau gewesen, das Mädchen dass sich an sie gewendet hatte. Ihre Ängste waren real und begründet gewesen, keine hysterische Spinnerin. Ein Opfer dieser verfluchten, seelenlosen Bestien, die den Boden mit dem Blut der Unschuldigen getränkt hatten. Die Akoluthin hatte sich bis an den Rand der eigenen Erschöpfung bemüht zu verhindern, was sie nicht verhindern konnte. Dennoch wuchs erneut die Achtung der Rosthaarigen vor der jungen Geweihten. In jener ruhte eine innere Stärke, die auch dem Tod wohl den Schrecken nehmen konnte. So wie in der Diakonin auch. Beide waren von Temora berührt und irgendetwas gab ihr die Gewissheit, dass das Mädchen seinen Frieden nun hatte.
Selbst blass von den Ereignissen der letzten Tage kniete sie vor dem Grab nieder. Janarey hatte dafür gesorgt, dass alles seine Ordnung hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, hatte die Offizierin eine der weißen Rosen aus dem Strauß gepflückt, den ihr ausgerechnet ein rahalischer Ritter geschenkt hatte. Jene Rose legte sie nun auf die frische, dunkle Erde und senkte ihren Kopf ab.
Erneut roch die den Kampf, den sie gefochten hatte. Erneut hörte sie das Knallen der Muskete an ihrem Ohr, das in ihrer Wange eingebrannte Schießpulver wirkte wie ein Schönheitspflater auf dem Jochbein in ihrem Gesicht, es würde von allein herausfallen oder als Mahnung in ihrer Haut bleiben. Erneut fühlte sie das Grauen, das diesen Ort heimgesucht hatte und ihre Hilflosigkeit. Sie hätten es verhindern können, verhindern müssen! Diese Schändung eines Lebens erschien ihr weit aus grausamer als es je ein Tod in einer Schlacht sein konnte. Der frische Schnitt an ihrem Hals brannte ein wenig als sie den Kopf absenkte.
Lehrgeld. Jeder bezahlte es irgendwann. Sie tat es in diesen Tagen. Es galt noch achtsamer zu werden. Ein Offizier hat einen gewissen Machtspielraum und trägt mindestens doppelt soviel an Verantwortung. Nichts würde je den Tod des Mädchens auslöschen können. Kein Gebet vermochte gerade die Kriegerin zu trösten.
Ihr Name war Aimee.
"Ruhe in Licht und Frieden, Aimee. Temora beschützt nun. Ewig."
Unbeobachtet, so hoffte sie gestattete sie sich Tränen, die geboren waren aus der eigenen Machtlosigkeit und er Erschöpfung und ebenso Kind der ewigen Hoffung auf das Licht am Ende.