Der Emir ist tot. Es lebe der Emir!

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Gast

Der Emir ist tot. Es lebe der Emir!

Beitrag von Gast »

Was für ein Abend. So viele Eindrücke, die ihn innerhalb dieser kurzen Zeit überrollt hatten. Eigentlich wollte er sich nur um die üblichen Streuner der Durrah kümmern. Raubtiere, die einfach der Stadt oder der Handelsstraße zu nahe kamen. Es war schon eine Prozedur und eine Gewohnheit, die er im Schlaf beherrschte. Beim vorbei Schlendern an der Karawanserei sah er dort einige Gestalten im Inneren der Gebäude, die er im ersten Moment gar nicht mustern konnte. Jedoch erblickte er schon die erste Bekannte, die dieses schließlich verließ, um ihn auf gewohnte Art zu begrüßen. Jala wurde mit einem knappen Nicken gegrüßt, als schon im nächsten Moment eine schwarze Wolkendecke über den kleinen Flecken Menek'Urs legte. Als hätte Mara Eluive genau dieses Stück für ein Gewitter ausgesucht, das wenig später auch über ihnen hereinbrach. Ein verheißungsvoller Bote war gekommen und brachte die verheerende Nachricht, die Imraan fast schon den Füßen holen wollte. So ein intensives Gefühl hatte er nie zuvor vernommen. Es war fast ein Faustschlag, der ihm die Brust zerreißen wollte. Für mehrere Sekunden blieb ihm die Luft weg, als verschiedene Eindrücke seinen Verstand einnahmen. Ein Schiff, Leichen, verstreute Habseligkeiten, die auch offensichtlich zum Erhabenen gehörten. Es musste auch einen Kampf gegeben haben, da viele der Menekaner mit dem Säbel in der Hand starben. Er sah Ghadir - Ghadir Tazim, Sohn der Omar, Emir des Reiches der Sonne. Er war tot und die Botschaft so hart, als hätte man ihm diese mit der flachen Hand als Ohrfeige verpasst. Es saß und raubte ihm in diesem Moment alle Kraft, weswegen er sich, umringt von den anderen Anwesenden die nun heran geeilt waren, auf den Boden setzen musste. Er starrte vor sich hin, sucht etwas in der Leere vor sich. Ein kurzer Lichtschein hatte sich durch die Wolkendecke gebohrt und strahlte direkt auf ihn hinab. Es wurde wärmer um ihn.

Er spürte, dass die Mara ihn brauchen würde, dass jetzt sein Zeitpunkt gekommen wäre, in der er seine Lebensaufgabe angehen musste. Menek'Ur durfte nicht kopflos bleiben, nicht ein Augenzwinkern lang. Eine Antwort erwartete die gütige Allmächtige nicht. Er musste annehmen und sich den Herausforderungen stellen, die auf ihn zukommen würden. Er liebte das Volk und jeden kleinsten Stein der stolzen Wüstenperle. Er würde sein Bestes geben. Langsam kam auch die Kraft wieder in seine Beine zurück, doch ließ er sich für den Moment noch von Sahid hoch helfen, der sich vom Familienviertel der Yazir dazu gesellt hatte. Der laute Schrei des Adlers war es, der über der kleinen Gruppe kreiste, der ihn dazu brachte, gen Himmel zu sehen, bis dieser dann auf dem Dach der Karawanserei landete. Unterbewusst streckte Imraan den Unterarm aus, ganz so, als würde er wissen, was er dort tut - als würde ihn jemand kontrollieren, führen, leise Anweisungen an sein Ohr hauchen. Maras Präsenz war allgegenwärtig, das merkten die anderen Menekaner auch immer mehr, so dass sie nun auf ihre Knie hinab sanken, um dem neuen Emir ihren Respekt zu zollen. Der blauäugige, gefiederte Freund auf dem Unterarm des Erhabenen sah sich um, ragte dort majestätisch und akzeptierte schlichtwegdie Geste der Menekaner. Die Arbeit war verrichtet, die Botschaft überbracht. Der omarweiße Adler stieß sich vom Arm in die Lüfte ab und verschwand so schnell, wie er auch gekommen war. Die Gruppe ließ er dort zurück, die immer noch das verarbeitete, was in der kurzen Zeit geschehen war.

Danach begaben sie sich zum Familienviertel der Yazir. Er musste sich setzen, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Nach dieser Neuigkeit mussten Aufgaben verteilt werden, so ließ er Jala, als Palastschreiberin, die anderen Familien und Hauslosen über den Tod des Erhabenen informieren. Im gleichen Zug musste man auch seinen Wechsel in diese Position erwähnen. Ohne einen Anführer würde die Gerüchteküche nur so brodeln und die ersten Zweifel wären gesät. Das dürfte nicht passieren. Hinzu kam, dass es überhaupt keine Leiche gab. Sie musste gefunden werden und so legte er diese Aufgabe in die Hände seines treuen Sajneen. Jala und Sahid gaben ihm direkt die Informationen weiter, die sich im Laufe der Zeit außerhalb des Reiches, ergaben. Rahal und auch Adoran hatten sich nicht zurück gehalten und bestimmte Schritte in Richtung des Reiches gemacht. Anderes wird er mit Mariyah diskutieren müssen.

Es musste nun die Tradition gewahrt werden und alle erforderlichen Schritte durchgeführt werden, damit Imraan nun den Thron des Erhabenen besteigen konnte. Eine ganze Weile wird er sich dort wohl nicht wohl fühlen, aber so ging es wohl jedem, der den Platz eines Verstorbenen einnahm.
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 14. August 2014, 10:55, insgesamt 1-mal geändert.
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