Es war in Ordnung Fehler zu machen, es war auch in Ordnung zu versagen. Jedoch auch nur beim ersten, zweiten oder dritten Mal. Irgendwann starb die Toleranz ab und es blieb nur noch abgrundtiefe Verachtung zurück. Verachtung, die natürlich auch beim ersten Fehlschlag nach außen getragen wurde, und doch nicht so wahrhaftig war wie sie es bei offenkundiger Lernresistenz wäre. Man durfte dem Frischfleisch nicht offen zeigen, dass Versagen und Fehler geschehen konnten, denn das würde ihnen eine Freifahrt in weitere Missetaten geben. Also zeigte man Wut, man schrie sie an, verstümmelte sie, schrie noch einmal, in der Hoffnung es würde beim nächsten Mal besser werden. Natürlich wurde es das nicht. Denn jeder von ihnen und das wusste ich, würde noch unzählige Fehler machen. Die Frage ist nur ob die Wunden, welche die Fehler erzeugten, wieder zu heilen waren.
"Ar'ynx, die Lethra hat sich daneben benommen, eventuell solltest du ihr nochmal Respekt näher bringen und die Gebote."
Ich war kein Freund Verstümmelungen. Immer wenn ich damit anfing, verfiel ich in einen Rausch, aus dem ich mich schwer befreien konnte. So habe ich mich damit abgefunden, erst einmal mit Worten mentale Schläge zu verpassen. Immer mit der Hoffnung, dass dies reichen würde. Denn es würde an meiner Kompetenz zweifeln lassen, würde ich nicht reagieren wenn meine Worte keinen Anklang fanden. Also hielt ich Predigten, belehrte und bis jetzt funktionierte das ganz gut. Es gab noch kein zweites Treffen, weil sich irgendwer unpassend verhalten hat. Jedoch hatte ich im Gefühl, dass mich mein 'Glück' verlassen hatte. Aber es war auch nicht mein Verlust wenn ich Frischfleisch ein zweites Mal aufsuchen würde. Der Rausch würde beginnen und der Einzige der darunter leiden würde, war der, der versagt hatte. Der, die, das...
"Vielleicht solltest du einmal mit dem Letharfen reden, Schwester."
Oh ja, ich redete und redete. Eventuell sollte ich das Reden für die nächsten Male etwas knapper halten und mich der Droge hingeben, die mich überwältigte, wenn ich das erste Mal Blut am anderen Leib erzeugte. In wie weit es jedoch sinnvoll war, in wie weit man es mir verzeihen könnte, wenn ich kein Ende finden würde, das würde man wohl nur heraus finden, wenn es eben geschieht. Kontrolle. Oh Kontrolle, wovon wir alle nie genug haben könnten...
- "Am stärksten ist, wer sich selbst in der Gewalt hat."