Ein Büßer sucht Vergebung

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Hrorin
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Ein Büßer sucht Vergebung

Beitrag von Hrorin »

Es ist Abend und eine klägliche kleine Gestalt nähert sich dem Torbogen zum Fischerdorf Bajard. Hinter ihm her laufen fröhlich-klackernd drei stramme, riesige Käfer und geben so einen starken Gegensatz zu der traurigen Gestalt, die sie führt.
In eine einfache, weiße Robe gehüllt, nähert er sich mit traurigen, reuevollen Schritten dem Dorfeingang.

Er trägt das Büßergewand der Cirmiasgläubigen und beim Betreten der Hauptstraße holt er ein kleines Horn aus der Tasche hervor, dem er einen kräftigen Stoß Luft durch die Kraft seiner starken Lungen versetzt.

Doch das Büßerhorn gibt nur ein klägliches Quäken von sich, das in Bajard weithin gehört werden wird und durch manche Wand dringen mag.
Quuuäääääääääähäääää, trötet es jämmerlich daher.

Müden Schrittes und gesenkten Hauptes zieht er an den Dorfbewohnern vorbei, die vor den drei Käfern zurücktreten und sich wohl fragen was das Ganze überhaupt soll. Ach, sie wissen nicht, dass der arme Zwerg den Bußgang ging. Zu Fuß durch die Frostklamm und die Sümpfe herum über die Oststeite und südlich am Rittersee vorbei. Die blanken Knollenfüße des Zwergen sind erschöpft und geschunden, doch der Büßer geht weiter bis vor die Tür des Handelshauses der Zwerge.

Als sie zum Stehen kommen, tasten die Fühler der Steinbeißer neugierig die ungewohnte Umgebung nach essbarem Gestein ab.
Der Büßer aber hebt das Haupt und die Stimme. Er spricht mit der Zunge seines Volkes, das in Bajard nicht verstanden wird, doch die Schar der Schaulustigen versteht noch gerade den Namen, den er ruft:
"Getwergelyn!" - was folgt mag nur ein Kenner der zwergischen Zunge zu verstehen wissen.
"Komm heraus, wenn du darinnen bist! Ein Büßer ist vor dich getreten von weither und bittet um Vergebung, o stolzer Kal Khazad der Khaz-Graik!"

Einiges einfaches Volk hat sich versammelt und tuschelt neugierig herum. Eigenartig scheinen ihnen die Bräuche des Bergvolkes. Mägde tuscheln leis miteinander, die großen, neugierige Augen doch nie abgewandt von dem eigenartigen Schauspiel vor ihnen.

Noch bevor sich im Hause etwas zu tun scheint und noch ehe klar ist ob jemand darin ist oder nicht, setzt der sprechende fort und bildet eine Strophe:

Hör, Hoher Heermann, Stahlauges Streitsohn,
ein Grauer ging vor dich, aus Felsen gehauen,
Gewandet als Weißer, wohl walten will jener.
Übel kam Tat nur vom Brecher der Bolzen.
Buße Bergvater befahl und Reue im Herzen.
Hochreicher an Sünde vor Vater tritt vor dich.
Gib - Getwergelyn! - gerechtes Gericht
Gereuigem Graufels, Vergeuder vor Vater.


Kaum hat er den Steinskaldenvers gesprochen, da lässt er sich nach den strengen Sitten der Zwerge fallen in den Schmutze Bajards, den Kopf tief geneigt, nur der Hintern ragt ungeschickt in die Höhe. Die Zügel der kieselknabbernden Beißer hält er noch immer in den Händen.

"Vergib', o mächtiger, ehrwürdiger, hochgnädigster Kal Khazad einem armen Sünder, der so viel üble Verschwendung an Steinbeißern vor Bergvater bescherte.", spricht er wehmütig vom Schmutze herauf.

Noch immer scheint sich nichts im Handelshaus zu rühren. Die Menge schaut unschlüssig umher. Auch einige Regimentssoldaten aus Adoran sind mittlerweile eingetroffen und versuchen sich ihren Weg durch die schaulustigen, an Büßer und Steinbeißern vorbei zu bahnen.
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