Ruben Rendan - ein Leben aus scharfem Auge.

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Gast

Ruben Rendan - ein Leben aus scharfem Auge.

Beitrag von Gast »

Seit meiner Beförderung, oder viel mehr, seitdem mir das Privileg zugesprochen wurde, für das rahalische Reich als Ausbilder zu dienen, haben sich auch andere Dinge verändert.

Auch wenn ich heute der Armee noch diene, ist meine Freizeit expotentiel gestiegen. Zeit, die ich nun für die Vorbereitungen des Unterrichtes brauchte, aber konnte ich auch mein eigenes Training individualisieren

So begann ich den Tag wie jeden Tag mit einem morgentlichen Lauf von Rahal nach Düstersee und wieder zurück. Meinen Bogen auf der Schulter, den Köcher auf dem Rücken, ansonsten nur leichtere Kleidung. So kalt war es nicht mehr. Ich hetzte mich nicht, keine Sprints, nur etwas den Puls nach oben treiben. Auf dem Rückweg machte ich an dem Übungsplatz der rahalischen Garde halt um ein bisschen Spannung auf die Sehne meines Bogens zu bringen.

In meiner Hand lag ein Bogen aus Walnuss, 1 ½ Schritt hoch, entsprechend viel auch die Wirkung der Kraft auf den Pfeil aus. Dem Stroh sei dank, wurden die Pfeile nicht beschädigt und es war auch ein leichtes die Pfeile unversehrt noch einmal zu benutzen. Es war ein gutes Gefühl, die feinen Federn des Geschosses an meinem Mittel- und Zeigefinger, das feine, surrende Geräusch, wenn die Klinge des Pfeils die Luft durchschnitt, nur um dann mit einem brachialen Einschlag das Ziel zu treffen.

Ein Langbogen brauchte gewisse Kraft um gespannt zu werden, so spürte ich auch bald die Anstrenung in meinen Armen. Ich lies den Bogen sinken und betrachtete ihn. Ein guter Aufbau, ohne Biegung der Wurfarme. Großer Kraftaufwand, große Schussweite, aber schwer zu spannen und damit langsam. Vielleicht sollte ich meine neue gewonnene Zeit auch dafür nutzen, um einen angemesseneren Bogen zu entwerfen und zu fertigen? Durchschlagskraft, Reichweite, aber auch Schnelligkeit auf kurze Distanz mit immer noch moderater Durchschlagskraft. Ich würde mir meine Gedanken machen.
Zurück in der Kaserne angekommen, schlug ich sogleich mein Buch auf, um meine Ideen und Gedanken niederzuschreiben.

  • Bauweise:
    Gebogenen Enden der Wurfarme. Mehr anfängliche Speicherung der Energie durch die Hebelwirkung, ohne Steigung der aufzuwendenden Kraft bei Spannung des Bogens. Mehr Durchschlagskraft, weitere Distanzen, geringerer Kraftaufwand.
    Randbemerkung: Treffsicherheit sinkt durch Vibration der Wurfarme
    Biegung der Enden nicht zu stark um Vibration zu mindern, Besserung der Reichweite durch Länge des Bogens.
    [s]Eventuelle Gewichtseinsparung durch leichtere Materialien?[/s]
    Leichtere Materialien, weicher, mehr Vibration. Gewichtszunahme des Bogens nicht zu umgehen?
    Größe nähe eines Langbogens, etwa um die 1,50 Schritt.

    Materialien:

    1. Hornbogen in Schichtbauweise mit Sehnenbelag
    2. Holzkern mit Hornbeschichtung und Sehnenbelag (Rind)
    3. Reiner Hornborgen. (Zu schwer, zu hartes Material)

    Zu 1: Hohes Gewicht, günstige Anschaffung. Eventuelle Gewichtsparung durch hölzerne Bogenenden?

    Zu 2: Gewichtsreduzierung durch Holzkern, Rückenseite mit Hornverhärtung, Bauchseite durch Sehnenbelag. Hohe Anschaffung durch dickeren Sehnenbelag, Schutz vor Feuchtigkeit.

    [s]Weitere Idee: Schichtbauweise mit mehreren Holzarten.[/s] Vermutlich zu weich, zu viel Vibration, Schutz gegen Feuchtigkeit – noch stärkerer Sehnenbelag – zu teuer.

    Holzart, kommt nur Nussholz in Frage, alle anderen Materialien zu weich. Härteres Holz, Verringerung der Vibration, mehr Speicherung der Energie. Vielleicht mehr Kraftaufwand, jedoch sicherlich moderate Reduzierung durch Biegung der Wurfarme.

    Sehne:
    Geringe Dehnung unter Zugkraft, damit sich Energie direkt auf Bogen überträgt und Krümmung eintritt, ansonsten extremer Verlust von Durchschlagskraft und Reichweite.
    Entsprechende Reißfestigkeit im Verhältnis zum Gewicht. Langer Bogen mit Biegung, große Zugkraft auf Sehne, weniger Druckkraft. Höheres Gewicht vermutlich nicht auszuschließen.
    Metall kommt nicht in Frage, zu hohes Gewicht, zu viel Eigenbedarf an Energie um zu beschleunigen.
    Pflanzenfasern? Zweifel an Reißfestigkeit, eventuell Hanffasern.
    Tierfasern, vorzugsweise gedrehte Rohhaut vom Rind.
Ich lehnte mich in dem hölzernen Stuhl zurück und atmete durch. Alles, was mir zum Bogenbau einfiel, hatte ich niedergeschrieben. Mein Schädel brummte unter den sich überschlagenden Ideen und Gedanken, das ewige Graben im Hinterhof meines Gehirns, war es immerhin ein paar Jahre her, als ich mich das letzte Mal damit befasste, aber sicher konnte es nur von Vorteil sein.
Ich entzündete meine Pfeife, lies den Blick auf dem Niedergeschriebenen liegen und sinnierte über ein Fazit.

Nach einigen Minuten der Ruhe, lehnte ich mich wieder über das Buch, stützte mein Kinn auf die Rechte und klopfte beiläufig mit der Linken die Asche aus der Pfeife.
  • Fazit:
    Bogen in Kompositbauweise mit einer Höhe von 1 ½ Schritt. Verbaute Materialien Nussholz, Horn vom Elch, sowie Versiegelung und Verhärtung mit einem Sehnenbelag vom Rind. (Achilless-Sehne). Sehne aus Rohhaut vom Rind. Vollholz Bogenenden, ebenfalls Nussholz, zur Gewichtsreduzierung.


Ich war kein Handwerker, darüber war ich mir im Klaren. Diese Art von Bogen komplett selbst zu bauen benötigte eine meisterliche Hand. Ich verstand zwar durchaus etwas vom Aufbau eines Bogens und darüber, worauf man zu achten hätte, aber da hörte es auch schon auf. Ich schlug das Buch zu und trat auf die Straßen des heiligen Reiches um einen Bogenbauer aufzusuchen, dem ich diesen Bogen in Auftrag geben konnte, auf dass er aus meisterlicher Hand hergestellt werden würde.
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 13. Juni 2014, 16:58, insgesamt 7-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

  • Es war spät geworden in Rahal. Die letzten Nägel waren geschlagen, Tische und Stühle aufgestellt, hier und da das ein oder andere Objekt zur Verschönerung des Wohnraums. Nun saß ich hier. Fast 20 Jahre leben in der Kaserne, war die neu gewonnene Freiheit beinahe einem Traum gleichzusetzen.

    Ich spüre den warmen Schein des prasselndes Feuers vor mir, den feinen Geschmack des Tabakdunstes in meinem Mund, während ein feiner Windhauch durch das geöffnete Fenster in meinem Rücken verhindert das mir zu warm wird. Ich blende die dumpfen Geräusche des rahalischen Straße in meinem Ohr aus, schliesse die Augen und gebe mich der Ruhe hin.

    • [img]http://fc03.deviantart.net/fs17/i/2007/217/c/c/Fireplace_by_Jay_Pi.jpg[/img]

    Ich musste mir eingestehen, so recht hatte ich mich noch nicht an mein neues Leben gewohnt. Anfänglich setzte ich meine neue Position mit einer einfachen Beförderung gleich, aber inzwischen hatte ich festgestellt, dass es mehr ein riesiger Grenzstein in meinem Leben war.
    Ich hatte Freiheiten, nicht mehr der einfache Soldat, der Tag ein und Tag aus auf den Schützenposten Wache hielt. Heute war ich etwas, oder jemand, der einen Namen hatte. Aus dem 'Hey Rendan!' - wurde ein förmliches 'Herr Rendan', oder aber ein einfaches 'Ruben'.

    Viele Facetten des Lebens, die in Vergessenheit geraten waren, holten mich wieder ein. Neben meiner Arbeit, den Vorbeireitungen für den Unterricht, Holz hacken und meinem Training, hatte ich auch genügend Zeit mich wieder Dingen zu widmen, für die es die ganze Zeit kein Platz in meinem Leben gab.

    Eins dieser Dinge waren Tavernenbesuche. Zugegeben, ich hatte es bislang nur ein paar Mal geschafft, aber war die Gesellschaft niemals wirklich schlecht. Es wird über Belangsloses gesprochen, es wird gelacht, die Anspannungen des Tages fallen gelassen, geraucht und Alkohol getrunken.

    Eigentlich war ich noch nie ein Mann vieler Worte. Nach Jahren bei dem Militär verlernte man irgendwann die klassichen Unterhaltung und hatte nur noch Schlagwörter wie Haltung, Disziplin und Gehorsam im Kopf. Allerdings musste ich mir eingestehen, dass ich die legere Art hier und da durchaus willkommen hieß und ich langsam wieder lernen konnte, mehr von meiner Persönlichkeit zu zeigen.

    Eine weitere Sache war, wie konnte es auch anders sein, Frauen. Davon abgesehen, das drei dieser Sorte Mensch meine Auszubildenden waren, hatte ich im größten Teil meines Lebens, ausser ein paar Jugendlieben, mit dem anderen Geschlecht nur Körperlichkeiten ausgetauscht. Bei Alatars Pranke - soviel Gold wie ich in den Jahren beim Freudenhaus lies, konnte man vermutlich die kompletten Straßen von Rahal neu pflastern. Aber so war es nunmal um unser Leben bestimmt. Keine Frau die richtig im Kopf war, hätte sich mit meinesgleichen eingelassen, es sei denn sie wäre damit einverstanden gewesen in meinem Leben an letzer Stelle zu stehen.
    Ein Umstand über den ich heute nicht traurig bin. Ich bin ein Diener des All-Einen, ich wurde für meine Arbeit entlohnt und hatte meine Pflichten, für das andere Geschlecht war kein Platz, es sei denn um die natürlichen Triebe die ein Mann eben hat zu stillen, und das war mit Gold nunmal am einfachsten.

    Heute allerdings gab es eine Frau, von der ich meine Gedanken nicht so recht lösen konnte. Es war schwer für mich die Situation richtig zu greifen, oder zu verstehen. Für gewöhnlich waren Frauen für mich einfache Menschen, wie jeder andere auch, so wunderte es mich auch nicht, dass man mir sagte, ob ich nicht merken würde, das man mir schöne Augen machte. Nein, ich merkte es tatsächlich nicht. Ob es nur Gerede war, oder ob es der Wahrheit entsprach, war mir im Grunde auch egal. Mein Interesse lag bei dieser Einen.

    Eine Frau, ein paar Jahre jünger als ich, gut aussehend und mit einer Stimme gesegnet die seinesgleichen sucht. Sie war die Erste, die mir wieder Dinge zeigte die ich lange nicht mehr erlebt hatte. Manchmal kam ich mir in ihrem Beisein vor wie ein alter Mann, der nicht mehr so recht wusste, wie man sein Leben lebt. Sie lachte so herzlich und ausgefallen, sie war frech, und zog mich nicht nur mit ihrer Stimme in den Bann, sondern auch mit ihrer Art und ihrem Aussehen. Ich hatte immer das Bewusstsein, zu wissen, das mein Training, meine Fähigkeiten und meine Stärken nicht nur zum zerstören der Ketzer diente, sondern auch dem Schutz dem Volk, das dem All-Einen diente. Jetzt saß ich in meinem Sessel, rauchte meine Pfeife, und dachte an einen Menschen, den ich beschützen würde, wie ich auch das Volk beschützt hätte. Das hatte ich ihr versprochen und sie hatte es verdient.

    Ich war gespannt, was mein neues Leben brachte. Ich war bereit dafür, was auch immer auf mich zukam. So saß ich in meinem Sessel, die Augen geschlossen, die Glut meiner Pfeife erloschen, die Gedanken frei - Ruhe kehrte ein...
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 13. Juni 2014, 19:28, insgesamt 2-mal geändert.
Antworten