Kapitel 1
Aufbruch nach Adoran
- Wie Menel eine Stelle antritt - eine kleine Luke in ihrer Kammer zum Anlass wird sie wieder zu kündigen - und sie schließlich nach Adoran aufbricht. -
An ihrem ersten Arbeitstag hatte sie die Kammer unter dem Dach bezogen und die Haushälterin hatte ihr versichert, dass die Luke noch vor Ablauf der Woche geschlossen wäre. Sie zeigte sich sogar einigermaßen zuversichtlich, als sie ihr versprach, eigens zu diesem Anlass eine Glasscheibe in Auftrag zu geben und was das Finanzielle betraf, so sollte sie sich keine Sorgen machen, denn sie kenne den Glaser und er wäre gewiss bereit die Arbeit zu einem günstigen Preis zu erledigen. Menel wollte sich gerade bedanken und sich für die Umstände entschuldigen, die ihr Dienstantritt allem Anschein nach bereitete, da hatte die Haushälterin auch schon die Türe hinter sich geschlossen und Menel hörte nur noch, wie sie leise fluchend die enge Wendeltreppe hinabstieg. Aufbruch nach Adoran
- Wie Menel eine Stelle antritt - eine kleine Luke in ihrer Kammer zum Anlass wird sie wieder zu kündigen - und sie schließlich nach Adoran aufbricht. -
Sie sah sich in ihrem neuen Zuhause um und stellte fest, dass es mit den beiden Dachschrägen, aus denen ihre Kammer im Wesentlichen bestand, nicht möglich war sich aufzurichten. Durch die kleine Luke, die gerade noch Thema der spärlich geführten Konversation war, pfiff der Wind und Menel war froh, dass die Haushälterin der Glasscheibe dem einfachen Vernageln der Fensteröffnung den Vorzug gab, war sie doch die einzige Möglichkeit für den Tag sein Licht in die Kammer zu zwängen. Die Kammer war zudem mit einem kleinen Bett und einer Kommode mit einer Waschschüssel ausgestattet. Ihre Mutter hatte ihr die Halskette, ein Buch und zwei Kleider hinterlassen und Menel schlichtete ihre Habseligkeiten mit aller Sorgfalt in die oberste Schublade und stellt dann im Verlauf des langen Abends noch fest, dass das Bett selbst für ihre geringe Körpergröße zu kurz war.
Die darauffolgenden Wochen waren arbeitsreich und Menel bekam einen ersten Eindruck vom weiteren Verlauf ihres Lebens, das vor allem von Tätigkeiten geprägt war, bei denen sie entweder ein Tuch oder einen Besen in Händen hielt. Sie hatte die Herrschaft noch gar nicht zu Gesicht bekommen und selbst die Haushälterin ließ sich nur am Morgen sehen, um die Anweisungen für den Tag zu geben.
Die Tage wurden kürzer und kürzer und einem verregneten Herbst folgte ein langer, kalter Winter. Die Haushälterin hatte nie wieder ein Wort über die Luke und den Glaser, der sie schließen sollte, verloren und Menel hatte nicht den Mut aufgebracht sie zu fragen. Jeden Abend rückte sie das Bett vor die Tür und damit einen halben Meter weg von der Luke. Sie zog die Decke über den Kopf, um sich vor der Zugluft zu schützen und hatte die Kleider, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte, zu weiteren Decken umgenäht, die sie im Laufe der Zeit mit den Federn stopfte, die sie im Hof bei den Hühnern fand.
Am Ende des Monats bekam sie ihren Lohn abzüglich der Kosten für ihre Unterkunft und die Verköstigung und mit dem Ende des Winters war sie nicht nur krank geworden, sondern kaum reicher als vor ihrem Dienstantritt. Dass sie ihre Stelle nach langem Überlegen und unter Aufbringung ihres gesamten Mutes kündigte, war für die Haushälterin Anlass genug sie mit Schimpf und Schande aus dem Haus zu jagen und Menel hatte nur noch genügend Zeit um das Buch, das ihr noch aus dem Nachlass ihrer Mutter geblieben war zu holen. Mit dem Geld, das sie im Verlauf des letzten Jahres gespart hatte, bezahlte sie die Überfahrt nach Adoran. Dort, so heiß es, findet jeder Arbeit ...
-Fortsetzung folgt-