[LetharenQuest] Alte Zeiten, neue Zeiten

Antworten
Der Erzähler

[LetharenQuest] Alte Zeiten, neue Zeiten

Beitrag von Der Erzähler »

Oh wie die Zeiten verstrichen und Seelen gegen Seelen getauscht wurden. Wie Körper vergingen, neue Körper kamen. Wie Knochen brachen, sich wieder zusammen fügten und wie alles sinnvoll erschien und doch nicht dem Verstand klar wurde. Das Leth'Axorn, so viele Zeiten erlebt, in Hass, in Leid, in Schmerz, im Tod, im Leben. Keines dieser Geschöpfe, von Alatar erschaffen, wusste jemals am Morgen, ob sie am Abend noch weilen würden. Keiner dieser Elfen, wenn man sie beim guten Willen noch so nennen wollte, verschont von der Folter Alatars und doch jede einzelne Seele so strebsam, dass kein Mensch auf Erden es je hätte besser in die Welt tragen können als dieses Volk. Die Letharen, zerfressen von der Zeit, Schritte durch Schmerz und Hass, mit einem Ziel.

Im Leth'Axorn werden über Nacht die Zeiten miteinander verwischen. Nach und nach wird für jedes Auge ersichtlich sein, wie sich geisterhafte Gestalten durch die Höhlen bewegen. Bekannte Gesichter, fremde Gesichter und doch alle ein Teil der Existenz der Letharen. Jede ruhelose Seele, die in ihrer Art und Weise was für das letharische Volk geleistet hatte, wird zu finden sein.

Man entdeckt sie in Alltagssituationen. An mancher Stelle züchtigt der Letharf seine Lethra, an anderer Stelle predigt der Templer oder die Lethra sieht ihrem Ende entgegen. Es sind Ereignisse, die sich immer wieder wiederholen. Wenn man länger weilt, dann beginnt alles von vorne. Es muss Glück sein, wenn sich eine Gestalt bewegt und es schafft die lebenden Letharfen zu fixieren oder gar mit ihnen zu kommunizieren. Und doch sind es alles Gesichter von Verstorbenen, Verschollenen. Letharen die man schon seit Ewigkeiten nicht mehr sah und wo man mit ihrer Rückkehr nicht rechnete.

Fakt ist jedoch, dass sich durch die Anwesenheit auch die Präsenz im Axorn verändert hatte. Es ist kälter geworden und man fühlt sich, um so empfindlicher man dafür ist, in einer fremden Welt und doch in einer vollkommen vertrauten.
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Samstag 26. April 2014, 00:11, insgesamt 2-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Der alte Ala'thraxor wandert langsam über die verschlungenen Pfade Leth'Axorns, den fernen Eingang zum vergessenen Tempel Mael'Rayats als Ziel. Schleimige Feuchtigkeit hängt schwer in der Luft, je näher er der eigentlichen Stadt in der Unterwelt kommt. Vollkommene, lauernde Stille und dann und wann in der Finsternis aufglimmende Augenpaare verstärken die unwirkliche Drohkulisse. Die Anwesenheit des Vernichters ist an diesem Ort deutlich spürbar, für ihn vertraut und lockend und doch ... etwas ist heute anders.

Seine giftgrün schimmernden Augen schlitzen sich, als sich vor ihm ein Schemen aus den Schatten schält. Die Waffenhand zuckt zur Klinge, denn obwohl ihm hier, im nahen Zentrum der Letharenmacht, kein Feind wirklich gefährlich werden kann, ist dies ein Ort stetiger Prüfung und Auslese.
Was immer sich da auch nähert, es ist kein Geisterpanther und kein versklavtes Experiment der Lethyren.
Das raubtierhafte Knurren aus seinem Mund ist eine unmissverständliche Herausforderung, doch die schemenhafte Gestalt weicht nicht zur Seite.
Erst als er sich bis auf wenige Schritte nähert und die Schatten gleich einem Schleier weichen, erkennt er was da vor ihm steht.
Er öffnet den Mund, auf dass alles Leben und Unleben im Unterreich den Atem anhält um seinen Worten zu lauschen. Dann schließt er ihn, um seine dunklen Lippen zuckt es und seine zerfurchte Stirn schlägt tiefe Falten. Düsternis senkt sich auf seine Miene, denn er ahnt das etwas im Kommen ist. Kein Zweifel, er sucht nach einer Formulierung um das Undenkbare auszusprechen, aber es will ihm nichts einfallen.
Schließlich sinkt er vor dem Schemen auf die Knie und streckt die gebogene Klinge nach vorn, wie um zu zeigen, dass diese Waffe für den alten Meister unzählige Male ein Leben genommen hat.
Dann bricht es mit einem Zischeln aus ihm heraus: "Shan'rhyl, Meister der Lethyren, welche Kraft zieht euren Geist der Vernichtung aus Nileth Azur und wie kann ich euch dienen?"
Die Dunkelheit ist wieder vollkommen.
Gast

Beitrag von Gast »

Sie taumelte einige Schritte in das Leth'Axorn herein, der Leib benetzt von Blut, Resten von irgendwelchen Kadavern und einen Sack so voll, dass die Schnalle nicht mehr richtig zu ging. Die junge Lethra war erschöpft und doch zog sich eine gewisse Zufriedenheit über ihre Züge. So knallte sie zwar immer wieder gegen die Höhlenwände, als sie sich durch den Gang quälte, aber das mit einer Art Grinsen in ihrem hageren, verzerrtem Gesicht.
Dann jedoch blieb sie ruckartig stehen und ihre freie Hand zog sich die Maske aus den Zügen, wobei ihre Augen auf Q'in fielen. Einmal ein Luft Schnappen, wenige Sekunden eine gewisse Panik die durch ihren Leib rückte und dann ließ sie ihre Ausbeute fallen, sackte auf die Knie und senkte ihren Kopf ab. Die Hände neben ihrem Kopf haltend, wobei man deutlich sehen konnte wie ihre Finger immer wieder zuckten. Die Lethra, vollkommen überfordert mit dieser Situation.

Q'in... das ist unmöglich...

Der Schemen des Letharfen setzte vor, stach mit seiner Waffe zu, immer und immer wieder und die Lethra wurde durchbohrt, doch sie merkte nichts. Ihr fiel nur jegliche Farbe aus dem Gesicht als die Alathraxorenwaffe sie durchfuhr. Ihre Hände versuchten einmal nach den Händen des Letharfen zu greifen und auch dort war es wie, als würde sie mit Luft spielen. Und so zerfiel ihr Gesicht immer mehr und mehr in reichliche Überforderung. Sie konnte das nicht begreifen, sie konnte es nicht studieren, sie entschied sich für die Flucht. Sie packte ihre Tasche und rannte wie vom Tod verfolgt in Richtung Sicherheit oder in die nächsten Schemen hinein. Gesichter die sie nicht einmal zuordnen konnte und sie wieder zum Stoppen bewegten.

Unmöglich...

Mit genug Schwungkraft warf sie ihren Rucksack zum Bänker hin, er wurde getroffen, fiel leicht zurück und die Lethra wartete keine Reaktion ab. Sie wendete sich herum. rannte los, an Tar'lyrrn und L'ysstrzz vorbei, immer tiefer in die Höhlen hinein. Der Kopf zuckte dabei etwas apathisch hin und her und der Hauch von Irrsinn zuckte durch ihre Züge. Die Nieten in ihren Stiefeln pressten sich in diesem schnellen Gang immer mehr in ihre Haut. Schmerzen, Hass, Verwirrung. Und es wurde nicht besser, denn dann kam er. Das Wesen, worauf ihr ganzes Sein beruhte.

Shan'Rhyl...

Ihr Kopf rückte zur Seite, als sie schon fast an ihm vorbei gerannt war und wieder bremste sie ab, dieses Mal zu ruckartig, so dass sie sich mit der rechten Hand an der Felswand festhalten musste um nicht zu fallen. Nur noch langsam bewegte sie sich sodann auf das Schemen zu und bildete sich gar ein, dass er sie fixierte. So sackte sie vor ihm auf die Knie bettet ihren Kopf im Dreck und verweilte. Dieses Mal viel ruhiger als zuvor, als wäre hier ein anderes Vertrauen vorhanden als bei Q'in. Und so blieb sie, über Stunden und der Schemen rührte sich kein Stück oder sprach auch kein Wort mit ihr.

Herr...
Gast

Beitrag von Gast »

Die Hand legte sich auf die Stirn des Ala'thraxors. Es wirkte als erleide er einen epileptischen Anfall in jenem Augenblick. Die Augen rollten und man konnte den Eindruck gewinnen, er würde gleich anfangen wie sein Ara'thrax zu sabbern.
Das was sich ihm zeigte war die Heilige Stadt, ein paar grelle Lichtblitze - fünf an ihrer Zahl - und doch konnte er spüren, dass sie Teil eines Bruchstücks waren, das offenbar in fünf Stücke zersplitterte. Sie galt es zu finden. Der Geisterpanther in ihm tobte, war seine Seele doch schon lange mit ihm verbunden und wenn er an die Oberfläche gelangte, war der pure vernichtende Wille sein Antrieb. Nach außen schien es oftmals als wahnsinniges, verstörrtes Verhalten. Als die Bilder abebbten, hing der giftige Geschmack in seiner Kehle noch nach und irgendwo in der geistigen Umnachtung muss er wohl ein Lethrafinger verspeist haben. Opfer, die verkraftbar waren. Aber dies war nur eine Illusion, was würde wohl mit jenen geschehen, deren Seele nicht für Augenblicke in die Sphären Alatars geworfen wurde?
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Die Schemen im Leth'Axorn haben eine feste Gestalt angenommen, sehen aus als wären sie nie tot gewesen, nie verschollen. Nur sind ihre Kleider zerfetzt, benetzt von Blut und ihre Körper von Narben übersät. Sie sehen aus als hätten sie diverse Kriege durchschritten und den Tod wieder und wieder besiegt. Ihre Körper haben sich bewegt, ruhen nahe an dem Abhang des Vulkanes und die leeren Augen der Kinder Alatars liegen im Zentrum der Magma. Und es wirkt auch so, als hätte man im Unterschlupf der Letharen die Klänge abgestellt. Kommunikation wird nur mit Gesten möglich sein. Denn auch wenn sich die Lippen bewegen, die Hände Geräusche erzeugen – ein Letharenohr kann rein gar nichts hören.

Die Bruchstücke in Rahal pulsieren nun durchgehend vor sich her und die Schwäche, die sich dadurch in einen menschlichen Leib schleicht, verbreitet sich immer schneller. Personen die das Lied fühlen, werden bemerken wie die Seelen schreien, irgendwas leidet und um so näher sie sich damit befassen wollen, um so schwerer fällt es ihnen noch selber auf eigenen Beinen zu stehen. Man könnte meinen die Zeit läuft schneller, um so näher sich ein Mensch mit den Bruchstücken befasst. Als wäre die innere Uhr dann schneller und das Alter würde rasen...
Warf'Kanxeryl

Beitrag von Warf'Kanxeryl »

Jeder große Schritt forderte Verluste. Das diese Qual, die durch das Axorn zog, nicht nur kleine, sondern auch größere Folgen haben konnte, hätte niemand zuvor erwartet. So begann alles damit, dass der Lethyr Syrr'ael fast sein Ende fand, durch die fehlende Kontrolle des Ala'thraxors. Der Wahnsinn hatte begonnen, hatte gewonnen und keiner wusste in diesem Moment, in wie weit sich dieser giftige Schleier noch weiter durch die Höhlen zog.

Der Meister griff die Klinge der Lethrusae, zog sie durch die Kehle der Runenlosen She'rayax und beendete ihr Leben um das Leben des Letharfen zu retten, für den Alatar noch so viel geplant hatte. Sie röchelte nur noch in seinen Armen, als sie zu Boden sackte. Er hielt sie sogar fest, ging mit ihr in die Knie und ließ ihre Lebenskraft zum schwächlichen Lethyren wandern. Er überlebte, sie starb. Eigentlich ein recht gewöhnlicher Abend. Doch kannte der Meister die Schwächen seiner Geschwister. Er wusste das manche von ihnen Mitleid hatten, andere sogar das Gefühl von Ungerechtigkeit verspürten und doch musste es getan werden.

Der Leib von She'rayax wurde zur Lavagrube gezogen, dort versenkt wie ein wertloser Stein und mehr war sie für Warf'Kanxeryl auch nicht. Im Gegensatz zum Lethyren Syrr'ael war sie nur das, ein wertloser Stein, der nun nur noch ein Häufchen Asche war...

Und die Verluste im Leth'Axorn sollten nicht enden, er wusste es bereits und er wartete ab, in wie weit die Schwächen 'seines' Volkes am letzten Tage der Woche hervor dringen würden...

  • Kleine Verluste, große Verluste.
Zuletzt geändert von Warf'Kanxeryl am Dienstag 6. Mai 2014, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Ihr Blick lag noch eine Zeit lang auf der Lava, in der ihre Schwester vor wenigen Sekunden versenkt wurde. Die Gefühle, die sich in ihr hervor drückten, durfte sie nicht haben. Sie wusste das und doch konnte sie diese nicht verdrängen. Ein Kloß formte sich in ihrem Hals als die Schwester starb, welche sie als Einzige als Vertraute betrachtete. Sie hatte sogar kurze Zeit den Drang ihr hinterher zu springen, mit dem naiven Glauben sie retten zu können. Es war lange her, dass sie sich so schwach fühlte. Einmal wurde nach Luft geschnappt und sie versuchte krampfhaft dieses quälende Gefühl zu verdrängen. Als die Worte des Bruders an ihr Ohr drangen, schnürte sich ihre Kehle allerdings ein Stück mehr zu.

"Hätte ich dich vor ihr gefunden, würdest du nun in der Lavagrube dein Ende finden."

Die Lethra blieb noch eine ganze Weile einfach stehen und starrte ins Leere. Die Lider senkten sich ab und sie atmete einmal tief durch. Dann folgte sie ihrem Bruder in den Tempel, betrachtete den Letharfen, für den ihre Schwester ihr Leben ließ. Syrr'ael - sie wusste wie viel Wert er für das Volk hatte und sie rechnete ihm ebenfalls viel Bedeutung zu und doch waren es die Gefühle des Verlustes die gerade ihre Gedanken leiteten. So hatte sie nur negative Blicke für den Lethyren übrig. Für einen kurzen Moment nahm sie gar an, er hätte Mitleid mit ihr, auch wenn er es nicht durch übliche Handlungen oder Worte verdeutlichte. Sie sah ihm einfach direkt in die Augen, harrte der Dinge die da kamen...

"Dir zu dienen heißt sich vollkommen aufzugeben."

...und so wurde der Tod der Schwester der Beginn ihres Weges.
Benutzeravatar
Syrr'ael
Beiträge: 503
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Syrr'ael »

Quid pro Quo.

Es war seltsam.
So viel war geschehen - die Ereignisse wirbelten wie ein wirrer Strudel aus Farben in seiner Erinnerung und dennoch kristallisierten sich einzelne Gegebenheiten mit fast schmerzhafter Klarheit heraus, immer und immer wieder. Wie um ihn zu verhöhnen, wie um sich für immer in seinen faulenden Verstand einzubrennen. Um niemals zu vergessen.

Vor einer Woche noch eilten seine Geschwister mit ihm, zusammen mit den Menschendienern Vaters, durch die Straßen Rahals, angeführt vom Ala'thraxar Tluth'Xarlor um die verdorbenen Splitter aufzusammeln. Korrumpierte Entitäten stellten sich ihnen ohne Erfolg in den Weg - gegen den vereinten Klingensturm von Letharen und Menschen konnte nichts bestehen.
Nein, der eigentliche Feind war die Verderbnis der Splitter selbst, die nach dem Verstand des Ala'thraxors griffen, in ihn eindrangen und den Wahnsinn in ihm nährten. Kurz drohte er die Kontrolle zu verlieren und musste durch eine Lektion des Schmerzes zurück auf den rechten Weg gebracht werden.
Dann war es gut, nur noch ein Splitter musste vor den Toren des Alka-Palastes geborgen werden und die verdorbenen Entitäten würden nur eine unbedeutende Verzögerung bewirken können.

So zumindest dachte er. Vielleicht war es die Nähe des Artefaktsplitters, der seinen Verstand trübte. Vielleicht wurde er auch einfach nur zu alt.
Die Worte Tluth'Xarlors lullten ihn ein und das plötzliche verräterische Funkeln in dessen Augen zu spät wahrgenommen.


"Du wirst alt, Lethyr...", höhnte das vielstimmige Schnattern eines bekannten Echos in seinen Gedanken.

Schmerzen frasen sich durch seine Brust und voller Unglauben erfassten seine Sinne die Giftklaue, die der Ala'thraxor in seinen dürren Leib gestoßen hatte. War dies der Augenblick? Der Augenblick wofür ihm Vater noch einmal Leben geschenkt hatte? Diese letzte Aufgabe, um die Klinge des Ala'thraxors zu binden, damit dieser getrieben von der Verderbnis der Splitter nicht noch mehr Unheil anrichten konnte?

Dunkles, sämiges Blut trat aus der Wunde - die fleischgewordene Verhöhnung der gesunden Säfte, die einst seinen Körper mit nie enden wollender Lebenskraft gespeist hatten und nun schwarz wie Öl in der Ruine seines Körpers pulsierten.
Er musste die Klinge tiefer binden, machte einen halben Schritt auf den Ala'thraxor zu. Ein unangenehmes Geräusch, als zerrisse Pergament, dann trat die Klinge in seinem Rücken wieder aus.

Es war dieser Moment, in dem seine inneren Organe vom korrumpierten Stahl der Giftklaue zerfetzt waren, dass er sicher war diesmal der Dunkelheit nicht entkommen zu können.


"Ja, Lethyr! Komm, komm zu uns!".

Ein dünnes Lächeln bildete sich auf den rissigen, vom Alter spröden Lippen des Lethyren. So würde es also enden...
Er spürte wie die Dunkelheit nach ihm griff, ihn lockte, an ihm zerrte. Diesmal würde es kein Entkommen geben.

...
..
.

Stimmen.
Nein, korrigierte er sich rasch. Nur eine Stimme. Die Stimme Warf'Kanxeryls, der neue Meister Leth'Axorns. Gleichzeitig spürte er wie seine in Auflösung begriffene Liedstruktur stabilisiert, erneuert wurde.
Licht, wo sonst nur Dunkelheit lauerte. Ein unglaublich machtvoller Zauber, wie ihn nur der Erzlethyr bewirken konnte. Aber hier, an diesem Ort der niemals das Licht der Sonne erblickt hatte, wurde nichts verschenkt, gab es kein neues Leben umsonst.
Ein Leben für ein anderes... Er hatte die Lethra kaum gekannt, ihr Name war nur eine flüchtige Erinnerung.
Und doch...
Hatte sie Potential gehabt? Potential, das sich nun nie mehr würde offenbaren und zur Blüte gelangen konnte, als der Dolch des Meisters ihre Kehle aufriss und ihr Leben für seines gab. Als sich seine Wunden dank der Macht des Erzlethyren, unterstützt von der Lethrusae Je'yuxalae, schlossen und sein Lebensfunke noch einmal angefacht wurde, hätte er eigentlich Dankbarkeit empfinden müssen. Sie war unwichtig und er war noch immer ein Lethar beachtlicher Macht. Ein guter Tausch.

Und dennoch...

Vielleicht war er einfach nur zu alt geworden, hatte der auszehrende Dienst im Namen Vaters seinen Tribut gefordert, hatte die Gefangenschaft im Mael'Rayat Bruchstück zu sehr an seinem Geist gezehrt, waren die Phasen des Wahnsinns in immer kürzeren Intervallen aufgetreten.

Mitleid konnte man sich als Lethar nicht leisten. Die bleierne Müdigkeit, die ihn schon seit einiger Zeit ergriffen hatte, wollte dennoch nicht weichen.
Und doch war wieder nicht er es, der das größte Opfer noch zu bringen hätte.

Tluth´Xarlor

Beitrag von Tluth´Xarlor »


Jeder Sieg erfordert ein Opfer. Jeder Schritt in Richtung Untergang muss erkämpft werden. Die Welt sträubt sich gegen ihr Schicksal, das Leben findet angeblich immer einen Weg. Wie töricht zu glauben, dass irgendetwas dem Schlund des Panthers entkommen könnte. Die Schöpfung ist ein Fehler, ein grausamer Streich einer selbstgerechten Entität namens Eluive. Wir werden die Welt retten. Doch der einzige Weg alles und jeden zu retten ist alles zu zerstören, es schreiend und strampelnd durch den Dreck zu ziehen und es dann in Brand in zu setzen. Wir bereiten es vor, wir schüren das große Feuer, servieren Blut und Tod … alle anderen müssen nur auftauchen.

Der alte Ala'thraxor hockte im Schneidersitz vor Mael'Rayat, dem ersten Teil der Relikts. Sein Oberkörper wippte monoton vor und zurück und jene Gedanken erfüllten ihn, nicht die Stimme Mael'Rayats. Sein Blick war starr auf die Klinge vor ihm auf dem Boden gerichtet, an der noch das getrocknete Blut Syrr'aels haftete.
Nichts hatte ihn auf den Einfluss der geborgenen Splitter vorbereiten können, denn jeder Teil des Relikts war anders und öffnete andere Pforten. Dennoch mussten die Letharen die Kontrolle behalten. Die Existenz Leth'Axorns stand auf dem Spiel. Die blutigen Lippen des Ala'thraxors waren noch immer zu einem gespielten Lächeln erstarrt, welches seiner fratzenhaften Mimik eine gehörige Portion Wahnsinn verlieh. Er wusste was zu tun war.
Sobald die Splitter vereint waren, würde das Relikt seine volle Macht entfesseln und Mael'Rayat hätte einen weiteren Schritt in Richtung Vollendung getan. Diesmal jedoch würde alles anders sein, denn der sich öffnende Mahlstrom ins Chaos würde ein Opfer verlangen und er würde nicht zulassen, dass ein anderer seinen Platz einnahm.
Er hob den Blick und starrte in das giftgrüne Flimmern, sich sicher, dass jeder seiner Gedanken genauestens seziert wurde. Nur zu … die Gier der Flamme war auch ihr Verhängnis und wer wusste das besser als er?
Der Plan war ausgereift, das Risiko akzeptabel und er seiner weltlichen Existenz überdrüssig. Eine weitere Verhöhnung Eluives war sein Ziel. Und Finsternis wird kommen ...
Antworten