Nachdem sie es eine Weile angesehen und dann mit einem Tritt in die gegenüberliegende Ecke des Zimmers befördert hatte, lag es nun regungslos da und rührte sich nicht mehr. Der Gewaltakt beendete eine Stunde des angestrengten Nachdenkens und Lhea konnte sich wieder der leeren Seite widmen, in die sie schon am Vormittag ein Loch gestarrt hatte, das wiederum den Blick auf die nächste - ebenfalls leere Seite - freigab. Es war natürlich weniger ihr Blick als die Asche ihrer Zigarette gewesen, aber nichtsdestotrotz: Das Loch trat zwar in gewisser Weise als Negation der leeren Seite auf, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr im Verlauf eines ganzen Tages kein guter Ansatz für ihre Geschichte eingefallen war. Die Seite war mit Loch nicht leerer geworden.
Es war ein kleiner, vom Schmutz eingetrübter Stofffetzen, der sie beschäftigte und der nun am Ende einer Reihe stichhaltiger Überlegungen durch einen subversiven Akt in die hinterste Ecke des Raumes verbannt wurde. Nein, sie würde ihn nicht mehr anrühren und wenn ihm keine Beine wuchsen und er sich selbstständig der längst überfälligen Waschung unterzog, dann würde er in seiner Ecke verfaulen. Ihre ansonsten gute Laune war über das lange Nachgrübeln empfindlich gestört und sie legte den Stift unverrichteter Dinge zur Seite - erst den Stift und anschließend sich selbst.
Sie hatte den Kopf in die verschränkten Arme gebettet und lauschte den friedlich-fröhlichen Klängen vorbeifahrender Kutschen, dem Klappern der Hufe und den Liedern der Vögel, die unter dem Dachfirst nisteten und allmählich dämmerte sie in einen weichen Schlaf hinüber. Wenn man zufällig nichts von den inneren Kämpfen wusste, die sie tagsüber gefochten hatte, dann hätte man beinahe annehmen müssen, dass sie auf der faulen Haut lag ...