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Yakobo hatte etwa 18 Sommer miterlebt als sich ihm Abends nahe den Klippen der Insel ein furchteinflößendes Bild abzeichnete. Noch nie zuvor hatte er so große "Boote" gesehen. Eines davon schoss mit riesigen "Feuerbällen" auf das andere und verursachte einen Lärm der durch Mark und Bein ging. Er verstand einfach nicht was er da sah, bewegen konnte er sich auch nicht. Wie hypnotisiert beobachtete er das Spektakel welches sich vor seinen Augen abspielte. Erst als dieser tosende Lärm der Kanonen ein Ende nahm und eines der Schiffe schon fast vollkommen in Flammen stand, begriff er was zu tun war und kam wieder zu sich. Er rannte. Die anderen mussten gewarnt werden. Es war eine kleine Strecke vom Strand bis zurück zum Dorf, unterdessen rätselte der junge Mann, wärend er ohne Rücksicht auf Verluste durch den dichten Dschungel rannte. Waren das wirklich andere Menschen? Und wenn ja, warum warfen sie auf die anderen mit Feuer? Er verstand die Welt nicht mehr. Konflikte wurden bei den Stammeskriegern seit jeher durch Wettkämpfe gelöst. Die körperliche Stärke gemessen in einer Art von Ringkampf, das Geschick bei der Jagd, oder wer denn die höchste Palme erklimmt. Das es wirklich mal zu Handgreiflichkeiten kam, dafür bedurfte es schon einen triftigen Grund. Keineswegs jedoch bewarf man seinen Gegner mit Feuer oder steckte gar sein Boot in Brand. Wenn das wirklich Menschen waren, dann waren es böse Menschen, dessen wurde er sich schnell bewusst. Was seinen Beinen umso mehr Antrieb verschaffte. Angekommen im Dorf berichtete er was er gesehen hatte. Einige zweifelten an Yakobos Worten, sie kannten doch alle seine stetige Neugier ob da draußen was anderes war, den heimlichen Wunsch danach. Das Donnern der Kanonen war aber auch ihnen nicht entgangen, in dem fern platzierten Dorf im Inselinneren. Die schnellsten Späher des Stammes machten sich also mit Katzenauge auf den Weg um sich selbst von dieser wirren Geschichte zu überzeugen. Es war schon stockdunkel als sie den Strand wieder erreichten. In der Ferne sah man lediglich ein rauchendes Schiff welches im Inbegriff war zu sinken. Was die kleine Gruppe in der Nähe ausmachte lies sie alle weiche Knie bekommen. Mehrere kleine Beiboote mit seltsam aussehenden Gestalten wurden an Land gespült. Diesen Menschen sahen ganz anders aus und sprachen eine fremdartige Sprache. Sie trugen komische Gewänder und hatten allerlei an seltsamen Gegenständen bei sich. Man hatte genug gesehen und war nun mehr als überzeugt von Yakobos Worten. Noch mitten in der Nacht wurden alle Stämme zusammen berufen und es wurde eine hitzige Debatte gestartet. Man war sich nicht einig, solle man diese Fremden gastfreundlich empfangen? Vielleicht waren sie ja friedlich. Sollte man sie bekämpfen? Nach Yakobos Erzählungen und dem Bericht den die Späher ablieferten war ihnen klar das diese Menschen mächtiger als sie selbst waren. Wer so große "Boote" baut und sein Feuer so weit werfen kann ist ihnen weit überlegen. Es blieb ihnen also nichts weiter übrig als abzuwarten und zu hoffen.[img]http://s14.directupload.net/images/140305/o8cpgmf7.png[/img]
Sie wurden entweder wie Vieh begutachtet und dann aussortiert, oder einfach hingerichtet wenn sie zu schwach, also "unbrauchbar" waren. Das Dorf wurde bis auf den letzten Weizenkorn geplündert und niedergebrannt. Natürlich kamen diese Menschen nicht in Frieden. Es waren Piraten die sich neben ihren Beutezügen auch dem Sklavenhandel widmeten. Eher aus einem, für die Piraten, glücklichen Zufall trafen sie auf ein Handelschiff welches sie eine Zeit lang verfolgten, es außer Gefecht setzten, es enterten um es dann schlussendlich dem Meeresgrund zu überlassen. Zwar hatte man reichlich Beute gemacht mit den etwa 250 Kronen die das Schiff transportierte, aber durch den Wassermangel an Bord beschloss man die ohnehin interessant wirkende Insel gleich mal unter die Lupe zu nehmen um gegebenenfalls Nahrung und Wasser aufzustocken. Wie sich herausstellen sollte ein Volltreffer. Die Sklavenhändler stießen nur vereinzelt auf Gegenwehr welche jedoch sofort im Keim erstickt wurde. Von den etwa 130 Bewohnern wurden 50 aufs Schiff verfrachtet. Der Rest kam, wenn nicht vorher schon bei dem Auswahlverfahren, in dem Inferno um. Von den wiederum 50 an Bord verfrachteten Männern und Frauen wurden alle die in etwa das zwanzigste Jahr überschritten auf den dafür vorgesehenen Märkten in bare Münze getauscht. Yakobo und 7 von den anderen jungen Männern wurden mit Brandzeichen versehen und blieben auf dem Schiff.[img]http://s1.directupload.net/images/140305/fk6bfelu.png[/img]
Ohne die Sprache zu sprechen und ohne zu wissen was auf sie zukommt verstrichen nun im Wechsel einige Wochenläufe, manchmal gar Mondläufe, auf See oder aber Tage an Land, um das Schiff auf Vordermann zu bringen und die Vorräte zu erneuern. In ihrem Käfig verharrend warteten sie einfach ab was passieren würde. Von Zeit zu Zeit hörte man wieder das Donnern der Kanonen und Geschrei von den Opfern welches bis Unterdeck zu hören war. Der Rauch des Schießpulvers welcher ihm dabei in Nase kroch hatte was seltsames an sich, so roch also der Tod. Es dauerte wirklich lange bis er sich an all das gewöhnte. Aus leeren Augen beobachtete er, studierte die Besatzung bei ruhiger See wie sie sich die Birne dicht kippte mit seltsamen Wasser wovon sie stanken, noch seltsamer redeten, sich komisch bewegten und irgendwann kraftlos einschliefen. Wie sie mit Blättern, die er an keinen Baum zuvor wachsen sah, um diese sonderbaren gelben Glitzersteinchen wetteiferten. Irgendwann wenn einer zuviele von diesen gelben Steinchen hatte wurde der mit wenigeren Steinchen böse und sie schlugen sich die Köpfe ein. Ein seltsamer Wettkampf. Als man am nächsten Tag wieder aufwachte ging alles von vorne los, als wäre nichts gewesen. Langsam wurde ihnen klar gemacht das sie sich an Bord nützlich machen müssten ansonsten seien sie ihre, wenn auch eher mageren Rationen, nicht wert. Zunächst waren es eher simple Aufgaben wie das Deck zu schrubben oder Fische auszunehmen. Wenn es darum ging die erbeutete Ladung zu löschen oder neue Vorräte auf das Schiff zu tragen wurde man auch involviert. Leicht war es nicht für die Menschen zu arbeiten welche einem alles genommen hatten, bis auf das eigene Leben. Aber jeden Augenschlag den er außerhalb des Käfigs sein durfte war es ihm wert. Weitere Mondläufe vergingen und er lernte nun auch schon die ersten grundlegenden Begriffe, dieser äußerst seltsam klingenden Sprache. Seinesgleichen verstanden Yako, wie er nun von allen genannt wurde, nicht. Sie konnten nicht nachvollziehen, das er ihrer Meinung nach, sein Volk verrät und für diese Mistkerle auch noch hart arbeitete. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum keiner von ihnen die nächste Jahreswende erlebte. Er hingegen wurde langsam Teil der Crew und hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden.[img]http://s14.directupload.net/images/140305/2jtuznmk.jpg[/img]
Mittlerweile war Yako schon 5 Jahre auf dem Schiff. Es stellte sich heraus das der Kapitän sowie die restliche Besatzung vor langer Zeit das gleiche Schicksal wie er selbst teilten. Sie waren allesamt Sklaven gewesen, die aber nach einer Meuterei den alten Kapitän absetzten und ihn den Haien zum Fraß vorwarfen um von da an das Schiff selbst zu kontrollieren. Sein gutes Auge blieb nicht lange verborgen und eine große Portion Ehrgeiz brachte ihm, den ohnehin nicht sehr beliebten Posten des Ausguckers. Zum einen brauchte er hier keine all zu guten Sprachkenntnisse und zum anderen wurde er nun sogar mit einem 1/2 Teil an der Beute beteiligt. Diese "Palme" war von keinem anderen auf dem Schiff so schnell bemannt wie von Yako. Er war jetzt ein vollwertiges Mitglied und die Zeiten im Käfig waren schon länger passé. Sein altes Leben und die dazu gehörigen Erinnerungen wurden in einer Art Schutzmechanismus seines Gewissens verdrängt um sich selbst rechtfertigen zu können was aus ihm geworden war, das Feuerwasser war hierbei eine gute Hilfe wie er schnell feststellte.Vor etwa einem halben Jahr, das Schiff war gerade wieder klar gemacht worden und der nächste Beutezug stand bevor. Ziel war ein großes Handelsschiff welches von Adoran über den Seeweg Bajards nach Menek'Ur unterwegs war um eine riesige Salzladung zu erstehen. Diese Schiffe wurden zwar meistens gut geschützt doch war die mögliche Ausbeute mehr als lukrativ. Leider war dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt. Es endete in einem Fiasko. Das Handelsschiff war um einiges besser bewaffnet als erwartet und ein erbitterter Seekampf brach aus. Nach einigen schweren Treffern war es um das in die Jahre gekommenen Schiff geschehen. Alles was er noch mitbekam war ein lauter Knall bevor alles um ihn herum schwarz wurde. Als Yako seine Augen öffnete lag er halbnackt doch unverwundet an der Küste bei Bajard. Lediglich der Kopf brummte ihm ein wenig. Doch wie er da lag und in den Himmel starrte, entfuhr ihm nur ein ungläubiges Lachen das mehrere Augenblicke anhielt. Nicht wirklich wissend was er mit seinem Leben anfangen sollte und ob man nun hinter ihm her sei, hatte er eine Gewissheit, er war frei! Ein alter Kauz der den Mohren entdeckte hätte seine Gutmütigkeit an diesem Tag lieber zurück stecken sollen. Er wollte dem scheinbar Schiffsbrüchigen eigentlich nur helfen, was er im Grunde genommen wenn auch eher ungewollt tat. Seiner Taler erleichtert durfte der Kerl immerhin sein Leben behalten, Yako hatte wohl seinen sentimentalen Tag. Viel wars zwar nicht was er bei sich trug, aber es reichte für eine Überfahrt nach Cabeza. Er hoffte dort ein Versteck zu finden, einen Neuanfang, vielleicht sogar ein Schiff auf dem er anheuern könne. Unter allen Umständen musste er zunächst Weg vom Festland. Angekommen auf Cabeza brodelten alte Gefühle hoch. Natürlich war Cabeza nicht die Idylle die er von früher aus der Heimat kannte, aber ein Gang über die Insel brachte ihm jene schon sehr nah.
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