In der Residenz von Gryffenhorst...

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Rika von Gryffenhorst

In der Residenz von Gryffenhorst...

Beitrag von Rika von Gryffenhorst »

Aufgerichtet und gestützt von einer unüberschaubaren Anzahl an Kissen, die Bettdecke sorgsam um sie festgesteckt, wirkte die ohnehin kleine und zerbrechliche Freiin von Gryffenhorst so fragil wie eine Porzellanpuppe. Die blasse, fast durchscheinend wirkende Haut war so weiß wie das Laken, einige Strähnen des sonst so seidig und golden schimmernden Haares klebten ihr dunkel und stumpf im Gesicht, die sonst so hellen blauen Augen erstrahlten in einem ungesunden Fieberglanz. Als sie der nächste Hustenanfall zu schütteln begann, preßte Rika sich das zusammengeknüllte, schweißnasse Taschentuch gegen den Mund, die andere Hand fuhr unwillkürlich zur Brust, als es ihr schmerzhaft die Lungen zusammen zog. Als sie wieder atmen konnte, warf sie vorsichtig einen Blick auf das Taschentuch – Eluive sei Dank, es war kein Blut zu sehen. Vielleicht war die Göttin ja doch so gnädig und verschonte sie vor einem Rückfall der Schwindsucht.
Vorsichtig holte sie erneut Luft, dann lies sie den Blick hinüber zum Fenster schweifen und ein schwaches Lächeln erschien auf ihren Zügen, als sie Raphael gewahr wurde, der dort im Sessel eingeschlafen war. Hatte er etwa die ganze Nacht neben ihrem Bett gewacht? Sein schlafendes Gesicht wirkte bleich und erschöpft und die Sorgenfalten waren auch jetzt nicht aus seinem Zügen gewichen.
Sie hatte darauf bestanden, keinen Arzt zu rufen – ihre Kollegen hatten auf dem Schlachtfeld von Berchgard mit Sicherheit genug zu tun. Es erfüllte sie mit Unruhe, hier tatenlos herumliegen zu müssen, am liebsten hätte sie sofort ihre Tasche genommen und wäre in die Lazarette aufgebrochen. Doch sowohl Raphael als auch ihr Bruder hatten das entschieden abgelehnt. Sie war Heilerin, sie war dazu bestimmt, anderen zu helfen, koste es was es wolle. Doch sie war auf taube Ohren gestoßen.
Erschöpft sank sie etwas tiefer in die Kissen zurück, als Calor eintrat, eine wahre Grabesmiene im Gesicht. Als er den schlafenden Raphael bemerkte, kam er leise an ihr Lager hinüber und ließ sich auf die Bettkante niedersinken. Stumm strich er ihr eine feuchte Strähne aus dem Gesicht und überließ seine immer warme Hand dann Rika, die sie ergriff und an ihre Wange schmiegte.
„Was ist passiert?“ hauchte sie leise.
Der Erzmagier seufzte, beugte sich schließlich vor, um die fieberglühende Stirn seiner Schwester zu küssen.
Und dann erfuhr Rika vom Tode der Königin.
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