Etwas mehr als zwei Wochen war es nun her das dieses unscheinbare Maedchen vor dem Hospital stand. Sie stand da noch hinter Galen Farsee und versuchte sich zu verstecken als Liliana die Tuer in ihr neues Leben oeffnete und ihr schuechtern, voll unsicherheit und stottern ihren Wunsch erklaerte Heilerin zu werden.
Es war so anders heute, in nur zwei Wochen wurde sie weitaus selbstsicherer, war nur noch selten schuechtern und vor allem redete sie nun ununterbrochen, wie Wasser einen Wasserfall so sprudelte es aus ihr hervor.
Das erstaunliche daran war, dieses reden brachte ihr Erfolg in eigentlich allem was sie tat. Doch beginnen wir von vorn.
Die ersten Tage waren dabei noch so verwirrend. Sie erlitt eine Lungenentzuendung durch ihre unvernuenftige in diesem kalten Winter, sie wurde gepflegt, ihr wurde Zuneigung zu Teil, Lili und Malena spendeten viel Kraft an sie. Es waren Dinge die sie nicht kannte. Ja selbst bei dem Aerger mit ihrem Vater halfen sie ihr bedingungslos.
Nach den 19 Jahren in denen sie in dieser kleinen Huette von ihrem Vater eingesperrt wurde wusste sie nichts ueber den Umgang mit Menschen, doch sie wollte hart fuer diese Menschen die so gut zu ihr waren arbeiten, sie wollte alles geben.
Sie begann bereits waerend ihrer Krankheit fleissig fuer den Buergerbrief zu lernen, sie fegte auch schon das Haus bereits als es ihr auch nur ein wenig besser ging. Dann wurde sie eingeladen, zur ersten Versammlung des LLH's in Torjans Villa.
Warum wurde sie eingeladen? Sie war nicht einmal Mitglied zu diesem Zeitpunkt. Sie hatte Angst davor, was wenn sie ihr sagen wuerden sie wollten sie doch nicht haben?
Es kam ganz anders, als sie Assamarils Frage beantwortete warum sie Heilerin werden wollte bekam sie sogar Applaus. Es war ihr peinlich doch fuehlte sie sich so unendlich gut in diesem Moment. Was fanden diese Menschen an ihr das sie so unterstuetzend wirken?
Noch bevor sie den Buergerbrief absolvierte wurde sie bereits eingefuehrt in die ersten kleinen Behandlungen die anfielen.
Lili nahm sie sogar zu einer Obduktion mit, sie kam zwar ohne Mittagessen zurueck, aber dieser extreme Eindruck sollte ihr in der Zukunft helfen standhafter zu werden.
Und dann kam der Augenblick der alles Veraenderte.
Sie bekam Assamaril allein zu greifen, Assamaril hatte Probleme und verursachte damit im Gegenzug auch Probleme bei allen anderen im Hospital, vor allem das ignorieren jeglicher Maenner war eine schwer zu handhabende Geschichte. Es gab niemanden der wirklich Zugang zu ihr hatte abgesehen von Lili aber diese war so sanft...so nachsichtig und Tooru erkannte frueh das diese Nachsicht keine wirkliche Wirkung hatte. Sie erlaubte Assamaril vor Problemen davonzulaufen. Etwas das Tooru selbst mit ihrer Vergangenheit tat und daher wusste wie zerstoererisch es war.
Sie war hartneckig, sie war direkt, sie war ausdauernt und lies Assamaril keinen Freiraum, Tooru draengte sie Regelrecht an die Wand. Es gab kein Entkommen, nicht mehr. Assamaril musste sich ihrer Angst bewusst werden, und dem was sie anderen und vor allem sich selbst damit antat.
Ihre Empathie fuehrte sie in die richtige Richtung.
Drei Tage, in sagenhaften drei Tagen durchbrach sie Assamarils Panzer der Furcht und erlangte ihr Vertrauen. Von Lili wusste sie das es bisher noch niemandem gelungen war in dieser Art und Weise und vor allem so schnell zu ihr vorzudringen.
Assamaril begann vorsichtig den Maennern im Hospital Hallo zu sagen, der Blickkontakt fiel ihr noch schwer aber dennoch war der Fortschritt erstaunlich. Und es sollte sogar noch besser werden. Als eines Abends ein Streit zwischen ihr und Torjan ausbrach (was schon erstaunlich genug war da sie sich dafuer bereits an erster Stelle unterhalten haben) wurde Tooru zuerst wuetend. Wieso wurde Torjan laut und sauer? Er sollte doch wissen wie schnell und einfach man Assamaril verschreckt, wuerde er alles kaputt machen was sie in der kurzen Zeit aufgebaut hatte?
Doch nachdem sie ihm lautstark eine Standpauke hielt wurde alles anders als erwartet. Er klopfte an ihrem und Assamarils Zimmer und wollte mit Assamaril reden. Tooru wusste bereits wie Assamaril darueber dachte, sie hatte Angst, grosse Angst vor dieser Konfrontation doch Tooru zwang sie dann dazu. Warum dann im Endeffekt nicht doch versuchen die Situation zu nutzen? Und Torjan hatte eingewilligt ruhig zu bleiben da er sonst von Tooru rausgeworfen wuerde. Was sollte schon schief gehen? Offenbar nichts.
Assamaril unterhielt sich lange mit Torjan, und das ohne Streit, sich bemuehend alles aufzuklaeren. Es war ein voller Erfolg und Tooru war stolz auf die Leistung die Assamaril vollbrachte, und auf sich dieser Leistung anzustossen.
Am Abend des Festes rief Assamaril sogar laut "Gute Nacht" in einen Raum der groesstenteils mit Maennern gefuellt war bevor sie ging. Sollte Tooru es wirklich gelingen Assamaril von ihren Aengsten zu befreien und ihren Geist zu heilen?
Es gab aber noch mehr Beispiele fuer den Erfolg ihrer Zunge.
Da war dieser Thyre den sie eines Abends dabei erwischte in die Patientenzimmer zu spaehen. Sie war so ueberrascht und wuetend zugleich das sie ueber seine Groesse und Statur garnicht weiter nachdachte bevor sie ihn ausschimpfte. Dann sagte er noch Dinge die Tooru in der Rauheit seiner Wortwahl fuer Beleidigungen hielt. Wie konnte dieser Kerl es wagen? Sie beleidigte ihn ebenso und warf ihn regelrecht aus dem Hospital.
Am naechsten Tag erzaehlten Malena und Torjan ihr was es mit den Thyren auf sich hatte, und vor allem ihrem Verhalten und ihren Sprachfaehigkeiten. Tooru verstand, sie wollte sich entschuldigen und sollte schon bald die Chance dazu bekommen.
Als sie an diesem Abend von einem Spaziergang zurueckkam sass der Thyre am Tisch und Malena wollte sogleich anfangen zu vermitteln. Tooru wollte das nicht, es war ihr Fehler den sie begangen hatte, sie wollte ihn selbst korrigieren. Sie provozierte den grossen Kerl und bat ihn vor die Tuer...allein. Doch wie immer hing Silas an ihr wie eine Klette um sie zu beschuetzen, sie ignorierte ihn.
So stand sie nun vor diesem furchterregendem grossen Kerl der einige Koepfe groesser als sie war, innerlich bebte ihr Koerper, sie hatte Todesangst doch sie lies es sich nicht anmerken.
Sie versuchte laessig wirkend ihren Ellenbogen auf die Theke neben sich zu stuetzen und bekann mit dem Thyren zu reden, sie war dabei ein wenig unverschaemt, provozierend und sprach ihre Worte sehr genau. Sie wollte das der Thyre verstand warum es zu diesem Missverstaendnis kam bevor sie sich entschuldigte, denn mittlerweile hatte sie auch so etwas wie Stolz und sie sah nichts falsches daran das Hospital zu verteidigen so wie sie es tat. Es war schwer mit dem Thyren zu reden, doch am Ende gelang es ihr, nach ihrer Entschuldigung bezeichnete der Thyre sie sogar als gross fuer ihre Worte und das einstehen fuer ihre Fehler. Grade sie, dieses abgemagerte winzige Etwas als gross zu bezeichnen zauberte ein laecheln auf ihre Lippen.
Selbst den Buergerbrief bestand sie dann trotz ihrer extremen Nervoesitaet vor dem edlen Fraeullein van Belfa. Und das obwohl sie mehrmals kurz davor was das Bewusstsein zu verlieren vor Aufregung.
Doch dann kam neben dem Erfolg mit Assamaril ihre bisher groesster Erfolg. Ihr erster wirklicher Patient. Naja, es war eigentlich Torjans Patient doch Toorus erster Notfall im laufe ihrer noch frischen Ausbildung. Er hatte einen Pfeil in der Schulter und drohte immer wieder in Ohnmacht zu fallen. Tooru kuemmerte sich nicht einmal wirklich um die Wunde des Pfeils, sie kuemmerte sich um seine Angst, um seinen Schmerz. Sie redete konstant mit ihm, streichelte sanft seinen Kopf als er die Schmerzen erlitt, erzaehlte ihm Geschichten die so alle nicht wirklich passierten oder Sinn hatten. Sie machte ihn sogar etwas boese auf sie mit Neckereien und es funktionierte. Er blieb wach und selbst den Schmerz schien er wesentlich weniger zu merken.
Am Ende erhielt sie sogar ein Lob von Torjan welches sie in dieser intensivitaet nicht erwartet haette. Hervorrangend und nicht besser haette sie sein koennen? Dies war doch ihr erste wirkliche Handlung als "Heilerin" und dann tat sie doch gar nichts ausser reden?
Es war nun die Nacht nach dem Fest, alle schliefen bereits, selbst bei Malena der Nachteule brannte kein Licht mehr als sie auf der Schaukel vor dem Hospital sass wie sie es immer tat wenn sie nachdachte.
Hatten ihre Worte wirklich eine Wirkung? Oder redete sie nur solange und viel bis ihre Gegenseite resigniert aufgab?
Ihr war aufgefallen das sie Menschen recht schnell einschaetzen konnte, und schnell die richtigen Worte fand auch einen Streit schnell im Keim ersticken zu koennen. Hatten die 19 Jahre in totaler Isolation sie sensibler fuer den Umgang mit Menschen gemacht? Hatte ihr Wille zu lernen, alles neue zu verstehen und erforschen (und fuer sie war ja im Grunde alles neu) und mit frischem Blick auf die Welt ihr ermoeglicht Dinge zu sehen sie andere vielleicht nicht an ihrem Gegenueber sahen?
War es pures Glueck? Nein, dafuer war zuviel Erfolg bei dem ganzen.
Ihr waren auch schon zu bewusst Dinge aufgefallen die ihre Worte ausgeloest hatten.
Der Umstand das sie jeden den sie traf mit "du" ansprach. Sie wollte damit nie respektlos sein doch in all den Jahren in denen sie nur ihren Vater kannte war diese Anrede zu tief in ihr, etwas anderes hatte sie nie benutzt und dieses abzugewoehnen gelang ihr nicht wirklich.
Aber es hatte eine Wirkung auf andere. Den einen gab es ein Gefuehl von Naehe von Geborgenheit und lies sie sich gut aufgehoben fuehlen im Hospital, etwas das eine kuehlere Distanz ohne Herzlichkeit vielleicht nicht bewirkt haette? Und die denen es respektlos erschien? Die konzentrieren sich mehr auf ihre Empoerung als auf das Leiden und den Schmerz den sie hatten und waren dann am Ende doch eher dankbar fuer diese Ablenkung und verziehen Tooru ihre Wortwahl.
Dieses beeinflussen des Gemuehts ihres Gegenuebers mit nur so einem kleinen Wort, was noch mochte ihr in Zukunft moeglich sein mit ihrer unorthodoxen Art mit Leuten zu reden und umzugehen gepaart mit ihrem offensichlichen Talent zur Empathie?
Die Zukunft wuerde dies zeigen...und sie freute sich bereits auf den naechsten Patienten und seine/ihre Reaktion auf ihre Worte zu erkunden.
Erkenntnisse und Erlebnisse einer anstrebenden Heilerin
- Tooru Weidenhang
- Beiträge: 328
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
- Wohnort: Hamburg
Erkenntnisse und Erlebnisse einer anstrebenden Heilerin
Zuletzt geändert von Tooru Weidenhang am Montag 20. Januar 2014, 10:05, insgesamt 4-mal geändert.