Aelyn Roderik war die jüngste von 3 Kindern. Ihre Eltern, Lamor und Alexis Roderik, waren Magier und erwarteten dies auch von ihren Kindern. Die Erziehung ihrer Kinder war sehr streng, da sie Disziplin als den höchsten Wert erachteten, den man erreichen sollte.
Die Kinder wurden im Glauben an Alatar aufgezogen und Aelyn ging ganz in diesem Glauben auf. Der Glaube war das, was ihr Halt gab, das wofür sie lebte. Sie wollte Alatar Dienen, sie wollte Rahal dienen, und seine Kraft und seinen Einfluss verfestigen. Auch wollte sie die Ketzer, welche auf Temoras Seite standen, entweder auslöschen, oder zum rechten Glauben bekehren.
Aelyn wuchs in Rahal auf, hatte aber schon von klein auf Probleme mit ihren Eltern und auch der Umgebung. Sie litt sehr unter dem Druck der Eltern, dass sie Magier werden sollte. Ihre Geschwister hatten den gleichen Druck, jedoch war dies etwas, was Alon, ihr Bruder, wollte. Er wollte Magier werden und war sich sicher, dass dies sein Weg war.
Dies war der große Unterschied, denn Aelyn wusste instinktiv, dass dies nicht ihr Weg war. Und doch bestanden ihre Eltern darauf, dass sie den gleichen Weg einzuschlagen hatte, wie es in der Familie üblich war. Je älter sie wurde, desto ungeduldiger wurden ihre Eltern, da sie auf das „Erwachen“ warteten. Aelyn dagegen war froh, dass dies nicht geschah, denn sie konnte sich nur wenig Schlimmeres vorstellen, als ein Leben in einer Akademie, mit Büchern, mit dem studieren, mit den Lehren. Es hörte sich für sie nach der größten Strafe an, die man bekommen konnte. Und doch war es das, was ihre Eltern von ihr erwarteten.
Sie war hin und her gerissen, weder Fisch noch Fleisch, wusste nicht, was sie wollte, wie ihr Weg war, wusste aber auch, dass der von ihr erwartete Weg nicht der ihre war.
Dies zerrte an ihr, war sie doch von klein auf mit dem Ziel erzogen worden, Magier zu sein und der Familientradition zu folgen. Auch waren ihr von klein auf Dinge auferlegt worden, die sie zu leisten hatte und dies so gut wie möglich. Sie hatte die Erwartungen der Eltern schon als Kind nicht erfüllen können. Natürlich hatte sie Lesen und Schreiben erlernt, auch die Grundzüge des Rechnens, doch hatte sie nie so viel Begeisterung dafür aufbringen könne wie Alon. Auch war er der einzige, welcher um ihre Problematik wusste. Sie hatte sich nie getraut, ihren Eltern die Wahrheit zu sagen, da sie wusste, dass sie dann eine noch größere Enttäuschung sein würde.
Doch sie wollte, dass ihre Eltern irgendwann einmal stolz auf sie waren. Sie wollte etwas erreichen, wollte ihren Weg nach oben machen.. und hatte keine Ahnung, wie jener aussehen sollte.
Aufgrund dieser Problematik und der Angst, von ihren Eltern noch mehr als Enttäuschung gesehen zu werden, flüchtete sie sich weiter in den Glauben. Regelmäßig besuchte sie den Tempel Rahals, stundenlang saß sie dort in stummem Gespräch mit Alatar, in dem Versuch, eine Lösung für ihr Problem zu finden. Wenn sie dort war, fühlte sie sich wohl. Sie fühlte sich sicher, sie wusste, dass sie das richtige tat.
Eines Tages, Alon war gerade in die Akademie aufgenommen wprden, kam ein Schreiben der Eltern. Keine Gratulation oder dergleichen für Alon, denn es war ja selbstverständlich, dass sie diesen Weg zu gehen hatten. Das Schreiben war für Aelyn, in welchem sie ihr Vorwürfe machten, warum sie nicht ebenfalls aufgenommen worden war.
Das Schreiben landete zerknüllt in der Ecke des Hauses, welches sie mit ihrem Bruder zusammen bewohnte. Und ehe sie wirklich darüber nachdachte, hatte sie den Weg zum Tempel zurück gelegt.
Alon hatte immer zu ihr gehalten, er war derjenige, der immer sagte, sie müsse ihren Weg gehen und nicht den, den Eltern erwarteten. Vielleicht hatte er recht. Die Akademie war nicht ihr Weg, das wusste sie schon lange.
Ihre Zufluchtsstätte war der Tempel. Der Leitspruch der Roderiks lautete:
„Ein Roderik dient niemandem, außer Alatar selbst!“ Vielleicht war es das. Je länger sie überlegte, desto sicherer wurde sie. Der Leitspruch ihrer Familie zeigte ihr ihren Weg auf, auch wenn er anders gemeint war. Sie würde Alatar und Rahal nicht als Magier dienen. Ihr Weg war der direkte Weg. Sie wollte Alatar dienen und für ihn streiten. Seinen Glauben verbreiten und dafür einstehen.
So weit, es ihren Eltern ins Gesicht zu sagen, war sie noch nicht. Aber sie war sich sicher, endlich ihren Weg gefunden zu haben.
Ein Leben für Alatar
- Aelyn Roderik
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