Der Weg einer Lethry

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Shai'naira
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Der Weg einer Lethry

Beitrag von Shai'naira »

Still saß sie in einer Höhle, weit unterhalb Rahals. Ihre Gedanken gingen hin und her, ohne ein wirkliches Ziel. Ihren schmalen, fast noch etwas kindlichen Körper hatte sie an die Wand gelehnt, den Kopf ebenso, so dass ihr Blick ziellos über die Höhlendecke glitt.

Sie wusste nicht, wie es weiter gehen würde, was ihre Aufgabe war. Sie suchte, doch einen wirklichen Sinn hatte sie noch nicht entdeckt. Wie auch? Die einzige Person, an die sie gewöhnt war, war ihr genommen worden.

Ihre Gedanken kehrten zurück bis zu dem Tag vor etwa 10 Jahresläufen. Sehr dunkel konnte sie sich daran erinnern, doch die Erzählungen, welche die im Nachhinein gehört hatte, hatten dennoch ein klares Bild zurück gelassen.
Wer ihr Vater war, war ihr nicht bekannt und es war ihr auch egal. Sie hatte mit ihrer Mutter und ihre Schwestern zusammen gelebt, 3 ältere Schwestern und sie. Erneut wurde ihre Mutter schwanger und wieder einmal brachte sie eine Tochter zur Welt. Dies war eines der letzen Dinge, welche die hatte tun können, denn dieser Umstand hatte ihrer Mutter das Leben gekostet. Sie hatte nur niedere Wesen geboren, war also ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. So hatten sie sie geholt und vor den Augen ihrer Töchter getötet.

Wirkliche Trauer überkam Shai’naira nicht, hatte doch ihre Mutter ihre Aufgabe nicht erfüllt und demnach ihr Recht zu leben verwirkt. Was jedoch in ihr nagte war, dass sie nun für die Fehler ihrer Mutter gerade zu stehen hatte.

Sie war ein Nichts in dieser Gesellschaft, der Staub auf dem Höhlenboden war mehr wert als sie. Von jeder Seite aus, wurde sie gestoßen und beleidigt, verachtet und als Plage abgetan. Natürlich hatte man nie unterlassen, ihr ihre Stellung immer wieder deutlich vor Augen zu führen, ebenso ihre späteren Aufgaben, nämlich nicht so minderen Nachwuchs zu gebären, wie es einst ihre Mutter tat. Zudem wusste sie, dass es ihr, sollte sie versagen, genauso gehen würde, wie schon ihrer Mutter.
Sie fühlte sich hilflos, bevormundet. Sie wollte dem Panther dienen, ja, jedoch wollte sie nicht wie Dreck gehandelt werden. Und sie wollte sich auch nicht damit abfinden.

Sie ballte die Fäuste bei diesen Gedanken, nicht wissend, was sie tun sollte, als sich neben ihr einige kleinere Brocken aus der Felswand lösten und auf den Höhlenboden fielen. Sie achtete nicht darauf, auch suchte sie nicht nach dem Grund, warum diese fielen. Es war ihr egal.

Ihre Gedanken gingen weiter, von der Behandlung, welche sie erfuhr, zu ihren Träumen und geheimsten Wünschen. Natürlich würde sie nie jemandem diese Dinge mitteilen, war es doch nur eine Schwäche, welche es zu nutzen und gegen sie zu verwenden galt. Doch blickte sie immer wieder mit Neid auf jene, welche schon weiter auf ihrem Weg waren. Weiter darin, sich zu beweisen und sich in der Hierarchie ihren Platz erkämpft hatten, oder zumindest weiter nach oben stiegen. Ob es nun Q’in war, welcher für seine Folterungen bekannt war und dieses mit Bravour beherrschte, oder auch Velvyr… diese hatte sich durchgesetzt. Diese hatte ihren Platz errungen, auch wenn sie das durch Geburt mindere Wesen war, wie auch sie selbst. So etwas war ihr Ziel. Dies wollte auch sie erreichen. Nur wie?
Ihr Blick ging in der Höhle umher, scheinbar irgendeinen Anhaltspunkt suchend, einen Fingerzeig im Gestein oder eine Idee, welche sie nur von Felsboden aufheben musste. Natürlich fand sie nichts außer dem nackten Felsen und erneut lief eine Welle der Wut durch ihren schlanken Körper. Die Faust ballte sich erneut und sie schlug wütend auf den Fels, so dass dieser leicht bebte. Etwas verwundert sah sie auf ihre Faust, die nun lockerer wurde und schließlich erschlaffte. War sie dies gewesen? Hatte ihr Schlag ausgereicht, den Felsen erzittern zu lassen? „Unsinn!“ schalt sie sich selbst. Wahrscheinlich hatte sie es sich nur eingebildet, zu sehr in ihren Gedanken verstrickt, die Wünsche und Ziele welche in ihren Zukunftsvisionen schon Realität waren, hatten ihre Wahrnehmung vernebelt.

Sie erhob sich und lief durch die finsteren Gänge. Langsam wand sich der Gang, an Höhlen vorbei, manche größer und manche kleiner, und immer weiter, ehe er langsam anstieg. Immer weiter und steiler wurde der Weg, bis sie nach einiger Zeit einen leichten Luftzug verspürte, welcher mit jedem Schritt stärker und angenehmer wurde. Schließlich stand sie vor dem Ausgang der Höhle und sah sich um. Eigentlich durfte sie nicht hinaus, zumindest nicht einfach so. Nicht ohne Begleitung. War doch ihre Aufgabe, dass sie erst einmal männlichen Nachwuchs zur Welt bringen musste, ehe sie sich das Recht errungen hatte, kämpfen zu gehen oder andere Dinge zu tun. Doch dies wollte sie nicht. Zumindest noch nicht. Irgendwann würde sie ihrer Aufgabe gerecht werden, doch war sie selbst noch zu jung um ein Kind groß zu ziehen. Sie wollte ihre Zeit sinnvoller verbringen als in der Höhle zu sitzen und zu warten, bis sie jemandem interessant genug erschien, dass er sie als seinen Besitz beanspruchte. Vielleicht war es hoch gegriffen, vielleicht ein kindlicher Wunschtraum, sie wusste es nicht und sie machte sich auch keinerlei Gedanken dazu.

Sich vorsichtig umblickend schlich sie vom Höhlenausgang weg. Sie war des öfteren hier draußen unterwegs, wusste aber auch, was ihr drohte, sollte man sie erwischen. Doch daran dachte sie nicht, versuchte es zu verdrängen. So schlich sie schnell und eilig vom Eingang der Höhle weg, über eine Wiese und an Rahal vorbei. Dabei schaute sie sich aufmerksam um, immer in der Angst, sie könnte entdeckt werden. Sie war so darauf konzentriert nach bekannten Gesichtern Ausschau zu halten, dass sie nicht mitbekam, wie sich das Gras, welches sie auf dem Weg von der Höhle weg, platt getreten hatte, sich wieder aufrichtete, so dass sie Spur, welche sie zurück gelassen hatte, sich recht schnell verflüchtigte. Selbst ein geübtes Auge konnte nunmehr nicht mehr ihre Spur sehen.
Doch die junge Lethra war zu beschäftigt um dies zu bemerken, hatten ihre Augen doch etwas entdeckt, was sie in Deckung gehen lies. Sie lies sich hinter einem Busch nieder, fast auf dem Boden kriechend, um nicht entdeckt zu werden und ihre schwarzen Augen spähten durch das Blattwerk um ihr Ziel auszumachen und es zu betrachten. Sie erblickte einen Letharen, welcher in Richtung der Höhle ging. Sehr schnell erkannte sie Mory´tael und sie war froh, rechtzeitig in Deckung gegangen zu sein. Eilig erhob sie sich, als er außer Sichtweite war und rannte weiter. Sie wollte sich im Kampfe üben, dass es heimlich sein musste gefiel ihr zwar nicht, doch ließen die anderen es ja nicht anders zu. Wie sollte sie dem Einen dienen, wenn sie nicht ihre Fähigkeiten schulen durfte um für ihn zu kämpfen? Unwille stieg in ihr auf, während sie den Weg weiter in Richtung Bajard lief und rechts und links des Weges ließen immer wieder einige Blumen ihre Köpfe hängen, als würden sie ihre Wut spüren und mit trauern.

Ihre Gedanken kehrten jedoch immer wieder zu Mory´tael zurück. Er war ein Lethyr, konnte das Lied Eluives verzerren, es zu einem Lied Alatars machen. Er konnte mit seinen Fähigkeiten Einfluss nehmen, hatte eine Stellung in der Hierarchie, wurde als Person gesehen. So etwas wollte sie auch. Sie wollte Ansehen, eine Aufgabe, welche darüber hinaus ging, junge Letharen zu gebären. Sie wollte mit ihren Fähigkeiten dem Einen dienen und sich innerhalb ihrer Gesellschaft beweisen. Doch welche Fähigkeiten? Mit einem kleinen Aufseufzen nahm sie den Schild zur Hand sowie das Schwert und stieg in die Höhlen hinunter. Immer wieder schlug sie auf die Kopflosen und die Skelette ein, stellte sich vor, wie es wäre, mehr zu können, besser zu sein. Es war noch ein harter Weg, bis sie dies schaffen würde, doch es war ihr Ziel und sie würde darauf hin arbeiten. Sie wusste nicht, ob der Kampf mit Schwert und Schild der Ihre war, ob es ihre Aufgabe war. Doch es war etwas, was sie tun konnte. Sie neidete diejenigen, welche ihre Position gefunden hatten, ihre Fähigkeiten entdeckt. Sie konnte nur versuchen das Beste daraus zu machen, hart zu arbeiten und ihre Fähigkeiten auszutesten. Doch sie erntete nur Missgunst und Kritik, wenn überhaupt. Teilweise auch pure Ignoranz und Hass. Sie wurde gedemütigt und beleidigt, ständig wurde ihr vor Augen gehalten, dass sie nur so viel wert war wie der Staub unter den Schuhen.

Jeden Tag in den letzten Jahren, an welchem sie diese Behandlungen erfuhr, wurde sie wütender. Ihre Wut steigerte sich zu Hass, dieser Hass zu Ehrgeiz. Immer und immer wieder stellte sie sich dieselben Fragen, ihre Gedanken kreisten darum: War dies ihre Aufgabe? Nur eine Lethra zu sein und Nachkommen zu gebären? Immer untergeordnet, zum gehorchen verdammt?
Nein, dies wollte sie nicht. Doch es war noch ein weiter weg bis zu ihrem Ziel. Sie war sich wohl bewusst, dass sie es langsam angehen musste, heimlich. Sie musste zusehen und lernen. Dies war der erste Schritt. Der zweite würde sein, sich der Gemeinschaft zu beweisen, die Oberen auf sich aufmerksam zu machen. Dies würde nicht leicht sein und sie wusste auch noch nicht, wie sie dies bewerkstelligen sollte. Doch sie hatte Zeit. Sie war noch sehr jung, nicht einmal 20 Winter alt. Am Ende des Weges stand Rache und Genugtuung. Für alles, was sie erduldet hatte. Sie würde es ihnen irgendwann heimzahlen, zeigen, dass sie nicht nur eine Lethra, sondern eine gute Dienerin des Panthers war. Sie würde es schaffen…irgendwann.
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Shai'naira
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Beitrag von Shai'naira »

Shai’naira saß in einer kleinen Höhle, weit von der Heimat Leth’Axorn entfernt. Die Gedanken der jungen Lethry schweiften zurück. In den letzten Jahren war so viel geschehen. Viel zu viel… Hinter sich, tiefer in der Höhle, hörte sie ein Geräusch und ihr Blick streifte in jene Richtung. In der Dunkelheit sah sie klar und deutlich die Umrisse ihrer Ausbilderin und Mentorin, Lys’Xaera. Die Erzlethry war in all den Jahren nicht von ihrer Seite gewichen. Von jenem Moment an, an dem sie erwacht war.
Sie wendete den Blick von Lys ab und starrte wieder in die Dunkelheit. Und ein sehr seltenes Lächeln zeigte sich auf ihren Zügen.
Ja, dies war ein guter Moment gewesen. Nur war sie zu jung und naiv gewesen, um es zu verstehen. Und wieder war es Lys’Xaera gewesen, welche ihr erklärte, was geschah. So war sie zu ihrer Schülerin geworden, später zu ihrer rechten Hand und Stellvertreterin.
Die Erzlethry war eine strenge und grausame Mentorin gewesen. Und doch hatte Shai’naira viel von ihr gelernt. Sie hatte vor allem und als erstes gelernt, trotz ihrer Jugend zu dem zu stehen, was sie war: eine Auserwählte des Vaters.
So war die Zeit vergangen und die beiden Lethras verband viel. Sie waren das niedere Geschlecht und doch waren sie auserwählt. Sie standen hoch in den Gunsten des Vaters und hoch in der Hierarchie ihrer Rasse. Mory’tael sowie Syrr’ael standen höher, gewiß. Doch waren sie auch selten da.
Immer wieder kam Shai’naira auch in den „Genuß“ Unterricht bei ihnen zu haben. Mory’tael hielt jedoch nicht einfach Unterricht. Alles war eine Prüfung. Hart, schwer und grausam. Und für jeden Fehler, den sie gemacht hatte, hatte Lys’Xaera leiden müssen, was sie, Shai’naira, hinterher mehrfach zurück gekam. Und doch hatte die die junge Lethry, welche den Kinderschuhen gerade entwachen war, geprägt. Dies alles hatte sie zu dem werden lassen, was sie schließlich war. Eine würdige Stellvertreterin von Lys’Xaera und eine Führerin ihres Volkes, so keine ranghöheren Lethyren anwesend waren.

Ihre Gedanken schweiften weiter.
So viel war geschehen zu dieser Zeit damals. Sie erinnerte sich noch an den ersten offiziellen Ausflug als Schülerin Lys’Xaeras. Sie wollten in die Berge, zu einem kleinen Lager. Und auf dem Wege dorthin tragen sie einen Krieger der Streiter Temoras. Sie hasste diesen Anblick, das Zeichen der Ketzerin, welches jener trug. Und doch war sie jung und unerfahren. Es dauerte nicht lange bis jener, Nevyn, wie sie hinterher erfuhr, sie nieder streckte. Es war das erste mal, dass sie mit ihm aneinander geraten war, aber bei weitem nicht das letzte mal. Diese Niederlage brachte ihr den Spott der Lethry ein und stachelte in ihr den Willen an, zu lernen. So viel zu lernen, daß dies nicht mehr vorkommen sollte.
Es folgte eine harte Zeit der Ausbildung, des Lernens, der Kämpfe… Das Elfenmädchen, welches sie gefangen genommen hatten, der Krieg zwischen Varuna und Rahal, die Zerstörung Varunas und.. die Übernahme der Letharen von Rahal… dieses schwache, widerwärtige Menschengeschlecht, welches die Stadt des Vaters führen sollte. Lys’Xaera und sie hatten es sich lange angeschaut. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, wurde das, was die Menschen taten, schlimmer. Sie schürten den Hass der Letharen, verachteten den Vater, auch wenn sie läppisch in seinem Namen grüßten.
Die hatte so nicht weiter gehen können. Die Letharen mussten handeln und hatten so die heilige Stadt eingenommen. Jene wenigen, die aufmuckten, taten es danach nicht mehr. Sie mussten diesen Schwächlingen zeigen, wie man eine Stadt regiert und dies in des Vaters Namen.
Es dauerte nicht lange, bis Lys’Xaera auf dem Stuhl des Alkas saß. Shai’naira neben ihr. Wie immer als ihre rechte Hand und um auch dabei zu lernen.
Sie mochte jene Stadt nicht, waren die Höhlen doch deutlich angenehmer. Jedoch war es notwendig und die Menschen hatten zu lernen, wie man sich benimmt, um dem Vater Ehre zu erweisen.
Der Unterricht, so man es denn ennn konnte, hatte angedauert. Shai’naira hatte einiges über Politik gelernt, so nannten die Menschen es wohl. Sie wusste, dass Lys’Xaera jene Verhandlungen verachtete, doch waren die Menschen nicht in der Lage, die richtige Art zu verstehen oder gar zu übernehmen. So musste man sich darauf herab lassen.
Die Menschen dagegen hatten wenigstens ansatzweise gelernt, auch wenn Shai’naira bezweifelte, dass das Lernen bei ihnen von langer Dauer war. Doch schließlich, nach längerer Zeit als geplant, hatten sie die Stadt wieder an die Menschen zurück gegeben. Vielleicht ein Fehler, man würde es sehen.

Die Gedanken der Lethry wanderten weiter… Rahal war zurück geben und dann… dann war da noch der Fall Varunas. Ein sehr schöner Anblick, die ganze Stadt in Trümmern zu sehen. Es waren zu jener Zeit viele Kämpfe voraus gegangen, viele waren aufgerieben worden, doch die Stadt der Feinde brannte… ein sehr gutes Gefühl. Sie wurde vollständig zerstört, der größte Erfolg der über die Gegenseite errungen wurde, auch wenn, das musste sich die junge Lethry eingestehen, ihr Volk nur zu einem Teil dazu beigetragen hatte. Aber das Ergebnis war das, was zählte.

Die Zeit danach wurde ruhiger. Sie war mit Lys’Xaera gegangen. Sie hatten Leth’Axorn verlassen und waren ausgezogen. Abseits von allem hatten sie den Unterricht fortgesetzt, aber vor allem wollten sie Vaters Wille verbreiten. Nicht nur auf jene kleine Region Rahal beschränkt.
Das Ketzerland würden sie nicht auf den richtigen Pfad bringen, das war ihnen klar. Sie waren einfach zu dumm dazu, noch dümmer als die Menschen in Rahal, noch niederes Volk. Darum waren sie weiter gegangen und hatten außerhalb des Reiches bekannt gemacht, wer die Schöpfung und die Krönung Alatars war.

Es war eine interessante Zeit gewesen, doch manchmal vermisste Shai’naira ihre Höhle, die Heimat, die anderen Letharen. Tluth’Xarlor, mit dem sie so oft jagen ging und viele Dinge erlebt hatte.. Syrr’ariel, welcher den Unterricht streng, aber für einen Letharen gerecht hielt und welcher sie auch ab und an als Prüfung auf ihre Jagd begleitete.
Mory’tael… ob sie sich gerne an ihn erinnerte konnte sie nicht mal sagen. Er war... besonders. Jeder junge Lethar war vor ihm in Deckung gegangen, ebenso wie sie selber. Sein Unterricht und seine Prüfungen waren schwer und stetig.
Und doch. Immer wieder kehrten ihre Gedanken nach Leth’Axorn zurück.

Sie schreckte auf, als sie ein Geräusch neben sich bemerkte. Lys’Xaera lies sich neben ihr nieder und blickte sie an. Lange, schweigend.

Shai’naira kannte ihre Mentorin nun lange und gut genug, als dass sie nicht gewußt hätte, dass etwas geschehen war. Und es dauerte nicht lange, bis die Erzlethry ihr ihre Entscheidung mitteilte.

„Shai’naira, du bist eine gute Schülerin gewesen. Doch nun ist es an der Zeit für Dich, nach Leth’Axorn zurück zu kehren um Deine Ausbildung bei Syrr’ariel abzuschließen.“
Sehr irritiert blickte die junge Lethy sie an.
„Was ist mit Euch? Ihr werdet doch mit zurück kommen?“
Eine Pause folgte, die sich anfühlte, als würde sie eine Ewigkeit dauern, ehe die Lys’Xaera den Kopf schüttelte.
„Nein, Shai’naira. Noch nicht. Vielleicht später, doch nun ist nicht die Zeit für mich zurück zu kehren. Doch Du wirst gehen.“
Nun blickte Shai’naira sie kurzzeitig fassungslos an.
„Ohne Euch? Was ist mit Euch? Ihr wollt alleine hier bleiben? Dann bleibe ich auch.“
Der Hauch eines Lächelns war nun auf den Zügen der Erzlethry zu sehen, eh sie den Kopf schüttelte.
„Nein. Du hast mir treu gedient. Aber jetzt gehst Du nach Leth’Axorn. Du gehst zu den unsrigen und dort zu Syrr’ariel. Er wird Dich lehren und bei ihm wirst Du Deine Ausbildung abschließen, welche du bei mir durchlaufen hast. Es warten Aufgaben auf Dich, Shai’naira. Stelle Dich ihnen und zeige, was Du von mir gelernt hast.“
Mit diesen Worten stand Lys’Xaera auf und wandte sich ab. Ohne ein weiteres Wort ging sie weiter in die Höhle hinein und verschwand in der Dunkelheit.

Die junge Lethry starrte ihr nach, ihre Gedanken überschlugen sich. Sie wußte, dass es keine Sinn machte zu protestieren, es hätte nur damit geendet, dass Lys’Xaera ihr den Protest auspeitschte. Und doch…
So lange sie sich zurück erinnerte, von dem Moment an, wo sie erwachte, war die Erzlethry immer da gewesen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie handeln sollte ohen sie an ihrer Seite. Sie hatten so viel durch gemacht, erlebt… und sie war ihr ständiger Begleiter gewesen. Und doch schickte sie sie nun fort. Sie, ihre Schülerin, die ihr immer gefolgt war, egal was geschah, die ihr bis in den Tod die Treue halten würde.
Doch sie hatte keine andere Wahl. Sie musste gehen.
Von Lys’Xaera war nichts mehr zu sehen, so dass sich Shai’naira nun schweren Herzens umdrehte und sich auf den Weg machte. Sie hoffte so sehr, dass Lys eines Tages nachkommen würde. Daß sie sich in Leth’Axorn wieder treffen würden, um wie früher gemeinsam zu streiten. Schon jetzt fühlte Shai’naira sich alleine. Und doch.. irgendetwas in ihr sagte ihr, dass es eine Prüfung war. Eine Prüfung ihrer Mentorin, eine letzte Prüfung auf dem Weg nach oben.

Am Höhlenausgang angelangt blickte sie sich noch mal um. Lange ging der Blick in die Dunkelheit, ehe sie nochmals hinein rief:

„Ich werde immer die Eurige Schülerin sein!“

Mit jenen Worten drehte sie sich um und verließ die Höhle, auf dem weg zurück in die Heimat, auf dem Weg nach Leth’Axorn.
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Shai'naira
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Beitrag von Shai'naira »

Sie war wieder zurück, zurück in den Höhlen des Axorns.
Ihr Blick ging umher, die vertraute Umgebung regelrecht in sich aufsaugend. Vieles hatte sich verändert... und doch war vieles auch vertraut. Viele neue Gesichter, die sich im Hierarchiekampf verstrickten.
Ihr würde wohl nichts anderes übrig bleiben, sich ebenfalls wieder dort hinein zu begeben. Die Zeiten, in der sie ihre Position klar gemacht hatte, waren vorerst wohl vorbei.
Zu viele neue Gesichter, zu viele fremde Laute.

Aber es gab auch Dinge, die sich nicht verrändert hatten. Sie hatte Tluth'Xarlor getroffen. Jener war nun Ala'thraxor. Ein vertrautes Gesicht, und eines, dem sie vertraute, soweit es hier in dieser Welt möglich war. So viel hatten sie zusammen erlebt und sie hoffte, dort wieder anknüpfen zu können.
Auch mit dem Erhabenen Syrr'ael hatte sie Kontakt aufgenommen, alsbald würde ein Gespräch statt finden.

So hatte sie das wichtigste bereits erledigt, nun hieß es, nach und nach die neuen Geschister zu begutachten.

Und... Kräfte zu sammeln für das, was anstand.

Die lange Reise hatte ihr zugesetzt. Die Lethry konnte nicht einmal sagen, was genau. Sie fühlte sich schwach, ausgelaugt. Als sie den Axorn zusammen mit er Erhabenen verlassen hatte, war sie stark, konnte ihre Macht nutzen und einsetzen.
Jetzt fühlte sie sich, als hätte Alatar selbst sie auseinander gerissen und ihre Einzelteile herum liegen lassen. Warum konnte sie nicht sagen. Nur vermuten. Doch Vermutungen halfen ihr nicht weiter.

ER duldete keine Schwäche, ebensowenig die Geschwister. Und noch weniger sie selbst. Egal woran es lag, sie mußte es überwinden. Sie mußte sich sammeln, ihren Hass schüren, und ihren Körper stählen. Die Einheit von Körper und Geist war es, die einen stark machte. Dies mußte sie wieder erreichen.

Und bis dahin möglichst überleben...
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