[Event] Der Ruf in der Dunkelheit

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Esvara Dystrak
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[Event] Der Ruf in der Dunkelheit

Beitrag von Esvara Dystrak »

Die gelblich schimmernden Augen richteten sich in den Nachthimmel, betrachteten das glitzernde Sternenmeer. Ihr Leuchten empfand sie als kalt und einsam, wie tausende Aufschreie, die verzweifelt ihre Existenz in die Leere hinein riefen.
Ihre Mundwinkel hoben sich dezent in die Höhe, ohne auch nur das kleinste Fältchen in der pergamentartigen, unnatürlich gestrafften Haut aufzuwellen. Vor langer Zeit hatte sie sich gewünscht einer von ihnen zu sein, einsam schwebend in der Dunkelheit und umgeben von Stille. Weit weg von dem Gefühl nur noch Gast in ihrem Körper zu sein, während sich etwas durch ihre Seele fraß. Heute war nicht einmal mehr genug übrig um den Umstand zu bedauern, der Körper so ausgemergelt, dass selbst die kindlich geschnittene Robe um ihn herum schlotterte.
Der Blick glitt tiefer und legte sich auf die Gebirgsränder, die den Ritualplatz einrahmten, wie eine gewaltige Schüssel. Dunstschwaden krochen über das Gestein und streckten ihre fasrigen Finger nach dem Inneren aus, als wollten sie anklagend auf sie deuten.
Die Zeit war gekommen, das Augenmerk legte sich auf das gewaltige, mit Blut gezogene Pentakel zu ihren Füßen und sie trat ins Innere. Die darin wirbelnden Energien schlugen ihr entgegen, hüllten sie ein und zerrten an ihrer Existenz. Beinahe berauscht von der Macht betrat sie das Zentrum, badete sich einen Moment genüsslich in der gebündelten Energie. Ihre menschlichen Sinne begannen sich zu zersetzen und ein Wechselspiel aus Schatten und Lichtreflexen tanzte vor ihren Augen, nahmen ihr beinahe vollständig die Sicht. Als sie sich noch einmal nach den mumienartig verschnürten Paketen zwischen den Spitzen umsah, drang nur noch ein verschwommenes Zucken und Winden bis in ihr Unterbewusstsein vor, doch für das leise Wimmern waren ihre Ohren bereits taub.
Den Schnitt in ihren Unterarm spürte sie nicht mehr, stattdessen betrachtete sie fasziniert jeden abperlenden Tropfen, des verunreinigten Blutes, der einem funkelnden Stern gleich zu Boden fiel und vom staubigen Untergrund begierig aufgesogen wurde. Das Lächeln verbreitete sich, soweit es die überstraffte Haut zuließ und sie legte den Kopf in den Nacken, die Arme dabei ausbreitend.
Bilderfetzen tanzten vor ihrem geistigen Auge, Segmente aus dem Leben ihrer Ordensschwestern und Brüder, die ahnungslos in ihren Betten lagen oder während ihrer Studien von der Erschöpfung übermannt wurden.
Dünne, geistige Fäden schlängelten sich aus ihrem Körper hervor und krochen auf die zuckenden Körper am Boden zu, um unter die festen Leinen zu kriechen. Wie die Tentakeln eines Parasieten saugten sie sich an den armen Seelen fest und begannen pulsierend deren Lebensessenz abzusaugen.

"Du weisst was wir suchen..." ein kaum hörbares Flüstern, beinahe schon mehr Gedanke als gesprochenes Wort. Sie spürte das Zerren, als ihr Innerstes sich aufbäumte, der Kiefer hängte sich mit einem morschen Knacken aus und dunkle, zähflüssige Schwaden krochen aus ihrem Rachen, um sich über ihrem Kopf zu verdichten.

Ein dünner unsichtbarer Faden verband sie noch und es richtete die Augen auf seine Gefährtin hinab. Auch sein Bewusstsein war durchzogen von den Bildern der Schlafenden, der Wachenden und der längst Vergangenen. Es wusste was es zu suchen hatte, konnte sie bereits in weiter Ferne riechen. Beflügelt von Gier und Macht erhob es sich in den Nachthimmel, die Augen weit offen und ließ den Blick über das Land gleiten. Es würde sie finden.. es würde sie holen... es würde die noch geschlossenen Siegel selbst aufreißen, wenn es sein müsste...


Es erhob sich....



Eine energetische Druckwelle fegte über das Gebirge hinweg und breitete sich über Rahal aus. Wie eine düstere Ahnung kroch sie in die Köpfe jedes Liedkundigen, der sich in der Stadt oder der Burg befand und vernetzte sich mit ihren Träumen. Ein Ruf in der Dunkelheit, Seelen die durch dunkle, steinmassive Gänge wanderten, ohne selbst einen Schritt steuern zu können. Die Erinnerungen der Verstorbenen, die im Kampf fielen, lösten sich aus dem steinernen Gemäuer und wanderten lautlos zwischen den Schatten umher.


Es würde sie finden.... es würde sie holen.... es fand sie in ihren Träumen und ließ sie erwachen...
Gast

Beitrag von Gast »

Unruhig wälzte er sich auf seinem Lager hin und her, was auch immer ihn an Träumen beschert wurde, es schienen keine Angenehmen zu sein. Die Luft war unnatürlich schwül in dem Schlafsaal der Ordensburg und so war der Körper nur mit einem weißen Laken bedeckt, welches ihn in der Zwischenzeit fest umschlungen hielt wie eine sich windende Schlange. Sein Atem ging schnell und unregelmäßig, ein Schweißfilm hatte sich auf seiner Haut gebildet, als er mit einem unterdrückten Schrei erwachte.

Keuchend sah er sich um, ein ungutes Gefühl hatte sich seiner bemächtig. Nein, das war nicht seine Heimat und nein er war nicht angekettet und eingesperrt in einem dunklen Verlies, schwer und leise fluchend stemmte er sich von seinem Lager und wickelte das Laken um die Hüfte. Er sah auf seine Brüder auch sie schienen erwacht und sahen sich an, etwas was geschehen und er wusste nicht was. Wie er es hasste...
Das ungute Gefühl wollte nicht weichen und irgendwie war an Schlaf nicht mehr zu denken, was auch immer jenes gewesen war was sie besucht und geweckt hatte, es schien noch spürbar.
Rasch kleidete er sich an und zielstrebig machte er sich auf die Suche nach den Höheren, während er den Weg zum Ritualplatz einschlug. Er wusste das manchmal die Neugier der Katze Tod sein konnte, doch er konnte nicht anders... er musste sehen ob ein Ritual durchgeführt worden war, ob es gelungen oder schief gegangen war.

Das Ungehagen steigerte sich, als er den gewundenen Pfad hinaufging. Die Luft schien aufgeladen zu sein und ihn knisternd zu empfangen. Am Eingang hielt er inne und sah gebannt auf das Bild was sich ihm bot, es reichte jedenfalls aus um sich nicht weiter vorzuwagen und nach einer kurzen Musterung des Platzes wandte er sich um und eilte angemessen davon, um die Höheren zu informieren.

Das Bild hatte sich in ihm unauslöschlich eingebrannt...

[url=http://postimg.org/image/5c4jkm6g7/][img]http://s23.postimg.org/5c4jkm6g7/Maestra.jpg[/img][/url]
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 30. Oktober 2013, 10:56, insgesamt 4-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Das Pergament an die Höheren des Ordens verfasst begann er sich mit den wandernden Schatten in der Burg zu beschäftigen. Eher gesagt war es äußerst einseitig, da sie weder antworteten noch ihn überhaupt wahrzunehmen schienen. Was er dennoch feststellte war, dass sie sobald sie eines Wesens ansichtig wurden sich an jenes hängten um es zu verfolgen. Dabei kam er nicht umhin festzustellen, dass sich jenes unangenehme Gefühl verstärkte im Denken wie gelähmt zu sein oder wie in zähen Sirup zu stecken.
Als er damit zu keinem Ergebnis kam schüttelte er jenen Schatten ab und machte sich auf den Weg in die Stadt, vielleicht fand er dort eine der Höheren...

Er lief Sofie in die Arme und rasch hatte er sie überzeugt, dass sie ihm doch bitte folgen solle, um jenes mit eigenen Augen anzusehen. So schritten sie beide hinauf zum Ritualplatz und während er sie genauer beobachtet, beschlich sich hier nun stärker dieses ungute Gefühl. Die Luft knisterte voller geladener Energien und je weiter man sich versuchte dem Pentakel zu nähern, umso stärker wurde das Knistern, dann ein Gefühl als ob unsichtbare Hände einen abwehren wollen. Er wich zurück und sah gen Sophie, auch sie kam zu jenem Ergebnis. Der Platz wurde genau untersucht, Vermutungen angestellt und man kam gemeinsam zu dem Schluss, dass so rasch es ging Magister Githago informiert werden musste.
Er zeigte ihr die Schatten in der Burg und er sah wie sie sich vor jenen Gestalten fürchtete. Jene Wesen oder der Umstand wozu sie fähig waren setzten ihr zu, er rechnete es ihr hoch an, dass sie ihn trotzdem begleitete. Die Urangst vor dem Unbekannten und vor Schatten? Sie versuchten einen der Schatten zu fangen und mit ihm zu experimentieren und zu kommunizieren. Beides hatte eher ein frustrierendes Ergebnis, immerhin bis auf jenes "Aussaugen" griff es sie nicht an. Alle Räume wurden inspiziert und man fand drei jener Schatten.

Er überlegte, es würde ihr nicht gut tun in dieser Burg zu übernachten und schlug ihr vor sie nach Rahal zu begleiten. Gerade für jenes scheue dankbare Lächeln, ihre Erleichterung als sie die Gewölbe verließen, mochte er sie.
Auch wenn sie eine starke Frau war, lies sie es dennoch zu, dass er sich um sie kümmern durfte ohne Kämpfe um Hierarchie oder Rangfolge. Wohl würde in den kommenden Tagen der Orden von ihr eine Zusammenfassung ihrer Untersuchung erhalten, bis dahin galt es abzuwarten.
Er begleitete sie zu ihrem Haus in der Stadt.
Das Gefühl vermittelt zu kommen, gebraucht zu werden und den Beschützer zu spielen, es war selten geworden. Jenes Gefühl hatte er lange nicht mehr verspürt, eigentlich seit Nia nicht mehr. Wie er einige dieser intriganten Miststücke hier hasste, eine wollte ihn als Zuchthengst, eine andere um jemand eifersüchtig zu machen, beiden hatte er auf seine Art diesen Zahn gezogen, er hasste solche Spielchen und niemals würde er irgendjemandes Spielzeug sein.
Doch jenes hatte ihm eines gelehrt, am Ende ist man immer auf sich gestellt, er distanzierte sich und wünschte ihr eine geruhsame Nacht.
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 31. Oktober 2013, 10:03, insgesamt 3-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Eintrag Forschungstagebuch 31. Goldblatt 256

Angst überkommt mich. Die letzte Nacht verbrachte ich mit einer Gänsehaut in der Schwarzen Burg, als hätte ich das kommende Unheil spüren können. Die Frage stellt sich: Ist es wirklich ein Unheil? Nach dem neusten Besuch der turmhohen Festung bin ich mir nicht sicher. Adeptus Althan half mir, dem Wahnsinn zu entkommen, und nicht meiner Furcht zu erliegen. Ein peinliches Gefühl reichte in mir der stummen Dankbarkeit die Hand. Ich war froh, den furchtlosen Mann an meiner Seite zu wissen. Gleichsam war der Gedanke, als Magistra eindeutige Furcht, den neusten Ereignissen gegenüber, zu Empfinden ein Verlegenheit provozierender.

Aus dunklem Nebel formt sich die pechschwarze Arkoritherrobe um meinen Leib. In einem Lied-Eingriff vernehme ich Eluive regelrecht schreien und kann nicht anders, als ein flüchtiges Grinsen aufzusetzen - das sadistische Gefühl genießend. Ein Rausch von Macht überkommt mich immer, wenn sich das wachsartige Material um meinen Körper schmiegt, mich zu erwürgen droht. Eine krankhafte Mischung aus Sadismus und devoter Abhängigkeit. Meine Schritte führen mich zur Schwarzen Burg. Kurz vor den hohen Toren halte ich inne, merke, wie mein Augenlid zuckt und sehe nach oben. Nichts zu erkennen. Vorsichtig betrete ich die dunklen Gemäuer, folge dem Fackelschein zum Ritualplatz hoch und sehe Althan. Die Stirn gefurcht, nachdenklich. Als sich mein Blick abhebt, bemerke ich den Grund seiner grüblerischen Art: Die Maestra steht wie versteinert in der Mitte des mit Blut aufgezeichneten Pentakels. Es ist nicht unterbrochen, und das flimmernde Pulsieren im Lied signalisiert mir, dass das Werkzeug zur arkanen Verstärkung und Beschwörung aktiv ist. An den Element-Spitzen um die Arcomaga herum sind mumienartige Körper platziert. Rasch reiße ist die Augen auf, sinke auf meine Knie, und neige ehrfürchtig den Kopf. Ich spüre meinen raschen Herzschlag bis zum Hals. Wie sollte ich mich einer mächtigen Person gegenüber fühlen, die droht, mich zu fressen, falls ich mich nicht als würdig erweise?

Der Adeptus und ich sind der Meinung, dass sich eine mächtige Maestra nicht unwillkürlich in eine solche Lage bringen könnte. Es muss ein Rätsel sein. Sicherlich stellt uns die monströse Person vor eine wichtige Aufgabe und fordert uns heraus. Während Althan nachdenklich um das Pentakel herumwandert, versuche ich zaghaft nach der Maestra zu greifen. Wie fühlt sie sich an? Bekomme ich die Gelegenheit, sie zu berühren? Für einen kurzen Moment fühle ich mich wie ein kleines Mädchen, das ängstlich eine schaurige Kreatur anfassen möchte; getrieben von kindlicher Neugier. Meine Hand stößt auf Widerstand. Ich hatte nicht bedacht, dass der Bannkreis ebenfalls aktiv sei. Rasch ziehe ich die kribbelnden Fingerspitzen zurück, kneife ein Auge zu und unterdrücke den Schmerz. Mein Herzschlag wird deutlicher und ich bitte Althan, den Ort zu verlassen. Während wir uns dem Ritualplatz abwenden, neige ich grübelnd den Kopf. Fünf Körper, fünf Elemente, ein Pentakel zur Beschwörung - was möchte uns die Maestra sagen? Dienen die Körper als Paraphernalium, als Mittel zur Einschüchterung, in Form von Schwarzmagiern, die ihren Schutz gewährleisten? Ruft sie die fünf Gestalten vielleicht herbei? Benötigt sie etwa Verstärkung?

Als ich die Ordensburg betrete, vernehme ich das unheimliche Stöhnen eines Geistes. Es klingt gequält und treibt mir den Schweiß über den Nacken. Ich spüre, wie mein Gesicht kalt wird, erstarre und weite zitternd die Augen. Althan wird meine Angst vor dem Ungewissen ersichtlich und er versucht mich zu führen. Seine sanfte Stimme beruhigt mich, ich folge ihm. Immer wieder höre ich ein schnelles Flüstern in meinem Kopf, eine Sprache, die ich nicht identifizieren kann. Bemüht, um Neugier vor Furcht walten zu lassen, studieren der Adeptus und ich die durch den Bibliothekskeller schwebenden Schatten. Sie umschwirren uns, schauen uns mit ihren leblosen Augen an, und erneut beiße ich die Zähne zusammen. Althan nutzt die Chance, um eine der schattenhaften Kutten einzusperren, beobachtet diese forschend, doch sie entweicht der Zelle. Weder aggressiv, noch angriffslustig zeigen sie sich. Als würden sie uns wiederum, durch das penetrante Folgen, erkunden wollen. Nach einer Weile halte ich es nicht mehr aus, vergrabe meine Hände in den Robensaum Althans und schaue ihn hilflos an. Seine eigene Magistra hat Furcht. Ich hätte in diesem Moment vor Scham sterben können. Er begleitet mich verständnisvoll nach Hause, jedoch enden dort meine Gedanken nicht. Was, wenn die schattenhaften Gestalten aus der Burg fliehen und das ganze Reich in Aufruhr versetzen? Wird sich der mächtige Orden durch die neuen Bewohner einschüchtern lassen? Vorerst bin ich froh, mein Herz beruhigen zu können - fernab des geisterhaften Stöhnens und der flüsternden Stimmen in meinem Kopf.
Ramnus Githago

Beitrag von Ramnus Githago »

Pfeilschnell durchstieß der Greifvogel die Lüfte. Der gleichbleibende Flügelschlag gepaart mit dem kühlen Wind gab ihm Auftrieb. Sein gestochen scharfer Blick bohrte sich durch die Gassen der heiligen Stadt. Doch sein Ziel lag weiter oben, im Gebirge, die Burg der Arkorither.
Er flog knapp an den steilen Felswänden vorbei, zog die Geschwindigkeit an und gewann damit beträchtlich an Höhe. Zwei, drei Mal überflog er die Burg. Die massiven Statuen der Gargoylen ragten hoch hinauf. Ihre Schatten zeichneten bizarre Bilder auf den Untergrund, der weit unter ihm lag. Sein spitzer Schrei hallte durch das Gebirge bevor der Adler mit einem Mal die weiten Flügel anwinkelte und damit in den Sturzflug überging. Kurz über der alten Brücke, spreizte er die Krallen, wie als Mordwerkzeug ausgefahren, um scheinbar zu landen. Doch im letzten Moment ging ein Ruck durchs Klanggefüge. Bevor das Knacken der Knochen zu hören war, erstickte der letzte Schrei im Abendhimmel. Die Federn verhärteten sich und der Körper wuchs. Der schwarze Nebel der die armselige Kreatur umfing waberte um die Krallen, die mehr und mehr in die Länge gingen und zu Beine und Füße mutierten. Auch der Rumpf verformte sich, die gesamte Gestalt wechselte zu einer humanen Form bevor auch nur der erste Zeh den Boden berührte.
Der Nebel der sich mehr und mehr verdichtete umschloss den Körper des Magiers.
Er legte sich über seine Haut wie eine zweite. Leben schien in ihm zu stecken, denn die schwarze Masse pulsierte während sich die Substanz veränderte. Aus dem anfänglichen Nebel, der kurz wie Teer über der Haut des Magiers lag wurde eine schwarzgraue Robe. Wie aus dem Nichts kroch eine weiße Schlange über den Boden, die Fänge versuchten sich in das Fleisch des Mannes zu bohren, bevor die Robe sie verschluckte. Wie ein kunstvoll angefertigtes Ornament ruhte sie nun als Abbild des Ordens auf seiner Gewandung.

Ohne ein verräterisches Geräusch näherte er sich der schwarzen Burg. Er überquerte die Zugbrücke und sah kurz über die Schulter. Er war allein. Seine rechte Handfläche legte sich auf die Tür, bevor das rot glimmende Licht der Rune erschien. Das leise Knacken bestätigte das sich die Tür nun öffnen ließ. In den Hallen eingetreten ließ er auch hier den Blick schweifen. Irgendetwas ließ ihn schaudern. Voller Unbehagen nahm er zur Kenntnis wie sich ihm die Nackenhaare aufstellten. Sein Auge begann zu zucken und unwillkürlich nahm er eine angespannte Haltung an. Die 8te Abendstunde näherte sich, so wie er sich den Stühlen im Gemeinschaftsraum näherte. Angespannt, hochkonzentriert und für einen Angriff gewappnet nahm er auf einem der alten Sessel Platz. Doch dort saß er nicht lange. Er hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Mit einem Ruck erhob er sich und ging die Treppe hinauf zum Magisterzimmer. In der Eingangshalle nahm er sie das erste Mal wahr. Schwarze Schemen, ziellos streiften sie mit einem Wimmern und Klagen durch die Zimmer, offenbar verfolgten sie kein bestimmtes Ziel, doch das beruhigte den Grünhaarigen in keinster Weise.

Im Magisterzimmer angekommen verschloss er die Tür hinter sich. Das Zucken des Auge verminderte sich nicht, es wurde stärker. Als er sich dem massiven grauen Steintisch näherte und ihm direkt das Pergament auffiel beschleunigte sich sein Herzschlag. Er konnte seinen Gedanken noch nicht zuordnen, doch noch bevor er die Zeilen las wusste er, dass das Grauen seinen Anfang genommen hatte.
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Esvara Dystrak
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Beitrag von Esvara Dystrak »

Ein letztes Aufleuchten flutete die Gebirgsschüssel und tauchte sie in eine brennende Welle aus Licht, dann versank sie hinter den Gebirgsmassiven. Noch immer waren die Augen starr nach oben gerichtet, der gelbliche Schimmer darin ausgebrannt und hinterließ ein sattes dunkles Grün in dem der sterbende Tag einsickerte.
Tief in ihrem Innersten erhaschte sie eine zaghafte Regung. Es war klein, schwach und schon so lange vergessen gewesen. Ein halbes Jahrhundert hatte es dort, in der Dunkelheit, überdauert, beinahe aufgezehrt von all der Macht und dem Hunger. Das letzte Bruchstück ihres alten Seins öffnete zaghaft die Augen, fand sich gefangen in der Hülle, die einst ihr Körper war. Es streckte sich, doch war schon seit langer Zeit nicht mehr genug übrig um die Leere in ihr auszufüllen, zu kraftlos um auch nur die kleinste Regung zu verursachen. Ein langgezogener, klagender Schrei zog sich durch die Dunkelheit in ihrem Inneren und verklang ungehört.
Das Licht der ersten Sterne drückte sich zaghaft durch das verblassende Abendrot, spiegelten sich in ihren Augen wie kleine funkelnde Diamanten wieder. Nun war sie einer von ihnen.


Scheinbar ziellos wanderten sie durch das steinerne Gemäuer, ließen ihr unverständliches wisperndes Klagen gelegentlich durch die alten Gänge hallen. Jedes Stockwerk schien davon betroffen, Schatten tanzten über den massiven Boden, erzitterten als der grünhaarige Magister einfach durch sie hindurch schritt und hinter dem massiven Tisch verschwand. Nur kurz wollte er sich setzen, das Pergament in beiden Händen haltend. Die Gedanken mussten geordnet, die seltsamen, aufkeimenden Gefühle wieder unterdrückt werden.
Ein kaltes Kribbeln legte sich in seinen Nacken, durchzogen mit der Gewissheit, dass etwas hinter ihm stand, so nah, dass er glaubte, es würde sich an seinen Rücken lehnen. Dunkelheit erhob sich, nahm ihm kurzzeitig die Sicht, dann trat der Schemen einen Schritt nach vorne... hatte er auf ihm gesessen?
Gebannt verfolgte er den Weg des Wesens, so abgelenkt dass er nicht einmal dem Drang, aufspringen zu wollen, nachkam. Ein unverständliches Flüstern durchzog den Raum, die Gestalt flirrte als sie dem Teppich zu nahe kam, betrat ihn zuckend und windend, als würde sie sich jeden Moment auflösen wollen.
Ohne sein eigenes Zutun erhob sich der Grünhaarige langsam von seinem Stuhl, die Fäuste auf dem Steintisch aufstemmend. Er war angespannt, jederzeit bereit anzugreifen oder zu fliehen, wenn es denn sein müsste. Das Spektaktel zog ihn regelrecht in seinen Bann, er sah dabei zu wie sich die Schatten verdichteten, bis die gräuliche Masse einem immer noch leicht durchscheinenden, jedoch sichtbaren Mann mittleren Alters in schwerer Berobung glich. Die Erscheinung richtete ein wütendes Gestikulieren in Richtung der Fenster. Das unverständliche Klagen vermischte sich mit einem fluchenden Unterton. Wut, wenn nicht sogar blanker Hass war in das schemenhafte Gesicht gezeichnet als er die Hände in die Höhe riss und sich umwandte. Nur ein Schritt war in Richtung Tür gesetzt, da durchlief den Leib ein Zucken, als hätte ihn etwas unsichtbares im Rücken getroffen. Erneut begannen die Konturen zu flimmern, der erste Moment des Einsackens war noch zu erhaschen, dann zerfloss das Schauspiel und die Schatten krochen zurück zu Ihresgleichen.




Leise Schritte drangen wie durch Watte an ihr Ohr, Stimmen flüsterten unverständliches, überdeckt von dem dumpfen Dröhnen des Schmerzes in ihrem Kiefer, der sie einnebelte. Wäre er hier... es würde enden... er würde den Schmerz dämpfen... die Wunde heilen lassen...
Ein Knirschen durchdrang die Mauer ihrer Wahrnehmung, Schritte deren Weg über ein Kiesbett verliefen. Ihre Gedanken verwirbelten und wieder zogen Bilder an ihrem geistigen Auge vorbei, als wäre der Nachthimmel ein Fenster in eine andere Welt. Dichte Wälder, die sie überflog, schneller als ein Adler es je könnte. Ein kleines Dorf zeichnete sich ab, Tiere brachen aus den umliegenden Gattern aus als sie ihnen zu nahe kam. Sie hörte das Lachen von Kindern durch die Wände, das sich überschlug und in ein hysterisches Schreien wandelte...

... es war dem ersten Ziel bereits nahe und der Hunger wuchs mit jeder Meile die es voran kam. Es würde ihn im Schlaf überraschen... ihn aufreißen... bis es gefunden hatte was es suchte.
Zuletzt geändert von Esvara Dystrak am Montag 4. November 2013, 18:03, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Am Ende des Bergpasses öffnete sich die Nacht, bat dem Anblick der
schwarzen Burg in ihren düsteren Schemen Platz. Durch den prasselnden
Regen schob sich gemächlich ein Umriss, fast ebenso dunkel wie Nacht
selbst den Toren entgegen, näherte sich dem Lichtschein der Burgfeuer.
Die gedrungene, in einer weiten schwarzen Robe gekleidete Gestalt hatte
die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Kurz vor dem Tor, öffneten sich ihr
die beiden Torflügel am Ende der Zugbrücke wie von Zauberhand und sie
schritt hinein ohne ihren Schritt zu verlangsamen.

Drinnen angekommen schlug die Gestalt ihre Kapuze zurück. Die
graublauen Augen der Arkoritherin suchten aufmerksam das Innenleben
der Eingangshalle ab.
Die geisterähnlichen Wesen die die Burg seit einiger Zeit bevölkerten
schienen durch die Untätigkeit ihrerseits nicht zu verschwinden. Sie
waren noch immer da, und das schien Maya irgendwie nicht zu
überraschen. Der genaue Grund ihrer Präsenz war auch ihren
Geschwistern nicht bekannt, aber sie alle wussten dass es Etwas mit der
zur Salzsäule erstarrten Maestra auf dem Ritualplatz zu haben musste.
Als das Ganze seinen Anfang nahm, hatten sie alle eine merkwürdige Bewegung
im Lied vernommen. Hatten es nur die Arkorither gespürt oder erreichte es
auch die Liedkundigen der anderen Akademien? Ein Gespräch mit den Schreiberlingen
der Arcana könnte die Ungewissheit sicher ausräumen.

Das unverständliche Wispern der Geisterwesen war auf eine ganz eigene Weise
beunruhigend und wies sie beständig auf ihr Unvermögen hin dieser Wesen in
Lied oder materieller Welt habhaft zu werden. Ihnen blieb im Grunde lediglich übrig
darauf zu warten ob sich die Maestra selbst aus ihrem Zustand befreien können würde.
Existenzielle Ängste allerdings beschäftigten die junge Magistra nicht. In ihrer Zeit
im Orden hatte sie schon viele teils merkwürdigste Ereignisse miterlebt und ihre
momentane Ratlosigkeit war für gewöhnlich nichts was eine Ewigkeit andauerte.
Wie auch bei ihrem Bruder Ramnus war es vermutlich eine gewisse Hartnäckigkeit die
sie im Gegensatz zu so vielen Anderen hatte überleben lassen. Diese Gespenster
waren nur ein weiteres Rätsel das es zu lösen galt, und wie der Weg der bereits
hinter Ihr lag dazu bestimmt, sie noch stärker und mächtiger werden zu lassen.

Ihre Hoffnungen lagen nun bei der Maestra.
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Esvara Dystrak
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Esvara Dystrak »

Immer tiefer grub es sich durch das Erdreich, zerriss Wurzeln und Pilzgeflechte und drückte sich durch Gestein und Geröll. Die Gewissheit, so kurz vor dem Ziel zu sein, ließ den Hunger unerträglich werden, trieb es immer schneller vorran, bis es endlich fand, was es begehrte. Es verzehrte sich danach die Krallen in den Körper zu schlagen, ihn zu zerfetzen... und doch hielt es inne und betrachtete den schlafenden Leib, in dessen Inneren ein alter Gefährte ruhte. Unendlich lange war es her, dass sie sich erfühlt hatten und genau so deutlich spürte es den Bann, der den Gefährten am Aufwachen hinderte. Ein seltsames Gefühl durchzog es und beinahe liebevoll strich es um den Körper, wand sich darum wie ein gewaltige Schlange. Dann tauchte es langsam in den Leib ein und öffnete das gewaltige Maul...


Sie spürte das Zittern des eingewickelten Leibes als hätte er sie gestoßen. Einer der Fünf begann sich wie unter Krämpfen zu winden und der dünne Faden, der sie verband, erbebte. Sie spürte die Gewissheit des Versagens so deutlich wie den Schmerz des sterbenden Körpers innerhalb des Pentakels. Nicht einmal einen... so kurz waren sie vor dem Ziel und doch musste sie es beenden bevor er sie mitreißen konnte.
Die gebündelten Energien gerieten aus der Bahn, wirbelten unkontrolliert, wie im Tackt zu dem krampfenden Leib am Boden und versetzten nun auch die anderen vier in Bewegung, die sich langsam zu winden begannen. Die Sphärenwand wurde dünner und Dunkelheit breitete sich langsam im Inneren des Pentakels aus. Die Zeit wurde knapp... es musste jetzt sein.
Nochimmer starrten die dunkelgrünen Augen in den klaren Nachthimmel und bannten das Bild des Sternenmeers in die Tiefe ihres kleinen Seelenrestes, der sich daran festklammerte wie ein Ertrinkender. Der letzte Moment in Freiheit, die letzte Wahrnehmung, die nur ihr allein gehörte, das letzte, schon lange vergessene, Gefühl von sehnsüchtiger Freude.
Pfeifend holten die alten Lungen Luft, dann erhob sich der Ruf als bebendes Gebrüll in der Gebirgsschüssel.


Das Raunen in der Burg verstummte und das treiben in den Schatten endete augenblicklich. Jeder Schemen, der zuvor sein Unwesen getrieben hatte, verharrte nun regungslos an Ort und stelle, als wären sie mitten in der Bewegung eingefrohren. Eine unheimliche Stille durchzog die Burg und begann unheilvoll in den Ohren zu dröhnen, dann rissen die Gestalten synchron den Kopf in den Nacken und öffneten die schemenhaften Mäuler.
Ein dünnes Fiepen erfüllte das gewaltige Gebäude, schwoll langsam zu einem dunklen, lauter werdenden Ton an, das zunehmend in den Ohren dröhnte, bis der Chor zu einem gewaltigen Brüllen heranwuchs, der die Grundmauern erschütterte. Staub und kleine Gesteinskiesel lösten sich aus den Wänden und erfüllten die bebende Luft....



... es hatte seinen alten Gefährten im Inneren des Leibes umwickelt, schmeckte die Macht bereits in seinem Maul. Zuckersüße Versuchung durchzogen von der bitteren Trauer um den bevorstehenden Verlust, doch es nur zu Wecken lag ihm nie im Sinn. Es wollte fressen... einverleiben... wachsen... nichts würde vergeudet werden.... dann spürte es den Sog. Zu Anfang war es nicht mehr als das vorbei streichen eines Windhauchs, dann wuchs es zu einer Blase heran, hüllte es ein und begann zu zerren. Panisch umschlang es sein Opfer fester, es hatte noch nicht was es wollte und es würde nicht zurück lassen, was es bereits in die Klauen gefasst hatte. Mit Krallen und Zähnen zerfetzte es den schlafenden Körper, trennte die Bindung gewaltsam auf, während der Sog es unbarmherzig zurück zerrte und Riss sein Opfer mit sich....


....so unendlich lange war der traumlose Schlaf gewesen, der nun von Bilderfetzen durchbrochen wurde. Wälder und Wiesen zogen an ihm vorbei, es spürte den festen Griff, der seine gesamte Essenz umschlang. Eine Mischung aus Wut und Panik drängten die letzten Reste des Schlafes beiseite und es begann wie von Sinnen um sich zu schlagen, riss und zerfetzte alles um sich herum und schlug die Krallen in das Erdreich. Tiefe Furchen zogen sich hier und da Steine und Erdklumpenspritzend durch Lichtenthal, ohne dass die Ursache dafür sichtbar wurde. Das gerade anvisierte Beutetier eines Jägers wurde einfach vor seinen Augen zerissen, ohne dass eine der Ktallen für ihn sichtbar wurde.
Das wütende Aufbrüllen blieb ungehört, abermals schlug es die Krallen tief in das Erdreich, ohne den Zug ausbremsen zu können, dann war die Sicht von einem hellen Schimmer geblendet, der es einhüllte wie ein wehendes Tuch aus goldener Seide...




Das letzte Aufbäumen, sie fühlte wie der Leib versagte und das Leben nun gänzlich aus ihm entweichen würde. Noch einmal setzte sie zu einem krafvollen Zug in der Verbindung an, riss ihren alten Gefährten mit aller Macht zurück. Der Bannkreis brach unter der Last und Entlud sich in einer gewaltigen Druckwelle. Wie ein herabfallender Stern fuhr es zurück in ihren Körper, zog sein Opfer mit aller Gewalt mit sich und in all dem Chaos schien etwas kleines, unscheinbares verloren zu gehen, das mit der Druckwelle herumgeschleudert wurde...

...und gegen einen Körper prallte...
Gast

Beitrag von Gast »

Vor einigen Wochen...

Du machst dir zu viele Gedanken, sagte er sich selbst. Vertrauen in die Höheren in ihre Entscheidungen und das alles in Ordnung war. Nun ja, was konnte man da noch in Ordnung nennen? Nicht nur die nachklingende Klangsignatur des Rituals dort oben bei der Maestra lies ihn grübeln auch die wandernden Schemen, die eine Geschichte zu erzählen schienen, eine Geschichte aus der Vergangenheit welche sich wie eine Auster vor ihm verschloss.
Er hatte einen Auftrag erhalten, von Magister Githago, sich umzusehen in der Bibliothek des Ordens und um Hort des Wissens, um nach Antworten zu suchen was die Schemen und einen Anhaltspunkt auf den Hinweis über die Herkunft der Maestra. Jener Maestra welche von sich gesagt hatte sie wäre eine der „Alten“.
So hatte er sich im alten Gewölbe der Arkorither umgesehen und war auf das vergilbte Buch gestoßen, welches über die „Alten“ berichtete. Das Buch war durch Wasserschäden gezeichnet und nur mühsam gelang es ihm jene Zeichen zu entziffern, welche sich dort auf bleichem Pergament befand...

„D.e L..en.d. d.r Al..n

N..de.....hri..en im Ja..e 246 des ..rrn *die Schriftzeichen sind verblasst und sehr schwer zu entziffern* Es …. ni.ht mehr .ie s..d s.hw.r zu kontr..lier.n. *der Schaden durch das Wasser hat die Buchstaben verwischt und die Seiten verklebt zu zerbrechlichen spröden Pergament.* Fü.f an der .ahl, so sch..fen sie, so s..len si. sc..afe. f.r alle Z.it. Ein Pak. wu.d. ges.hl..se. *Rest zerbröselte Wasserschadenpergamentmasse*“


„Die Legende der Alten

Niedergeschrieben im Jahre des Herrn 246.
Es geht nicht mehr sie sind schwer zu kontrollieren. Fünf an der Zahl, so schlafen sie so sollen sie schlafen für alle Zeit. Ein Pakt wurde geschlossen... „


Nachdenklich las er jene Zeilen und wo vorher noch Unbehagen herrschte trat langsam etwas anderes an diese Stelle, Neugier! Erfolglos war seine Suche in der Bibliothek der Arkorither was die Schemen betraf und so durchforstete er die Hallen des Hort des Wissens. Dort fand er nach einigen Tagen was er suchte... ein Buch, eine Geschichte und geisterhaftes Leben in Gebäuden.

„Das Leben alter Gebäude

Jede Geschichte beginnt mit - Es war einmal - und soll die Einleitung sein eine Pforte hindurch zu schreiten und einzutauchen in eine Welt der Geschichten und Märchen, in denen vielleicht eine Spur Wahrheit steckt.

So erzählten die Eltern oder die Großeltern uns Geschichten von unzähligen Orten oder Bauten,
in denen sich Schatten bewegen oder merkwürdige Geräusche zu vernehmen sind. Ebenso kommen in solchen Geschichten alte Schlösser, Burgen, alte Anwesen, Schlachtfelder und Friedhöfe vor.
Während manche jener rätselhaften Erscheinungen an einen Menschen gebunden sind, so ist es auch durchaus schon geschehen, dass es jener Spuk an einen festen Ort gebunden ist.
Man sagt ein altes Anwesen würde im Laufe der Zeit die Menschen, welche in diesem Anwesen lebten, wohnten oder auch starben als Erinnerung in den Gemäuern speichern. Es geht die Sage um, dass ein altes Gebäude mit der Zeit so eine Art Eigenleben entwickelt. Häuser die ausgiebig knarren und wo man Geräusche vernehmen kann, wollen uns in Wirklichkeit eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die sich in der Vergangenheit ereignet hat. Weiterhin steht in jener Sage geschrieben, dass die Geräusche verstummen, sobald ein zweiter das Gemäuer betritt.

So scheint es sich bei den meisten Orten wo jenes bemerkt wird, um einen Ort zu handeln an dem Gewalt verübt wurde. So stellt sich uns folgende Fragen... was suchen die Geister der Verstorbenen an bestimmten Orten und wie gelingt es ihnen auf sich aufmerksam zu machen?“

Beide Bücher legte er im Unterrichtsraum der Ordensburg sichtbar für alle Anwesenden aus, Magister Githargo würde sie finden und ebenso würden alle Mitglieder des Ordens sie studieren können, um zu erfahren was herausgefunden worden war...

Vor einigen Tagen...

Aufgewühltes Erdreich, verwesende Kadaver nicht nur im Reich sondern auch an anderen Orten, ja sie hatten sie sich angesehen und sie genau studiert. Wie Puzzelteile fügte sich alles zusammen auch wenn ihm immer noch Bruchstücke fehlten, ergab es vielleicht doch alles einen Sinn. Er glaubte nicht an einen Drachen... das was ihn erneut aufgescheucht hatte in jener Nacht als Bruder Vylen seine Prüfung hoch oben in der Burg abschloss, lies für ihn nur einen Schluss zu. Das erneute disharmonische fast schmerzhafte Verzerren in der Klangsignatur geschah mit im Zusammenhang der Geschehnisse hoch oben auf dem Ritualplatz nach der Prüfung.
Erst hatte er alles überprüft ehe er den Kontakt mit den Magistrae Taruval und Tangran suchte. Immerhin hatten sie seine Theorie angehört, welche er dort von sich gab.
Dass alles zusammen hing, alles verbunden war und seine Vermutung, dass Magister Githago von etwas 'besessen' zu sein schien, er hatte sich verändert, er war nicht mehr der den er kennen gelernt hatte und das machte ihn nervös, doch er vertraute... er vertraute Mayas Worten. Er erzählte ihr, dass er den Magister direkt danach gefragt hatte, ob er von einem der „Alten“ in Besitz genommen worden war, etwas was nachdem was er erfahren hatte ja nicht auszuschließen wäre. An jenem Abend gestern hatten ihn ihre Erklärungen weitgehend beruhigt. Nachdenklich verlies er die Burg, das Gesicht war ernst und verschlossen... was würde als Nächstes sie erwarten?
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 3. Dezember 2013, 08:54, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen,
die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.

~ Fontaine


Ein dumpfer Aufprall riss sie blinzelnd und unsanft aus dem leichten Dämmerschlaf, der sie gerade ereilt hatte.
Mit leisem Unmutsgemurmel wurde das auf den Boden gerutschten Buch wieder aufgenommen und sanft zurück ins Regal geschoben.
Der kurze Blick aus dem Fenster verriet ihr, dass sie schon viel zu lange hier verweilte.
Sie war verflucht spät dran! Heute war doch.. ja richtig, Florentine..
Nein, die war ja schon auf dem Weg!

Ein weiteres tiefes und leidendes Seufzen, dann machte sie sich auf die Suche nach ihren Stiefeln.
Immernoch den lästigen Schlaf aus dem Blick blinzelnd, stieg sie vorsichtig über die verstreuten Bücher am Boden..

Sie hatte längst folgen wollen, irgendwo war doch.. ihre Tasche,.. und der Rest?!?
Sicherlich hatte Florentine an alles gedacht, sie würde nun nicht mehr .. nein, dafür war es viel zu spät.
Immerhin zumindest die Stiefel in den Händen, verließ sie dann auch den Hort.
Erst einmal in der kalten, erfrischenden Luft tief durchatmend.

Obwohl sie eigentlich keine weitere Zeit hätte verschwenden sollen, schloß sie für einen den Moment eines Herzschlages die
Augen und wandelte barfuß ein paar Schritte über den eisigen Waldboden.
Der Geruch der ihr mit einem Male in die Nase stieg, ließ sie inne halten.
Wie angewurzelt blieb sie an ihrem Platz stehen.

Ihr blieb kaum ein weiterer Atemzug Zeit, als auch schon das Geräusch eines Aufpralls ertönte, erschrocken riß sie die Arme hoch,
als sie ein unerwareter Windstoß von den Beinen fegte.. das blonde Haar aufgewirbelt, prallte sie unsanft auf den
geforeren Waldboden.

Das Bild vor ihren Augen verschwamm, die Erdbrocken, die ihr entgegen geschleudert wurden, bemerkte sie nicht einmal mehr am Rande des
Sichtfeldes.. und so wurde ihr vor dem Ausflug doch noch eine kleine Auszeit beschert. [...]

Irgendetwas sagte ihr das sie nach Varuna gehen musste.
Was wollte sie da?
Was war da noch gleich?
Egal sie musste dahin.
Ihre Schritte führten sie in die verkohlten, verfaulten Überreste der einst so prunkvollen Stadt. Vergammelte Fensterläden, abgebrochene Türen und zerschlagene Scheiben luden nicht gerade zum verweilen ein. Viel weniger jedoch dieser Geruch.
Der Geruch, unverwechselbar süß nach verwesendem Fleisch. Noch bevor sie den Gestank verinnerlichen konnte hörte sie sie bereits kommen. Voran, diese klagenden heulende Laute, untermalt von schlurfenden Schritten. Es dauerte nicht lange und der erste bog um die Ecke.
Das Fleisch hing in Fetzen an seinem Leib, grünlich-grau anzusehen wie der Rest des geschundenen untoten Körper.

Sie wusste das ihre Kräfte noch nicht zur Gänze zurück gekehrt waren. Deshalb blieb ihr nur eine Möglichkeit. Die Beine in die Hand zu nehmen. Ihre Füße setzten nur kurz auf dem Boden auf um dann mit einem großen Satz weiter zu sputen. Eleganz und Anmut sah gewiss anders aus, doch das störte sie nicht. Jetzt hatte sie nur ein Ziel.
Da spürte sie es, ein brennender stechender Schmerz.
Im Oberarm.
Hatte sie eine der Kreaturen erwischt?
Hatte sie sie gebissen?
Ein hektischer Blick über die Schulter folgte, doch, da war nichts. Die Untoten schlurften hinter ihr her, wie eine aufgereihte Perlenkette, dennoch war sie nicht in Reichweite. Was war das?
Es spielte keine Rolle. Sie hatte keine Zeit. Wo wollte sie nochmal hin? Ach richtig das Haus, das Lager. Sie bog um die Ecke, fast ohne zu bremsen knallte sie vor die Flügeltür, riss diese auf und hastete ins Innere. Wo sie auch schon erwartet wurde. Erst einmal zu Atem gekommen begrüßte sie die Gesellschaft. Sie hatte riesigen fast schon verzehrenden Hunger, alles andere war ihr nicht mehr wichtig. Sie musste diesen Hunger stillen.

Nachdem sie gegessen hatte schlug sie ihr Nachtlager auf.
Warum auch immer, der Tag hatte sie geschwächt. Ihre Kräfte waren aufgezerrt.
Ramnus Githago

Beitrag von Ramnus Githago »

Das Monokel verschwand in seiner Robe. An diesem Abend saß er wieder einmal viel zu lange an den Studien. Überhaupt hatte er schon viel zu lange in diesem Räumen verweilt. Die staubigen dicken Folianten die auf dem Tisch lagen, rangen ihm ein Seufzen ab. Er rieb sich über die verschlafenen Augen und erhob sich. Kaltes Wasser würde ihm ein wenig Entspannung bringen.
Danach wollte er die Geschwister und Schüler aufsuchen. Es war schon viel zu lange her. Zudem sollte heute die Prüfung des Adepten stattfinden, die er nicht verpassen wollte.
So machte er sich auf den Weg zum Ritualplatz. Dort angekommen saßen seine Schwestern bereits auf dem Podium und der Studiosus stand vor ihnen und begann direkt die Fragen zu beantworten.

Kurz nachdem die Prüfung begonnen hatte gesellte sich auch die Magistra zu Ihnen, er lud sie auf den Platz den er nun verließ. Zu sehr beschäftigte er sich mit den Gedanken was ist mit der versteinerten Maestra auf sich hatte. In keinem der Bücher hatte er auch nur einen Ansatz einer Antwort darauf gefunden. Immer wieder ging sein Blick zum Pentagramm, zu seiner Meisterin und den Leichen. Langsam schlenderte er auf den Schutzkreis zu. Er ging in die Knie und versuchte zu eruieren was diese Zeichen dort bedeuteten. Sonderbare ihm völlig fremde Zeichen.
Seine Stirn legte sich mit einem Mal in Falten, war das eben eine Bewegung gewesen?
Konnte nicht sein, sie stand seit Wochen hier, in ein und derselben Position, ohne irgendeine Regung.

Die Aufmerksamkeit ging zum Studiosus zurück. Die Fragen hatte er bisweilen zu seiner Zufriedenheit beantwortet, nun waren sie bei dem Thema Beschwörung. Nachdem auch hier alle Fragen beantwortet hatte, bewegte den Magister die Frage ob der Schüler in einer praktischen Übung sein Wissen beweisen konnte. Er beendete die Prüfung, schickte den Studiosus in die Burg und beriet sich mit seinen Schwestern. Es erfüllte ihn stets mit Stolz. Der Orden war machtvoller und stärker den je, er war umgeben von zuverlässigen Magistren die sich um den Unterricht genauso kümmerten wie um Ausflüge und Exkursionen.
Nachdem sie alle dem Studiosus gefolgt waren und dieser tatsächlich sein Wissen unter Beweis stellt geschah es.

Ein Mark und Bein erschütternder Schrei.
Sofort rief er zum Sammeln. Sie standen geschlossen, kampfbereit und angespannt um ihrem Feind ins Auge zu blicken. Doch er wusste das sie hier falsch waren. Sie liefen zurück zum Ritualplatz. Geradewegs durch die dunklen Tunnel, über den schlängelnden Weg hinauf zum Ort des Geschehens. Sie kamen gerade noch richtig. Was sie sahen war ein arkanes Chaos. Blitze, Wirbel, Donnergrollen ohne ein Zeichen einer Naturgewalt und mittendrin, die Meisterin. Sie mussten sie schützen. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Jeder nahm seinen Platz ein. Ein tiefer Atemzug erfolgte bevor er sich konzentrierte. Er sammelte seine Kraft, fokussierte sie auf seine bisher, mächtigste und stärkste Applikation und....
wurde durch einen Schlag zu Boden gerissen.

Die Welt um ihn herum wurde schwarz.

Mehrmaliges Blinzeln war nötig um dem Bild vor seinen Augen wieder einen Sinn zu verleihen. Nur langsam wollte das verschwommene Geschehen vor sich dem Ritualplatz weichen.
Was war eben geschehen?
Die Benommenheit machte ihm immernoch schwierigkeiten, während nur langsam zu ihm durchsickerte dass die Blitze, Wirbel und arkanen Entladungen vor sich keineswegs eine Folge seines Sturzes waren.
Sondern recht gefährlich Real.. Aber kaum hatte er das begriffen, wurde es um ihn herum ruhiger..

Dort, wo vor wenigen Atemzügen noch die Maestra gestanden hatte, lag nun augenscheinlich still der Ritualplatz vor ihm. Aber nicht nur das, auch die Aufmerksamkeit der Schwestern und Brüder des Ordens schien ihm sicher zu sein. Er musste Durchatmen, einen Augenblick für sich alleine haben..

Hastig wurde der Platz verlassen, durch die wirren Gänge und Tunnel, bis er schließlich in der Burg stand. Das Geschehen hatte ihn wohl mehr mitgenommen, als er sich im ersten Moment zugestehen wollte, der Kopf schmerzte, immer wieder musste er blinzeln um
ein weiteres verschwimmen des Bildes vor seinen Augen zu vermeiden.

Zunächst war ihm nach frischer Luft, einem Spaziergang alleine, .. aber letztendlich fand er gerade noch den Weg auf einen Steinstuhl.
Seinem Steinstuhl.. in dieser Nacht schaffte er es nicht einmal ihn wieder zu verlassen, zu sehr, hatten ihn die Geschehnisse des Abends eingenommen.

Er war sich sicher, er würde raus finden müssen was geschehen war.. aber erst einmal... gab er den Kampf gegen die bleierene Müdigkeit auf, den Kopf auf die Arme gebettet fiel er in einen Traumlosen Schlaf.
Gast

Beitrag von Gast »

Fast ein wenig unbeholfen stand die Arkoritherin auf dem Trampelpfad im
Osten Düstersees herum und sah Ahad Crain und Knappe Wolfseiche
dabei zu, wie sie sich über den Kadaver beugten der dort im Matsch lag.

Schon den ganzen Abend hatten sie damit verbracht, überall im Land
Ausschau nach ähnlichen Bildnissen zu halten. Sogar in Adoran waren sie
gewesen - natürlich in angemessener Verkleidung. Vor Rahal fanden sich
mehrere tote Vögel, bei Varuna lag ein ausgewachsener Bär völlig
zerfetzt und vor Düstersee lag ganz merkwürdigerweise ein toter Elch,
obwohl sich diese Tiere bisher noch nie in die Gegend verirrt hatten. Was
alle diese Spuren gemein hatten waren wohl die verheerenden
Verletzungen an den Kadavern sowie merkwürdige Kratzspuren am
Boden, wie von einer riesigen Kralle gezogen. Von dem Angreifer
hingegen gab es weit und breit keine Spur. Auch hatten sie östlich des
Gebirtszugs bei Berchgard keine solchen Vorkommnisse feststellen
können. Ketzer, die sie befragt hatten, wussten von nichts derartigem.

Sie selbst hingegen wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von den
Büchern und hielt einen Zusammenhang mit den Ereignissen auf der Burg
für unwahrscheinlich. Erst später sollte Althan ihr davon berichten. Der
Ahad studierte eingehend die Wunden des Elchs und berichtete ihnen von
Kryndlagor. Von der Zeit als Rahal in den Krieg gegen
Varuna zog und die Stadt im Feuer des Drachen verbrannte. Maya hatte
darüber nur in Büchern gelesen, aber sie kannte die Geschichte des grossen Krieges.
Eine Verbindung mit dem toten Reptil sah sie allerdings nicht
direkt - es gab schliesslich auch eine Reihe anderer Wesen die
dafür veranwortlich zeichnen könnten.

Dennoch war ihre weitere Suche nach dem vermeintlichen Ungeheuer,
was auch immer es nun war, vergeblich gewesen. Sie gaben es für
diesen Abend auf und beschlossen, dem Alka darüber Bericht zu
erstatten.

Nachdem Thorbranth zum Adeptus graduiert hatte war etwas auf dem
Ritualplatz geschehen. Das scheinbar unkontrollierte Liedwirken das die
Maestra umgeben hatte, bewirkte in Ramnus eine nachhaltige Veränderung.
Am selben Abend noch hatte sie es bemerkt, ihn in seinem Schlaf aber
nicht zu stören gewagt. So lange war sie nun schon Teil des Ordens und
dennoch konnte sie nicht von sich behaupten sich jemals gelangweilt zu
haben. Das Lied, und die Komplexität dieser Vorgänge vermochte es
immer wieder auf Neue, sie zu überraschen. Doch auch Sarya's Wesen
hatte sich verändert, kurz bevor sie zu wahrer Macht und Stärke
herangereift war.

Was dich nicht tötet - macht dich nur stärker.
In diesem Fall bewahrheitete sich dieser Spruch hoffentlich.
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 6. Dezember 2013, 15:06, insgesamt 2-mal geändert.
Gast

Ist das wirklich Magister Ramnus?

Beitrag von Gast »

Wieder kam es zum Stillstand, die zerfetzten Kadaver wurden von einer Schneeschicht bedeckt die immer dicker und dicker wurde, während es draußen in der Welt winterlich ruhig wurde. Erschöpft schritt er durch die Gänge, um sich wieder den Büchern zu widmen, welche in der Bibliothek harrten.
Mit den rätselhaften Schemen und die Legende über den Alten trat er auch auf der Stelle, es war frustrierend!
Er spürte wie er beobachtet wurde und sah nach rechts. Ramnus, dort stand er an am Torbogen gelehnt ihn neugierig ansehend. In Althans Gedächtnis flackerte etwas wie Wiedererkennung auf, wo hatte er jene Haltung schon einmal beobachtet, es war noch garnicht so lange her gewesen.

Doch noch bevor sich der Gedanke festigen konnte war er so flüchtig und nicht greifbar ihm wieder entschwunden, er kam nicht darauf und so richtete er sich auf, um den Magister angemessen zu begrüßen und ihn über den fortlaufenden Stand der Schemen, das Ritual der Maestra, die Alten und und die zerfetzten Kadavern zu informieren...

So unterhielten sich sich während Althan immer klarer wurde, dass der Magister zwar auf den Weg der Besserung sich befand was die Beule am Hinterkopf anging, doch alles andere ganz besonders seine Erinnerung noch nicht wiedergekehrt war.
So untersuchte er die Beule und gab ihm einige Phiolen, welche die Heilung fördern würden und ihn in Körper und Geist erfrischen sollten. Unerbittlich sah ihn Althan eine Drohung schwang in seinen Worten mit, dass er ihm die Medizin, Magister oder nicht, auch gewaltsam in den Schlund kippen würde... sollte er nun anfangen hier und jetzt mit ihm darüber zu diskutieren. In Anbetracht dessen, dass ein entschlossener bis an die Zähne gerüsteter Arkorither vor Ramnus stand, gab schlussendlich den Ausschlag. Ramnus kippte die Medizin mehr oder minder freiwillig hinunter.
Dabei stellte Althan sich immer wieder die Frage, ob das wirklich Ramnus sein konnte oder nicht. Er spürte wie Ramnus in Lied eingriff, sanft fast zaghaft und jenes lies ihn aufmerken, nachdenklich sah er ihn an.
Was ist mit ihm nur geschehen?

Spazieren gehen wollte er danach und so informierte ihn Althan darüber, dass er vorerst sein Schatten wäre und er nicht allein umherwandern sollte. Sie unterhielten sich. Althan erzählte von Lilian und wie sie damals die Veränderung wahrgenommen habe und wie wenig sie anfangs ihre neue Macht kontrollieren hat können. Natürlich wollte der verehrte Magister daraufhin sofort jene Lilian besuchen, um sich mit ihr auszutauschen. Doch Althan machte ihm deutlich, dass er ihm weder sagen würde wo sie im Augenblick war und er nicht daran denke ihn zu ihr zu führen.
Sie wanderten weiter und Ramnus schien zu überlegen wie man Lilian milde stimmen konnte, vielleicht mit Blumen und einem guten Tropfen Wein? Als Althan ironischerweise vorschlug auch noch Kekse und Schokolade einzupacken wurde jenes begeistert aufgenommen, nein das konnte nicht sein Magister sein! Mit zusammengekniffenen Augen musterte er die weiterwandernde Gestalt, dann folgte er ihm... seine Laune passte sich dem Wetter an kalt und sichtlich grimmig.
So führte der Weg aus Rahal hinaus gen Hort des Wissens... ein weiter Weg, vor allem wenn es angehäuft war mit Matsch, Eis und Schnee.
So schlug Althan vor, dass sie zu Pferde den Weg fortsetzen sollten und da geschah etwas was ihr erneut stutzen lies.
Ramnus bekam einen verträumten Gesichtsausdruck, während er sanft in das Lied einzugreifen, weich und nachsichtig, bald kam das Pferd wiehernd hervor und der verträumte Ausdruck in seinem Blick verstand. Althans Hand glitt zu seinem Waffenknauf und er sah ihn misstrauisch an, was geschah hier und was geschah mit Ramnus, das kann nicht Ramnus sein. Dennoch verharrte er schweigend... der Blick ernst und seine Mimik ausdruckslos, doch in seinem Innern herrschte Misstrauen, wofür er sich selbst verdammte... er musste Vertrauen in die Höheren haben.
Kurz vor dem Hort des Wissens trennten sie sich, Althan wusste ihn bei Kysira gut aufgehoben.
Ebenso gab er ihm mit auf den Weg, dass er nun einen Schatten an seiner Seite haben würde.
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 12. Dezember 2013, 15:05, insgesamt 2-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Ein Traum aus Grün und Gold




Der Boden fühlt sich weich und angenehm unter den nackten Füssen an. Ein leises Plätschern rauscht in den Ohren und das kalte Nass vermischt sich mit dem warmen, dunklen Geruch von Moos und feuchtem Gestein. Floureszierende Pilze erhellen den Weg fleckchenweise, vermischen ihr Licht mit dem bläulichen Schimmer des Bergquells und erschaffen den wohligen Anreiz hier verweilen zu wollen.
Schritt um Schritt, beinahe tanzend zu dem konstanten Plätschern kleiner herabfallender Wassertropfen, wird man tiefer in die dunkle Atmosphäre aus Ruhe und Wärme getragen. Das feste dunkle Blattwerk farnartigen Gestrüpps streicht an den Beinen vorbei....


Tropf... tropf... tropf....


Das unnatürliche Licht des Wassers bricht sich in goldenen Locken, verleiht ihnen einen grünlichen Schimmer und ein leises, unbeschwertes Lachen streicht durch die höhlenartigen Gänge...


Tropf... tropf... tropf...


Weiche Seide wallt auf und eine warme gesummte Melodie streicht dem Lachen hinterher, als die Welt sich einmal um sich selbst zu drehen beginnt....


Tropf... tropf... tropf.... zisch....


Etwas regt sich in der Tiefe des Ganges, dunkle Augen leuchten im entfernten Gemisch aus Schatten und moosbewachsenen Gestein auf, lassen die Zeit den Atem anhalten. Die Welt steht wieder still und in der Nähe lässt ein leuchtendes Geflecht die Köpfe hängen, verdörrt dem Tod in Sekundenschnelle entgegen, als ein rötlicher Schimmer darüber streicht.








Dumpfes rötliches Licht umschmiegt die Konturen beinahe liebevoll, windet sich daran entlang, nur um davon aufgesaugt und verschluckt zu werden. Schwere Schritte drücken sich auf den weichen Untergrund, Asche und Staub erheben sich zu einer Wolke, um sich durch das Licht zu fressen und ihm einen gelblichen Schimmer zu verleihen.
Der Geruch von backwarmen Gestein und verbranntem Holz durchzieht die Luft und knackend fressen sich Sprünge in die höhlenartigen Wände.
Das leise Blubbern der zähflüssig walzenden Masse am Rand des Weges, lädt dazu ein, sich treiben zu lassen. Kleine Flämmchen züngeln hervor und speien einen Funkenschauer in die Luft, der wie kleine Irrlichter zu tanzen beginnt.


Knirsch... knirsch... knirsch...


Ein tiefes durchatmen, fast wie ein wohliges Seufzen, vermischt sich mit dem rumoren der Wände...


Knirsch... knirsch... knirsch...


Der rötliche Schein verfängt sich in grünen Haarsträhnen, lassen sie wie goldene Fäden aufleuchten....


Knirsch... knirsch... knirsch...


Ein wehender Schimmer erweckt die Aufmerksamkeit und goldfunkelnde Augen glänzen zwischen dem Funkenregen hindurch. Kleine Wassertropfen beginnen von der Decke zu rieseln, vergehen zischend im dickflüssigen Gestein und lassen die zähe Bewegung langsam erstarren.







Die Berührung zweier Welten erhebt sich zwischen ihnen als farbenprächtiges Lichterspiel, werfen zitternde Schatten auf die knackenden Steinwände. Klares Quellwasser bricht aus seinem Lauf und sammelt sich unter den Fußsohlen, während es durch Staub und Asche zu einem dunklen Blau abtrübt. Rauchschwaden steigen in die Luft, wo es das dickflüssige Gestein in den Stillstand zwingt und kriecht als feiner Nebel über den künstlich entstandenen See.

Schwere Schritte setzen sich in Bewegung, halten präziese auf den seidenen Schimmer vor sich zu. Schwaden und kleine Wassertropfen wirbeln auf und löschen fauchend die tanzenden Funken in der Luft, begleitet von den herabrieselnden Steinen, der aufbrechenden Wände.

Nackte Fusssohlen streichen plätschernd durch das trübe Nass, Nebel verfängt sich im seidenen Gewand und haftet sich wie eine fließende Schleppe daran. Zielsicher streifen sie durch den einsetzenden Nieselregen, welcher aus den feinen Rissen der Höhlendecke perlt, begleitet von dem platschenden Geräusch der herabfallenden Pflanzen, die in der Trübe versinken.


Ein grünlichschimmernder Schatten und ein goldenfunkelnder Schimmer treffen aufeinander, doch kein Anzeichen des Ausweichens wird sichtbar. Stattdessen öffnen sie die Arme, umfangen sich, um sich einen Moment lang wie im Tanze zu drehen, dann gefrieren die fließenden Bewegungen von Licht, Wasser und flüssigem Gestein.

Eine Stimme erhebt sich wie ein dunkles Dröhnen, dass sich durch die Wände zieht und Gesteinskiesel und Staub in das getrübte Gewässer ergießt.
"Du bist falsch..."

Ein leises Flüstern verdrängt das Beben wie ein klares Glockenspiel, versetzt das Wasser in ein seichtes Rauschen, dass zischend in das zähkochende Gestein plätschert.
"Und du nicht richtig..."


Fast schwebend lösen sich Licht und Schatten wieder voneinander, treten rückwärts in die Welt des anderen ein, ohne sich aus dem Blick zu verlieren.
Rauschend bricht das Wasser aus seiner natürlichen Bahn, ergießt sich als neugebohrene Wasserfälle in die Höhle und ein feiner Nebel aus Wassertropfen bricht das Licht in all seinen Farben. Zähe Lava verdickt sich und erstarrt zu wundersam geformten Landschaften, aus deren Oberfläche heiße Fontänen schießen. Ein tiefes Beben kriecht unter die Füße, erhebt sich zu einem tiefen lauten Grollen....


... dann schlagen zwei Menschen keuchend die Augen auf....
Gast

Beitrag von Gast »

Ereignisse am 17. Alatner, am Kloster in Schwingenstein...

Der Schnee glitzerte im fahlen Mondlicht und die eisige Kälte machte den beiden Gestalten zu schaffen, welche sich am Bergpfad entlang hinauf zum Kloster kämpften. Ihre Verkleidung war passend gewählt, um hier nicht sonderlich Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Mann und eine Frau, welche keinen Platz mehr in der Herberge in Bajard erhalten hatten und sich anscheinen deswegen gen Kloster gewandt hatten, um über die Nacht ein Dach über den Kopf zu haben.
Unbemerkt und mit kurzen Blicken nur wurden die Wachen und Gebäude näher betrachtet ehe man in den großen Mittelgang trat. Anfangs waren sie allein und vorsichtig versuchte Althan sich auf ihm bekannte Klangsignaturen von gewissen Personen zu konzentrieren, welche ihm bekannt waren, doch scheinbar erfolglos, jedenfalls schien dies Charlie seinem Gesichtsausdruck zu vernehmen. Leise flüsternd unterhielten sie sich, als kommender Besuch das Gespräch untebrach...
Nyome, die kleine Magierin des Konzils soweit er wusste und wenig später Vaughain, Oberstleutnant des Regimentes. Sie wurden in einen hinteren Raum im Osten geführt und man erfuhr, dass sie heute Abend Gäste waren.
War geschah dort hinten im Zimmer?
Die Mauern waren dick und sie konnten nicht unbemerkt lauschen ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Eine Klosterangehörige, ihr Name Aurea nahm sich ihrer an und sie erhielten die Erlaubnis über Nacht in den Unterbringungsräumen des Klosters zu bleiben.
Gen späten Abend verließen sie das Kloster und wanderten um den Berg herum um sich von Westen her zu nähern. Bis fast an die Mauer schlichen sie, verborgen hinter einem großen Monolithen trat er nahe an den Stein während Charlie sich weiter hinten versteckte.
Er erklärte ihr rasch was er vorhatte. Er wollte ins Lied eingreifen und hoffte darauf, dass drinnen eine Reaktion erfolgen würde, vielleicht ein schwacher Zugriff, doch brutal von innen ausgeführt? Würde das seine These bestätigen, dass dort drinnen der Geist Ramnus gefangen war.. wohlmöglich in einem der lichten Ketzer?
Seine Mimik verfinsterte sich, während er mit brachialer Gewalt in das Lied eingriff und sich auf den Stein vor sich konzentrierte. Er entzog der Umgebung die feinen elementaren Teilchen des Feuers, sammelte sie, bündelte sie und konzentrierte sie auf die Klangsignatur des Steines. Er spürte die Veränderungen und dieser 'Funke' reichte aus um weiter fortzufahren. Wie eine Kohle die von einer Seite anfängt zu glühen und sich von schwarz in eine glimmende dunkelrote Glut verwandelt, wanderte es weiter und breitete sich aus. Er veränderte die Klangstruktur des Steins mehr und mehr, brachte die Teilchen zum schwingen, führte ihnen Energie zu und ging nicht gerade zimperlich dabei im Lied um. Die Umgebung um ihn herum verdunkelte sich mehr und mehr, während der Stein glühte und der Schnee um ihn herum schmolz...
Er trat einen Schritt zurück, als er sein Werk vollendet hatte und sah zu Charlie. Er deutete ihr an hier zu warten und zu sehen wer heraus kam. Wenn dort verderbte lichte Liedwirker waren, hatten sie seinen Eingriff wahrgenommen... wäre dort ein Arkorither gefangen, so würde er nun wissen, dass jemand nach ihm suchte. Wieder ein Stochern in eine Richtung, um eine These zu bestätigen oder zu verwerfen.
So sah er nochmals hinauf zum Kloster, ehe er sich umdrehte und ging.
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