"Haha - träum' weiter!"

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Benutzeravatar
Renold Breg
Beiträge: 123
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

"Haha - träum' weiter!"

Beitrag von Renold Breg »

- Rückblick -


Ein junger Recke trat aus dem Walde heraus, stand am Rande einer weiten, grünen Landschaft und erhielt nun einen weiten Blick über die Landschaft – keine Siedlung oder gar eine Stadt war in Sichtweite.
Die Kleider waren verdreckt und teilweise zerrissen – er hatte wohl einige Tage in diesem Walde verbracht.
Nach nur wenigen hundert Metern kam er auf eine breite Straße, man konnte deutlich noch frische Wagen- und Hufspuren erkennen. Unsicher welcher Weg wohl der richtige wäre, blieb er für eine Weile am Rande stehen. Minuten vergingen. Stunden. Irgendwann setzte die Dämmerung ein und die ersten Sterne offenbarten Ihr Dasein, indem sie über das Tageslicht obsiegten.
Mittlerweile saß der junge Mann an einen Baum gelehnt, das Kinn lag auf der Brust – eingenickt.
Ein Traum kitzelte schon kurz nach dem Wegdämmern an seinem Bewusstsein.

Er sah sein Elternhaus - eine gemeine Blockhütte mit Strohdach, am Rande eines Waldes, der bis zum Rande eines unnatürlich hohen Gebirges ragte. Sein Vater kehrte scheinbar vom Tagewerk Heim, eine Holzfälleraxt über die Schulter gestützt, einen kleinen Beutel in der anderen Hand - wohl sein täglich Mahl. Es war still, keine Brise wehte daher, es schien alles gar luftleer, nur ein Flüstern, was aus dem Raum selbst hervordrang:"Tölpel.... Taugenichts...."
Beide Worte schienen sich im Kreise zu drehen, die unbekannte Stimme wisperte sie wieder und wieder.
Der kräftige, hochgewachsene Mann mit schütternem Haar betrat die Hütte, schloss die Türe hinter sich, als sich im selben Augenblick am fernen Gebirgszug ein dumpfes Grollen erhob, gleich dem Donnern eines nähernden Gewitters.
Eine große Staubwolke näherte sich lawinenartig und hatte nur Sekunden später die Hütte unter sich begraben...



[img]http://imageshack.us/a/img19/9858/0864.jpg[/img]

Eine ächzende Stimme beendete die jähe Träumerei abrupt, das wabernde Licht einer größeren Laterne ließ Ihn für einige Momente blinzeln. Wo war er? Wie lange hatte er geschlafen?
Scheinbar nicht einmal ein paar Stunden, die morgendliche Dämmerung hatte noch nicht eingesetzt. Hinter dem alten, fast zahnlosen Mann konnte man schemenhaft einen Pferdewagen erkennen, darauf ein paar Fässer.
Wohl ein Händler.

„Spring rauf, ich nehme dich mit, bevor dich noch die Wölfe holen!“

Der Wagen war alles andere als komfortabel, jedes noch so kleine Huckelchen oder Schlagloch wurden mit einem ordentlichen Hieb zur Seite quittiert oder ließen den Karren unsanft anspringen. Als die Schmerzen am Hintern kaum noch auszuhalten waren, kam hinter einer Biegung eine hohe Mauer über den Baumkronen zum Vorschein. Endlich.
Wehende Banner, Soldaten an jeder Ecke, der Morgen graute.
Sogleich war er von dem Anblick der Mannen in ihren polierten Rüstungen beeindruckt, dieses edle Gold und dieses royale Blau imponierten Ihm zusehends.
Dem alten Mann neben Ihm schien dies nicht verborgen geblieben, er holte Ihn mit seiner krächzenden Stimme und einem grölenden Gelächter aus dem Tagtraum – schon wieder.

„Haha – träum' weiter, Bürschchen!“


Ein scharfer Blick zum Alten, ein paar grummelnde Worte und er sprang von dem Wagen.
Es zog Ihn durch die belebten Straßen, scheinbar einem Ziel folgend. Doch welchem Ziel eigentlich? Er kannte sich hier überhaupt nicht aus, von Adoran hörte er bis dato nur aus Geschichten von wandernden Händlern oder durchreisenden Söldnern. Nun war er hier und es war viel besser, als er es sich jemals hätte ausmalen können.
Die vielen Menschen in Ihren bunten Trachten, das rege Treiben der Marktschreier, Kinder die vergnügt auf den Straßen tollten und diese heroischen Soldaten.. Soldaten! Regiment...!
Er hatte ohnehin nichts zu verlieren – also nahm er sich vor, gleich noch morgen zu erfragen, wo man sich denn melden könnte. Doch noch bevor er diesen Gedanken zu Ende fassen konnte, stieß er gegen einen Laternenpfahl.
„Reiß dich zusammen!“ raunte er noch, sich den Kopf reibend, während er den Blick wieder orientierend um sich schweifen ließ.
Regimentskommandantur – las er auf dem Schild, das aus hölzerner Fassung dort am mächtigen Gemäuer prangte.
Zufall? Nein – jetzt galt es!

Innen angekommen fiel Ihm auf, er war nicht der einzige gewesen, der an diesem Tag den Wunsch beizutreten hegte. Wie er später erfuhr, waren die Aufnahmegespräche nur einmal wöchentlich eingerichtet worden – schon wieder ein Zufall.
Die Zeit draußen verstrich und es begann zu dämmern – der Tag neigte sich dem Ende zu und sollte jemand zufälligerweise am Kommandanturgebäude vorbeiziehen, hätte derjenige einen jungen Recken in einer einfachen Montur beobachten können. Er und seine neuen Kameraden standen stramm vor der Kommandantur und erhielten erste Weisungen von Ihrem heutigen Wachhabenden. Das Ziel schien erreicht.

- einige Monate später -

Renold stand gemeinsam mit einem Kameraden vor den hohen Türen des Wohnflügels des Palastes, beide schienen sichtlich aufgeregt, der eine stand stocksteif mit durchgedrücktem Rücken da, die Miene regungslos und scheinbar zu Stein erstarrt, der andere eher hibbelig von einer zur anderen Seite tappend, den Blick immer wieder mal nach hier und dort abschweifen lassend.
Er kannte diesen Manne, er war seit Beginn an ein sehr guter Kamerad und auch auf eine verschrobene Art ein Freund gewesen und er schätzte Ihn sehr.
Beide wurden zum Palast gerufen, genauer gesagt zum Sir von Reensdorf, Kronritter seiner Majestät – was würde sie erwarten? Was hatten sie verbrochen? Die Gedanken rasten, das Blut pulsierte durch die Schläfen der beiden. Renold selbst wischte desöfteren seine schweißnassen Hände am Stoff der Hose ab und schien alles andere als ruhig.
Dann war es soweit, sie wurden hereingebeten und standen wenig später in den Gemächern des Kronritters. Dieser schien alles andere als aufgebracht, sondern viel mehr besonnen und die Ruhe selbst zu sein.

Einige Gläser Wein später, das Feuer im Kamin glimmte nur noch, die Holzscheite waren herunter gebrannt, wendete sich das Gespräch seinem Ende zu.
Auf den Gesichtern der beiden Recken zeichnete sich scheinbar das selbe Lächeln ab, es strahlte Zufriedenheit und aufrichtige Freude aus. Beide wurden sie auserwählt vom Kronritter höchstselbst, seine Knappen zu werden, seine Ausbildung zu erhalten, dem Reiche und seiner Majestät höchstselbst einmal als Ritter zu dienen.
Das alles, der Weg nach Adoran, der Tag seiner Rekrutierung, was unweigerlich zur Bekanntschaft mit dem Sir führte und nun die Aufnahme in den Kreis der Knappen – all das musste einen höheren Sinn bezwecken.



Nicht einmal ein paar Tage später fanden sich die beiden Recken in den Gemächern des Kronritters ein und erhielten Ihre erste Unterweisung – Etikette.
Es ging darum, dass ein Knappe sein Verhalten stets an die Situation anzupassen hätte und vor allem immer „im Dienst“ wäre. Das hieße, man könnte nicht einfach zum nächsten Saufgelage in der Hafenkneipe gehen und sich dort wie ein gemeiner Dorftrottel aufführen. Von nun an hieß es zu jeder Zeit, ob Tag oder Nacht, das Hause des Sir's würdig zu repräsentieren.
Dazu gehörte freilich das Kennen des großen Ganzen, dem System, der feudale Rangordnung.
So gingen sie gemeinsam die einzelnen Stände, deren Titulierungen und Begrüßungsriten durch – für die beiden Vollblutsoldaten keine Neuheit, sie hatten schließlich schon desöfteren Schulungen dieser Art erhalten und auch so beinahe täglich den Umgang mit dem Adel.
Aber es gehörte dazu, es auch hier noch einmal zu besprechen und so gingen sie geduldig von Titel zu Titel.
Doch nicht nur die korrekte Anrede war ausschlaggebend, auch die richtige Verwendung von Handküssen oder die richtige Reihenfolge beim Vorstellen wurde thematisiert und durchgesprochen.
Thelor hatte diesbezüglich hohe Anforderungen und erwartete von beiden Schülern höchste Disziplin und Professionalität – aber er räumte beiden auch ein, das beide stets Gehör finden würden und auch bei öffentlichen Anlässen nicht nur die gesichtslosen Anhängsel des Sir's wären.
Bei Gesprächsrunden sollte man sich als Knappe zwar zuerst versetzt hinter dem Sir aufhalten, aber sollte er einen der Runde vorstellen, kann man sich der Konversation gerne anschließen.
Da kann das nächste Bankett also kommen. - Doch, was wenn man auch noch tanzen muss? ...


Die folgenden Tage und Wochen verbrachten beide Knappen damit, Ihre Waffenfertigkeiten stets zu verbessern und sich selbst an die physischen Grenzen zu bringen.
Ständiger Drill, worin Fjalon sehr sehr gut war – so als Schleifer – und immer sich wiederholende Schlagabfolgen mit Holzwaffen zur Übung.
Getragen wurde nur eine einfache Lederrüstung, was für einen Soldaten des Regiments und täglichem Tragen einer Plattenrüstung durchaus ungewohnt sein durfte – ein Gefühl der Schutzlosigkeit aber auch gewonnener Agilität und Bewegungsfreiheit.
„Plong – Plong – Klack“ ging es immer wieder, als die Waffen aufeinander einschlugen, nur ein gelegentlicher Stöhner, als einer des anderen Parade durchbrach und einen Treffer erlangte, durchstieß diese monotone Klangabfolge.
Fjalon war gut, sehr gut – besser als Renold selbst, was Ihn aber nur noch mehr anspornte, sein Bestes zu geben.
Der Praxis sollten aber auch noch die eher unbeliebten Theoriestunden folgen.


Einige Tage später führte der Sir beide vor einen allzu bekannten Höhleneingang, nordwestlich von Berchgard – dem Unheilsberg.
Beide trugen nur eine dünne Schicht Wildleder, die Rumpf, Arme, Hände und Beine bedeckte; auf dem Kopf ein kleines Häubchen – kein wirklicher Schutz vor dem, was da auf sie zukommen würde.
Man merkte früh, dass beide aufeinander abgestimmt waren, kannten sie sich doch gut aus dem Regimentsdienst, ja waren gar zu Brüdern zusammengewachsen und so fielen die ersten Scharen herbeieilender Monster nach nur wenigen Streichen.
Doch aus einem fernen Gang grollte schon drohend Ihre heutige Prüfung.
Gefährlich hoch ragte der Oger vor Ihnen auf, in seiner grotesken Mimik bildete sich ein verärgertes Schnaufen, die rechte Hand hob sich bedrohlich auf und schlug gleich nach seinem nächstbestem Ziel.
Ein Monstrum, was seinen Artgenossen um noch einer halben Länge und Breite überragte – ein wahrer Fürst.

Doch wie dumm musste man sein, um sich so einem solchen Gegner entgegenzustellen?
Schon im Vorfeld hatten beide viele Taktiken durchdacht und schlussendlich eine vermeintlich geeignete ausgewählt. Sie würden sich die Trägheit des Ungetüms zu Nutze machen und so abwechselnd immer wieder Angriffe antäuschen oder sich bereitwillig dem Oger als Opfer präsentieren, auf dass dieser auf diese Finte reinfallen würde. Währenddessen sollte der jeweils andere immer wieder aus dem Hinterhalt Angriffe initiieren und Ihn so irgendwann bezwingen.

Gefühlte Stunden später war es soweit, der Ogerfürst taumelte hin und her, die Wunden an seinen Armen, Beinen und Rücken suppten und die einzelnen Blutpfützchen versammelten sich bereits zu einer Lache, in der er zuguterletzt ausrutschte und dort am Boden endlich den finalen Todesstoß erhalten konnte. Die kleinen Goblins, die bekannterweise wie Insektenscharen ihr Unwesen in den Höhlen trieben, quiekten erschrocken und beängstigt auf und stoben auseinander.
Sie mussten sich in Acht nehmen vor diesem Duo, um nicht das selbe Schicksal wie dieser Riese zu erleiden.
Es war geschafft – die Aufgabe war erfüllt.

Mit freudigem, aber erschöpften Lächeln sahen sich die beiden Knappen an; Erleichterung machte sich offenkundig bei beiden breit.
Ihr Herr und Lehrmeister trat aus dem Schatten eines großen Stalagmiten hervor und beglückwünschte beide zu Ihrem erfolgreichen Absolvieren seiner Aufgabe und wie nach jeder Lehrstunde gab er beiden einen weisen Rat.
Was beide an diesem Tag bewiesen hatten, war großer Mut – sie waren einer großen Gefahr ausgesetzt, sie fürchteten sich und hatten Angst – doch wer dieses Gefühl überwände, würde seinen Mut finden und daraus Kraft beziehen.
Er ließ die Worte in den kargen Hallen des Ogerstammes verstreichen und beide hielten einen Moment für sich inne. Doch nun galt es, heimzukehren, dem ganzen hier zu entfliehen und ein Bad zu nehmen. Es würde sicher Tage dauern, bis dieser elendige Gestank von Tod und geschnetzelten Eingeweiden verflogen wäre.

[img]http://imageshack.us/a/img844/8070/6057.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Renold Breg am Sonntag 24. November 2013, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten