Abendsonne

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Eileen von Hohenfels

Abendsonne

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

"Ein Ausritt zu später Stund. Der Herr Graf wird sicher seinen Grund haben, doch ohne Eskorte, nur mit Ihr ?" ... nicht denken !...

Eilee kam nicht umhin sich zu wundern. Aber er war der Graf, sein Wort war Befehl, und sie war sicher nicht diejenige, die ihm das verwehren würde.

Die Pferde waren schnell gesattelt und Adrians Gepäck bestand nur aus einem Bündel. Vieleicht musste er jemandem etwas übergeben ? ... und wozu braucht er dich dazu ? ... nicht denken ! ...

Sie ritten lange durch den Wald, kreuzten bekannte Wege und hielten sich auf den Pfaden des Wildes. Adrian schien durchaus zuwissen wo er hinwollte, doch war es wohl keine der Siedlungen, da wäre die Wege sicher einfacher gewesen.
Der Wald öffnete sich vor ihren Augen, und der Blick fiel auf das Meer vor ihnen, dazwischen ein Sandstrand.
Es war spät am Abend und die Sonne schickte sich an im Meer zu versinken.

Eileen schaute sich um, weit und breit kein Haus zu sehen. Nur der Ozean, der Strand und sie beide im Sonnenuntergang.
... nicht denken ! ...

"Wäre das nicht ein schöner Platz für eine Rast ?", hörte sie Adrians Stimme. Natürlich wäre es das. ... Was taten sie da ?

Die Situation war ein einziges Klischee. Wäre er nicht der Graf und sie nicht seine Bedienstete, würde sie zwangsläufig denken müssen, er wolle ihr den Hof machen ... aber so ?
Das Denken setzte ein.

Was war mit all den Anspielungen, der letzten Tage ? Dass das Schloss zuviele Augen und Ohren habe, als dass man sich frei bewegen könne ? Hatte sie nicht immer gedämpft mit ihrem Herrn gesprochen, wenn sich das Thema diesem blinden Fleck näherte ?
Diesem dunklen Etwas, welchem sie keinen Raum geben wollte, weil sie nicht dachte soetwas sei möglich ?

Sie und der Graf ...

Eileen gab sich geschlagen. Allein der Gedanke warf sie aus der Bahn. Adrian breitete ein Tuch aus und hatte scheints an alles gedacht.
Wie im Traum nahm sie wahr, dass er ein kleines Bankett auftrug, sie bat doch platz zu nehmen.

Es war als müsse sie die ganze Zeit die Luft anhalten, wie jemand der unter Wasser war und wusste, wenn er zu schnell einatmen würde, ertrinke er.
... wieviel Sicherheit brauchst Du Eileen ? ... Es steht dir nicht zu das zu denken ! ... Das ist nicht dein Schritt ! ... Warte ab ! ...

Sie waren beide Erwachsen genug, um zu erkennen, um zu wissen, wohin das führen sollte.

Warum sollte es nicht möglich sein ? Ihr Vater hatte sie immer gut verheiraten wollen, sie Zeit ihres Lebens mit Umgangsformen und Gelehrten genervt, die ihr alles mögliche beigebracht hatten.
Gold hatten sie immer genug gehabt um jene zu bezahlen. Die Pferdezucht und der Umgang mit den hohen Herrn Calderahs war ein lukratives Geschäft.

Vater hatte es immer als "Investition" bezeichnet, seine jüngste zu einer Dame zu machen, auch wenn ihre Passion eher den Pferden selbst galt.
Sollte sich das nun in der Form ausgezahlt haben ? ... ausgezahlt ...

Eileen widerte der Gedanke an, für solch einen Moment vorbereitet worden zu sein, obwohl das nie absehbar gewesen war. Sie wollte einen Mann, weil sie ihn liebte, nicht weil er eine gute Partie war. ... aber du liebst ihn doch ... .

Adrian war charmant, zuvorkommend, drängte sie nicht. Aber das Gespräch nahm den absehbaren Verlauf.
Nach und nach kamen sie zum Kern der Sache, dem ehemals blinden Fleck.

In weit ausschweifenden Kreisen tasteten sie sich diplomatisch heran, immer darauf bedacht nicht zu forsch zu sein, eventuell einen Rückzieher zu machen um sich keine Blöße gegeben zu haben, sollte man merken, dass es dem Anderen denn doch nicht so ernst und man eben doch nur Graf und Stallmagd war.

Es geschah nicht, der Fluchtversuch blieb aus, und sie ließen sich den mitgeführten Wein und die Leckereien aus der Schloßküche munden.

Es gab nichts zu bereden, zu planen, zu regeln. Sie wussten beide nur zu gut um all die Probleme, die ihre Beziehung mit sich bringen würde. Sie redeten ausgiebig darüber. Aber weniger um es dem anderen zu erklären, als vielmehr einfach festzustellen, dass man selbst sich darüber im klaren war.
Sie hatten sich beide offenbar lange die gleichen Gedanken gemacht, ähnliche Sorgen geteilt, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

...wie sonderbar...

Was würde der ganze Hofstaat dazu sagen ? Wieviele der Damen hatten sich Hoffnungen gemacht, nun an ihrer statt hier zu sitzen ? Wieviel Neid käme auf ?
Was war mit den anderen Bediensteten, wie groß musste der Neid erst dort sein ? Was für Intrigen durften sie erwarten ?

Eileen wusste nur zu gut, dass Macht zu haben einen nicht automatisch zum Herr jeder Lage werden lies. Grad dann nicht, wenn jene, auf die man sich für gewöhnlich verlies, es auf einen abgesehen hatten.

Was war mit der Sicherheit der Familie. Die Frau des Grafen war gleichsam Zielscheibe wie er selbst, mochte man leicht auf den Gedanken kommen, Druck auszuüben indem man sich ihrer bemächtigte ?

Adrian lies keine Zweifel daran, dass er ihr all das höfische Brauchtum zutraute und beteuerte mehrmals, dass ihm kein einfaches Ding gegenüber sitze, sondern eine junge Frau aus gutem Hause mit viel Verstand, die nicht auf den Mund gefallen war.

Sie redeten immer noch nicht frei. So allein wie sie sich wähnten waren sie nicht. Neben ihnen saß der Respekt den sie vor dem Anderen hatten und es schien ihr tatsächlich als redeten sie von Gleich zu Gleich.

...wie sonderbar...

Da rasteten sie hier am Ufer und erlebten einen Sonnenuntergang, der schöner hätte nicht sein können, und unterhielten sich ganz sachlich über ihre gemeinsame Zukunft.
Professionell und nüchtern, abgeklärt. Eine Bestandsaufnahme dessen was sie erwartete.

Was hatte dieses Gespräch Gewicht, was für Folgen ?

Sie zollten in diesem Moment bereits den Tribut für die Position über die sie sprachen, und keiner von beiden hatte bis hierhin das Wort Liebe auch nur erwähnt.
Betrogen um die Romantik des ersten Moments.

Zwei Menschen unter Wasser, die nicht zu atmen wagten. Dabei wussten sie es beide. Sie wussten warum sie diesen Irrsinn auf sich nahmen, sie fühlten es.

So beteuerten sie sich gegenseitig, dass sie das zusammen durchstehen wollten. Keine Geheimniskrämerei. Beide würden sich dazu bekennen.
Das Eis war gebrochen.

... wo fangen Wunder an Eileen ? ...

Sie hatten sich ein "Ja-Wort" gegeben, in der Abenddämmerung, hatten es mit einem Kuss besiegelt, und es war Ruhe eingekehrt. Sie saßen lange in stillem Einvernehmen eng nebeneinander und schauten dem Spiel der Wellen zu.

Eine aufregende Zukunft lag vor ihnen. Eileen würde in die Rolle hineinwachsen müssen, niemand kann einen auf soetwas vorbereiten.
Aber sie würde Mensch bleiben, wohl wissend, was sie selbst stets von diesen Kreisen gedacht hatte, welche Fehler sie nie begehen wollte.
Wofür jene in ihren Augen eigentlich da waren.

Aber das lag in so weiter Ferne ... tut es das ? ....

Als sie endlich zurückritten, war ihr seltsam leicht ums Herz, der Bauch voller Schmetterlinge und der Kopf in Aufruhr.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

War es richtig? Sollte er es nicht wahrhaft besser wissen? Was tat er ihr hiermit an, wusste er doch genau wozu dies führen würde? Die Folgen für sein Ansehen waren ebenso wenig unterzubewerten. Die Grafschaft kosten, seinen Titel, würde es dies? Er vertraute auf Anaras Liebe, ihre Herzlichkeit zueinander, doch durfte er dies? Sie war mehr als nur seine Schwester, sondern die Königin. Sie musste zuvorderst das Reich sehen, erst hiernach ihn, das wusste Anara so gut wie er es wusste. Doch Gefühle waren nunmal nicht abzuleugnen, hatte man sich diese erst einmal eingestanden. Vernunft! Er hatte dies doch immer zuvorderst gesehen, sollte es auch jetzt. Vernunft liess im Grunde nur die eine Wahl. Diese Frau aus den Gedanken verbannen, sie wieder als das zu sehen, was sie schliesslich war. Eine Bedienstete, die sich um die Pferde zu sorgen hatte. Gesteh es dir doch ein Adrian, hübsch Frauen gibt es viele, auch sie haben Verstand. Die Welt ist keineswegs nur von jungen albernen Mädchen erfüllt. Es gibt auch genügend jener, die deine Ansprüche erfüllen und dem Stande entsprechen. Es muss nicht diese sein!
Ja gewiss es gab sie, doch sein Herz sprach eine andere Sprache als sein Verstand es diesem heissen sollte.

Ein riskantes Spiel war dies fürwahr, doch letztlich musste er sich eingestehen. Sein Herz sprach lauter als sein Verstand es vermochte. Würde es von Bestand sein? Würde irgendwann doch der Verstand lauter sprechen? Er selbst war ebensowenig mehr ein Jüngling, wie er eine unerfahrenes Mädchen an seiner Seite sehen wollte. Diese Frau, Eileen... sie hatte in ihren Worten mehrfach erwiesen, dass sie weit mehr Verstand hinter ihren Augen hatte, als dass sie nur fähig wäre Mist von einer Ecke in die andere zu schieben. So sehr die Vernunft sich erwehren wollte, so deutlich war doch, sein Herz obsiegte jeden Tag mehr. Wie sehr hatte er sich gescholten für die Situation, die Tage zurücklag. Ihr Eintreten in den Raum, ihr Hereingeraten in das Gespräch mit Rafael, welches sie das Schlimmste hatte befürchten lassen müssen. Es soll doch nur eine Entschuldigung sein! Wem machst du etwas vor Adrian, nicht einmal dir selbst. Eine Entschuldigung ist nicht nötig, wenn du es nicht willst, du weisst sehr genau es ist mehr als dies, hierfür bräuchte es keinen Ausflug wie diesen geplanten und beflissentlich vorbereiteten gen Strand.

Seine Gedanken schweiften, als sie nun endlich gen Strand geritten waren. Das Beisammensein war ein stetes hin und her zwischen Gefühl und Verstand. Stets Zurückhaltung übend, bis der Punkt überschritten war, da es einzig möglich war diese fallen zu lassen oder sich entgültig zu entscheiden hiervon zu lassen. Sein Herz hatte erneut obsiegt, die Schwelle von Verstand und Vernunft entgültig überwunden. Welch wundervolle Nähe, er mochte sie im Leben nicht wieder von sich weisen. Der Glanz ihrer Augen, so tief vermochte er zu versinken. Die Jahre der Zurückhaltung und des Wartens dahin. Vergangen in der Hoffnung, des gemeinsamen Überstehens aller Widrigkeiten die nun auf sie einprasseln würden. Erst ihre Bemerkung, es werde langsam kühl, liess ihn aus diesem Rausch von Gefühl erwachen. Es war gewiss Zeit zurückzureiten. Ohnehin nicht auszumalen welch Suchtrupp Rafael gar schon in Bewegung gesetzt haben mochte. Er hatte Recht mit seiner Vermutung. Noch im Galopp, sich mühend den kleinen Wettstreit zu gewinnen, auf dem Ritt gen Varuna, konnte er soeben sein Pferd zügeln, bevor er mit Rafael zusammenstossen würde.

Die erwartete Schimpftirade prasselte auf ihn ein, so dass er doch innerlich schmunzeln musste, wenngleich er wusste, Rafael hatte mit jedem Worte Recht. Doch diese Nähe des Abends, sie wäre kaum zustande gekommen unter den prüfenden Blicken begleitender Gardisten. Eileen stiess wenig später zu der Gemeinschaft der sich Wortgefechte liefernden Freunde. „Siehst du Eileen, es ist wie ich sagte“, bemerkte er mit einem neckischen Zwinkern. Kaum mochte dies gereichen, dass Rafael sich nun beruhigte. Auch seine Andeutung von Nähe gen Eileen liessen dessen Zunge nicht innehalten. Es half nichts und er hatte immerhin Recht, es wurde Zeit in das sichere Schloss zurückzukehren. Sicher... vor den Gefahren seitens Rahals möglicherweise.. aber wirklich sicher? Nun da sie offen zueinander stehen würden, war dies gewiss kein sicherer Ort mehr vor den Intrigen und Sticheleien die zu erwarten waren.

Einen Rückzug vor den Augen der Bediensteten? Nein der Zeitpunkt der Distanz war am Strand längst überschritten und er hatte beschlossen zu ihr zu stehen. Entgegen aller Vernunft vielleicht und gewiss entgegen der Widerstände. Er zeigte die Nähe offen. Die Blicke wohl bemerkend, die sie striffen und doch geflissentlich ignorierend scherzte er weiter mit ihr hob sie gar auf den Arm um sie neckisch ein Stück in Richtung ihres Schlafplatzes zu tragen. Wohl wissend, der Schritt des Benehmens und Erhaltung der Ehrhaftigkeit durfte nicht überschritten werden. Die Nacht, die Nächte die kommen würden, würden weiterhin von Trennung bestimmt sein. Zurückhaltung und Vernunft, nun kehrte sie doch zurück. Ihre neckische Bemerkung, ihre Ellenbogen und Knie zu haben sich gegen jede Form von Überschreitung der Ehrhaftigkeit zu erwehren, liess ihn schmunzeln.
„Du wirst doch nicht...Ich möchte ungern in meine Gemächer kriechen müssen unter den spöttischen Blicken der Gardisten.“ Ein herzliches Lachen, ein letzter Kuss zur Nacht besiegelte diese Trennung auf Zeit. Wenngleich die Zukunft nun viele Probleme bereiten würden, es blieb zu hoffen dass ihr Zueinanderstehen es überstehen liess.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

"Er ist WAS?"
Der Gardist zuckte zusammen und zog den Kopf zwischen den Schultern ein, als er Rafaels schneidende Stimme hörte.
"Ausgeritten Sir, mit der Stallmagd. Vor etwa zwei Stunden... zum Nordtor hinaus."
Ungläubig blickte Rafael den Gardisten an, dann ließ er sein Pferd satteln.

Mit der Stallmagd... das würde Gerede geben...
Alleine mit ihr? Das würde noch mehr Gerede geben...
Und ganz Alleine? Das ging schon einmal gar nicht!
Wo man doch wusste das Rahal nur auf einen Augenblick wartete um Anzugreifen.
Wie sehr würden sie sich erst über einen Grafen freuen der sich ihnen auch noch ohne Gardisten, ohne Schutz auf einem Silbertablett präsentierte.

Mit raschen Schritten ging er ins Haus, schnallt sich sein Schwert um.
Der Knecht war schnell in seiner Arbeit, so das Rafael direkt aufsteigen konnte als er h inaus kam.
Sein Pferd schien froh einmal wieder ausgreifen zu können und Rafel hielt ihn auch nicht zurück als sie durch die Stadt zum Tor preschten.
Er malte sich schon das Schlimmste aus.
2 Stunden ...
Was konnte in 2 Stunden alles geschehen. Aber was das anging, belächelte Adrian ja immer seine Sorge. Obwohl diese Eilleen ja bei ihm war ... Oh Himmel Temora!!

Schön und gut. Diese Eilleen, sie war hübsch, hatte ein gutes Auftreten, vermochte sich aus zu drücken und schien wirklich das Herz auf dem rechten Fleck zu haben... doch ... nun ja sie war eine Stallmagd, und jetzt ... Adrian ... alleine mit ihr?..
Er würde Adrian noch einmal ins Gewissen reden, wenn es nicht schon zu spät war.
Sicherlich, Angelina war damals auch Bürgerlich gewesen, aber das war ganz was anderes.
Er hoffte nur das sein Freund sich nicht zu sehr verrannt hatte, aber wenn doch ...
Rafael wusste das sich Adrian verändert hatte. Wenn er sich einer Frau nähern würde, dann war es ihm ernst. Da würde Rafael reden können so viel er wollte, und er wusste auch das er, egal wie Adrian sich am Ende entscheiden würe, zu seinem Freund stehen würde.

Aber jetzt, jetzt galt es ihn ersteinmal zu finden.
Unschlüssig blieb er am Wegkreuz stehen, überlegte wo er suchen sollte, als er auch schon das Getrappel eines heranpreschenden Pferdes hörte.
Nur kurz wendete er Argon, als auch Schon Adrian um die Ecke galopiert kam, und gerade noch anhalten konnte bevor er Rafael umritt, der sofort den Grafen vorhalte machte, warum er alleine ausritt.
Kaum einige Worte gewechselt kam auch Eilleen hinzu, und Rafael entgingen die Blicke nicht die die beiden einander zuwarfen.
Es war also zu spät.
Aber nicht zu spät Adrian noch einmal vor allem was kommen würde zu warnen. Doch das war nun nicht der geeignete Zeitpunkt dafür.

Noch einige Worte, wechselnd, ritten sie dann gemeinsam zum Schloss.
Rafael wortkarger denn je.
Er machte sich Sorgen.
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