Der schwache Schatten seiner selbst

Geschichten eurer Charaktere
Gast

Beitrag von Gast »

Sie hatte sich an den Kamin gekuschelt und betrachtete Ihn im halbdunkel der flackernden Flammen. Ruhig ging sein Atem. Sie war heil froh. Noch einige Stunden zuvor, war es nicht der Fall gewesen. SIe hatte den tiefen Schnitt unterhalb seines Auges schon gesehen gehabt, als sie die Höhle verließen, doch er schien ihn nicht zu bemerken. Erst als sie zu Hause waren machte sich das schleichende Gift der Witwe bemerkbar. Und da kam auch zu Tage, was der Klingengeist angerichtet hatte. Sein ober Körper war übersäht mit Kratzern und kleineren Schnitten. Doch mehr Sorgen bereitete ihr das Gift. Die Schnitte sahen ungesund aus und er war Schwach und fieberte. Sein Körper wehrte sich dagegen.Aber es war ja nichts schlimmes. Sie schnaubte. Immerhin ließ er sie die tieferen Schnitte auswaschen. Doch das Gift war ihr größeres Problem. Aber da wartete sie erst einmal ab, irgendwo fand sie sicher in seinen Sachen etwas gegen Gift. Hatte sie letzten Endes auch.


Doch er spielte es immer noch runter. Männer. Naja immer hin hatte sie in all den Jahren genug von ihm gelernt und konnte es gut einschätzen. Allerdings machte Malachais Besuch das Ganze nicht grade besser. Er spottete das Arsen sich wieder bemuttern ließ und das eine kleine Spinne ja nicht so schlimm sei. Warum mussten sie immer wieder sticheln und sich necken, manchmal war es durchaus anstrengend mit den beiden. Und dann meinte Malachai auch noch er habe ja mehr Narben. Ja hatte er und sie kannte so ziemlich jede davon, viele davon hatte sie selber genäht. Immerhin das konnte sie mit einer Nadel.


Und sie war sich sicher das Malachai dankbar war, dass sie zur Nadel gegriffen hatte und nicht Arsen. Sie dachte zurück an einen Vorfall viele Jahre zuvor. Da war Malachai mehr oder weniger auf der Schwelle der Akademie zusammen gebrochen. Er war lange im Delirium gewesen bevor sie ihn zurück geholt hatten und von da an war er nicht mehr aus ihrem Leben verschwunden. Er war zum Freund und Vertrauten geworden zumindest für sie. Für Arsen war er wohl nicht immer nur Freund gewesen, wie sie heute wieder einmal feststellen musste.


Arsen hatte wirklich geglaubt, dass ihre umschatteten Augen, ihr Schlafmangel und ihre Leichtsinnig zugefügte Verletzung an Malachai lagen. Nunja unrecht hatte er damit sicher nicht, doch sie hatte sich Sorgen gemacht und musste irgendwann den Kopf frei bekommen, was sie mit einer Prellung ihrer Rippen bezahlte. Er dagegen dachte, sie wäre glücklich und würde das Lager mit ihm teilen. Was für ein Blödsinn. Glücklich war sie sicher nicht gewesen. Sie hatte damals gehofft, er gibt ihr nicht nur die Salbe sondern hilft ihr auch, die Prellung zu verbinden, aber nein, er ließ sie einfach stehen und gab ihr das Gefühl unerwünscht zu sein. Sie hatte angenommen, es war ihm schlichtweg egal. Aber nein ganz im Gegenteil, er war Eifersüchtig. Und zwar ohne Grund. Ein Blinder hätte gesehen, dass seine Vermutung nicht stimmte. Sie hätte ohne Probleme alle Zweifel ausräumen und ihm genau erzählen können, was zwischen ihm und ihr vorgefallen war, aber er wollte nicht. Wie konnte er eigentlich überhaupt so etwas glauben. Sie war nie leichtsinnig gewesen, egal wie kurz ihre Nächte waren. Sie war es nur, wenn ihr der Kopf zu platzen drohte, weil sie sich zu viele Gedanken machte. Und das sollte grade er wissen. Er der sie sein halbes Leben lang kannte.


Aber es war ja nicht das erste Mal, dass er Eifersüchtig war. Sie konnte sich von anderen anhimmeln lassen, das schürte seine Eifersucht nie, aber sobald Malachai und sie vertrauter mit einander wurden, war das wie ein rotes Tuch für ihn. So auch damals als sie Schwanger war. Sie hatte damals oft Malachais Nähe gesucht um einfach zu reden., Er verstand ihre Angst ihre Sorge und irgendwie kannten sie sich damals schon sehr gut. Doch Arsen sah es immer als Herabsetzung seinerseits. Sie hatten sich noch nie soviel gestritten wie damals. Sicher sie war nicht einfach gewesen, aber sie war nicht sie selbst und das schien Arsen immer wieder zu vergessen. Würde es immer so sein?


Sie hatte sich immer wieder für Arsen entschieden, solange er ihren weggeteilt hatte. Sollte sie vielleicht wirklich einfach sagen, was zwischen ihr und Malachai war? Nein sie würde es nicht tun. er sollte sie gut genug kennen. Aber musste sie sich immer wieder darauf einstellen, dass ihn die Eifersucht übermannte? Oder konnten sie jetzt endlich erwachsen werden?


Wieder betrachtete sie Arsen. nein die beiden würden ihre kleinen Sticheleien und Hahnenkämpfe wohl nie sein lassen, egal wie alt sie wurden. Und wenn sie ehrlich zu sich war, würde es auch irgendwann fehlen.
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Langsam liessen die beiden sich erschöpft in die Felle sinken. Er konnte garnicht so schnell reagieren, da stiess Sienara ihn auf den Rücken und warf sich auf ihn, um sich wie eine Katze ein wenig einzukuscheln und friedlich einzuschlafen.
Er schmunzelte, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und blickte dann noch einige Momente ins Feuer.
Soweit war das Haus eingerichtet. Der Schreiner hat gute Arbeit geleistet und vor Ort alles zusammen gehämmert, was Sie sich gewünscht hatten.
Und sogar nach Menekur reisten Sie und holten einen dieser begehrten Teppiche.

Ja, Malachai war glücklich, garkeine Frage. Er lächelte, dauerhaft in ihrer Nähe, ob Sie sprachen, stritten, sich gegenseitig neckten oder einfach nur Arm in Arm lagen und die Zeit verflossen sehen.
Es war schön und so langsam began es, dass Sie mehr und mehr eine Familie wurden. Das Kinderzimmer eingerichtet und er freute sich sehr darauf, seine Tochter bald kennenlernen zu dürfen.
Doch ehe das alles geschah, hatte er noch einen Termin wahr zu nehmen. Er wollte Sie überraschen, mit etwas, was Sie sich wünschte und er würde ihr einen Berg davon geben.
Während Malachai an das freudige Gesicht Sienaras dachte, das ihn dann erwarten würde, fielen ihm langsam die Augen zu und er passte seinen ruhigen Atem ihren an.

Langsam ging er die modrigen Hallen entlang. Die umgestürzten Säulen versperrten ihn teilweise den Weg und er musste einige Bogen laufen.
Es grummelte und rumorte. Er kannte diesen Ort, den vermeintlich erloschenen Vulkan, der wie sich lauthals über ungewollte Besucher aufregte.
Er blinzelte einige Male, nur die Spalten, unter denen die Lava kochte, spendeten ihn Licht.
Was machte er hier? Was erwartete ihn an diesem finsteren Ort, der ihn einmal das Leben kostete?
Leise, dann immer lauter werdend, vernahm er ein schleifendes Geräusch hinter sich. Eine Klinge, die hinter jemanden hergezogen über den steinigen Boden schliff, ab und an bei den Spalten einen aussetzer machte.
Malachai drehte sich um, eine in schwarzgehüllte Person trat auf ihn zu und als er nur wenige Schritte von ihm entfernt war, erhob er die Waffe und sprang vor.
Malachai hechtete zur Seite, landete unsanft gegen eine gefallene Säule. Die Klinge des Angreifers blitzte förmlich auf, als Sie den Boden traf und das Klirren wie ein schreiendes Echo durch die Hallen hallte.
Er drehte sich schnell um, nutzte die liegende Position Malachais aus und schlug zu. Er drehte sich erst links, dann rechts. Jedesmal knapp der tötlichen Waffe ausweichend.
Konzentrier dich, Malachai, pochte es in seinem Kopfe.
Erinner dich, was Malena dir bei brachte, es ist ein Traum, dein Traum.
Als der Angreifer abermals die Waffe erhob und sie surrend hinabliess, erklang das Geräusch von einer nun treffenden, anderen Klinge.
Malachai hatte nur kurze Zeit sich über die erschaffenen Waffen in seiner Hand zu erfreuen. Er stiess den Angreifer mit den Füßen weg und erhob sich.
Die beiden Schwerter in der Hand liess er kurz in seinen Händen drehen, dann preschte er vor und ging nun zum Angriff über.
Sein Gegenüber tänzelte förmlich die Angriffskombinationen nach hinten weg, mit jeder Armbewegung fing er die Klingenschläge Malachais mit Leichtigkeit ab. Förmlich, als wüsste er genau, was nun kommen mag.
Malachai parrierte einen Vorstoss des Angreifers mit einer Seitendrehung aus. Seine Klingen wirbelten umher, er hatte nicht vor zu stoppen und so folgte eine Reihenfolge von klirrenden Geräuschen der sich treffenden Waffen.
Wenn sein Angreifer wusste, was er tat, war es an der Zeit, etwas zu tun, was er sonst nicht tat.
Malachai schloss die Augen, er konzentrierte sich. Es war sein Traum. Er sprang nach vorne, viel zu hoch für einen normalen Menschen...zu hoch für die Realität und stiess dann eine Klinge in eine Spalte im Boden.

Es begann zu Beben, Steine fielen von der Decke. Der Angreifer taumelte und die Spalte began, sich aufzureissen und das innere den Raum mit roten Licht zu erfüllen.
Lava schwabt hervor, quälend langsam sich auf den Boden ausbreitend und eine Mauer aus Hitze und Schwefel zwischen den kämpfenden zu bilden.
Die schwarze Gestalt blickte hinüber, Malachai hob die Klingen, war eine, dann die andere auf den Angreifer.
Er parrierte zwar, doch die zweite Waffe mit seiner Hand und so fiel ihm seine eigene auf den Boden und wurde von der Lava eingeschlossen.
Zwar konnte er nicht die Augen sehen der schwarzverhüllten Gestalt, doch das rasche aufziehen des Kopfes verriet die Wut über den Verlust seiner Klinge, ehe er sich abwand und mit einigen Sprüngen über die Steinsäulen verschwand. Kein Wort, kein Zeichen mehr.

Malachai öffnete die Augen. Er schwitzte, es war heiß. Er fühlte sich förmlich, als würde er noch in dem Raum mit der Lava stehen.
Er atmete zwar ruhig, doch dachte er nach. Was ist passiert?
Seine Träume waren nie so tötlich, so aggressiv gegen ihn gewesen. Immer nur war es ein Gefühl oder eine Last, derer er sich stellen musste.
Doch was ihn jetzt erwartete, schien sein Wille zum Tod zu sein. Etwas, was so tief sitzt, dass es nicht herausgerissen werden will.
Er blickte auf die schlafende Schöne auf seiner Brust. Er hatte Sie nicht geweckt und das war auch besser so.
Er legte die Arme um Sie und beruhigte sich langsam wieder, noch einige Stunden wach dort still liegend und über das Geschehene nachdenkend.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Lächelnd packten Sie alles zusammen.
Sienara ging in das neu eingerichtete Zimmer und holte den Teddybären heraus. Sie musste nichts sagen, das Lächeln reichte, damit Malachai verstand.
Ja sie würden heute abreisen. Sie würden ihre Tochter besuchen und nicht nur das, Sie würden ihr sagen, dass Sie sie mitnehmen würden.
Malachai schrieb vor einiger Zeit einen Brief an Frau Tobbs, den Sie Elia vorlesen sollte.
Darin stand einiges, allen vorran, dass er ihr Papa war und er so schnell es geht, sie kennenlernen will, für Sie da sein wollte.
Auch, dass er schon viele Sachen von ihrer Mama über Sie gehört hat und einiges von sich selber erzählt. Wie er aussieht, was er macht, dass er ein schwarzes, kinderliebes Pferd hat.
Ja, auch von ihrer Halbschwester Stella hat er ihr geschrieben, dass die beiden sich ja kennenlernen würden und spielen könnten.
Zuletzt aber, vielleicht das wichtigste, dass er sich mit Mama versöhnt hat und Sie jetzt eine Familie werden sollten.
Sienara legte den Teddybären in die Tasche, wo einige Klamotten von ihr und ein wenig Verpflegung verstaut war.
Malachai schloss dann die Tasche und nahm diese und Siens Hand mit einen lächeln und sie gingen hinaus zu den Pferden.
Beide warteten schon, sie sollten Sie nur zum Hafen bringen, von dort aus würden Sie ein Schiff nehmen.
Malachai spannte noch einmal seine Rüstungen und kontrollierte die Klingen unter seinem Umhang. Er liess wie immer Vorsicht vor Nachsicht walten, sicher, es waren übliche, gut bewachte Reiserouten, die Sie bewusst ausgesucht haben und dafür einen Tag länger für Hin- und Rückreise brauchten...und dennoch, er würde jetzt auf den letzten Schritten nicht zulassen, dass irgendein Vorfall einen dunklen Schatten über das neue Glück legen würde.
Sienara musste zwar lachen und schüttelte den Kopf, aber ehe Sie auf die Pferde stiegen, umarmte Sie Malachai und gab ihm einen Kuss.
Er erwiederte ihn, sie fest im Arme haltend. Er lächelte sie an. Er war so froh, dass Sie auch seine Vorsicht, gar seine Macken zu lieben schien.
Er lehnte seine Stirn an ihre und hauchte leise:
"Nicht mehr lange, meine Schöne...und wir sind wieder eine komplette Familie."
Sie verweilten einige Sekunden in diesem schönen Gedanken, ehe Sie dann die Pferde zu Ende mit den Taschen beladen haben und sich in der frühen Stunde gen Hafen von Adoran aufmachten.
Ja...nicht mehr lange.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Ruhig stand Malachai an Deck des Schiffes, der Wind liess sein Haar und seinen Umhang tänzeln.
Er atmete einmal tief ein, spürte die frische, salzige Seeluft in seiner Nase.
Der Kapitän hatte eine ruhige Fahrt vorhergesagt und es schien sich auch so zu bewahrheiten.
So konnte der Schwarzgekleidete seinen Gedanken nachgehen. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde er vor diesem Haus stehen, dass er aus der Vergangenheit nur aus der Ferne und meist auch nur Nacht sah.
Wenn er sich in kalten Wintertagen einfach auf einem Baum niederliess und die beleuchteten Fenster begutachtete, wie Schatten sich darin bewegten und ihr Leben lebte. Seine Familie. Und er blieb am Rande stehen und begutachtete Wehmütig das Treiben. Bis zu dem Tage, wo er nicht mehr zu dem Baum kam, wo er meinte, er hat sich damit abgefunden.
Und nun sollte der Tag Wahrheit werden. Er würde seiner Tochter Auge im Auge stehen.
Er war so aufgeregt, was würde Sie denken? Würde Sie Angst vor ihm haben, oder vielleicht enttäuscht von ihm sein?
Sicher, Sienara sprach ihm gut zu...und ja, eine Tochter liebt ihren Vater. Doch dies alles...er...er wusste nicht. War er ein guter Vater? Tat er wirklich immer alles für seine Kinder? Entschied er auch immer für ihr Bestes und in ihrem Sinne?
Er seufzte und lässt den Blick über das Meer schweifen. Wie ein Zeichen, sah er ein Rudel Delfine nahe einer Insel umherschwimmend, eine Familie, dachte sich der Schwarze an Deck.
Sie schwimmen, immer gemeinsam, immer in eine Richtung. Es gibt bei ihnen keine Ausweichungen, keine Trennung. Sie schwimmen für immer zusammen.
Etwas, das Malachai auch nun wollte mit Sienara. Seite an Seite mit ihr und der Familie gehen, gemeinsam Hand in Hand der Zukunft entgegen.
Ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinen Zügen, als er diesen Gedanken hinterher ging...und hätte Sie seine Gedanken lesen können, umschlossen ihn von hinten Arme und ein Gesicht legte sich sacht an seines heran, mit auf das weite Meer schauend.
Es war schön...der Grund ihrer Reise, der Ort, wo Sie waren, sie zu spüren und zu berühren.
Er drehte sich langsam in ihren Armen um und umschloss Sie dann fest, tief versunken, fast verlorend in ihren Augen, starrte er sie einfach an. Er hätte den Rest der Reise so verbleiben können, sein Herz konnte einfach nicht aufhören, wie Wild zu pochen in ihrer Nähe. Er liebte Sie, daran hatte er keinen Zweifel und Sie liebte ihn, dass wusste er.
Dieser Weg, den Sie nun beglichen, war nicht nur das Nachholen von verlorener Zeit, nein, es war ein Zeichen, was Sie gemeinsam setzten. Sie wollen eine Familie sein. Das, was ihnen vor Jahren verwehrt war. Warum auch immer, es war egal, ob und was daran Schuld hatte. Für Malachai zählte nur das jetzt. Die Tatsache, er könne die Jahre nachholen und wieder gut machen, gemeinsam mit dieser wunderschönen Frau, der er vollkommen verfallen war.
So sprach er nicht und ehe Sie nur die Lippen für einen Satz öffnen konnte, küsste er Sie sehnlichst und voller Liebe. Mehr musste nicht gesagt werden.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Vom Hafen aus war es nur noch ein kurzer Weg. Malachai konnte, so wie die Sonne über das kleine Dorf schien, schon verstehen, warum es Sienara hier her zog.
Die Seeluft war beruhigend, es war zwar Kalt, doch die brennende Sonne gab einem das Gefühl von wohlig wärmender Haut.
Einige Fischer zogen ihre Bote in die Hütten, andere, kleinere Marktstände veräusserten, was Sie noch von der Resternte übrig hatten und nicht mehr in ihre Kellern oder Speicher passten.
Sie gingen an einigen Holzhütten vorbei, Malachai lächelte und nahm Sienaras Hand.
Er ignorierte die Blicke der Dorfbewohner, die fast brennend den Unbekannten, schwarzen bemusterten. Neugierig und vielleicht ein wenig Ehrfürchtig.
Doch Sienara, die kannten Sie...also doch mehr Neugier.
Und so began sicher auch das Tuscheln. Man kannte sich untereinander, man kannte vielleicht die Geschichten, die eine einsame Frau mit einem Säugling hertrieben und wenn man Sie nicht kannte, erfand man eben welche.
Sei es jene der geschundenen, wehrlosen Frau, die für die Liebe zum Kinde den grausamen Ehegatten verliess oder sei es die willensstarke Witwe, dessen strahlender Ritter heldenhaft auf dem Feld fiel.
Nun, wie auch immer Sie waren, nie wäre da wohl die Geschichte eines Malachais und der Schatten dabei herausgesprungen.
Und so traten Sie, an einer Kreuzung gen Norden weichend und an einem großen Hof vorbei, nahe des bekannten Waldstücks, auf ein kleines, doch feines Häuschen zu.
Das Tor knarzte leicht, Rauch stieg aus dem Kamin und Malachai blieb stehen.
Sienara blickte sich zu ihm um.
Malachai atmete einmal tief ein, liess dann ihre Hand los und machte eine Geste, sie solle vorgehen. Er wollte nicht direkt, wortwörtlich, mit der Tür ins Haus fallen. Ihre Tochter sollte sich erst an der Wiederkehr der Mama erfreuen, ehe Sie dann ihren Vater begegnen würde.
Sienara öffnete die Haustür, Malachai konnte ein erfreutes Kinderlachen hören, dass wohl stürmisch mit einem lauten "Mamaaaaa" Sienara in die Arme fiel.
Er lächelte, wartete aber noch und blickte dann auf, als eine ältere Frau heraustrat.
Ihr Lächeln war wärmend, sorgenvoll, wie von einer Großmutter, die einem jeden Tag frische Plätzchen machte, wenn man krank war.
Sie trat neben Malachai, sie wirkte schon ein wenig gebrechlich.
"Hab keine Angst Junge. Da drin wartet ein wundervolles, schlaues Mädchen auf dich, dass ihren Vater kennen lernen will."
Malachai schnaufte leicht, fast schon ein verächtliches lachen.
"Vater....es ist die Frage, wielange Sie ihren Vater kennen will."
Ehe Malachai sich versah, hatte er schon eine Backpfeife sitzen und Frau Tobbs blickte verärgert zu ihm hoch.
"Junger Mann. Hör auf dich schlechter zu machen, als du bist. Sienara schwärmte solange von dir, auch Jahre danach. Und es stimmte Sie traurig, durch eure Tochter immer an dich erinnert zu werden. Du bist kein schlechter Mann und wirst kein schlechter Vater sein."
Malachai blickte zu ihr herab, reibte sich die Wange. Für so eine alte Dame hatte sie einen ordentlichen Schlag drauf.
"Entschuldige, wenn ich daran zweifel. Aber wir Schwarzmournes waren nie dafür bekannt, herausragende Väter zu sein."
Wieder ein Schlag, diesmal die andere Wange. Direkt fragte sich Malachai, woher die alte Frau diese Schnelligkeit hatte.
"Hüte deine Zunge. Dein Vater war ein guter Mann. Liebevoll und voller Sorge. Er tat Fehler, ja. Das tun wir alle. Aber er wollte immer nur das Beste für dich und deine Mutter. Und solange du das auch willst, wird es schon werden."
Die letzten Wörter kamen wieder freundlicher, weniger Ernst rüber, dann legte Sie die Hand auf Malachais Rücken und schubste ihn nach vorne.
"Also los, da drin wartet ein junges Fräulein, die seit deinem Brief nicht mehr aufgehört hat, über dich zu reden."
Ein letzter, tiefer Atemzug, dann ging Malachai durch die Tür.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Langsam ging Malachai durch das Haus, stellte sich an die offene Truhe und blickte hinab.
Dann griff er unter seinen Umhang und löste die 4 Klingen darunter samt Scheiden vom Gürtel und legte sie langsam, klirrend in die Truhe.
Ein dankbarer Blick an die Waffen, die ihn Jahrzehnte beschützten und wie eine verlängerung seines Arms für ihn da waren.
Dann griff er an die Schnüre der Rüstung, ruhig, bedächtig, ehe er nach und nach das Drachenleder von seinem Körper wie eine zweite Haut von sich riss und sie auf den Stapel klingen legte.
Dahin, wo er nun gehen würde, bräuchte er keine Waffen oder eine Rüstung.
Er atmete tief ein, dann aus. Als sei ein Druck und eine Last von ihm gewichen, ehe er dann die Truhe schloss.
Er griff zur alten, schwarzen Robe und warf Sie sich über den Körper, die Kaputze aufziehend und auf eine kleine Tasche blickend.
Alles Gold, was er hatte und nun nicht mehr brauchen würde und ein wenig Verpflegung. Mehr sollte es nicht sein.
Dann ging er zum Tisch, blickte auf das schwarze Buch hinab, dass mit feinen Holzverzierungen um den Umschlang einige Gebilde zeigten.
Sacht glitt der Finger über das Buch der Schatten, ehe er es vorsichtig anhob und unter den Arm klemmte.
Jahrelang verstand er nicht, was die letzten Zeilen, die er daraus lass, bedeuteten. Doch jetzt, nachdem er die Büchse von Selina vor langer Zeit bekam, konnte er es entziffern: "Der letzte Marsch."
In diesem steht geschrieben, dass, wenn man nichts mehr hinter sich lassen würde, der schwarze Führer in die Heimat reisste, um dem Fluch entgegen zu treten und die Last für alle zu befreien. Eine Reise, ohne Wiederkehr, das Beenden aller Qualen mit dem eigenen Blut und dem letzten Atemzug.
Nun war es soweit. Malachai hatte nichts mehr zu verlieren. Nichts, was ihn an diese Landen oder das Leben binden würde.
Er war es leid und besass nicht mehr die Kraft dafür, möge man es Feigheit nennen, war es eine Aufgabe, die getan werden musste. Etwas, was auch seinem Vater klar wurde, als er vor seinem sterbenden Auge die leisen Worte in das Ohr seines Sohnes flüsterte, es täte ihm leid, welch Lasten und welch Fluch er ihm hinterliess.
Malachai dachte immer, es wäre die Bürde und die Verantwortung für die Schatten, doch nun wusste er, es war die Bürde des Schattenlords, das zu richten, was die Vorfahren angerichtet haben.
So öffnete er die Tür, entbliss die Kerze und stampfte in den Schnee und die Dunkelheit hinaus.
Schattenhuf stand dort schon ungeduldig. Selbst wenn er nur ein Pferd sein mochte, man erkannte an seiner Art, dass er am liebsten diesen Ausritt nicht tun würde, am liebsten seinen Reiter hier behalten könne.
Doch als wäre er sich der Aufgabe bewusst, ritt er mit Malachai los.
Der erste Blick in der Dunkelheit wanderte gen Osten.
Eliana war fort. Sie zog in den Orden ein. Malachai nickte trotzdem gen der hölzernden Wände, die ihn einige Abende lustige Gespräche und vertraute Stimmungen gaben. Er würde ihr gerne sagen, dass er für immer verschwindet, doch Sie würde es vielleicht nicht verstehen.
Dann wandte er den Blick vor, streifte dabei das Anwesen von Amary.
Er ritt an den Holzzaun, blieb an einer Eiche stehen und bückte sich hinauf zum Ast. Er streckte die Hand hinauf und eine kleine, schwarze Spinne krabbelte auf diese. Er lächelte leicht, bemusterte das elegante Wesen, ehe er es hinab auf den Boden entliss.
Ein weiteres nicken an seine langjährige Freundin. Dafür, dass Sie ihn immer so akzeptierte, wie er war.
Die Hufen klapperten wieder, an der Kreuzung fiel sein Blick gen Norden. In sehr weiter ferne, glaubte er, die Gesellschaft zu erkennen. Ein Ort, den er lange Zeit als sein Zuhause und seine Familie betrachtete.
Er wünschte ihnen nur alles erdenklich gute...und er dachte an Verdania. Ein lächeln huschte auf seine Lippen und er wünschte sich auf seinen letzten Schritten nur weiter, dass Sie so glücklich wird, wie er es für sie immer erreichen wollte.
Dann drehte sich der Kopf, blieb auf Berchgard stehen.
Er war lange schon nicht mehr dort gewesen, es verband ihn nicht mehr viel mit der kleinen Stadt. Doch Rafael...sein alter Freund...er vermisste ihn, das lachen aber auch das schreien und die Wut, ja selbst die Prügeleien mit ihm. Einzig blieb der Trost, dass vielleicht doch eine Chance existiert, dass Sie im Tode sich wiederfinden.
Schattenhuf wurde die Sporen gegeben, er ritt los, gen Süden.
Der eiskalte Wind peitschte in Malachais Gesicht, liess die Mundwinkel und Gesichtsmuskeln förmlich erfrieren. Doch er wollte keine Zeit mehr verlieren.
Als er die hellen Lichter Adorans zu so dunkler Stunde bemerkte, dachte er an all die Freunde in der großen Stadt. Allen vorran die Heiler, die ihn, gerade wegen seiner Art und seinem Vorgehen, aufnahmen und ihm einen Sinn gaben. Es tat ihm leid, dass er nun ging, ohne Worte oder einem Brief. Es war aber besser so, damit Malena oder Liliana nicht auf die Idee kamen, ihn umstimmen zu wollen.
Er wünschte ihnen, dass Sie weiter erblühen und die Menschen erkennen, was für eine einzigartige und tolle Gemeinschaft dort zwischen ihnen stünde.
Ein kurzer Gedankenhauch gen Mariella, als er sich wieder auf den Weg konzentrierte. Er musste förmlich lachen. Aber auch ihrer eisernen Hand wünschte er, dass sie vielleicht doch irgendwann in ihrem Leben die Freuden einer Ehefrau und Mutter findet und weniger in den vielen Pergamenten der Bürokratie ersticke. Er war doch froh, dass ihr kleiner Zwist beendet war und er beweisen konnte, dass er kein rüpelhafter Mörder gewesen ist.
Der Weg gabelte nach Westen, durch das kurze Waldstück, am Meer entlang, bis er irgendwann dort endete, wo alles einst anfing: Bajard.
Er stieg vor dem Tor vom Pferd ab und drehte sich zu Schattenhuf.
Langsam löste er das Geschirr und den Sattel und warf beides Achtlos zur Seite, ehe seine Hände sich an die Nüstern legten und er Schattenhuf in die Augen blickte.
Leise und bedächtig, ja sicher auch ein wenig traurig sprach Malachai zu seinem treuesten Gefährten:
"Es ist nun ander Zeit, mein alter Freund. Hier trennen sich die Wege. Du weisst, ich komme nie wieder und deine Dienste werden nicht mehr gebraucht. Du hast deine Arbeit erfüllt und ich erlöse dich nun von deinen Pflichten. Reite hinfort und führe ein Leben in Freiheit und Frieden. Ich werde dich nie vergessen."
Als würde Schattenhuf verstehen, was der Mann zu ihm sagte, legte er seine lange Stirn und den Kopf sacht an Malachais und schnaubte einmal aus.
Es waren vielleicht nur Sekunden, doch was beide verband, schien eine Ewigkeit zu während, ehe Malachai sich abwand und ohne einen Blick zurück, das Getrappelt und aufbäumen Schattenhufs in der nun weiter und weiteren ferne erhöhrte.
Der Gang durch das Fischerdorf war wie in Trance. Schemenhaft erblickte er an den Seiten Geisterhafte Gestalten von Freunden aus alten Zeiten, die schon verreisst sind oder gestorben.
Valion....Cyrion....Inara...seine Kinder...lachend und spielend...und viele mehr.
Als würde er in der Zeit zurück gehen und sein Leben vor Augen führend, dort endend, wo es anfing. Ein altes Schiff mit einem älteren Kapitän, der schon sorgenvoll zu ihm blickte, die Hand reichte und ihn über die Planke auf das Schiff führte.
Die sonst so fröhliche Mannschaft war still und bedächtig. Jeder wusste, wohin Sie reisen würden. Jeder musste einst ihm ein Versprechen geben, dass, wenn er Heim will, sie es tun sollten. Wissend, dass dies seinen Tot bedeutete.
Und seine Leiche, ein Absatz, den der Kapitän gerne verdrängte, sollte einfach verbrannt und die Asche hinfort gestreut werden. Nicht mehr, nicht weniger.
So setzten Sie die Segel und schipperten fort aus dem Hafen Bajards, lange der Küste entgegen, um Gerimor gen Westen zu umrunden und dann nach Norden zu reisen.
In der ferne, nach einiger Zeit, erkannte Malachai die Lichter Düstersees.
Dieser Anblick, liess ihn als einziges den Magen umdrehend und den Hals mit einem Klos verspührend. Das einzige, befand sich dort, was ihn immer aufhielt und vor allen Taten und Missetaten schützte.
Doch jede Zeit fand ein Ende, und so konnte er der dort lebenden Familie, die er schon immer als seine betrachtete, nur das beste wünschen. Auf das Sie nun endültig und für immer Glücklich werden, nachdem Sie ihn vergessen haben.

Das Blut erschuf die Pain und den Fluch. Das selbe Blut kann es zerstören. Leben wird mit Leben gegolten als Buße für die eigenen Missetaten und das Versagen seiner selbst.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Gast

Beitrag von Gast »

Sie hatte nun alles abgesucht und noch immer keine Spur von ihm. Nun das war nichts ungewöhnliches, war er doch öfters schon länger einfach so verschwunden. Wahrscheinlich hatte sein verschwinden auch keine tiefere Bedeutung, es hieß einfach nur, dass er es wusste und nun irgendwo weit ab seine Gedanken und Gefühle ordnen wollte. Doch es passte nicht. Irgendetwas war falsch. Schattenhuf war ebenso verschwunden, auch das war nicht ungewöhnlich, war er doch oft mit seinem Herrn unterwegs. Vermutlich sah sie Gespenster wo keine waren, aber sie hatte ein ungutes Gefühl. Es ließ sie nicht in Ruhe, egal was sie sich sagte. Das Gefühl blieb. Es machte sie fast Wahnsinnig, dass er still blieb. Sie hatte einen Wutausbruch und Verwünschungen und sogar Vorwürfe erwartet, aber so gar nichts? Stille in solchen Sachen, war nicht seine Art und immerhin hatte sie ein Versprechen gebrochen. Und zum ersten Mal war sie mit ihrem unguten Gefühl allein.


Arsen wollte sie nicht behelligen damit, sie hatte genug angerichtet, was ihn betraf. Und trotzdem sie wollte Gewissheit haben. Sie hatte zu viele Schlaflose Nächte seit dem gehabt. Immer wieder tauchet in ihren Träumen ein Buch auf, verborgen in einer schmucklosen Truhe in einer weit entfernten Ruine, bewacht von Wegelagerern, die gar nicht wussten, worauf sie da saßen. Viel Blut war deswegen vergossen worden, sie hatte es vergossen. Warum um Himmels willen, musste sie sich ausgerechnet jetzt daran erinnern. Sie hatte so lange gebraucht um, dass alles zu vergessen. Sie hatte die Wochen ihrer Heimreise damit verbracht Seite für Seite zu lesen , sie kannte das Buch nahezu auswendig. Lange hatte sie über den Seiten gehockt und versucht zu verstehen, was sie da laß. Sie hatte es mit all dem verglichen, was sie bis dahin wusste und gelesen hatte und plötzlich hatte sie begriffen. Unruhig wie ein Tier im Käfig war sie auf dem kleinen Schiff, dass sie nach hause bringen sollte hin und her gelaufen. Soviel Blut war deswegen vergossen worden, so viele Jahre lang, konnte es nicht endlich genug sein? Würde es immer so weiter gehen, dass dieser Fluch mehr und mehr Opfer forderte? Sie hatte damals überlegt, ob sie die letzten Seiten nicht einfach herausreißen sollte, aber sie hatte versprochen die Truhe nicht zu öffnen, dass wollte er selber machen, es sei zu gefährlich. Sie lachte bei der Erinnerung wie einfach es gewesen war. Das Schloss war zwar kompliziert und sie hatte etwas tricksen müssen, aber sie hatte die Gift und Säure Phiolen heil entfernen können und sicher in ihrer Tasche verstaut, bis sie die Truhe wieder schließen würde. Abgesehen davon trug sie eh immer aus Vorsicht Handschuhe. Wie dem auch sei sie hatte die Seiten nicht entfernen können, ohne zu gestehen, dass sie das Buch gelesen hatte. Sie wusste nicht einmal warum, aber sie hielt es für besser zu schweigen, dass sie den Inhalt kannte. Bis heute wusste sie nicht warum. Auch hatte sie damals versucht das Buch zu fälschen, aber sie hatte es nicht geschafft die Buchstaben fehlerfrei zu fälschen. Die Schrift war zu kompliziert gewesen, zu viele Feinheiten, die die Schrift einzigartig machten. Sie hatte letzten Endes resignieren müssen und das Buch so wie es war, wieder in der Truhe zu verschließen und sie abzuliefern.


Sie hatte all ihre Energie dafür verbraucht, dieses Buch zu finden nur um zu erfahren, dass es Sinnlos gewesen war und das ganze noch mehr Blut fordern würde. Zweifel, Unsicherheit und vollkommene Erschöpfung hatten sie an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Hatten sie das alles hassen lassen, sie hatte aufgegeben, sich und alles andere und hatte sich in Einsamkeit verkrochen. Sie hatte einen Panzer um sich herum aufgebaut gehabt, der sogar fast ihre Liebe zerstört hatte. Viel zu spät hatte sie begriffen, das Liebe, Vertrauen und Ehrlichkeit mehr bewirkten, als Waffen, Worte und irgendwelche Weissagungen. Sie hatte fast alles verloren gehabt, ehe sie ganz begriffen hatte.


Und nun hatte sie genau, das alles gebrochen, mit einem Satz. Nein er konnte doch nicht soweit gehen und die Weissagung erfüllen, das war wahnsinnig. Schlagartig war sie hellwach. Sie zog die Rüstung an und verschwand nach draußen, dass konnte er nicht tun. Nahezu lautlos schlich sie durch den verschneiten Wald. Zielstrebig führte ihr weg sie zu seinem Haus. Es war verlassen. Sie sah die Truhe und öffnete sie ohne Mühe. Seine Rüstung, seine Waffen. Nein das konnte nicht sein. Sierüttelte probe halber an der Tür, verschlossen was sonst. Sie ging um das Haus herum. Kein Fenster offen, nicht einmal oben. Verfluchte Gründlichkeit. Sie konnte doch nicht in das Haus ihres Freundes einbrechen. Konnte sie nicht? Wer sagte das? Die nacht war dunkel und es war niemand zu sehen. Entschlossen machte sie sich an der Tür zu schaffen. Sie brauchte Gewissheit. Sie wusste nur grob, wo die Truhe versteckt war. Das sie einen erneuten Vertrauensbruch beging, spielte wohl keine Rolle mehr. Sie hatte eh schon genug angerichtet. Leise knackte das Schloss der Tür. Sie schaute sich noch einmal um und huschte dann leise ins Haus. Sie sah sich um und ließ sich einfach weiter von ihrem Gefühl leiten. Sie brauchte nicht lange um die Truhe tief verborgen in einem Schrank zu finden. Sie war offen und leer.


Verflucht. Sie war zu spät.
Das sollte nun das Ende sein?
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Unruhig blickte die Besatzung des Schiffes hinauf zum Steuerrad. Dem Gang des nervösen Kapitäns folgend.
Die Leinen waren gekappt, die Segel gesetzt. Es musste nur noch der Anker gelichtet werden und sie könnten von der erzürnten Insel hinfort segeln.
Der Berg brodelte, er began vor Wut Klumpen und Gesteinbrocken aus Feuer zu speien. Ein Gefühl, dass der Besatzung im Magen lag.
Doch mehr, war es der Gedanke, dann das Falsche zu tun.
Der Kapitän ging weiter, von Steuerbord nach Backbord...von Backbord nach Steuerbord. Immer wieder den Kopf schüttelnd.
Gespannt blickten die Augen auf ihn. Blieben an ihm gewurzelt, auf eine Entscheidung wartend, während die Wellen gegen den Buck pressten und das Schiff schaukeln liessen.
Dann, blieb er in der Mitte stehen, ballte die Faust und fluchte, ehe er sich zu seiner Mannschaft umwandt.
Er zeigte Stumm mit dem Finger auf 5 Mannen, ehe er laut knurrte:
"Pfeiff auf Seemannsehre und Versprechen. Los, holt ihn. Mir egal, was er wollte oder verlangte, ich lasse ihn hier nicht untergehen."
Trotz des Befehls, das bei einem nahenden Vulkanausbruch wie ein Himmelfahrtkommando gleich kam, lächelten die erwählten Mannen, die bewusst die schnellsten und kräftigsten waren. Ein nicken, dann sprinteten Sie vom Deck über den kleinen Steg auf den Sandstrand in den Wald hinein richtung des empörten, wütenden Berges.
Der Blick des Kapitäns folgte ihnen, dann wandte er sich der restlichen Mannschaft zu.
"Was steht ihr so Faul hier rum. Macht euch bereit. Wenn Sie wiederkommen, müssen wir sofort weg."
Wie einstudiert vernahmen die Seemannen die Befehle und begannen, sehr geschäftigt sich dem Schiff zu widmen.
Die 5 hingegen liefen den steinernen, schmalen Weg den Vulkan hinauf. Die Hitze stieg und stieg und der Rauch vernebelte die Sicht. Die Atmung fiel trotz Tücher vor dem Mund schwer, die Augen brannten ob des Schwefels und liessen Sie vor Schmerz tränen.
Doch je heisser es wurde, je heller das feuerrote Licht in der Asche brannte, umso näher waren Sie.
Der leblose Körper lag dort, die ledernden Schuhe begannen an der Sohle zu schmelzen, während der Lavafluß langsam sich auf ihn zu bewegte.
Asche legte sich auf der Robe nieder, brennte sich in diese hinein.
Das Gesicht vom herumfliegenden Geröll zerkratzt und verwundet.
Eine Hand packte aus dem Rauch hindurch, griff seine Schulter. Eine zweite, eine dritte folgte.
Sie zogen ihn an sich heran und hievten ihn hoch. Sie hatten ihn und liefen von dannen.
Die atmete, sein Körper zuckte. Doch nicht mehr. Wie im Schlafe wurde er getragen, während die 5 Seemänner mit förmlich schwitzender und brennender Haut vor der Lava hinter ihnen flüchteten.
Kein Stolpern, kein ausrutschen. Das würde für alle den sicheren Tot bedeuten.
Brennende Steine pfeiften wuchtig in den Wald hinein, liessen die Bäume in Flammen aufgehen. Doch die Seemänner ignorierten den Schmerz. Die Angst vor dem Tot trieb ihnen das Adrenalin durch den Körper. Sie blendeten alles aus.
Die Lava erreichte das Meer, liess in einem lauten Zischen Dampf emporsteigen.
Der Sand schmolz in sich zusammen, klebte an den Schuhen der 5 Mannen.
Der Steg brannte, knarchzte ob des Gewichts und drohte einzubrechen, als Sie dann das Schiff erreichten und der Kapitän den Arm hob und der Anker gelichtet wurde.
Die Paddel wurden erhoben, die Lava verährtete das Meer, nur Müheseelig und mit einem göttlichen Wind, der die Segel in die richtige Richtung presste, trotzden Sie den Wellen und konnten in der Ferne den Untergang der Insel erblicken.
30 Mann riskierten ihr Leben und ihr Schiff, um ein Versprechen zu brechen, was jeder auf sein Blut ihm gegenüber schwor, während Sie alle, erschöpft und schwitzend, auf den reglosen Körper in der Mitte blickten. Ruhig atmend, seine lange Narbe an seinem Auge, seine schwarzen Haare und die dunkle Robe.
Sie waren Narren, allesamt. Und stolz darauf.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Malena Rosenstein
Beiträge: 1239
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 04:40

Beitrag von Malena Rosenstein »

Seltsam war das Gefühl als er vor ihr Lag auf dem Behandlungstisch. Vier Wochen geschlafen. Es muss ein seltsames gefühl sein, so lange dazuliegen und irgendwie fest zuhängen.
Doch nun war es vorbei. Er war wach, und lebend. Doch was wird geschehen. Er wusste nichts über sich über die Welt, wie ein Kleinkind. Doch Lag er vor ihr, Schlummernd. Doch diesesmal war klar das er wieder erwachen würde.

Oft ist das Leben seltsam und gibt einem schwirige Aufgaben.
Doch konnte man nur wage annehmen das er sich bald errinert. Doch an was wird er sich errinern. An das Erlebte? An die Vergangenheit? Wer er war? Fragen über fragen. Doch eines wusste sie.

Er war Zuhause!
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Wer war ich? Wer ist dieser Mann, den ich in meiner Spiegelung sehe?
Alt bin ich, viele Jahre wandele ich schon auf dieser Welt.
Narben. Überall Narben. Im Gesicht eine besondere, das spürte ich. Doch der restliche Körper war übersät mit ihnen.
Große, dicke Narben. Wie Schwertstiche.
Kleine, feine Narben. Wie Reißzähne, Klingenseiten, Dolche.
Ich scheine viel gekämpft zu haben. Doch warum?
Warum kämpfte ich. Warum wollten soviele Menschen meinen Tot?
Bin ich vielleicht ein Monster? Ein Verbrecher oder gar Mörder?
Wäre mein Tot nur die gerechte Strafung für meine Sünden? Etwas, was die Justiz versucht zu vollstrecken?
Angeblich sei ich ein guter Mensch. Ein Freund, gar wie ein Bruder.
Doch wie könnte ich das jemanden glauben, den ich noch nie gesehen habe. Dessen Gesichtszüge mir nichts verraten.
Es ist ein innerer Instinkt, der mich misstrauen lässt. Als müsste ich alles und jeden mit Argwohn und Vorsicht geniessen. So, als hinge mein Leben daran.
Ich habe Briefe in der Tasche. Einer wurde geöffnet von der Person, dessen Name darauf stand, als ich mich wohl entschied, dem Leben fern bleiben zu wollen.
Was auch immer geschah, was mir wiederfahren ist. Nach dem Brief her wollte ich es so. Doch warum?
Warum entscheide ich mich dafür, zu sterben?
Habe ich verloren und vergessen, was mein Leben dem Sinn nahm, dass ich dies als einzige Möglichkeit sah? Glaubte ich, es ginge der Welt besser ohne mein Dasein?
Es waren noch mehr Briefe. Viel mehr Briefe.
Doch ich wage es nicht, Sie zu öffnen und zu lesen. Es könnte mich erschrecken, wenn nur einer mit Hass oder Zorn geschrieben wurde. Könnte mich erschrecken, wer ich bin....oder mehr, wer ich einmal war.
Sie haben alle einen Empfänger, täglich gehe ich die Namen in meinem Kopf durch....als könnte es mir helfen, mich zu erinnern. Als hoffte ich, ein Name davon wäre ein positiver Eintrag, den mein Geist nicht hätte auslöschen können.
Doch ob Gut oder Schlecht...ich kann mich an nichts erinnern.
Seit meinem Fingerzuck, dem grellen Licht, dem zittrigen Körper und den schmerzenden Augen, der dunklen Sillhouette der Spitzohren um mich herum, ist alles, was davor war, wie ausgelöscht.
Und auch hier kann ich nur vermuten, ich wollte es so.
Mein Geist sollte für immer verschlossen sein. Ich habe versucht, die Elfen vor dem Endringen zu hindern. Davor, ihr Werk zu tun und zu heilen. Ich ging wohl soweit, dass nach und nach Sie vor den Qualen und die Schrecken, die ich in mir trug, zusammen brachen.
Doch wie närrisch hätte ich sein können, zu glauben, ich könnte mit einer Illusion gegen Drei Elfen ankommen?
Wahrscheinlich war ich doch mehr als verzweifelt und klammerte mich an jeden Strohhalm, der mir half, nicht zu leben, nicht aufzuwachen.
Und ich sehe weiter in diese trüben Augen meiner Spiegelung. Stetig an allem Zweifelnd, ob es wirklich Real ist, was mir wiederfährt oder doch nur ein böser Traum.
Doch die Zweifel sollten mich weiter tragen, wenn ich die Briefe nehme und Sie den Empfängern überreiche. Wer weiss, vielleicht hilft es mir, zu verstehen und mich zu erinnern.
Oder aber ich finde doch den von mir erwünschten Tot und den Schrei nach Frieden, wenn nur einer der Personen, dessen Namen ich wieder und wieder in meinen Kopf brülle, den Grund dafür kennt, warum ich sterben soll.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Diese Stille. Nichts hörend, nur spüren. Einige Luftblasen entweichen seinen Lippen, strömen hinauf an die rettende Luft.
Er war nur wenige Sekunden unter Wasser, doch die Stille, die Zeit, sich Gedanken zu machen, mit sich selber versuchend ins Reine zu kommen, kam ihm wie die Ewigkeit vor.
Als würde er die Welt verlassen und an einem dunklen Ort umherschweifen.
Es fühlt sich vertraut an, und dennoch, er erinnert sich an nichts.
Nicht an die großen Steinsäulen, nicht an die langen, kalten Marmorwände.
Auch nicht an das große Tor, was sich vor ihm aufbaut und in seinem Eisen blitzt, als sei es frisch geschmiedet worden.
Haushohe Statuen ragen zu allen Seiten hervor. Krieger in heroischer Positionen, mit Klingen bewaffnet.
Nur eine Statue hat eine Weise, bedächtige Haltung eingenommen.
"Du erinnerst dich an nichts hier oder?", sprach die Stimme, leicht lachend, als die schwarzgekleidete Person hervor trat.
Malachai drehte sich langsam, als er, fast wie in einem Spiegel in sich selber starrte.
Nein, es war doch anders. Sein Gegenüber hatte härtere Züge, seine Augenlider waren müde und trüb. Doch ehe er sich weitere Unterschiede suchen konnte, kam ein lautes, tiefes Gröhlen aus der Eisentür hinter ihm.
"Das ist es. Was ich beschütze. Was die Elfen nicht öffnen sollten. Ja, ich sollte Sterben und das Wesen mit mir. Aber nun...naja...ich musste Improvisieren."
Er drehte sich wieder zu seinem Gegenüber.
"Improvisieren? Du nahmst mir die Erinnerung. Unsere Erinnernung. Das ist kein Improvisieren, dass ich nicht akzeptabel."
Malachais Wut war in seiner Stimme wieder zu erkennen.
"Ich nahm dir nicht gewollt die Erinnerung. Es ist eher...dein Geist, deine Gedanken, das Wissen, was zu tun ist, das bin nun ich. Der Körper, das Leben, das bist nun du."
"Ein tolles Leben. Weisst du wie es ist, in die Exfrau reinzulaufen und erst einmal nicht zu wissen, dass man mit ihr ein Kind hat? Oder Briefe von Personen zu kriegen, die um Hilfe bitten und ich kenne Sie nicht einmal?"
"Ja ich weiss es. Ich sehe, was du siehst. Ich fühle, was du fühlst. Warum glaubst du, passieren gewisse Dinge einfach so? Warum vertraust du einfach blind Personen, die du ja anscheinend nicht kennst? Warum vermagst du es, eine Klinge zu führen?"
Das war ein gutes Argument. Malachai dachte an den Ausritt vor einiger Zeit nach. Es stellten sich ihm Drei Wegelagerer in den Weg. Malachai wollte keinen Ärger, nein, er hatte keine Angst, obwohl er meinte, er müsse Sie haben, und dennoch, gab er ihnen das wenige Gold, das er mit sich führte.
Es war ihnen aber nicht genug, sie wollten alles, was er trug. Ein Umstand, den er nicht mit ihnen teilen wollte.
Als einer heran trat, das Messer gezückt, um ihn der restlichen Sachen zu entlegen, packte Malachai instinktiv nach den Arm, drehte ihn um, ergriff das Messer und warf es auf den zweiten, dessen Blut zwischen seinen Augen herablief und dann tot zu Boden sank. Der dritte stürmte wutentbrannt auf ihn, ein langes Schwert in der Hand, wollte zustechen, doch Malachai drehte abermals an dem Arm des ersten Wegelagerers, der schmerzenschreiend sich wendete und somit einen Schild bot, ehe sein Schrei ächzte und verstummte. Dem dritten reichte ein Tritt ins Gesicht, der Fall mit dem Kopf auf einen Stein erledigte den Rest.
Malachai war an dem Abend erschrocken, blickte nur auf seine Hände. Er hörte so oft, dass er Menschen tötete. Doch die Frage blieb, wieso? War es immer so? Oder tötete er auch wehrlose Menschen, die den Tot nicht verdient hatten?
Welches Recht besass er, darüber zu entscheiden, wer atmete und wer nicht?
"Sie haben alle Recht. Du hast nun die Gelegenheit, neu anzufangen. Alles hinter dir zu lassen, deinen Weg neu zu wählen?"
"Ach ist das so? Und wenn ich das tue und du doch dann wieder kommst. Die Erinnerungen da sind, zu allen Menschen, die wir kannten, liebten und hassten? Denkst du, dann kann man weiter leben? Weiter fühlen, wenn die Gefühle aus vergangener Zeit da sind? Du bist feige, du versteckst dich hier, weil du mit dem Leben nicht mehr klar kommst, anstatt dich diesem zu stellen, versteckst du dich und meinst, eine vermeitlich wichtigere Aufgabe zu erfüllen."
Selbst wenn dieser Malachai oft wie ein naives Kind wirkte, stand er seinem geisten Gegenüber gestärkt und würdevoll gegenüber.
"Was IMMER auch dahinter sein mag. Es ist nichts, was wie beide nicht töten könnten. Es gibt einen Weg. Immer. Und der muss nicht damit enden, dass wir sterben oder die Erinnerungen opfern, die aus uns das gemacht haben, was wir sind."
Es war wie eine Schlange, die sich um seinen Hals zog. In nur einer Sekunde war er wieder unter Wasser, mehr und mehr Blasen fanden den Weg hinauf, als er die Augen aufriss und den Kopf aus dem Waschbecken hob, ringend und keuchend nach Luft.
Als die Atmung sich beruhigte, striff er die Haare aus seinem Gesicht und blickte in den Spiegel, blickte in sein eigenes Gesicht.
"Wir können es schaffen. Das weiss ich. Wir schaffen alles."
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Die ersten Sonnenstrahlen erreichten gerade die Häuserwand, als Malachai schon am Fenster stand und auf den frischen Tau an der Eiche blickte, der langsam hinab tröpfelte.
Er dachte viel nach, zog sich mehr und mehr zurück. Die Angst davor, jede Entscheidung könnte nachhaltige Konsequenzen mit sich ziehen, bestimmte förmlich sein Leben. Als wäre die ganze Welt aus Glas und würde in seinen Händen zerbrechen.
Und wieder sah er in den Wäldern diesen großen Schatten, der langsam auf Vier Beinen umher striff, den Schweif dabei von Links nach Rechts und zurück baumeln liess.
Malachai hielt den Blick aufrecht, ehe er zur Tür ging und hinaus trat.
Es war frisch, der kühle Wind liess seine zerzausten Haare tänzeln, als er zur schemenhaften, großen, schwarzen Gestalt rannte.
Sie bewegte sich, sie flüchtete nicht, nein, sie trabte einfach davon.
Malachai rannte ihm nach, schneller und schneller werdend. Er hatte es schon oft erblickt, bemerkt, dass ein Tier ihn verfolgen würde. Aber er stempelte es als Hirngespinst ab. Tiere waren in seinen Augen dumm, sie folgten nur ihren Instinkten und liessen sich trainieren. Doch nichts anderes tat Malachai gerade: er folgte seinem Instinkt.
Irgendwann kam er auf eine Lichtung, in der Mitte stand das schwarze Ross, den Kopf edelmütig erhoben, sein Fell glänzte im Sonnenlicht, ein leises ausschnaufen.
Es fühlte sich an, wie eine Verbindung, als gehören sie zusammen. Nicht wie ein Ehepaar, nicht wie eine Familie, nein, wie Leidensgenossen und Gefährten. Als wäre dieses Wesen das einzige, dem er ewig und blind vertrauen könnte.
Malachai trat auf ihn zu, legte seine Hand an seinen riesigen Kopf und als er das weiche Fell zwischen seinen Fingern spürte, schoss es ihn in den Kopf.
Bilder, von Wilderern, die einen jungen, schwarzen Mustang einfangen wollten, wie sie klingen spürten.
An eine regnerische Nacht, wo Blut dem Pferd hinabtröpfelte, als es seinen sterbenden Begleiter auf dem Rücken Heim trug.
An einem Sonnentag, wo es sich aufbäumte, schützend vor einem kleinen Jungen gestellt war und eine dunkle Gestalt mit einem Rabenstab mit den Hufen weggetreten hat.
Malachais Kopf lehnte an der langen Stirn des Pferdes, dessen Kopf nun gesenkt war. Seine Hand strich an den Seiten entlang, leise, ruhig sagte er: "Schattenhuf, mein Freund....endlich bist du wieder da."
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Wie lange war er eigentlich auf Reisen? Er hatte schon aufgehört, die Tage, Monde und Jahre zu zählen. Einzig die Briefe zu Malena erinnerten ihn daran, dass er eine Heimat hatte. Einen Ort mit Menschen, die ihm wichtig waren, die seine Familie bildeten. Und die er zurück liess.
Er setzte immer die Prioritäten auf seine Aufgabe, auf sein Lebenswerk, wie er glaubte, dass er es bald beenden könnte, mit dieser Bürde abschliessen und dann einfach nur noch er sein könnte. Einfach nur noch Malachai.
Der Zwischenstopp in jener Heimat war eine Wohltat. Die Sehnsucht trieb ihn so sehr dahin, dass er gehen musste, um seine Konzentration zu behalten. Einfach eine Auszeit von all dem Leid, Verderben...dem Blut an seiner Rüstung, dem Dreck an seiner Klinge. Den angeschwollenen Händen, den vernarbtem Körper.
Malenas Freude spiegelte nur wieder, wie sein inneres pochte und Salti schlug. Als sie zu ihm angerannt kam, ihn die Arme sprang. Sie zu spüren, ihre Lippen zu berühren. Es war, als wäre all die Zeit in einer Sekunde entschwunden, als wäre er nie weggewesen.
Soviel war passiert, soviele fremde Gesichter, die er kennen lernen sollte. Jemand, der nun mit ihnen vorerst das Haus teilte. Die Katze alleine wäre Malachai wohl lieber gewesen, aber er wollte weder Ansprüche stellen, noch irgendeine Entscheidung von Malena in Frage stellen. Er wollte die kurze Zeit einfach nur geniessen.
Es war schön alte Bekannte wieder zu sehen....Torjan, der noch immer durch das Hospital streifte. Doch auch ein unerwarteter Besuch. Eine fixe Last, geboren aus seiner Sturrheit, fiel hinab wie eine Rüstung ohne Schnallen.
Als Selina dort stand, sich zu erkennen gab, vergas Malachai seinen Zorn, den Streit, irgendwelche Glaubensfragen oder Götter. Er schloss sie einfach in den Arm und wollte nicht diskutieren, nicht über irgendetwas reden. Er wollte frieden, er wollte nur, dass sie wieder ein wichtiger Teil seines Lebens ist...das sie weiss, dass sie es immer war und immer sein wird. Egal was ist, egal, ob sie doch irgendwann einander die Klingen an den Hals halten...sie....wie auch Arsen. Defizite existieren, Taten und Worte fielen...jeder hat etwas zu bereuen. Doch den ersten Schritt, gemeinsam, aufeinander zuzugehen, ist ein wichtiger Anfang.
Doch auch die neuen Gesichter waren eine wohltat kennen zu lernen.
Neralon....irgendwie behauptet jeder, er sähe aus wie ein jüngeres Abbild von Malachai. Malachai würde dem nie zustimmen. Götter...noch ein zweiter von ihm? Das könnte er wohl nie ertragen.
Und dann war da Tybald. Er wohnte nun dort, wo seine Geliebte Malena wohnte. Ja, Malachai ist eifersüchtig. Doch wenn er sie zeigt, dann, weil er es will.
Er vertraut Malena, er vertraut ihren Freunden und trotzdem....es ist nur Fair, dass sein Gegenüber weiss, woran er ist. Ja, er provozierte ihn, er bedrohte ihn. Sicher, viele denken, er würde über die Stränge schlagen....Neralon erhob sein Wort, dass Drohungen nicht nötig wären...doch in so einer Situation, dass wusste der Schattenlord, sind die Menschen wie Tiere in eine Ecke gedrängt und fahren dann die Krallen aus, zeigen ihr wahres Gesicht. Mehr ist es nicht...mehr soll es nicht sein.
Malachai droht nicht um des Drohen willens. Er will eigentlich einem wahren Feind nicht zeigen, was ihm erwartet. Doch einem Bekannten...oder sogar einem Freund, entlockt man so sein inneres Tier. Erkennt, wozu ein Mensch fähig ist.
Sicher hat sich Malachai nicht beliebt gemacht an diesem Abend. Doch das wollte er auch nicht...er ist nicht der Mensch, der von anderen bewundert wird...eigentlich ist er sowieso nicht der gesellige Charakter. Wenn die Situation es aber nun erfortern, weiss er aber nun seine Malena in guten Händen. Und das treibt ihm ein Lächeln ins Gesicht.
Stimmen ertönen, reges Treiben ergibt sich auf dem Schiff, das Segel wird eingefahren und die Matrosen rennen umher.
Ja, er war wieder auf Reisen....nicht gewollt, aber vielleicht jetzt gerade der beste Zeitpunkt. Kein Kampfeinsatz, keine wichtige Mission. Einfach nur etwas, was er klären muss...jemanden Besuchen, den er hätte schon vor so langer Zeit besuchen sollen.
Malena war voll und ganz in ihrer Planung für den Ball vertieft und Malachai merkte, dass er nur ablenken würde...zudem...mochte er es nicht, ihr etwas zu verheimlichen. Und das tat er gerade. So sehr, wie er es vielleicht noch nie tat.
Nunja, es kam ihm selber wie ein Schlag ins Gesicht. Man sass in der Taverne, trank mit einem alten Freund und seiner Beinahe-Verlobten. Sprach miteinander und lernte sich kennen.
Erst ein Name...dann, woher man komme. Man kennt den Ort aus der Vergangenheit, war dort einst als Jungspund für eine kurze Reise dort. Dann der Zuname, dann der Name der Mutter, Details über den Vater, dem sie nie kannte...ihr Alter...und wenn er eins und eins zusammen zählte, wenn er sie genauer bemusterte, ihre Haare, ihren Blick, die Wangenknochen...ja...man erwartet nie, in einer Taverne zu sitzen und zu merken, dass diese erwachsene, junge Frau die eigene Tochter ist.
Wie erzählt man nur soetwas? Keylon behielt recht, man dürfe ihr es nicht verschweigen. Doch die Wahrheit haute sie im wahrsten Sinne des Wortes um.
Und trotz allem...war er doch stolz. Ihre Mutter blieb immer in seinem Herzen, war immer in seiner Erinnerung. Hätte er nur gewusst, dass er ein Kind hätte....Malachai weiss nicht, was sie denken musste....aber er wäre zurück gekommen...wäre ihr ein Vater geworden.
So wanderte er, nachdem das Schiff anlegte, durch die Stadt. Es dauerte noch einen halben Tag, ehe er Birkenbach erreichte. Verschlafen wie eh und jeh, hatte sich in 20 Jahren wenig geändert.
Er erkannte ihr Haus...dort, wo die Väter vor langer Zeit geschäfte tätigten und er nur wie eine Last dabei war. Und dennoch traf er sie dort. In ihrem roten Kleid saß sie auf der Schaukel an der Eiche, wippte hin und her.
Malachai war damals recht schüchtern, so machte sie den ersten Schritt auf ihn zu, streckte die Hand aus und stellt sich vor: "Hi, ich bin Kalista....wer bist du?"
Malachai würde nicht von Liebe sprechen...er glaubt heute noch, dass sie dafür zu jung waren.
Einige Schritte weiter sah er die Reste einer Steinmauer, überdeckt mit Klee. Hier gab es den ersten Kuss. Eigentlich kam dies mehr aus einer Wetter...oder Provokation heraus. Kalista und er neckten sich ständig. Und irgendwie, glaubte Malachai, es wäre eine Bestrafung für sie, würde er ihr mit einem Kuss drohen. Eine sehr plumpe Anmache, denkt er sich im nachhinein. Doch es funktionierte. Aus einem Kuss wurden mehrere, aus dem Raumalbern wurden schöne, intensive Stunden. Selbst wenn beide wussten, dass es nur für einige Wochen wären, dass Malachai dann abreisen würde, genossen sie unbeschwert die Zeit. Sie beide hatten es nicht leicht unter ihren Eltern...für Malachai eher Ziehvater....wohl etwas, dass sie mehr miteinander verband, da sie sich verstanden und sich so die Geborgenheit gaben, die sie brauchten.
Sie waren gerade einmal 16 Jahre jung...und trotzdem für ihr Alter schon sehr reif. Sie mussten früh lernen, was es bedeutet, auf eigenen Füßen zu stehen....bedenke man, dass nur wenige Zeit später Malachai seinen Ziehvater erschlug, war dies vielleicht die letzte, schöne Zeit seiner Jugend, ehe er sich mit den Gefahren des Lebens auseinander setzte.
So kam er am nahen Fluß vorbei...an den Wiesen mit den Sonnenblumen und zuletzt die Scheune...dem Ort, an dem beide sich ihrer Zuneigung hingaben...der Ort, so dachte Malachai nun, an dem Adelena gezeugt wurde.
Er organisierte einige Kerzen, Decken vom nahen Stall, die ein wenig nach Pferd rochen, stibitzter Kuchen von Kalistas Mutter, die immer noch glaubt, es wären die Vögel gewesen und ein wenig Wein. Es war der Abschluss seines Besuches, beide wussten, am nächsten Tag, würde er abreisen und sie versprachen sich, zumindest nie einander zu vergessen.
Und das Tat er auch nie. Nicht eine Sekunde.
Und dann sah er sie, die kleine Kirche des Dorfes. Um ihr herum ein Haufen Grabsteine. Große, imposante, die manchmal die Form eines Gegenstandes hatten, aber auch einfache, kleine Runde.
Er musste nicht lange suchen, als er den von Kalista Bergon fand. Direkt neben ihren Eltern.
Malachai legte seine Waffen ab und holte eine Flasche Wein hervor. Erst legte er die Blumen, die er den ganzen Tag in der Hand hielt, vor dem Grabstein ab, dann wanderte die Hand über dem Schriftzug, ein leichtes Lächeln, antwortete er sanft: "Ich bin wieder zurück Kalista."
Es dauerte einen Moment, ehe Malachai die Weinflasche öffnete und sich vor dem Grab auf den Boden setzt.
Er nahm einen großen Schluck, schwieg erst einmal eine Zeit.
"Ich habe deine Tochter kennen gelernt....unsere Tochter."
Malachai entglitt wieder ein Lächeln.
"Sie ist großartig...ich kenne sie zwar kaum...doch du hast sie richtig erzogen. Sie ist eine wundervolle, junge Frau geworden. Nunja, ihr Männergeschmack lässt zu wünschen übrig...aber sie ist verlobt und könnte es schlimmer treffen."
Abermals ein großer Schluck, gefolgt von einem Lachen.
"Sie hat deine Augen und meine Haare...ich glaube, wir können froh sein, dass sie doch mehr nach dir kommt als nach mir."
Dann wird der Blick ein wenig ernster, trauriger.
"Warum hast du nie etwas gesagt? Einen Brief? Nur irgendeine Nachricht. Es wäre mir egal, was mein missratener Ziehvater gedacht hätte. Du hättest diese Bürde nicht alleine tragen müssen. Ich hätte Verantwortung übernommen und notfalls wären wir beide entrissen mit unserer Tochter. Ja...es war uns klar, dass nach der Zeit wir uns wohl nie wieder sehen würden. Doch nur, weil wir dachten, dass, was uns verbindet, entreisst mit dem ersten Schritt von dir fern. Ich hätte mich um Adelena gekümmert...und um dich....Verdammt Kalisa....", nun wird seine Stimme lauter, zorniger, ein wenig Wein schwappt über dem Flaschenhals. "Ich hatte ein Recht, es zu erfahren....und sie auch."
Malachai atmete tief ein und aus, noch einen Schluck, ehe die Hand durch sein Gesicht und die Haare glitt.
"Es tut mir leid....ich bin mir sicher, dass dir das auch bewusst war. Und ich kann nur erahnen, was du durchgestanden hast. Was du alles tun und erdulden musstest, damit du unser Kind behälst. Ich bin mir sicher, du hast mehr als einen Brief angefangen zu schreiben und dann doch wieder verworfen und in den Flammen des Kamins erstickt. Du warst begleitet von Angst....Angst, dass du vielleicht herausfindest, dass der Mann, der dich liebte und den du liebtest nur eine Illusion wäre und ich dich verächtlich verstossen hätte....verständlich, wir kannten uns nicht gut genug. Und ich bin eigentlich nur hier, um dir zu sagen, dass du dich irrst...ich wäre der gewesen, den du deine Tochter beschrieben hattest. Und ich bin hier...um dir zu danken. Für alles...dafür, dass du sie so gut erzogen hast...dafür, dass du für sie eine tolle Mutter warst. Für deine Stärke, die du in deinem Leben bewiesen hast. Ich denke zwar, es wäre besser für Adelena, würde sie fern von mir sein. Ich weiss nicht, ob du mein Leben und meine Vergangenheit kennst, aber ich bringe oft Menschen, die mir wichtig sind, in Gefahr. Doch auch hier klingelt deine Stimme in meinem Kopf, der mir die Selbstzweifel wie damals nehmen wird, als wir sehr jung waren und ja...es ist wohl Schicksal, dass ich ihr über dem Weg lief. Ich will ihr ein Vater sein...selbst wenn sie keinen mehr braucht, gerade ihr eigenes Leben lebt und ihre eigene Familie gründet, will ich für sie da sein, wann immer ich es kann. Sei es für einen guten Rat, eine Schulter zum ausweinen oder eine Umarmung. Ich verspreche dir, Kalista, ich werde meine Pflichten unserer Tochter sehr ernst nehmen und sie auf ihrem weiteren Weg so gut behüten und beschützen, wie du es einst tatest."

Malachai saß noch Stunden, später am Grabstein gelehnt, mit der Weinflasche dort und sprach mit dem Grab über die Vergangenheit, die Zukunft und all die schönen Momente, die er nie in seiner Erinnerung verlieren würde.
Zuletzt geändert von Malachai Schwarzmourne am Montag 18. Januar 2016, 18:53, insgesamt 1-mal geändert.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Die Zeit verging wie im Fluge, als die Nacht hereinbrach und Malachai, noch immer an den Grabstein gelehnt, gen Himmel starrte.
Er sprach die ganze Zeit seinen Monolog mit der toten, begrabenen Mutter seiner Tochter. Doch nun erhob er sich, wischte sich das feuchte Gras von der Kleidung, setzte den Korken auf die nun leere Weinflasche und steckte sie wieder in seine Tasche.
"Ich muss nun etwas erledigen.", wieder legte er die Hand auf den kühlen Stein. "Ich werde dich aber bei Zeiten wieder besuchen. Versprochen."
Dann wandte er sich um, umschlungen von der nun herrschenden Dunkelheit. Was er nun tun würde, würde Kalista sicher nicht gut heißen und selbst wenn Malachai keinen Zweifel hatte, dass Adelena seine Tochter sei, ist er doch ein Mann der Gewissheit. Er will sich stetig absolut sicher sein, dass er nicht doch einen Fehler begeht, der am Ende vielen Menschen Leid zufügt.
Er wusste genau, wo er die Antworten finden würde. Bei so einem kleinen Dorf gab es meist nur eine Person, die bei der Geburt als Hebamme helfen konnte und diese Frau lebte nicht weit von Birkenbach entfernt. Sie besass ein riesiges Anwesen aus Holz, um diesem herum war ein Spielplatz. Sie nahm elternlose Kinder auf, die durch die Welt streiften und entweder von Wachhabenden oder anderen Personen aufgegriffen und zu ihr gebracht wurden. Ja, es war ein Kinderheim und als Malachai es das erste mal sah, war er neidisch auf die lachenden Kinder.
Sie verloren zwar ihre Eltern...doch er wusste zu gut, wieviel schlimmer es dadurch werden könnte.
Sie waren dort geborgen und behütet, bekamen Mahlzeiten und genossen eine gute Erziehung, auf das sie bei Vollendung eines gewissen Alters in die Welt hinauszogen.
Und die Hausherrin war sehr akribisch, was ihre Unterlagen und Aufzeichnungen anging.
Malachai lernte sie während seines Aufenthalts in Birkenbach kennen. Sie ging oft durch das Dorf, sprach mit allen Kindern und jungen Mannen wie Frauen und erweckte natürlich interesse an diesen kleinen, in schwarz gehüllten Kerl, der sich soviel mit Kalista abgab.
Sie stellte viele Fragen, doch war nie unhöfflich und es dauerte zwar seine Zeit, doch dann verriet Malachai ihr auch seine Lebensgeschichte, dass er nicht wusste, wer seine Eltern waren und das er von seinem Ziehvater, der ihn so verabscheute, großgezogen wurde.
Malachai beharkte es sehr, nun in jenes Anwesen, welches Kindern Schutz und Sicherheit gab, einzubrechen. Doch er brauchte die Informationen und es schien schon seit einigen Jahren nicht mehr von Kinderlachen erfüllt gewesen zu sein.
So öffnete er behutsam das Fenster, strich es nach oben und war sehr darauf bedacht, weder Schaden anzurichten noch Dreck unter seinen Stiefeln hinein zu tragen.
Er blieb stehen, verlangsamte seine Atmung auf das nötigste und lauschte, ob irgendein Geräusch seine Entdeckung ankündigen würde.
Doch nichts.
So ging er weiter, inspizierte vorsichtig einen Raum nach dem anderen, bis er so etwas wie ein Arbeitszimmer fand.
Neben dem Schreibtisch an der einen Wand, war die andere Seite gefüllt mit etlichen Pergamentrollen.
Ein riesiges Chaos für die, die sich in diesem nicht zurechtfinden würden. So wie für Malachai.
Er zog vorsichtig ein Pergament hervor, entrolle es und lass eilig im Lichte des Mondscheins.
Namen, Name des Vaters, Name des Kindes, Geburtstag, Gewicht, Größe, Haarfarbe....die Details stimmten, aber das war nicht die Rolle der Person, die er suchte.
So zog er weiter und weiter Rollen hervor....Marian....Anveena....Inarius....Rafael....alles Personen, die die alte Frau bei der Geburt ihres Kindes geholfen hat. Es schienen fast Tausend zu sein in den letzten 60 Jahren. Ein Umstand, der die suche nicht erleichtert.
Dazu diese Dunkelheit....
Als Malachai das dachte, entzündete sich hinter ihm ein Licht und ein räuspern war zu hören.
Er senkte resignierend den Kopf.
"Haben denn Einbrecher heutzutage keinen Anstand mehr? Oder was sagen sie Herr Schwarzmourne?"
Er drehte sich langsam um. Vor ihm, mit ihren Krügstock bewaffnet und darauf abstützend, auf der anderen Hand die Laterne vor sich gestreckt haltend, sah die alte Dame noch genauso aus wie vor 20 Jahren. Gut, sie schien gebrechlicher, ihre Haar war nun vollends ergraut, doch der strenge Blick durchbohrte ihn fast wieder.
"Entschuldigt werde Dame. Es war so spät und..."
"Spar dir deine Entschuldigungen. Du bist ein Rabauke und warst es auch schon immer. Mit dem Kopf durch die Wand sagte ich einst schon. Also setz dich, ich mache dir einen Tee."
"Ja werte Dame."
Malachai nickte, folgte ihr an einem Tisch und setzte sich brav hin.
"Wie habt ihr mich erkannt? Es sind ja gut 20 Jahre her."
Das heiße Wasser wurde durch den Guss durch die Kräuter in die Tasse gespült und mit einem Service sowie einigen Keksen vor ihm auf den Tisch gestellt.
"So schwarze, fast leuchtende Haare habe ich nur zweimal in meinem Leben gesehen. Und da du ein Kerl bist, war es klar. Zudem verrät deine Narbe dich auf einen Kilometer entfernung."
Malachai nickte und überlegte. Er stand eigentlich mit dem Rücken zu ihr. Ihr scharfsinn mag beispiellos sein. Doch auch er war nicht mehr der naive Junge von damals.
"Ihr habt mich auf dem Friedhof an Kalistas Grab gesehen. Richtig?"
"Richtig.", nun lächelte sie abermals.
Ein nicken, ein seufzer von Malachai. Er hätte doch einfach anklopfen sollen, als er die Teetasse mit den Händen umschlung und einen Schluck davon nahm.
"Ich weiss, warum du hier bist.", sprach sie, als sie sich neben ihm setzte. "Und ich finde, du bist sehr spät dran."
Malachai blickte auf, einerseits fragend, andererseits überrascht.
"Kalista....und vor allem Adelena waren damals für mich ein Rätsel. Ich dachte mir schon, dass du der Vater bist. Wieder diese Haare, die ich dann ein zweites Mal sah, als sie bei Adelena anfingen zu wachsen. Aber bestätigen wollte es Kalista nie. Sie schwieg, selbst wenn ich genau wusste, welche jungen Männer zu der Zeit der Empfängnis in unserem Dorf waren. Die Auswahl ist so erschwindend gering, dass ich mir schwerlichst vorstellen konnte, dass es der Sohn vom Bauerntrottel, noch dieser komische Kauz, der Frauenkleider trug, war."
Malachai musste unwillkürlich lachen. Lustigerweise stellte er sich die selbe Frage auf der Reise hierher.
Die alte Dame erhob sich, verliess für einen kurzen Augenblick das Zimmer und trat dann mit einer Pergamentrolle herbei.
"Hier ist sie...die Geburtsurkunde von Adelena. Doch du siehst selber, es ist wie ein Rätsel."
Malachai nahm und entrollte sie. Vorsichtig las er erst den Namen, Namen des Kindes, Geburtstag und alle weiteren Details, bis er auf den Namen des Vaters stiess und langsam seine Augen von Links nach Rechts wandern liess.
"Name des Vaters: Julius von Juckstein."
Nochmals lass Malachai den Namen. Wieder und immer wieder, bis er dann in ein herzlichstes Lachen ausbrach.
Die alte Dame blickte verdutzt und verlor für eine Sekunde ihre Strenge in ihren Wangen.
"Ich vermute, ihr könnt das Rätsel lösen und mir sagen, ob ihr oder wer anderes der Vater seid?"
Malachai legte die Pergamentrolle zur Seite, wischte sich über die Augen und nickte.
"In der Tat, dass kann ich. Ich weiss, wer Julius von Juckstein ist."
Nun legte sich Spannung und Neugierde in das Gesicht der Hauswärterin.
"Und wer? Bist du es?"
Malachai grinste aus dem ganzen Gesicht, wie ein kleiner Bub, der sich voll in Schokolade gewälzt hatte.
"Ja, ich bin es. Das bin ich."
"Aber wieso der Name?"
Malachai beugte sich näher heran und schmunzelte.
"Als wir damals unsere Eltern beklagten, unsere Lebensart, stellten wir uns einfach vor, wir würden beide abhauen, irgendwo ein neues Leben beginnen. Mit neuen Namen, neuen Identitätem. Wir alberten rum und stellten uns vor, was wir tun könnten. Ich, ein einfacher Landwirt, sie eine Schneiderin oder Köchin...wir sponnen immer weiter und sagten, wir könnten auch zum Adel gehen, uns falsche Dokumente pressen lassen. Daraufhin sagte sie dann, ich wäre Julius von Juckstein, weil ich mich immer an meinem Bein kratzte und ich gab ihr den Namen Katharina von Krätze, da ich die von ihr wegen des Juckens haben müsste."
Er schmunzelte weiter und war sich nun bewusst, er war der Vater. Kalista hatte stetig gesagt, wer er war, doch niemand konnte etwas mit dem Namen anfangen ausser sie beide. Ein Geheimnis, das nur sie verband und wo sie wüsste, würde er es einst lesen, wäre ihm klar, er ist der Vater.
Die alte Dame lächelte freudig und legte ihre Hand auf seine. Das glückliche Lächeln wurde erwiedert.
Sie sprachen die ganze Nacht, der Tee wurde noch einige Male frisch aufgesetzt. Malachai erzählte ihr, was er bisher von Adelena wusste, die alte Dame widerrum sagte ihr alles, was sie von Kalista, Adelena und ihren Eltern mitbekommen hat.
Natürlich gab es auch warnende Worte an den frischgebackenen Vater. Worte, die Malachai wohl ebenso an sich selber geben würde. Verantwortung übernehmen, was es heißt, für eine junge Frau als Vater dazu sein. Und natürlich auch, dass er sie aus seinem anderem Leben hinaus halten sollte.
Sie schien mehr zu wissen, als er ursprünglich dachte. Es fielen oft ungewollte Anmerkungen zu seiner Herkunft, zu dem, was er ist und einst war. Sie schien, soviel hörte er heraus, zu einer gewissen Zeit einige aufgenommen zu haben, dessen Eltern umgekommen sind. Wie ein Massenmord, den Malachai als Säugling selbst erlebte und die Narbe als Zeuge dessen auf seinem Gesicht liegt.
Der Morgen brach an, er musste nun zurück zu seinem Schiff. Doch ehe Malachai ging, bedankte er sich. Er sah ihr das Alter an, sah ihr an, dass sie doch unzufrieden mit dem war, was sie erreichte. Sicher, sie schenkte vielen Kindern ein normales Leben. Doch ihr Erbe stand nun hier, das Haus wurde brüchig, sie war zu schwach, um nur ein Kind zu behüten und es zerfrass sie innerlich auf. Malachai wird ihr helfen. Er versprach es als Dank für all das, was sie tat. Er wusste schon wen und würde eine junge, engagierte Frau schicken, der sie alles beibringen könne, auf das sie ihr Werk fortsetzen mag. Die Kinder haben es verdient.
Die kleinen Läden öffneten gerade ihre Türen, der Betrieb auf dem schlammigen Gehwegen nahm seinen Lauf. Man grüßte sich zum morgen und wunk dem einen oder anderen zu. Malachais Magen grummelte und er blickte zur nahen Metzgerei, dessen Fenster mit leckeren, frischen Fleischspeisen aufwarten konnte.
So zuckte er die Schulter und beschloss, noch etwas zu essen. Und wenn er schon einmal dort wäre, könne er sich gleich seinen Pflichten als Vater widmen.
Ihm sind die Geschichten nicht entgangen, er fragte sich auch nicht, ob die alte Dame wusste, was sie damit anrichten würde oder vielleicht bewusst den Grund für Adelenas Abreise Malachai erzählte, damit er sich darum kümmert. Doch während der Sohn des Metzgers seinen Kopf im Trog voll Blut trank, mit den armen Fuchtelnd und um sein Leben fürchtend, genoss Malachai die frischen Würste, die er sich aus der Theke nahm und mit der freien Hand genüßlich zu sich nahm. Er würde ihn nicht umbringen...sicher, es wäre einfacher...aber nein...der Metzgersohn bekommt eine Erinnerung serviert, die er ein Leben lang tragen wird und ihn daran erinnert, dass man niemals mit den Gefühlen einer Tochter spielen sollte...vorallem nicht, wenn der Vater Malachai hieß.
Als er dann fertig war und seine Hände abwischte, reiste er gen Hafen, um dann auf den Weg zurück nach Adoran zu sein. Als erstes, stand ein Gespräch auf dem Plan....er musste es nun Malena sagen.
Zuletzt geändert von Malachai Schwarzmourne am Dienstag 19. Januar 2016, 16:36, insgesamt 1-mal geändert.
[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/6f34ff-1435746730.gif[/img]
Benutzeravatar
Selina Talmar
Beiträge: 457
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Selina Talmar »

Lange hatte sie mit sich gehadert, doch schließlich siegte die Ungewissheit. So kam es dass sie sich vor den großen Spiegel setzte und zu den Tiegeln und Schwämchen griff, die vor ihr standen. Mit geschickten Fingern verwandelte sie das strahlende, vielleicht etwas magere Gesicht einer gesunden Frau in ein blasses kränklich aussehendes. Die langen blonden Haare wurden zu einem Zopf gedreht und mit wenigen Nadeln eng an den Hinterkopf gesteckt. Zu letzt nahm sie eine der Perrücken, eine rote wilde Lockenmähen, zur Hand und binnen Sekunden waren die blonden Locken verschwunden.
Zufrieden mit ihrem Aussehen wand sie sich dem Schrank zu. Ihre Schwägerin machte sich gerne lustig über die Ausmaße dieses Schrankes, aber es gab mehr als genug gute Gründe, warum dieser Schrank soviel Kram beherbergte. Wahllos nahm sie etwas aus dem Schrank und zog sich um. Peniebel darauf bedacht, dass nur das nötigste von ihrer Haut zu sehen war. Zuletzt folgten die enganliegenden Handschuhe. Das Kleid umschmiegte zwar eng ihre Gestallt, aber sie war sich sicher, dass es nicht mit ihrer anderen Erscheinung in Verbindung stand. Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel zeigte ihr eine blasse, kränkliche, Frau, die in den schweren Stoffen des Gewandes nicht nur zierlich sondern fast schon mager wirkte. Zufrieden lächelte sie und ging dann zur Haustür. Kurz sah sie sich nach den Wachen um. Zwar konnte sie ihr aussehen gut erklären, aber ihr war es lieber, keine unnötigen Begenungen zu haben. So huschte sie schnell durch die Gassen und dann zum Hafen. Dort zog sie zum Schutz vor der Kälte und dem Wind die Kapuze tief ins Gesicht und bestieg ein Schiff. Dem Kapitän wurde wortlos ein Beutel Gold in die Hand gedrückt. Er öffnete ihn begieirg und endeckte einen Zettel auf dem ihr Ziel stand. Er musterte die Frau kurz nickte dann aber und ließ die Taue lösen. Es war eine kurze Überfahrt und so unauffällig, wie sie aufs Schiff ging verließ sie es am Ziel wieder.
Als sie den Fuß auf den Boden Adorans setzte huschte der Blick schnell über den Hafen und die Makse wurde hustend vor das Gesicht gezogen. Sie kannte den Weg auswendig und so konnte sie auch schwankend und hustend ohne Probleme an ihrem Ziel ankommen.
Vor der Tür straffte sie sich und betrat selbstbewusst den Raum. Sie hielt sich zuerst im Hintergrund auf um zu sehen, wer im Raum anwesend war. Fast wäre sie rückwärts wieder hinausgetaumelt, als sie ihn dort sitzen sah. Ihn, dem sie soviel an den Kopf geworfen hatte, von dem sie nicht weniger hatte einstecken müssen. Doch sie hatte sich verraten und war gesehen worden. So konnte sie auch weiter hineingehen udn die Anwesenden begrüßen. Sie war sich ziemlich sicher, dass er sie nicht erkennen würde, solange er ihr nicht in die Augen sah. Wieder einmal verfluchte sie still, die Tatsache, dass jede noch so gute Verkleidung durch ihre Augen zunichte gemacht werden konnte. Aber sie konnte es nun mal nicht ändern.
Sie scherzte etwas auf seine Kosten, bis Malena sie beide mit in den Keller schleifte. Und sie aufforderte alles beizulegen. Selina sah sie mürrisch an. So wollte sie nicht entarnt werden. Doch einem Impuls folgend, umarmte sie ihn, der solange ein Teil ihres Lebens war. Fast hätte sie laut losgelacht, als sie seinen verwirrten Gesichtsausdruck sah. Doch sie beherschte sich und zog lediglich die Perrücke ab und beobachtete ihn. SIe wollte sehen, wann ihn die Erkenntnis traf, wer da vor ihm stand.
Sie sah es und im nächsten Moment fühlte sie seine Arme um sich geschlungen. Sie hatten das Kriegsbeil begraben ohne Worte. Doch auch er merkte, dass es damit nicht wirklich getan war. Doch Zeit zum reden hatten sie nicht. Sie gingen wieder nach oben und nach kurzer Zeit und ein paar Scherze und versteckten Warnungen, verließ sie eilig das Haus und die Stadt.
Schon unterwegs wischte sie die Schminke aus dem Gesicht und verstaute sorgfältig die Perrücke in ihrer Tasche. Ganz normal trat sie wieder durch dieTore und in ihr Haus ein.
Tage vergingen mit Grübeln und vielen unbeantworteten Fragen und wurden zu Wochen. Erst als der Schnee weitestgehend geschmolzen war, hatte sie einen Entschluss gefasst.
Kurz danach werden Malenas Nachbarn ihr berichten, dass eine kränklich aussehende Frau sie gesucht hat und auch in ihrem Garten gewesen ist. So Malena oder Malchai das Haus betreten, werden sie sofort sehen, dass jemand im Haus war. Zwar ist das Schloss unbeschädigt, aber der Boden weist einige Stiefelabdrücke auf. Die Küche wirkt etwas unordentlich, so als habe jemand etwas gesucht. Doch es wird nichts fehlen. Doch sollte das dazu führen, dass sich beide genauer im Haus umsehen. Auf dem Tisch findet sich dann fast durch das Tablett verborgen ein versiegelter Brief.
Zuletzt geändert von Selina Talmar am Mittwoch 3. Februar 2016, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten