Das lange schwarze Haar floss in weichen und ungeordneten Wellen den Rücken hinab als die Tänzerin auf dem Stein sitzend die bloßen Füße ins Wasser tauchte. Das Meer mit seinen unendlichen Versprechen und Geschichten flüssterte ihr seine eigene Weise zu als die Gedanken sich auf Wanderschaft begaben. Auf dieser Insel gab es keine Sicherheit, nur niemals in der Wachsamkeit nachlassen.
Freiwillig war sie zu den Haien ins Wasser gestiegen um mit ihnen zu schwimmen, wobei rasch gelernt hatte sie nicht zu berühren. Die Haut dieser Fische ist wie diamantbesetzter Schleifstein. Der flüchtigste Kontakt reißt die Hände auf, das Blut lockt dann die Jäger umso mehr an und ehe man es sich versieht schwimmt man um sein Leben. Nein es war nicht opportun ihnen zu nahe zu kommen. Ganz und gar nicht. Vor allem nicht wenn zwei davon versuchen den gleichen Schwarm Sardinen zusammen zu treiben und Beute zu machen. Solange sie auf Abstand blieb, dem Treiben nur folgte und ab und an ihnen einen Fisch ins Maul scheuchte würde sie einen Happen hingeworfen bekommen. Und selbst überleben.
An Land wurde die Lage übersichtlicher, wenngleich auch nicht besser. Der Wolf mit seinem hypnotisierenden Blick striff in ihrer Nähe umher und schien eine verheißungsvolle Witterung aufgenommen zu haben. Die exquisite Mischung aus Unschuld und Sinnlichkeit schien ihn zu fesseln. Die Narben auf seinem Körper zeigten, dass er Geduld gelernt hatte. Das Blecken seiner Fänge zeigte mehr als deutlich dass seine Gier erwacht war.
Unbeteiligt erschien der lauernde Habicht in der Ferne. Die starren Raubvogelzüge verheimlichten gekonnt seine Absichten. Vorsicht war hier geboten. Wer dem Falschen traut, traut nie wieder jemandem. Er schien nicht jagen zu wollen, die Beute wohl zu simpel zu erlegen.
Um so gegenteilig verhielt sich der Falke, der in weiten Kreisen über ihrem Kopf seine Bahnen zog. Schon zweimal hatte er die Flügel angelegt um auf sie hinabzustoßen, bereit zum endgültigen Schlag. Doch er war bisher abgedreht oder sie war ausgewichen. Doch auch dieser Tanz würde nicht ewig währen. Offenbar behagte es dem Jäger seine Beute noch ein wenig weiter zu treiben, wobei man die Hetzjagd doch eher dem Wolf zuschreiben konnte.
Die hübsch gebänderte Schlange hielt ebenfalls ihr Gift bereit. Sie hatte es einmal schon gespürt. Die weiche Hand hielt das Andenken daran fest umschlossen und fuhr die eingeritzten Buchstaben auf und ab.
Abgerechnet wird am Ende. So oder so.
Ein versonnenes Lächeln legte sich auf die jungen Züge. Das Mädchen schien gar ein wenig zu träumen bis der biegsame Körper sich unvermittelt streckte. Zeit für eine neue Runde.
War man sich je sicher wer Beute und wer Jäger war?