Als ich von meinem Termin zurück kam hörte ich wie die Wachen etwas murmelten. Es war nichts neues und an für sich hätte ich mir wohl auch keine Gedanken darüber gemacht, wäre nicht ihr Name gefallen. Aaminah... sogleich hielt ich die Zügel meines Pferdes, stieg aus dem Sattel und fragte sie was los sei.
Sie lächelten mich an und erzählten mir, dass Aaminah zurück gekehrt sei. Es war als fiel ein Stein von meinem Herzen. Sie war zurück, zurück in den Armen ihrer Familie. Es gab keinen Grund zur Sorge mehr. Hazar musste unendlich erleichtert sein...
Ich bedankte mich für die Information und nahm mein Pferd an den Zügeln. Langsam liefen wir gemeinsam zu meinem Haus. Ich hätte gerne einen Abstecher zu Hazar gemacht, nach ihr gesehen, sie einmal kurz in die Arme geschlossen um ihr zu sagen, siehst du ich hatte recht. Alles ist gut. Aber jener Abend gehörte ihrer Familie. Ich wusste das sie keinen Schritt von Aaminahs Seite weichen würde. Ich konnte nur ahnen wie die letzten Nächte für sie gewesen sein mussten .Eine hatte ich schließlich selbst mit erlebt. Eine in der ich dafür sorgen konnte, dass sie zumindest etwas Schlaf fand, doch was war mit den restlichen?
Wir hatten uns nur wenig gesehen... als ich heute zu ihr ging wollte ich sie direkt in die Arme nehmen, kaum das ich sie sehen würde. Doch nicht Hazar öffnete die Tür. Perplex sah ich sie an und nickte nur auf die Frage ob ich hinein kommen wollte. Erst im Hof stand plötzlich auch Hazar dabei. Nun waren wir nicht allein. Ich konnte ihr nicht einfach in die Arme fallen. Sie nicht einfach fest halten und sie an mich ziehen. Sehnsüchte zurück stecken, wie so oft...
2 Wochen war es her seit ich Zafer geschrieben hatte. 2 Wochen ohne Antwort. 2 Wochen die er fort war, ohne das jemand genaueres wusste. Wann würde er zurück kehren? Wiederholte sich das Spiel, wie bei Pazia damals? Ich versuchte jenen Gedanken schnell bei Seite zu schieben aber es war schwer. Gerade in dieser Zeit war es schwer... sie war mir, ihr Herz war mir und doch mussten wir uns immer und überall zurück halten. Etwas zog das Herz in meiner Brust zusammen. War es so verwerflich die Frau die man liebte einfach in den Armen halten zu wollen? Jetzt, in dieser Zeit, in der Aaminah einfach so verschwunden war und mir bewusst wurde, wie schnell so etwas gehen kann wurden mir viele andere Dinge bewusst.
Hazars Worte rissen mich aus den Gedanken. Sie machte sich auf ins Labor um noch einige Tränke fertig zu machen. Ich war das erste mal wieder hier in dem Heilerzimmer, seit Rashid Zafer den Finger hier abgetrennt hatte. Ein seltsames Gefühl. Auch wenn alles wieder sauber war, nichts daran erinnerte, so waren die Erinnerungen in meinem Kopf noch sehr real und auch wenn er sich inzwischen für die Worte entschuldigt hatte, hallten die Worte wieder in meinem Kopf "du wirst sie neimals bekommen"...
Damals machten mir die Worte Angst... alles war in der Schwebe, nichts war sicher. Ich wusste nicht das sie längst Gefühle für mich hegte und sie sich nur nicht eingestanden hatte. Heute hier und jetzt fragte ich mich, ob er deswegen fort war. Er hatte keine Nachricht hinterlassen. Ging er um dem unweigerlichen aus dem Wege zu gehen? Es in die Länge zu ziehen? Mein Gedanken spielten mal wieder verrückt, nichts neues mehr und inzwischen gewöhnte ich mich an diesen Zustand. Es erleichterte mir, mich von diesen Gedanken nicht zu sehr runter ziehen zu lassen. Es lag an der Situation, an den Ereignissen der letzten Tage und an der Sehnsucht die immer größer wurde.
Malaika gesellte sich in der Küche zu uns, wirklich anwesend schien sie nicht zu sein. Ob wirklich alles in Ordnung mit ihr war? War es nur die Sorge? ich wollte nicht weiter nachfragen und Hazar damit in Bedrängnis bringen. Als sie uns jedoch allein lies und Hazar ihren Kopf sachte an mich legte konnte ich nicht anders. Ich musste meinen Arm um sie legen, sie dadurch sachte an mich ziehen. Ich wollte ihre Nähe spüren, ich wollte sie in den Armen halten. Wissen das sie hier ist, hier bei mir. Das ich mir um sie keine Sorgen machen musste. Ich fragte mich oft was ich getan hätte, wäre sie an Aaminahs Stelle gewesen aber ich musste den GEdanken verwerfen, ich wäre verrückt geworden vor Sorge. Ich hätte alle Mittel und Wege genutzt um sie zu finden. Sie war die Frau die ich liebe... mein letztes Hemd würde ich lassen.
"ich sollte mich von Malaika und Aaminah nicht so verrückt machen lassen". Da war es wieder, dieses Thema das sie schon einige male scheinbar angeschnitten und doch wieder verworfen hatte. Auch diesmal färbten sich ihre Wangen rot aber ich lies nicht nach. Ich fragte was sie damit meinte. Wie die beiden sie verrückt machen konnten? Was sich dahinter verbarg... es rief ein schmunzeln hervor und doch konnte ich ihre Angst verstehen. Wie hatte Zafer sie genannt "eine unberührte Blüte der Ifrey" sie machte sich schon jetzt Sorgen darüber wie es werden würde. was hatten ihr die beiden nur erzählt? Letzendlich wissen, konnte es nur Malaika und doch musste jeder seine eigenen Erfahrungen machen.
Ich selbst hatte oft darüber nach gedacht. Mir war durchaus bewusst welch Verantwortung ich in meinen Händen hielt. Noch war Zeit, noch waren wir noch nicht einmal einander versprochen. Wenn sie über die Ängste nach dachte, dachte sie auch über den Rest nach? Verband sie all das nur mit ihrer Angst? Unser Gespräch wurde durch Schritte unterbrochen. Sofort löste ich meinen Arm von ihr. Ob Zahra etwas gesehen hatte? Es fing an mir egal zu werden aber das durfte es nicht. Es durfte mir nicht gleichgültig sein ob uns jemand sah oder nicht. Noch durften wir nicht gesehen werden. Noch mussten wir vorsichtig sein. Auch wenn es mich langsam nervte, Geduld... Geduld... Geduld... immer wieder versuchte ich mich mit jenen Worten in die Realität zurück zu holen.
Hazar musste noch einmal kurz weg, Zahra war kurze Zeit später auch verschwunden. Die Unterredung mit Sabeena hatte zur Folge, dass ich von einem fettnapf in den nächsten trat. Als die Frage Pazia mal wieder im Raum stand gab ein Wort das andere und schon befand ich mich in einer Situation aus der ich nicht mehr einfach so heraus kommen würde. Sie wollte wissen was los war, ich erklärte es ihr. Sie wollte wissen ob es schon eine neue gäbe. Schon war gut... Hazar gab es schon zu jener Zeit als Pazia noch meine Verlobte gewesen war. Ich beschloss das jedoch zu verschweigen und ihr nur den Namen preis zu geben. Erstaunlicher weise freute sie sich, wie die meisten denen wir es bisher erzählen mussten, erzählt haben.
"du hast ja doch Geschmack" sagte sie mit einem Schmunzeln. Ich wusste das ich GEschmack hatte, ich wusste das Hazar die richtige Wahl hatte. Noch nie, seit jene Gefühle aufkamen habe ich an den Gefühlen zu ihr gezweifelt. Daran ob es richtig war. Daran ob ich der richtige für sie bin... an diesen Dingen ja, aber nie daran ob es richtig war sie zu lieben .Es war die beste entscheidung die ich je getroffen hatte. Nun eigentlich war es nicht meine Entscheidung gewesen. Eluive entschied, Eluive schickte sie mir und ihr Lächeln war es, die mir den VErstand raubte und noch heute raubt.
Bei Eluive, wie war es möglich jemanden so sehr zu lieben? Gedankenverloren schritt ich umher, als Sabeena und ich uns verabschiedet hatten. Ich vermisste Hazar, ich vermisste sie in jeder Sekunde in der sie nicht bei mir war. Dennoch durfte ich meine Wünsche nicht über die ihren stellen. ich hatte ihr immer versprochen ihr Zeit zu lassen. Ich wusste das auch sie der Zustand sehr mitnahm, dass auch sie hoffte das Zafer bald zurück kehren würde. Haroun... nein. Ich verwarf den Gedanken gleich wieder. Er hatte meinetwegen zurück gesteckt, ich konnte nicht so gefühlskalt sein und einfach zu ihm gehen um den Preis für Hazar zu verhandeln. Es wäre falsch, es würde ihn noch mehr verletzten als er eh schon verletzt war.
Nach dem Gespräch mit Imraan war mir klar. Sie war das beste was mir passieren konnte. Sie verkomplizierte mein Leben nicht, wie Imraan es nannte, sie verschönerte es. Ja, es war zur zeit wirklich schwer aber ich wusste worauf ich warte. Ich wusste was sie wert war. Wenn ich ihr für einen Tag etwas geben könnte, wären es meine Augen. Meine Augen, damit sie sich mit ihnen sehen konnte. Damit ihr bewusst wurde was sie für mich war, was sie mir bedeutet und wieso ich überhaupt all das durchstand. Rani... ihr Blick als ich sie das erste mal so genannt hatte. So oft hatte ich das Wort herunter geschluckt. So oft gedacht es sei der falsche Moment. Unsicher, ob sie bereit war solch ein Wort über meine Lippen kommen zu hören.
An jenem Tag war es mir gleich gewesen und sie lächelte. Sie war es, sie war meine Rani, meine zukünftige Frau und durch all die Gespräche am heutigen Tag und die Tatsache, dass Aaminah wieder zurück war wurde mir eines nur noch bewusster. Das ich keinen Tag mehr ohne sie sein möchte. Keine Nacht ohne sie einschlafen, kein morgen die Augen aufschlagen ohne das sie das erste war was ich sah. Ich wollte das sie meine Frau wurde. Sie war das auf das ich mein Leben lang gewartet hatte. Wie Schuppen fielen mir die Ereignisse meines Lebens von den Lidern. Alles ergab erst jetzt einen Sinn. Es war von anfang an so bestimmt gewesen...
Ich schrieb ihr hastig einige Worte auf einen einfachen Zettel, den ich mit einem kleinen Stein auf ihren Balkon befrachtete. Sie würde ihn am morgen sicher finden, oder am mittag... gleich wann, hauptsache sie fand ihn.
Kaum wieder zurück in meinem Haus lies ich mich in meine Kissen fallen. Seit sie hier gemeinsam mit mir gelegen hatte fiel mir das einschlafen wahrlich leichter und heute war ich mir sicher, Eluive würde sie mir in meinem Träumen schicken