Öffentliche Bekanntmachung: Aki Orikson verstorben
Moderator: Rahal [Mod]
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Yezna
Öffentliche Bekanntmachung: Aki Orikson verstorben
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Benedict Weber
31. Cirmiasum 256
Der aufkeimende Gedanke zur Morgenstunde ist seltsam, als ich den Weg zur Bäckerei antrete. Während ich mich über meine morgendlichen Depressionen beschwere, fällt mir die neuste Nachricht der Garde ins Auge; Aki ist tot. Innehaltend lasse ich Szenen in meinem Kopf Revue passieren: Zur öffentlichen Folterung des Handwerkers konnte ich es kaum erwarten, mir die Peitsche vom vermummten Vollstrecker auszuleihen, um sie gegen den nackten Leib meines ehemaligen, cabezianischen Landmannes zu wuchten. Angespuckt habe ich ihn, beleidigt und bedroht wurde er: "Ich werde dich ohnehin umbringen, sollten sich unsere Wege unter vier Augen kreuzen, falls dich nicht bereits die Wunden dahinraffen." Warum dieser Hass? Weil ich irgendwelchem Tratsch der prüden Gesellschaft geglaubt habe? Ich kannte ihn kaum, und doch war der Zorn mächtig. Sicher, der Tod war für seine Vergehen - theoretisch gesehen - eine absolut gerechte Strafe. Offenbar gab man ihm bereits die Chance, Buße zu leisten. Emotional jedoch, habe ich mir gewünscht, dass man ihm aufgetragen hätte, dem Reich zu nutzen. Er war ein fähiger Handwerker; man hätte ihn tagelang im Sinne des Herrn schuften lassen können - um weiterzuleben. Ich stand selbst zur Strafe für rahalisches Vergehen am Pranger; kenne die Schmach, Hass und Spott des Volkes wehrlos ausgeliefert zu sein. Bei Aki war das Ausmaß ein ganzes Stück extremer - aber er blieb stark. Beachtlich.
Ein ungewohntes Gefühl von Reue schnürt mir plötzlich die Atemwege zu, ich weite sinnierend die Augen und muss meine Tränen im Zaum halten. Das Bild von Leonas lächelndes Gesicht schießt mir durch den Kopf. Der Appetit vergeht mir, ich kehre nach Hause zurück, und vergrabe mein Gesicht ins Kopfkissen. Kaum auszudenken, wie ich reagieren würde, hätte nicht Aki dem Tod ins Auge blicken müssen, sondern mein älterer Bruder Xervath. Jeder Streiter Rahals ist darum bemüht, dem Herrn dienlich zu sein, um irgendwann seinen Vorstellungen von Vollkommenheit zu entsprechen. Aber Perfektion ist ein Trugbild. Es gibt sie nicht. Dafür ist der Mensch zu zerbrechlich; er fühlt. Und Emotionen wie Reue, trotz des Hintergrundes der gesetzlichen und Gebot bezogenen Richtigkeit, lassen sich nicht verhindern. Sie sind - eben - menschlich.
Der aufkeimende Gedanke zur Morgenstunde ist seltsam, als ich den Weg zur Bäckerei antrete. Während ich mich über meine morgendlichen Depressionen beschwere, fällt mir die neuste Nachricht der Garde ins Auge; Aki ist tot. Innehaltend lasse ich Szenen in meinem Kopf Revue passieren: Zur öffentlichen Folterung des Handwerkers konnte ich es kaum erwarten, mir die Peitsche vom vermummten Vollstrecker auszuleihen, um sie gegen den nackten Leib meines ehemaligen, cabezianischen Landmannes zu wuchten. Angespuckt habe ich ihn, beleidigt und bedroht wurde er: "Ich werde dich ohnehin umbringen, sollten sich unsere Wege unter vier Augen kreuzen, falls dich nicht bereits die Wunden dahinraffen." Warum dieser Hass? Weil ich irgendwelchem Tratsch der prüden Gesellschaft geglaubt habe? Ich kannte ihn kaum, und doch war der Zorn mächtig. Sicher, der Tod war für seine Vergehen - theoretisch gesehen - eine absolut gerechte Strafe. Offenbar gab man ihm bereits die Chance, Buße zu leisten. Emotional jedoch, habe ich mir gewünscht, dass man ihm aufgetragen hätte, dem Reich zu nutzen. Er war ein fähiger Handwerker; man hätte ihn tagelang im Sinne des Herrn schuften lassen können - um weiterzuleben. Ich stand selbst zur Strafe für rahalisches Vergehen am Pranger; kenne die Schmach, Hass und Spott des Volkes wehrlos ausgeliefert zu sein. Bei Aki war das Ausmaß ein ganzes Stück extremer - aber er blieb stark. Beachtlich.
Ein ungewohntes Gefühl von Reue schnürt mir plötzlich die Atemwege zu, ich weite sinnierend die Augen und muss meine Tränen im Zaum halten. Das Bild von Leonas lächelndes Gesicht schießt mir durch den Kopf. Der Appetit vergeht mir, ich kehre nach Hause zurück, und vergrabe mein Gesicht ins Kopfkissen. Kaum auszudenken, wie ich reagieren würde, hätte nicht Aki dem Tod ins Auge blicken müssen, sondern mein älterer Bruder Xervath. Jeder Streiter Rahals ist darum bemüht, dem Herrn dienlich zu sein, um irgendwann seinen Vorstellungen von Vollkommenheit zu entsprechen. Aber Perfektion ist ein Trugbild. Es gibt sie nicht. Dafür ist der Mensch zu zerbrechlich; er fühlt. Und Emotionen wie Reue, trotz des Hintergrundes der gesetzlichen und Gebot bezogenen Richtigkeit, lassen sich nicht verhindern. Sie sind - eben - menschlich.
- Reue ist der Versuch, in sich zu gehen, nachdem man gerade so schön aus sich herausgegangen ist.
Hans Clarin