es war recht angenhem in der Taverne. Marvin und sein Holzfäller enspannten sich nach einem harten Tag und einem Humpen Met an der Sitzecke am Kaminfeuer. Das Gerede Dutzender Mäuler durchschnitt die Luft und es Roch nach Schweiß, Alkohol und alten Kleidern. Trotzdem schien sich jeder auf seine Art zu amüsieren.
"Es ist ein Graus, alter Freund.", begann Marvin, "Erst vor kurzem der Überfall auf meine Frau, dann dieser falsche Steuereintreiber und nun habe ich auch noch diesen verfluchten Schreiner am Hals, der mir meinen Lohn für das gelieferte Holz nichz zahlen will."
Sein alter Weggefährte kratze sich an seinem grauen Barte.
"Wem sagst ihr das, mein Herr? Die Zeiten ändern sich und werden immer härter. Geschenkt haben wir noch nie etwas bekommen!"
Er rückte etwas näher und sprach im leisen Ton: "Ich sage es euch...wenn ihr etwas ändern wollt, müsst ihr mit den selben Regeln spielen."
"Vielleicht solltet ihr euren Lohn aus diesem Schreiner herausprügeln?"
Wer hatte das gesagt?
Marvin und sein Holzfäller drehten sich zur Seite. Neben ihnen saß ein Mann mit ausgefallender Frisur und gleichgültigem Blick. Er schien sie die ganze Zeit belauscht zu haben.
Gerade als Marvin das Wort ergreifen wollte um sich aus dieser mißlichen Lage herrauszureden, donnerte die Tür mit einem Knall auf. Kalte Luft zog ins Innere und veranlasste die Besucher kurz inne zu halten, bis jene nur einen Augenblick danach wieder geschlossen wurde.
In der Tür stand ein Mann. Er mochte nicht sehr groß sein, aber durch seinen zornigen Blick, seinem kantigem Gesicht und seinen breiten Schultern war sich Marvin sofort sicher, dass er diesen Kerl nicht im Dunkeln begegnen wollte. Vor allem irritieret ihn seine große Axt, die er mit zwei Gurten am Rücken festgeschnallt hatte. Der Mann blickte sich im Raum knapp um. Sein Blick fixierte eine Person am Thresen. Ohne eine Mine zu verziehen trat der Fremde an den Kerl an der Theke von hinten heran...
Marvin war so beeindruckt von der Erscheinung, dass er für einen Moment sein Gespräch ganz vergaß und nur dem Neuankömmling hinterher blickte...
...Mitlerweile war der Fremde an seinem Ziel angekommen. Er legte die Hand auf die Schulter des Mannes an der Schenke und drehte ihn ein Stück zu sich hin. Trotz dass jener saß, waren beiden fast auf der gleichen Höhe.
"Darius de Pont?", fragte der Neuankömmling mit einer tiefen, brummigen Stimme.
In diesem Moment wurde es ruhig in der Taverne....ja, man hätte nahezu eine Stecknadel fallen hören können. Augenblick für Augenblick fixierten die Besucher die beiden Männer. Auch in Marvins Sitzecke blickte jeder gespannt, ja nahezu Fassungslos zu dem ungleichen Männern. Der eine klein und nur mit einem Kinnbart, der Sitzende groß und mit langen braunen locken.
Der Mann am Thersen blickte sich nervös um.
"Wer will das wi...."
Weiter kam er nicht. Die Wucht der Faust war so stark, dass der Langhaarige fast von Stuhl kippte.
Ein Raunen ging durch die Wirtschaft. Einige standen auf, aber wagten es nicht nur einen Schritt auf den Fremden zu zugehen. Auch Marvins Holzfäller war in jenem Moment drauf und dran auf den brutalen Schläger loszustürmen. "Ist schon in Ordnung," meinte der Mann neben ihm mit einem Grinsen, "schaut es euch lieber von hier hinten an!"...
...Der Neuankömmling war scheinbar noch längst nicht fertig. Die Schläge droschen nur so auf den langhaarigen ein, bis jener blutend am Boden lag und nicht viel mehr außer stöhnende Laute von sich geben konnte.
Alles dies geschah in wenigen Sekunden.
Der Kleinere richtete sich auf, wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und blickte auf den am Boden liegenden Darius de Pont.
Mit montoner Stimmelage sprach der Angreifer etwas zu ihm, was Marvin in seiner Ecke nicht richtig verstehen konnte. Das es nichts sonderlich angenehmes gewesen sein konnte, zeigte ihm die Reaktion des blutenden Mannes.
Keuchend Riss jener nämlich ein langes Messer aus seiner Gürteltasche. Marvin war überrascht, dass der Mann in solch einem angeschlagendem Zustand noch solche Reaktionen hervorrufen konnte. Warscheinlich wusste jener recht gut über den Umgang mit solchen Klingen bescheid.
Marvin konnte den Gedanken nicht einmal halbwegs zu Ende führen denn...
...mit einer schnellen Bewegung trat der Fremde brutal auf den Arm des am Boden Liegenden, dass die Knoche nur so knacken. Der blutende Darius schrie auf vor Schmerz.
Marvin verzog das Gesicht, konnte er doch das Geräusch von brechenden Knochen bis zu sich hin hören.
"Ich hab doch gesagt du sollst das lassen!!!", sprach der muskolöse Mann zornig. Während sein Gesicht sich noch rot färbte, schnallte er mit einer Bewegung die riesiege Axt vom Rücken und richtete sie auf das Gesicht von Darius.
In der Taverne, in der vor wenigen Sekundne noch Verwirrung und Aufregung herrschte, trat auf einmal wieder Ruhe ein.
Marvin ertappte sich wie er sich auf die Unterlippe biß. So eine große Waffe hatte er zuletzt auf Schlachtfeldern in vergangenden Tagen gesehen.
"Schade das ich für deinen Kopf keine einzige Münze bekomme," sagte der Axtträger mit seiner tiefne Stimme, "aber du hast etwas anderes wofür ich hier bin."
Jammernd griff Darius mit seiner freien Hand wieder zitternd in seine Gürteltasche und kramte etwas hervor. Was der Mann dem Axtträger genau zusteckte, konnte Marvin aus seiner Ecke nicht erkennen.
Ohne auch nur einen Moment weiter zu zögern, nahm der Mann das Gesuchte an sich und verschwand mit wenigen Schritten aus der Taverne.
Die meisten blickten ihm fassunglos hinterher, die anderen schauten ebenso verwirrt auf den am Boden liegenden und weinenden Darius de Pont. Sein Gesicht war mit Blut und Schweiß getränkt. "was glotz ihr denn so?", stöhnte er hervor als er sich seinen Arm hielt, "So helft mir doch!"
Erst jetzt setzten sich die ersten Besucher in Bewegung um ihm aufzuhelfen. Als wäre das ein Startsignal gewesen, fingen auf einmal alle Tavernengäste an, das Geschehene in einem Hagel aus Wörtern aus sich heraus zu plaudern. Es schien als ob die meisten erst jetzt richtig bemerkt hätten, was soeben geschen war. Marvin und sein Holzfäller drehten sich wieder zum Feuer..
"Ich verstehe das nicht.", sprach jener, "Da kommt dieser Kerl mit der Axt einfach so heir hereinspaziert, schlägt diesen Mann da zusammen und verschwindet wieder nachdem er ihm eine Hand voll...was weiß ich gegeben hat. War das eine Art Überfall? Ist denn kein Gardist hier in der Nähe?"
Sein Gegenüber mit der gewagten Frisur schmunzelte.
"Ich glaube ihr hat nicht ganz verstanden wer dieser Kerl wirklich war!?"
Marvin und sein Holzfäller blickten sich fragend an.
"Ein Söldner was sonst?", sprach der Mann. " Und wie ihr gesehen habt sogar einer, der was von seinem Geschäft versteht."
"Ein Söldner sagt ihr? Und was wollte er hier?"
"Hm, also wenn ihr mich fragt....", kurz deutet er auf den blutenden Mann am Thresen, "Schuldete dieser Kerl jemanden wohl noch etwas wertvolles. Habt ihr nicht gesehen, was er dem Söldner aus seiner Tasche zusteckte? Ich sage es euch. Es waren Diamanten besetze Ringe. Fünf an der Zahl! Und ihr könnt mir glauben...die sind einiges wert. Ich schätze der eigentliche Besitzer hatte den Söldner angagiert um jene wieder zu bekommen."
Der Holzfäller nickte verstehend.
"Und...und was hällt diesem Söldner davon ab die Ringe nicht einfach zu behalten?"
Der Mann winkte ab. "Dann würde er keine Aufträge mehr von seinem Kunden erhalten. Und ich schätze für den Aufwand wird ihm der Auftraggeber bestimmt einen guten Preis zahlen! Glaubt mir: Wenn ein Söldner etwas anpackt, dann richtigt...hat man ja gesehen. Ich kann euch eines versichern: Für Gold machen die fast alles!"
Darius schrie auf als eine Frau versuchte sein handgelenk zu bandagieren...
"Und das ohne Skrupel, wie man sieht!"
"Fragt doch nicht immer so blöde!", sagte Marvin und gab seinem Holzfäller einen Schlag auf den Hinterkopf.
Marvin seufzte. Kurz blickte er nachdenklich in den Schein der Kerze.
Der Mann gegenüber hatte imemr noch sein hämisches Grinsen aufgesetzt als könne er Marvisn Gedanken lesen.
"Oh, so glaubt mir, diese Söldner verstehen ihr Handwerk. Sie machen keinen Unterschied zwischen reich oder arm, zwischen Mann oder Frau und ihr könnt euch sicher sein..." Wieder beugte er sich etwas nach vorne: "...Es sind keine fanatischen Gottesanbeternarren!"
Mit einem Nicken setze sich der Unbekannte mit dem seltsamen Haarschnitt wieder hin und schlug die Beine übereinander.
Minuten vergingen in denen niemand in ihrer Runde etwas sagte. Marvin starrte unentwegs mit gefalteten Händen in den Schein der Kerze bis er mit der flachen Hand entschlossen auf den Tisch schlug und meinte:
"Ich denke ich habe eine Lösung für meine Probleme gefunden, mein Freund."
Die Augen des Unbekannte funkelten. "Ich kenne da vielleicht jemanden für euch..."