Der Sonnenuntergang über dem Meer draußen in Bajard war ein wunderschöner und malerischer Anblick, welcher die Perfektion und Schönheit der Schöpfung Eluives immer und immer wieder für viele zu belegen schien. Vereinzelt blieb immer einmal jemand an den Docks stehen um den glühenden Ball am Himmel zu betrachten, ab und an ein zufriedenes Seufzen von sich zu geben, um sich dann wieder seinen eigenen Tätigkeiten zuzuwenden. Tagein, tagaus legten hier Schiffe an, die meisten eher klein und unbedeutend, meistens einfache Ruderboote welche die Passagiere einer langen Fahrt in dem kleinen Umschlagplatz absetzten um sie dann ihrer Weiterreise zu überlassen. Bajard war seit jeher genau dies; ein Umschlagplatz, ein Dorf welches viele kleine Wandel durchgemacht hatte und doch war es eben immer dieser eine Umschlagplatz – und mehr.
Für die blasse Frau, welche an den Docks stand und auf das Meer hinaus starrte, war Bajard mehr als ein Umschlagplatz. Just in diesem Moment war es ein letzter Funken Hoffnung der dabei war endgültig zu erlöschen und sie alleine in der Dunkelheit stehen zu lassen. Er kam nicht. Seit Monden hatte sie nun hier verharrt, hatte ihren neuen Befehlen gehorcht und auf ihn gewartet, aber er kam nicht, keine Nachricht folgte in all der Zeit des Warten und die Ungeduld und Unsicherheit wuchs immer mehr und mehr. War er gefallen? Nein! Er konnte nicht fallen, nicht ER. Nevyn Silberhand, Paladin der Schwertbringerin Temora konnte nicht gefallen sein. Wahrscheinlicher war es wohl eher, dass die Gunst an der Front sich wieder gewendet hatte – und sie war nicht bei ihm um ihm beizustehen.
„Deine Zeit auf Erden ist noch nicht gekommen, doch deine Zeit hier auf dem Schlachtfeld ist vorerst vorbei. Kehre zurück wo dein Glaube seinen Anfang fand, kehre zurück und beschreite deinen neuen Pfad.“
Widerwillig schloss sie die Augen und atmete tief durch, ehe sie wieder auf die Wellen blickte. In den Augen der einstigen Adlerritterin spiegelte sich die Nachdenklichkeit wieder welche sie seit ihrer Ankunft in Bajard verspürt hatte. Es war eindeutig gewesen, es gab keinen Zweifel, es war die Herrin höchstselbst welche diese Worte zu ihr gesprochen hatte, ihre Worte an ihren Ohren in dem Moment an dem sie hätte sterben sollen. Viele hätten es als eine Nahtoderfahrung abgetan, sie wieder zusammengeflickt und in die Schlacht geschickt, aber nicht Nevyn. Er hatte e sin ihren Augen gesehen und vielleicht hatte die Schwertmaid selbst auch zu ihm gesprochen. Was immer es gewesen war, er hatte sie ziehen lassen – und ihr dann mitten auf der Überfahrt noch den Befehl übermitteln lassen auf ihn und eine kleine Delegation der Bruderschaft der Streiter der Temora zu warten. Doch er kam nicht und Sorcha zweifelte daran dass er auftauchen würde.
Ein erneuter tiefer Atemzug und dann wandte sie sich in Richtung der Herberge um ihr Hab und Gut aus ihrem gemieteten Zimmer zu holen. Bajard war ein Umschlagplatz – das war es schon immer gewesen, und doch war es für Sorcha Llastobhar noch so viel mehr, allen voran ein Sündenpfuhl. Bajard war das perfekte Bild für die Ignoranz der Menschen, für ihre Blindheit und ihr zielgerichtetes Streben in Richtung ihres eigenen Endes. „Neutral“, so hatte sich Bajard seit jeher beschrieben, und seit jeher hatte es immer wieder um die Gunst der einen oder anderen Fraktion gehurt, sich geweigert zu erkennen welche Gefahr im Westen lauerte und auf ihrer ach so erbärmlichen Neutralität gepocht. Die Bruderschaft hätte dieses Loch aus Ungläubigen damals in Brand setzen sollen, es wäre zum Besseren gewesen.
Für einen Moment hielt sie inne und schollt sich für derlei Gedankengut; die Menschen hier waren blind, arrogant und ignorant aber das rechtfertigte nicht solcherlei Denken. Der Krieg hatte das Denken der einstigen Ritterin eingeengt und selbst jetzt, Monde später war es noch immer nicht leicht unter all zu viele Menschen zu treten; die meiste Zeit ihrer Warterei hatte sie für sich alleine verbracht; jeglich ihre Schwester hatte sie wissen lassen, dass sie wieder in Bajard verweilte.
Der Wirt hatte ihr freundlich zugenickt, wie jeden Tag und doch wusste Sorcha mehr als gut genug, dass es die übliche Fassade von Freundlichkeit war. Dem ernsten, blassen und mit einer Narbe versehenen Gesicht schenkte man gewöhnlich kein Lächeln und sie schenkte keines an andere hier. Sie war ernst, in sich gekehrt und es war gut wenn man dieses Bild von ihr hatte, ihr war nicht nicht nach Gesellschaft, sinnlosen Konversationen oder dergleichen. Sie hatte sich in Geduld geübt und hatte jeden Abend zur Schwertherrin gebetet, sie um Verzeihung gebeten, dass sie noch immer nicht ihrem neuen Pfad gefolgt war. Doch ihre Bindung zu Nevyn, zu ihrem Paladin und Befehlsführer, zu ihrem engsten Vertrauten, war immer noch stark genug gewesen, dass sie sich der Hoffnung hingegeben hatte. Doch nun, wo sie die letzten ihrer wenigen Habseligkeiten sowie ihr Schwert an sich genommen hatte, wusste sie, dass es zeit war aufzubrechen.
Sorcha wollte bereits durch die Türe treten, als sie inne hielt und sich darüber im Klaren wurde, dass dieses Gerimor hier nicht mehr ganz dem entsprach welches sie damals verlassen hatte, und dass es vielleicht besser sein würde wenn sie ihr Kommen ankündigen würde. Und so wurden die Sachen wieder abgelegt, sie nahm an dem kleinen Schreibtisch Platz und verfasste eine [url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?t=67332]Nachricht[/url] an den einen Ort an dem damals alles begonnen hatte: Das Kloster.
Als dies dann erledigt war, schulterte sie ihre Sachen und machte sich auf zu ihren ersten Zwischenstopp: Adoran.
Neue Wege im Namen der Herrin
- Sorcha Llastobhar
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Neue Wege im Namen der Herrin
Zuletzt geändert von Sorcha Llastobhar am Mittwoch 24. Juli 2013, 11:30, insgesamt 3-mal geändert.
- Sorcha Llastobhar
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Re: Neue Wege im Namen der Herrin
(bitte löschen, hab mich selbst zitiert statt zu editieren)
Zuletzt geändert von Sorcha Llastobhar am Mittwoch 24. Juli 2013, 11:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Benedict Weber
Sie kniete, die Augen geschlossen, die Brust hob und senkte sich im langsamen Rhythmus ihres Atmens und ihre Gedanken versuchten sich auf den Moment einzulassen, auf all die Heiligkeit welcher jener Ort hier von sich gab und eine Wärme durch ihren Körper schickte, wie sie Sorcha es Jahre nicht mehr verspürt hatte. Natürlich war sie nicht mehr in Adoran, just in diesem Moment kniete sie vor einem Baum, welchen man von Weitem vielleicht als „schön“ oder „nett“ bezeichnet hätte, doch wer sich dieser Pflanze näherte, der konnte das Göttliche in ihr spüren. Der heilige Baum, so wurde er ihr damals vor einer gefühlten Ewigkeit vorgestellt.
„ Kehre zurück wo dein Glaube seinen Anfang fand ...“
Dies war der Ort gewesen an dem alles begonnen hatte. Hier hatte sie das erste mal die Worte der Herrin selbst vernommen, hier hatte sie das leise Wispern in ihren Ohren gehört und ihre Erhebung zur Adlerritterin vernommen. Für einen Moment machte sich eine gewisse Unruhe in ihr breit, welche selbst der Baum nicht ganz zu besänftigen mochte. Wie oft hatte sie sich gewünscht all diese ungläubigen und blinden Narren, jene welche meinten die Götter gingen sie nichts an, am Kragen gepackt und direkt vor den Baum geworfen, auf dass sie das tatsächlich Göttliche zu begreifen in der Lage wären. Doch dies war nicht der Weg den man einschlagen sollte und so konzentrierte sich Sorcha wieder auf ihre Atmung, gab sich der Ruhe hin.
Was war alles innerhalb des gestrigen Tages geschehen … fast schon zu viel. Sie trug nicht mehr ihre alltägliche Kleidung und auch ihre Schwertscheide hing nicht mehr an ihrer Hüfte. Stattdessen trug sie eine einfache Robe aus blauem Stoff – die Kleidung einer Novizin. Novizin. Dieses Wort geisterte in ihrem Kopf hin und her. Von der Ritterin zur Novizin; war dies der Pfad den Temora ihr zugedacht hatte? Das Angebot im Kloster als Novizin zu verweilen war von ihrer Eminenz selbst gekommen, der Hohen Priesterin Temoras, welche ihr ermöglichte hier zu bleiben und eine Antwort auf diese eine Frage zu finden: Was war dieser neue Pfad? Wieso hatte Temora einen ihrer eigenen verlängerten Arme befohlen die Waffe niederzulegen und hierher zu kommen? Was für einen Sinn mochte es haben dass eine Ritterin nicht an der Front war, wo sie die Ketzer am effektivsten bekämpfen konnte?
Für einen kurzen Moment kämpfte sie gegen eine plötzliche Anbahnung von Frustration und Wut an. Wo war der Sinn? Sie KONNTE ihn nicht sehen, ganz gleich wie lange sie bereits im Gebet versunken war und um Weisheit bat. Die Frustration war immer mehr gewachsen und so geduldig Sorcha auch war, so sehr sie auch immer ihr Leben in die Hände der Schwertmaid gelegt hatte, dies verlief so anders als gedacht. Und vielleicht war es auch eine gewisse Enttäuschung die ihr innewohnte. Als sie das Schiff betreten hatte war da dieser kleine Funke Hoffnung, die Hoffnung dass sie im Kloster die gleiche Ehre empfangen würde, wie sie bereits Quarius de Lore, Farion Lefar, Darna von Hohenfels und Nevyn Silberhand vor ihr erreicht hatten – von der Herrin den den Rang des Paladins erhoben zu werden um zu einer perfekten Waffe der Herrin zu werden.
Doch diese Hoffnung war erloschen und Sorcha hatte sich gestern noch für solcherlei selbstsüchtigen Gedanken gescholten. Doch wenn es nicht dies war, was dann?
Die Weißhaarige stieß nun den Atem mit einem lauten, wütenden Schnaufer aus und öffnete die Augen. Sie richtete sich mit einem mal auf, plötzlich gerüstet in die silberne Rüstung der Adlerritter, die Haltung kräftig und stark, selbstsicher und bewusst und einem harten Blick, welcher auf den Baum gerichtet war. Und ohne dass sie wirklich begriff was sie tat, zückte sie ihr Schwert, welches wie selbstverständlich an ihrer Seite hing, und begann mit einem lauten, animalischen Brüllen auf den Baum einzuhieben, all ihre Kraft in die Schläge zu setzen …
Und dann öffnete sie die Augen mit einem lauten Keuchen, ihre kniende Haltung vor dem Baum verlor sie mit einem mal und fast schon entsetzt wich sie von dem Baum zurück. Der Blick der frischen Novizin war geweitet und entsetzt starrte sie auf den Baum, welcher im Hier und Jetzt natürlich weder einen einzigen Kratzer aufwies, noch hatte Sorcha ihre Rüstung an; doch war der blaue Stoff der Robe leicht durchnässt wie sie feststellen musste. Ihr Atem schien zu rasen, Ekel und Abscheu mischten sich zu der Fassungslosigkeit die sich in ihr breit machte als sie an die Bilder dachte welche ihr vor einem Moment noch so real erschienen waren. Doch der Baum strahlte weiterhin dieses Gefühl der Wärme aus und für einen kurzen Moment hatte die fassungslose Sorcha das Gefühl, als würde ihr jemand eine Hand beruhigend auf die Schulter legen, als ob jemand hinter ihr stand, schützend und ihr zusichernd das alles gut war. Doch als sie sich umdrehte war dort niemand zu sehen; sie war alleine im Innenhof des Klosters, alleine mit der .. ja, was eigentlich? Einer Vision? War dies eine Warnung? War es ein Blick in die Zukunft oder etwas völlig anderes?
Die Wege der Herrin waren unendlich und Sorcha wusste, dass diese Bilder vieles bedeuten konnte – sie selbst würde nicht alleine zu einer Antwort finden. Sie würde das tun weswegen sie herkam; sie würde mit den anderen Akolythen, und wohl auch früher oder später mit ihrer Eminenz, über diesen „Traum“ sprechen. Für den Moment jedenfalls erhob sie sich und starrte ein letztes mal auf den Baum, die Bilder welche noch so klar gewesen waren schienen sich immer mehr in ihrem Kopf aufzulösen und zurück blieb nur Verwirrung. Eines war sicher, ihr Weg sollte sie hierher führen … doch wieso genau?
„ Kehre zurück wo dein Glaube seinen Anfang fand ...“
Dies war der Ort gewesen an dem alles begonnen hatte. Hier hatte sie das erste mal die Worte der Herrin selbst vernommen, hier hatte sie das leise Wispern in ihren Ohren gehört und ihre Erhebung zur Adlerritterin vernommen. Für einen Moment machte sich eine gewisse Unruhe in ihr breit, welche selbst der Baum nicht ganz zu besänftigen mochte. Wie oft hatte sie sich gewünscht all diese ungläubigen und blinden Narren, jene welche meinten die Götter gingen sie nichts an, am Kragen gepackt und direkt vor den Baum geworfen, auf dass sie das tatsächlich Göttliche zu begreifen in der Lage wären. Doch dies war nicht der Weg den man einschlagen sollte und so konzentrierte sich Sorcha wieder auf ihre Atmung, gab sich der Ruhe hin.
Was war alles innerhalb des gestrigen Tages geschehen … fast schon zu viel. Sie trug nicht mehr ihre alltägliche Kleidung und auch ihre Schwertscheide hing nicht mehr an ihrer Hüfte. Stattdessen trug sie eine einfache Robe aus blauem Stoff – die Kleidung einer Novizin. Novizin. Dieses Wort geisterte in ihrem Kopf hin und her. Von der Ritterin zur Novizin; war dies der Pfad den Temora ihr zugedacht hatte? Das Angebot im Kloster als Novizin zu verweilen war von ihrer Eminenz selbst gekommen, der Hohen Priesterin Temoras, welche ihr ermöglichte hier zu bleiben und eine Antwort auf diese eine Frage zu finden: Was war dieser neue Pfad? Wieso hatte Temora einen ihrer eigenen verlängerten Arme befohlen die Waffe niederzulegen und hierher zu kommen? Was für einen Sinn mochte es haben dass eine Ritterin nicht an der Front war, wo sie die Ketzer am effektivsten bekämpfen konnte?
Für einen kurzen Moment kämpfte sie gegen eine plötzliche Anbahnung von Frustration und Wut an. Wo war der Sinn? Sie KONNTE ihn nicht sehen, ganz gleich wie lange sie bereits im Gebet versunken war und um Weisheit bat. Die Frustration war immer mehr gewachsen und so geduldig Sorcha auch war, so sehr sie auch immer ihr Leben in die Hände der Schwertmaid gelegt hatte, dies verlief so anders als gedacht. Und vielleicht war es auch eine gewisse Enttäuschung die ihr innewohnte. Als sie das Schiff betreten hatte war da dieser kleine Funke Hoffnung, die Hoffnung dass sie im Kloster die gleiche Ehre empfangen würde, wie sie bereits Quarius de Lore, Farion Lefar, Darna von Hohenfels und Nevyn Silberhand vor ihr erreicht hatten – von der Herrin den den Rang des Paladins erhoben zu werden um zu einer perfekten Waffe der Herrin zu werden.
Doch diese Hoffnung war erloschen und Sorcha hatte sich gestern noch für solcherlei selbstsüchtigen Gedanken gescholten. Doch wenn es nicht dies war, was dann?
Die Weißhaarige stieß nun den Atem mit einem lauten, wütenden Schnaufer aus und öffnete die Augen. Sie richtete sich mit einem mal auf, plötzlich gerüstet in die silberne Rüstung der Adlerritter, die Haltung kräftig und stark, selbstsicher und bewusst und einem harten Blick, welcher auf den Baum gerichtet war. Und ohne dass sie wirklich begriff was sie tat, zückte sie ihr Schwert, welches wie selbstverständlich an ihrer Seite hing, und begann mit einem lauten, animalischen Brüllen auf den Baum einzuhieben, all ihre Kraft in die Schläge zu setzen …
Und dann öffnete sie die Augen mit einem lauten Keuchen, ihre kniende Haltung vor dem Baum verlor sie mit einem mal und fast schon entsetzt wich sie von dem Baum zurück. Der Blick der frischen Novizin war geweitet und entsetzt starrte sie auf den Baum, welcher im Hier und Jetzt natürlich weder einen einzigen Kratzer aufwies, noch hatte Sorcha ihre Rüstung an; doch war der blaue Stoff der Robe leicht durchnässt wie sie feststellen musste. Ihr Atem schien zu rasen, Ekel und Abscheu mischten sich zu der Fassungslosigkeit die sich in ihr breit machte als sie an die Bilder dachte welche ihr vor einem Moment noch so real erschienen waren. Doch der Baum strahlte weiterhin dieses Gefühl der Wärme aus und für einen kurzen Moment hatte die fassungslose Sorcha das Gefühl, als würde ihr jemand eine Hand beruhigend auf die Schulter legen, als ob jemand hinter ihr stand, schützend und ihr zusichernd das alles gut war. Doch als sie sich umdrehte war dort niemand zu sehen; sie war alleine im Innenhof des Klosters, alleine mit der .. ja, was eigentlich? Einer Vision? War dies eine Warnung? War es ein Blick in die Zukunft oder etwas völlig anderes?
Die Wege der Herrin waren unendlich und Sorcha wusste, dass diese Bilder vieles bedeuten konnte – sie selbst würde nicht alleine zu einer Antwort finden. Sie würde das tun weswegen sie herkam; sie würde mit den anderen Akolythen, und wohl auch früher oder später mit ihrer Eminenz, über diesen „Traum“ sprechen. Für den Moment jedenfalls erhob sie sich und starrte ein letztes mal auf den Baum, die Bilder welche noch so klar gewesen waren schienen sich immer mehr in ihrem Kopf aufzulösen und zurück blieb nur Verwirrung. Eines war sicher, ihr Weg sollte sie hierher führen … doch wieso genau?
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Benedict Weber
Die kalte, muffige und klamme Luft füllte ihre Lungen für einen ganzen Moment, als die schwergepanzerte Gestalt den schmalen Korridor entlang lief, welcher nur spärlich von einigen Kerzenleuchter mit Licht versehen wurde. Hinter und vor ihr liefen zwei Männer, gehüllt in das Blau der Bruderschaft, der Weg der drei zielstrebig, immer tiefer in den Schlund des Gebäudes. Nach einer Weile begannen sich Türen links und rechts des langen Ganges zu befinden, gegossen aus schwerem Metall und nur einem Zweck dienlich: jemanden im Inneren des Raumes zu verwahren. An einer Tür hielt die Gruppe, die Weißhaarige nickte ihrem Vordermann zu, welcher die Tür begann aufzusperren und die Adlerritterin alleine eintreten ließ. Der Raum wies, außer dem fahlen Mondlicht welches von draußen durch ein vergittertes Fenster schien, keinerlei weitere Lichtquellen auf und inmitten des blassen Lichtes hockte eine Gestalt; zusammengesunken und schwach. Doch als der Mann sein Blick hob sah man das Gegenteil eines gebrochenen Menschens: Stärke und Stolz spiegelten sich in den grünen Augen wieder und sein Mund verzog sich verächtlich. Die Ritterin sah auf ihn hinab, die Haltung straff, der Blick kühl.
„Was wollt ihr von mir?“ die Frage kam erst nach einem heiseren Husten, die Folge des wenigen Stimmgebrauchs.
„Ihr wisst genau, weswegen ich hier bin. Ihr seid in den unterschiedlichsten Punkten angeklagt: Verrat an der Krone, Mord an Soldaten, Ketzerei ...“ ihre Stimme war kühl aber doch sachlich und beherrscht und der Mundwinkel der Ritterin verzog sich nur ansatzweise als der Mann sie mit einem Gelächter unterbrach, welches von einem Hustenanfall unterbrochen wurde.
„Verrat an der Krone? Ketzerei? IHR dient einem Usurpator! Nicht ich. Und Ketzerei? Mein Leben gehört dem Einen, nicht eurer schwertschwingenden Hure! Ich kämpfe für die Gerechtigkeit, gegen eure Unterdrückung. Ihr seid hier nicht willkommen. Niemand bejubelt euch dafür, dass ihr hierher kamt. Ihr seid der Eindringling, ihr und eure ungläubigen Soldaten!“
Die Weißhaarige atmete tief durch, der Mundwinkel hatte sich wieder in die richtige Position gebracht und sie unterdrückte den kurzen Schwall an Wut, der sie überkommen wollte. Dies war weder der richtige Moment noch der richtige Zeitpunkt dafür.
„Eure Anklageliste ist noch länger, aber ihr scheint eine Fortführung nicht zu wünschen. So komme ich direkt zum Punkt. Ich bin gewillt Gnade walten zu lassen, denn dies ist der Weg der Herrin. Doch hierfür müsst ihr von eurem falschen Weg abkommen. Dem Panther zu folgen wird euch ins Verderben stürzen. Erkennt das Licht, erkennt die Wege der Herrin oder der Mutter an, und wir garantieren euch ein freies Geleit nach Gerimor und eine faire Gerichtbarkeit ...“
Der Mann spuckte ihr vor die Füße, nicht dass dort viel gewesen wäre, was er hätte spucken können, doch der kleine Fleck vor den Plattenstiefeln der Ritterin war erkennbar. „Ich spucke auf eure „Herrin“! Niemals werde ich dem Einen abschwören, so wie ihr niemals eurer schwertschwingenden Hure abschwören würdet! Ihr seid aus dem Osten. Steht mir keine Verhandlung zu? Vor einem Richter? Das ist die Art von Gerechtigkeit die mir zustünde.“
Die Frau blinzelte und mit einem mal war alle Wut entwichen; die Ruhe war zurückgekehrt und eine Erleichterung machte sich in ihr breit. „Möglich, dass euch dies auf Gerimor zustehen würde.Doch dies ist nicht Gerimor. Und ein Ketzer, wie ihr es seid, hat jegliches Anrecht auf seine Existenz verloren.Möge der Rest eurer schwarzen Brut bald folgen und die Mutter und Herrin Gnade mit euch haben.“ Die Waffe war mit einem schnellen Streich gezogen und ehe der Gefangene auch noch groß etwas erwidern konnte, drang die Schwertspitze sauber durch seine Brust; kein Leiden, keine Qual, ein sauberer, schneller Tod; das höchste was dieser Mensch noch verdient hatte.
Sorcha sah hinab auf den leblosen Körper, nickte kurz und wandte sich ab um den Raum zu verlassen … auf dem Weg zum nächsten Gefangenen.
Sie öffnete die Augen und starrte an die Decke des Gemeinschaftsraumes in welchem ihr Bett stand. Das leise Atmen der anderen Angehörigen des Klosters erfüllte den Raum und eine friedvolle Stimmung machte sich breit. Doch Sorcha merkte wie ihr Bettlaken von Schweiß durchnässt war. Sie richtete sich vorsichtig auf, halbnackt und fischte nach ihrer Robe um ihren teils von Narben versehen Körper zu verdecken. Auf nackten Füßen verließ sie den Raum und stand sofort dem Baum des Lichtes gegenüber – jenes Symbol ihres Glaubens, ihrer Kraft. Langsam schritt sie näher und kniete nieder, den Reflex unterdrückend, ihr nicht vorhandenes Schwert zu ziehen und die Spitze gen Boden zu richten, wie sie es früher immer zu jedem Gebet getan hatte. Wieso jener Traum? Es war keine Imagination mehr wie der letzte; jene Bilder waren aus ihrer Erinnerung und auch jedes einzelne Gefühl hatte sie so empfunden, wie es im Traum der Fall gewesen war. War es eine reine Erinnerung oder hatte die Herrin ihr diesen Traum gesandt um sie auf etwas aufmerksam zu machen? Doch die weißhaarige Novizin konnte nichts Falsches an ihren Wegen erkennen. Manche in den Reihen der Streiter hatten sie als radikal bezeichnet, als gnadenlos den Ketzern gegenüber; aber dies war der einzig richtige Weg. Wieso jemanden die Gnade des Lebens erweisen, wenn er nicht bereit war den Weg der Läuterung zu gehen?
Wieso jemanden verschonen, der aus seinem Unglaube heraus alsbald wieder gegen sie vorgehen würde? Der Mann damals hatte sich als Verräter gegen das rahalische Reich ausgegeben; hatte sich ihnen als Führer angeboten und ihr Vertrauen ausgenutzt – militärisch gesehen ein perfekter Schachzug und auch wenn Sorcha nicht für diesen Teil der Truppen zuständig gewesen war, so hatte sie sich doch eine Teilschuld an dem Tod von zehn Soldaten gegeben.
Dieser Mann hatte sterben müssen. Und Sorcha war froh gewesen dass er ihr Angebot nicht angenommen hatte – war es vielleicht diese Erleichterung, die nicht sein durfte? Hätte er von seinen Wegen abweichen wollen, wäre es dann nicht an ihr gewesen ihm die Hand zu reichen? Jeder Mensch konnte sich ändern; zum Guten wie auch zum Schlechten und wer war Sorcha darüber zu richten ob die Chance verdient war oder nicht? Im Zweifel hatte ein jeder diese Chance verdient …
Sie atmete tief die kühle Abendluft ein, welche sich auf die nackte Haut unter dem einfachen Stoff der Robe legte. Ein kurzer Schauer jagte durch ihren Körper. Die Herrin wollte sie testen, sie auf Dinge aufmerksam machen – und wie es aussah auch mehr. Die letzten Tage hatte sich die Novizin mit dem Oberleutnant der Garde Adorans, Lilian von Nebelpass, getroffen und einige sehr interessante Gespräche geführt. Der Leutnant schien daran interessiert zu sein die Zusammenarbeit zwischen Kloster und Garde zu vertiefen und Sorcha hatte ihre Unterstützung angeboten wo sie nur konnte. Sie war zwar nur ein unteres Mitglied des Klosters, doch ihre Eminenz hatte sie beauftragt sich um den Glaubensunterricht eines der Mitglieder der Garde zu kümmern; wieso diese Arbeit nicht ein wenig ausweiten und den Glauben innerhalb der Garde stärken versuchen?
„ Kehre zurück wo dein Glaube seinen Anfang fand ...“
Vielleicht waren mit jenen Worten damals auch der erste Ursprung gemeint. Ihre ersten Glaubenserfahrungen hatte sie damals in der Garde unter Kommandantin von Elbenau gemacht … der späteren Paladiness welche zu ihrem Vorbild werden sollte. War diese Wendung der Dinge vielleicht vorherbestimmt? War dies der Weg den Sorcha gehen sollte? Sie hatte zu Zeiten Varunas in der Garde gedient, kannte die Art und Weise wie ein Regiment funktionierte und sie wusste auch wie wichtig der Glauben in dieser Gemeinschaft sein konnte – eine Denkweise in der sie in Lilian von Nebelpass eine Verbündete im Geiste gefunden hatte – und diese Chance durfte sie nicht vergehen lassen.
Die nächstbeste Möglichkeit hierfür würde der baldige Turmbau sein, welchen die Garde anstrebte. Vielleicht war dies der richtige Zeitpunkt um zu sehen, wie sie sich einbringen konnte, und wie sie bei diesen Männern und Frauen den Glauben an die Schwertbringerin verfestigen konnte. Eine Herausforderung war da, nun musste sie nur herausfinden ob es die Richtige war. Die Zeit – und vor allem die Herrin – würden es ihr aufzeigen.
„Was wollt ihr von mir?“ die Frage kam erst nach einem heiseren Husten, die Folge des wenigen Stimmgebrauchs.
„Ihr wisst genau, weswegen ich hier bin. Ihr seid in den unterschiedlichsten Punkten angeklagt: Verrat an der Krone, Mord an Soldaten, Ketzerei ...“ ihre Stimme war kühl aber doch sachlich und beherrscht und der Mundwinkel der Ritterin verzog sich nur ansatzweise als der Mann sie mit einem Gelächter unterbrach, welches von einem Hustenanfall unterbrochen wurde.
„Verrat an der Krone? Ketzerei? IHR dient einem Usurpator! Nicht ich. Und Ketzerei? Mein Leben gehört dem Einen, nicht eurer schwertschwingenden Hure! Ich kämpfe für die Gerechtigkeit, gegen eure Unterdrückung. Ihr seid hier nicht willkommen. Niemand bejubelt euch dafür, dass ihr hierher kamt. Ihr seid der Eindringling, ihr und eure ungläubigen Soldaten!“
Die Weißhaarige atmete tief durch, der Mundwinkel hatte sich wieder in die richtige Position gebracht und sie unterdrückte den kurzen Schwall an Wut, der sie überkommen wollte. Dies war weder der richtige Moment noch der richtige Zeitpunkt dafür.
„Eure Anklageliste ist noch länger, aber ihr scheint eine Fortführung nicht zu wünschen. So komme ich direkt zum Punkt. Ich bin gewillt Gnade walten zu lassen, denn dies ist der Weg der Herrin. Doch hierfür müsst ihr von eurem falschen Weg abkommen. Dem Panther zu folgen wird euch ins Verderben stürzen. Erkennt das Licht, erkennt die Wege der Herrin oder der Mutter an, und wir garantieren euch ein freies Geleit nach Gerimor und eine faire Gerichtbarkeit ...“
Der Mann spuckte ihr vor die Füße, nicht dass dort viel gewesen wäre, was er hätte spucken können, doch der kleine Fleck vor den Plattenstiefeln der Ritterin war erkennbar. „Ich spucke auf eure „Herrin“! Niemals werde ich dem Einen abschwören, so wie ihr niemals eurer schwertschwingenden Hure abschwören würdet! Ihr seid aus dem Osten. Steht mir keine Verhandlung zu? Vor einem Richter? Das ist die Art von Gerechtigkeit die mir zustünde.“
Die Frau blinzelte und mit einem mal war alle Wut entwichen; die Ruhe war zurückgekehrt und eine Erleichterung machte sich in ihr breit. „Möglich, dass euch dies auf Gerimor zustehen würde.Doch dies ist nicht Gerimor. Und ein Ketzer, wie ihr es seid, hat jegliches Anrecht auf seine Existenz verloren.Möge der Rest eurer schwarzen Brut bald folgen und die Mutter und Herrin Gnade mit euch haben.“ Die Waffe war mit einem schnellen Streich gezogen und ehe der Gefangene auch noch groß etwas erwidern konnte, drang die Schwertspitze sauber durch seine Brust; kein Leiden, keine Qual, ein sauberer, schneller Tod; das höchste was dieser Mensch noch verdient hatte.
Sorcha sah hinab auf den leblosen Körper, nickte kurz und wandte sich ab um den Raum zu verlassen … auf dem Weg zum nächsten Gefangenen.
Sie öffnete die Augen und starrte an die Decke des Gemeinschaftsraumes in welchem ihr Bett stand. Das leise Atmen der anderen Angehörigen des Klosters erfüllte den Raum und eine friedvolle Stimmung machte sich breit. Doch Sorcha merkte wie ihr Bettlaken von Schweiß durchnässt war. Sie richtete sich vorsichtig auf, halbnackt und fischte nach ihrer Robe um ihren teils von Narben versehen Körper zu verdecken. Auf nackten Füßen verließ sie den Raum und stand sofort dem Baum des Lichtes gegenüber – jenes Symbol ihres Glaubens, ihrer Kraft. Langsam schritt sie näher und kniete nieder, den Reflex unterdrückend, ihr nicht vorhandenes Schwert zu ziehen und die Spitze gen Boden zu richten, wie sie es früher immer zu jedem Gebet getan hatte. Wieso jener Traum? Es war keine Imagination mehr wie der letzte; jene Bilder waren aus ihrer Erinnerung und auch jedes einzelne Gefühl hatte sie so empfunden, wie es im Traum der Fall gewesen war. War es eine reine Erinnerung oder hatte die Herrin ihr diesen Traum gesandt um sie auf etwas aufmerksam zu machen? Doch die weißhaarige Novizin konnte nichts Falsches an ihren Wegen erkennen. Manche in den Reihen der Streiter hatten sie als radikal bezeichnet, als gnadenlos den Ketzern gegenüber; aber dies war der einzig richtige Weg. Wieso jemanden die Gnade des Lebens erweisen, wenn er nicht bereit war den Weg der Läuterung zu gehen?
Wieso jemanden verschonen, der aus seinem Unglaube heraus alsbald wieder gegen sie vorgehen würde? Der Mann damals hatte sich als Verräter gegen das rahalische Reich ausgegeben; hatte sich ihnen als Führer angeboten und ihr Vertrauen ausgenutzt – militärisch gesehen ein perfekter Schachzug und auch wenn Sorcha nicht für diesen Teil der Truppen zuständig gewesen war, so hatte sie sich doch eine Teilschuld an dem Tod von zehn Soldaten gegeben.
Dieser Mann hatte sterben müssen. Und Sorcha war froh gewesen dass er ihr Angebot nicht angenommen hatte – war es vielleicht diese Erleichterung, die nicht sein durfte? Hätte er von seinen Wegen abweichen wollen, wäre es dann nicht an ihr gewesen ihm die Hand zu reichen? Jeder Mensch konnte sich ändern; zum Guten wie auch zum Schlechten und wer war Sorcha darüber zu richten ob die Chance verdient war oder nicht? Im Zweifel hatte ein jeder diese Chance verdient …
Sie atmete tief die kühle Abendluft ein, welche sich auf die nackte Haut unter dem einfachen Stoff der Robe legte. Ein kurzer Schauer jagte durch ihren Körper. Die Herrin wollte sie testen, sie auf Dinge aufmerksam machen – und wie es aussah auch mehr. Die letzten Tage hatte sich die Novizin mit dem Oberleutnant der Garde Adorans, Lilian von Nebelpass, getroffen und einige sehr interessante Gespräche geführt. Der Leutnant schien daran interessiert zu sein die Zusammenarbeit zwischen Kloster und Garde zu vertiefen und Sorcha hatte ihre Unterstützung angeboten wo sie nur konnte. Sie war zwar nur ein unteres Mitglied des Klosters, doch ihre Eminenz hatte sie beauftragt sich um den Glaubensunterricht eines der Mitglieder der Garde zu kümmern; wieso diese Arbeit nicht ein wenig ausweiten und den Glauben innerhalb der Garde stärken versuchen?
„ Kehre zurück wo dein Glaube seinen Anfang fand ...“
Vielleicht waren mit jenen Worten damals auch der erste Ursprung gemeint. Ihre ersten Glaubenserfahrungen hatte sie damals in der Garde unter Kommandantin von Elbenau gemacht … der späteren Paladiness welche zu ihrem Vorbild werden sollte. War diese Wendung der Dinge vielleicht vorherbestimmt? War dies der Weg den Sorcha gehen sollte? Sie hatte zu Zeiten Varunas in der Garde gedient, kannte die Art und Weise wie ein Regiment funktionierte und sie wusste auch wie wichtig der Glauben in dieser Gemeinschaft sein konnte – eine Denkweise in der sie in Lilian von Nebelpass eine Verbündete im Geiste gefunden hatte – und diese Chance durfte sie nicht vergehen lassen.
Die nächstbeste Möglichkeit hierfür würde der baldige Turmbau sein, welchen die Garde anstrebte. Vielleicht war dies der richtige Zeitpunkt um zu sehen, wie sie sich einbringen konnte, und wie sie bei diesen Männern und Frauen den Glauben an die Schwertbringerin verfestigen konnte. Eine Herausforderung war da, nun musste sie nur herausfinden ob es die Richtige war. Die Zeit – und vor allem die Herrin – würden es ihr aufzeigen.
Zuletzt geändert von Benedict Weber am Sonntag 18. August 2013, 11:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Benedict Weber
Die kleine Festung an der Küste war heute Abend erfüllt von allerlei fröhlichen Gelächter, Gejohle und Geschwatze. Die Hallen waren voll von Männern und Frauen die ausgelassen die letzten Erfolge feierten; ein Ende des Krieges war abzusehen – und auch wenn man damals nicht ahnen konnte, wie stark der Schlachtenverlauf noch umschlagen sollte, heute Nacht war feiern angesagt. Edler Wein, kräftiges Bier und feinstes Fleisch aus Gerimor waren eine willkommene Abwechslung zu Brot, Wasser und gepökeltem Fleisch und so war die Stimmung entsprechend ausgelassen.
Die Zinnen der Feste, welche einen Blick auf das Meer hinaus ermöglichten, waren fast völlig unbemannt und nur zwei Gestalten standen hier oben und blickten hinaus auf das Meer. Für Sorcha war es ungewohnt länger als ein paar Stunden den Komfort einer bequemen Kleidung am Körper zu spüren, doch sie wollte sich im Moment nicht beklagen. In Momenten wie diesen war sie so gekleidet wie zu den besten Zeiten des Hauses Llastobhar, lange bevor sie sich von dieser weltlichen Seite abgewandt und sich der Herrin verschrieben hatte. Neben ihr stand er, Nevyn von Silberhand, Paladin der Herrin und Kommandant der örtlichen Truppen. Ihr Vorbild, Freund und Vertrauter. In seiner Gegenwart erlaubte sich Sorcha all die Wachsamkeit, all die Distanziertheit und das Ernste für einen Moment abzulegen, und so bildete sich ein entspanntes Lächeln als sie sich etwas an ihn lehnte und mit ihm zusammen aufs Meer hinaus blickte.
„Irgendwo dort hinten ist Gerimor. Wie der Kampf gegen Rahal wohl dort verläuft?“ seine Stimme war nachdenklich, ruhig.
„Sie werden sich schon zu wehren wissen. Es ist weniger Rahal was mir Sorgen macht.“ Sorcha merkte wie ihre Stimmung bereits zu kippen drohte bei dem Gedanken.
„Sprich dich aus ...“
„Es ist mehr das, was in unseren eigenen Reihen nistet. Was in Varuna und Adoran derzeit geschieht. Sag mir nicht dass du es nicht auch gesehen hast. Es ist wie eine Krankheit die im Reich wütet … wie ein Geschwür. All diese verlogenen Menschen, all diese leeren Lippenbekenntnisse die sie von sich geben; „Temoras Segen mit euch, MyLady“ … und kaum wendet man ihnen den Rücken zu, sind sie mit ihren eigenen Plänen, ihren Machtspielchen beschäftigt und vergessen das was wirklich zählt: Die Tugenden und der Kampf gegen die Ketzer.
Wir hätten Rahal damals bis auf den Grund niederbrennen sollen als wir die Stadt gestürmt hatten … an dem Tag an dem Paladin de Lore sein Leben gab. Aber nein; es blieb bei der Schmach gegen Rahal, wieso? Wieso haben wir nicht reagiert?
Es war deren Schuld und es ist auch heute die ihre, dass sich das Reich selbst verschlingt, anstatt sich gegen den Feind zu richten!“ Sorchas Stimme wurde hitziger, impulsiver und sie merkte, wie sich ihre Rechte zur Faust ballte und die Adern leicht bläulich unter der blassen Haut hervorscheinen ließ.
„Du redest vom Adel.“ mehr nicht, eine simple Feststellung, doch so war er, er würde zuhören.
„Ja, vom Adel, den Edlen, denen die sich teilweise Ritter schimpfen. Sie alle haben die Tugenden aus den Augen verloren! Sieh sie dir doch an! Ihre eigene macht ist das was sie antreibt, nicht die Wege der Herrin, nicht das, was sie eigentlich leiten sollte. Manchmal frage ich mich, wer die gefährlicheren Feinde sind. Die Ketzer im Westen, die wir wenigstens erkennen, oder die Ketzer in unseren eigenen Reihen.“
„Sorcha … du tust einigen mehr als unrecht. Außerdem können wir hier nichts daran ändern. Die Herrin hat uns hierher geschickt, sie lenkt unsere Handlungen und sie will uns an diesem Platz wissen, auf dass wir ihre Feinde endgültig zerschmettern. Wenn dies erledigt ist können wir zurückkehren und uns Rahal annehmen … und dann können wir sehen was wir gegen diese Scheinheiligkeit unternehmen. Doch für den Moment richte deinen Blick auf das Hier und Jetzt.“
Ein frustriertes Seufzen entwich der Adlerritterin und sie atmete tief durch, ehe sie nickte. „Du hast recht. Doch wenn ich könnte … wenn es in meiner Macht läge, ich würde sie alle zur Rechenschaft ziehen. Jeden einzelnen ...“ und sie lehnte den Kopf an seine Schulter.
Als Sorcha die Augen öffnete war sie nicht wirklich erstaunt gewesen, dass sie anscheinend vor dem Baum des Lebens weggedöst war. Die gestrige Nacht hatte ihr wenig Raum für Schlaf gelassen und „Schuld“ daran trug eine junge Akoluthin, die ihr etwas vor Augen geführt hatte, was sie all die Zeit anscheinend ignoriert hatte. Aurea war ihr Name, sie war zurückhaltend und freundlich, und mehr noch: sie hatte eine große Weisheit in sich.
Mehr aus Lust an ihrer Meinung hatte Sorcha ihr von ihrem Weg vom Schlachtfeld zum Kloster und ihren Träumen, wie den, in welchem sie den Baum des Lebens attackierte, erzählt. All die Zeit hatte die junge Frau schweigend zugehört, wirkte fast in sich gekehrt, bis sie etwas sagte, was so richtig und klar schien, dass es Sorcha fast schon beschämte, dass sie nicht in der Lage gewesen war, dies selbst zu erkennen.
„Was wenn der Baum nicht als Baum und auch nicht als der Glaube oder die Herrin an sich gemeint war sondern als... die Gemeinschaft alles Gläubigen. Dass... es nötig ist auch mit mehr Kraft und Deutlichkeit... den Glauben zu stützen und zu schützen auch innerhalb seiner selbst. So viele... tragen den Glauben nur auf der Zunge. Wir sind derzeit nicht viele Priester und... alle die ich kenne sind eher... ruhigerer Natur. Vielleicht seid ihr... eine ausgleichende Kraft in unseren Reihen. Vielleicht hat die Kirche der Herrin gerade euch nötig. Hier. Nicht an der Front.“
Sorcha hatte die ganze Nacht über diese Worte gegrübelt, hatte jeden Anflug von Schlaf bekämpft und sich mit ihren Gedanken auseinandergesetzt. War es möglich dass Aurea recht hatte? War dies vielleicht der Grund, weswegen die Herrin hierher geschickt hatte? Je mehr sie darüber nachdachte, je mehr sie über die vergangenen zwei Tage grübelte, desto mehr ergab all dies einen Sinn.
Das Zusammentreffen mit dem Adlerritter Raindri Katuri, welcher ebenfalls in die gleiche Kerbe einschlug wie Sorcha, das Treffen mit der Kommandantur der Garde und der Tagtraum den sie gehabt hatte … all dies fügte sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammen.
Gerade in Raindri hatte sie eine sehr verwandte Seele getroffen, einen Menschen der die gleiche Denkart wie sie inne hatte und auch eher einen radikaleren Weg zu suchen schien. Vielleicht waren es diese Menschen, zu denen die Herrin sie leitete, auf dass sie ihre Hilfe suchte, dass sie sich ihnen anschloss und gegen den doppelten Feind vorging; den Fein in Rahal und den Feind innerhalb des alumenischen Königreichs; den Ketzern und Ungläubigen.
Ihre Augen richteten sich auf den Baum des Lebens, welcher direkt vor ihr in die Höhe wuchs, und wieder hallten Aureas Worte in ihrem Geist wieder.
„Und gerade das Bild des Baumes ist doch ein sehr... dankbares. Könnte man uns Diener der Herrin doch auch als... Gärtner sehen. Da braucht es nicht nur... diejenigen die Gießen und Pflegen... sondern auch diejenigen, die den Baum im Zweifel einmal beschneiden damit er danach kräftiger
und reicher wächst.“
Eine unglaubliche Ruhe erfüllte sie in jenem Moment, eine Art von Gewissheit. Sie war dem richtigen Pfad näher als jemals zuvor, dessen war sie sich mehr als sicher. Sie würde mit anderen darüber reden müssen, sie würde ihre Eminenz darüber befragen … und sie würde ihren eigenen Instinkten folgen. Letztendlich war es ein einzelner Gedanke der sie nun erfüllte: Ich richte meinen Blick auf das Hier und Jetzt … und es ist Zeit zu handeln.
Die Zinnen der Feste, welche einen Blick auf das Meer hinaus ermöglichten, waren fast völlig unbemannt und nur zwei Gestalten standen hier oben und blickten hinaus auf das Meer. Für Sorcha war es ungewohnt länger als ein paar Stunden den Komfort einer bequemen Kleidung am Körper zu spüren, doch sie wollte sich im Moment nicht beklagen. In Momenten wie diesen war sie so gekleidet wie zu den besten Zeiten des Hauses Llastobhar, lange bevor sie sich von dieser weltlichen Seite abgewandt und sich der Herrin verschrieben hatte. Neben ihr stand er, Nevyn von Silberhand, Paladin der Herrin und Kommandant der örtlichen Truppen. Ihr Vorbild, Freund und Vertrauter. In seiner Gegenwart erlaubte sich Sorcha all die Wachsamkeit, all die Distanziertheit und das Ernste für einen Moment abzulegen, und so bildete sich ein entspanntes Lächeln als sie sich etwas an ihn lehnte und mit ihm zusammen aufs Meer hinaus blickte.
„Irgendwo dort hinten ist Gerimor. Wie der Kampf gegen Rahal wohl dort verläuft?“ seine Stimme war nachdenklich, ruhig.
„Sie werden sich schon zu wehren wissen. Es ist weniger Rahal was mir Sorgen macht.“ Sorcha merkte wie ihre Stimmung bereits zu kippen drohte bei dem Gedanken.
„Sprich dich aus ...“
„Es ist mehr das, was in unseren eigenen Reihen nistet. Was in Varuna und Adoran derzeit geschieht. Sag mir nicht dass du es nicht auch gesehen hast. Es ist wie eine Krankheit die im Reich wütet … wie ein Geschwür. All diese verlogenen Menschen, all diese leeren Lippenbekenntnisse die sie von sich geben; „Temoras Segen mit euch, MyLady“ … und kaum wendet man ihnen den Rücken zu, sind sie mit ihren eigenen Plänen, ihren Machtspielchen beschäftigt und vergessen das was wirklich zählt: Die Tugenden und der Kampf gegen die Ketzer.
Wir hätten Rahal damals bis auf den Grund niederbrennen sollen als wir die Stadt gestürmt hatten … an dem Tag an dem Paladin de Lore sein Leben gab. Aber nein; es blieb bei der Schmach gegen Rahal, wieso? Wieso haben wir nicht reagiert?
Es war deren Schuld und es ist auch heute die ihre, dass sich das Reich selbst verschlingt, anstatt sich gegen den Feind zu richten!“ Sorchas Stimme wurde hitziger, impulsiver und sie merkte, wie sich ihre Rechte zur Faust ballte und die Adern leicht bläulich unter der blassen Haut hervorscheinen ließ.
„Du redest vom Adel.“ mehr nicht, eine simple Feststellung, doch so war er, er würde zuhören.
„Ja, vom Adel, den Edlen, denen die sich teilweise Ritter schimpfen. Sie alle haben die Tugenden aus den Augen verloren! Sieh sie dir doch an! Ihre eigene macht ist das was sie antreibt, nicht die Wege der Herrin, nicht das, was sie eigentlich leiten sollte. Manchmal frage ich mich, wer die gefährlicheren Feinde sind. Die Ketzer im Westen, die wir wenigstens erkennen, oder die Ketzer in unseren eigenen Reihen.“
„Sorcha … du tust einigen mehr als unrecht. Außerdem können wir hier nichts daran ändern. Die Herrin hat uns hierher geschickt, sie lenkt unsere Handlungen und sie will uns an diesem Platz wissen, auf dass wir ihre Feinde endgültig zerschmettern. Wenn dies erledigt ist können wir zurückkehren und uns Rahal annehmen … und dann können wir sehen was wir gegen diese Scheinheiligkeit unternehmen. Doch für den Moment richte deinen Blick auf das Hier und Jetzt.“
Ein frustriertes Seufzen entwich der Adlerritterin und sie atmete tief durch, ehe sie nickte. „Du hast recht. Doch wenn ich könnte … wenn es in meiner Macht läge, ich würde sie alle zur Rechenschaft ziehen. Jeden einzelnen ...“ und sie lehnte den Kopf an seine Schulter.
Als Sorcha die Augen öffnete war sie nicht wirklich erstaunt gewesen, dass sie anscheinend vor dem Baum des Lebens weggedöst war. Die gestrige Nacht hatte ihr wenig Raum für Schlaf gelassen und „Schuld“ daran trug eine junge Akoluthin, die ihr etwas vor Augen geführt hatte, was sie all die Zeit anscheinend ignoriert hatte. Aurea war ihr Name, sie war zurückhaltend und freundlich, und mehr noch: sie hatte eine große Weisheit in sich.
Mehr aus Lust an ihrer Meinung hatte Sorcha ihr von ihrem Weg vom Schlachtfeld zum Kloster und ihren Träumen, wie den, in welchem sie den Baum des Lebens attackierte, erzählt. All die Zeit hatte die junge Frau schweigend zugehört, wirkte fast in sich gekehrt, bis sie etwas sagte, was so richtig und klar schien, dass es Sorcha fast schon beschämte, dass sie nicht in der Lage gewesen war, dies selbst zu erkennen.
„Was wenn der Baum nicht als Baum und auch nicht als der Glaube oder die Herrin an sich gemeint war sondern als... die Gemeinschaft alles Gläubigen. Dass... es nötig ist auch mit mehr Kraft und Deutlichkeit... den Glauben zu stützen und zu schützen auch innerhalb seiner selbst. So viele... tragen den Glauben nur auf der Zunge. Wir sind derzeit nicht viele Priester und... alle die ich kenne sind eher... ruhigerer Natur. Vielleicht seid ihr... eine ausgleichende Kraft in unseren Reihen. Vielleicht hat die Kirche der Herrin gerade euch nötig. Hier. Nicht an der Front.“
Sorcha hatte die ganze Nacht über diese Worte gegrübelt, hatte jeden Anflug von Schlaf bekämpft und sich mit ihren Gedanken auseinandergesetzt. War es möglich dass Aurea recht hatte? War dies vielleicht der Grund, weswegen die Herrin hierher geschickt hatte? Je mehr sie darüber nachdachte, je mehr sie über die vergangenen zwei Tage grübelte, desto mehr ergab all dies einen Sinn.
Das Zusammentreffen mit dem Adlerritter Raindri Katuri, welcher ebenfalls in die gleiche Kerbe einschlug wie Sorcha, das Treffen mit der Kommandantur der Garde und der Tagtraum den sie gehabt hatte … all dies fügte sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammen.
Gerade in Raindri hatte sie eine sehr verwandte Seele getroffen, einen Menschen der die gleiche Denkart wie sie inne hatte und auch eher einen radikaleren Weg zu suchen schien. Vielleicht waren es diese Menschen, zu denen die Herrin sie leitete, auf dass sie ihre Hilfe suchte, dass sie sich ihnen anschloss und gegen den doppelten Feind vorging; den Fein in Rahal und den Feind innerhalb des alumenischen Königreichs; den Ketzern und Ungläubigen.
Ihre Augen richteten sich auf den Baum des Lebens, welcher direkt vor ihr in die Höhe wuchs, und wieder hallten Aureas Worte in ihrem Geist wieder.
„Und gerade das Bild des Baumes ist doch ein sehr... dankbares. Könnte man uns Diener der Herrin doch auch als... Gärtner sehen. Da braucht es nicht nur... diejenigen die Gießen und Pflegen... sondern auch diejenigen, die den Baum im Zweifel einmal beschneiden damit er danach kräftiger
und reicher wächst.“
Eine unglaubliche Ruhe erfüllte sie in jenem Moment, eine Art von Gewissheit. Sie war dem richtigen Pfad näher als jemals zuvor, dessen war sie sich mehr als sicher. Sie würde mit anderen darüber reden müssen, sie würde ihre Eminenz darüber befragen … und sie würde ihren eigenen Instinkten folgen. Letztendlich war es ein einzelner Gedanke der sie nun erfüllte: Ich richte meinen Blick auf das Hier und Jetzt … und es ist Zeit zu handeln.
-
Benedict Weber
Und die Herrin hatte ihr Werk getan. Noch immer blickte Sorcha nachdenklich auf den Stab in ihren Händen, jenem Stab der durch ihren eigenen Glauben entstanden war, jener Stab der ihr als Zeichen dafür galt, dass die Herrin ihrer neuen Akoluthin den Weg geebnet hatte. Geformt aus Licht, aus Glauben und einem Gefühl, welches sie so noch niemals gespürt hatte.
Zu keiner Zeit zuvor hatte sie sich der Herrin so nahe gefühlt wie an diesem Abend in der Kapelle des Klosters, als Sorcha geprüft wurde, als ihre Eminenz Temora befragte ob ihr Weg nun hier unter den Geistlichen des Klosters wäre. Und die Schwertmaid hatte geantwortet, sie hatte ihr die Kraft geschenkt ihren Glauben zu formen und zu nutzen; das Ergebnis lag nun in ihrer Hand und die frische Akoluthin konnte die Augen nicht von ihm lassen. Er war erschienen, wie aus dem Nichts, und so würde sie ihn auch jederzeit rufen können – jedenfalls war dass die Theorie.
In der Praxis war es schwerer, ein Vorgang den sie noch üben würden müssen, genau wie alles andere welches mit diesem Geschenk einher ging. Wie oft hatte sie damals Hochwürden Travier erstaunt zugesehen, wenn Flammen der Läuterung aus ihren Händen schossen um den Feind zu verschlingen, und wie oft hatte sie sich gewundert welche unglaubliche Kraft des Glaubens in ihr wirken musste. Nun hatte Sorcha einen ersten Vorgeschmack bekommen und es würde noch mehr werden, dessen war sie sich bewusst.
Die Weihe, die Initiation war an jenem Abend vor vier Tagen gekommen. Ihre Eminenz hatte Sorcha aufgesucht um mit ihr ein Gespräch zu führen, und auch wenn es nicht an ihr lag, so hatte sie Sorcha doch letztendlich durch die Diskussion bestätigt, dass ihr ursprünglicher Gedanke nicht so falsch gewesen war im Bezug auf die Gründe der Herrin. „Wir kämpfen nicht nur an der Front, wir kämpfen auch einen Kampf um die Herzen“ - und da war es wieder; jener starke Abwesenheit des Glaubens unter den Bewohnern des Reiches, auch ihre Eminenz wusste darum, nein, selbstverständlich wusste sie darum.
Svea von Greifenhain war darüber im Bilde und auch wenn sie dies war, so unterschieden sich doch im ersten Moment die Ansichten zwischen ihnen beiden. Wo Sorcha der Meinung war dass man jene Ungläubigen auch ruhig zur Verantwortung ziehen solle, so vertrat ihre Eminenz eine umsichtigere, eine ruhigere Lösung – und wer war Sorcha die Weisheit jener Frau zu hinterfragen? Im Allgemeinen war es Svea gewesen, welche ihr an diesem Abend eine kleine Lektion erteilte über eine Eigenschaft welche die letzte Zeit nicht Sorchas Stärke gewesen war: Die der Geduld.
Stürmisch und impulsiv, Sorcha war gerade Letzteres in den vergangenen Jahren geworden wenn es um den Glauben ging. Im Krieg war es wichtig schnell und entschieden zu handeln, doch dies hier war nicht mehr die Front, die Menschen ihr gegenüber waren keine Soldaten oder Feinde, es waren verirrte Seelen im Glauben und es war wichtig das Feuer des Glaubens in ihren Herzen erneut entflammen zu lassen.
Ein weiterer Schritt war in der Zusammenarbeit mit der Garde getan, die Gespräche zwischen ihr und dem neuen Mittelsmann waren mehr als zufriedenstellend gewesen, ein Mann von Glauben und Tugendhaftigkeit, und so war sie optimistischer Natur dass zumindest in den Reihen des Regiments der Glaube stark bleiben konnte; das Kloster musste sich nur anstrengen, die Bemühungen der Priesterschaft musste fruchten, sie hatten diese Chance und sie mussten sie ergreifen, Sorcha zumindest würde ihr Bestes tun.
Doch auch wenn sie ihrer Eminenz versprochen hatte sich in mehr Zurückhaltung und Tugend zu üben, so war es sicher nicht verkehrt auch ein gewisses Maß an Härte zu zeigen. Die Garde mochte als ein gutes Beispiel dienen, doch es gab noch immer genug ungläubige und verirrte Herzen in dieser Stadt.
Von den einfachsten Bürgern bis in die Ränge des Adels, so war sich Sorcha sicher, würde sie auf ein vernachlässigen der Tugenden treffen, würde sehen wo Habgier und der Wunsch nach eigenen Interesse immer stärker waren als das Einhalten jener wichtigen und elementaren Regeln der Schwertmaid.
Und dann war da trotz allem noch der Feind im Westen. Auch wenn sie selbst bisher wenig von Rahal mitbekommen hatte war es nicht sicher dass diese Ruhe ewig halten würde. Es war noch immer Krieg, und entsprechend würde sie einen Kampf an zwei Fronten führen.
Und letztendlich waren da noch die Worte ihrer Eminenz am Abend ihrer Weihe:
„Ich spüre, dass die Herrin nach einer Zeit der Stille wieder näher bei uns ist und das aus einem Grund. Sie ist auf der Suche, doch vermag ich nicht zu sagen, nach was. Haltet die Augen offen...“
Wenn Temora nach etwas suchte, so würde Sorcha dieser Sache auf den Grund gehen. Die Zukunft hielt viele Aufgaben für sie parat; es war an der Zeit sie anzupacken.
Zu keiner Zeit zuvor hatte sie sich der Herrin so nahe gefühlt wie an diesem Abend in der Kapelle des Klosters, als Sorcha geprüft wurde, als ihre Eminenz Temora befragte ob ihr Weg nun hier unter den Geistlichen des Klosters wäre. Und die Schwertmaid hatte geantwortet, sie hatte ihr die Kraft geschenkt ihren Glauben zu formen und zu nutzen; das Ergebnis lag nun in ihrer Hand und die frische Akoluthin konnte die Augen nicht von ihm lassen. Er war erschienen, wie aus dem Nichts, und so würde sie ihn auch jederzeit rufen können – jedenfalls war dass die Theorie.
In der Praxis war es schwerer, ein Vorgang den sie noch üben würden müssen, genau wie alles andere welches mit diesem Geschenk einher ging. Wie oft hatte sie damals Hochwürden Travier erstaunt zugesehen, wenn Flammen der Läuterung aus ihren Händen schossen um den Feind zu verschlingen, und wie oft hatte sie sich gewundert welche unglaubliche Kraft des Glaubens in ihr wirken musste. Nun hatte Sorcha einen ersten Vorgeschmack bekommen und es würde noch mehr werden, dessen war sie sich bewusst.
Die Weihe, die Initiation war an jenem Abend vor vier Tagen gekommen. Ihre Eminenz hatte Sorcha aufgesucht um mit ihr ein Gespräch zu führen, und auch wenn es nicht an ihr lag, so hatte sie Sorcha doch letztendlich durch die Diskussion bestätigt, dass ihr ursprünglicher Gedanke nicht so falsch gewesen war im Bezug auf die Gründe der Herrin. „Wir kämpfen nicht nur an der Front, wir kämpfen auch einen Kampf um die Herzen“ - und da war es wieder; jener starke Abwesenheit des Glaubens unter den Bewohnern des Reiches, auch ihre Eminenz wusste darum, nein, selbstverständlich wusste sie darum.
Svea von Greifenhain war darüber im Bilde und auch wenn sie dies war, so unterschieden sich doch im ersten Moment die Ansichten zwischen ihnen beiden. Wo Sorcha der Meinung war dass man jene Ungläubigen auch ruhig zur Verantwortung ziehen solle, so vertrat ihre Eminenz eine umsichtigere, eine ruhigere Lösung – und wer war Sorcha die Weisheit jener Frau zu hinterfragen? Im Allgemeinen war es Svea gewesen, welche ihr an diesem Abend eine kleine Lektion erteilte über eine Eigenschaft welche die letzte Zeit nicht Sorchas Stärke gewesen war: Die der Geduld.
Stürmisch und impulsiv, Sorcha war gerade Letzteres in den vergangenen Jahren geworden wenn es um den Glauben ging. Im Krieg war es wichtig schnell und entschieden zu handeln, doch dies hier war nicht mehr die Front, die Menschen ihr gegenüber waren keine Soldaten oder Feinde, es waren verirrte Seelen im Glauben und es war wichtig das Feuer des Glaubens in ihren Herzen erneut entflammen zu lassen.
Ein weiterer Schritt war in der Zusammenarbeit mit der Garde getan, die Gespräche zwischen ihr und dem neuen Mittelsmann waren mehr als zufriedenstellend gewesen, ein Mann von Glauben und Tugendhaftigkeit, und so war sie optimistischer Natur dass zumindest in den Reihen des Regiments der Glaube stark bleiben konnte; das Kloster musste sich nur anstrengen, die Bemühungen der Priesterschaft musste fruchten, sie hatten diese Chance und sie mussten sie ergreifen, Sorcha zumindest würde ihr Bestes tun.
Doch auch wenn sie ihrer Eminenz versprochen hatte sich in mehr Zurückhaltung und Tugend zu üben, so war es sicher nicht verkehrt auch ein gewisses Maß an Härte zu zeigen. Die Garde mochte als ein gutes Beispiel dienen, doch es gab noch immer genug ungläubige und verirrte Herzen in dieser Stadt.
Von den einfachsten Bürgern bis in die Ränge des Adels, so war sich Sorcha sicher, würde sie auf ein vernachlässigen der Tugenden treffen, würde sehen wo Habgier und der Wunsch nach eigenen Interesse immer stärker waren als das Einhalten jener wichtigen und elementaren Regeln der Schwertmaid.
Und dann war da trotz allem noch der Feind im Westen. Auch wenn sie selbst bisher wenig von Rahal mitbekommen hatte war es nicht sicher dass diese Ruhe ewig halten würde. Es war noch immer Krieg, und entsprechend würde sie einen Kampf an zwei Fronten führen.
Und letztendlich waren da noch die Worte ihrer Eminenz am Abend ihrer Weihe:
„Ich spüre, dass die Herrin nach einer Zeit der Stille wieder näher bei uns ist und das aus einem Grund. Sie ist auf der Suche, doch vermag ich nicht zu sagen, nach was. Haltet die Augen offen...“
Wenn Temora nach etwas suchte, so würde Sorcha dieser Sache auf den Grund gehen. Die Zukunft hielt viele Aufgaben für sie parat; es war an der Zeit sie anzupacken.
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Benedict Weber
Die Herrin hielt sich verdeckt, zumindest was die Absicht ihrer deutlich spürbareren Präsenz anging. Jedoch geschahen im Verlauf der folgenden Wochen einige Dinge und die Ereignisse fanden ihren Höhepunkt in der heutigen Gerichtsverhandlung.
Sorcha saß auf dem Bett in den Quartieren und der Schlaf wollte sich nirgends blicken lassen. Die ganze Zeit über starrte sie durchs Dunkle an die Decke des Zimmers, ehe sie es nicht mehr aushielt, nach ihrer Robe tastete und sie sich umwarf. Es war ungewohnt den Stoff ohne ein Kettenhemd darunter zu tragen; Sorchas persönliches Zeichen der Verbundenheit gegenüber der Herrin. Die kalte Nachtluft ließ sie frösteln und verscheuchte den letzten Anflug von Müdigkeit, ehe sie langsam den Rundgang um den heiligen Baum ablief.
Noch an diesem Abend hatte sie im Gerichtssaal von Adoran gestanden und einen Mann mit Namen Severin verteidigt. Ein Mann, der sein Wort gebrochen hatte um mit einer Piratin das Bett zu teilen und nun des Verrates angeklagt war. Sorcha hatte mehrere Tage damit verbracht, sich mit dem Gefangenen zu unterhalten, ihn sich anzuhören und sich ein Bild von ihm zu machen. Severin war ein Narr gewesen sein Wort zweimal zu brechen, sicherlich, aber er war kein schlechter Mensch. Er war demütig, er zeigte Reue und er wollte Verantwortung übernehmen für den Grund weswegen er Wort gebrochen hatte: Ein Kind.
Noch vor dem Prozess hatte sie zu Lilian, einer der Richterinnen, gesagt, dass egal wie das Urteil ausfallen würde, die Herrin sicher ihre Gerechtigkeit walten lassen würde. Doch Sorcha hatte niemals mit diesem Urteil gerechnet: „Verrat“ und damit der Tod oder als mildernde Alternative das Exil für Severin und die Herausgabe seines eigen Fleisch und Blutes an das Kloster. Noch während der Verhandlung hatte sie zusehen müssen wie Severin die Farbeaus dem Gesicht gewichen war und Sorcha konnte es ihm nicht verübeln. Sie war davon ausgegangen dass er bestraft werden würde, das musste er irgendwie; doch hatte sie gehofft dass man ihn zeichnen würde und ihn dann verbannen würde, auf dass er sich um sein Kind sorgen konnte; jener Mann hatte das Zeug dazu sein Kind auf den richtigen Pfad zu bringen.
Doch jetzt? Jetzt wollte man etwas tun, was jeder Tugend der Herrin zuwidersprach, was nicht im Sinne der Mutter Eluive war; man wollte ein unschuldiges Kinderleben den Elternhänden entreißen. Dachte man nicht weiter? Nichts anderes außer Leid, Hass und nur noch mehr Verdorbenheit konnte aus diesem Urteil erwachsen; Severin würde von seinem bisherigen Pfad abweichen, die Piraten würden diesen „Tausch“ niemals auf Dauer gutheißen und das Kind? Es sollte in der Obhut des Klosters aufwachsen … natürlich war dies ein besseres Umfeld, doch konnte niemand innerhalb dieser Mauern dem Kind die Liebe einer Mutter schenken; nicht die junge Aurea, nicht ihre Eminenz die so sehr beschäftigt war und Sorcha? Sie tat sich schon schwer genug seit ihrer Rückkehr mit einfachen Menschen längere Zeit in normalen Ton zu reden, wie sollte sie sich dann einem Kind annehmen?
Sorcha hielt inne und blickte auf den Baum, der selbst in der Dunkelheit der Nacht noch ein inneres Licht auszustrahlen schien. War dies das richtige Urteil? War dies der Wille der Herrin? Sie konnte es sich nicht vorstellen, schon gar nicht wenn sie an den Rest des Prozesses zurückdachte. Der ganze Abend war mehr eine Schau für das Haus Dornwald, für den Adel. Wie Silvan wagte es mit ihr zu reden, ein ehemaliger Waffenbruder. Wie sehr er sich in Phrasen und gespielter Ironie verlor, dies war für Sorcha kein richtiger Prozess, es war mehr eine Bestätigung der Arroganz des Adels an sich. Severin hatte nicht gegen geltendes Recht verstoßen, er hatte die grundlegenden Gesetze nicht verstoßen und nur eine von Mariella zitierte Ansicht seiner Majestät sollte all dies plötzlich aufheben? Sorcha hatte versucht ruhig zu bleiben, hatte versucht sachlich zu argumentieren und es lief nicht schlecht, bis sie es wagte DEN König ins Spiel zu bringen und die niedergeschriebenen Gesetze über die zitierten Worte jenes zu heben. Nicht nur Silvan, auch der Richter hatte sie nun am Wickel und von dort an nahm alles diese eine Richtung. Doch letztendlich hatte Severin gegen die Moral verstoßen, nicht gegen Gesetze, und damit hätte es letztendlich der Kirche zustehen sollen zu entscheiden; nicht Sorcha, sondern ihrer Heiligkeit, welche vor den Tugenden und der Barmherzigkeit der Mutter geurteilt hätte und nicht aufgrund von dieser Farce!
Wut keimte für den Moment in ihr auf und Sorcha versuchte nicht einmal sie zu unterdrücken. „rechtschaffener Zorn“, so hatte Nevyn es einst genannt, jener Zorn der aus der gerechten Sache heraus wuchs. Sie hatte sich einmal mehr bestätigt gesehen an diesem Abend; die Tugendhaftigkeit war aus Adoran immer weiter gewichen und sie gipfelte in dem Gesicht jener hochnäsigen und arroganten Gräfin und ihrem Bruder, der es einst gewagt hatte sich als Streiter der Herrin zu bezeichnen.
Ihre rechte ballte sich zur Faust und nun war der Moment gekommen an dem sie durchatmen musste, die kühle Luft durch ihre Lungen schickte um sich langsam zu beruhigen. Das Urteil war gesprochen, doch Sorcha weigerte sich darin die Gerechtigkeit oder gar „Gnade“, wie es der Richter nannte, der Herrin zu erkennen. Nicht weil Severin schuldig gesprochen war, nein, selbst Sorcha hatte auf eine Teilschuld gepocht, sondern weil an diesem Abend die Saat für weiteres Übel gepflanzt wurde. Letztendlich würde das Urteil nur dazu beitragen dass eine weitere tugendhafte Seele sich abwenden, dass der Hass noch weiter anschwellen und dass ein unschuldiges Kind zwar nach den Tugenden aufwachsen würde, aber sich auch irgendwann von diesen wieder abwenden konnte.
Es gab tatsächlich nichts was sie tun konnte. Nichts außer in die Zukunft zu schauen und beobachten . Denn wie würde Aurea am nächsten Tag zu ihr sagen: „Das unsere ist das Wort … und die Geduld“ Und im Bezug auf diesen Konflikt hatte sie tatsächlich recht.
Sorcha saß auf dem Bett in den Quartieren und der Schlaf wollte sich nirgends blicken lassen. Die ganze Zeit über starrte sie durchs Dunkle an die Decke des Zimmers, ehe sie es nicht mehr aushielt, nach ihrer Robe tastete und sie sich umwarf. Es war ungewohnt den Stoff ohne ein Kettenhemd darunter zu tragen; Sorchas persönliches Zeichen der Verbundenheit gegenüber der Herrin. Die kalte Nachtluft ließ sie frösteln und verscheuchte den letzten Anflug von Müdigkeit, ehe sie langsam den Rundgang um den heiligen Baum ablief.
Noch an diesem Abend hatte sie im Gerichtssaal von Adoran gestanden und einen Mann mit Namen Severin verteidigt. Ein Mann, der sein Wort gebrochen hatte um mit einer Piratin das Bett zu teilen und nun des Verrates angeklagt war. Sorcha hatte mehrere Tage damit verbracht, sich mit dem Gefangenen zu unterhalten, ihn sich anzuhören und sich ein Bild von ihm zu machen. Severin war ein Narr gewesen sein Wort zweimal zu brechen, sicherlich, aber er war kein schlechter Mensch. Er war demütig, er zeigte Reue und er wollte Verantwortung übernehmen für den Grund weswegen er Wort gebrochen hatte: Ein Kind.
Noch vor dem Prozess hatte sie zu Lilian, einer der Richterinnen, gesagt, dass egal wie das Urteil ausfallen würde, die Herrin sicher ihre Gerechtigkeit walten lassen würde. Doch Sorcha hatte niemals mit diesem Urteil gerechnet: „Verrat“ und damit der Tod oder als mildernde Alternative das Exil für Severin und die Herausgabe seines eigen Fleisch und Blutes an das Kloster. Noch während der Verhandlung hatte sie zusehen müssen wie Severin die Farbeaus dem Gesicht gewichen war und Sorcha konnte es ihm nicht verübeln. Sie war davon ausgegangen dass er bestraft werden würde, das musste er irgendwie; doch hatte sie gehofft dass man ihn zeichnen würde und ihn dann verbannen würde, auf dass er sich um sein Kind sorgen konnte; jener Mann hatte das Zeug dazu sein Kind auf den richtigen Pfad zu bringen.
Doch jetzt? Jetzt wollte man etwas tun, was jeder Tugend der Herrin zuwidersprach, was nicht im Sinne der Mutter Eluive war; man wollte ein unschuldiges Kinderleben den Elternhänden entreißen. Dachte man nicht weiter? Nichts anderes außer Leid, Hass und nur noch mehr Verdorbenheit konnte aus diesem Urteil erwachsen; Severin würde von seinem bisherigen Pfad abweichen, die Piraten würden diesen „Tausch“ niemals auf Dauer gutheißen und das Kind? Es sollte in der Obhut des Klosters aufwachsen … natürlich war dies ein besseres Umfeld, doch konnte niemand innerhalb dieser Mauern dem Kind die Liebe einer Mutter schenken; nicht die junge Aurea, nicht ihre Eminenz die so sehr beschäftigt war und Sorcha? Sie tat sich schon schwer genug seit ihrer Rückkehr mit einfachen Menschen längere Zeit in normalen Ton zu reden, wie sollte sie sich dann einem Kind annehmen?
Sorcha hielt inne und blickte auf den Baum, der selbst in der Dunkelheit der Nacht noch ein inneres Licht auszustrahlen schien. War dies das richtige Urteil? War dies der Wille der Herrin? Sie konnte es sich nicht vorstellen, schon gar nicht wenn sie an den Rest des Prozesses zurückdachte. Der ganze Abend war mehr eine Schau für das Haus Dornwald, für den Adel. Wie Silvan wagte es mit ihr zu reden, ein ehemaliger Waffenbruder. Wie sehr er sich in Phrasen und gespielter Ironie verlor, dies war für Sorcha kein richtiger Prozess, es war mehr eine Bestätigung der Arroganz des Adels an sich. Severin hatte nicht gegen geltendes Recht verstoßen, er hatte die grundlegenden Gesetze nicht verstoßen und nur eine von Mariella zitierte Ansicht seiner Majestät sollte all dies plötzlich aufheben? Sorcha hatte versucht ruhig zu bleiben, hatte versucht sachlich zu argumentieren und es lief nicht schlecht, bis sie es wagte DEN König ins Spiel zu bringen und die niedergeschriebenen Gesetze über die zitierten Worte jenes zu heben. Nicht nur Silvan, auch der Richter hatte sie nun am Wickel und von dort an nahm alles diese eine Richtung. Doch letztendlich hatte Severin gegen die Moral verstoßen, nicht gegen Gesetze, und damit hätte es letztendlich der Kirche zustehen sollen zu entscheiden; nicht Sorcha, sondern ihrer Heiligkeit, welche vor den Tugenden und der Barmherzigkeit der Mutter geurteilt hätte und nicht aufgrund von dieser Farce!
Wut keimte für den Moment in ihr auf und Sorcha versuchte nicht einmal sie zu unterdrücken. „rechtschaffener Zorn“, so hatte Nevyn es einst genannt, jener Zorn der aus der gerechten Sache heraus wuchs. Sie hatte sich einmal mehr bestätigt gesehen an diesem Abend; die Tugendhaftigkeit war aus Adoran immer weiter gewichen und sie gipfelte in dem Gesicht jener hochnäsigen und arroganten Gräfin und ihrem Bruder, der es einst gewagt hatte sich als Streiter der Herrin zu bezeichnen.
Ihre rechte ballte sich zur Faust und nun war der Moment gekommen an dem sie durchatmen musste, die kühle Luft durch ihre Lungen schickte um sich langsam zu beruhigen. Das Urteil war gesprochen, doch Sorcha weigerte sich darin die Gerechtigkeit oder gar „Gnade“, wie es der Richter nannte, der Herrin zu erkennen. Nicht weil Severin schuldig gesprochen war, nein, selbst Sorcha hatte auf eine Teilschuld gepocht, sondern weil an diesem Abend die Saat für weiteres Übel gepflanzt wurde. Letztendlich würde das Urteil nur dazu beitragen dass eine weitere tugendhafte Seele sich abwenden, dass der Hass noch weiter anschwellen und dass ein unschuldiges Kind zwar nach den Tugenden aufwachsen würde, aber sich auch irgendwann von diesen wieder abwenden konnte.
Es gab tatsächlich nichts was sie tun konnte. Nichts außer in die Zukunft zu schauen und beobachten . Denn wie würde Aurea am nächsten Tag zu ihr sagen: „Das unsere ist das Wort … und die Geduld“ Und im Bezug auf diesen Konflikt hatte sie tatsächlich recht.
Zuletzt geändert von Benedict Weber am Mittwoch 25. September 2013, 15:00, insgesamt 1-mal geändert.
- Sorcha Llastobhar
- Beiträge: 84
- Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37
„Lady Sorcha, setzt euch doch zu uns ans Feuer, es ist noch Wein über.“ Die Soldaten winkten ihr zu, fünf junge Männer und eine Frau, die um ein kleines Feuer herum saßen und einen Lederschlauch gefüllt mit Wein herum reichten. Solcherlei kleine Feuer gab es überall innerhalb der provisorischen Holzpalisaden des Lagers und dafür dass diese Menschen jeden Tag dem Raben ins Antlitz starrten, war die Stimmung in dieser Nacht besonders gut. Sorcha lächelte matt und hob eine Hand. „Später gerne, Liam. Aber erst einmal braucht seine Lordschaft meinen Bericht. Achja und solltet ihr Kommandantin Liara irgendwo sehen, lasst sie wissen dass ich sie noch sprechen möchte“.
Sorcha verringerte ihre Schrittgeschwindigkeit keinen Moment, ehe sie das große Kommandanturzelt erreichte und eintrat. Nevyn stand dort, gebeugt über eine Karte, der Blick nachdenklich und erst als sie direkt hinter ihm stand und sich räusperte, blickte er über die Schulter. „Alles ruhig soweit nehme ich an?“ der Paladin richtete sich zu seiner vollen Größe auf, die Rüstung die er während der Schlacht trug war verschwunden; jene Rüstung welche nur durch seinen Willen und seine Hingabe an Temora herbeigerufen werden konnte. Stattdessen trug er einfache Leinenkleidung und sein durchdringender Blick legte sich auf die Adlerritterin die ihm zunickte. „Die Grenze ist gesichert und wir werden bald weiter vordringen können … das nächste Dorf ist nur noch gut zwei Tagesmärsche entfernt.“. Er nickte ihr zu „Den Männern und Frauen geht es gut?“ Wieder folgte ein Nicken seitens Sorcha; „Die Stimmung ist nach dem letzten Sieg sehr gut, die Soldaten feiern und sind ausgelassen.“ „Und da bist du nicht bei ihnen?“ er schenkte ihr ein schiefes Lächeln.
„Der Bericht … die Pflicht geht immer vor, du weißt das.“ erwiderte sie strenger als sie eigentlich wollte. Nevyn war ihr Lord, ihr Befehlshaber und ein auserwählter Paladin der Herrin, doch er war allen voran ein sehr enger Freund. Und dieser Freund schüttelte amüsiert den Kopf. „Die Soldaten mögen dich und du sie, also lass den Bericht Bericht sein und geh raus. Wann war es das letzte mal dass du etwas Wein getrunken und gelacht hast?“
Nun lag es an ihr den Kopf zu schütteln „Wein? Lachen? Wir sind inmitten von Feindesland und egal wie gut uns das Schlachtenglück derzeit auch gewogen scheint, wir müssen vorbereitet sein Nevyn. Wir sind die Kommandantur, wir ...“ „... sind auch nur Menschen, Sorcha.“ unterbrach er sie „Vergiss das nicht. Wir müssen uns ab und an auch etwas Spaß und Ruhe gönnen. Wann hast du das letzte mal diese Rüstung abgenommen? Und nun sag nicht als der Axthieb durchging und sie deinen Rücken behandeln mussten. Ja, wir sind im Krieg, aber lass den Krieg dich nicht zu sehr wegrücken von dem was du warst. Ich weiß dass du den Dienst an der Herrin sehr ernst nimmst, doch du dienst der Herrin besser wenn du innerlich ausgeglichen bist; jedenfalls so sehr es hier draußen geht. Und nun geh raus ... hab Spaß mit den Soldaten und trink einen für mich mit. Das ist ein Befehl.“ er zwinkerte ihr zu und wandte sich dem Kartentisch zu; seine Art zu sagen, dass das Gespräch vorbei war und Sorcha wusste es dreimal besser als noch weiter auf dem Thema herumzuhacken. Und so drehte sie sich um um das Zelt zu verlassen …
Nur um kurz daraufhin auf ein Feld voller Leichen zu treten. Aber dies war nicht richtig, so sollte es nicht sein … so WAR es nicht, Sie war mit den Soldaten am Feuer gesessen, doch nun hörte sie nur das schmatzende Geräusch, welches ihre Plattenstiefel verursachten als sie durch ein Gemisch aus Schlamm und Blut schritt. Die Toten am Boden waren nicht ihre Schlachtenbrüder; es waren all jene die durch ihre Hand gefallen waren; Soldaten des Panther, Ketzer, Verräter des Reiches, auch das eine oder andere bekannte Gesicht aus ihren Zeiten auf Gerimor, und all ihre leblosen Augen starrten sie an. Und in der Ferne hörte sie eine fast höhnische Stimme, leise an ihr Ohr flüsternd. „Rechtschaffener Zorn ...“
Sorcha schlug die Augen auf, einmal mehr war es ein Traum gewesen, einer von so vielen, welche sie in den vergangenen Nächten wieder heimsuchten. Langsam richtete sich die Akoluthin auf und verzog das Gesicht schmerzhaft. Ihre Narben schmerzten, schickten ein dumpfe Brennen durch ihren Körper und ihre Schultern fühlten sich an, als wollten sie jeden Moment von ihrem Körper fallen ; eine Folge des tagelangen Tragens ihres Kettenhemdes. „Wieso tragt ihr es ohne Unterlass?“ wurde sie einmal gefragt und ihre Antwort war einfach gewesen „Als Zeichen meiner Hingabe an Temora“ . Als Anhängerin einer Kriegsgöttin empfand Sorcha es nur als recht und richtig, ihre Rüstung tatsächlich nur zum waschen und schlafen abzulegen; so hatte sie es die letzten Jahre immer gehandhabt. Doch mittlerweile merkte sie immer öfter, vor allem nach ihren neuerlichen Übungsstunden, wie ihr Körper manchmal nachgab; letztendlich wurde sie nicht jünger, was letztendlich nur noch mehr ein Grund war, das Training zu intensivieren.
Ihre eisblauen Augen richteten sich müde in die Dunkelheit vor sich. Was sollte ihr jener Traum sagen? Hatte er überhaupt einen tieferen Sinn? Vielleicht waren es Nevyns Worte die sie damals abgetan hatte; doch letztendlich hatte er Recht behalten. Der Krieg hatte Sorcha verändert, ob sie dies zugeben wollte oder nicht. Selbst heute fiel es ihr des Öfteren schwer sich einfach irgendwo hinzusetzen und zu entspannen; mit anderen Menschen in Ruhe nur etwas zu trinken war immer schwerer und oftmals verweilte sie schweigend im Hintergrund. Und so sehr sie ihre Kettenrüstung auch aus Hingabe an Temora trug, so tat ein kleiner Teil in ihr es auch aus dem Grund, weils ie sich damit sicher fühlte. Damals auf dem Schlachtfeld wäre eine fehlende Rüstung der Tod gewesen – doch heute brauchte sie jene nicht immer; trotz allem konnte sie sich nur dann wirklich sicher fühlen, wenn sie den kalten Stahl am Körper spürte. Der Krieg hatte sie verändert, er hatte sie nicht nur äußerlich durch Narben verändert, er hatte sie auch innerlich verändert. Für sie gab es nur noch den Dienst an der Herrin, die Leidenschaft, all jene die sich gegen Temora stellten zur Strecke zu bringen und jene Ketzer, jene Falschprediger aber auch jene, welche nur Lippenbekenntnisse ohne Hingabe und ohne Wahrheit von sich gaben, die volle Härte und Wahrheit der Schwertherrin zu zeigen. Sie würde vielleicht dabei sterben … das wusste sie und alles andere war nicht wichtig.
Ein Leben im Namen der Herrin, das war es, was sie bestimmte – und auf immer bestimmen würde
Sorcha verringerte ihre Schrittgeschwindigkeit keinen Moment, ehe sie das große Kommandanturzelt erreichte und eintrat. Nevyn stand dort, gebeugt über eine Karte, der Blick nachdenklich und erst als sie direkt hinter ihm stand und sich räusperte, blickte er über die Schulter. „Alles ruhig soweit nehme ich an?“ der Paladin richtete sich zu seiner vollen Größe auf, die Rüstung die er während der Schlacht trug war verschwunden; jene Rüstung welche nur durch seinen Willen und seine Hingabe an Temora herbeigerufen werden konnte. Stattdessen trug er einfache Leinenkleidung und sein durchdringender Blick legte sich auf die Adlerritterin die ihm zunickte. „Die Grenze ist gesichert und wir werden bald weiter vordringen können … das nächste Dorf ist nur noch gut zwei Tagesmärsche entfernt.“. Er nickte ihr zu „Den Männern und Frauen geht es gut?“ Wieder folgte ein Nicken seitens Sorcha; „Die Stimmung ist nach dem letzten Sieg sehr gut, die Soldaten feiern und sind ausgelassen.“ „Und da bist du nicht bei ihnen?“ er schenkte ihr ein schiefes Lächeln.
„Der Bericht … die Pflicht geht immer vor, du weißt das.“ erwiderte sie strenger als sie eigentlich wollte. Nevyn war ihr Lord, ihr Befehlshaber und ein auserwählter Paladin der Herrin, doch er war allen voran ein sehr enger Freund. Und dieser Freund schüttelte amüsiert den Kopf. „Die Soldaten mögen dich und du sie, also lass den Bericht Bericht sein und geh raus. Wann war es das letzte mal dass du etwas Wein getrunken und gelacht hast?“
Nun lag es an ihr den Kopf zu schütteln „Wein? Lachen? Wir sind inmitten von Feindesland und egal wie gut uns das Schlachtenglück derzeit auch gewogen scheint, wir müssen vorbereitet sein Nevyn. Wir sind die Kommandantur, wir ...“ „... sind auch nur Menschen, Sorcha.“ unterbrach er sie „Vergiss das nicht. Wir müssen uns ab und an auch etwas Spaß und Ruhe gönnen. Wann hast du das letzte mal diese Rüstung abgenommen? Und nun sag nicht als der Axthieb durchging und sie deinen Rücken behandeln mussten. Ja, wir sind im Krieg, aber lass den Krieg dich nicht zu sehr wegrücken von dem was du warst. Ich weiß dass du den Dienst an der Herrin sehr ernst nimmst, doch du dienst der Herrin besser wenn du innerlich ausgeglichen bist; jedenfalls so sehr es hier draußen geht. Und nun geh raus ... hab Spaß mit den Soldaten und trink einen für mich mit. Das ist ein Befehl.“ er zwinkerte ihr zu und wandte sich dem Kartentisch zu; seine Art zu sagen, dass das Gespräch vorbei war und Sorcha wusste es dreimal besser als noch weiter auf dem Thema herumzuhacken. Und so drehte sie sich um um das Zelt zu verlassen …
Nur um kurz daraufhin auf ein Feld voller Leichen zu treten. Aber dies war nicht richtig, so sollte es nicht sein … so WAR es nicht, Sie war mit den Soldaten am Feuer gesessen, doch nun hörte sie nur das schmatzende Geräusch, welches ihre Plattenstiefel verursachten als sie durch ein Gemisch aus Schlamm und Blut schritt. Die Toten am Boden waren nicht ihre Schlachtenbrüder; es waren all jene die durch ihre Hand gefallen waren; Soldaten des Panther, Ketzer, Verräter des Reiches, auch das eine oder andere bekannte Gesicht aus ihren Zeiten auf Gerimor, und all ihre leblosen Augen starrten sie an. Und in der Ferne hörte sie eine fast höhnische Stimme, leise an ihr Ohr flüsternd. „Rechtschaffener Zorn ...“
Sorcha schlug die Augen auf, einmal mehr war es ein Traum gewesen, einer von so vielen, welche sie in den vergangenen Nächten wieder heimsuchten. Langsam richtete sich die Akoluthin auf und verzog das Gesicht schmerzhaft. Ihre Narben schmerzten, schickten ein dumpfe Brennen durch ihren Körper und ihre Schultern fühlten sich an, als wollten sie jeden Moment von ihrem Körper fallen ; eine Folge des tagelangen Tragens ihres Kettenhemdes. „Wieso tragt ihr es ohne Unterlass?“ wurde sie einmal gefragt und ihre Antwort war einfach gewesen „Als Zeichen meiner Hingabe an Temora“ . Als Anhängerin einer Kriegsgöttin empfand Sorcha es nur als recht und richtig, ihre Rüstung tatsächlich nur zum waschen und schlafen abzulegen; so hatte sie es die letzten Jahre immer gehandhabt. Doch mittlerweile merkte sie immer öfter, vor allem nach ihren neuerlichen Übungsstunden, wie ihr Körper manchmal nachgab; letztendlich wurde sie nicht jünger, was letztendlich nur noch mehr ein Grund war, das Training zu intensivieren.
Ihre eisblauen Augen richteten sich müde in die Dunkelheit vor sich. Was sollte ihr jener Traum sagen? Hatte er überhaupt einen tieferen Sinn? Vielleicht waren es Nevyns Worte die sie damals abgetan hatte; doch letztendlich hatte er Recht behalten. Der Krieg hatte Sorcha verändert, ob sie dies zugeben wollte oder nicht. Selbst heute fiel es ihr des Öfteren schwer sich einfach irgendwo hinzusetzen und zu entspannen; mit anderen Menschen in Ruhe nur etwas zu trinken war immer schwerer und oftmals verweilte sie schweigend im Hintergrund. Und so sehr sie ihre Kettenrüstung auch aus Hingabe an Temora trug, so tat ein kleiner Teil in ihr es auch aus dem Grund, weils ie sich damit sicher fühlte. Damals auf dem Schlachtfeld wäre eine fehlende Rüstung der Tod gewesen – doch heute brauchte sie jene nicht immer; trotz allem konnte sie sich nur dann wirklich sicher fühlen, wenn sie den kalten Stahl am Körper spürte. Der Krieg hatte sie verändert, er hatte sie nicht nur äußerlich durch Narben verändert, er hatte sie auch innerlich verändert. Für sie gab es nur noch den Dienst an der Herrin, die Leidenschaft, all jene die sich gegen Temora stellten zur Strecke zu bringen und jene Ketzer, jene Falschprediger aber auch jene, welche nur Lippenbekenntnisse ohne Hingabe und ohne Wahrheit von sich gaben, die volle Härte und Wahrheit der Schwertherrin zu zeigen. Sie würde vielleicht dabei sterben … das wusste sie und alles andere war nicht wichtig.
Ein Leben im Namen der Herrin, das war es, was sie bestimmte – und auf immer bestimmen würde
Zuletzt geändert von Sorcha Llastobhar am Freitag 8. November 2013, 17:16, insgesamt 3-mal geändert.