Sohn der Wüste - Blut der Bashir

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Sharif Kemal
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Sohn der Wüste - Blut der Bashir

Beitrag von Sharif Kemal »

Vergangenheit....


"Es ist ein Junge – ein gesunder, prächtiger Junge.", verkündete die Geburtshelferin und ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf ihrem schweißgebadeten Gesicht aus. Eine Welle der Erleichterung machte sich unter allen Beteiligten breit, hatte die Geburt doch länger als gewöhnlich gedauert, so dass man sich schon Sorgen um das Ungeborene und auch die Mutter machte. Die völlig erschöpfte, und nun vor Freude weinende Rana, nahm das kleine blutige Bündel liebevoll auf ihren entblösten Oberkörper und strich ihm sanft über die kohlschwarzen, verklebten Haare. "Sharif... der Ehrliche. Kemal... der Vollkommene. Sharif Kemal - so sollst du von nun an heißen.", flüsterte sie dem Kleinen liebevoll zu, dann etwas lauter: "Holt meinen Ranim herein. Nadim soll seinen Zweitgeborenen sehen.”. Als dieser besorgt dreinblickend das Zimmer betrat erhellte sich sein Gesicht in eben jenem Moment als er auf das kleine, friedlich auf der Brust seiner Frau schlafende Baby blickte.




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Sein großer Fadrim, Kadir, war von klein auf eine wichtige Bezugsperson für ihn gewesen. Er war immerhin schon fast zehn Jahre alt als Sharif in Menek'Ur geboren wurde und kannte daher jede Ecke dieser Stadt. Die beiden genossen die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Eltern und lernten schon bald, welches Privileg es war in der Familie der Bashir aufzuwachsen. Doch ihre Mutter, Rana, brachte ihnen auch von Anfang an bei mit den Hauslosen respektvoll umzugehen – was Sharif bis heute beibehalten hat.


Als Sharif beinahe fünf Jahre alt war, wurde auch er zu einem großen Fadrim für seine kleine Fidah Suraya.
Da Kadir schon bald andere Aufgaben übertragen wurden war es Suraya zu der Sharif eine besonders innige Bindung aufbaute. Die beiden waren kleine Sandstürme und widersetzten sich nur zu gerne den Anweisungen ihrer Eltern, wodurch sie sich relativ schnell an ein gewisses Strafmaß gewöhnten. Er liebte Suraya – war sie doch das Schönste, was er je auf dieser Welt erblickt hatte. Ihre Eltern konnten die beiden kaum trennen, nicht einmal in der Nacht. Sharif schlich sich oft heimlich in den Schlafsaal der Frauen um sich an Surayas weiches Haar zu schmiegen und friedlich neben ihr einzuschlafen. Die beiden hekten jeden Tag etwas Neues aus und ständig hörte man ihre Mara verzweifelt die Namen der beiden rufen. Meist waren sie jedoch schon lachend davongelaufen oder versteckten sich zwischen den Roben ihres Radehs.

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Es war wirklich eine unbeschwerte Kindheit die Sharif genießen konnte, selbst als er langsam zum Mann heranwuchs. Seine Familie lies ihm viele Freiheiten, da das Hauptaugenmerk auf Kadir lag – er war der Erstgeborene. Sharif lernte Lesen und Schreiben, er begleitete ihren Vater zu den Nordländern, wurde in das Handwerk des Salzschürfens eingewiesen und verbrachte auch die ein oder andere Stunde damit den Säbel zu schwingen, wofür er jedoch nicht wirklich Talent zeigte.
Als Sharif 16 Sommer alt wurde, beschlossen ihre Eltern, dass es für Sharif das Beste sei, sich der Karawane eines befreundeten Händlers anzuschließen und die Durrah zu erkunden. Salzschürfer hatte die Familie Bashir genug, für einen Säbelschwinger reichte sein Können nicht aus und in der Durrah, so hofften seine Eltern, würde er ein wenig erwachsener werden. Sharif, der schon länger von einer ungestillten Sehnsucht für die Ferne erfüllt war, akzeptierte diese Entscheidung, zum Erstaunen seiner Eltern, ohne zu rebellieren. Er hatte zwei Wochen Zeit ehe die Karawane aufbrechen wollte.

In diesen beiden Wochen verbrachte er noch einmal viel Zeit mit Suraya, da er wusste, dass er mehrere Jahre weg sein wird, ihr das aber nicht so sagen konnte und wollte. Sie war gerade 12 geworden und es hätte ihr das Herz gebrochen, wenn Sharif ihr erklärt hätte, dass sie ihn eine lange Zeit nicht wiedersehen wird. Suraya hatte bereits damals eine Begabung für die Tuchweberei und er bat sie ihr so schnell wie möglich ein Kopftuch für ihn zu fertigen, was Suraya selbstverständlich gerne tat.
Am Tag seiner Abreise war Sharif innerlich ruhig. Er wusste, dass er wieder kommen würde und er war auch neugierig auf das, was die Durrah zu bieten hatte. Es würde schöne Zeiten geben, aber auch Tage an denen er sich wünschte wieder in Menek'Ur zu sein, das wusste er.
Seine Mara weinte bittere Tränen als sie ihren Zweitgeborenen mit der Karawane davonziehen lies und sein Radeh sprach ihm noch einmal Mut zu. „Sharif, deine Familie liebt dich und wir wissen, dass du diese Aufgabe bewältigen wirst. Du bist ein Bashir, und wie alle deine Vorfahren wirst du ein langes und erfülltes Leben führen. Dies ist der erste Schritt zum Mann, Sharif. Wache, Lerne, Lehre – die Durrah wird dich zu einem anderen machen.“
Kadir umarmte seinen kleinen Fadrim herzlich und klopfte ihm auf die Schulter. „Wir sehen uns bald wieder – vielleicht hast du dann schon kleine Neffen und Nichten um die du dich kümmern kannst!“
Als Sharif Suraya ein letztes Mal umarmte, wollte er diesen Moment für immer in seinem Gedächtnis einbrennen. Ihre kleinen, sanften Hände, ihre großen, braunen Augen, ihre langen, weichen Haare … das würde er so nie wieder sehen, egal wann Sharif wiederkommen würde. Einige dicke Tränen rollten über ihre Wangen und Sharif wischte sie sanft mit seinen Fingern hinfort.
„Weine nicht, Suraya. Diese Stadt ist dein zuhause... und deine Familie ist bei dir. Ich werde schneller wieder da sein, als du mich vermissen kannst.“, sagte er aufmunternd. Unter lautem Schniefen reichte sie ihm noch das Tuch, welches sie auf seinen Wunsch hin gefertigt hatte.
Noch während die Karawane aufbrach wickelte er es sich um und blickte noch einmal zurück zu seiner Familie.
„Ich werde Euch nicht enttäuschen! Mara, Radeh, Fadrim und meine kleine Fidah...“, sagte er mehr zu sich selbst, doch zwang sich dann den Blick nach vorne zu richten. Nach vorne in eine ungewisse Zukunft.

"Möge Eluive mir den Weg zeigen!"

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Zuletzt geändert von Sharif Kemal am Montag 1. Juli 2013, 02:19, insgesamt 2-mal geändert.
Sharif Kemal
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Beitrag von Sharif Kemal »

Durrah

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Sechs Jahre war sie mein zu Hause.
Sechs Jahre lebte ich im Sand.
Sechs Jahre sah ich meine Familie nicht.
Sechs Jahre ohne die mir vertrauten Gesetze.



Die Karawane in der ich mein Leben die nächsten Jahre verbringen sollte setzte sich aus Händlern, deren Frauen und Kindern, einigen bezahlten Säbelschwingern und ein paar wenigen Unerfahrenen, wie ich es war, zusammen. Alles in einem waren wir etwa 15 Personen, zehn Lamas die Lasten trugen und einige reinrassige Pferde, die abwechselnd von uns geritten wurden. Jede Nacht bauten wir einige Zelte auf in denen wir uns zur Ruhe legten. Stets gab es Wachen, die im Falle eines Angriffs oder anderweitiger Gefahr, die Schlafenden wecken sollten.

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Mir wurde vom Leiter der Karawane, Ahmet Yazame, die Aufgabe zugeteilt die Funde, Verkäufe und Einkäufe der Karawane schriftlich festzuhalten. Diese Aufgabe schien mir angemessen, für einen Anaan aus dem Blute der Bashir und so sah ich keine Gefahr für Leib und Leben.

Doch bereits nach einigen Tagen wurde ich eines besseren belehrt...


Die Tage waren lang und anstrengend, da wir bis auf einige wenige Sträucher und Palmen keinen Schatten hatten. In der Mittagszeit wurde mir oft schwindlig, da ich solche Hitze nicht gewohnt war. Die Teilnehmer der Karawane versicherten mir, dass sich das mit der Zeit geben würde und das zu Beginn jeder vor der Durrah in die Knie geht.

Als wir gegen Abend unsere Zelte ein weiteres Mal aufbauten merkte ich, dass es doch bereits sehr kühl war verglichen mit den Abenden zuvor. Und ich sollte Recht behalten. Kurz nachdem die Säbelschwinger die Wachen unter sich aufgeteilt hatten und wir uns alle schlafen legten, kroch uns die Kälte in die Glieder.
Die Kinder waren die ersten die es merkten und ihre Maras versuchten sie so gut es ging zu wärmen, doch die zierlichen Natifahs froren bald selbst und zitterten. Als die Kinder zu weinen begangen ordnete Ahmet an, dass die Männer sich nun ebenfalls darum kümmern sollten, dass sowohl die Kinder als auch die Natifahs nicht mehr froren. Ich merkte zwar auch schon wie sich die Kälte von den Finger- und Fußspitzen bis in das Innere meines Körpers zu ziehen begann, jedoch wollte ich mich nicht beklagen und tat das was alle taten. Zu dritt und viert drängten wir uns unter den weichen Decken zusammen, beim Ausatmen darauf bedacht die warme Luft unter die Schichten aus Kleidung zu atmen.

Die Temperatur fiel immer weiter und die Zeit schien immer langsamer zu verstreichen. Ich hatte meine Arme um einen Jungen gelegt der ein wenig jünger als meine geliebte Fidah zu sein schien und hatte meine Hände auf die Schultern seiner Mutter gelegt. Sie wiederrum wurde von ihrem Ranim gewärmt der mich dankbar anlächelte, dass ich meine lebensrettende Körperwärme mit seinem Anaan teilte.
Fast niemand tat in dieser Nacht ein Auge zu und zwischenzeitlich verloren mehrere Teilnehmer der Karawane das Bewusstsein. So auch ich.

An den kleinen Jungen geschmiegt und darauf bedacht mit meinem Körper alle Kälte von ihm abzuhalten merkte ich plötzlich wie mich alle Kraft verlies und mir ein stechender Schmerz durch den Kopf zog. Als ich aufblickte nahm ich den Himmel mit seinen Sternen nur verschwommen war und kippte nach hinten um...

[img]http://b.vimeocdn.com/ts/286/552/286552199_640.jpg[/img]


Fortsetzung folgt...
Zuletzt geändert von Sharif Kemal am Dienstag 9. Juli 2013, 00:19, insgesamt 1-mal geändert.
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