- Seit Tagen tragen uns die gleichen Brücken.
Wir teilen uns harmonisch Weg und Ziel.
Und was wir tun, tun wir aus freien Stücken.
In gleicher Absicht, mit demselben Ziel.
Noch immer suchen wir nach Augenblicken,
wo jeder sich ein Stück vom andern nimmt.
Und wir bemerken: Unsre Uhren ticken
in einem Rhythmus, der für beide stimmt.
Dann lehnen wir uns über das Geländer,
im Fluss des Lebens schaukelt unser Boot.
Uns grüßen seine farbenfrohen Bänder,
zusammen warten wir aufs Abendrot.
Als ich sah, wie er auf mich zuging, war auf einmal alles wieder so viel erträglicher. „Salam Aleikum, Rani.“, ich hörte seine Worte, aber ich sprang ihm längst in die Arme und um den Hals. Ich war so froh und so überglücklich, ihn zu sehen. „Ich habe dich auch vermisst.“
Er hatte mich gesucht. Zuerst an unserem anderen Treffpunkt, dann hier. Er hatte mich... gesucht. Und gefunden.
Der Gruß von Aaminah zerriss mir förmlich das Herz. Sie konnte sich wohl denken, dass wir uns heimlich trafen. Es machte mich augenblicklich traurig und betrübte mein Herz. Wie sehr hätte ich meine beste Freundin am liebsten in den Arm genommen. Gassur selbst war derweil eher froh darüber, dass meine Mutter ihn nicht verteufelte, sondern mit ihrer Antwort auf meinen Brief auch sein Herz irgendwie berührt hatte. Aiwa, meine Mutter war eine vernünftige Frau. Vielleicht etwas anders als die anderen, aber ihr lag so viel daran, dass es ihren Töchtern gut ging. Ohh, ich vermisste Aaminah so sehr. Wie sehr freute ich mich auf den Tag, wenn ich sie wieder in meine Arme schließen konnte. Und Hazar. Und Zahra. Und alle anderen. Es war nur ein Tag ohne ihn gewesen – aber ich wusste gar nicht, wie qualvoll ein solcher Tag werden konnte.
Aber es wurde Zeit, dass dieser Weg ein Ende nahm. Ein endlos langer Weg... So viele Gedanken hatte ich mir in der letzten Zeit gemacht. Aber ich kam auf keine andere Möglichkeit außer abwarten. Jalilah hatte in den letzten Tagen begonnen, davon zu krabbeln. Die ersten Versuche waren kläglich und sie krabbelte rückwärts, aber immerhin: Sie krabbelte. „Hoffentlich erleben wir ihre ersten Schritte zusammen.“; ich wusste nicht, wie er es machte. Aber jeder neue Tag barg eine neue Überraschung. Allein sein Interesse daran, dass Jalilah in seinem Beisein den ersten Schritt wagte, machte mich so unendlich glücklich. Glück, welches man nicht so schnell nachvollziehen und verstehen konnte. Dennoch neigte sich an diesem Nachmittag unsere Zeit schneller gen Ende, als gedacht. Ich fragte ihn, was er am Abend vorhatte. Aber es gab nichts, was er nicht für mich hätte verschieben können. Also überlegten wir, was wir an diesem Abend unternehmen würden. Genauer gesagt fragte er danach, ob ihn dort mehr „hiervon“ erwarten würde. Was „hiervon“ war erklärte er mir umgehend, ohne, dass ich auch nur im Ansatz eine Antwort darauf geben konnte. Wir verabredeten uns also für den kommenden Abend.
Die Zeit bis zum Abend verbrachte ich mit Jalilah. Mit wem auch sonst. Mein Leben bestand derzeit nur aus Jalilah und Gassur. War das bedauernswert? Ich verbrachte mein Leben mit den beiden Menekanern, die ich am meisten liebte. Ich beschäftigte mich mit ihr, erzählte ihr eine Geschichte, zog ihr hübsche Kleider an. Sie war so bildhübsch, meine kleine Prinzessin. Wenige Stunden später schlich ich mich wieder davon. Jalilah wusste ich wieder in guten Händen. Vor allem in verschwiegenen Händen. Und so hatte ich noch eine Stunde, um mir ein wenig Ruhe zu gönnen. Bevor Gassur an den verabredeten Ort kam. Bevor ich wieder all meine Gedanken beiseite schaffte und seine Nähe genießen konnte.
Ich ließ mich in den Sand fallen. Mit meinen Fingerspitzen streichelte ich sanft über den Sand, nahm ihn zwischen meinen Fingern auf und ließ ihn wieder aus diesen entgleiten. Welche Möglichkeiten hatten wir? Wir konnten alles aussitzen und warten. Aber vielleicht würden wir dann endlos lange warten. Wir konnten fortgehen, aber dann würden wir niemals wieder zurückkommen können. Ich konnte meinen Namen ablegen, mich von allen Verpflichtungen befreien. Aber dazu war die restliche Liebe zu meiner Familie doch noch zu groß. Ich konnte zum Emir gehen, aber dann lief ich Gefahr, dass ich enttäuscht werden konnte und auch er kein Verständnis für mich, für uns zeigte. Bevor ich weiterdenken konnte, spürte ich die Hände auf meinen Augen. „Rate mal, wer hier ist.“; ich tastete mich an seinen Händen empor. Für einen Moment hatte ich überlegt, einfach irgend jemand anderen zu nennen. Aber ich konnte nicht. „Ich glaube... der schönste Mann Menek'Urs.“
Wir überlegten kurz, wohin uns unsere Wege führen sollten. Allerdings entschieden wir dann, an Ort und Stelle zu verweilen. Gassur erzählte mir, dass er mit Asiya gesprochen hatte. Wegen Zahra. Und wie sie zu dem Vorschlag von Saman stand. Ich wusste bis dato noch nicht, von welchem Vorschlag er sprach. Er sah erschrocken zu mir. „Habe ich dir nicht erzählt, was Saman Zafer für einen Vorschlag gemacht hat?“ Ich verneinte. Er hatte nichts erzählt, irgendwie war das am Tag des Gespräches über den Brautpreis vollkommen untergegangen. „Saman will dafür, dass er dich freigibt, Zahra für eine gewisse Zeit in seiner Familie haben, wohl für Amar.“
Sie wollten uns eintauschen. Nein, Saman wollte uns eintauschen. Wie ein billiges Stück Vieh. Genau genommen war mir jedes Mittel recht, um von dieser Familie loszukommen. Aber das ging selbst für mich einen Schritt zu weit. „Ich wollte auch lieber einen Haufen Gold, so groß wie MenekUr, für dich anhäufen. Aber daran hatte Saman kein Interesse. Er wollte eine Gegenleistung. Und zwar Zahra.“; und Zahra war selbstverständlich alles andere als begeistert. Was ich auch unter allen Umständen nachvollziehen konnte. Auch, wenn sie mir gegenüber Interesse an Amar bekundet hatte, es war der falsche Weg. Nicht so. Dennoch, es fühlte sich schön an, was Gassur für mich alles tun würde. Und ich fragte mich bis heute, womit ich das verdient hatte. „Du hättest noch viel bessere Umstände verdient.“; aber ich sah es an diesem Abend anders. Ich sah in dem Ganzen eine Prüfung Eluives. Sie gab uns die Prüfung, uns zu beweisen. Allzu oft wurde schon gesagt: „Drum prüfe, was sich ewig bindet.“ - diese schwierigen Umstände würden uns noch enger zusammenschweißen. Wir hatten Geheimnisse, an denen wir beide festhalten mussten, um uns sehen zu können. Natürlich, es wäre anders besser gewesen. Aber wir würden unseren Nutzen daraus ziehen. Und daran wachsen. Ihn hingegen machten die Umstände genau an diesem Abend äußerst traurig. Er stellte vieles in Frage. Und ich kam nicht darum herum ihn zu fragen, ob er es besser fände, wenn wir uns nicht mehr sehen bis alles geklärt war. „Das wäre es sicherlich. Aber das würde ich nicht aushalten.“
Das war auch meine größte Sorge. Ich würde es nicht aushalten und vermutlich an der Einsamkeit zuhause ersticken. Warum konnten sie mich nicht einfach gehen lassen? Ich hatte eh keinen Wert mehr für sie. Ich leistete nicht einmal mehr meine Arbeit. Es waren andere Natifahs nachgerutscht, um meine Aufgaben zu übernehmen. Sie hatten keinen Nutzen mehr an mir, ich war nur noch eine Goldquelle. Ein Tauschgut. Warum musste man alles nur qualvoll in die Länge ziehen? Ich überlegte, ob wir Nazeeya aufsuchen sollten. Er fragte mich, was ich ihr erzählen wollte. Ich dachte im Grunde nur daran, ihr zu erzählen, warum ich von meiner Familie weg wollte, was im engsten Kreise beschlossen wurde, um mir zu helfen. Und, was sich daraus entwickelt hatte. Was er mir dann erzählte, ließ meine Welt für einen Augenblick zerbrechen. Er wollte es mir erst gar nicht erzählen auf meine Nachfrage und versuchte mich, mit einem Kuss abzulenken. Aber so einfach ließ ich ihn nicht durchkommen. Als er mir erklärte, dass er sie fragte, wie es sich verhält, falls um die Hand seiner Verlobten angehalten werden würde. Ich saß da wie eine getaufte Maus. Wie ein getretener Pudel und mein Herz begann zu rasen. Ich verstand nicht. Ich verstand die Welt nicht mehr für diesen einen Augenblick. Warum hatte er mir das vorher nicht erzählt? Welches verdammte Spiel spielte er hier? Was zum...
Er sah unsicher zu mir. „Deiner... was?“; er erklärte mir, es war anders, als es sich anhörte. Aiwa, eine Ausrede, die man wohl überall kannte. Wie sollte es denn gewesen sein? Seine Worte waren im Grunde recht klar verständlich. Oh du heilige, geliebte Mutter, womit hatte ich all das verdient? Er sprach weiter und ich nahm nur noch einzelne Brocken auf. „Hazar“, „Gefälligkeitshochzeit“. Er versuchte mich während seiner Worte wieder in den Arm zu nehmen. Ich ließ es zu, ich zeigte allerdings keinerlei Emotionen oder den Willen, mich in seinen Armen, wie sonst auch, fallen zu lassen. Ich wusste immer noch nicht, wie ich das verstehen sollte. War ich auch nur ein sinnloser Plan gewesen? Einer von vielen? Er erklärte mir, dass er nie mit ihr verlobt war. Es wäre nur eine Notlösung gewesen, aber es wäre nie soweit gekommen, obwohl die Gefahr bis heute noch nicht völlig vom Tisch war. Er versicherte mir, dass sie sich dafür nun jemand anderes suchen mussten. Ich konnte und wollte das alles im Moment nicht verstehen. Ich rutschte von ihm weg. Warum erzählte er mir das erst jetzt? Warum konnte er nicht von Anfang an ehrlich zu mir sein? Es fühlte sich an wie das Gefühl, wenn einem das Glas aus den Händen entgleitet, man es fallen sieht und nichts, aber auch gar nichts dagegen tun kann, dass es auf dem kühlen Steinboden zerspringt. Ich wollte mich doch nirgendwo dazwischen stellen. Und das sagte ich ihm auch. „Das kann nicht dein Ernst sein?“; er sah mir sehnsüchtig nach, aber ich ignorierte seinen Blick. Auch, wenn es mich zutiefst berührt hatte, wie er mir in dem Moment nachgesehen hatte. Ich konnte nicht einfach so nachgeben. Nicht einfach so. Und dann erzählte er mir die ganze Geschichte. Ich rutschte, während er sprach, zum Meer hinab um meine Beine abzukühlen. Ich musste es irgendwie schaffen, wieder klar denken zu können. Er beendete seine Erzählungen mit den Worten, dass er glücklich darüber sei, dass nichts aus alldem geworden war. Er rutschte zu mir und sah mir entschuldigend entgegen. Wäre es anders gekommen, hätte ihm das allerdings weitaus weniger Probleme bereitet als die Umstände jetzt. Ich stand auf, als er mir näher kam und ging ins Wasser. Ich musste meine Gedanken loswerden, ich hatte kein Anrecht darauf. Nicht ich. Immerhin verurteilte er mich ebenfalls nicht wegen meiner Vergangenheit. Und das... war nicht selbstverständlich. Ich stand inmitten des Wassers, als er mich in seine Arme zog. Ich konnte nicht anders, als mich an ihn zu schmiegen. Manchmal hatte man einfach keine Wahl im Leben. Die Situation im Wasser erinnerte ihn an den Abend, als ich verzweifelt nach der Familienversammlung bei den Ifrey saß. Der Abend, an dem ich Gassur überhaupt erst kennengelernt hatte. Wir standen auch im Wasser, als ich mich über die Hintertür ins Freie geschlichen hatte. Nur hatte er sich da noch nicht getraut, mich zu umarmen. Ich griff nach seine Hand.
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Und im nächsten Moment keimte schon dieser spitzbübische Plan in mir auf. Da seine Konzentration so auf mir lag, zog ich ihn mit einem Ruck weiter ins Wasser. Er sah, vom kalten Wasser erschrocken, wieder zu mir. „Was hast du vor?“ Ich paddelte wieder ein Stück zu ihm und umarmte ihn. Was sollte ich schon vorhaben? Als ich ihn so sah in mitten des Wassers wurde mir noch ein Stück mehr bewusst, wie wundervoll er eigentlich war. Ich berührte vorsichtig seine Wangen, ganz behutsam als würde er unter meinen Berührungen beinahe zerspringen. „Zum ertränken wäre es noch zu früh, noch sind wir nicht verheiratet.“; er schüttelte grinsend sein Haupt. „Also neda, ich habe nicht unbedingt etwas vor. Außer dich ein wenig zu ärgern.“ Mit einer Umarmung jedoch konnte ich ihn nicht ärgern. Ich legte ihm meinen Zeigefinger auf die Lippen, um ihn zum schweigen zu bringen. Und ich zog ihn wieder zu mir und.. küsste ihn. Die Nähe zu ihm überwältigte mich. „Du bist das Beste, was mir in der letzten Zeit passieren konnte.“; und mit diesen Worten zog ich ihn wieder zurück an Land. Wir setzten uns in ein windstilles Eck, um im kühleren Wind nicht zu frieren. Er hatte tatsächlich geglaubt, dass ich all das geplant hatte. Ich musste kurz kichern. Aber nein, nichts von allem war geplant. Zumindest nicht von Anfang an.
Ich saß eine ganze Weile in seinen Armen. Ich teilte die Gedanken mit ihm, dass ich nicht gedacht hätte, dass es mir jemals wieder so ergehen würde wie mit ihm. Er fragte mich, ob ich dachte, dass ich niemals wieder einen Mann für mich finden würde und vollendete seinen Satz damit mir zu sagen, dass ich jung, schlau, hübsch und zärtlich war. Und eine sehr gute Schneiderin sowieso. Damit hatte er meine Gedanken eigentlich auf den Punkt gebracht zusammen mit der Angst, nie wieder so fühlen zu können, wie ich es jetzt tat. Wegen all den Verlusten und all der Trauer. „Ich wusste vor dir nicht einmal, dass ich so fühlen kann und das eine Natifah meine Welt so durcheinander bringen kann.“
Bevor wir aufbrachen erzählte er mir noch, dass Zafer bereits Lunte gerochen hatte und vermutete, dass wir uns trafen. Aber was sollten wir auch sonst tun. Dennoch, als er mir erzählte, dass Zafer meinte, er habe sich verändert, überkam mich das schlechte Gewissen. Ich wollte nicht, dass er sich wegen mir so veränderte. Er erzählte mir, dass er beim Besuch von Hazar und Khadir vielleicht zwei oder drei Sätze gesprochen hatte, weil er mit den Gedanken immer bei mir war. Irgendwie keimte in mir ein wenig Furcht auf. War es vielleicht doch besser, wenn wir uns nicht mehr sehen würden? Bevor ich meine Befürchtungen in eine Frage verfasste, schüttelte er bereits das Haupt. „Neda, das ist nicht nötig. Falls es mal einen Tag nicht klappt, warum auch immer, dann ist es so. Aber ich will nicht schon im Vorfeld wissen, dass ich dich an diesem oder jenen Tag nicht sehen werde.“; ich war froh, dass er mich unterbrochen hatte. Denn ich hatte mich selber in die unangenehme Situation gebracht, dass ich meinen Satz nicht anders hätte vervollständigen zu können, außer ihm zu sagen... dass ich ihn.. liebte. Und alleine diese tiefe Erkenntnis meines Herzens elektrisierte mich für den Rest des Abends, den wir im Anschluss getrennt verbrachten.
- Aber wenn du mich zähmst,
wird mein Leben wie durchsonnt sein.
Ich werde den Klang deines Schrittes kennen,
der sich von allen anderen unterscheidet.
(aus „Der kleine Prinz“)
Bis zum nächsten Abend war es zwar eine ganze Zeit, aber ich konnte mich gut ablenken. Da gab es neue Schnitte und Muster, die zu lernen waren. Und so viel anderes. In den letzten Tagen hatte ich gedanklich so ziemlich alles durchgeplant, was die Zukunft betraf. Da der Abend schneller näher rückte als geplant, machte ich mich äußerst schnell auf den Weg zum verabredeten Treffpunkt. Diesmal war er es, der bereits schon dort war. Ich näherte mich ihm langsam und hielt ihm die Augen zu. Er fragte, ob er heute raten durfte, wer da war. Ich bestätigte und seine erste Wahl war... Faaith, da sie so oft durch die Wüste schlich. Er konnte sich sein Lachen kaum verkneifen. Ich fragte, ob er einen Tipp haben wollte. Er wollte. Also küsste ich seinen Hals, etwa auf Höhe der Halsschlagader, woraufhin er sein Haupt ein wenig zur Seite neigte. „Jetzt ist es mir klar. Du bist es, Sharie. Du hast mich gestern Abend schon so komisch angesehen.“; diesmal konnte er sich sein Lachen nicht mehr verkneifen und erntete meinerseits nur einen sanften Klaps auf den Hinterkopf. Manchmal war er ganz schön frech. Er bat mich darum, mich zu ihm zu setzen. Da ich immer noch recht baff war und zudem äußerst amüsiert über seine Worte, ärgerte ich ihn damit, dass ich mir gar nicht so sicher war, ob ich überhaupt bleiben sollte. Aber er griff gleich nach meiner Hand und teilte mir mit, dass ich unbedingt hier bleiben musste. Ich setzte mich also zu ihm und fragte nach seinem Tag, der sich, erstmals, gar nicht so berauschend anhörte. Er erzählte mir von den Ereignissen im Maristan und dass Rashid als Hakim Basha zurücktrat. Manchmal wollte ich wirklich nicht in seiner Haut stecken. Er musste sich zudem auch für Saman und sein Auftreten eine Bestrafung überlegen. „Aber ich hab Angst, dass er dich dann noch schlechter behandelt.“; ich erklärte ihm, dass er nicht immer Rücksicht auf mich nehmen konnte, nur damit mir nichts geschehen würde. Das würde bedeuten, dass man ihn vollkommen in der Hand hatte. Er würde spontan entscheiden, je nachdem, wie Saman ihn ansehen und ihm gegenübertreten würde. Das alleine fand ich interessant, denn das ermöglichte mir schon wieder meine typischen Natifah-Pläne: Mist bauen und dann mit einem lieblichen Lächeln und Augenblinzeln alles wieder gut machen. Darin war ich gar meisterhaft! Er lachte und meinte, es würde bei mir doch vermutlich eh nie ein Grund bestehen, um böse zu werden. Ohh, er kannte mich in manchen Hinsichten einfach nicht wirklich gut. Erst dann nicht, wenn sich mein Sturkopf wieder durchsetzen wollte. Er lächelte wieder und meinte, in so einem Fall würde er einfach „das hier“ machen. Und er küsste mich. Ich erinnerte ihn daran, dass er mir nicht meine Masche klauen sollte. Das war mein Plan. Er erzählte mir, dass Zafer ihn an ihrer beiden Gespräch erinnert hatte. Irgendwie fühlte ich mich nun wieder schuldig. Ich wusste, dass wir uns so nah gar nicht sein durften, aber es war so schwer zu widerstehen. Es tat mir wirklich leid. Er sagte mir, er könne mit den Konsequenzen leben, solange sie nur ihn betreffen würden und ich hierbei aus dem Spiel gelassen wurde. Worte, die ihn in meinen Augen gleich wieder ein Stück mehr zu einem wundervollen Geschenk machten. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter und erzählte ihm von meinem Traum, den ich die letzte Nacht geträumt hatte. Von der Hochzeit und davon, dass wir endlich nebeneinander aufgewacht waren und den Tag gemeinsam beginnen konnten. Natürlich fragten wir uns beide, wie die Wohnsituation aussehen würde, wenn ich dann endlich einmal zu ihnen gehen konnte. Das könnte interessant werden, alleine Jalilah wegen. Das Natifahzimmer war dazu nahezu ungeeignet. Immerhin würde Jalilah immer mal wieder nachts irgendwen aus dem Schlaf reißen. Gassur versprach, darüber vorab einmal mit Zafer zu sprechen. Im Anschluss philosophierten wir über Möglichkeiten, wie er bestmöglich immer bei mir sein konnte. Immerhin konnte es ja sein, dass mich irgendwer entführen wollte. Oder.. Jalilah. Da musste natürlich für ausreichend Sicherheit gesorgt werden. Und was wäre er für ein Mann, wenn er nicht höchstpersönlich für meinen Schutz sorgen würde? Ich erwiderte, dass er so oder so der beste überhaupt war. „Mit der wunderbarsten Frau an meiner Seite.“
Es war schade, dass wir heute nicht allzu viel Zeit hatten, aber lieber ein bisschen weniger Zeit, als sich gar nicht zu sehen. Außerdem musste ich mir selbst eingestehen, dass ich wirklich müde war und eigentlich nur noch zurück wollte, um zu schlafen. Obwohl ich mir durchaus besseres vorstellen konnte, aber das musste alles noch ein wenig warten. Bis dahin blieb mir nur die Freude auf unser nächstes Treffen. Aiwa, wenn ich etwas in der letzten Zeit gelernt war, dann war es, dass ich zu schätzen wusste, was mir geschenkt wurde. Und ich hatte gelernt, ihn zu lieben. Ich wusste, dass das, was hier war, gut war. Und ich war so stolz auf mich, solch einen Mann an meiner Seite zu wissen – komme was wolle.