Hammer und Amboss – Das Leben eines Schmiedes
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Aki Orikson
Erinnerungen an die Kindheit
Versonnen streichen seine Finger durch Leona's zerzaustes Haar. Mittlerweile liegt sie leicht schräg gegen seine Brust gelehnt, die Lippen einen Spalt geöffnet, streicht der ruhige Atem immer wieder den Stoff seines Hemdes. Ihre Augenlider flackern bei der Berührung leicht und sie schmiegt sich wohlbehütet dichter an ihren Bruder. Aki beobachtet sie einige Momente in ihrem tiefen, friedlichen Schlaf, dann blickt er auf, als ein etwas stärkerer Windzug die Zeltwand zum Wehen bringt. Knisternd werden einige Sandkörner auf den abgenutzten Teppich getragen. Mitten in der Wüste haben die beiden die Überreste eines Karawanenlagers gefunden und völlig erschöpft als Lager umfunktioniert. Trotz der Ermüdungserscheinungen findet er wie so oft keinen Schlaf und sitzt unruhig an die Zeltwand gelehnt und sieht immer wieder mit einem Anflug von Paranoia in die menschenleere Wüste hinaus. Als die Sonne langsam absinkt und die Hitze abschwächt, legt er seinen Mantel dicht um Leona's Körper, um sie vor der Kälte der anbrechenden Nacht zu schützen. Ihren ruhigen Atemzügen lauschend lässt er seine Gedanken treiben und erinnert sich in dösenden Zustand weit zurück an die Vergangenheit.
Mit festen Schritten stapft er etwas ungelenk durch den knöcheltiefen Schnee. Unter leisem Zittern zieht er den Jackenkragen dichter an seinen Hals, um die blose Haut von dem eisigen Wetter und dem Wind zu schützen. Die Kapuze rutscht ihm immer wieder vom braunen, wuscheligen Haarschopf und er müht sich ab in den Schutz der Werkstatt zu gelangen. Hechelnd zieht er die Türe hinter sich zu, ehe seine Wangen sich sogleich zu einem gesunden rot färben, als die warme Luft seinem jungen Gesicht schmeichelt. Der Blick aus den unerfahrenen, aber neugierigen ozeanblauen Augen schweift durch die Schmiedewerkstatt seines Vaters und nehmen die gewohnten Eindrücke wahr. Auf dem Amboss liegt ein Waffenrohling, dessen Spitze noch leicht glüht, von seinem Vater jedoch keine Spur. Aki schleift den Kohlesack, den er durchs Wetter gezerrt hat bis zur Esse und stellt ihn dort ab. Als er sich aufrichtet wirft er einen Blick über die Schulter, als sich Schritte nähern. "Da bist du ja wieder, war noch Kohle im Lager?" Mit einem zurückhaltenden Nicken bejaht Aki stumm die Frage seines Vaters und deutet mit der rußigen Hand zu dem Kohlesack. Dieser kommt auf ihn zu und wuschelt ihn mit der prankenhaften Rechten durchs schneenasse Haar.
Aki's Vater, Eduart Orikson ist eine imposante Person. Nur wenige Fingerbreit von der zwei Metermarke entfernt ragt er in die Höhe, die breiten Schultern und die, von der schweren Arbeit muskelbepackte Statur lassen ihn fast schon angsteinflösend wirken. Sein Blick ist kühl und abwägend, die Augen sind stahlblau und untermalen sein mürrisches Erscheinungsbild. Leichte Rußspuren zeichnen sich auf dem markanten Gesicht ab, kurz ringt er sich ein aufmunterndes Lächeln ab, dass sogar seine Augen erreicht und dieses dank der Lachfältchen freundlich wirken lässt. "Ich muss gleich noch zu Joseph, er wollte etwas geschäftliches bereden." meint Eduart mit brummendem Unterton. "Ich bleibe noch etwas hier, wenn ich darf, Papa." Aki wendet den Blick bereits von seinem Vater ab und geht neben dem Erzsack in die Hocke, um etwas Kohle in die Esse zu schlichten. Dazu drückt er immer wieder die Knie durch und richtet sich auf, ehe er die Kohlen vorsichtig in die Glut fallen lässt. "Natürlich, du kannst die Esse heiß halten, dann kann ich später meine Arbeit noch beenden." Mit einem Nicken deutet Eduart zu der abgelegten Rohklinge, dann hebt er die Rechte, ehe er sich zum Kleiderhaken wendet. "Bis später, Aki." raunt er, als er in den Fellmantel schlüpft und die Umhängetasche über die breite Schulter hängt. Mit einem letzten Blick zu seinem Sohn zerrt er die Türe auf und verschwindet in den kalten Nachmittag. Ein eisiger Luftzug dringt bis zu Aki vor und verursacht eine leichte Gänsehaut in seinem Nacken.
Mit flinken Fingern zieht der knapp vierzehn Jahre alte Junge einen Hocker unter dem Tisch hervor und erklimmt diesen, um eine der Holzschachteln zu erreichen, die auf einer oberen Ablage lagert. Er schiebt den Deckel auf und holt einen kleinen Gegenstand hervor, mit dem er wieder vom Schemel steigt. Er schließt die Finger um das kalte Metall, dann öffnet er die kleine Hand wieder etwas und betrachtet die kleine Figur. Mit dem Daumen streicht er über die, noch teilweise rauhe Oberfläche der Tierfigur und lächelt leicht bei dem Gedanken daran, dass diese bald fertig sein würde. Die Figur besitzt den schlanken, jedoch muskulösen Körper einer Löwin, die Schulterblätter wurden ausgearbeitet, sodass sie hervortreten, als würde sich das Raubtier gerade fortbewegen. Die Figur ist aus Eisen gefertigt und bereits grob zurecht geschliffen. Die Augenhöhlen sind vertieft und leer, Aki schiebt den Zeigefinger ein Stück in die Mulde und legt die Stirn in nachdenkliche Falten. Er möchte zwei kleine, schimmernde Edelsteine in die Augenhöhlen einsetzen, doch weiß er nicht, wie er an solche gelangt. Sein Vater weiß nichts von der Figur, die er an Tagen wie diesem immer wieder hervor geholt hat, um während der Abwesenheit seines Vaters daran zu feilen. Vermutlich wäre Eduart enttäuscht, dass er eine kleine Figur fertigt, anstatt sich mit dem Falten und Schärfen von Stahl zu beschäftigen. Aber es sollte ein Geschenk werden und die Empfängerin hat sicher nichts für Waffen übrig.
Aki zuckt mit einem leisen Laut zusammen und stopft die Figur eilig in die Hosentasche seiner abgetragenen Lederhose, als er ein Geräusch hört. Die Tür vom Haus zur Werkstatt knarzt und jemand kommt mit vorsichtigen, tapsenden Schritten die staubigen Holzstufen hinab. "Aki..?" hört er die leise, zurückhaltende Stimme seiner Schwester, ehe sie sich an dem Holzbalken vorbeiwagt, der ihm die Sicht zu ihr versperrt. Ihre blauen Augen flitzen durch die Werkstatt und er kann ihr zusehen wie sie sich entspannt, als sie ihren Vater nicht ausmachen kann. Ertappt schnappt er sich ein paar Kohlen und wirft sie in die Esse, er hört ihr kindliches Kichern, als ihr seine Hektik nicht entgeht. "Was machst du?" fragt sie mit einem neugierigen Blinzeln und tritt neben ihm, um ihm zuzusehen. "Ähm.. nichts bestimmtes." lügt er leise und kratzt sich mit den Fingerspitzen an der Nase, worauf Leona etwas lauter kichert und ihm ins Gesicht sieht. Aki lässt die Hände sinken und sieht sie fragend an. "Was..?" hakt er nach und blickt zu ihr hinunter, als sie bereits auf ihn zutritt, auf Zehenspitzen geht und ihm mit ihren kleinen Händen etwas Ruß vom Nasenrücken wischt. Er verzieht das Gesicht bei der Berührung und dreht den Kopf weg, ehe er mit den Händen nach ihr fuchtelt. "Lass das!" murrt er unwohl. Leona kichert wieder und hält sich den Handrücken dabei leicht vor den Mund, ehe sie gluckst. Aki beobachtet seine Schwester und muss unweigerlich lächeln.
Mit einem unruhigen Blinzeln schlägt er die Augen auf und blickt zu seiner Schwester hinab, die es sich mittlerweilen liegend und in Fötushaltung auf seinem Schos bequem gemacht hat. Der Mantel wurde von ihr zweckentfremdet und zusammengeknüllt unter ihren Kopf gedrückt, um als Kissen zu dienen. Sie gibt einen leisen, unverständlichen Laut von sich, dann fügt sie murmelnd etwas an und er kann zusehen wie sie im Schlaf lächelt. Mit einem leisen, tonlosen Seufzen dreht er den Kopf zur Seite und schmiegt die Wange an die Zeltwand, ehe die Gedanken wieder kreisen.
"Was ist das?" Eduart's Stimme ist kühl und bestimmt, während sich seine Pranke um die kleine Figur schließt und er diese in die Höhe reckt, um seine Frage zu verstärken. Er steht in der Werkstatt, Aki und Leona zugewandt, jedoch sieht er nur seinen Sohn auffordernd an, mit einem bedrohlichen Funkeln in den Augen. "Papa!" wirft Leona ein, ihre Mundwinkel sind nach unten gezogen und sie klingt ängstlich. Sie dreht den Kopf und hebt den Blick schüchtern an um zu ihrem Bruder hinauf zu blicken, der mit unwohlem Blick in das Gesicht seines Vaters blickt. "Aki!" knurrt dieser auffordernd und Eduard's Stimme wird lauter. Aki zuckt leicht zusammen und senkt den Blick, ehe er nuschelt. "Es ist ein Geschenk.. für Leona." Aus dem Augenwinkel wagt er einen Blick zu seiner Schwester und beobachtet, wie sich ihre Augen etwas weiten, dann färben sich ihre Wangen leicht rosa und sie stößt überrascht ihren Atem aus. Ihr Kopf hebt sich und sie blickt nochmals zu der Figur empor, die von den Fingern ihres Vaters gefangen gehalten wird. Sie lächelt erst vorsichtig, dann mehr und er kann ihr ansehen, wie sie der Gedanke entzückt. Mutig streckt sie die Rechte leicht von sich und greift nach der Hand ihres Bruders, während sie sehr leise nuschelt. "Danke.." Auch Aki's Mundwinkel zuckt kurz, ehe er eilig wieder absinkt, als er in die enttäuschten Augen seines Vaters sieht. "Du sollst üben Waffen zu schmieden und nicht irgendwelche Tierchen formen und dafür Edelsteine aus meinem Lager stehlen!" wendet er seine Worte ermahnend an seinen Sohn und wendet sich zu der Esse, in welcher die Kohlen unheilverkündend glühen. Er bewegt die Rechte langsam bis sie darüber schwebt und Leona's Augen weiten sich, als sie absieht, was er vor hat. "Nein!" sie lässt Aki's Hand los und tapst eilig zu ihrem Vater, zupft an seinem Hemd und starrt mit aufgequollenen Augen zu ihm hoch, während eine Träne nach der anderen ihre Wangen hinabkullern. "Bitte nicht!"
Aki sieht über die Schulter, als er entschlossene Schritte hört, die sich nähern, gefolgt von der sanften Stimme seiner Mutter. "Was ist denn geschehen?" fragt sie mit Blick auf ihre schluchzende Tochter. Sie legt die Hände an Leona's Schulter und zieht sie sanft aber bestimmt von der Esse und ihrem Vater weg. "Unser Sohn hat Spielzeug für Leona gefertigt und dafür Edelsteine gestohlen!" Miriam kneift die Augen leicht zusammen und reckt das Kinn, nachdem sie Leona einen sanften Schubs gegeben hat, worauf diese zu Aki zurücktapst. Lange nicht auf Augenhöhe mit ihrem Mann starrt sie diesen vorwurfsvoll an. "Er ist noch ein Kind!" erhebt sie ihre helle Stimme gegen Eduart. Sie hebt eine Hand und greift nach dem Ellenbogen ihres Mannes, dieser gibt langsam nach und nimmt die Hand runter, sodass die Figur nicht mehr unmittelbar über der zerstörerischen Glut hängt.
Aki wusste nicht, was das Funkeln in Eduart's Augen bedeutete, nicht zu diesem Zeitpunkt. Er konnte beobachten wie seine Mutter die Schultern etwas hängen lässt und ihre Haltung zurückhaltender wird. Sie senkt den Kopf etwas und starrt auf die Brust ihres Mannes. Es dauert einige Herzschläge, bis sich Miriam überwindet. Sie führt ihre Hände vor ihrer Brust zusammen und formt eine Art Schale, während sie ruhig meint. "Gib mir die Figur." Ihre Stimme klingt auffordernd, jedoch begleitet von einer gewissen Unsicherheit, weshalb die Worte leicht stocken. Die beiden Kinder halten die Luft an, als Eduart die Figur in die dargebotenen Handflächen legt, ehe er ausholt und Miriam kraftvoll ohrfeigt, sodass sie ins Wanken gerät und erschrocken die Luft einzieht. Eine Hand schließt sich um die Figur während sie mit der anderen ihre rot glühende Wange berührt. Die Situation verschwimmt vor Aki's Augen, er spürt wie Leona sich an seinen Ärmel klammert und wimmernd weint. Miriam wendet sich von Eduart ab, welcher die Hand sinken lässt und zur Faust ballt. Leona schreit nach ihrer Mutter, jedoch hört er ihren Schrei nicht mehr. Eine von Leona's Tränen trifft auf seinen Handrücken und er zuckt zusammen, als das salzige Wasser seine Haut berührt und ihn wieder aus den Gedanken holt.
Mit einem irritierten Blinzeln zuckt er hoch und erschüttert Leona's schlafenden Körper. Sie murmelt leise und schlägt stirnrunzelnd die Augen auf. 'Was ist, Aki..?' murmelt sie verschlafen und blickt mit leicht besorgtem Blick zu ihr hoch. 'Nichts.. ich finde nur keine Ruhe. Schlaf du nur weiter, Kurze.' Sie nickt mühe und tätschelt versonnen sein Knie, ehe sie wieder an den warmen Körper schmiegt und in Kürze wieder ins Land der Träume hinüberwandert. Aki's Blick geht in die Ferne und nach einem tiefen Atemzug sinkt er in eine bequeme Position und macht sich daran auf den Morgen zu warten.
[img]http://farm4.staticflickr.com/3776/9009992887_7fb13a4b8d.jpg[/img]
Mit festen Schritten stapft er etwas ungelenk durch den knöcheltiefen Schnee. Unter leisem Zittern zieht er den Jackenkragen dichter an seinen Hals, um die blose Haut von dem eisigen Wetter und dem Wind zu schützen. Die Kapuze rutscht ihm immer wieder vom braunen, wuscheligen Haarschopf und er müht sich ab in den Schutz der Werkstatt zu gelangen. Hechelnd zieht er die Türe hinter sich zu, ehe seine Wangen sich sogleich zu einem gesunden rot färben, als die warme Luft seinem jungen Gesicht schmeichelt. Der Blick aus den unerfahrenen, aber neugierigen ozeanblauen Augen schweift durch die Schmiedewerkstatt seines Vaters und nehmen die gewohnten Eindrücke wahr. Auf dem Amboss liegt ein Waffenrohling, dessen Spitze noch leicht glüht, von seinem Vater jedoch keine Spur. Aki schleift den Kohlesack, den er durchs Wetter gezerrt hat bis zur Esse und stellt ihn dort ab. Als er sich aufrichtet wirft er einen Blick über die Schulter, als sich Schritte nähern. "Da bist du ja wieder, war noch Kohle im Lager?" Mit einem zurückhaltenden Nicken bejaht Aki stumm die Frage seines Vaters und deutet mit der rußigen Hand zu dem Kohlesack. Dieser kommt auf ihn zu und wuschelt ihn mit der prankenhaften Rechten durchs schneenasse Haar.
Aki's Vater, Eduart Orikson ist eine imposante Person. Nur wenige Fingerbreit von der zwei Metermarke entfernt ragt er in die Höhe, die breiten Schultern und die, von der schweren Arbeit muskelbepackte Statur lassen ihn fast schon angsteinflösend wirken. Sein Blick ist kühl und abwägend, die Augen sind stahlblau und untermalen sein mürrisches Erscheinungsbild. Leichte Rußspuren zeichnen sich auf dem markanten Gesicht ab, kurz ringt er sich ein aufmunterndes Lächeln ab, dass sogar seine Augen erreicht und dieses dank der Lachfältchen freundlich wirken lässt. "Ich muss gleich noch zu Joseph, er wollte etwas geschäftliches bereden." meint Eduart mit brummendem Unterton. "Ich bleibe noch etwas hier, wenn ich darf, Papa." Aki wendet den Blick bereits von seinem Vater ab und geht neben dem Erzsack in die Hocke, um etwas Kohle in die Esse zu schlichten. Dazu drückt er immer wieder die Knie durch und richtet sich auf, ehe er die Kohlen vorsichtig in die Glut fallen lässt. "Natürlich, du kannst die Esse heiß halten, dann kann ich später meine Arbeit noch beenden." Mit einem Nicken deutet Eduart zu der abgelegten Rohklinge, dann hebt er die Rechte, ehe er sich zum Kleiderhaken wendet. "Bis später, Aki." raunt er, als er in den Fellmantel schlüpft und die Umhängetasche über die breite Schulter hängt. Mit einem letzten Blick zu seinem Sohn zerrt er die Türe auf und verschwindet in den kalten Nachmittag. Ein eisiger Luftzug dringt bis zu Aki vor und verursacht eine leichte Gänsehaut in seinem Nacken.
Mit flinken Fingern zieht der knapp vierzehn Jahre alte Junge einen Hocker unter dem Tisch hervor und erklimmt diesen, um eine der Holzschachteln zu erreichen, die auf einer oberen Ablage lagert. Er schiebt den Deckel auf und holt einen kleinen Gegenstand hervor, mit dem er wieder vom Schemel steigt. Er schließt die Finger um das kalte Metall, dann öffnet er die kleine Hand wieder etwas und betrachtet die kleine Figur. Mit dem Daumen streicht er über die, noch teilweise rauhe Oberfläche der Tierfigur und lächelt leicht bei dem Gedanken daran, dass diese bald fertig sein würde. Die Figur besitzt den schlanken, jedoch muskulösen Körper einer Löwin, die Schulterblätter wurden ausgearbeitet, sodass sie hervortreten, als würde sich das Raubtier gerade fortbewegen. Die Figur ist aus Eisen gefertigt und bereits grob zurecht geschliffen. Die Augenhöhlen sind vertieft und leer, Aki schiebt den Zeigefinger ein Stück in die Mulde und legt die Stirn in nachdenkliche Falten. Er möchte zwei kleine, schimmernde Edelsteine in die Augenhöhlen einsetzen, doch weiß er nicht, wie er an solche gelangt. Sein Vater weiß nichts von der Figur, die er an Tagen wie diesem immer wieder hervor geholt hat, um während der Abwesenheit seines Vaters daran zu feilen. Vermutlich wäre Eduart enttäuscht, dass er eine kleine Figur fertigt, anstatt sich mit dem Falten und Schärfen von Stahl zu beschäftigen. Aber es sollte ein Geschenk werden und die Empfängerin hat sicher nichts für Waffen übrig.
Aki zuckt mit einem leisen Laut zusammen und stopft die Figur eilig in die Hosentasche seiner abgetragenen Lederhose, als er ein Geräusch hört. Die Tür vom Haus zur Werkstatt knarzt und jemand kommt mit vorsichtigen, tapsenden Schritten die staubigen Holzstufen hinab. "Aki..?" hört er die leise, zurückhaltende Stimme seiner Schwester, ehe sie sich an dem Holzbalken vorbeiwagt, der ihm die Sicht zu ihr versperrt. Ihre blauen Augen flitzen durch die Werkstatt und er kann ihr zusehen wie sie sich entspannt, als sie ihren Vater nicht ausmachen kann. Ertappt schnappt er sich ein paar Kohlen und wirft sie in die Esse, er hört ihr kindliches Kichern, als ihr seine Hektik nicht entgeht. "Was machst du?" fragt sie mit einem neugierigen Blinzeln und tritt neben ihm, um ihm zuzusehen. "Ähm.. nichts bestimmtes." lügt er leise und kratzt sich mit den Fingerspitzen an der Nase, worauf Leona etwas lauter kichert und ihm ins Gesicht sieht. Aki lässt die Hände sinken und sieht sie fragend an. "Was..?" hakt er nach und blickt zu ihr hinunter, als sie bereits auf ihn zutritt, auf Zehenspitzen geht und ihm mit ihren kleinen Händen etwas Ruß vom Nasenrücken wischt. Er verzieht das Gesicht bei der Berührung und dreht den Kopf weg, ehe er mit den Händen nach ihr fuchtelt. "Lass das!" murrt er unwohl. Leona kichert wieder und hält sich den Handrücken dabei leicht vor den Mund, ehe sie gluckst. Aki beobachtet seine Schwester und muss unweigerlich lächeln.
Mit einem unruhigen Blinzeln schlägt er die Augen auf und blickt zu seiner Schwester hinab, die es sich mittlerweilen liegend und in Fötushaltung auf seinem Schos bequem gemacht hat. Der Mantel wurde von ihr zweckentfremdet und zusammengeknüllt unter ihren Kopf gedrückt, um als Kissen zu dienen. Sie gibt einen leisen, unverständlichen Laut von sich, dann fügt sie murmelnd etwas an und er kann zusehen wie sie im Schlaf lächelt. Mit einem leisen, tonlosen Seufzen dreht er den Kopf zur Seite und schmiegt die Wange an die Zeltwand, ehe die Gedanken wieder kreisen.
"Was ist das?" Eduart's Stimme ist kühl und bestimmt, während sich seine Pranke um die kleine Figur schließt und er diese in die Höhe reckt, um seine Frage zu verstärken. Er steht in der Werkstatt, Aki und Leona zugewandt, jedoch sieht er nur seinen Sohn auffordernd an, mit einem bedrohlichen Funkeln in den Augen. "Papa!" wirft Leona ein, ihre Mundwinkel sind nach unten gezogen und sie klingt ängstlich. Sie dreht den Kopf und hebt den Blick schüchtern an um zu ihrem Bruder hinauf zu blicken, der mit unwohlem Blick in das Gesicht seines Vaters blickt. "Aki!" knurrt dieser auffordernd und Eduard's Stimme wird lauter. Aki zuckt leicht zusammen und senkt den Blick, ehe er nuschelt. "Es ist ein Geschenk.. für Leona." Aus dem Augenwinkel wagt er einen Blick zu seiner Schwester und beobachtet, wie sich ihre Augen etwas weiten, dann färben sich ihre Wangen leicht rosa und sie stößt überrascht ihren Atem aus. Ihr Kopf hebt sich und sie blickt nochmals zu der Figur empor, die von den Fingern ihres Vaters gefangen gehalten wird. Sie lächelt erst vorsichtig, dann mehr und er kann ihr ansehen, wie sie der Gedanke entzückt. Mutig streckt sie die Rechte leicht von sich und greift nach der Hand ihres Bruders, während sie sehr leise nuschelt. "Danke.." Auch Aki's Mundwinkel zuckt kurz, ehe er eilig wieder absinkt, als er in die enttäuschten Augen seines Vaters sieht. "Du sollst üben Waffen zu schmieden und nicht irgendwelche Tierchen formen und dafür Edelsteine aus meinem Lager stehlen!" wendet er seine Worte ermahnend an seinen Sohn und wendet sich zu der Esse, in welcher die Kohlen unheilverkündend glühen. Er bewegt die Rechte langsam bis sie darüber schwebt und Leona's Augen weiten sich, als sie absieht, was er vor hat. "Nein!" sie lässt Aki's Hand los und tapst eilig zu ihrem Vater, zupft an seinem Hemd und starrt mit aufgequollenen Augen zu ihm hoch, während eine Träne nach der anderen ihre Wangen hinabkullern. "Bitte nicht!"
Aki sieht über die Schulter, als er entschlossene Schritte hört, die sich nähern, gefolgt von der sanften Stimme seiner Mutter. "Was ist denn geschehen?" fragt sie mit Blick auf ihre schluchzende Tochter. Sie legt die Hände an Leona's Schulter und zieht sie sanft aber bestimmt von der Esse und ihrem Vater weg. "Unser Sohn hat Spielzeug für Leona gefertigt und dafür Edelsteine gestohlen!" Miriam kneift die Augen leicht zusammen und reckt das Kinn, nachdem sie Leona einen sanften Schubs gegeben hat, worauf diese zu Aki zurücktapst. Lange nicht auf Augenhöhe mit ihrem Mann starrt sie diesen vorwurfsvoll an. "Er ist noch ein Kind!" erhebt sie ihre helle Stimme gegen Eduart. Sie hebt eine Hand und greift nach dem Ellenbogen ihres Mannes, dieser gibt langsam nach und nimmt die Hand runter, sodass die Figur nicht mehr unmittelbar über der zerstörerischen Glut hängt.
Aki wusste nicht, was das Funkeln in Eduart's Augen bedeutete, nicht zu diesem Zeitpunkt. Er konnte beobachten wie seine Mutter die Schultern etwas hängen lässt und ihre Haltung zurückhaltender wird. Sie senkt den Kopf etwas und starrt auf die Brust ihres Mannes. Es dauert einige Herzschläge, bis sich Miriam überwindet. Sie führt ihre Hände vor ihrer Brust zusammen und formt eine Art Schale, während sie ruhig meint. "Gib mir die Figur." Ihre Stimme klingt auffordernd, jedoch begleitet von einer gewissen Unsicherheit, weshalb die Worte leicht stocken. Die beiden Kinder halten die Luft an, als Eduart die Figur in die dargebotenen Handflächen legt, ehe er ausholt und Miriam kraftvoll ohrfeigt, sodass sie ins Wanken gerät und erschrocken die Luft einzieht. Eine Hand schließt sich um die Figur während sie mit der anderen ihre rot glühende Wange berührt. Die Situation verschwimmt vor Aki's Augen, er spürt wie Leona sich an seinen Ärmel klammert und wimmernd weint. Miriam wendet sich von Eduart ab, welcher die Hand sinken lässt und zur Faust ballt. Leona schreit nach ihrer Mutter, jedoch hört er ihren Schrei nicht mehr. Eine von Leona's Tränen trifft auf seinen Handrücken und er zuckt zusammen, als das salzige Wasser seine Haut berührt und ihn wieder aus den Gedanken holt.
Mit einem irritierten Blinzeln zuckt er hoch und erschüttert Leona's schlafenden Körper. Sie murmelt leise und schlägt stirnrunzelnd die Augen auf. 'Was ist, Aki..?' murmelt sie verschlafen und blickt mit leicht besorgtem Blick zu ihr hoch. 'Nichts.. ich finde nur keine Ruhe. Schlaf du nur weiter, Kurze.' Sie nickt mühe und tätschelt versonnen sein Knie, ehe sie wieder an den warmen Körper schmiegt und in Kürze wieder ins Land der Träume hinüberwandert. Aki's Blick geht in die Ferne und nach einem tiefen Atemzug sinkt er in eine bequeme Position und macht sich daran auf den Morgen zu warten.
[img]http://farm4.staticflickr.com/3776/9009992887_7fb13a4b8d.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Aki Orikson am Dienstag 11. Juni 2013, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Aki Orikson
Langsam und zaghaft schiebt er die Türe zum Kinderzimmer ein Stück auf und sieht nach drinnen. 'Leona..? Bist du da?' raunt er in den Raum, während er den Kopf neugierig ein Stück weiter durch den Türspalt schiebt. Mit einem enttäuschten Seufzen drückt er die Türe weiter auf, als keine Antwort kommt. Das Zimmer seiner Schwester ist lange nicht so mädchenhaft oder chaotisch wie man es von einer vierzehn Jährigen erwarten würde. Sicher, sie ist älter geworden und ihre Prioritäten haben sich verändert, aber das konnte nichts daran ändern, dass sie in einem Haushalt aufwächst, der von ihrem Vater dominiert wird. Wenn sie auf Aki sauer ist behauptet sie, er wäre wie ihr Vater, nur um ihn damit zu provozieren. Er selbst findet dieses Vergleich jedoch abwegig. Seine Schmiedekunst wird besser, aber ist noch lange nicht das, was man ausgereift nennen könnte. Vielleicht ist Leona auch nur sauer, dass ihn die Mädchen des Dorfes mit regem Interesse behandeln, seiddem er innerhalb von wenigen Monaten in die Höhe geschossen ist. Die definierteren Züge im Zusammenspiel mit den ozeanblauen Augen lassen sein Gesicht schon länger nicht mehr kindlich wirken. Darüber hinaus verschafft ihm seine Tätigkeit einen entscheidenden Vorteil. Abgesehen vom durchaus ansehnlichen Körperbau, weckt auch die Aussicht auf ein überdurchschnittliches Einkommen die Neugierde. Hierbei sind es jedoch eher die Mütter, die ihre Töchter am Arm packen und tuschelnd in seine Richtung deuten, wenn er gelegentlich sauber und ohne Kohlestaub im Gesicht durchs Dorf läuft. Leona hingegen verbringt viel Zeit in der Natur, sammelt gelegentlich einige hübsche Kräuter, die sie faszinieren und presst sie heimlich mit einem Bücherstapel von Alchemiewerken, welche sie unter dem Bett versteckt. Seiner Einschätzung nach verändert sie sich viel schneller, als ihm lieb ist. Die Tage, an denen sie ihn in der Mine besucht werden weniger und sie zieht immer öffters alleine los, um durch den Wald zu streifen.
Mit entschlossenen, langen Schritten durchquert er den Raum und duckt den großen Körper, als er unter die Dachschräge tritt und einen Blick aus dem Fenster wagt. Aus dem zweiten Stock des kompakten Wohnhauses kann er bis zum nahe gelegenen Bergmassiv blicken. Sogar aus der Entfernung kann er die Geräusche erahnen, wenn die Wellen auf der anderen Seite gegen den unnachgiebigen Fels stoßen. Abgelenkt blinzelt Aki zweimal als er eine Bewegung im Wald nahe des Hauses wahr nimmt. Es ist nur ein Aufblitzen von Stoff, doch er muss augenblicklich an seine Schwester denken. Ist sie wieder im Wald und pflückt Kräuter, obwohl Vater es ihr verboten hatte? Aki zieht den Kopf zurück und stößt sich unbedacht den Hinterkopf an der Dachschräge, als er zurücktritt. 'Aua..' murmelt er unzufrieden, die Hand reibt über den Hinterkopf, während er die Treppen hinuntersteigt.
Der kühle Wind erfasst seinen Körper von ungefähr siebzehn Jahren, als er sich auf den Weg in Richtung Wald macht. Mühsam und mit leicht gehetzten Schritten sucht er nach der ungefähren Stelle, die er vom Fenster aus gesehen hat. Dort angekommen lässt er den Blick suchend schweifen, aber kann keine Menschenseele erblicken. 'Schwesterchen?' fragt er hörbar, der Blick gleitet zum Fenster des Kinderzimmers empor, aus dem er vor wenigen Momenten noch geblickt hat. Das leise Knacken von Geäst lässt ihn aufhorchen und herumfahren. Mit langsamen und bedachten Schritten bewegt er sich durchs Dickicht und sieht sich aufmerksam um, ehe er erstarrt und hinter einen Baumstamm huscht. Sein Atem geht stoßweise, als er sich vorsichtig beiseite lehnt und auf eine kleine Lichtung blickt. Dort steht seine Schwester, deren Rock leicht im Wind weht und blickt zu Marek auf, ein Holzfäller aus dem Dorf. Der Junge ist nur wenig älter als Aki und etwas sehniger vom Körperbau. Die makanten Gesichtszüge, die Marek von seinem Vater geerbt hat, werden von dem gelockten Haar entzerrt und lassen ihn freundlich wirken. Dessen kastanienbraunen Augen sind aufmerksam auf Leona gerichtet, als er die Finger ausstreckt und an ihrem Haar herum zupft. In Aki's Brust verkrampft sich etwas, als er nach mehrmaligem Blinzeln das Blümchen entdeckt, dass der Junge seiner Schwester ins Haar gesteckt hat. Leona senkt errötend den Blick zu Boden, was Marek ein freundliches Lachen entlockt.
Ein gedämpftes Knurren entsteigt Aki's Kehle, als er eilig den Blick abwendet und sich anschließend mit den Fingern durchs Gesicht fährt. Was ist dieses Gefühl? Brüderliche Fürsorge, da er die Gerüchte kennt, wie vielen Mädchen Marek den Kopf verdreht? Er konnte Leona's mahnende Stimme förmlich hören, dass er selbst keinen Deut besser ist. Oder gar Eifersucht, weil Leona alt genug ist sich an anderen Kerlen zu interessieren als an ihrem Bruder? Er fühlte sich machtlos und das Gefühl bahnte sich den Weg durch seinen Kopf. Sie wird erwachsen und wird schon bald nicht mehr deine Nähe suchen. Du musst darauf vertrauen, dass sie selbst weiß was das Richtige ist, ohne dass du sie kontrollieren kannst und im Zweifelsfall fähig bist sie zu beschützen.
Leona's helles Quietschen lässt seinen Kopf hochzucken und eilig riskiert er einen Blick. Zurückgeschreckt drückt sie eine Hand auf ihre Lippen und sieht mit großen, scheuen Augen zu Marek hoch. Stockend setzt sie an etwas zu nuscheln, was Aki aufgrund der Entfernung nicht verstehen kann. Marek hebt abwehrend die Hände, dann geht er langsam auf sie zu und legt zaghaft die kräftigen Arme um Aki's Schwester. Keuchend drückt sich Aki gegen den Baumstamm und blinzelt irritiert, als er aprupt den Blick von den beiden abwendet. Ungeachtet der Geräusche, die er dabei verursacht stößt er sich von dem Stamm weg und stolpert durch den Wald zurück zum Haus. Auf dem Rückweg schwirren Vorwürfe durch seinen Kopf. Warum musste er nur so neugierig sein?
Obwohl er mit langen Schritten seinem Ziel entgegen setzt, hört er bereits Leona's gehetze Stimme an sein Ohr dringen. 'Aki, warte!' Ihre deutlich kürzeren Schritte flitzen ihm hinterher, bis sie nah genug ist um nach seinem Handgelenk zu schnappen. 'Aki, jetzt warte doch bitte.' presst sie zwischen ein paar gehetzen Atemzügen hervor und stützt die Hände auf die Oberschenkel, als sie ihn zum Anhalten bewegt hat. 'Ich wollte nicht, dass du...' Sie stockt, als ihre beider Köpfe hochschnellen und sie stirnrunzelnd aufhorchen. Als wär die eben erst passierte Situation wie weggewischt, wechseln die beiden einen ernsten Blick und Aki schnappt nach Leona's Hand, um sie mit in Richtung Haus zu ziehen. Leise und bedacht schiebt Aki die Haustüre auf, um so wenig Geräusche wie möglich zu verursachen und drückt sich mit Leona in die Schmiedewerkstatt. Wieder erklingt das Aufschluchzen ihrer Mutter, welches sie bereits hell hörig werden ließ. Die beiden Geschwister drängen sich hinter einen Stützbalken und beobachten das Geschehen aus einem Stück Entfernung. Leona zieht leise wimmernd die Luft ein und drängt sich nah an ihren Bruder, als sie die geschwollene Wange ihrer Mutter entdeckt hat. 'Hör auf!' fordert diese von Eduart, die Hände abwehrend gehoben, während ihre Wange tiefrot schimmert. Ein wütendes, fast schon animalisches Schnauben kommt von diesem als Antwort. 'Ich werde nicht aufhören, bevor du nicht davon ablässt meine Tochter mit deiner Hexerei zu beeinflussen.'
Aki entweicht ein unruhiges Keuchen, als er die Wortwahl seines Vaters zu begreifen scheint. Er sagte 'seine' Tochter, nicht 'unsere'. Was war hier los? Wie lange war es schon ein Streitthema, dass Leona lieber im Wald nach Kräuter sucht und nachts heimlich Bücher über Alchemie liest, als sich fürs Nähen oder ein Handwerk zu begeistern?
'Es.. es ist ihre eigene Entscheidung, ich habe sie nicht beeinflusst!' setzt Miriam stockend entgegen, wobei ihr das Selbstbewusstsein in der Stimme bereits nach den ersten Worten versagt. Eduart's Augen verschmälern sich, als er ihre Unsicherheit als Lüge deutet. 'Du besitzt die Frechheit mich anzulügen..? Die Stimme wird dabei bedrohlich ruhig und er ballt die Rechte, mit unruhig zuckenden Fingern zu einer Faust. Aki's Körper verspannt sich, als er den Raum mit dem Blick absucht und ein Brecheisen in den Blick fasst. Gerade als ein entschlossenes Zucken durch ihn fährt und er ansetzt darauf zuzugehen, hält Leona seinen Arm fest. 'Aki, nicht.' nuschelt sie ängstlich und klammert sich beidhändig an seinen Arm.
Ihr Griff lockert sich aprupt, als die Szene ihre Aufmerksam wieder fordert, als Eduart seine Frau an der Kehle packt und mühelos von den Füßen reisst. Die zierlichen, weichen Hände legen sich an die Pranken und Miriam stößt einen kläglichen Laut aus, als sie atemlos in der Luft hängt. Ihre Füße baumeln leicht hilflos und Tränen rinnen über die geschwollene Wange. Aki nutzt den Moment und reisst sich von seiner Schwester los, um mit langen Schritten zu dem Tisch hinüber zu eilen und das schwere Brecheisen auf zu heben. 'Lass sie sofort runter.' wendet Aki seine Worte bemüht selbstsicher an seinen Vater. Die Blicke beider Elternteile legen sich auf ihn, der seines Vaters wirkt wütend und enttäuscht, seine Mutter hingegen mit einem gewissen stolzen Funkeln in den Augen. Aki sieht aus dem Augenwinkel zu Leona, die furchtsam den Kopf schüttelt und sich an den Balken schmiegt, der noch immer als ihr Versteck dient. 'Lass – sie – los.' richtet Aki seine Worte nochmals langsamer an seinen Vater, dessen Gesichtsausdruck mit jedem Augenblick zorniger zu werden scheint. Aki's Finger zucken verdächtig, als er das Brecheisen warnend anhebt. Ihm ist durchaus bewusst, dass er nicht den Hauch einer Chance hätte, aber dastehen und zusehen kommt nicht in Frage.
Mit einem unzufriedenen Brummen setzt Eduart seine Frau unsanft auf dem Boden ab, welche auf die zittrigen Knie sinkt und mit den Fingern ihren Hals betastet. 'Verschwinde aus meinem Haus.' wendet Eduart die unterkühlten Worte an Miriam. Ihre Augen weiten sich bei den Worten, dann drängt sich mit einem resignierenden Keuchen die Erkenntnis in ihren Blick, dass ihr keine Wahl bleibt. 'Nein!' schreit Aki seinen Vater an und will nach vorne stürzen, um seiner Mutter zu Hilfe zu kommen, wobei er das Brecheisen fallen lässt. Mitten im Lauf, wird er von seinem Vater am Schopf gepackt und zurück gehalten. Ungehalten rinnen Tränen über Miriam's Wangen, als sie sich langsam aufrappelt und nacheinander ihre Kinder betrachtet, als Leona schluchzend den Kopf hinter dem Balken hervorreckt. 'Pack deine Sachen und geh!' bellt Eduart sie an, während Miriam sich mit unsicherem Stand aufrichtet. 'Mami!' wimmert Leona leise, aber Miriam schütelt nur sachte den Kopf. 'Komm nicht her, Süße. Mami muss los.' kommen die Worte halb erstickt über ihre Lippen. Ein letzter verzweifelter, stumm flehender Blick geht zu Eduart, bevor sie sich langsam abwendet und in Richtung Treppe verschwindet, um ihre Habseeligkeiten zusammen zu packen.
Aki hiebt verzweifelt mit den Fäusten nach seinem Vater, der sogar unter den Kraftvolleren leicht zusammenzuckt. Zornig schubst Eduart ihn von sich und stapft mit zielsicheren Schritten zu den beiden Türen, die aus der Werkstatt führen, um beide sorgsam zu verschließen. 'Ich hole euch, wenn die Hexe weg ist.' brummt er noch zu den beiden, bevor die zweite Türe ins Schloss fällt, als Eduart die Schmiede verlässt. Schluchzend tapst Leona zu Aki und hilft ihm in eine sitzende Position, um dann mit zitternden Fingern etwas Staub aus seinem Haar zu zupfen. 'Sie kommt doch wieder... oder, Aki?' nuschelt Leona gegen seine Brust, als sie sich dicht an ihn drückt und den zierlichen Körper Schutz suchend zusammenrollt. Als keine Antwort außer einem schweren Ausatmen folgt, beginnt Leona wieder verzweifelter zu schluchzen. Aki streicht ihr beruhigend durchs Haar und lehnt die Wange an ihren Haarschopf. Er schließt die Augen, während gelegentlich wütende Rufe und Geschepper an ihre Ohren dringen, die ihn und Leona immer wieder leicht zusammen zucken lassen.
Mit einem irritierten Schnaufen erwacht Aki aus dem tiefen Schlaf und schlägt blinzelnd die Augen auf. Kurzzeitig denkt er noch immer, dass er träumt, da Leona dicht an ihn geschmiegt liegt. Als der Blick orientierend umher wandert, realisiert er jedoch, dass sie beiden auf La Cabeza sind. Leona's Finger klammern sich leicht an ihn und sie atmet, noch immer tief schlafend, durch leicht geöffnete Lippen. Langsam lässt er den Kopf wieder aufs Kissen sinken und verdrängt die Erinnerung an den Tag aus der Vergangenheit mühsam. Seine Finger streichen über Leona's Rücken, ehe er die Decke etwas höher zieht, in welche sie eingeschlungen ist. Es ist ein gutes Zeichen, dass er einerseits wieder Schlaf findet und sogar von etwas träumt, dass nicht mit seinen Ausrastern in letzter Zeit zu tun hat. Darüber hinaus empfindet er es als durchaus angenehm wie Leona an ihm lehnt, was bis vor Kurzem eine Sache der Unmöglichkeit war. Was auch immer ihr Köpfchen ausbrütet und sie mit flinken Finger zusammen mischt, es scheint Wirkung zu zeigen, auch wenn die Nebenwirkungen noch schwer abzuschätzen sind. Sie ist damals wie heute der wichtigste Mensch in seinem Leben und wenn sie sich auf die Möglichkeit stützen will, ihn wieder 'normal' zu bekommen, dann will er ihr diese Hoffnung lassen. Bis dahin ist es seine Aufgabe sie zu beschützen, denn dieser Instinkt ist bei ihm immer vorhanden gewesen.
Mit entschlossenen, langen Schritten durchquert er den Raum und duckt den großen Körper, als er unter die Dachschräge tritt und einen Blick aus dem Fenster wagt. Aus dem zweiten Stock des kompakten Wohnhauses kann er bis zum nahe gelegenen Bergmassiv blicken. Sogar aus der Entfernung kann er die Geräusche erahnen, wenn die Wellen auf der anderen Seite gegen den unnachgiebigen Fels stoßen. Abgelenkt blinzelt Aki zweimal als er eine Bewegung im Wald nahe des Hauses wahr nimmt. Es ist nur ein Aufblitzen von Stoff, doch er muss augenblicklich an seine Schwester denken. Ist sie wieder im Wald und pflückt Kräuter, obwohl Vater es ihr verboten hatte? Aki zieht den Kopf zurück und stößt sich unbedacht den Hinterkopf an der Dachschräge, als er zurücktritt. 'Aua..' murmelt er unzufrieden, die Hand reibt über den Hinterkopf, während er die Treppen hinuntersteigt.
Der kühle Wind erfasst seinen Körper von ungefähr siebzehn Jahren, als er sich auf den Weg in Richtung Wald macht. Mühsam und mit leicht gehetzten Schritten sucht er nach der ungefähren Stelle, die er vom Fenster aus gesehen hat. Dort angekommen lässt er den Blick suchend schweifen, aber kann keine Menschenseele erblicken. 'Schwesterchen?' fragt er hörbar, der Blick gleitet zum Fenster des Kinderzimmers empor, aus dem er vor wenigen Momenten noch geblickt hat. Das leise Knacken von Geäst lässt ihn aufhorchen und herumfahren. Mit langsamen und bedachten Schritten bewegt er sich durchs Dickicht und sieht sich aufmerksam um, ehe er erstarrt und hinter einen Baumstamm huscht. Sein Atem geht stoßweise, als er sich vorsichtig beiseite lehnt und auf eine kleine Lichtung blickt. Dort steht seine Schwester, deren Rock leicht im Wind weht und blickt zu Marek auf, ein Holzfäller aus dem Dorf. Der Junge ist nur wenig älter als Aki und etwas sehniger vom Körperbau. Die makanten Gesichtszüge, die Marek von seinem Vater geerbt hat, werden von dem gelockten Haar entzerrt und lassen ihn freundlich wirken. Dessen kastanienbraunen Augen sind aufmerksam auf Leona gerichtet, als er die Finger ausstreckt und an ihrem Haar herum zupft. In Aki's Brust verkrampft sich etwas, als er nach mehrmaligem Blinzeln das Blümchen entdeckt, dass der Junge seiner Schwester ins Haar gesteckt hat. Leona senkt errötend den Blick zu Boden, was Marek ein freundliches Lachen entlockt.
Ein gedämpftes Knurren entsteigt Aki's Kehle, als er eilig den Blick abwendet und sich anschließend mit den Fingern durchs Gesicht fährt. Was ist dieses Gefühl? Brüderliche Fürsorge, da er die Gerüchte kennt, wie vielen Mädchen Marek den Kopf verdreht? Er konnte Leona's mahnende Stimme förmlich hören, dass er selbst keinen Deut besser ist. Oder gar Eifersucht, weil Leona alt genug ist sich an anderen Kerlen zu interessieren als an ihrem Bruder? Er fühlte sich machtlos und das Gefühl bahnte sich den Weg durch seinen Kopf. Sie wird erwachsen und wird schon bald nicht mehr deine Nähe suchen. Du musst darauf vertrauen, dass sie selbst weiß was das Richtige ist, ohne dass du sie kontrollieren kannst und im Zweifelsfall fähig bist sie zu beschützen.
Leona's helles Quietschen lässt seinen Kopf hochzucken und eilig riskiert er einen Blick. Zurückgeschreckt drückt sie eine Hand auf ihre Lippen und sieht mit großen, scheuen Augen zu Marek hoch. Stockend setzt sie an etwas zu nuscheln, was Aki aufgrund der Entfernung nicht verstehen kann. Marek hebt abwehrend die Hände, dann geht er langsam auf sie zu und legt zaghaft die kräftigen Arme um Aki's Schwester. Keuchend drückt sich Aki gegen den Baumstamm und blinzelt irritiert, als er aprupt den Blick von den beiden abwendet. Ungeachtet der Geräusche, die er dabei verursacht stößt er sich von dem Stamm weg und stolpert durch den Wald zurück zum Haus. Auf dem Rückweg schwirren Vorwürfe durch seinen Kopf. Warum musste er nur so neugierig sein?
Obwohl er mit langen Schritten seinem Ziel entgegen setzt, hört er bereits Leona's gehetze Stimme an sein Ohr dringen. 'Aki, warte!' Ihre deutlich kürzeren Schritte flitzen ihm hinterher, bis sie nah genug ist um nach seinem Handgelenk zu schnappen. 'Aki, jetzt warte doch bitte.' presst sie zwischen ein paar gehetzen Atemzügen hervor und stützt die Hände auf die Oberschenkel, als sie ihn zum Anhalten bewegt hat. 'Ich wollte nicht, dass du...' Sie stockt, als ihre beider Köpfe hochschnellen und sie stirnrunzelnd aufhorchen. Als wär die eben erst passierte Situation wie weggewischt, wechseln die beiden einen ernsten Blick und Aki schnappt nach Leona's Hand, um sie mit in Richtung Haus zu ziehen. Leise und bedacht schiebt Aki die Haustüre auf, um so wenig Geräusche wie möglich zu verursachen und drückt sich mit Leona in die Schmiedewerkstatt. Wieder erklingt das Aufschluchzen ihrer Mutter, welches sie bereits hell hörig werden ließ. Die beiden Geschwister drängen sich hinter einen Stützbalken und beobachten das Geschehen aus einem Stück Entfernung. Leona zieht leise wimmernd die Luft ein und drängt sich nah an ihren Bruder, als sie die geschwollene Wange ihrer Mutter entdeckt hat. 'Hör auf!' fordert diese von Eduart, die Hände abwehrend gehoben, während ihre Wange tiefrot schimmert. Ein wütendes, fast schon animalisches Schnauben kommt von diesem als Antwort. 'Ich werde nicht aufhören, bevor du nicht davon ablässt meine Tochter mit deiner Hexerei zu beeinflussen.'
Aki entweicht ein unruhiges Keuchen, als er die Wortwahl seines Vaters zu begreifen scheint. Er sagte 'seine' Tochter, nicht 'unsere'. Was war hier los? Wie lange war es schon ein Streitthema, dass Leona lieber im Wald nach Kräuter sucht und nachts heimlich Bücher über Alchemie liest, als sich fürs Nähen oder ein Handwerk zu begeistern?
'Es.. es ist ihre eigene Entscheidung, ich habe sie nicht beeinflusst!' setzt Miriam stockend entgegen, wobei ihr das Selbstbewusstsein in der Stimme bereits nach den ersten Worten versagt. Eduart's Augen verschmälern sich, als er ihre Unsicherheit als Lüge deutet. 'Du besitzt die Frechheit mich anzulügen..? Die Stimme wird dabei bedrohlich ruhig und er ballt die Rechte, mit unruhig zuckenden Fingern zu einer Faust. Aki's Körper verspannt sich, als er den Raum mit dem Blick absucht und ein Brecheisen in den Blick fasst. Gerade als ein entschlossenes Zucken durch ihn fährt und er ansetzt darauf zuzugehen, hält Leona seinen Arm fest. 'Aki, nicht.' nuschelt sie ängstlich und klammert sich beidhändig an seinen Arm.
Ihr Griff lockert sich aprupt, als die Szene ihre Aufmerksam wieder fordert, als Eduart seine Frau an der Kehle packt und mühelos von den Füßen reisst. Die zierlichen, weichen Hände legen sich an die Pranken und Miriam stößt einen kläglichen Laut aus, als sie atemlos in der Luft hängt. Ihre Füße baumeln leicht hilflos und Tränen rinnen über die geschwollene Wange. Aki nutzt den Moment und reisst sich von seiner Schwester los, um mit langen Schritten zu dem Tisch hinüber zu eilen und das schwere Brecheisen auf zu heben. 'Lass sie sofort runter.' wendet Aki seine Worte bemüht selbstsicher an seinen Vater. Die Blicke beider Elternteile legen sich auf ihn, der seines Vaters wirkt wütend und enttäuscht, seine Mutter hingegen mit einem gewissen stolzen Funkeln in den Augen. Aki sieht aus dem Augenwinkel zu Leona, die furchtsam den Kopf schüttelt und sich an den Balken schmiegt, der noch immer als ihr Versteck dient. 'Lass – sie – los.' richtet Aki seine Worte nochmals langsamer an seinen Vater, dessen Gesichtsausdruck mit jedem Augenblick zorniger zu werden scheint. Aki's Finger zucken verdächtig, als er das Brecheisen warnend anhebt. Ihm ist durchaus bewusst, dass er nicht den Hauch einer Chance hätte, aber dastehen und zusehen kommt nicht in Frage.
Mit einem unzufriedenen Brummen setzt Eduart seine Frau unsanft auf dem Boden ab, welche auf die zittrigen Knie sinkt und mit den Fingern ihren Hals betastet. 'Verschwinde aus meinem Haus.' wendet Eduart die unterkühlten Worte an Miriam. Ihre Augen weiten sich bei den Worten, dann drängt sich mit einem resignierenden Keuchen die Erkenntnis in ihren Blick, dass ihr keine Wahl bleibt. 'Nein!' schreit Aki seinen Vater an und will nach vorne stürzen, um seiner Mutter zu Hilfe zu kommen, wobei er das Brecheisen fallen lässt. Mitten im Lauf, wird er von seinem Vater am Schopf gepackt und zurück gehalten. Ungehalten rinnen Tränen über Miriam's Wangen, als sie sich langsam aufrappelt und nacheinander ihre Kinder betrachtet, als Leona schluchzend den Kopf hinter dem Balken hervorreckt. 'Pack deine Sachen und geh!' bellt Eduart sie an, während Miriam sich mit unsicherem Stand aufrichtet. 'Mami!' wimmert Leona leise, aber Miriam schütelt nur sachte den Kopf. 'Komm nicht her, Süße. Mami muss los.' kommen die Worte halb erstickt über ihre Lippen. Ein letzter verzweifelter, stumm flehender Blick geht zu Eduart, bevor sie sich langsam abwendet und in Richtung Treppe verschwindet, um ihre Habseeligkeiten zusammen zu packen.
Aki hiebt verzweifelt mit den Fäusten nach seinem Vater, der sogar unter den Kraftvolleren leicht zusammenzuckt. Zornig schubst Eduart ihn von sich und stapft mit zielsicheren Schritten zu den beiden Türen, die aus der Werkstatt führen, um beide sorgsam zu verschließen. 'Ich hole euch, wenn die Hexe weg ist.' brummt er noch zu den beiden, bevor die zweite Türe ins Schloss fällt, als Eduart die Schmiede verlässt. Schluchzend tapst Leona zu Aki und hilft ihm in eine sitzende Position, um dann mit zitternden Fingern etwas Staub aus seinem Haar zu zupfen. 'Sie kommt doch wieder... oder, Aki?' nuschelt Leona gegen seine Brust, als sie sich dicht an ihn drückt und den zierlichen Körper Schutz suchend zusammenrollt. Als keine Antwort außer einem schweren Ausatmen folgt, beginnt Leona wieder verzweifelter zu schluchzen. Aki streicht ihr beruhigend durchs Haar und lehnt die Wange an ihren Haarschopf. Er schließt die Augen, während gelegentlich wütende Rufe und Geschepper an ihre Ohren dringen, die ihn und Leona immer wieder leicht zusammen zucken lassen.
Mit einem irritierten Schnaufen erwacht Aki aus dem tiefen Schlaf und schlägt blinzelnd die Augen auf. Kurzzeitig denkt er noch immer, dass er träumt, da Leona dicht an ihn geschmiegt liegt. Als der Blick orientierend umher wandert, realisiert er jedoch, dass sie beiden auf La Cabeza sind. Leona's Finger klammern sich leicht an ihn und sie atmet, noch immer tief schlafend, durch leicht geöffnete Lippen. Langsam lässt er den Kopf wieder aufs Kissen sinken und verdrängt die Erinnerung an den Tag aus der Vergangenheit mühsam. Seine Finger streichen über Leona's Rücken, ehe er die Decke etwas höher zieht, in welche sie eingeschlungen ist. Es ist ein gutes Zeichen, dass er einerseits wieder Schlaf findet und sogar von etwas träumt, dass nicht mit seinen Ausrastern in letzter Zeit zu tun hat. Darüber hinaus empfindet er es als durchaus angenehm wie Leona an ihm lehnt, was bis vor Kurzem eine Sache der Unmöglichkeit war. Was auch immer ihr Köpfchen ausbrütet und sie mit flinken Finger zusammen mischt, es scheint Wirkung zu zeigen, auch wenn die Nebenwirkungen noch schwer abzuschätzen sind. Sie ist damals wie heute der wichtigste Mensch in seinem Leben und wenn sie sich auf die Möglichkeit stützen will, ihn wieder 'normal' zu bekommen, dann will er ihr diese Hoffnung lassen. Bis dahin ist es seine Aufgabe sie zu beschützen, denn dieser Instinkt ist bei ihm immer vorhanden gewesen.
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Aki Orikson
Der Nebel vor seinen Augen löst sich auf, als er langsam aber stetig in den Traum gezogen wird. Nach mehrmaligem Blinzeln bewegt er den Kopf und blickt sich stirnrunzelnd um. Er kennt diesen Ort und die Szenerie bestens in der er sich befindet und ein Blick an seinem verjüngten, gerade achtzehn Jahre gewordenen Körper hinab bestätigt seinen Verdacht.
Nachdem der Streit zwischen Eduart und Miriam eskaliert war und diese das Haus verlassen hat, war sein Vater deutlich mürrischer geworden. Aki und er verbrachten einige Tagesläufe deutlich länger als gewöhnlich in der Mine, fast als wolle Eduart unter Tage Ablenkung finden. Er sprach kaum ein Wort und wenn waren es wenige Befehle, mit denen er seinen Sohn durch die Gegend scheuchte. Nach stundenlanger Arbeit wusch sich Aki eilig ab und fiel mit brennenden Muskeln ins Bett. Die ersten Tage nach Miriam's Abreise wurde er fast jede Nacht aus dem Schlaf gerissen, wenn die schweren Hammerschläge seines Vaters auf ein Stück Metall rasten, dass er ziellos bearbeitete, um die aufgestaute Wut loszuwerden. Manchmal kam Leona in sein Zimmer gekrochen, die kleine Löwenfigur in den Fingern. Sie kauert sich wortlos neben Aki's Bett und streichelt beruhigend mit dem Daumen über die glatte Metalloberfläche, während die beiden Warten, dass Eduart die Kraft ausgeht. 'In wenigen Monatsläufen werde ich Achtzehn, dann gehen wir von hier fort', hatte er ihr nach langem Schweigen versprochen.
Neben ihm liegt ein prall befüllter Seesack an Deck des Reiseschiffes auf den er einen kurzen Moment hinab sieht, bevor er zu Leona wendet, die noch auf dem Pier verweilt. 'Komm rauf, Kurze.' Aki lehnt sich vor und streckt die Rechte aus, um ihr aufs Schiff zu helfen, doch Leona zögert einen Moment und lächelt unsicher. 'Ich hab Angst vor dem Wasser, Aki..' gesteht das fünfzehnjährige Mädchen mit den vereinzelten Sommersprossen auf dem Nasenrücken. 'Ich beschütze dich.' verspricht er ihr blauäugig und macht eine auffordernde Handbewegung.
Als die Stimme seines Vaters die Luft zerreisst, stockt Aki in der Bewegung und die beiden Geschwister fahren herum. 'Leona!' wendet er kehlig das Wort an sie, der warnende Unterton ist nicht zu überhören. Leona zieht den Kopf leicht ein und Aki verharrt in der hockenden Position, ein Knie abgesetzt und den Ellenbogen darauf abgelegt. 'Was soll das werden?' herrscht Eduart mir zusammengekniffenen Augen seinen Sohn an. Ich nehme sie mit..' verkündet Aki kurzerhand und erwiedert den Blick des Alten unbeeindruckt. 'Das wirst du nicht, ich gebe dir keine Erlaubnis dafür. Sie bleibt hier bis sie achtzehn ist.' Aki richtet sich langsam auf und entgegnet ihm, die Stimme erhoben. 'Sie wird nicht hier bleiben, alleine mit dir. Mutter ist jetzt fast ein Jahr weg und sieh was aus dir geworden ist. Wie lange denkst du wird es dauern bis du Leona an ihrer Stelle schlägst?' Eindeutig entrüstet von den direkten Worten seines Sohnes stößt Eduart ein Knurren aus und tritt näher zu Leona heran, um die Pranke auf ihre zierliche Schulter zu legen und sie ein Stück vom Schiff und damit Aki wegzuzerren. Leona hat den Blick scheu gesenkt, aus ihren Augen spricht Angst und Trauer, wobei sie die Tränen kaum noch zurück halten kann. Als Aki ihren Namen erwähnt blickt sie für den Bruchteil eines Moments auf und erwiedert seinen Blick mit einer stummen Zustimmung darin. Aki nimmt einen erstickten Atemzug und starrt seinen Vater voller Verachtung an. 'Du hast sie bereits geschlagen..?' kommt es tonlos von ihm, während er nochmals ergebnislos nach Leona's Blick sucht.
Leona windet sich im Griff ihres Vaters, der mittlerweilen beide Hände an ihre Schultern legt und murmelt immer wieder verzweifelt den Namen ihres Bruders. Marek, der Holzfäller nähert sich dem Ganzen, den Aki bisher nicht einmal wahr genommen hatte. 'Herr Orikson.. darf ich..?' raunt er vorsichtig an Eduart gewandt, der daraufhin Leona los lässt, welche in Marek's Arme tapst und leise schluchzend an dessen Brust sinkt. Dieser streicht behutsam und beruhigend über ihren Hinterkopf, bis sie sich traut einen Blick über die Schulter zu werfen.
Aki steht wie erstarrt an Deck, die Lippen noch immer schockiert ein Stück geöffnet. Seine Züge verziehen sich und die, zu Fäusten geballten Hände zucken leicht an seinen Seiten. 'Sie kommt mit mir! Ich lass nicht zu, dass du ihr weh tust.' 'Du hast nicht an meiner Entscheidung zu rütteln. Deine Priorität ist deine Schmiedekunst zu verbessern, genauso wie ich es in jungen Jahren getan habe.'
Aki's Blick wird leicht gehetzt, als die Matrosen sich daran machen, die Leinen zu lösen, ehe einer lauthals ruft: 'Bereit zum Ablegen.'
Die Szenerie verschwimmt bereits wieder, als würde sich Nebel formieren, der sich um die Anwesenden legt. Von hinten nahen Schritte an Aki heran und der nahende Matrose fordert ihn auf, von der Reling zurück zu treten. Er klammert sich darauf hin nur noch verzweifelter an diese und beugt sich weit darüber, bevor er sogar ansetzt darauf zu steigen. 'Sir, ihr solltet ... Hier geblieben!' Es fährt Bewegung in den jungen Matrosen und er zerrt Aki von der Reling und hält ihn fest, während dieser noch immer verzweifelt nach Leona's Blick sucht und dabei aus vollem Halse ihren Namen brüllt. 'Nein! Leona! Ich werd dich nicht zurück lassen!' Eduart beobachtet das Ganze vom Pier aus, immer wieder einen Blick zu Leona und Marek werfend, der sie fest in den Armen hält, auch als sie sich umdreht und unter heftigem Schluchzen den Namen ihres Bruders ruft. Als die Segel gesetzt werden und das Schiff sich zusehens in Bewegung setzt, rutscht Leona auf die Knie und verhüllt das Gesicht in ihren zierlichen Händen. Marek geht besorgt in die Hocke und tätschelt sie weiterhin beruhigend, eindeutig überfordert mit der Situation.
Der Matrose lässt von Aki ab, als dieser an Deck zusammen sinkt und die Stirn gegen die Reling lehnt. Noch immer murmelt er den Namen seiner Schwester, wenn auch tonlos, während das Schiff langsam aufs weite Meer hinaustreibt mit dem Kurs in Richtung Festland.
Er hört sich selbst hörbar 'Leona' murmeln, als er die Stirn in tiefe Falten legt und sich auf die Seite dreht. Unter einem Keuchen zuckt er zusammen, als er sein Gewicht auf die geprellte Rippe verlagert, ehe er zurück auf den Rücken gedreht wird. Aki blinzelt einige Male, ehe er Less' Gesicht erkennt, sie sich über ihn beugt und beruhigend mit den Fingern über seine Stirn streicht. 'Beruhige dich.. es ist alles in Ordnung.' Die andere Hand tätschelt seine Schulter, als er sich nicht dagegen wehrt, während sich seine Atmung langsam wieder beruhigt. Noch immer leicht aufgewühlt schließt er nochmals die Augenlider und stößt die Luft in einem festen Schwall aus. 'Du hast einige Male den Namen deiner Schwester gerufen. Hast du schlecht geträumt?' stellt Less nach einem längeren Moment fest, wobei sie zaghaft wieder die Finger von ihm löst. Er nickt nur wortkarg und richtet sich langsam auf, sich aus der Decke lösend. Der Blick schweift orientierungslos durch den Raum, gedanklich noch immer von dem Traum gefangen.
Nach der Abreise damals hatte ihn der selbe Traum des Öffteren belästigt. Über die Jahre hinweg begegnete ihm dieser jedoch immer seltener, bis er schließlich aussetzte. Aber warum jetzt? Hatte er Angst Leona könnte ihm den Rücken zuwenden und abreisen, weil er sich so sehr verändert hatte?
'Less... wie spät ist es?' raunt er atemlos zu ihr, wobei ihr erschöpfter Körper sich bereits wieder in die Decke eingewickelt hat und dabei ist, wieder einzudösen. 'Ich weiß es nicht.. mitten in der Nacht..?' Mit einem leisen Seufzen drückt Aki sich hoch und sammelt die leicht erdig riechenden Lederteile zusammen. Er kleidet sich an und trotz der frühen Stunde steckt er bedächtig die Ausrüstung in die richtigen Halterungen und Vorrichtungen. 'Schlaf weiter, Kleines.' Das Leder knirscht leise, als er sich nochmals zu Less beugt und ihr einen flüchtigen Kuss auf die leicht besorgt gerunzelte Stirn haucht. Mit langen Schritten macht er sich dann auf den Weg in die Nacht, schwingt sich aufs Pferd und reitet verhüllt zurück nach Bajard, um das erste Schiff nach La Cabeza zu nehmen. Leona muss sich ziemliche Sorgen machen, immerhin ist er zwei Tage lang nicht nach Hause gekommen. Er wollte sein Versprechen sie zu beschützen diesmal unbedingt einhalten.
Nachdem der Streit zwischen Eduart und Miriam eskaliert war und diese das Haus verlassen hat, war sein Vater deutlich mürrischer geworden. Aki und er verbrachten einige Tagesläufe deutlich länger als gewöhnlich in der Mine, fast als wolle Eduart unter Tage Ablenkung finden. Er sprach kaum ein Wort und wenn waren es wenige Befehle, mit denen er seinen Sohn durch die Gegend scheuchte. Nach stundenlanger Arbeit wusch sich Aki eilig ab und fiel mit brennenden Muskeln ins Bett. Die ersten Tage nach Miriam's Abreise wurde er fast jede Nacht aus dem Schlaf gerissen, wenn die schweren Hammerschläge seines Vaters auf ein Stück Metall rasten, dass er ziellos bearbeitete, um die aufgestaute Wut loszuwerden. Manchmal kam Leona in sein Zimmer gekrochen, die kleine Löwenfigur in den Fingern. Sie kauert sich wortlos neben Aki's Bett und streichelt beruhigend mit dem Daumen über die glatte Metalloberfläche, während die beiden Warten, dass Eduart die Kraft ausgeht. 'In wenigen Monatsläufen werde ich Achtzehn, dann gehen wir von hier fort', hatte er ihr nach langem Schweigen versprochen.
Neben ihm liegt ein prall befüllter Seesack an Deck des Reiseschiffes auf den er einen kurzen Moment hinab sieht, bevor er zu Leona wendet, die noch auf dem Pier verweilt. 'Komm rauf, Kurze.' Aki lehnt sich vor und streckt die Rechte aus, um ihr aufs Schiff zu helfen, doch Leona zögert einen Moment und lächelt unsicher. 'Ich hab Angst vor dem Wasser, Aki..' gesteht das fünfzehnjährige Mädchen mit den vereinzelten Sommersprossen auf dem Nasenrücken. 'Ich beschütze dich.' verspricht er ihr blauäugig und macht eine auffordernde Handbewegung.
Als die Stimme seines Vaters die Luft zerreisst, stockt Aki in der Bewegung und die beiden Geschwister fahren herum. 'Leona!' wendet er kehlig das Wort an sie, der warnende Unterton ist nicht zu überhören. Leona zieht den Kopf leicht ein und Aki verharrt in der hockenden Position, ein Knie abgesetzt und den Ellenbogen darauf abgelegt. 'Was soll das werden?' herrscht Eduart mir zusammengekniffenen Augen seinen Sohn an. Ich nehme sie mit..' verkündet Aki kurzerhand und erwiedert den Blick des Alten unbeeindruckt. 'Das wirst du nicht, ich gebe dir keine Erlaubnis dafür. Sie bleibt hier bis sie achtzehn ist.' Aki richtet sich langsam auf und entgegnet ihm, die Stimme erhoben. 'Sie wird nicht hier bleiben, alleine mit dir. Mutter ist jetzt fast ein Jahr weg und sieh was aus dir geworden ist. Wie lange denkst du wird es dauern bis du Leona an ihrer Stelle schlägst?' Eindeutig entrüstet von den direkten Worten seines Sohnes stößt Eduart ein Knurren aus und tritt näher zu Leona heran, um die Pranke auf ihre zierliche Schulter zu legen und sie ein Stück vom Schiff und damit Aki wegzuzerren. Leona hat den Blick scheu gesenkt, aus ihren Augen spricht Angst und Trauer, wobei sie die Tränen kaum noch zurück halten kann. Als Aki ihren Namen erwähnt blickt sie für den Bruchteil eines Moments auf und erwiedert seinen Blick mit einer stummen Zustimmung darin. Aki nimmt einen erstickten Atemzug und starrt seinen Vater voller Verachtung an. 'Du hast sie bereits geschlagen..?' kommt es tonlos von ihm, während er nochmals ergebnislos nach Leona's Blick sucht.
Leona windet sich im Griff ihres Vaters, der mittlerweilen beide Hände an ihre Schultern legt und murmelt immer wieder verzweifelt den Namen ihres Bruders. Marek, der Holzfäller nähert sich dem Ganzen, den Aki bisher nicht einmal wahr genommen hatte. 'Herr Orikson.. darf ich..?' raunt er vorsichtig an Eduart gewandt, der daraufhin Leona los lässt, welche in Marek's Arme tapst und leise schluchzend an dessen Brust sinkt. Dieser streicht behutsam und beruhigend über ihren Hinterkopf, bis sie sich traut einen Blick über die Schulter zu werfen.
Aki steht wie erstarrt an Deck, die Lippen noch immer schockiert ein Stück geöffnet. Seine Züge verziehen sich und die, zu Fäusten geballten Hände zucken leicht an seinen Seiten. 'Sie kommt mit mir! Ich lass nicht zu, dass du ihr weh tust.' 'Du hast nicht an meiner Entscheidung zu rütteln. Deine Priorität ist deine Schmiedekunst zu verbessern, genauso wie ich es in jungen Jahren getan habe.'
Aki's Blick wird leicht gehetzt, als die Matrosen sich daran machen, die Leinen zu lösen, ehe einer lauthals ruft: 'Bereit zum Ablegen.'
Die Szenerie verschwimmt bereits wieder, als würde sich Nebel formieren, der sich um die Anwesenden legt. Von hinten nahen Schritte an Aki heran und der nahende Matrose fordert ihn auf, von der Reling zurück zu treten. Er klammert sich darauf hin nur noch verzweifelter an diese und beugt sich weit darüber, bevor er sogar ansetzt darauf zu steigen. 'Sir, ihr solltet ... Hier geblieben!' Es fährt Bewegung in den jungen Matrosen und er zerrt Aki von der Reling und hält ihn fest, während dieser noch immer verzweifelt nach Leona's Blick sucht und dabei aus vollem Halse ihren Namen brüllt. 'Nein! Leona! Ich werd dich nicht zurück lassen!' Eduart beobachtet das Ganze vom Pier aus, immer wieder einen Blick zu Leona und Marek werfend, der sie fest in den Armen hält, auch als sie sich umdreht und unter heftigem Schluchzen den Namen ihres Bruders ruft. Als die Segel gesetzt werden und das Schiff sich zusehens in Bewegung setzt, rutscht Leona auf die Knie und verhüllt das Gesicht in ihren zierlichen Händen. Marek geht besorgt in die Hocke und tätschelt sie weiterhin beruhigend, eindeutig überfordert mit der Situation.
Der Matrose lässt von Aki ab, als dieser an Deck zusammen sinkt und die Stirn gegen die Reling lehnt. Noch immer murmelt er den Namen seiner Schwester, wenn auch tonlos, während das Schiff langsam aufs weite Meer hinaustreibt mit dem Kurs in Richtung Festland.
Er hört sich selbst hörbar 'Leona' murmeln, als er die Stirn in tiefe Falten legt und sich auf die Seite dreht. Unter einem Keuchen zuckt er zusammen, als er sein Gewicht auf die geprellte Rippe verlagert, ehe er zurück auf den Rücken gedreht wird. Aki blinzelt einige Male, ehe er Less' Gesicht erkennt, sie sich über ihn beugt und beruhigend mit den Fingern über seine Stirn streicht. 'Beruhige dich.. es ist alles in Ordnung.' Die andere Hand tätschelt seine Schulter, als er sich nicht dagegen wehrt, während sich seine Atmung langsam wieder beruhigt. Noch immer leicht aufgewühlt schließt er nochmals die Augenlider und stößt die Luft in einem festen Schwall aus. 'Du hast einige Male den Namen deiner Schwester gerufen. Hast du schlecht geträumt?' stellt Less nach einem längeren Moment fest, wobei sie zaghaft wieder die Finger von ihm löst. Er nickt nur wortkarg und richtet sich langsam auf, sich aus der Decke lösend. Der Blick schweift orientierungslos durch den Raum, gedanklich noch immer von dem Traum gefangen.
Nach der Abreise damals hatte ihn der selbe Traum des Öffteren belästigt. Über die Jahre hinweg begegnete ihm dieser jedoch immer seltener, bis er schließlich aussetzte. Aber warum jetzt? Hatte er Angst Leona könnte ihm den Rücken zuwenden und abreisen, weil er sich so sehr verändert hatte?
'Less... wie spät ist es?' raunt er atemlos zu ihr, wobei ihr erschöpfter Körper sich bereits wieder in die Decke eingewickelt hat und dabei ist, wieder einzudösen. 'Ich weiß es nicht.. mitten in der Nacht..?' Mit einem leisen Seufzen drückt Aki sich hoch und sammelt die leicht erdig riechenden Lederteile zusammen. Er kleidet sich an und trotz der frühen Stunde steckt er bedächtig die Ausrüstung in die richtigen Halterungen und Vorrichtungen. 'Schlaf weiter, Kleines.' Das Leder knirscht leise, als er sich nochmals zu Less beugt und ihr einen flüchtigen Kuss auf die leicht besorgt gerunzelte Stirn haucht. Mit langen Schritten macht er sich dann auf den Weg in die Nacht, schwingt sich aufs Pferd und reitet verhüllt zurück nach Bajard, um das erste Schiff nach La Cabeza zu nehmen. Leona muss sich ziemliche Sorgen machen, immerhin ist er zwei Tage lang nicht nach Hause gekommen. Er wollte sein Versprechen sie zu beschützen diesmal unbedingt einhalten.
Zuletzt geändert von Aki Orikson am Sonntag 30. Juni 2013, 16:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Aki Orikson
'Seid ihr gegen eine Wand gelaufen?' Dieses Fiepen in seinem Kopf war unerträglich. Wann hatte das angefangen? Er starrt den fragenden Vaughain einfach nur an, während er geistesabwesend an dem Armband nestelt und die feinen Spitzen sein blutiges Fleisch wieder aufreiben und ihm schmerzvolle Impulse durch den Körper jagen. Scheiße, was machst du hier. Seid wann scherst du dich um Loyalität? In seinem Kopf plant er bereits seine letzten Atemzüge, seitdem er Friedrich's Blick für einen Moment abgefangen hatte und dieser kurz danach verdächtig mit seinem Nebenmann tuschelte. Er hat dich erkannt, die Verkleidung ist mies. Warum hast du dir nicht etwas mehr Mühe gegeben? Er hat geschworen dich zu Töten, wenn du ihm nochmals unter die Augen trittst. Du bist tod.
'Hattet ihr schon etwas gesagt..?' durchbricht seine eigene Stimme das penetrante Summen in seinem Kopf, während das Adrenalin so heftig durch seinen Körper schießt, dass er das Zucken seiner Finger kaum unterdrücken kann. 'Ob ihr gegen eine Wand gelaufen seid?' Der Korporal deutet veranschaulichend gegen die geschwollene, angebrochene Nase. 'Nein, das war euer Rekrut, er hatte wohl Freude daran mich zu schlagen.' antwortet er in aller Seelenruhe, während ihn alleine der Gedanke daran rasend macht. Was für ein unfähiger Kerl, hat sich fast in die Hosen gemacht. Du hattest nur den verdammten Kopf geneigt und der Cobadre hat dir direkt ins Gesicht geboxt. Wenigstens hast du still gehalten, das vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass dich jemand erkennt, wenns nicht sowieso schon zu spät ist.
Der offensichtliche Frischling unter den Rekruten hatte solche Berührungsängste, dass er Aki nichtmal ansatzweise gründlich durchsucht hat. Jetzt brannte ihm der eng an seinem Oberschenkel anliegende Dolch förmlich auf der Haut, als er Vaughain anblickt. Kurz erwischt er sich dabei, wie er sich versonnen umsieht und die Entfernung der Wachen und Severin abschätzt, ebenso wie deren Reaktionszeit. Stech ihn ab. Du bist eh tod, reiss ihn mit. Tief durchatmend drückt er mit den Fingern gegen das Armband und schließt die Augen beim nächsten Blinzeln unmerklich länger.
Während dessen labert der Korporal ununterbrochen, dessen Worte nicht mal ansatzweise zu ihm durchdringen. 'Kaum zu glauben .. sicher ein Irrtum .. ich bedauere das zu hören. Aber umso schneller werdet ihr uns wieder verlassen wollen. Daher würde ich euch nun nahe legen, meine Fragen rasch und eingehend zu beantworten.' Warum befragt er dich noch, wenn es sowieso schon auf der Hand liegt, wer du bist und was du dir in der Vergangenheit zu Schulden kommen hast. Konnte es sein, dass der Kerl nicht mal den Hauch eines Verdachtes hat? Das ist deine Chance, konzentrier dich! 'Nur zu...' raunt er nasal, als ihm die verletzte Nase zur Hilfe kommt.
'Fangen wir an mit .. eurem Namen.' 'Kirian.. ich war mit meiner.. möglicherweise Zukünftigen auf dem Markt wie euch... eventuell aufgefallen ist. Die hitzige Rothaarige.' Die Worte kommen ihm so leicht und glaubhaft von den Lippen wie er es gewohnt ist. Dabei atmet er bemüht angestrengt, mit gelegentlicher, mitleidiger Schmerzensmiene durch den Mund und stockt immer absichtlich beim Reden.
'Verstehe .. Und woher stammt ihr, Herr Kirian?' Der Kerl hatte nichtmal den Anstand sich vorzustellen und sowas nennt sich Korporal. 'Bajard..' 'Ihr seid Bürger Bajard's?' 'Nein.. unsere Pläne sind noch nicht ganz.. gefestigt.' Er musste unweigerlich an Less denken und zermahlt sich bereits jetzt das Hirn wie er sie am Besten da raus hält. Denk nicht an Less, denk an irgendwen. Du hast ein glückliches Leben mit einer schwangeren Frau, die du über alles liebt. Er blinzelt ein paar Mal, leicht verlegen und senkt die Stimme einen Deut, bevor er meint. 'Sie ist schwanger.. und es stellt sich die Frage ob Stadt oder Land besser ist.. ' 'Herzlichen Glückwunsch!' Ich schneid dir gleich die Kehle auf, dass es nurnoch so spritzt, du Bastard. Wieder dreht er bereitwillig und unauffällig an dem Armband.
Er konzentriert sich auf seine Rolle und lässt raus, was ihm in den Sinn kommt.
'Deswegen ist es jetzt auch ungünstig.., dass sie irgendwo steht und verunsichert wartet.. Ihr kennt das ja vielleicht..?'
'Nein, aber ihr habt mein Mitgefühl.'
'Aber klärt mir auch, Herr Kirian ... was bringt euch dazu, euch in eine Angelegenheit des Regimentes einzumischen .. Wo ihr doch eine schwangere Frau zu versorgen habt?'
'Ich hab das eher nur am Rande mitbekommen.. beim Rauchen, aber ich kanns einfach nicht mit ansehen wenn jemand so an einer Frau rumzupft die nicht die eigene ist. Da überkommt mich der Reiz mich einzumischen.'
'Verstehe, Ihr habt das zufällig beobachtet und hieltet es für eine gute Idee, zur Rettung der Maid zu eilen?'
'Beschützerinstinkt.. '
'Beschützerinstinkt, soso.' Scheiße, er glaubt dir nicht.
'Eine recht dreiste Annahme aber würdet ihr mir zustimmen, wenn ich sage, dass dergleichen Beschützerinstinkte selten bei absolut Fremden auftreten? Ich meine ..'
'Ihr wisst schon, das kommt irgendwann völlig von selbst, wenn euch die eigene immer mit großen, rehähnlichen Augen ansieht.'
'Ah. Hat sie das heute auch getan?'
'Höchstens als sie mit einem Schmuckstück geliebäugelt hat..'
'Und da hattet ihr Zeit einer Fremden nachzusehen und gar nachzulaufen?'
'Ich musste eine Rauchen, schlechte Angewohnheit. Und da ist es nur normal sie nicht daneben zu stellen.. in ihrem Zustand.'
'Welcher Zustand denn? Die Schwagerschaft?' erkundigt sich der Korporal ruhig.
'Ihr könnt euch das nicht vorstellen.. diese Stimmungsschwankungen, gelegentlich beschimpft sie mich, als wär ich irgendein Ungeheuer. Darüber hinaus verschlimmert der Tabakrauch nur die Übelkeit.'
'Also alles eine Mischung aus Zufall und .. ein gutes Herz?'
'Ja.. vielleicht färbt die Gemütsstimmung meiner besseren Hälfte ab, unüberlegte Handlungen.' Wenn du wüsstest, du Dreckssack..
'Scheinbar.' antwortet dieser nur abwägend.
Rasch legt er den Kopf in den Nacken und betastet seine Nase mit einem mühsamen Schnaufen.
'Ich hab Druck auf der Nase... das stört. Das ist so als würde sie gleich.. abfallen.'
'Gardist .. Holt die Feldheilerin ..' Aki nickt nur eifrig und hält den Kopf einfach im Nacken gelegt. Was ihm sehr gelegen kommt, da er den Korporal so nichtmehr ansehen muss.
'Wollt ihr mir vielleicht noch etwas über das Fräulein unten im Kerker erzählen?' hakt dieser dann nach.
'Hm, die in schwarz?'
'Ja, die in schwarz.'
'Ich weiß nich.. sie scheint ganz hübsch zu sein auf den ersten Blick, bevor sich eure stattliche Dame in den Weg geschoben hat.'
'Gut, habt ihr mir sonst nichts mehr zu sagen? Zu schade ... noch ein nutzloser Gefangener.'
Schwer zu sagen ob es sein Ernst oder Sarkasmus ist. Das Rauschen in seinen Ohren wird wieder lauter, als die Heilerin an seiner Nase herumrückt und ihm ein getränktes Tuch auf diese legt. Die Befehle des Korporals bekommt er nurnoch am Rande mit, als er schon wieder in eine der Zellen geführt wird. Er sinkt in der Zelle gegen die Wand und betrachtet verstohlen das verkrustete Blut an seinem Handgelenk. Lana ist an der Reihe und er kann nur hoffen, dass sie sich eine gute Geschichte zurecht gelegt hat. Du musst hier raus. Das überlebst du keine Nacht. Er legt den Kopf höchst konzentriert in die Arme und sinkt in sich zusammen, was für die Außenstehenden eher kraftlos wirkt. Die vermischten, teils unbekannten Stimmen vermischen sich zu einem Rauschen, wie am Strand von La Cabeza.
Nach einer gefühlten Ewigkeit werden alle drei, das so betitelte 'Pack' aus den Zellen gelassen und über die Reichsgrenze bis dicht vor Bajard geführt. Er versucht das Dejavue zu unterdrücken, als er sich an den Tag zurück erinnert, an dem Friedrich ihn zur Grenze geführt hatte und ihn, die Arme auf dem Rücken gefesselt verprügelt hat. Unweigerlich schleichen sich die Rachegedanken in seinen Kopf, während er die Anwesenden betrachtet. Mühsam verdrängt er die Gedanken und löst sich aus der Gruppe, um sich schnellstmöglich auf den Weg zu Less' Hof zu machen.
Vom Adrenalin noch immer beflügelt tritt er bis an ihre Schwelle, bevor er zögert. Es ist mitten in der Nacht, sie schläft sicher schon. Du solltest sie nicht wecken. Aber was, wenn sie sich wieder etwas angetan hatte..? Er wirft einen Blick durch die Fenster in den verdunkelten Raum, kann Less jedoch nirgends ausmachen. Einsteigen und zu ihr ins Bett kriechen, würde sie nur erschrecken als beruhigen. Vermutlich ist ihr bereits wieder danach ihn zum Teufel zu jagen. Er hinterlässt ihr lediglich einen Brief, um ihre Nerven einigermaßen zu beruhigen und macht sich auf den nach Hause weg.
Er wollte auf keinen Fall, dass Leona noch wach ist und an irgendeinem Experiment sitzt und ihn erwischt, weswegen er noch bei Lana klopft. Lana's Reaktion ist wie Balsam. Als wüsste sie, was zu tun ist, hieb sie ihm erst gegen die verletzte Rippe, um ihn dann zu Umarmen. Er lehnt sich regelrecht bereitwillig in die Umarmung, den Schmerz willkommen heißend. Sie hatte Angst um ihn? Verdrehte Welt.
Als er mit ihr nach unten zu Benito und Severin geht, welcher ihn ungewohnt normal behandelt, überkommt ihn einen Moment das Gefühl von Wohlbefangen. Du bist Zuhause, Idiot. Bei einer Flasche Rum, die er dringend nötig hat wurde noch geredet, aber keine Diskussion wirklich vertieft, was sicher an der späten Stunde liegt.
Als Benito sich verabschiedet, schließt er sich diesem an und findet sich noch für einige Augenblicke alleine mit Lana bei der Haustüre wieder. Immer diese Türschwellen, so unüberwindbar. Auch nach einem freundschaftlichen Kuss auf die Wange, fühlte sich die Situation nicht wirklich besser an. Es musste an diesem aufwühlenden Tag liegen, welcher das Pack nurnoch enger zusammen schweißt. Als Lana ihn auffordert den Abschiedkuss nochmal richtig zu wiederholen, tut er das, ohne wirklich darüber nachzudenken. Ihr Blinzeln dabei überrascht ihn dennoch ein wenig. Zu allem Überfluss und aus keinem Grund, der ihm zu diesem Zeitpunkt schlüssig ist, versucht er sie zu überzeugen mit zu ihm zu gehen. Vielleicht um der Standpauke ihres Angetrauten zu entgehen? Und Lana scheint doch tatsächlich schwer mit sich zu ringen. Aki entscheidet sich dazu, besser abzuhauen, bevor er sie noch mitzerrt. Verdammtes Adrenalin. Zieh einfach ab. Als er sich mit einem 'Gute Nacht' abwendet, hört er noch ihr tiefes Durchatmen. Vielleicht hast du heute doch nicht alles falsch gemacht.
'Hattet ihr schon etwas gesagt..?' durchbricht seine eigene Stimme das penetrante Summen in seinem Kopf, während das Adrenalin so heftig durch seinen Körper schießt, dass er das Zucken seiner Finger kaum unterdrücken kann. 'Ob ihr gegen eine Wand gelaufen seid?' Der Korporal deutet veranschaulichend gegen die geschwollene, angebrochene Nase. 'Nein, das war euer Rekrut, er hatte wohl Freude daran mich zu schlagen.' antwortet er in aller Seelenruhe, während ihn alleine der Gedanke daran rasend macht. Was für ein unfähiger Kerl, hat sich fast in die Hosen gemacht. Du hattest nur den verdammten Kopf geneigt und der Cobadre hat dir direkt ins Gesicht geboxt. Wenigstens hast du still gehalten, das vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass dich jemand erkennt, wenns nicht sowieso schon zu spät ist.
Der offensichtliche Frischling unter den Rekruten hatte solche Berührungsängste, dass er Aki nichtmal ansatzweise gründlich durchsucht hat. Jetzt brannte ihm der eng an seinem Oberschenkel anliegende Dolch förmlich auf der Haut, als er Vaughain anblickt. Kurz erwischt er sich dabei, wie er sich versonnen umsieht und die Entfernung der Wachen und Severin abschätzt, ebenso wie deren Reaktionszeit. Stech ihn ab. Du bist eh tod, reiss ihn mit. Tief durchatmend drückt er mit den Fingern gegen das Armband und schließt die Augen beim nächsten Blinzeln unmerklich länger.
Während dessen labert der Korporal ununterbrochen, dessen Worte nicht mal ansatzweise zu ihm durchdringen. 'Kaum zu glauben .. sicher ein Irrtum .. ich bedauere das zu hören. Aber umso schneller werdet ihr uns wieder verlassen wollen. Daher würde ich euch nun nahe legen, meine Fragen rasch und eingehend zu beantworten.' Warum befragt er dich noch, wenn es sowieso schon auf der Hand liegt, wer du bist und was du dir in der Vergangenheit zu Schulden kommen hast. Konnte es sein, dass der Kerl nicht mal den Hauch eines Verdachtes hat? Das ist deine Chance, konzentrier dich! 'Nur zu...' raunt er nasal, als ihm die verletzte Nase zur Hilfe kommt.
'Fangen wir an mit .. eurem Namen.' 'Kirian.. ich war mit meiner.. möglicherweise Zukünftigen auf dem Markt wie euch... eventuell aufgefallen ist. Die hitzige Rothaarige.' Die Worte kommen ihm so leicht und glaubhaft von den Lippen wie er es gewohnt ist. Dabei atmet er bemüht angestrengt, mit gelegentlicher, mitleidiger Schmerzensmiene durch den Mund und stockt immer absichtlich beim Reden.
'Verstehe .. Und woher stammt ihr, Herr Kirian?' Der Kerl hatte nichtmal den Anstand sich vorzustellen und sowas nennt sich Korporal. 'Bajard..' 'Ihr seid Bürger Bajard's?' 'Nein.. unsere Pläne sind noch nicht ganz.. gefestigt.' Er musste unweigerlich an Less denken und zermahlt sich bereits jetzt das Hirn wie er sie am Besten da raus hält. Denk nicht an Less, denk an irgendwen. Du hast ein glückliches Leben mit einer schwangeren Frau, die du über alles liebt. Er blinzelt ein paar Mal, leicht verlegen und senkt die Stimme einen Deut, bevor er meint. 'Sie ist schwanger.. und es stellt sich die Frage ob Stadt oder Land besser ist.. ' 'Herzlichen Glückwunsch!' Ich schneid dir gleich die Kehle auf, dass es nurnoch so spritzt, du Bastard. Wieder dreht er bereitwillig und unauffällig an dem Armband.
Er konzentriert sich auf seine Rolle und lässt raus, was ihm in den Sinn kommt.
'Deswegen ist es jetzt auch ungünstig.., dass sie irgendwo steht und verunsichert wartet.. Ihr kennt das ja vielleicht..?'
'Nein, aber ihr habt mein Mitgefühl.'
'Aber klärt mir auch, Herr Kirian ... was bringt euch dazu, euch in eine Angelegenheit des Regimentes einzumischen .. Wo ihr doch eine schwangere Frau zu versorgen habt?'
'Ich hab das eher nur am Rande mitbekommen.. beim Rauchen, aber ich kanns einfach nicht mit ansehen wenn jemand so an einer Frau rumzupft die nicht die eigene ist. Da überkommt mich der Reiz mich einzumischen.'
'Verstehe, Ihr habt das zufällig beobachtet und hieltet es für eine gute Idee, zur Rettung der Maid zu eilen?'
'Beschützerinstinkt.. '
'Beschützerinstinkt, soso.' Scheiße, er glaubt dir nicht.
'Eine recht dreiste Annahme aber würdet ihr mir zustimmen, wenn ich sage, dass dergleichen Beschützerinstinkte selten bei absolut Fremden auftreten? Ich meine ..'
'Ihr wisst schon, das kommt irgendwann völlig von selbst, wenn euch die eigene immer mit großen, rehähnlichen Augen ansieht.'
'Ah. Hat sie das heute auch getan?'
'Höchstens als sie mit einem Schmuckstück geliebäugelt hat..'
'Und da hattet ihr Zeit einer Fremden nachzusehen und gar nachzulaufen?'
'Ich musste eine Rauchen, schlechte Angewohnheit. Und da ist es nur normal sie nicht daneben zu stellen.. in ihrem Zustand.'
'Welcher Zustand denn? Die Schwagerschaft?' erkundigt sich der Korporal ruhig.
'Ihr könnt euch das nicht vorstellen.. diese Stimmungsschwankungen, gelegentlich beschimpft sie mich, als wär ich irgendein Ungeheuer. Darüber hinaus verschlimmert der Tabakrauch nur die Übelkeit.'
'Also alles eine Mischung aus Zufall und .. ein gutes Herz?'
'Ja.. vielleicht färbt die Gemütsstimmung meiner besseren Hälfte ab, unüberlegte Handlungen.' Wenn du wüsstest, du Dreckssack..
'Scheinbar.' antwortet dieser nur abwägend.
Rasch legt er den Kopf in den Nacken und betastet seine Nase mit einem mühsamen Schnaufen.
'Ich hab Druck auf der Nase... das stört. Das ist so als würde sie gleich.. abfallen.'
'Gardist .. Holt die Feldheilerin ..' Aki nickt nur eifrig und hält den Kopf einfach im Nacken gelegt. Was ihm sehr gelegen kommt, da er den Korporal so nichtmehr ansehen muss.
'Wollt ihr mir vielleicht noch etwas über das Fräulein unten im Kerker erzählen?' hakt dieser dann nach.
'Hm, die in schwarz?'
'Ja, die in schwarz.'
'Ich weiß nich.. sie scheint ganz hübsch zu sein auf den ersten Blick, bevor sich eure stattliche Dame in den Weg geschoben hat.'
'Gut, habt ihr mir sonst nichts mehr zu sagen? Zu schade ... noch ein nutzloser Gefangener.'
Schwer zu sagen ob es sein Ernst oder Sarkasmus ist. Das Rauschen in seinen Ohren wird wieder lauter, als die Heilerin an seiner Nase herumrückt und ihm ein getränktes Tuch auf diese legt. Die Befehle des Korporals bekommt er nurnoch am Rande mit, als er schon wieder in eine der Zellen geführt wird. Er sinkt in der Zelle gegen die Wand und betrachtet verstohlen das verkrustete Blut an seinem Handgelenk. Lana ist an der Reihe und er kann nur hoffen, dass sie sich eine gute Geschichte zurecht gelegt hat. Du musst hier raus. Das überlebst du keine Nacht. Er legt den Kopf höchst konzentriert in die Arme und sinkt in sich zusammen, was für die Außenstehenden eher kraftlos wirkt. Die vermischten, teils unbekannten Stimmen vermischen sich zu einem Rauschen, wie am Strand von La Cabeza.
Nach einer gefühlten Ewigkeit werden alle drei, das so betitelte 'Pack' aus den Zellen gelassen und über die Reichsgrenze bis dicht vor Bajard geführt. Er versucht das Dejavue zu unterdrücken, als er sich an den Tag zurück erinnert, an dem Friedrich ihn zur Grenze geführt hatte und ihn, die Arme auf dem Rücken gefesselt verprügelt hat. Unweigerlich schleichen sich die Rachegedanken in seinen Kopf, während er die Anwesenden betrachtet. Mühsam verdrängt er die Gedanken und löst sich aus der Gruppe, um sich schnellstmöglich auf den Weg zu Less' Hof zu machen.
Vom Adrenalin noch immer beflügelt tritt er bis an ihre Schwelle, bevor er zögert. Es ist mitten in der Nacht, sie schläft sicher schon. Du solltest sie nicht wecken. Aber was, wenn sie sich wieder etwas angetan hatte..? Er wirft einen Blick durch die Fenster in den verdunkelten Raum, kann Less jedoch nirgends ausmachen. Einsteigen und zu ihr ins Bett kriechen, würde sie nur erschrecken als beruhigen. Vermutlich ist ihr bereits wieder danach ihn zum Teufel zu jagen. Er hinterlässt ihr lediglich einen Brief, um ihre Nerven einigermaßen zu beruhigen und macht sich auf den nach Hause weg.
Er wollte auf keinen Fall, dass Leona noch wach ist und an irgendeinem Experiment sitzt und ihn erwischt, weswegen er noch bei Lana klopft. Lana's Reaktion ist wie Balsam. Als wüsste sie, was zu tun ist, hieb sie ihm erst gegen die verletzte Rippe, um ihn dann zu Umarmen. Er lehnt sich regelrecht bereitwillig in die Umarmung, den Schmerz willkommen heißend. Sie hatte Angst um ihn? Verdrehte Welt.
Als er mit ihr nach unten zu Benito und Severin geht, welcher ihn ungewohnt normal behandelt, überkommt ihn einen Moment das Gefühl von Wohlbefangen. Du bist Zuhause, Idiot. Bei einer Flasche Rum, die er dringend nötig hat wurde noch geredet, aber keine Diskussion wirklich vertieft, was sicher an der späten Stunde liegt.
Als Benito sich verabschiedet, schließt er sich diesem an und findet sich noch für einige Augenblicke alleine mit Lana bei der Haustüre wieder. Immer diese Türschwellen, so unüberwindbar. Auch nach einem freundschaftlichen Kuss auf die Wange, fühlte sich die Situation nicht wirklich besser an. Es musste an diesem aufwühlenden Tag liegen, welcher das Pack nurnoch enger zusammen schweißt. Als Lana ihn auffordert den Abschiedkuss nochmal richtig zu wiederholen, tut er das, ohne wirklich darüber nachzudenken. Ihr Blinzeln dabei überrascht ihn dennoch ein wenig. Zu allem Überfluss und aus keinem Grund, der ihm zu diesem Zeitpunkt schlüssig ist, versucht er sie zu überzeugen mit zu ihm zu gehen. Vielleicht um der Standpauke ihres Angetrauten zu entgehen? Und Lana scheint doch tatsächlich schwer mit sich zu ringen. Aki entscheidet sich dazu, besser abzuhauen, bevor er sie noch mitzerrt. Verdammtes Adrenalin. Zieh einfach ab. Als er sich mit einem 'Gute Nacht' abwendet, hört er noch ihr tiefes Durchatmen. Vielleicht hast du heute doch nicht alles falsch gemacht.
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Aki Orikson
An manchen Tagen ist es erträglich und am Nächsten ähnelt jeder Atemzug einer Tortur. Es beginnt mit einem fixierten Gedanken, ehe die Fingerspitzen zu kribbeln beginnen, ohne, dass eine Bewegung auszumachen ist. Auf ein kehliges Knurren folgt meist das unkontrollierte Zucken der Finger. Spätestens wenn sich ein Gedanke im Kopf festgesetzt hat wie eine Zecke und gleichermaßen Zorn und Adrenalin durch den Körper schießt, ist die Kontrolle dahin. Ein penetranter Gedanke oder wenige, herausfordernde Worte konnen ausreichen, um ihn in diese gefährliche Sackgasse zu drängen. Dabei konnen ihn teilweise derart absurde Aussagen reizen, die für Außenstehende nicht im Geringsten als provokant empfunden werden. Bereits ein befehlsähnliche Tonlage kann ihn in großen Schritten zur Raserei zwingen. Viel schlimmer noch sind Berührungen und wenn es nur ein Händeschütteln oder freundschaftliches Schulterklopfen ist. Du setzt so großen Wert auf Kontrolle von Anderen, obwohl du dich selbst nicht mal mehr beherrschen kannst.
Diese Gedanken drängen sich in sein Bewusstsein, während Aki am Thresen steht und eine Hand voll Früchte säubert und zurecht schneidet für den nahenden Abend. Ein Abend unter Freunden oder besser gesagt Personen, die wahnsinnig genug sind, sich als solche bezeichnen zu wollen. Er weiß selbst Bestens, dass die Kombination von Alkohol und Kraut seiner Reizschwelle alles andere als gut tut, jedoch genießt er auf der anderen Seite dieses unbeschwerte Gefühl in vollen Zügen. Er lädt Obst und Leckereien auf ein Tablett und stapft mit zielsicheren Schritten in Richtung Kellertreppe, um einige Flaschen von dem hochprozentigen Alkohol auszuwählen.
Als er die massive, mehrfach verriegelte Türe passiert, stockt er in der Bewegung und lässt die Fingerspitzen über das kalte Metall streichen. Nach kurzem Wühlen zieht er den kleinen Schlüssel aus der Hosentasche und entriegelt die Türe langsam. Der abgestandene Geruch steigt ihm in die Nase, als er den feuchten Kellerabschnitt betritt, genauso wie der hartnäckige, metallerne Geruch von Blut. Als er darüber nachgrübelt, wird ihm klar wie lange er nicht mehr freiwillig in diesem Raum war. Seid dem Zwischenfall in Rahal wurde die Kammer eher zu Leona's Experimentierecke. Der Holzrahmen, an dem zahlreiche Ringe und Karabiner befestigt sind weist noch immer die Spuren seines Anfalls auf, als er den Rahmen schlichtweg zerfetzt hat.
Auf dem Thresen steht noch immer das Tablett seiner Schwester, beladen mit ein paar Spritzen mit schmerzhaft dicker Nadel und kleinen Phiolen mit undefinierbarem Inhalt. Stirnrunzelnd fällt der aufmerksame Blick auf das handliche Notizbuch, das neben einem Kohlegriffel auf dem Tablett liegt. Wohl wissend, was darin steht zucken die Finger leicht zögernd, ehe er das Buch nimmt und aufschlägt. Er blättert ein paar Augenblicke durch die beschriebenen Seiten, als er inne hält und sich mit der Hüfte gegen den Thresen lehnt um die stichpunktartige Aufzeichnung zu lesen.
13. Schwalbenkunft 256
Über Nacht in festgekettetem Zustand am Holzrahmen ausgenüchtert
Keine Veränderung der Herzfrequenz im schlafenden Zustand
Gelegentliches, unkontrolliertes Zucken von Fingern oder Zehen beobachtbar
Auffälligkeiten im wachen Zustand:
Beschleunigter Herzschlag und Atmung
Angespannte Haltung, deutliche Muskelaktivität
Extrem gesteigerte Reizbarkeit aufgrund der Kontrollabgabe
Unruhiges Pupillenverhalten, kaum fähig einen Punkt zu fixieren
Lässt sich blind von seinem Zorn leiten, neigt deutlich zur Aggressivität
Laute (Knurren, Fauchen) und Mimik (Zähnefletschen) ähneln einem Tier
Reagiert positiv auf Schmerz, begrüßt diesen regelrecht
Distanziert überfliegt er die Zeilen und stößt anschließend die Luft in einem Schwall aus. Er blättert die ausführlich niedergeschriebene Zusammensetzung der ersten Dosis weg und betrachtet die nächste Seite. Die Erinnerung an die Wirkung lebt bildlich in seinem Kopf auf, als er die nächsten Zeilen liest.
Beobachtete Wirkung von Versuchssubstanz I: Entspanntheit, niedrige Herz- und Atemfrequenz, niedrige Reizschwelle, deutlich zurückhaltendes Verhalten, verminderte Muskeltätigkeit
Nebenwirkungen: Paranoia, Übelkeit, Gleichgültigkeit, verstärktes Triebverhalten
Bisher war ihm nicht bewusst mit welcher irrsinnigen Genauigkeit seine Schwester an diese Experimente heran gegangen war, um nicht zu sagen Besessenheit. Sie hatte ihm im drei Tage Takt, seit diesem Tag der ersten Aufzeichnung immer wieder veränderte Wirkstoffzusammensetzungen in die Blutbahn gespritzt. Wenn sie die Tatsache als positiv angesehen hatte, ihm jegliche Gefühlsregung zu nehmen und ihn zu einem gleichgültigen Klotz zu formen, konnte sie die Methoden wohl als Erfolg verbuchen. Er konnte kommunizieren ohne auszurasten und ging nicht wahllos auf jemanden los.
Seufzend blättert er bis zum Ende der Aufzeichnungen und legt den Kopf zur Seite. Die letzte Dosis war gegen Ende des letzten Monatslaufs gewesen. Er konnte sich bestens an den Tag erinnern, als er mit völliger Gleichgültigkeit gestraft war, da die Dosis einen ausgewachsenen Ochsen ruhig halten könnte. Seitdem die Wirkung an jenem Abend nachgelassen hatte, war er, im Bezug auf Leona's Mittelchen nüchtern.
Aki hat eine andere Idee aufgeschnappt, die auch von seiner Schwester stammte und die bisher recht zuverlässig ist. Er hat mit einem Armband angesetzt, das mehrere, angespitzte Nieten an der Unterseite verborgen trägt. Mittlerweilen trägt er zur Ergänzung ein Lederband am Fußknöchel, mit ähnlichem Zweck. Bei jedem Schritt und jeder Bewegung entfalten die beiden Bänder ihre schmerzvolle Wirkung und das mit deutlich weniger Nebenwirkungen als die Präparate seiner Schwester.
Es stellt sich als durchaus angenehm heraus, die bedrohlichen Wesenszüge einzudämmen, ohne dabei seine gesammte Persönlichkeit auszuschalten. Jedoch ist die Vorgehensweise noch immer nicht optimal ausgeklügelt. Bei körperlicher Aktivität wird jedes schlummernde Verlangen und jeder Drang geweckt und trotz der Bewegung nur bedingt durch den hervorgerufenen Schmerz gedrosselt.
Noch eine andere, interessante Veränderung macht sich bemerkbar, die er seiner Schwester jedoch definitiv nicht auf die Nase binden wird. Seit sie ihn vor wenigen Wochenläufen in einen emotional überwältigenden Abgrund geschubst hat, wurde eine Region in seinem Kopf wiederbelebt, die für lange Zeit scheinbar betäubt war. Wenn auch eingeschränkt, so kann er wieder Emotionen wahr nehmen. Dummerweise hat er nicht nur den Bezug dazu verloren sondern auch verlernt, damit umzugehen.
Besonders eine Emotion überrollte ihn völlig überraschend wie ein Kutschenrad. Tiefgründiges Interesse und Zuneigung einer Person gegenüber, die für ihn so unpassend ist, das die Gefühle völlig fehl am Platz sind. Nur weiß er weder, wie er dieses Hochgefühl daran hindern kann stärker zu werden, noch wie er diese Gedanken wieder los wird. Einerseits fühlt er sich wie berauscht doch andererseits ist das Gefühl ernüchternd, so unangebracht wie es ist. Mühsam verdrängt er die beflügelnden Gedanken und macht sich an die letzten Vorbereitungen für den Abend. Ihm ist sowieso klar, umso mehr er sich dagegen sträubt, umso intensiver überkommt ihn die nächste Welle. So ist es eben Gesetz auf dem offenen Meer.
Diese Gedanken drängen sich in sein Bewusstsein, während Aki am Thresen steht und eine Hand voll Früchte säubert und zurecht schneidet für den nahenden Abend. Ein Abend unter Freunden oder besser gesagt Personen, die wahnsinnig genug sind, sich als solche bezeichnen zu wollen. Er weiß selbst Bestens, dass die Kombination von Alkohol und Kraut seiner Reizschwelle alles andere als gut tut, jedoch genießt er auf der anderen Seite dieses unbeschwerte Gefühl in vollen Zügen. Er lädt Obst und Leckereien auf ein Tablett und stapft mit zielsicheren Schritten in Richtung Kellertreppe, um einige Flaschen von dem hochprozentigen Alkohol auszuwählen.
Als er die massive, mehrfach verriegelte Türe passiert, stockt er in der Bewegung und lässt die Fingerspitzen über das kalte Metall streichen. Nach kurzem Wühlen zieht er den kleinen Schlüssel aus der Hosentasche und entriegelt die Türe langsam. Der abgestandene Geruch steigt ihm in die Nase, als er den feuchten Kellerabschnitt betritt, genauso wie der hartnäckige, metallerne Geruch von Blut. Als er darüber nachgrübelt, wird ihm klar wie lange er nicht mehr freiwillig in diesem Raum war. Seid dem Zwischenfall in Rahal wurde die Kammer eher zu Leona's Experimentierecke. Der Holzrahmen, an dem zahlreiche Ringe und Karabiner befestigt sind weist noch immer die Spuren seines Anfalls auf, als er den Rahmen schlichtweg zerfetzt hat.
Auf dem Thresen steht noch immer das Tablett seiner Schwester, beladen mit ein paar Spritzen mit schmerzhaft dicker Nadel und kleinen Phiolen mit undefinierbarem Inhalt. Stirnrunzelnd fällt der aufmerksame Blick auf das handliche Notizbuch, das neben einem Kohlegriffel auf dem Tablett liegt. Wohl wissend, was darin steht zucken die Finger leicht zögernd, ehe er das Buch nimmt und aufschlägt. Er blättert ein paar Augenblicke durch die beschriebenen Seiten, als er inne hält und sich mit der Hüfte gegen den Thresen lehnt um die stichpunktartige Aufzeichnung zu lesen.
13. Schwalbenkunft 256
Über Nacht in festgekettetem Zustand am Holzrahmen ausgenüchtert
Keine Veränderung der Herzfrequenz im schlafenden Zustand
Gelegentliches, unkontrolliertes Zucken von Fingern oder Zehen beobachtbar
Auffälligkeiten im wachen Zustand:
Beschleunigter Herzschlag und Atmung
Angespannte Haltung, deutliche Muskelaktivität
Extrem gesteigerte Reizbarkeit aufgrund der Kontrollabgabe
Unruhiges Pupillenverhalten, kaum fähig einen Punkt zu fixieren
Lässt sich blind von seinem Zorn leiten, neigt deutlich zur Aggressivität
Laute (Knurren, Fauchen) und Mimik (Zähnefletschen) ähneln einem Tier
Reagiert positiv auf Schmerz, begrüßt diesen regelrecht
Distanziert überfliegt er die Zeilen und stößt anschließend die Luft in einem Schwall aus. Er blättert die ausführlich niedergeschriebene Zusammensetzung der ersten Dosis weg und betrachtet die nächste Seite. Die Erinnerung an die Wirkung lebt bildlich in seinem Kopf auf, als er die nächsten Zeilen liest.
Beobachtete Wirkung von Versuchssubstanz I: Entspanntheit, niedrige Herz- und Atemfrequenz, niedrige Reizschwelle, deutlich zurückhaltendes Verhalten, verminderte Muskeltätigkeit
Nebenwirkungen: Paranoia, Übelkeit, Gleichgültigkeit, verstärktes Triebverhalten
Bisher war ihm nicht bewusst mit welcher irrsinnigen Genauigkeit seine Schwester an diese Experimente heran gegangen war, um nicht zu sagen Besessenheit. Sie hatte ihm im drei Tage Takt, seit diesem Tag der ersten Aufzeichnung immer wieder veränderte Wirkstoffzusammensetzungen in die Blutbahn gespritzt. Wenn sie die Tatsache als positiv angesehen hatte, ihm jegliche Gefühlsregung zu nehmen und ihn zu einem gleichgültigen Klotz zu formen, konnte sie die Methoden wohl als Erfolg verbuchen. Er konnte kommunizieren ohne auszurasten und ging nicht wahllos auf jemanden los.
Seufzend blättert er bis zum Ende der Aufzeichnungen und legt den Kopf zur Seite. Die letzte Dosis war gegen Ende des letzten Monatslaufs gewesen. Er konnte sich bestens an den Tag erinnern, als er mit völliger Gleichgültigkeit gestraft war, da die Dosis einen ausgewachsenen Ochsen ruhig halten könnte. Seitdem die Wirkung an jenem Abend nachgelassen hatte, war er, im Bezug auf Leona's Mittelchen nüchtern.
Aki hat eine andere Idee aufgeschnappt, die auch von seiner Schwester stammte und die bisher recht zuverlässig ist. Er hat mit einem Armband angesetzt, das mehrere, angespitzte Nieten an der Unterseite verborgen trägt. Mittlerweilen trägt er zur Ergänzung ein Lederband am Fußknöchel, mit ähnlichem Zweck. Bei jedem Schritt und jeder Bewegung entfalten die beiden Bänder ihre schmerzvolle Wirkung und das mit deutlich weniger Nebenwirkungen als die Präparate seiner Schwester.
Es stellt sich als durchaus angenehm heraus, die bedrohlichen Wesenszüge einzudämmen, ohne dabei seine gesammte Persönlichkeit auszuschalten. Jedoch ist die Vorgehensweise noch immer nicht optimal ausgeklügelt. Bei körperlicher Aktivität wird jedes schlummernde Verlangen und jeder Drang geweckt und trotz der Bewegung nur bedingt durch den hervorgerufenen Schmerz gedrosselt.
Noch eine andere, interessante Veränderung macht sich bemerkbar, die er seiner Schwester jedoch definitiv nicht auf die Nase binden wird. Seit sie ihn vor wenigen Wochenläufen in einen emotional überwältigenden Abgrund geschubst hat, wurde eine Region in seinem Kopf wiederbelebt, die für lange Zeit scheinbar betäubt war. Wenn auch eingeschränkt, so kann er wieder Emotionen wahr nehmen. Dummerweise hat er nicht nur den Bezug dazu verloren sondern auch verlernt, damit umzugehen.
Besonders eine Emotion überrollte ihn völlig überraschend wie ein Kutschenrad. Tiefgründiges Interesse und Zuneigung einer Person gegenüber, die für ihn so unpassend ist, das die Gefühle völlig fehl am Platz sind. Nur weiß er weder, wie er dieses Hochgefühl daran hindern kann stärker zu werden, noch wie er diese Gedanken wieder los wird. Einerseits fühlt er sich wie berauscht doch andererseits ist das Gefühl ernüchternd, so unangebracht wie es ist. Mühsam verdrängt er die beflügelnden Gedanken und macht sich an die letzten Vorbereitungen für den Abend. Ihm ist sowieso klar, umso mehr er sich dagegen sträubt, umso intensiver überkommt ihn die nächste Welle. So ist es eben Gesetz auf dem offenen Meer.
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Aki Orikson
Das Feuer erfasst langsam seine Sinne. Erst ist da das Knistern, manchmal leiser und manchmal ähnlich wie ein Knall, wenn die Naturgewalt Holz zersprengt. Isoliert wirkt es fast schon beruhigend, zusammen mit dem Wogen der Flammen, die sich in den Himmel züngeln. Aber nich wenn ein Feuer ungewollt und unkontrolliert ist. Dann legt sich der Rauch auf die Atemwege, beschwert die Zunge und bahnt sich mit beissendem Geruch einen Weg durch die Nase. Wie ein Nebel hüllt der Rauch ihn ein und verwehrt das Atmen, da sich das Feuer nach jedlichem Funken Sauerstoff reckt. Als er die Augen aufschlägt wird er geblendet von den lodernden Flammen und den hellen Funken, die umhertanzen. Mühelos frisst sich das Feuer durch das Möbiliar und erweitert sich mühelos, solange ihm der Sauerstoff erhalten bleibt. Die letzte Sinneswahrnehmung ist das heftige, sofort ins Bewusstsein drängende Gefühl, wenn das Feuer mit dem Körper in Berührung kommt. Kleidung verschmort in Windeseile, Haare kringeln sich unter der Hitze und verbrennen unter einem beissenden Gestank. Die Hautschicht verbrennt zuerst unwiederruflich und hinterlässt blutrotes Fleisch, bevor sich das das Feuer auch dieses vor nimmt.
Er distanziert sich von diesem Gefühl des Verbrennens, das er bisher nur geringflächig kennen gelernt hatte, als sich noch glühendes Metall durch das Leder der Hose brannte oder wenn er bei einem Krautröllchen zu begierig war. Während die Sinneswahrnehmungen in seinem Kopf noch so gegenwärtig erhalten bleiben, blickt er aus der Entfernung auf einen Hof vor Düstersee. Flammen recken sich meterweit in die Luft und versengen jeden Schritt Acker, wobei die Pflanzen verglühen und nur Asche zurück bleibt. Sein Körper verspannt sich, als er gesichterlose Personen erblickt, die fackelschwenkend am Gatter stehen und das Feuer regelrecht antreiben. Nahe des brennenden Ackers eilen Menschen hin und her, mit überschwappenden Eimern beladen und legen immer wieder hektisch den Weg zwischen Brunnen und lichterloh in Flammen stehender Ackerfläche zurück. Ihm kommt diese Szenerie so bekannt vor, das er eilig nach einem Anhaltspunkt sucht. Ein paar Gesichter nehmen Form an und er erkennt Gabriella inmitten des Meeres aus Flammen und Menschen. Der Blick halb vor Verzweiflung, halb vor Panik verzerrt, mit Asche-und Rußspuren im Gesicht weckt Aki's Erinnerung. Er schwenkt den Blick und sieht an den Reihen der Brandstifter entlang. Bekannte Gesichter, Mitglieder des Regiments.
Eine Veränderung lenkt seinen Blick wieder zu den 'Opfern' der Szene. Gabriella hat Tränen in den Augen, die Augen werden größer, wie bei einem erschreckten Reh und während er sich auf den Ausdruck in ihren Augen und die Flammen konzentriert, die sich darin spiegeln, wird das Gesicht weicher und die Haare dunkler. Er sieht Lessaja, die Finger um einen Eimer verkrampft, bis ihr Knecht Marek herbei eilt und sie unter beruhigenden Worten von den Flammen wegzieht. Mit einem Scheppern fällt der Holzeimer zu Boden, das restliche Wasser schwappt heraus. Die smaragdgrünen Augen des Knechts heften sich auf Aki, der lediglich als Betrachter der Szene an dem Traum Teil nimmt und doch scheint Marek ihn mit einem stummen Vorwurf in den Augen direkt anzustarren.
Keuchend schrickt er aus dem Traum hoch und streicht augenblicklich mit den Fingern über die unversehrte Haut seiner Oberarme. Mit einem schweren Schnaufen lässt er sich geräuschvoll wieder ins Kissen sinken und drückt beide Handflächen ins schweißnasse Gesicht. Seine Atmung sowie die Herzfrequenz beruhigt sich, als er von unten die bekannten Stimmen hören kann. Lessaja's unbeschwertes, freudiges Lachen klingt hell auf und Aki schließt die Augen, als er sich auf dieses Geräusch besinnt. Sie sind glücklich, auch ohne dich. Du könntest einfach abhauen und für deine impulsiven Handlungen gerade stehen.
Langsam schwingt er die Beine aus der Hängematte und blickt sich in dem Lagerraum um. Er will nicht gehen, egal wie naheliegend dieser Gedanke auch ist. Aber kann er es aufs Spiel setzen, dass die beiden wegen seinem Egoismus zu Schaden kommen? Er hat bereits erfahren, wie sinnlos es ist darüber eine Diskussion zu führen. Nicht nur die beiden, auch Lana würden für ihn durch glühende Kohlen laufen, ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Tatsache macht beide Seiten schwach und verletzlich. Es ist immer das Gleiche, wenn man sich von seinen Gefühlen leiten lässt.
Gefühle.. wie lange ist es her, dass er über dieses Wort nachgedacht hat. Als wäre ein Hebel bei ihm umgelegt worden, sind diese seitdem so allgegenwärtig, dass er sich bereitwillig von diesen leiten lässt. Ein Gefühl, so mächtig, dass es ihn mühelos in seinen Bann gezogen hat. Natürlich macht es ihn schwach, aber seit wann fühlt sich Schwäche so unglaublich an? Er kann sich nicht daran erinern, wann Wildkraut oder Alkohol einen derartigen Rausch ausgelöst haben. Sei es ein Blick, eine Berührung oder ein gemeinsamen Atemzug, seine Nervenenden scheinen zu Brennen. Es ist wie Feuer, das durch seine Adern fließt. Einerseits schmerzvoll und fähig ihn jeden Moment zu verschlingen und andererseits so intensiv und faszinierend.
Ist er bereits nach so kurzer Zeit süchtig danach, obwohl er noch nicht mal den Hauch einer Ahnung hat, womit er es im Grunde zu tun hat? Ist das Begierde, Zuneigung oder sogar mehr? Im Grunde ist es völlig egal. Aber eins ist ihm bewusst, er möchte jeden Atemzug genießen, in dem er diesen ungewohnten Zustand auskosten kann. Du weißt nie wieviel Zeit dir noch bleibt.
Mit einem tiefen Atemzug erahnt er den Geruch von Butter und angebratenen Eiern. Lessaja macht Frühstück. Langsam und mit müden Knochen drückt er die Knie durch und stapft gemächlich in Richtung Treppe. Egal was Lessaja oder Marek sich einreden wollen, er ist lange nicht so optimistisch und findet sich mit dem Gedanken ab, dass ihm möglicherweise nur noch wenige Wochenläufe bleiben. Vielleicht weil er den Schmerz damit Dämpfen kann, wenn er sich wappnet. Jetzt, wo sich ein Funken Hoffnung am Horizont zeigt, schaufelt er sein eigenes Grab. Das Regiment durchkämmt Bajard, vermutlich behalten die Ketzer auch den Hafen im Auge. Du kannst nirgends mehr hin, aber wenigstens hast du dir dein Gefängnis selbst ausgesucht. Inhaliere jeden Augenblick wie ein Wildkrautsüchtiger, der seine letzte Kippe genießt.
Er distanziert sich von diesem Gefühl des Verbrennens, das er bisher nur geringflächig kennen gelernt hatte, als sich noch glühendes Metall durch das Leder der Hose brannte oder wenn er bei einem Krautröllchen zu begierig war. Während die Sinneswahrnehmungen in seinem Kopf noch so gegenwärtig erhalten bleiben, blickt er aus der Entfernung auf einen Hof vor Düstersee. Flammen recken sich meterweit in die Luft und versengen jeden Schritt Acker, wobei die Pflanzen verglühen und nur Asche zurück bleibt. Sein Körper verspannt sich, als er gesichterlose Personen erblickt, die fackelschwenkend am Gatter stehen und das Feuer regelrecht antreiben. Nahe des brennenden Ackers eilen Menschen hin und her, mit überschwappenden Eimern beladen und legen immer wieder hektisch den Weg zwischen Brunnen und lichterloh in Flammen stehender Ackerfläche zurück. Ihm kommt diese Szenerie so bekannt vor, das er eilig nach einem Anhaltspunkt sucht. Ein paar Gesichter nehmen Form an und er erkennt Gabriella inmitten des Meeres aus Flammen und Menschen. Der Blick halb vor Verzweiflung, halb vor Panik verzerrt, mit Asche-und Rußspuren im Gesicht weckt Aki's Erinnerung. Er schwenkt den Blick und sieht an den Reihen der Brandstifter entlang. Bekannte Gesichter, Mitglieder des Regiments.
Eine Veränderung lenkt seinen Blick wieder zu den 'Opfern' der Szene. Gabriella hat Tränen in den Augen, die Augen werden größer, wie bei einem erschreckten Reh und während er sich auf den Ausdruck in ihren Augen und die Flammen konzentriert, die sich darin spiegeln, wird das Gesicht weicher und die Haare dunkler. Er sieht Lessaja, die Finger um einen Eimer verkrampft, bis ihr Knecht Marek herbei eilt und sie unter beruhigenden Worten von den Flammen wegzieht. Mit einem Scheppern fällt der Holzeimer zu Boden, das restliche Wasser schwappt heraus. Die smaragdgrünen Augen des Knechts heften sich auf Aki, der lediglich als Betrachter der Szene an dem Traum Teil nimmt und doch scheint Marek ihn mit einem stummen Vorwurf in den Augen direkt anzustarren.
Keuchend schrickt er aus dem Traum hoch und streicht augenblicklich mit den Fingern über die unversehrte Haut seiner Oberarme. Mit einem schweren Schnaufen lässt er sich geräuschvoll wieder ins Kissen sinken und drückt beide Handflächen ins schweißnasse Gesicht. Seine Atmung sowie die Herzfrequenz beruhigt sich, als er von unten die bekannten Stimmen hören kann. Lessaja's unbeschwertes, freudiges Lachen klingt hell auf und Aki schließt die Augen, als er sich auf dieses Geräusch besinnt. Sie sind glücklich, auch ohne dich. Du könntest einfach abhauen und für deine impulsiven Handlungen gerade stehen.
Langsam schwingt er die Beine aus der Hängematte und blickt sich in dem Lagerraum um. Er will nicht gehen, egal wie naheliegend dieser Gedanke auch ist. Aber kann er es aufs Spiel setzen, dass die beiden wegen seinem Egoismus zu Schaden kommen? Er hat bereits erfahren, wie sinnlos es ist darüber eine Diskussion zu führen. Nicht nur die beiden, auch Lana würden für ihn durch glühende Kohlen laufen, ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Tatsache macht beide Seiten schwach und verletzlich. Es ist immer das Gleiche, wenn man sich von seinen Gefühlen leiten lässt.
Gefühle.. wie lange ist es her, dass er über dieses Wort nachgedacht hat. Als wäre ein Hebel bei ihm umgelegt worden, sind diese seitdem so allgegenwärtig, dass er sich bereitwillig von diesen leiten lässt. Ein Gefühl, so mächtig, dass es ihn mühelos in seinen Bann gezogen hat. Natürlich macht es ihn schwach, aber seit wann fühlt sich Schwäche so unglaublich an? Er kann sich nicht daran erinern, wann Wildkraut oder Alkohol einen derartigen Rausch ausgelöst haben. Sei es ein Blick, eine Berührung oder ein gemeinsamen Atemzug, seine Nervenenden scheinen zu Brennen. Es ist wie Feuer, das durch seine Adern fließt. Einerseits schmerzvoll und fähig ihn jeden Moment zu verschlingen und andererseits so intensiv und faszinierend.
Ist er bereits nach so kurzer Zeit süchtig danach, obwohl er noch nicht mal den Hauch einer Ahnung hat, womit er es im Grunde zu tun hat? Ist das Begierde, Zuneigung oder sogar mehr? Im Grunde ist es völlig egal. Aber eins ist ihm bewusst, er möchte jeden Atemzug genießen, in dem er diesen ungewohnten Zustand auskosten kann. Du weißt nie wieviel Zeit dir noch bleibt.
Mit einem tiefen Atemzug erahnt er den Geruch von Butter und angebratenen Eiern. Lessaja macht Frühstück. Langsam und mit müden Knochen drückt er die Knie durch und stapft gemächlich in Richtung Treppe. Egal was Lessaja oder Marek sich einreden wollen, er ist lange nicht so optimistisch und findet sich mit dem Gedanken ab, dass ihm möglicherweise nur noch wenige Wochenläufe bleiben. Vielleicht weil er den Schmerz damit Dämpfen kann, wenn er sich wappnet. Jetzt, wo sich ein Funken Hoffnung am Horizont zeigt, schaufelt er sein eigenes Grab. Das Regiment durchkämmt Bajard, vermutlich behalten die Ketzer auch den Hafen im Auge. Du kannst nirgends mehr hin, aber wenigstens hast du dir dein Gefängnis selbst ausgesucht. Inhaliere jeden Augenblick wie ein Wildkrautsüchtiger, der seine letzte Kippe genießt.
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Aki Orikson
Auch als er aufwacht umgibt ihn noch einige Momente tiefe Schwärze. Dank dem geschwächten Körper setzt der Orientierungssinn erst verspätet ein. Blinzelnd öffnet er langsam die Augen und lässt den Blick über den Platz schweifen. Ungewöhnlicherweise ist er alleine, was er ausnutzt um sich mühsam zu strecken und die wunden Handgelenke zu bewegen. Sein linkes Bein ist mittlerweilen vollkommen taub, auch wenn Scarlett's Bolzen nur den Muskel durchstoßen hat. Seitdem ihm Alayna den Bolzen auf seinen Wunsch hin herausgerissen hat, gewöhnt sich sein Körper mit jedem vergangenen Moment an den stechenden Schmerz, Der tiefrote Lebenssaft wurde von dem leichten Stoff der Robe aufgefangen und zeichnet sich auf dem hellgrauen Stoff unübersehbar ab. Er hatte den Schmerz willkommen geheißen, da er seine Kontrolle noch etwas aufrecht erhalten konnte.
Mittlerweilen kann er an nichts anderes mehr denken, als an Rachsucht und Zorn. Diese Wut ist so allgegenwärtig und ungehindert, dass es in seinem jetzigen Zustand unmöglich ist, diese noch zu unterdrücken. Jeder Nerv seines Körpers sehnt sich nach Schmerz, völlig egal ob es der eigene oder fremder ist. Keuchend lehnt er sich auf das taube Bein und hebt den anderen Fuß, um mühsam über das eng am Knöchel anliegende Lederband zu streifen. Immer und immer wieder. Der Druck des Knöchels wird fester und er knurrt, als seine Bemühungen sich auszahlen. Die, an der Innenseite des Bandes befindlichen, scharfkantigen Nieten verletzten die obere Hautschicht und drücken sich schmerzhaft ins Fleisch. In diesem Moment ist er Scarlett mehr als dankbar, dass sie ihm wenigstens das Band gelassen hat, als sie ihm alles Andere abgenommen hat. Als der Schmerz seinen Körper langsam beruhigt und die Gedanken dämpft, lässt er sich etwas gewichtiger in die Ketten an den Handgelenken sinken. Sobald die unnachgiebigen Handschellen sich tief in die kraftvollen Handgelenke schneiden, kann er sich ein leises Seufzen nicht verkneifen.
Erst als der Schmerz seinen Körper wieder beherrscht, kann er normale Gedanken formen. Er hängt seit zwei Tagen und bereits drei Nächte hier, präsentiert wie ein gefährliches Tier, das endlich eingefangen wurde. Er kann kein Unrecht in der Formulierung erkennen, würde ihn jetzt irgend jemand los machen, würde er vermutlich auf denjenigen los gehen. Er hat es bereits gestern Abend aufgegeben sich noch geistig abzumühen, um die Kontrolle zu behalten. Jetzt half nurnoch der Schmerz. Der anhaltende Durst, der nur gelegentlich von zu wenigen Schlucken Wasser gestillt wurde, zerstörte jegliche Konzentration. Ganz abgesehen von der brennenden Sonne, die ihn den Tag über zu versengen scheint. Er zählt die Stunden und betrachtet den Stand und sehnt sich am Nachmittag mit jeder Faser seines aufgeheizten Körpers danach, dass der Schatten der Mauer ihn endlich erreicht. Der Hunger hingegen war nur die ersten Stunden gegenwärtig und hat sich dann in den Hintergrund geschoben, verdängt von dem viel stärkeren Verlangen nach Wasser.
Er reckt das Kinn ein Stück und lässt den Blick aus den leblosen, ozeanblauen Augen umherschweifen. Einige, klebende und fettigen Strähnen behindern seine Sicht, die nach den vielen Stunden immer wieder aufs neue seinen Schweiß aufsammelten. Die Augenringe werden immer dunkler und die Wangenknochen wirken mittlerweilen eingefallen und ausgedörrt.
Aber er hängt immer noch nicht lang genug hier. Sein Körper ist zäh, der verdammte Rabe hat ihn ungewollt auf eine Situation wie diese hier trainiert. Wenn er provoziert wird und dadurch trotzige Wut in ihm aufsteigt, spürt er wie sich Kraft in seine Muskeln pumpt, die er bereits als verloren geglaubt hat. Er reisst rasselnd an den Ketten und wütet wie ein wildes Tier. Verdammt, die ganze mühsam aufrecht gehaltene Kontrolle, einfach dahin. Wie lange wollen sie ihn aufhängen? Bis er völlig dem Wahnsinn verfällt?
Nach einem mühsamen Atemzug versucht er sich etwas zu beruhigen. Denk an Mike, denk an Less. Die letzten Tage auf dem Hof, bevor du hier gelandet bist. Scheiße, denk daran, dass du glücklich warst und nicht wolltest, dass diese Zeit jemals vorbei geht.
Lana war gestern Nacht aufgetaucht und hatte ihm gesagt, dass er einen Prozess bekommen würde. Hoffentlich lassen sie ihn einfach hier hängen, vielleicht kann er dann mit Mühe und Not noch ein kontrolliertes Verhalten vorspielen. Hoffnung.. das ist alles was ihm noch geblieben ist, auch wenn er verzweifelt versucht sich diesem Wort zu entwinden. Möglicherweise ist alles schon beschlossene Sache und sie haben es nicht nötig ihn zu befragen? Was willst du dir vormachen, Lana hatte Recht und du hast sie weggeschickt. Du kommst hier nicht lebend raus. Was werfen sie dir vor? Folter, Verletzung von Reichsbürgern? Gar Vergewatigung? Sieh dich an, wie willst du irgendwie das Gegenteil beweisen.
Warum ist er so ein sturer Idiot? Lana hätte ihn hier raus holen können, es wär unverantwortlich gewesen, aber immerhin eine Option zu leben. Nicht mit denen, die du liebst und in ewigem Versteckspiel aber immerhin noch eine Chance, noch ein paar Atemzüge. Wie kannst du nur so egoistisch sein und deine Entscheidung, sie wegzuschicken jetzt bereuen, als wärst du noch für irgend jemanden nützlich.
Als die Sonne sich wieder dem unbarmherzigen, hohen Stand nähert, sehnt er sich die schattigen Stunden bereits wieder herbei. Auch wenn dann die Verhandlung auf ihn wartet, die möglicherweise sein Ende bedeutet. Er schließt die Augen und ruft unfreiwillig das Bild in seinen Kopf, wie Less und Mike von Wachen fortgezerrt werden, verzweifelt schreiend, als sein Tod verkündet wird. Er würde diesen Anblick nicht ertragen. Hoffentlich bleiben sie fern.. und wieder bleibt nur hoffen.
Mittlerweilen kann er an nichts anderes mehr denken, als an Rachsucht und Zorn. Diese Wut ist so allgegenwärtig und ungehindert, dass es in seinem jetzigen Zustand unmöglich ist, diese noch zu unterdrücken. Jeder Nerv seines Körpers sehnt sich nach Schmerz, völlig egal ob es der eigene oder fremder ist. Keuchend lehnt er sich auf das taube Bein und hebt den anderen Fuß, um mühsam über das eng am Knöchel anliegende Lederband zu streifen. Immer und immer wieder. Der Druck des Knöchels wird fester und er knurrt, als seine Bemühungen sich auszahlen. Die, an der Innenseite des Bandes befindlichen, scharfkantigen Nieten verletzten die obere Hautschicht und drücken sich schmerzhaft ins Fleisch. In diesem Moment ist er Scarlett mehr als dankbar, dass sie ihm wenigstens das Band gelassen hat, als sie ihm alles Andere abgenommen hat. Als der Schmerz seinen Körper langsam beruhigt und die Gedanken dämpft, lässt er sich etwas gewichtiger in die Ketten an den Handgelenken sinken. Sobald die unnachgiebigen Handschellen sich tief in die kraftvollen Handgelenke schneiden, kann er sich ein leises Seufzen nicht verkneifen.
Erst als der Schmerz seinen Körper wieder beherrscht, kann er normale Gedanken formen. Er hängt seit zwei Tagen und bereits drei Nächte hier, präsentiert wie ein gefährliches Tier, das endlich eingefangen wurde. Er kann kein Unrecht in der Formulierung erkennen, würde ihn jetzt irgend jemand los machen, würde er vermutlich auf denjenigen los gehen. Er hat es bereits gestern Abend aufgegeben sich noch geistig abzumühen, um die Kontrolle zu behalten. Jetzt half nurnoch der Schmerz. Der anhaltende Durst, der nur gelegentlich von zu wenigen Schlucken Wasser gestillt wurde, zerstörte jegliche Konzentration. Ganz abgesehen von der brennenden Sonne, die ihn den Tag über zu versengen scheint. Er zählt die Stunden und betrachtet den Stand und sehnt sich am Nachmittag mit jeder Faser seines aufgeheizten Körpers danach, dass der Schatten der Mauer ihn endlich erreicht. Der Hunger hingegen war nur die ersten Stunden gegenwärtig und hat sich dann in den Hintergrund geschoben, verdängt von dem viel stärkeren Verlangen nach Wasser.
Er reckt das Kinn ein Stück und lässt den Blick aus den leblosen, ozeanblauen Augen umherschweifen. Einige, klebende und fettigen Strähnen behindern seine Sicht, die nach den vielen Stunden immer wieder aufs neue seinen Schweiß aufsammelten. Die Augenringe werden immer dunkler und die Wangenknochen wirken mittlerweilen eingefallen und ausgedörrt.
Aber er hängt immer noch nicht lang genug hier. Sein Körper ist zäh, der verdammte Rabe hat ihn ungewollt auf eine Situation wie diese hier trainiert. Wenn er provoziert wird und dadurch trotzige Wut in ihm aufsteigt, spürt er wie sich Kraft in seine Muskeln pumpt, die er bereits als verloren geglaubt hat. Er reisst rasselnd an den Ketten und wütet wie ein wildes Tier. Verdammt, die ganze mühsam aufrecht gehaltene Kontrolle, einfach dahin. Wie lange wollen sie ihn aufhängen? Bis er völlig dem Wahnsinn verfällt?
Nach einem mühsamen Atemzug versucht er sich etwas zu beruhigen. Denk an Mike, denk an Less. Die letzten Tage auf dem Hof, bevor du hier gelandet bist. Scheiße, denk daran, dass du glücklich warst und nicht wolltest, dass diese Zeit jemals vorbei geht.
Lana war gestern Nacht aufgetaucht und hatte ihm gesagt, dass er einen Prozess bekommen würde. Hoffentlich lassen sie ihn einfach hier hängen, vielleicht kann er dann mit Mühe und Not noch ein kontrolliertes Verhalten vorspielen. Hoffnung.. das ist alles was ihm noch geblieben ist, auch wenn er verzweifelt versucht sich diesem Wort zu entwinden. Möglicherweise ist alles schon beschlossene Sache und sie haben es nicht nötig ihn zu befragen? Was willst du dir vormachen, Lana hatte Recht und du hast sie weggeschickt. Du kommst hier nicht lebend raus. Was werfen sie dir vor? Folter, Verletzung von Reichsbürgern? Gar Vergewatigung? Sieh dich an, wie willst du irgendwie das Gegenteil beweisen.
Warum ist er so ein sturer Idiot? Lana hätte ihn hier raus holen können, es wär unverantwortlich gewesen, aber immerhin eine Option zu leben. Nicht mit denen, die du liebst und in ewigem Versteckspiel aber immerhin noch eine Chance, noch ein paar Atemzüge. Wie kannst du nur so egoistisch sein und deine Entscheidung, sie wegzuschicken jetzt bereuen, als wärst du noch für irgend jemanden nützlich.
Als die Sonne sich wieder dem unbarmherzigen, hohen Stand nähert, sehnt er sich die schattigen Stunden bereits wieder herbei. Auch wenn dann die Verhandlung auf ihn wartet, die möglicherweise sein Ende bedeutet. Er schließt die Augen und ruft unfreiwillig das Bild in seinen Kopf, wie Less und Mike von Wachen fortgezerrt werden, verzweifelt schreiend, als sein Tod verkündet wird. Er würde diesen Anblick nicht ertragen. Hoffentlich bleiben sie fern.. und wieder bleibt nur hoffen.
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Aki Orikson
Du kannst die Hitze nicht spüren, bis du deine Hand über die Flamme hältst.
Du musst die Grenze überschreiten, nur um dich daran zu erinnern, wo sie liegt.
Du wirst nicht wissen, was du wert bist, bis du einen Schlag abkriegst.
Du kannst dein Glas nicht auffüllen, bevor du es nicht ganz leer getrunken hast.
Du kannst nicht verstehen, was vor dir liegt, wenn du die Vergangenheit nicht verstehst.
Du wirst nie fliegen lernen, bevor du nicht an der Klippe stehst.
Und du kannst nicht wahrhaft lieben, solange du die Liebe nicht aufgegeben hast.
Wir schleichen uns raus, während sie schlafen
Und segeln in die Nacht hinein.
Wir kommen mit uns ins reine und fangen mit dem Rest unseres Lebens an.
Wenn wir weg sind, bleiben wir weg.
Aus den Augen, aus dem Sinn
Es ist nicht zu spät,
Wir haben den Rest unseres Lebens vor uns.
Er kann nur an diese smaragdgrünen Augen denken. Verdammt, warum hatte er nicht etwas länger in diese geblickt. Was wollte er noch verbergen. Wieso hatte er diesen Anblick nicht noch etwas länger genossen, solang es ihm noch möglich war. Noch einmal die Berührung spüren, noch einmal diesen vertrauten Geruch einatmen. Aber alles was er bekam war ein besorgter Blick. Und anschließend wartete nur Schmerz auf ihn.
Es war nicht das Geräusch des knallenden Leders, das auf seine nackte Haut traf oder das Toben der Menge, das ihm in Erinnerungen geblieben war, es war dieser Blick. Als würde er ihm sagen, dass er es durchstehen würde. Du musst dafür kämpfen, es gibt etwas für das sich der Kampf lohnt.
Sein Körper ist völlig erschöpft. Nicht nur die unzähligen, blutenden Striemen in Gesicht und auf dem unbekleideten Körper, auch das Wasser und Essen, das ihm seit Tagen verwehrt blieb. Er versuchte sich den Geschmack von Lessaja's Zitronenrum in die Erinnerung zu rufen, vergebens. Jede Bewegung in der kleinen Zelle war eine Tortur. Seine Arme und Beine waren taub geworden, nach einigen Stunden, die er gefesselt und in Seitenlage auf dem Boden lag. Strohfetzen und Rattenkot hatten sich in seine Wunden gefressen, die von dem erbärmlich stinkendem Riechsalz bereits entzunden wurden.
Dein Körper hat bereits weitaus Schlimmeres überlebt, irgendwann wird der Schmerz vergehen. Länger als wenige Minuten in klarem Bewusstsein waren ihm nicht mehr vergönnt, dann schwebte sein Geist zwischen Bewusstlosigkeit und Schlaf. Sein ruhiger, mühsamer Herzschlag war alles, was ihn noch antrieb. Die Augenlider zucken angestrengt, als er gegen diesen verlockenden Ruhezustand ankämpft. Du hast zu viel Blut verloren, wenn du jetzt einschläfst wachst du möglicherweise nie wieder auf.
Bei dem knappen Gedanken an den Tod erinnert er sich an die friedliche Wärme, die er gespürt hatte, als er in Kra'thor's Reich hinübergezogen wurde. Und mit einem Mal war es sein Herz, das rebellierte. Er weitet die Augen ein Stück, als der vorantreibende Herzschlag aussetzt. Er würgt einen Schwall Blut hoch und verkrampft sich, verändert die Position in dem sinnlosen Versuch, sein Herz zu motivieren. Nein, ich bin nicht bereit. Ich muss diese Augen nochmal sehen und sagen, was sie in mir auslösen.
Seine blutverschmierten Lippen bleiben offen stehen, als aus seinem Körper die letzte, trotzige Kraft weicht. Wie in Zeitlupe schließen sich die Augenlider und befördern einen friedlichen Ausdruck auf seine Gesichtszüge. Dein Herz ist deinem Verstand einen Schritt voraus und hat die Hoffnung bereits aufgegeben. Die Wärme hüllt ihn ein, die sonst so kratzigen Schwingen schließen ihn in eine sanfte Umarmung und lösen seine Seele aus dem Körper. Diese Geborgenheit war unbeschreiblich, wie konnte er sich dagegen nur so lange auflehnen.
Das Leben weicht aus dem Körper, der in eine leichte Starre übergeht. Die geballten Hände bleiben starr zu Fäusten geballt, auch wenn die Schultermuskulatur sich zu entspannen scheint. Und so endet das Leben eines überaus ungewöhnlichen Schmiedes inmitten von Rahal, unbeobachtet und so wie die Natur in geschaffen hat. Die Natur geht ihren Lauf und hinterlässt nicht mehr und nicht weniger als zerfetzes Fleisch. Und möglicherweise wittern die Ratten ihr Festmahl, bevor die nächste Wache durch den Gefängnistrakt patrolliert.
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Sobald die Nachricht von seinem Tod die Runde macht wird Leona bei dem nächsten Besuch in der Bajarder Bank ein schlichter Zettel ausgehändigt, in welchen ein kleiner Schlüssel eingedreht ist. Darum wurde ein blutrotes Band gebunden. Darauf steht kurz und knapp:
In dem Raum, den du so verabscheust steht in der hinteren Ecke eine große Metallkiste. Dieser Schlüssel öffnet sie für dich. Als meinen letzten Willen bitte ich dich, die enthaltenen Kisten an den jeweiligen Empfänger weiter zu leiten. Bezahl dafür einen Boten, die Namen sind in die Deckel eingraviert.

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Eine Kiste erreicht Lana auf La Cabeza. Darin liegt ein Glas Erdbeermarmelade, eine Anleitung zum Pfannkuchen zubereiten und ein Brief.
22. Ciriasum 256
Lana,
Wenn du diesen Brief in der Hand hältst und liest, bin ich bereits tot.
Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, hast du mich verscheucht, weil ich etwas gesagt hab, dass dich verwirrt hat. Ich hoffe du nimmst mir das nicht übel. Ich kann mich an unsere Diskussion über das Wort 'bedingungslos' erinnern und bin dir dankbar dafür, dass du nicht aufgegeben hast was mich angeht.
Kurz darauf war ich auf dem Festland unterwegs, vernarrt in die grundlose Absicht die Heilerin zu finden, die mich im Knast versorgt hat. Zwar hab ich sie gefunden und ihr Aufenthalt war sicher nicht allzu angenehm, aber ich hab den Jagdinstinkt des Regiments neu geweckt. Nachdem ich von Alayna erfahren hatte, dass sie Bajard durchkämmen und die Schiffswege im Blick haben, bin ich zu Lessaja auf den Hof. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum wir uns nicht mehr gesehen haben. Ich wollte zumindest meine letzten Atemzüge bei zwei Menschen tätigen, die mir sehr wichtig sind. Schwer zu sagen zu diesem Zeitpunkt, ob das Regiment mich erwischt hat oder ob es jemand Anderes war. Ich bin mir sicher du wirst es bald herausfinden, nachdem ich es herausgefunden habe.
Ich weiß nicht wie Leona die Nachricht aufnehmen wird. Sie ist ein schlaues Mädchen, sie hat sicher damit gerechnet. Es kann gut sein, dass sie die Insel verlässt, wenn es so ist tut es mir Leid. Egal wie lange ich weg war, La Cabeza hat sich immer wie ein zweites Zuhause angefühlt und die Bruderschaft wie eine kleine Familie.
Ne ganze Zeit hatte ich mich nach dem Tod gesehnt und nun, wo er kurz bevor steht, würde ich am liebsten die Zeit anhalten um ein paar Momente noch zu genießen, die ich so lange Zeit vermisst hatte. Dieses Gefühl ist so stark, dass ich nahezu alles getan hätte, um es noch etwas länger auszukosten. Du weißt was ich meine und wenn deine Neugierde noch immer so brennend ist wie ich sie empfunden hab, dann frag Alayna. Sie wird es dir hoffentlich sagen.
Ich wünsche dir und deiner wachsenden Familie nur das Beste, ich wünschte ich hätte die kleine Kopie deiner selbst wenigstens einmal sehen können. Ich bin mir sicher sie wird euch beide ziemlich auf Trab halten.
Vergiss mich nicht,

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Alayna erreicht ein Kistchen mit einer Schachtel voll Wildkrautröllchen und ein paar Flaschen original cabezianischem Rum. Dazwischen liegt ein Zettel mit der altbekannten Zeichenkunst.
[img]http://farm4.staticflickr.com/3775/9355510905_97f8fecfd6.jpg[/img]
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Am Nixenquellenhof wird eine Kiste für Lessaja abgegeben. Das Teil ist ziemlich schwer und enthält Aki's komplette Schnaps, Rum, Absinth und Weinsammlung. Abgesehen davon findet sie einen dermaßen prallen Beutel voll Gold, dass er in mehrere Säckchen aufgeteilt wurde, um nicht aufzuplatzen.
22. Cirimasum 256
He Kleines,
Ich kenn deine Neugierde und Hektik, aber bitte setz dich erstmal hin.
Ich bin nicht nach 'Hause' gekommen, wie dir sicher aufgefallen ist. Ich glaube ich muss es nicht ausschreiben, du weißt auch so, was passiert ist. Wenn du das hier liest bin ich nur noch in deinem Herzen lebendig. Du bist eine Frau mit einem beachtlichen Durchhaltevermögen, weshalb ich hoffe, dass du irgendwie mit dieser Nachricht umgehen kannst. Ich weiß, du wolltest dich an das letzte bisschen Hoffnung klammern, aber es hat einfach nicht gereicht. Glaub mir ich hab es gleichermaßen gemacht, denn die letzten paar Tage auf dem Hof waren so schön.
Es ist schwer, was ich dir schreiben soll. Du weißt so viel von mir und doch so wenig. Es gibt Dinge, die du vergessen hast zu deinem eigenen Schutz und die ich mit ins Grab genommen hab. Ich möchte nicht, dass jemand jemals diesen Ausdruck in deinem Gesicht sehen muss, den ich hervorgerufen hatte. Wenn ich es dir sagen würde, könntest du mich hassen und leichter vergessen, aber ich glaube es ist besser so, wenn du ein wenig trauerst, um den Kerl, den du die letzten paar Tage gesehen hast.
Mike sagte mir letztens, dass du dir noch immer Hoffnungen gemacht hast, was uns angeht, als ich mich die letzten Tage sehr bemüht hab freundlich zu dir zu sein. Ich hoffe dennoch, dass er Schwachsinn geredet hat, es würde dir alles nur erschweren. Kannst du dich an den Abend erinnern als ich neben dem Teich lag und dir von einem Traum erzählt habe? In genau diesem Moment wünsche ich mir nahezu nichts mehr als einfach so spießig zu sein wie es in dem Traum der Fall war. Ich war zu lange emotionslos und hab zu spät erkannt was es bedeutet glücklich zu sein.
Einerseits bin ich froh, dass ich so paranoid war und dich nochmals vorsorglich fest in den Arm genommen hab, mir den Geruch deines Haares eingeprägt habe und mir jetzt bildlich den sorgenvollen Blick aus deinen Augen vorstellen kann. Andererseits tut es mir unglaublich leid, dass ich dich genau so zurück lassen muss. Ich hätte lieber Freude als Furcht in deinen Augen gesehen, aber dieses Problem ist nichts Neues, wenn es um uns zwei geht.
Am Ende will ich dir noch auf die Sprünge helfen, ich wünschte ich könnte zusehen wie du gleich deinen hübschen Kopf anstrengst und dann große Augen machst, wenn die die Lösung des Rätsels zu schwebt. Alayna war nur eine Ablenkung für dich, um dich auf eine falsche Fährte zu locken. Ich leg dir, was mich angeht, das Wort 'Schürzenjäger' ans Herz. Wenn du nicht schon längst von selbst darauf gekommen bist, weißt du es spätestens jetzt. Du bist lange nicht so naiv wie du es oft darstellst, aber auch das gehört zu deinem Selbstschutz.
Lass gelegentlich jemanden hinein in die Glasglocke, die du um dich herum aufrecht erhalten möchtest und die nur noch stabiler wird, jetzt wo ich weg bin.
In Liebe,

PS: Jetzt wo ich tot bin, muss ich mir nicht mehr deine Klagen anhören, wenn ich dir Gold gebe, deswegen geb ich dir einen lächerlich großen Batzen Gold. Deine regen Umbaupläne, die in deinem Köpfchen immer neue Variationen annehmen, werden es mir danken.
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22. Cirimasum 256
Hola Schwesterherz,
Ich bin dir die letzte Zeit aus dem Weg gegangen, ähnlich wie du mir. Vermutlich war das auch besser so, denn ich hätte dich nur unnötig dafür bestraft, dass du mir eigentlich nur helfen wolltest. Ich möchte, dass du dir das Bild vorstellst, als wir beide zusammen in dem Zelt in der Wüste sasen, umhüllt von Sand und salziger, stickiger Luft. Du warst an mich gekuschelt und hast dringend einige Stunden Schlaf nachgeholt, nach unserer Flucht. Und dennoch warst du einfach nur glücklich, dass ich noch an deiner Seite war.
Jetzt, wo ich das nie mehr sein kann, möchte ich dich bitten die Bilder zu verdrängen in der ich weniger dein Bruder war und vielmehr ein Tier. Seitdem du in Bajard über mich gestolpert bist hab ich dir eigentlich nur Dinge beigebracht und gezeigt, die dir verwehrt bleiben sollten. Im Nachhinein ist es so leicht zu sagen, dass ich ein so viel besserer Bruder und Mensch hätte sein können, für dich. Trotzdem hast du mich voller Entschlossenheit am Leben gehalten und versucht mich wieder hin zu biegen. Ich kann nicht mehr leugnen, dass du Erfolg hattest.
Da du jetzt nicht mehr in meinem Schatten stehst, hoff ich, dass du ein friedliches Leben führen kannst, ohne die Vorsicht und Kontrolle, die dein Leben bisher bestimmt hat. Ich kann dir versprechen, dass wir uns wieder sehen, denn deine Seele ist ihm bereits versprochen, genauso wie die meine es war.
Wenn du Sehnsucht hast, nimm die kleine Figur in deine Hand, die immer dein treuer Begleiter war. Du weißt, dass ich sie dir damals in unserer Kindheit voller Zuneigung hergestellt habe und keine Mühe gescheut hab. Wie du es mir immer gesagt hast, ich bin dein Bruder und ich verzeih dir genauso wie du es getan hast, auch all deine Experimente und misslungenen Versuche an mir selbst. Ich liebe dich noch immer so wie ich es in unserer Kindheit getan hab, Schwesterchen, auch wenn ich es dir in letzter Zeit nicht mehr so zeigen konnte, dass es für dich offensichtlich war.
In Liebe,

Du musst die Grenze überschreiten, nur um dich daran zu erinnern, wo sie liegt.
Du wirst nicht wissen, was du wert bist, bis du einen Schlag abkriegst.
Du kannst dein Glas nicht auffüllen, bevor du es nicht ganz leer getrunken hast.
Du kannst nicht verstehen, was vor dir liegt, wenn du die Vergangenheit nicht verstehst.
Du wirst nie fliegen lernen, bevor du nicht an der Klippe stehst.
Und du kannst nicht wahrhaft lieben, solange du die Liebe nicht aufgegeben hast.
Wir schleichen uns raus, während sie schlafen
Und segeln in die Nacht hinein.
Wir kommen mit uns ins reine und fangen mit dem Rest unseres Lebens an.
Wenn wir weg sind, bleiben wir weg.
Aus den Augen, aus dem Sinn
Es ist nicht zu spät,
Wir haben den Rest unseres Lebens vor uns.
Er kann nur an diese smaragdgrünen Augen denken. Verdammt, warum hatte er nicht etwas länger in diese geblickt. Was wollte er noch verbergen. Wieso hatte er diesen Anblick nicht noch etwas länger genossen, solang es ihm noch möglich war. Noch einmal die Berührung spüren, noch einmal diesen vertrauten Geruch einatmen. Aber alles was er bekam war ein besorgter Blick. Und anschließend wartete nur Schmerz auf ihn.
Es war nicht das Geräusch des knallenden Leders, das auf seine nackte Haut traf oder das Toben der Menge, das ihm in Erinnerungen geblieben war, es war dieser Blick. Als würde er ihm sagen, dass er es durchstehen würde. Du musst dafür kämpfen, es gibt etwas für das sich der Kampf lohnt.
Sein Körper ist völlig erschöpft. Nicht nur die unzähligen, blutenden Striemen in Gesicht und auf dem unbekleideten Körper, auch das Wasser und Essen, das ihm seit Tagen verwehrt blieb. Er versuchte sich den Geschmack von Lessaja's Zitronenrum in die Erinnerung zu rufen, vergebens. Jede Bewegung in der kleinen Zelle war eine Tortur. Seine Arme und Beine waren taub geworden, nach einigen Stunden, die er gefesselt und in Seitenlage auf dem Boden lag. Strohfetzen und Rattenkot hatten sich in seine Wunden gefressen, die von dem erbärmlich stinkendem Riechsalz bereits entzunden wurden.
Dein Körper hat bereits weitaus Schlimmeres überlebt, irgendwann wird der Schmerz vergehen. Länger als wenige Minuten in klarem Bewusstsein waren ihm nicht mehr vergönnt, dann schwebte sein Geist zwischen Bewusstlosigkeit und Schlaf. Sein ruhiger, mühsamer Herzschlag war alles, was ihn noch antrieb. Die Augenlider zucken angestrengt, als er gegen diesen verlockenden Ruhezustand ankämpft. Du hast zu viel Blut verloren, wenn du jetzt einschläfst wachst du möglicherweise nie wieder auf.
Bei dem knappen Gedanken an den Tod erinnert er sich an die friedliche Wärme, die er gespürt hatte, als er in Kra'thor's Reich hinübergezogen wurde. Und mit einem Mal war es sein Herz, das rebellierte. Er weitet die Augen ein Stück, als der vorantreibende Herzschlag aussetzt. Er würgt einen Schwall Blut hoch und verkrampft sich, verändert die Position in dem sinnlosen Versuch, sein Herz zu motivieren. Nein, ich bin nicht bereit. Ich muss diese Augen nochmal sehen und sagen, was sie in mir auslösen.
Seine blutverschmierten Lippen bleiben offen stehen, als aus seinem Körper die letzte, trotzige Kraft weicht. Wie in Zeitlupe schließen sich die Augenlider und befördern einen friedlichen Ausdruck auf seine Gesichtszüge. Dein Herz ist deinem Verstand einen Schritt voraus und hat die Hoffnung bereits aufgegeben. Die Wärme hüllt ihn ein, die sonst so kratzigen Schwingen schließen ihn in eine sanfte Umarmung und lösen seine Seele aus dem Körper. Diese Geborgenheit war unbeschreiblich, wie konnte er sich dagegen nur so lange auflehnen.
Das Leben weicht aus dem Körper, der in eine leichte Starre übergeht. Die geballten Hände bleiben starr zu Fäusten geballt, auch wenn die Schultermuskulatur sich zu entspannen scheint. Und so endet das Leben eines überaus ungewöhnlichen Schmiedes inmitten von Rahal, unbeobachtet und so wie die Natur in geschaffen hat. Die Natur geht ihren Lauf und hinterlässt nicht mehr und nicht weniger als zerfetzes Fleisch. Und möglicherweise wittern die Ratten ihr Festmahl, bevor die nächste Wache durch den Gefängnistrakt patrolliert.
~~~~~~~~~~~~
Sobald die Nachricht von seinem Tod die Runde macht wird Leona bei dem nächsten Besuch in der Bajarder Bank ein schlichter Zettel ausgehändigt, in welchen ein kleiner Schlüssel eingedreht ist. Darum wurde ein blutrotes Band gebunden. Darauf steht kurz und knapp:
In dem Raum, den du so verabscheust steht in der hinteren Ecke eine große Metallkiste. Dieser Schlüssel öffnet sie für dich. Als meinen letzten Willen bitte ich dich, die enthaltenen Kisten an den jeweiligen Empfänger weiter zu leiten. Bezahl dafür einen Boten, die Namen sind in die Deckel eingraviert.
~~~~~~~~~~~
Eine Kiste erreicht Lana auf La Cabeza. Darin liegt ein Glas Erdbeermarmelade, eine Anleitung zum Pfannkuchen zubereiten und ein Brief.
22. Ciriasum 256
Lana,
Wenn du diesen Brief in der Hand hältst und liest, bin ich bereits tot.
Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, hast du mich verscheucht, weil ich etwas gesagt hab, dass dich verwirrt hat. Ich hoffe du nimmst mir das nicht übel. Ich kann mich an unsere Diskussion über das Wort 'bedingungslos' erinnern und bin dir dankbar dafür, dass du nicht aufgegeben hast was mich angeht.
Kurz darauf war ich auf dem Festland unterwegs, vernarrt in die grundlose Absicht die Heilerin zu finden, die mich im Knast versorgt hat. Zwar hab ich sie gefunden und ihr Aufenthalt war sicher nicht allzu angenehm, aber ich hab den Jagdinstinkt des Regiments neu geweckt. Nachdem ich von Alayna erfahren hatte, dass sie Bajard durchkämmen und die Schiffswege im Blick haben, bin ich zu Lessaja auf den Hof. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum wir uns nicht mehr gesehen haben. Ich wollte zumindest meine letzten Atemzüge bei zwei Menschen tätigen, die mir sehr wichtig sind. Schwer zu sagen zu diesem Zeitpunkt, ob das Regiment mich erwischt hat oder ob es jemand Anderes war. Ich bin mir sicher du wirst es bald herausfinden, nachdem ich es herausgefunden habe.
Ich weiß nicht wie Leona die Nachricht aufnehmen wird. Sie ist ein schlaues Mädchen, sie hat sicher damit gerechnet. Es kann gut sein, dass sie die Insel verlässt, wenn es so ist tut es mir Leid. Egal wie lange ich weg war, La Cabeza hat sich immer wie ein zweites Zuhause angefühlt und die Bruderschaft wie eine kleine Familie.
Ne ganze Zeit hatte ich mich nach dem Tod gesehnt und nun, wo er kurz bevor steht, würde ich am liebsten die Zeit anhalten um ein paar Momente noch zu genießen, die ich so lange Zeit vermisst hatte. Dieses Gefühl ist so stark, dass ich nahezu alles getan hätte, um es noch etwas länger auszukosten. Du weißt was ich meine und wenn deine Neugierde noch immer so brennend ist wie ich sie empfunden hab, dann frag Alayna. Sie wird es dir hoffentlich sagen.
Ich wünsche dir und deiner wachsenden Familie nur das Beste, ich wünschte ich hätte die kleine Kopie deiner selbst wenigstens einmal sehen können. Ich bin mir sicher sie wird euch beide ziemlich auf Trab halten.
Vergiss mich nicht,
~~~~~~~~~~~
Alayna erreicht ein Kistchen mit einer Schachtel voll Wildkrautröllchen und ein paar Flaschen original cabezianischem Rum. Dazwischen liegt ein Zettel mit der altbekannten Zeichenkunst.
[img]http://farm4.staticflickr.com/3775/9355510905_97f8fecfd6.jpg[/img]
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Am Nixenquellenhof wird eine Kiste für Lessaja abgegeben. Das Teil ist ziemlich schwer und enthält Aki's komplette Schnaps, Rum, Absinth und Weinsammlung. Abgesehen davon findet sie einen dermaßen prallen Beutel voll Gold, dass er in mehrere Säckchen aufgeteilt wurde, um nicht aufzuplatzen.
22. Cirimasum 256
He Kleines,
Ich kenn deine Neugierde und Hektik, aber bitte setz dich erstmal hin.
Ich bin nicht nach 'Hause' gekommen, wie dir sicher aufgefallen ist. Ich glaube ich muss es nicht ausschreiben, du weißt auch so, was passiert ist. Wenn du das hier liest bin ich nur noch in deinem Herzen lebendig. Du bist eine Frau mit einem beachtlichen Durchhaltevermögen, weshalb ich hoffe, dass du irgendwie mit dieser Nachricht umgehen kannst. Ich weiß, du wolltest dich an das letzte bisschen Hoffnung klammern, aber es hat einfach nicht gereicht. Glaub mir ich hab es gleichermaßen gemacht, denn die letzten paar Tage auf dem Hof waren so schön.
Es ist schwer, was ich dir schreiben soll. Du weißt so viel von mir und doch so wenig. Es gibt Dinge, die du vergessen hast zu deinem eigenen Schutz und die ich mit ins Grab genommen hab. Ich möchte nicht, dass jemand jemals diesen Ausdruck in deinem Gesicht sehen muss, den ich hervorgerufen hatte. Wenn ich es dir sagen würde, könntest du mich hassen und leichter vergessen, aber ich glaube es ist besser so, wenn du ein wenig trauerst, um den Kerl, den du die letzten paar Tage gesehen hast.
Mike sagte mir letztens, dass du dir noch immer Hoffnungen gemacht hast, was uns angeht, als ich mich die letzten Tage sehr bemüht hab freundlich zu dir zu sein. Ich hoffe dennoch, dass er Schwachsinn geredet hat, es würde dir alles nur erschweren. Kannst du dich an den Abend erinnern als ich neben dem Teich lag und dir von einem Traum erzählt habe? In genau diesem Moment wünsche ich mir nahezu nichts mehr als einfach so spießig zu sein wie es in dem Traum der Fall war. Ich war zu lange emotionslos und hab zu spät erkannt was es bedeutet glücklich zu sein.
Einerseits bin ich froh, dass ich so paranoid war und dich nochmals vorsorglich fest in den Arm genommen hab, mir den Geruch deines Haares eingeprägt habe und mir jetzt bildlich den sorgenvollen Blick aus deinen Augen vorstellen kann. Andererseits tut es mir unglaublich leid, dass ich dich genau so zurück lassen muss. Ich hätte lieber Freude als Furcht in deinen Augen gesehen, aber dieses Problem ist nichts Neues, wenn es um uns zwei geht.
Am Ende will ich dir noch auf die Sprünge helfen, ich wünschte ich könnte zusehen wie du gleich deinen hübschen Kopf anstrengst und dann große Augen machst, wenn die die Lösung des Rätsels zu schwebt. Alayna war nur eine Ablenkung für dich, um dich auf eine falsche Fährte zu locken. Ich leg dir, was mich angeht, das Wort 'Schürzenjäger' ans Herz. Wenn du nicht schon längst von selbst darauf gekommen bist, weißt du es spätestens jetzt. Du bist lange nicht so naiv wie du es oft darstellst, aber auch das gehört zu deinem Selbstschutz.
Lass gelegentlich jemanden hinein in die Glasglocke, die du um dich herum aufrecht erhalten möchtest und die nur noch stabiler wird, jetzt wo ich weg bin.
In Liebe,
PS: Jetzt wo ich tot bin, muss ich mir nicht mehr deine Klagen anhören, wenn ich dir Gold gebe, deswegen geb ich dir einen lächerlich großen Batzen Gold. Deine regen Umbaupläne, die in deinem Köpfchen immer neue Variationen annehmen, werden es mir danken.
~~~~~~~~~~~~~~
22. Cirimasum 256
Hola Schwesterherz,
Ich bin dir die letzte Zeit aus dem Weg gegangen, ähnlich wie du mir. Vermutlich war das auch besser so, denn ich hätte dich nur unnötig dafür bestraft, dass du mir eigentlich nur helfen wolltest. Ich möchte, dass du dir das Bild vorstellst, als wir beide zusammen in dem Zelt in der Wüste sasen, umhüllt von Sand und salziger, stickiger Luft. Du warst an mich gekuschelt und hast dringend einige Stunden Schlaf nachgeholt, nach unserer Flucht. Und dennoch warst du einfach nur glücklich, dass ich noch an deiner Seite war.
Jetzt, wo ich das nie mehr sein kann, möchte ich dich bitten die Bilder zu verdrängen in der ich weniger dein Bruder war und vielmehr ein Tier. Seitdem du in Bajard über mich gestolpert bist hab ich dir eigentlich nur Dinge beigebracht und gezeigt, die dir verwehrt bleiben sollten. Im Nachhinein ist es so leicht zu sagen, dass ich ein so viel besserer Bruder und Mensch hätte sein können, für dich. Trotzdem hast du mich voller Entschlossenheit am Leben gehalten und versucht mich wieder hin zu biegen. Ich kann nicht mehr leugnen, dass du Erfolg hattest.
Da du jetzt nicht mehr in meinem Schatten stehst, hoff ich, dass du ein friedliches Leben führen kannst, ohne die Vorsicht und Kontrolle, die dein Leben bisher bestimmt hat. Ich kann dir versprechen, dass wir uns wieder sehen, denn deine Seele ist ihm bereits versprochen, genauso wie die meine es war.
Wenn du Sehnsucht hast, nimm die kleine Figur in deine Hand, die immer dein treuer Begleiter war. Du weißt, dass ich sie dir damals in unserer Kindheit voller Zuneigung hergestellt habe und keine Mühe gescheut hab. Wie du es mir immer gesagt hast, ich bin dein Bruder und ich verzeih dir genauso wie du es getan hast, auch all deine Experimente und misslungenen Versuche an mir selbst. Ich liebe dich noch immer so wie ich es in unserer Kindheit getan hab, Schwesterchen, auch wenn ich es dir in letzter Zeit nicht mehr so zeigen konnte, dass es für dich offensichtlich war.
In Liebe,
-
Benedict Weber
Ein tiefes Loch, bodenlos und so schwarz wie die Nacht.
Es tat sich vor ihr auf und wollte sie einfach nur verschlucken.
Sie wusste schon bevor sie den Brief überhaupt geöffnet hatte, das jedes Hoffen und jeder weitere Gedanken an ein gutes Ende davon gefegt worden war.
Es gab keine Hoffnung mehr und auch keine Zukunft.
Und so formte sich vor ihren Augen ein Bild, das Bild eines Mannes der einen kleinen Jungen auf dem Arm trug. Ein Junge, mit so schönen roten Haaren und den Augen wie die Ihren und sein Gesicht wie das seines Vaters.
Er schmiegte sich an die Schulter seines Vaters an und nahm ihn fest in seine Arme.
Sie waren nun vereint, der eine und der andere auf Ewig. Und irgendwann würde sie zu ihnen kehren, dann wenn sie Zeit gekommen war.
Den Brief selbst steckte sie in ihre Rocktasche hinein, sie würde ihn erst mit Marek zusammen öffnen, dem Mann der aus ihm wieder einen Menschen gemacht hatte. Weit weg von dem Tier das er eine Zeit lang war, der Freund der ihm immer gefehlt hatte.
Sie wusste nicht wie es Marek ging, er versteckte seine Gefühle sehr gut. Aber sie wusste, dass er genauso litt, wie sie es tat.
Sie hatte an jenem Tag einen Freund verloren. Auch wenn viele ihn wahrscheinlich nie so kennen gelernt hatten wie sie.
Dieses bodenlose schwarze Loch würde nie jemand füllen können.
Doch sie war dankbar für jeden Atemzug und jedes Lachen und jeden Moment, denn sie mit jenem besonderen Menschen hatte verbringen dürfen.
Immer dein... immer mein... immer eins... das ist Freundschaft.
Stark Unheilig
Das leben ist mehr als wir sehen
Schatten die an uns vorüberziehen
weinen wir aus Trauer und Schmerz
spüren wir das Leben tief im Herz
Auf Wiedersehen
stark wie ein Baum der in der Sonne steht
stark wie die Wolke die vorüberzieht
stark wie ein Engel der zum Himmel fliegt
Die Zeit steht still, die Erinnerung bleibt stehen
wann werden wir uns wiedersehen
Die Frage nach dem Sinn der Zeit
stellen wir uns, doch die Frage bleibt
Es tat sich vor ihr auf und wollte sie einfach nur verschlucken.
Sie wusste schon bevor sie den Brief überhaupt geöffnet hatte, das jedes Hoffen und jeder weitere Gedanken an ein gutes Ende davon gefegt worden war.
Es gab keine Hoffnung mehr und auch keine Zukunft.
Und so formte sich vor ihren Augen ein Bild, das Bild eines Mannes der einen kleinen Jungen auf dem Arm trug. Ein Junge, mit so schönen roten Haaren und den Augen wie die Ihren und sein Gesicht wie das seines Vaters.
Er schmiegte sich an die Schulter seines Vaters an und nahm ihn fest in seine Arme.
Sie waren nun vereint, der eine und der andere auf Ewig. Und irgendwann würde sie zu ihnen kehren, dann wenn sie Zeit gekommen war.
Den Brief selbst steckte sie in ihre Rocktasche hinein, sie würde ihn erst mit Marek zusammen öffnen, dem Mann der aus ihm wieder einen Menschen gemacht hatte. Weit weg von dem Tier das er eine Zeit lang war, der Freund der ihm immer gefehlt hatte.
Sie wusste nicht wie es Marek ging, er versteckte seine Gefühle sehr gut. Aber sie wusste, dass er genauso litt, wie sie es tat.
Sie hatte an jenem Tag einen Freund verloren. Auch wenn viele ihn wahrscheinlich nie so kennen gelernt hatten wie sie.
Dieses bodenlose schwarze Loch würde nie jemand füllen können.
Doch sie war dankbar für jeden Atemzug und jedes Lachen und jeden Moment, denn sie mit jenem besonderen Menschen hatte verbringen dürfen.
Immer dein... immer mein... immer eins... das ist Freundschaft.
Stark Unheilig
Das leben ist mehr als wir sehen
Schatten die an uns vorüberziehen
weinen wir aus Trauer und Schmerz
spüren wir das Leben tief im Herz
Auf Wiedersehen
stark wie ein Baum der in der Sonne steht
stark wie die Wolke die vorüberzieht
stark wie ein Engel der zum Himmel fliegt
Die Zeit steht still, die Erinnerung bleibt stehen
wann werden wir uns wiedersehen
Die Frage nach dem Sinn der Zeit
stellen wir uns, doch die Frage bleibt
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Sophia Coram
Selbst bis nach Adoran sickerte die Kunde, dass Aki Oriksson tot sei.
Die meisten fragten nur "Wer?", doch aus dem Munde einer jungen Frau kam ein überraschtes "Oh!?"
Lange war es her, dass Aki in Adoran wohnte und doch dachte sie ab und an noch an ihn. Es war die Kette um ihren Hals, die er ihr geschenkt hatte und die sie nach wie vor trug. Eine Erinnerung an bessere Zeiten, aber auch als Warnung.
Sie konnte sich noch gut an das Herzklopfen erinnern, welches sie für ihn empfunden hatte, das Glück, auch wenn es nur kurz währte.
Doch auch seinen kalten grausamen Gesichtsausdruck hatte sie noch vor Augen, als er sie an die Wand presste und ihre Bluse aufriss um ihr sein wahres Gesicht zu zeigen.
"Nun, irgendwann hatte es wohl so kommen müssen bei diesem Mann" dachte sie sich und ging doch mit gemischten Gefühlen wieder weiter ihres Weges.
Die meisten fragten nur "Wer?", doch aus dem Munde einer jungen Frau kam ein überraschtes "Oh!?"
Lange war es her, dass Aki in Adoran wohnte und doch dachte sie ab und an noch an ihn. Es war die Kette um ihren Hals, die er ihr geschenkt hatte und die sie nach wie vor trug. Eine Erinnerung an bessere Zeiten, aber auch als Warnung.
Sie konnte sich noch gut an das Herzklopfen erinnern, welches sie für ihn empfunden hatte, das Glück, auch wenn es nur kurz währte.
Doch auch seinen kalten grausamen Gesichtsausdruck hatte sie noch vor Augen, als er sie an die Wand presste und ihre Bluse aufriss um ihr sein wahres Gesicht zu zeigen.
"Nun, irgendwann hatte es wohl so kommen müssen bei diesem Mann" dachte sie sich und ging doch mit gemischten Gefühlen wieder weiter ihres Weges.