Spiegelschrift - Tagträume

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Darian Maydorn

Spiegelschrift - Tagträume

Beitrag von Darian Maydorn »

  • [url=http://www.youtube.com/watch?v=SeINf5tvMXo]Listen...[/url]
  • Verspiegelte Chiffren, verdreht und vertauscht. Seitenverkehrt, unwirklich und verwirrend. Sinnlose Anordnung von Buchstaben oder Zeichen. Ein verborgener Sinn, von hinten lesbar. Falschherum aber nicht falsch. Anders, ungewohnt und doch ersichtlich.
    Sind es Zahlen? Nein. Warum nicht? Danke. Das war ja einfach.
    [PO Darian Maydorn]
Ein paar Stunden saß er im Regen und betrachtete die Kreise, die die Wassertropfen im Meer bildeten. Vom Aufprall über das Weiten des Radius bis zur gänzlichen Vereinigung mit dem Meer.

"Wenn es immer regnet... wird das Meerwasser irgendwann süß?"

Er schmunzelte.
Die Frage, die er sich selbst stellte hallte in seinem Kopf wieder. Es klang wie die Frage eines Kindes. Neugierig, naiv.
Wie lang es wohl her gewesen ist, dass er tatsächlich über den Rand seiner Bücher hinaus blickte bloß um die Schöpfung der Mutter zu bewundern?

"Kann Bildung dumm machen?"

Seine Stirn legte sich in Falten. Verliert man den Blick auf seine Umgebung, wenn man sich zu sehr mit Theorien und philosophischen Ergüssen befasste? Stumpfen andere Sinne und Gefühle ab, nur weil man sein Wissen mehrt? Geht die eigene Meinung verloren im endlosen Wissensdurst?

Am Horizont brach die Sonne durch die dunklen Wolken. Wie lange er letztendlich dort gesessen hat, wollte er eigentlich gar nicht wissen.
Der Kohlenstift in seiner Hand war nur noch schwarzer Brei, das Papier, welches noch jungfräulich war, sah auch nicht besser aus.
Er formte beides zu einem Klumpen und warf selbigen ins Wasser.

"Der letzte Kreis, der durchs Wasser seinen Bahnen zieht.
Von Menschenhand."


Es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen und die ersten Vögel zwitscherten vor sich her.
Er mochte eigentlich kein Vogelgezwitscher aber an jenem Morgen genoss er es.
  • Der Zahn der Zeit hat Karies.
    Zwischen dem Mahlwerk Chronos haben sich im laufe der Zeit Essensreste von all dem Dreck abgesetzt, den Er fressen musste. Eine homogene Masse aus Einheitsbrei, Naivität und die alltäglichen Prostitutionsprozessen seiner Umwelt.
    Es wird Zeit, die alte Haut abzustreifen
    [PO Darian Maydorn]
Als er die Tore Bajards passierte und den Weg nach Osten einschlug, sah er sich um. Wieder und wieder...

"Es geht also weiter. Vorwärts. Aber was fehlt?"

Als er sich verlief - an einer Gabelung falsch abgebogen - schmunzelte er unbekümmert und richtete den Blick gen Himmel um dort ein dankendes Nicken hinzuschicken.

"Ah, ein Kompass also..."
Zuletzt geändert von Darian Maydorn am Dienstag 4. Juni 2013, 16:06, insgesamt 2-mal geändert.
Darian Maydorn

Beitrag von Darian Maydorn »

  • Son, What are you doing?
    You learned a hard lesson, when you stood by the water.You and i were so full of love and hope.
    [Doves - Caught by the river]


Ich reflektiere

Er konnte nicht sagen, was schlimmer ist, als ein ungewollter Tintenklecks auf bereits beschriebenem Papier. Das sonst so ruhige Gemüt drückte den Federkiel so stark mit den Fingern zusammen, dass es mit leisem Knacken riss, unbrauchbar wurde.
"Die Tinte seiner Unterschrift war noch feucht auf dem Pergament, auf welchem Fuße nun das königliche Wachssiegel prangte. Der Kriegsbund wurde vom Gottgewählten Großkönig schriftlich anerkannt. Bloß ein weiterer Holzscheit im großen Feuer des sinnlosen Krieges zwischen den drei Lehen, die eigentlich unter dem König geeint werden sollten. Grafschaft Tannlauf im westen des Reiches, ein üppiges, grünes Umland mit einer bewaldeten Grenze zur Grafschaft Siegenfurt und im Zentrum die stolze Handels- und Hafenstadt, war ein Teil des Bundes. Der Jubel über die Nachricht, der König habe den Bund anerkannt macht schnelle Runde und die Stadt war auf den Beinen. Fahnen hingen aus allen Fenstern und die Menschen feierten, wie sie keinen zweiten Feiertag gefeiert hätten, wo die meisten doch nicht einmal wussten, wofür dieser Bund überhaupt stand. Nur ein paar einsame Seelen feierten nicht. Unabhängig voneinander wurden Pläne geschmiedet. Dem einen gierte es nach Macht, dem anderen nach Reichtum, einer ersuchte die wahre Liebe doch auch unter diesen vereinsamten, Freudlosen gab es einen, der sich abhob. Sein sehnlichster Wunsch war das Glück an sich und dies zu erlangen war sein Ziel, für das er über Leichen gehen würde."
Beim auf und abgehen an einer Lichtung... Irgendeine Lichtung? Nein...

Beim auf und abgehen an seiner Lichtung las er sich die geschriebenen Zeilen laut vor. Ein würdiger Prolog? Oder eher eine Einleitung dessen?
Kapitel 1
Nur ein Untermieter
Er saß in seiner Kammer über der Feinschmiede. Der Verschlag, den er bewohnte, hatte ihm die Tochter des Schmiedes hergerichtet. Er brauchte bloß nur einmal liebäugeln, ihr Komplimente zuzuraunen und ihr eine Rose schenken -Eine aus dem Garten der Stadt- und sie fraß dem Tiegel aus der Hand. Er war ein richtiger Schürzenjäger. Beliebt bei jeder Dame, ob Adel oder Dirne. Doch genauso sehr verhasst bei den Eifersüchtigen Männern und besorgten Vätern. Er war ein gewandter Redner und ein falscher Schleimer.
Gerrit Tiegel eben...

"Gerrit?"

"Mh?"

Rasch warf er ein Tuch über seinen Tisch.

"Wann beschaffst du dir endlich Arbeit? Ich will nicht ewig darauf warten, zu heiraten!"

Sie stand im Türrahmen. Wie sehr das folgend arrogante lächeln ihr Herz erregte.Wenn sie doch wüsste, welch ein Schelm der Junge Tiegel war!

"Ach Catrina, Wie soll ich das alles schaffen? Ich hol dir einen Stern vom Himmel, den du in seinem wundervollen Haar tragen wirst... Nähe dir ein Hochzeitskleid aus den Strahlen der Sonne und küsse den Boden, den deine schönen Füße berühren. Und dann soll ich noch arbeiten gehen? Du willst wirklich..."

Es las sich falsch. Er konnte sich nicht richtig in seine eigenen Zeilen hineinversetzen.
Zu lang hatte er davon geträumt, genau so jemand zu sein. Ein Aufreißer, ein spitzbübischer Schürzenjäger. Geheimnisvoll, eitel und arrogant.
Die letzten Tage und Ereignisse zeigten nur einmal mehr, wie weit er davon entfernt war und wie weit er sich auch davon entfernen wollte.
Sein Blick ging zum kleinen Weiher an der Lichtung, versank darin. Je länger er starrte, desto mehr passierten die letzten Revue.
Was ein Lächeln auf seinem Gesicht hinterließ, wurde dicht von einer Gänsehaut gefolgt. Im Wasser manifestierte sich das Spiegelbild einer Person neben sich. Er wusste, dass Sie nicht da stand und dennoch spürte er ihre Berührung auf seiner Schulter. Zu gerne wollte er sich ihr zuwenden aber zu groß war die Angst, dass die Illusion damit verschwand.



Fortsetzung folgt...
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