Tagebuch
- Helisande von Alsted
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Tagebuch
Die Rothaarige sitzt mit schmerzenden Muskeln in ihrem Kämmerchen, das fahle Licht der flackernden Talgkerze erhellt nur spärlich das kleine Büchlein. Der Stift ruht noch in ihrer Hand während sich über ihrer Nasenwurzel eine kleine recht steile Falte bildet. Die Nachdenklichkeit weicht auch nicht aus ihrem Blick als sie beginnt die leeren Seiten des Buches zu füllen, jedoch festigt sich Buchstabe um Buchstabe ihre Schrift. Hin und wieder wird eine Passage erneut überflogen, Wörter gestrichen oder unterstrichen.
1. Eintrag
„Führe Tagebuch, Kind.“ Das hatte Mutter mir immer wieder vorgebetet, doch ich hatte mich dem verweigert. Mir war der Sinn nie klar, warum ich Dinge aufschreiben sollte, die außer mir niemand las oder lesen wollte. Für Vater war ich nur existent, wenn ich einen Fehler beging, für Mutter nur, wenn sie einmal wieder einen Jungen auf die Welt brachte und ich die anderen zu beaufsichtigen hatte.
Dennoch führe ich jetzt wohl ein Tagebuch, es soll dem Zwecke dienlich sein, meine wirren Gedanken zu ordnen und für mich zu konservieren. Sollte es jemand finden und lesen, so möge dieser jemand jetzt und beim Lesen dieser Zeile schamesrot anlaufen und sich schämen.
Wie viele Tagebücher oder Berichte beginnen wohl mit „es ist viel geschehen“ ?. Vermutlich zu viele um sie zu zählen, somit vermeide ich tunlichst diese Floskel. Es geschieht immer viel, auch wenn man nur einem Fluss beim Fließen zu schaut, passiert den Zuschauer nun mal viel Wasser. Es scheint mir dennoch eine halbe Ewigkeit herzusein, seit ich in etwas hastiger Eile im Hafen zu Marsbergen das Schiff bestieg. Nur mit dieser gedankenlosen Hast, kann ich mir meine Sorglosigkeit erklären. Der Kapitän war damenhaft ausgedrückt ein Tunichtgut, der nicht nur mich, sondern die meisten seiner Passagiere um nahezu alle Habseligkeiten betrog. Ich fürchte gar, er hätte uns auch noch um unser Leben betrogen, wäre ihm nicht der Sturm in die Quere gekommen. So ich je an Eluive gezweifelt habe, dieser Sturm sollte mich wohl auf ewig bekehren. Ich erfuhr erst in den letzten Tagen, dass dieser Sturm nicht nur mich rettete, sondern wohl auch in dem gesamten Land, in dem ich mich nun befinde das Unterste zu oberst kehrte, jedoch auch alles an seinen rechten Platz.
Sei es darum, ich lebe. Mit Verlusten habe ich gelernt umzugehen. Mehr oder minder durch die Verkettung einiger Zufälle gewann ich einen Weggefährten, der einen ungemeinen Eindruck auf die Damenwelt macht. Durch noch weitere Zufälle landeten er und ich nun beim Lichtenthaler Regiment. Ernst schaffte es sogar vor mir eingekleidet zu werden. Ich war wohl zu ehrlich und zu offen bei meinem Aufnahmegespräch und wurde gnädigst dem Glaubensunterricht anempfohlen. Diesen empfinde ich nun wirklich als Gnade und dieses Kapitel ist für mich noch nicht beendet. So ich lebe um zu dienen und zu schützen, so sollen die Tugenden mein Schicksal wohl sein.
Gemustert wurde ich von Korporal Vaughain. Schon beim ersten Anblick dieses Mannes, war mir im Grunde klar, dass er Ärger bedeuten würde. Die mahnenden Worte meiner Mutter, hallen mir noch in den Ohren. Sie war felsenfest der Ansicht, dass schöne Männer nichts als Ärger verursachen. Ihre Ehe mit Vater hielt sie stetig für den absoluten Beweis dieser Theorie. Nun denn, aus meiner Erfahrung bei der Marsberger Garde kann ich für mich schließen, dass Korporäle und Feldwebel schlicht immer Ärger bedeuten. Somit manövrierte ich mich klaren Blickes in die Klemme.
Die Frau Oberstleutnant erschien mir zunächst wie ein Lichtblick, der sich jedoch rasant verdüsterte, bedenke ich den soliden Anfall von Hysterie in Anbetracht eines gut durchgebackenen Seifenkuchens. Vermutlich sollte ich mich bei ihr stetig für alles wappnen, ich hörte sie sei Maga. Das erklärt alles.
Der zweite Korporal, dem ich in die Hände fiel, hat eine ausgesprochene Vorliebe für Liegestütze. Vorzugsgweise in voller Rüstung auszuführen, was natürlich für meinen erbärmlich schwachen weiblichen Körper eine Zumutung ist. Die Blöße auf den Boden zu krachen und meine letzte Mahlzeit ihm vor die Füße zu speihen, werde ich mir allerdings nicht geben. Niemals! Auf gar keinen Fall!
Zudem hat Korporal Thorn wohl eine Vorliebe für geographische Bücher. Vor allem solche, die sich mit der Geographie des weiblichen Körpers befassen.... Etwas, dass Rekrut Meridos sicherlich nie einfallen würde. Ein überaus korrekter und sehr gebildeter Junge, insbesondere sofern Einbildung hier offenbar als Bildung zählt. Er wird noch wachsen, bis dahin lege ich ihm die gleiche Gutmütigkeit gegenüber an den Tag wie ich es gegenüber meinen jüngeren Brüder zu tun pflegte. Das Leben lässt nun mal keine Bäume in den Himmel wachsen. Ich wurde auch schon passend gestutzt.
Zu erwähnen bleibt mir noch Frau Belfa, eine junge und sehr gebildete Dame. Sie hat mich mit ihren Kenntnissen tief beeindruckt und ebenso mit ihrem sicheren Auftreten und Geschick im Umgang mit Zivilisten, zu denen sie selbst allerdings auch zählt. So es die Zeit erlaubt, werde ich sie sicherlich dereinst noch um eine Unterredung bitten, in der sie mir einige Feinheiten erläutern kann.
Es ist spät. Meine Augen brennen. Es wird Zeit zu ruhen.
- Helisande von Alsted
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2. Eintrag
Wieder greife ich zur Feder und bringe meine Zeilen zu Papier, auch wenn ich, wie ich mit Bedauern bemerke dies ohne Struktur und Plan tue. Wie dem auch sei, ich schreite voran auch wenn mein Voranschreiten am gestriegen Abend mehr aus wichtig herumstehen bestand. Seine Majestät hatte zur Audienz geladen, das Regiment sorgte für die Sicherheit und ich, nun ja... ich hielt die Türen am Ende auf, damit alle ungehindert zum Fest strömen konnten.
Darüberhinaus verdamme ich das Gewicht der Helebarde und wünsche dieses verflixte Gerät auf den Grund der nächsten tauglichen Ansammlung Wasser. Mein Arm beschwert sich immer noch über die Haltung in die er dank jener Waffen über Stunden gezwungen war. Ich bin und bleibe Plänklerin. Wobei ich natürlich im Moment genau das tue, was mir anbefohlen wird.
Wie ich zugeben muss staunte ich nicht schlecht, als mir gegenüber im Spalier Thalia in der Uniform des Regiments stand. Die süße, kleine Thalia... ein Mädchen. Nein, mehr schreibe ich nicht, mir ist nicht danach meinem tiefen Neid auf kleine, zierliche Frauen auszubreiten. Mit einem Augenklimpern und dem Schütteln der Hügelchen bekommen, was … AUS! Ich muss gerecht sein, ich fürchte gar Ernst könnte eine echte tiefe Zuneigung zu dem Mädchen fassen. So will ich versuchen Thalia zu mögen, ganz verfehlt der Reiz des Kindes die Wirkung auf niemanden, auch auf mich nicht.
Damit komme ich auch zum zweiten Kieselstein in meinem Stiefel, der mich auf Dauer sicher wundreiben wird. Elias Innes. Ingesamt hat er mir schon 45 Liegestütz eingebrockt, irgendwas mit Kuchen und per se war ich mit Schuld. Er hatte dabei gut grinsen, in seiner Lederrüste. Zudem lümmelt er sich auf dem Pferde herum beim Reiten, dass ich nur aus ganzem Herzen für ihn bete sein Pferd möge nie straucheln und ihn in das nächste Brennesselgebüsch verfrachten. Sollte ich nochmals für etwas zahlen, was er bestellt hat, so werde ich mir etwas für ihn überlegen.
Die Feldheilerin scheint mir übrigens eine nette Person zu sein. Ein wenig nah an den nächsten See gebaut vielleicht, aber grundsätzlich ist die Fähigkeit mitzufühlen in ihrer Proffession angebracht. Als die Frau Oberstleutnant zur Freiherrin erhoben wurde, da kullerten die Tränchen aus den Augen. Selbstredend war ich auch zu tiefst gerührt. Zu tiefst. Jedenfalls, sollte mich irgendeine Unpässlichkeit befallen, werde ich mich ganz sicher an Gardistin Weilnau wenden.
Über den Adel, den ich bereits erblicken durfte werde ich nichts weiter ausführen, es sei den die Geschehnisse gebieten es mir. Die zu höherem Geborenen haben ihre eigenen Pflichten und Leiden, die mich nicht anfechten. Im Gegensatz zu ihnen bin ich sicherlich freier in dem was ich tue. Es war mein Entschluss den Weg zu gehen, auf dem ich nun mühsam dahin stolpere. Ich halte es gut für möglich, dass die ritterlichen Adligen ihre Pflichten öfter als ihnen lieb ist über sich selbst zu stellen haben.
Später am heutigen Tage oder in den nächsten, werde ich noch Abbitte tun müssen. Am gestrigen Tags habe ich verabsäumt mich Korporal Talianna angemessen vorzustellen und blieb ihr auch den Salut schuldig. Natürlich ist dies keine Entschuldigung, nur ein Grund, die Konsequenzen dafür werde ich zu tragen wissen. Selbstredend war es nur der Anblick des schönen Korporals Vaughain, in seiner auf Hochglanz polierten Rüstung, der mich derartig blendete, dass ich zu keinem klaren Gedanken mehr fähig war. Zumindest werde ich das standfest behaupten.
Ich muss eilen, der Dienst ruft.
Wieder greife ich zur Feder und bringe meine Zeilen zu Papier, auch wenn ich, wie ich mit Bedauern bemerke dies ohne Struktur und Plan tue. Wie dem auch sei, ich schreite voran auch wenn mein Voranschreiten am gestriegen Abend mehr aus wichtig herumstehen bestand. Seine Majestät hatte zur Audienz geladen, das Regiment sorgte für die Sicherheit und ich, nun ja... ich hielt die Türen am Ende auf, damit alle ungehindert zum Fest strömen konnten.
Darüberhinaus verdamme ich das Gewicht der Helebarde und wünsche dieses verflixte Gerät auf den Grund der nächsten tauglichen Ansammlung Wasser. Mein Arm beschwert sich immer noch über die Haltung in die er dank jener Waffen über Stunden gezwungen war. Ich bin und bleibe Plänklerin. Wobei ich natürlich im Moment genau das tue, was mir anbefohlen wird.
Wie ich zugeben muss staunte ich nicht schlecht, als mir gegenüber im Spalier Thalia in der Uniform des Regiments stand. Die süße, kleine Thalia... ein Mädchen. Nein, mehr schreibe ich nicht, mir ist nicht danach meinem tiefen Neid auf kleine, zierliche Frauen auszubreiten. Mit einem Augenklimpern und dem Schütteln der Hügelchen bekommen, was … AUS! Ich muss gerecht sein, ich fürchte gar Ernst könnte eine echte tiefe Zuneigung zu dem Mädchen fassen. So will ich versuchen Thalia zu mögen, ganz verfehlt der Reiz des Kindes die Wirkung auf niemanden, auch auf mich nicht.
Damit komme ich auch zum zweiten Kieselstein in meinem Stiefel, der mich auf Dauer sicher wundreiben wird. Elias Innes. Ingesamt hat er mir schon 45 Liegestütz eingebrockt, irgendwas mit Kuchen und per se war ich mit Schuld. Er hatte dabei gut grinsen, in seiner Lederrüste. Zudem lümmelt er sich auf dem Pferde herum beim Reiten, dass ich nur aus ganzem Herzen für ihn bete sein Pferd möge nie straucheln und ihn in das nächste Brennesselgebüsch verfrachten. Sollte ich nochmals für etwas zahlen, was er bestellt hat, so werde ich mir etwas für ihn überlegen.
Die Feldheilerin scheint mir übrigens eine nette Person zu sein. Ein wenig nah an den nächsten See gebaut vielleicht, aber grundsätzlich ist die Fähigkeit mitzufühlen in ihrer Proffession angebracht. Als die Frau Oberstleutnant zur Freiherrin erhoben wurde, da kullerten die Tränchen aus den Augen. Selbstredend war ich auch zu tiefst gerührt. Zu tiefst. Jedenfalls, sollte mich irgendeine Unpässlichkeit befallen, werde ich mich ganz sicher an Gardistin Weilnau wenden.
Über den Adel, den ich bereits erblicken durfte werde ich nichts weiter ausführen, es sei den die Geschehnisse gebieten es mir. Die zu höherem Geborenen haben ihre eigenen Pflichten und Leiden, die mich nicht anfechten. Im Gegensatz zu ihnen bin ich sicherlich freier in dem was ich tue. Es war mein Entschluss den Weg zu gehen, auf dem ich nun mühsam dahin stolpere. Ich halte es gut für möglich, dass die ritterlichen Adligen ihre Pflichten öfter als ihnen lieb ist über sich selbst zu stellen haben.
Später am heutigen Tage oder in den nächsten, werde ich noch Abbitte tun müssen. Am gestrigen Tags habe ich verabsäumt mich Korporal Talianna angemessen vorzustellen und blieb ihr auch den Salut schuldig. Natürlich ist dies keine Entschuldigung, nur ein Grund, die Konsequenzen dafür werde ich zu tragen wissen. Selbstredend war es nur der Anblick des schönen Korporals Vaughain, in seiner auf Hochglanz polierten Rüstung, der mich derartig blendete, dass ich zu keinem klaren Gedanken mehr fähig war. Zumindest werde ich das standfest behaupten.
Ich muss eilen, der Dienst ruft.
- Helisande von Alsted
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3. Eintrag
Lethalon, ich hoffe ich schreibe seinen Namen halbwegs richtig, auch wenn es nur ein Bruchteil seines Namens ist. Er ist ein Elf, somit leicht und gleichermaßen schwer zu beschreiben. Bei unserem ersten Treffen erstarrte ich kurz in Ehrfurcht vor diesem Geschöpf, bis ich in seinen grünen Augen den Schalk entdeckte, den er meist gut zu verbergen weiß. Zu meiner unendlichen Schande muss ich gestehen, dass ich nicht einmal sagen kann ob er für einen Elfen groß, klein oder dergestalt absonderlich ist, denn er ist immer noch das einzige Wesen aus dem schönen Geschlecht, welches ich bisher traf. Es ist mir überdies auch noch immer leicht unbegreiflich, warum er es zulies dass sich zwischen uns eine zarte Freundschaft langsam entwickelt. Irgendetwas an mir, scheint ihn zu interessieren. Vielleicht maße ich mir auch zu viel an, es kann auch schlichtes Mitleid des Elfen mit einem sehr jungen Menschen sein.
Ich gewinne unendlich durch diesen Freund, denn er zeigt mir mehr als ich jemals erbitten konnte. Auch seine Heilkünste, durfte ich schon am eigenen Leibe erfahren. Dennoch würde ich mich scheuen, ihn mit meinen Unpässlichkeiten offen zu belästigen. Er ahnt sie wohl einfach. Beängstigend und Beruhigend gleichsam.
Meine Tage füllen sich mit dem Dienst im Regiment, sowie mit den für einen Soldaten nötigen Leibesertüchtigungen. Ich macht Fortschritte, wenn auch unendlich langsam, Ernst ist mir inzwischen weit voraus und ich hadere immer öfter mit mir selbst. Vielleicht hatte Vater doch Recht damit, den Umstand zu verfluchen, dass ich als Mädchen zur Welt kam und nicht als Junge. Da mit die meisten weiblichen Tugenden abgehen, gilt es aus dem Rest das Beste zu machen. Feine Nadelarbeiten waren mir noch nie gegeben, ebenso wenig beherrsche ich das Kochen. Vom Heilen verstehe ich nur so viel, als dass ich eine stark blutende Wunde solange versorgen könnte, bis ein Heiler sich der Angelegenheit annehmen kann. So könnte ich noch Seiten füllen mit den Dingen, die ich nicht kann. Doch was ist mir an Fähigkeiten gegeben?
Ich tauge wohl leidlich als Soldatin, als lebendes Schutzschild für edlere Personen. Je länger ich darüber nachsinne, desto klarer wird es mir, dass ich ohne nachzudenken handeln würde, wäre jemand, der mir anvertraut in Gefahr. Vielleicht verleiht mir dies einen Wert, vielleicht ist es völlig ohne Belang. Vielleicht ist alles nur die Einbildung eines überspannten Frauenzimmers. Da die Hoffnung bekanntlich zu letzt stirbt, halte ich die Hoffnung in mir wach, dass ich irgendwann erkenne, zu was ich geschaffen bin. Eluive möge es fügen und Temora mich leiten hierbei.
Die Hoffnung stirbt zu letzt, aber sie stirbt... sie stirbt.
Genug vertändelt an Zeit, ich roste wenn ich noch länger müßig bleibe. Am Kopfe sieht man es schon...
- Helisande von Alsted
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4. Eintrag
Dienst ist Dienst und Bärenfell ist Bärenfell, mitunter wünschte ich mir, ich hätte ein Bärenfell oder zumindest einen Ort um besagtes Fell zu plazieren. Die enge Kammer ist mir ein Ort der Zuflucht und Ruhe, jedoch entsagt sie jeder Tauglichkeit als Heim. Wie absonderlich, dass ich nun beginne solche Gedanken zu hegen, ich sollte wohl beichten gehen.
Ich habe den Entschluss nun gefasst in Berchgard ansässig zu werden, es ist überschaubar, gemütlich und verfügt über Häuser, die ich mir vermutlich von dem Rekrutensold werde leisten können. Alsbald sollte ich daher an Kronritter Thelor von Schwertfluren schreiben und um eine Audienz ersuchen. Heute allerdings nicht, denn ich starre mit nur halbherziger Sehnsucht das Leinenzeug und die Wattierung an, in die ich mich sogleich wieder kleiden darf. Sie beschert in diesen noch milden Sommertagen eine wirklich angenehme Wärme unter der schweren Rüstung. Sofern Leidensfähigkeit zur Tugend erhoben werden sollte, habe ich einen guten Bezug zu ihr. Es gibt kaum ein widerwärtigeres Gefühl als diese Bäche von Schweiß, die innerhalb der Rüste mir den Rücken herunter rinnen, während die Korporale mich in der Sonne gar schmoren lassen.
Dennoch fühle ich mich von Tag zu Tag besser und akzeptierter innerhalb des Regimentes. Der Dienst eint mit seinen starren Regeln und Vorschriften selbst die unterschiedlichsten Gemüter. Das gemeinsame Banner, das über unseren Köpfen weht, lässt uns die persönlichen Befindlichkeiten hintendrein stellen. Da ich generell nur hier im Stillen überhaupt über Persönliches nachdenken will, kommt mir dies sehr gelegen. Allerdings wächst in mir der Verdacht, dass die Korporäle und die Feldheilerin nicht mehr lange damit innehalten werden mehr über mich zu erfahren. Natürlich macht dies aus Sicht der Vorgesetzten und der Heilerin Sinn, sogar einen tieferen.... ich werde bis dahin abwarten und möglichst keine Schwächen zeigen. Aus meiner verstrichenen Jugend werde ich tunlichst die Episode mit Feldwebel Heim der Marsberger Garde aussparen. Wobei ich mich insgeheim dennoch manchmal frage ob die Heiler es schafften seine Nase wieder zu richten. Temora gebe, dass hier und in Zukunft …..
Nein, ich schiebe dies wieder von mir fort. Das dunkle Kapitel soll und muss geschlossen bleiben. Mein Leben hier ist neu, frisch und ich werde mich nicht hinreißen lassen. Zu nichts. Haltung bewahren, Rekrutin!
Ein Zugeständnis sei hier dennoch an meine Mutter in tiefer Liebe gerichtet. Ich vermisse nicht nur ein eigenes Heim, sondern auch weibliche Kleidung. Das weiche Gefühl von feinerem Stoff auf meiner Haut, das Geräusch der Röcke beim Schreiten. Ich vermisse es den Knicks zu üben und ihn zu präsentieren. Sogar die Aufsteckprozedur um meine störrischen Haare in eine angemessene Frisur zu bändigen geht mir mittlerweile ab. Doch hier bin ich Soldatin und nicht Frau, Kriegerin und nicht Fräulein.
Die Zeit wird den Rat bringen. Vielleicht löst sich auch dieses Problem mit dem Bärenfell. Und dem Brief an den Kronritter. Doch nun hinein mit Wonne in die selbstgewählte Folter, ich lege meine Ausrüstung an, eine Lektion im Schwertkampf darf ich heute durchstehen.
Temora mir zu Geleit!
Dienst ist Dienst und Bärenfell ist Bärenfell, mitunter wünschte ich mir, ich hätte ein Bärenfell oder zumindest einen Ort um besagtes Fell zu plazieren. Die enge Kammer ist mir ein Ort der Zuflucht und Ruhe, jedoch entsagt sie jeder Tauglichkeit als Heim. Wie absonderlich, dass ich nun beginne solche Gedanken zu hegen, ich sollte wohl beichten gehen.
Ich habe den Entschluss nun gefasst in Berchgard ansässig zu werden, es ist überschaubar, gemütlich und verfügt über Häuser, die ich mir vermutlich von dem Rekrutensold werde leisten können. Alsbald sollte ich daher an Kronritter Thelor von Schwertfluren schreiben und um eine Audienz ersuchen. Heute allerdings nicht, denn ich starre mit nur halbherziger Sehnsucht das Leinenzeug und die Wattierung an, in die ich mich sogleich wieder kleiden darf. Sie beschert in diesen noch milden Sommertagen eine wirklich angenehme Wärme unter der schweren Rüstung. Sofern Leidensfähigkeit zur Tugend erhoben werden sollte, habe ich einen guten Bezug zu ihr. Es gibt kaum ein widerwärtigeres Gefühl als diese Bäche von Schweiß, die innerhalb der Rüste mir den Rücken herunter rinnen, während die Korporale mich in der Sonne gar schmoren lassen.
Dennoch fühle ich mich von Tag zu Tag besser und akzeptierter innerhalb des Regimentes. Der Dienst eint mit seinen starren Regeln und Vorschriften selbst die unterschiedlichsten Gemüter. Das gemeinsame Banner, das über unseren Köpfen weht, lässt uns die persönlichen Befindlichkeiten hintendrein stellen. Da ich generell nur hier im Stillen überhaupt über Persönliches nachdenken will, kommt mir dies sehr gelegen. Allerdings wächst in mir der Verdacht, dass die Korporäle und die Feldheilerin nicht mehr lange damit innehalten werden mehr über mich zu erfahren. Natürlich macht dies aus Sicht der Vorgesetzten und der Heilerin Sinn, sogar einen tieferen.... ich werde bis dahin abwarten und möglichst keine Schwächen zeigen. Aus meiner verstrichenen Jugend werde ich tunlichst die Episode mit Feldwebel Heim der Marsberger Garde aussparen. Wobei ich mich insgeheim dennoch manchmal frage ob die Heiler es schafften seine Nase wieder zu richten. Temora gebe, dass hier und in Zukunft …..
Nein, ich schiebe dies wieder von mir fort. Das dunkle Kapitel soll und muss geschlossen bleiben. Mein Leben hier ist neu, frisch und ich werde mich nicht hinreißen lassen. Zu nichts. Haltung bewahren, Rekrutin!
Ein Zugeständnis sei hier dennoch an meine Mutter in tiefer Liebe gerichtet. Ich vermisse nicht nur ein eigenes Heim, sondern auch weibliche Kleidung. Das weiche Gefühl von feinerem Stoff auf meiner Haut, das Geräusch der Röcke beim Schreiten. Ich vermisse es den Knicks zu üben und ihn zu präsentieren. Sogar die Aufsteckprozedur um meine störrischen Haare in eine angemessene Frisur zu bändigen geht mir mittlerweile ab. Doch hier bin ich Soldatin und nicht Frau, Kriegerin und nicht Fräulein.
Die Zeit wird den Rat bringen. Vielleicht löst sich auch dieses Problem mit dem Bärenfell. Und dem Brief an den Kronritter. Doch nun hinein mit Wonne in die selbstgewählte Folter, ich lege meine Ausrüstung an, eine Lektion im Schwertkampf darf ich heute durchstehen.
Temora mir zu Geleit!
- Helisande von Alsted
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5. Eintrag
Seide! Ich habe endlich wieder etwas aus Seide! Ein schlichtes Kleid mit schönem Fall und dezenter Stickerei. Ich ertappe mich dabei wie ich dieses Kunstwerk ehrfürchtig betrachte, doch wird es nicht beim Betrachten bleiben können. Nur zu bald muss ich mich darin zeigen, denn es wurden Tanzstunden für das Regiment befohlen. Wie lange ist das her, dass ich zuletzt getanzt habe? Unendlich lange wie mir scheint. Ich zweifel ob ich mich überhaupt an die Schritte erinnere oder nicht über die Röcke stolpere.
Es fällt mir schwer es zu gestehen, da es doch recht albern ist, doch ich freue mich auf diese Tanzstunde. Neben dem Unterricht in Sticken und Haushaltsführung waren das damals zwar die schlimmsten Stunden der Woche – nicht für mich aber für Mutter und den Lehrer – ach hätte ich nur gewusst, was ich heute weiß.
Es gibt eine ganze Handvoll von Fehlern, die ich gewiss nicht wiederholen würde. Der größte, schwerwiegenste und richtungsweisendste davon ist sicherlich Jaron gewesen.
Groß, verwegen, schön und mit einem sicheren Instinkt für leichte Beute hat er mich umworben. Mit vagen Versprechungen, die mit den Düften eines Rosengartens garniert waren. Zum ersten Mal in meinem Leben, schien mich jemand wirklich zu wollen. Mich, das wilde Kind, das unglücklicherweise kein Junge war. Ich fiel dem Charmeur in den Schoß wie ein reifer Apfel im Herbst vom Baum fällt.
Wochen. Monate, sogar ein Jahr voller Erfüllung, Sehnsucht und der absoluten Blindheit folgten. Ich war so unendlich verliebt, so verliebt wie man nur mit fünfzehn sein kann. Ich verließt bei Nacht und Nebel meine Eltern, stahl mich hinweg wie ein Dieb und kehrte bis heute nie zurück.
Jaron hatte Schulden bei wichtigen und vor allem groben Leuten. Nur ich könne ihm helfen... ich müsste doch nur ein wenig nett zu den Männern sein... nur ein wenig...nett.
Ich tat es nicht. Mein Spiegelbild verhöhnte mich in Schminke und durchsichtigem Kleid. Es rief mir Worte zu, die mich laufen ließen. Weiter und weiter und weiter. Ich tat es nicht. So verriet ich meine erste Liebe für den spärlichen Rest an Ehre, der mir bleib. Meine Unschuld blieb auf der Strecke und das auf jede erdenkliche Art und Weise.
Ich tat es nicht.
Die Garde suchte Rekruten, ich suchte Bleibe und Auskommen.
Ich tat es und auch mit den Konsequenzen lebe ich nun. Die Ausbildung machte aus dem Mädchen sehr schnell eine Kämpferin, die Schinderei formte meinen Körper und das nicht zu seinem Nachteil. Jedoch brach man dort nicht meinen Geist und mein Temperament. Natürlich hätte ich einfach tun können, was der Feldwebel befahl. Seiner Meinung nach waren die Weiber in der Truppe eh nur dafür da um unter ihm zu dienen und dass mit möglichst wenig Kleidung und in möglichst horizontaler Position. Seine Schutzgelder hatte man auch zu holen, sonst drohte Ungemach.
Ich tat es nicht.
Weder das eine noch das andere.
Das wilde Kind blieb wild, wenn auch kein Kind mehr. Doch was tue ich, wenn ich wieder vor einer Wegkreuzung nun stehe? Tue ich es? Tue ich es nicht?
Ich werde es wissen, wenn es so weit ist. Ich diene nun in einem ehrbaren und tugendhaften Regiment, doch der letzte Zweifel bleibt. Der Zweifel an mir selbst.
Seide! Ich habe endlich wieder etwas aus Seide! Ein schlichtes Kleid mit schönem Fall und dezenter Stickerei. Ich ertappe mich dabei wie ich dieses Kunstwerk ehrfürchtig betrachte, doch wird es nicht beim Betrachten bleiben können. Nur zu bald muss ich mich darin zeigen, denn es wurden Tanzstunden für das Regiment befohlen. Wie lange ist das her, dass ich zuletzt getanzt habe? Unendlich lange wie mir scheint. Ich zweifel ob ich mich überhaupt an die Schritte erinnere oder nicht über die Röcke stolpere.
Es fällt mir schwer es zu gestehen, da es doch recht albern ist, doch ich freue mich auf diese Tanzstunde. Neben dem Unterricht in Sticken und Haushaltsführung waren das damals zwar die schlimmsten Stunden der Woche – nicht für mich aber für Mutter und den Lehrer – ach hätte ich nur gewusst, was ich heute weiß.
Es gibt eine ganze Handvoll von Fehlern, die ich gewiss nicht wiederholen würde. Der größte, schwerwiegenste und richtungsweisendste davon ist sicherlich Jaron gewesen.
Groß, verwegen, schön und mit einem sicheren Instinkt für leichte Beute hat er mich umworben. Mit vagen Versprechungen, die mit den Düften eines Rosengartens garniert waren. Zum ersten Mal in meinem Leben, schien mich jemand wirklich zu wollen. Mich, das wilde Kind, das unglücklicherweise kein Junge war. Ich fiel dem Charmeur in den Schoß wie ein reifer Apfel im Herbst vom Baum fällt.
Wochen. Monate, sogar ein Jahr voller Erfüllung, Sehnsucht und der absoluten Blindheit folgten. Ich war so unendlich verliebt, so verliebt wie man nur mit fünfzehn sein kann. Ich verließt bei Nacht und Nebel meine Eltern, stahl mich hinweg wie ein Dieb und kehrte bis heute nie zurück.
Jaron hatte Schulden bei wichtigen und vor allem groben Leuten. Nur ich könne ihm helfen... ich müsste doch nur ein wenig nett zu den Männern sein... nur ein wenig...nett.
Ich tat es nicht. Mein Spiegelbild verhöhnte mich in Schminke und durchsichtigem Kleid. Es rief mir Worte zu, die mich laufen ließen. Weiter und weiter und weiter. Ich tat es nicht. So verriet ich meine erste Liebe für den spärlichen Rest an Ehre, der mir bleib. Meine Unschuld blieb auf der Strecke und das auf jede erdenkliche Art und Weise.
Ich tat es nicht.
Die Garde suchte Rekruten, ich suchte Bleibe und Auskommen.
Ich tat es und auch mit den Konsequenzen lebe ich nun. Die Ausbildung machte aus dem Mädchen sehr schnell eine Kämpferin, die Schinderei formte meinen Körper und das nicht zu seinem Nachteil. Jedoch brach man dort nicht meinen Geist und mein Temperament. Natürlich hätte ich einfach tun können, was der Feldwebel befahl. Seiner Meinung nach waren die Weiber in der Truppe eh nur dafür da um unter ihm zu dienen und dass mit möglichst wenig Kleidung und in möglichst horizontaler Position. Seine Schutzgelder hatte man auch zu holen, sonst drohte Ungemach.
Ich tat es nicht.
Weder das eine noch das andere.
Das wilde Kind blieb wild, wenn auch kein Kind mehr. Doch was tue ich, wenn ich wieder vor einer Wegkreuzung nun stehe? Tue ich es? Tue ich es nicht?
Ich werde es wissen, wenn es so weit ist. Ich diene nun in einem ehrbaren und tugendhaften Regiment, doch der letzte Zweifel bleibt. Der Zweifel an mir selbst.
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6. Eintrag
Ich brauche einen Heiler, respektive eine Heilerin. Mein Schildarm hat Federn gelassen, ein Risiko mit dem lebe. Allerdings kann ich bedauerlicherweise nun keine heldenhafte Geschichte einer ruhmreichen Schlacht erzählen. Ich kann nur die kriegerische Lösung eines Streites unter Freunden beisteuern. Wieder ein schönes Beispiel für die Konsequenzen meiner Taten. Da die Erinnerung an diesen unseligen Streit sich tief in mich eingebrannt und Narben hinterlassen hat, fasse ich mich kurz. Ich hatte mit Ernst einen ernsten Streit, wir haben uns geprügelt und nun brauche ich einen Heiler. Allerdings hat er mir auch vergeben, so nehme ich hin, dass der Zweck hier das Mittel heiligt.
Ernst trifft an alle dem keine Schuld, denn er ist hier das Opfer, genauer gesagt: mein Opfer. Ich habe mich ihm gegenüber unsäglich verhalten und er hatte alles Recht dieser Welt auf seinen Zorn. Es kam ihm sehr gelegen, dass Kampfübungen von Korporal Thorn anberaumt worden waren. Dieser elende, blonde Schleifer hat wirklich dafür gesorgt, dass ich über meine Grenzen weiter hinaus gehen musste als ich für überhaupt machbar hielt. Der endgültige Verlauf, den die Übung nehmen würde, wurde mir allerdings erst klar, als mir irgendwann Ernst als Gegner zugeteilt wurde. Er lies seine ganze Wut an mir aus, die der Verletzung entsprang, die ich ihm zuvor nicht mit einer Klinge beibrachte.
Bedauerlicherweise gehöre ich nicht zu den duldsamsten und fügsamsten Geschöpfen dieser Welt, daher hielt ich dagegen. Oder versuchte es zumindest. Dem Korporal muss es so vorgekommen sein als seien wir zwei absolut Wahnsinnige, die sich dort mit den Übungswaffen jenseits aller Vernunft traktierten. Allerdings brach er den Kampf nicht ab. Letztendlich bluteten wir beide, ich kaschierte so gut es ging den Schaden an der Schulter. Es ist falscher Stolz, das ist mir bewusst! Doch ich habe zu gut gelernt vor Männern niemals Schwäche zu zeigen. So sitze ich nun hier, habe einen kühlen Lappen auf das Gelenk gelegt und bete um ein Wunder. Vielleicht hat die Feldheilerin Zeit für mich, ich werde sie wohl aufsuchen müssen.
Die schmerzende Schulter ist allerdings nicht alles, was mit zur Zeit den Schlaf raubt. Auch nicht die schmerzenden Muskeln meines gesamten restlichen Körpers, welche ich dem Korporal zu verdanken habe versetzen mich in diese euphorische Unruhe. Es ist etwas anderes, es ist mehr und es ist schlichter Wahnsinn.
„Du machst einen Fehler, aye?“
„Den mache nicht ich, den macht er, Ernst!“
„Ihr macht beide einen Fehler.“
Ich fürchte gar wahrere Worte wurden nie gesprochen. Temoras Geleit für dich Ernst Eichengrund, alles Glück der Erde sei dir gewünscht. Sobald du mir von Herzen vergeben kannst, sei wieder mein Freund. Auch wenn ich nicht wirklich damit rechne, dass mehr als die Kameradschaft zweier Soldaten daraus wieder werden kann.
Selbstverursachtes Elend!
Wieder!
Ich brauche einen Heiler, respektive eine Heilerin. Mein Schildarm hat Federn gelassen, ein Risiko mit dem lebe. Allerdings kann ich bedauerlicherweise nun keine heldenhafte Geschichte einer ruhmreichen Schlacht erzählen. Ich kann nur die kriegerische Lösung eines Streites unter Freunden beisteuern. Wieder ein schönes Beispiel für die Konsequenzen meiner Taten. Da die Erinnerung an diesen unseligen Streit sich tief in mich eingebrannt und Narben hinterlassen hat, fasse ich mich kurz. Ich hatte mit Ernst einen ernsten Streit, wir haben uns geprügelt und nun brauche ich einen Heiler. Allerdings hat er mir auch vergeben, so nehme ich hin, dass der Zweck hier das Mittel heiligt.
Ernst trifft an alle dem keine Schuld, denn er ist hier das Opfer, genauer gesagt: mein Opfer. Ich habe mich ihm gegenüber unsäglich verhalten und er hatte alles Recht dieser Welt auf seinen Zorn. Es kam ihm sehr gelegen, dass Kampfübungen von Korporal Thorn anberaumt worden waren. Dieser elende, blonde Schleifer hat wirklich dafür gesorgt, dass ich über meine Grenzen weiter hinaus gehen musste als ich für überhaupt machbar hielt. Der endgültige Verlauf, den die Übung nehmen würde, wurde mir allerdings erst klar, als mir irgendwann Ernst als Gegner zugeteilt wurde. Er lies seine ganze Wut an mir aus, die der Verletzung entsprang, die ich ihm zuvor nicht mit einer Klinge beibrachte.
Bedauerlicherweise gehöre ich nicht zu den duldsamsten und fügsamsten Geschöpfen dieser Welt, daher hielt ich dagegen. Oder versuchte es zumindest. Dem Korporal muss es so vorgekommen sein als seien wir zwei absolut Wahnsinnige, die sich dort mit den Übungswaffen jenseits aller Vernunft traktierten. Allerdings brach er den Kampf nicht ab. Letztendlich bluteten wir beide, ich kaschierte so gut es ging den Schaden an der Schulter. Es ist falscher Stolz, das ist mir bewusst! Doch ich habe zu gut gelernt vor Männern niemals Schwäche zu zeigen. So sitze ich nun hier, habe einen kühlen Lappen auf das Gelenk gelegt und bete um ein Wunder. Vielleicht hat die Feldheilerin Zeit für mich, ich werde sie wohl aufsuchen müssen.
Die schmerzende Schulter ist allerdings nicht alles, was mit zur Zeit den Schlaf raubt. Auch nicht die schmerzenden Muskeln meines gesamten restlichen Körpers, welche ich dem Korporal zu verdanken habe versetzen mich in diese euphorische Unruhe. Es ist etwas anderes, es ist mehr und es ist schlichter Wahnsinn.
„Du machst einen Fehler, aye?“
„Den mache nicht ich, den macht er, Ernst!“
„Ihr macht beide einen Fehler.“
Ich fürchte gar wahrere Worte wurden nie gesprochen. Temoras Geleit für dich Ernst Eichengrund, alles Glück der Erde sei dir gewünscht. Sobald du mir von Herzen vergeben kannst, sei wieder mein Freund. Auch wenn ich nicht wirklich damit rechne, dass mehr als die Kameradschaft zweier Soldaten daraus wieder werden kann.
Selbstverursachtes Elend!
Wieder!
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7. Eintrag
So liege ich denn hier und starre an die Decke. Eine neue, fremde Decke, deren Balken mir noch nicht vertraut sind. Ebenso wenig vertraut sind Geruch und Klang des neuen Heimes. Der Klang wird sich noch ändern, er ist noch hohl und hallend, all zu viel Einrichtung ist vom Sold nicht zu tragen. Auch der Geruch wird noch zu meinem werden, je länger ich hier verweilen werde. Dabei stellt sich die brennende Frage ob ich das werde erneut. Sie schleicht sich immer wieder an wie die Nachtmonster an ein schlafendes Kind. Doch da ich weder Kind bin, noch schlafe kann ich gegen den Zwist in in mir vorgehen. Zu dem was war und zu dem was ist, bleibt nur zu sagen: anders aber gut.
Zu dem was war, da bleibt die leise, wunde Erinnerung an den Streit. Die geprellte Schulter half ungemein gut beim Nachdenken. Freunde sollte man in Ehren halten und das bedingungslos, diese Lektion habe ich nun gelernt und sie war bitter. Mein hitziges Temperament benötigt dringend straffere Zügel, auch wenn ich ihm nun öfter mehr Freiraum gebe. Es bricht sich Bahn in an sich stillen Momenten, in denen nicht viel mehr zu hören ist als ein Herzschlag, doch es ist da und lauert.
Zu dem was ist, bleibt zu sagen, dass es gut ist. Ich habe eine der ersten Prüfungen bestanden. Mein Prüfer, der ungeahnt phantasiebegabte Knappe bescheinigte mir keine Fehler und viel Kreativität. Ich warte seit dieser Bewertung dass sich bei mir Stolz einstellt und ich mich größer fühle. Doch ich tue es nicht. Kreativität hat den Nachteil, dass sie im Ernstfall nicht nur mich das Leben kosten kann, sondern eben auch die, die mir anvertraut sind. Es ist gut. Lehre ziehe ich daraus sicherlich, auch wenn es mir unendlich schwer fallen wird auf Sicherheit zu spielen. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich sicher wieder mehr riskieren als gut ist. So Temora will nur mein eigenes Leben.
Zu dem was wird. Ich weiß es nicht. Es gilt noch eine Bedingung zu verkünden und auf deren Einhaltung zu bestehen. Bisher war ich zu nachgiebig. Aber noch mehr scheint zu werden, denn ich durfte eine Freiherrin näher kennen lernen. Ich hatte Stunden Zeit sie zu begutachten und einzuschätzen um festzustellen, dass ich sie lieber nicht einschätzen möchte. Woran es liegt, dass ich lieber auf Abstand bleibe und ihr nicht ohne aufgestelle Nackenhaare den Rücken zu drehen möchte, kann ich nicht geschickt in Worte fassen. Es ist mehr ein Gefühl.
Wäre sie ein Lied, so hätte es sicher atonale Sequenzen, gefolgt von Takten voller großer Harmonie. Doch mehr verstehe ich nicht von Musik, es reicht allenfalls für Wiegenlieder. Doch vielleicht ist es genau das, was diese Frau ausmacht. Sie ist eine harmonische Dissonante.
Meine Schulter ist verheilt, auch wenn ich tunlichst der Heilerin noch nicht über den Weg laufen will. Manchmal wirkt sie wie meine Mutter, die bei jedem blauen Fleck gleich Bettruhe verordnen wollte. Im Grunde müssen Heiler aber wohl genau so sein, besonders wenn sie es mit kriegerischen Geschöpfen zu tun haben, die alles sein wollen, nur niemals schwach. Diese elende Verletzung hat mich jedenfalls körperlich zurückgeworfen, ich musste die nötigen Übungen vernachlässigen. Nun fühle ich keinerlei Beeinträchtigungen mehr und muss um so frischer ans Werk gehen.
Eine neue Gelegenheit für Ernst mich zu verdreschen. Das was sein wird... vermutlich.. Schmerz, Erfahrung und Sieg. Ich werde zu berichten wissen.
Ach und da war noch etwas mit einem Bärenfell...bald.
So liege ich denn hier und starre an die Decke. Eine neue, fremde Decke, deren Balken mir noch nicht vertraut sind. Ebenso wenig vertraut sind Geruch und Klang des neuen Heimes. Der Klang wird sich noch ändern, er ist noch hohl und hallend, all zu viel Einrichtung ist vom Sold nicht zu tragen. Auch der Geruch wird noch zu meinem werden, je länger ich hier verweilen werde. Dabei stellt sich die brennende Frage ob ich das werde erneut. Sie schleicht sich immer wieder an wie die Nachtmonster an ein schlafendes Kind. Doch da ich weder Kind bin, noch schlafe kann ich gegen den Zwist in in mir vorgehen. Zu dem was war und zu dem was ist, bleibt nur zu sagen: anders aber gut.
Zu dem was war, da bleibt die leise, wunde Erinnerung an den Streit. Die geprellte Schulter half ungemein gut beim Nachdenken. Freunde sollte man in Ehren halten und das bedingungslos, diese Lektion habe ich nun gelernt und sie war bitter. Mein hitziges Temperament benötigt dringend straffere Zügel, auch wenn ich ihm nun öfter mehr Freiraum gebe. Es bricht sich Bahn in an sich stillen Momenten, in denen nicht viel mehr zu hören ist als ein Herzschlag, doch es ist da und lauert.
Zu dem was ist, bleibt zu sagen, dass es gut ist. Ich habe eine der ersten Prüfungen bestanden. Mein Prüfer, der ungeahnt phantasiebegabte Knappe bescheinigte mir keine Fehler und viel Kreativität. Ich warte seit dieser Bewertung dass sich bei mir Stolz einstellt und ich mich größer fühle. Doch ich tue es nicht. Kreativität hat den Nachteil, dass sie im Ernstfall nicht nur mich das Leben kosten kann, sondern eben auch die, die mir anvertraut sind. Es ist gut. Lehre ziehe ich daraus sicherlich, auch wenn es mir unendlich schwer fallen wird auf Sicherheit zu spielen. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich sicher wieder mehr riskieren als gut ist. So Temora will nur mein eigenes Leben.
Zu dem was wird. Ich weiß es nicht. Es gilt noch eine Bedingung zu verkünden und auf deren Einhaltung zu bestehen. Bisher war ich zu nachgiebig. Aber noch mehr scheint zu werden, denn ich durfte eine Freiherrin näher kennen lernen. Ich hatte Stunden Zeit sie zu begutachten und einzuschätzen um festzustellen, dass ich sie lieber nicht einschätzen möchte. Woran es liegt, dass ich lieber auf Abstand bleibe und ihr nicht ohne aufgestelle Nackenhaare den Rücken zu drehen möchte, kann ich nicht geschickt in Worte fassen. Es ist mehr ein Gefühl.
Wäre sie ein Lied, so hätte es sicher atonale Sequenzen, gefolgt von Takten voller großer Harmonie. Doch mehr verstehe ich nicht von Musik, es reicht allenfalls für Wiegenlieder. Doch vielleicht ist es genau das, was diese Frau ausmacht. Sie ist eine harmonische Dissonante.
Meine Schulter ist verheilt, auch wenn ich tunlichst der Heilerin noch nicht über den Weg laufen will. Manchmal wirkt sie wie meine Mutter, die bei jedem blauen Fleck gleich Bettruhe verordnen wollte. Im Grunde müssen Heiler aber wohl genau so sein, besonders wenn sie es mit kriegerischen Geschöpfen zu tun haben, die alles sein wollen, nur niemals schwach. Diese elende Verletzung hat mich jedenfalls körperlich zurückgeworfen, ich musste die nötigen Übungen vernachlässigen. Nun fühle ich keinerlei Beeinträchtigungen mehr und muss um so frischer ans Werk gehen.
Eine neue Gelegenheit für Ernst mich zu verdreschen. Das was sein wird... vermutlich.. Schmerz, Erfahrung und Sieg. Ich werde zu berichten wissen.
Ach und da war noch etwas mit einem Bärenfell...bald.
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Benedict Weber
8. Eintrag
Ich bin müde und aufgekrazt gleichermaßen, noch werde ich nicht einschlafen können. Die Kerze spendet mir genug Licht für meine Zeilen und meine Gedanken, deren Ordnung ich sträflich vernachlässigt habe. Mein letzter Eintrag ist Wochen her, ich war zu beschäftigt. Wo beginne ich zu beschreiben, was mich an die Feder heute treibt? Ich denke bei dem Ball. Der große Maskenball, welcher hier wohl das Ereignis des Sommers schlechthin ist. Für mich stand er unter keinem guten Stern, denn ich war dort ohne Begleiter. Der Herr, der mit zugesagt hatte, hatte mich versetzt. Allerdings hatte ich damit im Grunde schon gerechnet, denn er gehört zu den Männern, die einen eher flatterhaften Charakter aufweisen. Aber solange er sich weiterhin bei den erforderlichen Waffenübungen von mir verprügeln lies, sollte mir das recht sein.
Ich schlich somit wie eine alte Jungfer ohne Anhang zum Ball, eine neues Kleid mit passender Maske hatte ich erstanden. Ich gefalle mir darin, auch wenn meine Farbwahl mir auf dem späteren Heimweg zu einer erneuten Erkenntnis verhelfen sollte. Es chargiert in einem dunklen grün, das durchscheinende Unterkleid um eine Nuance heller. Da die Maske mich genügend verhüllte, zeigte das Kleid auch genug Haut, somit gänzlich anders geartet als das, was ich für gewöhnlich trage.
Die Darbietungen der Künstler an dem Abend waren erlesen, die Musik ebenso auch die angebotenen Speisen und Getränke übertrafen meine Erwartungen sehr weit. Der Abend verlief wie sämtliche Bälle meiner ersten Saison in der ich noch unter dem behütenden Schutz meiner Eltern stand und Vater versuchte mich an den Mann zu bringen. Er war dabei so erfolgreich als böte er Sauerbier an.
Das Mauerblümchen Helisande wurde stehen gelassen. Einige Herren nickten freundlich und eilten zu einer anderen Dame, andere standen schüchtern herum oder betranken sich bis zur Namenlosigkeit. Nur zum Tanz forderte mich niemand auf. Bis...
Ja bis fast alles vorüber war und die ersten Gäste bereits gingen. Ein maskierter Herr in feiner Gaderobe mit sehr vertrauten Bewegungen und noch vertrauterer Stimme wirbelte mich über die Tanzfläche. Ernst. Wer auch sonst?
Er begleitete mich auch wohlerzogen heim.
Dabei entsann ich mich wieder einer kleinen Rede meiner Mutter, die mir so unendlich lange her zu sein scheint – was sie auch ist.
„Kind, du bist Efeu und keine Rose und eines Tages wirst du froh darüber sein.“
„Ich glaube nicht, Mutter.“
„Efeu ist eine unscheinbare Pflanze, doch sie gedeiht immer, egal wie trocken, kalt oder heiß das Jahr ist. Weder Überschwemmung noch Ungeziefer können dem Efeu dauerhaft etwas anhaben. Beständig wachsend, macht er sich die Umgebung zu eigen, in der er Wurzeln schlägt. Er schützt die Wetterseite von so manchem Haus, welches ohne ihn sicherlich schon zusammen gefallen wäre. Seine Blüten sind noch unscheinbarer als die Blätter und doch ernähren sie ungezählte Tiere.“
„Und das soll mich jetzt trösten? Ich wäre lieber eine Rose....“
„Unsinn! Rosen sind zu empfindlich, das wirst du nie werden. Sicher fällt eine Rose auf und wird bewundert. Aber nun mal eben von jedem. Nach der kurzen Blüte wenden sich ihre Bewunderer einer anderen zu. Wenn du erstmal fest verwurzelt bist, dann wirst auch du bemerkt werden. Efeu ist zäh, wie du. Auch dich wird jemand sicherlich sehr zu schätzen wissen.“
Efeu. Wie passend. Eine selbsterfüllende Prophezeiung wohl, denn mit Maske und Kleid wirkte ich wirklich wie von Efeu überrankt. Zurückhaltend, mit dem Grün in die Umgebung einfügend. Sogar der auf dem Fest erworbene Fächer passte dazu.
Efeu – keine Rose. Ich lerne damit zu leben. Aye, ich lerne.
Ich bin müde und aufgekrazt gleichermaßen, noch werde ich nicht einschlafen können. Die Kerze spendet mir genug Licht für meine Zeilen und meine Gedanken, deren Ordnung ich sträflich vernachlässigt habe. Mein letzter Eintrag ist Wochen her, ich war zu beschäftigt. Wo beginne ich zu beschreiben, was mich an die Feder heute treibt? Ich denke bei dem Ball. Der große Maskenball, welcher hier wohl das Ereignis des Sommers schlechthin ist. Für mich stand er unter keinem guten Stern, denn ich war dort ohne Begleiter. Der Herr, der mit zugesagt hatte, hatte mich versetzt. Allerdings hatte ich damit im Grunde schon gerechnet, denn er gehört zu den Männern, die einen eher flatterhaften Charakter aufweisen. Aber solange er sich weiterhin bei den erforderlichen Waffenübungen von mir verprügeln lies, sollte mir das recht sein.
Ich schlich somit wie eine alte Jungfer ohne Anhang zum Ball, eine neues Kleid mit passender Maske hatte ich erstanden. Ich gefalle mir darin, auch wenn meine Farbwahl mir auf dem späteren Heimweg zu einer erneuten Erkenntnis verhelfen sollte. Es chargiert in einem dunklen grün, das durchscheinende Unterkleid um eine Nuance heller. Da die Maske mich genügend verhüllte, zeigte das Kleid auch genug Haut, somit gänzlich anders geartet als das, was ich für gewöhnlich trage.
Die Darbietungen der Künstler an dem Abend waren erlesen, die Musik ebenso auch die angebotenen Speisen und Getränke übertrafen meine Erwartungen sehr weit. Der Abend verlief wie sämtliche Bälle meiner ersten Saison in der ich noch unter dem behütenden Schutz meiner Eltern stand und Vater versuchte mich an den Mann zu bringen. Er war dabei so erfolgreich als böte er Sauerbier an.
Das Mauerblümchen Helisande wurde stehen gelassen. Einige Herren nickten freundlich und eilten zu einer anderen Dame, andere standen schüchtern herum oder betranken sich bis zur Namenlosigkeit. Nur zum Tanz forderte mich niemand auf. Bis...
Ja bis fast alles vorüber war und die ersten Gäste bereits gingen. Ein maskierter Herr in feiner Gaderobe mit sehr vertrauten Bewegungen und noch vertrauterer Stimme wirbelte mich über die Tanzfläche. Ernst. Wer auch sonst?
Er begleitete mich auch wohlerzogen heim.
Dabei entsann ich mich wieder einer kleinen Rede meiner Mutter, die mir so unendlich lange her zu sein scheint – was sie auch ist.
„Kind, du bist Efeu und keine Rose und eines Tages wirst du froh darüber sein.“
„Ich glaube nicht, Mutter.“
„Efeu ist eine unscheinbare Pflanze, doch sie gedeiht immer, egal wie trocken, kalt oder heiß das Jahr ist. Weder Überschwemmung noch Ungeziefer können dem Efeu dauerhaft etwas anhaben. Beständig wachsend, macht er sich die Umgebung zu eigen, in der er Wurzeln schlägt. Er schützt die Wetterseite von so manchem Haus, welches ohne ihn sicherlich schon zusammen gefallen wäre. Seine Blüten sind noch unscheinbarer als die Blätter und doch ernähren sie ungezählte Tiere.“
„Und das soll mich jetzt trösten? Ich wäre lieber eine Rose....“
„Unsinn! Rosen sind zu empfindlich, das wirst du nie werden. Sicher fällt eine Rose auf und wird bewundert. Aber nun mal eben von jedem. Nach der kurzen Blüte wenden sich ihre Bewunderer einer anderen zu. Wenn du erstmal fest verwurzelt bist, dann wirst auch du bemerkt werden. Efeu ist zäh, wie du. Auch dich wird jemand sicherlich sehr zu schätzen wissen.“
Efeu. Wie passend. Eine selbsterfüllende Prophezeiung wohl, denn mit Maske und Kleid wirkte ich wirklich wie von Efeu überrankt. Zurückhaltend, mit dem Grün in die Umgebung einfügend. Sogar der auf dem Fest erworbene Fächer passte dazu.
Efeu – keine Rose. Ich lerne damit zu leben. Aye, ich lerne.
Zuletzt geändert von Benedict Weber am Montag 29. Juli 2013, 18:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Benedict Weber
9. Eintrag
Ich bin hundemüde, eigentlich noch müder als jeder Hund je sein könnte, doch ich finde keinen Schlaf. Der Morgen ist schon längst angebrochen, dennoch bekomme ich kein Auge zu. Vielleicht finde ich Ruhe, wenn ich meine Gedanken niedergeschrieben habe. Da ich kein echtes Ende finde, kehre ich schlicht zurück zum Beginn. Eben jener Beginn, der den Namen „Enttäuschung“ trägt und der mich als solches wohl für immer prägen wird.
Es ist mir wieder gelungen!
Temora gnade mir, aber ich weise offensichtlich einen Hang zu impulsiven Handlungen auf, der dringendst gebändigt gehört. Durch eine solche kalurische Tat habe ich es nun geschafft meinen Unteroffizier wahrhaftig und bis auf den Grund eines jeden Fasses zu enttäuschen. Die Details schreibe ich hier gewiss nicht nieder, sie haben sich unverrückbar eingebrannt in mein Hirn. Dabei bin ich im Grunde meines Herzens dem elenden, blonden Schleifer für seine Härte in der Ausbildung dankbar. Ich bin mir sicher, dass ich ohne diese wohlmeinende Unbarmherzigkeit nicht in der Lage wäre die schwere Rüstung zu tragen, geschweige denn darin zu kämpfen.
Getan ist getan. Ich habe mich an stiller Wiedergutmachung versucht, ein Zurück gibt es nicht. Was bleibt ist den Rücken gerade zu halten und das eingebüßte Vertrauen zurück zu gewinnen. Wie mir das gelingen soll, weiß ich selbst nicht, nur dass ich ohne den festen Entschluss dazu sicherlich nichts erreichen werde.
Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass mich die Qualität der Tat selbst weniger trifft als die Tatsache den Mann persönlich damit getroffen zu haben. DAS gelingt mir wahrhaftig immer wieder.
Ehre
Mitgefühl
Gerechtigkeit
Geistigkeit
Opferbreitschaft
Tapferkeit
Demut
Sollte ich jetzt und heute, in dieser Stunde bekennen, welche der Tugenden ich mir zu eigen weiß, so muss ich im Erdboden versinken. Einzig die Tapferkeit bleibt mir, durch sie kann ich durchstehen was auch immer geschieht oder ich mir selbst auferlege. Ich bete inständig, dass ich niemanden mit in meinen Abgrund reiße. Bisher trafen meine Strafen nur mich, so sollte es bleiben.
Von meinem inneren Zerwürfnis abgesehen, wurde ich vor dem unsäglichen Zwischenfall befördert. Ich trage nun den Titel Gardistin und übe mich neben den Klingenwaffen nun auch in der Handhabung der stumpfen Waffen. Manchmal übermannt mich kurz der Neid, wenn ich Ernst betrachte. Wie gern wäre ich ein Soldat, wie er. Stets tugendhaft, konsequent und dennoch eine Frohnatur. Neid ist auch eine Form der Anerkennung, die er voll und ganz verdient hat. Mein Wort ihm gegenüber halte ich, so wie ich es ab heute auch noch jemandem gegenüber halten werde. Immer treu.
Ich werde nun schlafen.
Vielleicht.
Ich bin hundemüde, eigentlich noch müder als jeder Hund je sein könnte, doch ich finde keinen Schlaf. Der Morgen ist schon längst angebrochen, dennoch bekomme ich kein Auge zu. Vielleicht finde ich Ruhe, wenn ich meine Gedanken niedergeschrieben habe. Da ich kein echtes Ende finde, kehre ich schlicht zurück zum Beginn. Eben jener Beginn, der den Namen „Enttäuschung“ trägt und der mich als solches wohl für immer prägen wird.
Es ist mir wieder gelungen!
Temora gnade mir, aber ich weise offensichtlich einen Hang zu impulsiven Handlungen auf, der dringendst gebändigt gehört. Durch eine solche kalurische Tat habe ich es nun geschafft meinen Unteroffizier wahrhaftig und bis auf den Grund eines jeden Fasses zu enttäuschen. Die Details schreibe ich hier gewiss nicht nieder, sie haben sich unverrückbar eingebrannt in mein Hirn. Dabei bin ich im Grunde meines Herzens dem elenden, blonden Schleifer für seine Härte in der Ausbildung dankbar. Ich bin mir sicher, dass ich ohne diese wohlmeinende Unbarmherzigkeit nicht in der Lage wäre die schwere Rüstung zu tragen, geschweige denn darin zu kämpfen.
Getan ist getan. Ich habe mich an stiller Wiedergutmachung versucht, ein Zurück gibt es nicht. Was bleibt ist den Rücken gerade zu halten und das eingebüßte Vertrauen zurück zu gewinnen. Wie mir das gelingen soll, weiß ich selbst nicht, nur dass ich ohne den festen Entschluss dazu sicherlich nichts erreichen werde.
Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass mich die Qualität der Tat selbst weniger trifft als die Tatsache den Mann persönlich damit getroffen zu haben. DAS gelingt mir wahrhaftig immer wieder.
Ehre
Mitgefühl
Gerechtigkeit
Geistigkeit
Opferbreitschaft
Tapferkeit
Demut
Sollte ich jetzt und heute, in dieser Stunde bekennen, welche der Tugenden ich mir zu eigen weiß, so muss ich im Erdboden versinken. Einzig die Tapferkeit bleibt mir, durch sie kann ich durchstehen was auch immer geschieht oder ich mir selbst auferlege. Ich bete inständig, dass ich niemanden mit in meinen Abgrund reiße. Bisher trafen meine Strafen nur mich, so sollte es bleiben.
Von meinem inneren Zerwürfnis abgesehen, wurde ich vor dem unsäglichen Zwischenfall befördert. Ich trage nun den Titel Gardistin und übe mich neben den Klingenwaffen nun auch in der Handhabung der stumpfen Waffen. Manchmal übermannt mich kurz der Neid, wenn ich Ernst betrachte. Wie gern wäre ich ein Soldat, wie er. Stets tugendhaft, konsequent und dennoch eine Frohnatur. Neid ist auch eine Form der Anerkennung, die er voll und ganz verdient hat. Mein Wort ihm gegenüber halte ich, so wie ich es ab heute auch noch jemandem gegenüber halten werde. Immer treu.
Ich werde nun schlafen.
Vielleicht.
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Balator Meridos
Ewige Unsicherheit, verzehrende Sehnsucht
Weiss Temora, wie ich darauf kam, dass das eine gute Idee sei, seit über einem Mond schon wandle ich hier durch die Wälder Gerimors, wie ein Bettler oder vielleicht eher wie einer jener, welche Eluive, Wald und Natur über das Lichte Ihrer stellen, der allerhöchsten Göttin, deren Licht mein Herzen beim Namen Ihrer noch immer erfüllt.
War es en Fehler, war es keiner? Das war viel eher die Frage, die sich der Jungspund stellte, wenn er die Blüten von den Blumen zupfte.. dass er sie liebte, darüber gab es gar keine Wahl, geschweige denn Unsicherheit. Aber war das wirklich die richtige Entscheidung? Hatte sie in ihrem Inneren vielleicht nicht doch recht, ganz zu Beginn, als die Vernunft noch ihren Platz hatte? War er ein Narr, oder hatte er eben doch recht und die Entscheidung war die beste seines Lebens?
Die Unsicherheit zerfrass ihn, die Sehnsucht nach ihr jedoch umso mehr, vom Regen in die Traufe. Langsam oder sicher würde es ihn zerreissen und in den Wahnsinn treiben, wenn er so weitermacht, eine Entscheidung muss her, und zwar bald.
Um die aufgestaute Energie zu befreien übte er Stundenlang Hiebe mit dem Bidenhänder, mitten auf der Waldlichtung im Zwielicht des Sonnenuntergangs, wie es von den grossen Kriegern einer fernen Welt erzählt wird, er fühlte sich für einen Moment unbesiegbar, stark, männlich.
Doch mit der Dämmerung dämmerte es ihm, die Entscheidung begann sich klarer zu zeigen.
Weiss Temora, wie ich darauf kam, dass das eine gute Idee sei, seit über einem Mond schon wandle ich hier durch die Wälder Gerimors, wie ein Bettler oder vielleicht eher wie einer jener, welche Eluive, Wald und Natur über das Lichte Ihrer stellen, der allerhöchsten Göttin, deren Licht mein Herzen beim Namen Ihrer noch immer erfüllt.
War es en Fehler, war es keiner? Das war viel eher die Frage, die sich der Jungspund stellte, wenn er die Blüten von den Blumen zupfte.. dass er sie liebte, darüber gab es gar keine Wahl, geschweige denn Unsicherheit. Aber war das wirklich die richtige Entscheidung? Hatte sie in ihrem Inneren vielleicht nicht doch recht, ganz zu Beginn, als die Vernunft noch ihren Platz hatte? War er ein Narr, oder hatte er eben doch recht und die Entscheidung war die beste seines Lebens?
Die Unsicherheit zerfrass ihn, die Sehnsucht nach ihr jedoch umso mehr, vom Regen in die Traufe. Langsam oder sicher würde es ihn zerreissen und in den Wahnsinn treiben, wenn er so weitermacht, eine Entscheidung muss her, und zwar bald.
Um die aufgestaute Energie zu befreien übte er Stundenlang Hiebe mit dem Bidenhänder, mitten auf der Waldlichtung im Zwielicht des Sonnenuntergangs, wie es von den grossen Kriegern einer fernen Welt erzählt wird, er fühlte sich für einen Moment unbesiegbar, stark, männlich.
Doch mit der Dämmerung dämmerte es ihm, die Entscheidung begann sich klarer zu zeigen.
Zuletzt geändert von Balator Meridos am Donnerstag 22. August 2013, 09:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Benedict Weber
10. Eintrag
Noch in aller Früh schreibe ich nieder, was mich bewegt. Ich rücke aus, denn das Regiment wird den Turmbau von Sir Friedrich bewachen und unterstützen. Wobei ich vermute, dass wir mehr zum Arbeiten, denn zum Wachen dort sein werden. Vor körperlicher Arbeit scheue ich mich nicht, denn sie ermüdet auf wunderbare Weise und hält die Gedanken an führbaren Zügeln. Daher arbeite ich in der letzten Zeit stetig viel und oft bis über die Grenze der Erschöpfung hinweg.
Mein selbstauferlegter Dienst in Sachen Wiedergutmachung ist dabei ebenso hilfreich wie das Bewegen meines Pferdes, den Kampfübungen und dem Wachdienst. Langsam wird es zur Gewohnheit mitten in der Nacht heimlich eine Rüstung zu putzen, die nicht die meine ist. Auch das gibt meinem Tag Struktur. Ein Gerüst, das mich vor dem Zusammenbrechen bewahrt.
Die bohrende Frage, die sich mir unablässig stellt, kann ich nicht beantworten, dennoch kehrt sie immer wieder zu mir zurück, so sicher wie der Sonnenuntergang. „Habe ich mich erneut zu schnell geöffnet?“
Ich vermute es stark. Es ist wie der Sprung von einer Klippe ins unbekannte Wasser. Der Fall nach unten ist herrlich. Man fühlt sich so lebendig, so stark, so frei. Doch der Aufprall kommt. Er kommt immer. Wenn man nicht gelernt hat richtig einzutauchen und die Spannung zu halten, dann raubt er einem Atem und Bewusstsein.
Das letzte Mal war ich nach dem Aufprall geflohen, dieser Aufprall schien mich mit voller Härte und noch schlimmer zu treffen. Ich hatte vertraut, ohne Rückhalt und gänzlich ohne Vernunft. Jener Teil von mir hatte nur ganz zu Beginn seine Bedenken geäußert und war schnell verstummt.
Dann verschwand er einfach. Nach all dem...
Eine Weile suchte ich Ausreden für ihn, dann folgte die Angst, dass etwas Unsägliches geschehen sei. Doch nun gewann der Zorn. Kein gutes Gefühl für eine Gardistin im Angesicht Temoras, aber dennoch ein starkes Gefühl. Ich war unendlich wütend. Zunächst noch auf den Feuerkopf, doch alsbald auf mich selbst. Dies alles war meine eigene Schuld. Ich hatte mein Bett mit Dornen gemacht, also war es an mir auch darauf zu nächtigen. Ich würde nicht weinen oder jammern. Es würde niemand erfahren, nicht einmal Ernst.
Ich bin wie Efeu. Unscheinbar zwar, aber weder Dürre, noch Überschwämmung, weder Hitze noch Frost wird mich dauerhaft niederstrecken. Auch dies war nur ein Fall aus großer, sehr großer Höhe. Auch dies war nur ein harter Aufprall.
Ich würde wieder aufstehen.
„Feuerkopf, wo bist du nur...?“
Wenn er gesund zurückkam, würde ich ihn umbringen. Ganz sicher.
Noch in aller Früh schreibe ich nieder, was mich bewegt. Ich rücke aus, denn das Regiment wird den Turmbau von Sir Friedrich bewachen und unterstützen. Wobei ich vermute, dass wir mehr zum Arbeiten, denn zum Wachen dort sein werden. Vor körperlicher Arbeit scheue ich mich nicht, denn sie ermüdet auf wunderbare Weise und hält die Gedanken an führbaren Zügeln. Daher arbeite ich in der letzten Zeit stetig viel und oft bis über die Grenze der Erschöpfung hinweg.
Mein selbstauferlegter Dienst in Sachen Wiedergutmachung ist dabei ebenso hilfreich wie das Bewegen meines Pferdes, den Kampfübungen und dem Wachdienst. Langsam wird es zur Gewohnheit mitten in der Nacht heimlich eine Rüstung zu putzen, die nicht die meine ist. Auch das gibt meinem Tag Struktur. Ein Gerüst, das mich vor dem Zusammenbrechen bewahrt.
Die bohrende Frage, die sich mir unablässig stellt, kann ich nicht beantworten, dennoch kehrt sie immer wieder zu mir zurück, so sicher wie der Sonnenuntergang. „Habe ich mich erneut zu schnell geöffnet?“
Ich vermute es stark. Es ist wie der Sprung von einer Klippe ins unbekannte Wasser. Der Fall nach unten ist herrlich. Man fühlt sich so lebendig, so stark, so frei. Doch der Aufprall kommt. Er kommt immer. Wenn man nicht gelernt hat richtig einzutauchen und die Spannung zu halten, dann raubt er einem Atem und Bewusstsein.
Das letzte Mal war ich nach dem Aufprall geflohen, dieser Aufprall schien mich mit voller Härte und noch schlimmer zu treffen. Ich hatte vertraut, ohne Rückhalt und gänzlich ohne Vernunft. Jener Teil von mir hatte nur ganz zu Beginn seine Bedenken geäußert und war schnell verstummt.
Dann verschwand er einfach. Nach all dem...
Eine Weile suchte ich Ausreden für ihn, dann folgte die Angst, dass etwas Unsägliches geschehen sei. Doch nun gewann der Zorn. Kein gutes Gefühl für eine Gardistin im Angesicht Temoras, aber dennoch ein starkes Gefühl. Ich war unendlich wütend. Zunächst noch auf den Feuerkopf, doch alsbald auf mich selbst. Dies alles war meine eigene Schuld. Ich hatte mein Bett mit Dornen gemacht, also war es an mir auch darauf zu nächtigen. Ich würde nicht weinen oder jammern. Es würde niemand erfahren, nicht einmal Ernst.
Ich bin wie Efeu. Unscheinbar zwar, aber weder Dürre, noch Überschwämmung, weder Hitze noch Frost wird mich dauerhaft niederstrecken. Auch dies war nur ein Fall aus großer, sehr großer Höhe. Auch dies war nur ein harter Aufprall.
Ich würde wieder aufstehen.
„Feuerkopf, wo bist du nur...?“
Wenn er gesund zurückkam, würde ich ihn umbringen. Ganz sicher.
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Benedict Weber
11. Eintrag
„Nimm mir den Atem
Sehen, wie ich weiter warte,
immer noch die Liebe erwarte. „
Ich habe fast kaltlächelnd einen Mord begangen. Im Grunde ohne jeden rechten Anlass, doch es war schlicht zu viel. Ich wollte im Gasthaus nur noch schnell einen Eintopf mitnehmen, ich hatte komplett vergessen in Adoran auf dem Markt noch zu speisen. Da saß ein Subjekt, dass sich wohl für einen Barden hielt und sang dieses Lied. Zunächst versuchte ich es mit kühlen Blicken, doch da legte er sich nur noch mehr ins Zeug und schien seine Minnekünste an mir formen zu wollen.
Mein Angebot ihm seine Finger unlösbar in die Saiten seiner Laute zu verknoten brachte ihn allerdings zum Verstummen. Das oder meine Hand auf meinem Schwertknauf. Einerlei! Er war fürderhin still.
Doch was ich eigentlich berichten wollte ist etwas anderes, denn ich bin wieder um einige Erfahrungen reicher nun. Ich hatte die Ehre zu dem Teil des Regimentes zu gehören, welches zum Turmbau abkommandiert war. Zuvörderst sollten wir für die Sicherheit sorgen, aber natürlich trieb uns der Fleiß in Gestalt eines dunkelhaarigen Korporals auch an die zweckdienliche Arbeit. Das Lager war schnell errichtet, ich hatte nicht vergessen wie man ein Mannschaftszelt errichtet und wohl auch genug Kraft um mit dem Gewürge aus Planen, Häuten und Stangen passabel zurecht zu kommen.
Allerdings werde ich in Zukunft deutlichen Abstand davon nehmen Balken fangen zu wollen, die mir ein Kerl vom Format des Korporals zuwirft. Wo rohe Kräfte sinnvoll walten, kann ich mich nicht auf den Beinen halten! Mein Talent im Führen von Sägen war auch eher eingeschränkt, aber der Hammer lag gut in der Hand.
So gelang es uns dann mit viel Schweiß, Blut und der wackeren Unterstützung der Bürger den Turm zu errichten. Sir Friedrich erwarb sich ein weiteres Mal meinen tiefen Respekt, denn er mutete niemandem eine Arbeit zu, die er nicht bereit war selbst zu leisten. Auch Frau Oberstleutnant hatte ihre ganz eigene Methode tatkräftig die Dinge voranzuschubsen.
Was mich anbelangt, habe ich nichts zu klagen. Ich packte mit an, wo eine Hand von Nöten war. Jede Arbeit die getan werden muss, ist es auch wert so gut wie möglich und mit vollem Herzen getan zu werden. Wache stehen, Hammer schwingen, Essensaussgabe... Wachtmeister auf Disteln betten. (Sollten meine Einträge hier enden, dann hat er mich wohl erwischt, bevor sein Gemüt abgekühlt war.)
Besonders ans Herz wuchsen mir die Rekrutinnen, es muss für sie aufregend ungewohnt und das Wachestehen auch sicher mit einem ab und an mulmigen Gefühl verbunden gewesen sein. Die Ablenkung durch meine Anstiftung tat ihnen allerdings offenbar gut und hob auch deren Stimmung beträchtlich. Der Korporal trug es mit Fassung und ich kam beinahe ungeschoren davon. Ernst muss ich hier wieder hoch anrechnen, dass er versucht mich zu bremsen. Er ist sicherlich um Jahre gealtert während des Lagers.
Eine weitere Beobachtung während des Lagerlebens will ich allerdings noch anbringen und auch die Konsequenzen daraus ziehen. Ich werde sehr bald eine Verschwörung in Gang setzen um einem der hervorstechensten Personen dort möglichst unauffällig zu danken. Kein Knappe, kein Ritter und dennoch ein Beispiel an allen Tugenden. Für mich unweigerlich in Vorbild an Ordnung und Selbstdisziplin, ich fühle mich dagegen klein.
Nicht dass es mich von irgendetwas abhalten wird....
„...und mich umgedreht um dich sagen zu hören,
nur für heute bin ich ohne Angst,
nimm mir den Atem“
Dieses unsägliche Lied wabert immer noch in meinem Kopf umher. Es wird Zeit schnell zu schlafen und es zu vergessen. Morgen dämmert nur zu bald ein neuer Tag an dem neue Disteln blühen werden.
„Nimm mir den Atem
Sehen, wie ich weiter warte,
immer noch die Liebe erwarte. „
Ich habe fast kaltlächelnd einen Mord begangen. Im Grunde ohne jeden rechten Anlass, doch es war schlicht zu viel. Ich wollte im Gasthaus nur noch schnell einen Eintopf mitnehmen, ich hatte komplett vergessen in Adoran auf dem Markt noch zu speisen. Da saß ein Subjekt, dass sich wohl für einen Barden hielt und sang dieses Lied. Zunächst versuchte ich es mit kühlen Blicken, doch da legte er sich nur noch mehr ins Zeug und schien seine Minnekünste an mir formen zu wollen.
Mein Angebot ihm seine Finger unlösbar in die Saiten seiner Laute zu verknoten brachte ihn allerdings zum Verstummen. Das oder meine Hand auf meinem Schwertknauf. Einerlei! Er war fürderhin still.
Doch was ich eigentlich berichten wollte ist etwas anderes, denn ich bin wieder um einige Erfahrungen reicher nun. Ich hatte die Ehre zu dem Teil des Regimentes zu gehören, welches zum Turmbau abkommandiert war. Zuvörderst sollten wir für die Sicherheit sorgen, aber natürlich trieb uns der Fleiß in Gestalt eines dunkelhaarigen Korporals auch an die zweckdienliche Arbeit. Das Lager war schnell errichtet, ich hatte nicht vergessen wie man ein Mannschaftszelt errichtet und wohl auch genug Kraft um mit dem Gewürge aus Planen, Häuten und Stangen passabel zurecht zu kommen.
Allerdings werde ich in Zukunft deutlichen Abstand davon nehmen Balken fangen zu wollen, die mir ein Kerl vom Format des Korporals zuwirft. Wo rohe Kräfte sinnvoll walten, kann ich mich nicht auf den Beinen halten! Mein Talent im Führen von Sägen war auch eher eingeschränkt, aber der Hammer lag gut in der Hand.
So gelang es uns dann mit viel Schweiß, Blut und der wackeren Unterstützung der Bürger den Turm zu errichten. Sir Friedrich erwarb sich ein weiteres Mal meinen tiefen Respekt, denn er mutete niemandem eine Arbeit zu, die er nicht bereit war selbst zu leisten. Auch Frau Oberstleutnant hatte ihre ganz eigene Methode tatkräftig die Dinge voranzuschubsen.
Was mich anbelangt, habe ich nichts zu klagen. Ich packte mit an, wo eine Hand von Nöten war. Jede Arbeit die getan werden muss, ist es auch wert so gut wie möglich und mit vollem Herzen getan zu werden. Wache stehen, Hammer schwingen, Essensaussgabe... Wachtmeister auf Disteln betten. (Sollten meine Einträge hier enden, dann hat er mich wohl erwischt, bevor sein Gemüt abgekühlt war.)
Besonders ans Herz wuchsen mir die Rekrutinnen, es muss für sie aufregend ungewohnt und das Wachestehen auch sicher mit einem ab und an mulmigen Gefühl verbunden gewesen sein. Die Ablenkung durch meine Anstiftung tat ihnen allerdings offenbar gut und hob auch deren Stimmung beträchtlich. Der Korporal trug es mit Fassung und ich kam beinahe ungeschoren davon. Ernst muss ich hier wieder hoch anrechnen, dass er versucht mich zu bremsen. Er ist sicherlich um Jahre gealtert während des Lagers.
Eine weitere Beobachtung während des Lagerlebens will ich allerdings noch anbringen und auch die Konsequenzen daraus ziehen. Ich werde sehr bald eine Verschwörung in Gang setzen um einem der hervorstechensten Personen dort möglichst unauffällig zu danken. Kein Knappe, kein Ritter und dennoch ein Beispiel an allen Tugenden. Für mich unweigerlich in Vorbild an Ordnung und Selbstdisziplin, ich fühle mich dagegen klein.
Nicht dass es mich von irgendetwas abhalten wird....
„...und mich umgedreht um dich sagen zu hören,
nur für heute bin ich ohne Angst,
nimm mir den Atem“
Dieses unsägliche Lied wabert immer noch in meinem Kopf umher. Es wird Zeit schnell zu schlafen und es zu vergessen. Morgen dämmert nur zu bald ein neuer Tag an dem neue Disteln blühen werden.
-
Benedict Weber
12. Eintrag
So sitze ich hier und schreibe wieder in untemorianischer Hast meine Gedanken nieder. Zunächst sei mein tiefer Respekt vor meinen Kameraden kundgetan. Sie sind allesamt ehrenhafte Frauen und Männer und eignen sich hervorragend als Verschwörer.
Man sehe mir nach, dass ich hier bei insbesondere Tarya und Ernst mit den zärtlichsten, freundschatlichen Gedanken beehre. Das Komplott war gelungen und die Dankesfeier für unsere Korporale ein voller Erfolg. Auch betrachte ich langsam Gardist Breg mit deutlich mehr Symphathie als zuvor.
Ihre Erlaucht drohte unsere konspirative Sitzung auffliegen zulassen und Breg wies die situative Wendigkeit auf, direkt die vereinbarte Tarnung umzusetzen. Das Mienenspiel Ihrer Erlaucht war sagenhaft als der frisch formierte Regimentschor direkt ein Liedchen schmetterte. Ich vermute stark, sie zog einen Ohnmachtsanfall vor Glück und Freude in Erwägung. Ihre lobenden Worte bezüglich unseres Engagements möglichst an den richtigen Tönen vorbei zu singen eröffnete ihr völlig neue Horizonte!
Man stelle es sich übrigens nicht all zu einfach vor gut geschulte und im Dienst weise und vorsichtig gewordene Korporäle ohne deren Wissen zu einem bestimmten Ort zu lotsen ohne sie dabei ineinander rennen zu lassen. Tarya hatte es daher auf sich genommen Thorn die Landschaft um Berchgard herum näher zu bringen. Ein fabelhaftes Mädchen die Tarya.
Ernst lockte mit der für ihn typischen Nonchalance Talianna zur Feier und ich hatte mir meinen gestrengen Vormund Vaughain unter einem halbwegs glaubhaften Vorwand bestellt.
Alles in allem war mir so als wäre der Dank des Regimentes und unser tiefer Respekt vor den drei Unteroffizieren von jenen verstanden worden. Zumindest wirkten sie diesen einen Abend gelöst und konnten wohl ihre Pflichten einmal getrost abstreifen.
Zum weiteren Bestehen des Regimentschors sei an dieser Stelle verkündet und schriftlich festgehalten:
Nach dem Komplott ist vor dem Komplott!
Wir werden sicher wieder proben und im Nachhinein alsbald noch jemanden glücklich machen. Ob sie will oder nicht.
Die Zeit fliegt. Es gibt neue Rekruten zu verderben.
So sitze ich hier und schreibe wieder in untemorianischer Hast meine Gedanken nieder. Zunächst sei mein tiefer Respekt vor meinen Kameraden kundgetan. Sie sind allesamt ehrenhafte Frauen und Männer und eignen sich hervorragend als Verschwörer.
Man sehe mir nach, dass ich hier bei insbesondere Tarya und Ernst mit den zärtlichsten, freundschatlichen Gedanken beehre. Das Komplott war gelungen und die Dankesfeier für unsere Korporale ein voller Erfolg. Auch betrachte ich langsam Gardist Breg mit deutlich mehr Symphathie als zuvor.
Ihre Erlaucht drohte unsere konspirative Sitzung auffliegen zulassen und Breg wies die situative Wendigkeit auf, direkt die vereinbarte Tarnung umzusetzen. Das Mienenspiel Ihrer Erlaucht war sagenhaft als der frisch formierte Regimentschor direkt ein Liedchen schmetterte. Ich vermute stark, sie zog einen Ohnmachtsanfall vor Glück und Freude in Erwägung. Ihre lobenden Worte bezüglich unseres Engagements möglichst an den richtigen Tönen vorbei zu singen eröffnete ihr völlig neue Horizonte!
Man stelle es sich übrigens nicht all zu einfach vor gut geschulte und im Dienst weise und vorsichtig gewordene Korporäle ohne deren Wissen zu einem bestimmten Ort zu lotsen ohne sie dabei ineinander rennen zu lassen. Tarya hatte es daher auf sich genommen Thorn die Landschaft um Berchgard herum näher zu bringen. Ein fabelhaftes Mädchen die Tarya.
Ernst lockte mit der für ihn typischen Nonchalance Talianna zur Feier und ich hatte mir meinen gestrengen Vormund Vaughain unter einem halbwegs glaubhaften Vorwand bestellt.
Alles in allem war mir so als wäre der Dank des Regimentes und unser tiefer Respekt vor den drei Unteroffizieren von jenen verstanden worden. Zumindest wirkten sie diesen einen Abend gelöst und konnten wohl ihre Pflichten einmal getrost abstreifen.
Zum weiteren Bestehen des Regimentschors sei an dieser Stelle verkündet und schriftlich festgehalten:
Nach dem Komplott ist vor dem Komplott!
Wir werden sicher wieder proben und im Nachhinein alsbald noch jemanden glücklich machen. Ob sie will oder nicht.
Die Zeit fliegt. Es gibt neue Rekruten zu verderben.
- Helisande von Alsted
- Beiträge: 4067
- Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42
13. Eintrag
Endlich wieder einige Momente Zeit um nach Tinte und Feder zu greifen und ein paar Zeilen niederzulassen. Es erscheint mir immer seltsamer wie wenig Zeit wir Menschen haben obwohl doch unendlich viel davon da ist. Die Stunden, welche mir das Leben zu weist füllen sich allerdings selbsttätig mit Aufgaben, Pflichten und durchaus auch Vergnügen. Die letzte Woche verlief in mehrfacher Hinsicht spektakulär, denn das Regiment verlor einen verurteilten Gefangenen gegen ein unschuldiges Pfand, dessen Unschuld so gewahrt werden sollte. Gleichsam gewann es einen Gefangenen hinzu, dessen Schuld in keinem Zweifel steht. Letzterer ist mit keine weitere Zeile wert, über ihn mag Temora befinden, doch der Erstgenannte soll näher definiert werden.
Ein ehemals aufrechter Krieger, der den Fehler beging sich in eine unpassende Frau zu verlieben. Wobei es mir nicht einfällt oder ansteht eine Liebe zu verurteilen, egal wie unüberlegt sie sein mag. Wohlüberlegt geht das Verlieben selten von statten, das weiß wohl niemand besser als ich.
Dennoch zog der Mann um den es eigentlich geht aus seinen Gefühlen nicht die richtigen Konsequenzen und konnte so keinem Herren wirklich treu dienen. Die logische Konsequenz daraus war ein Prozess dessen Ende niemanden wirklich glücklich zurück lassen konnte. Kann der Tausch ein Leben gegen ein Leben je wirklich Glück in sich tragen? Ich weiß es nicht und ich maße mir kein Urteil darüber an, das überlasse ich fähigeren und weiseren Köpfen.
Ein weiterer Punkt, den ich nicht unerwähnt lassen will, ist die Tatsache dass ich als Gardistin nun auch dafür zu sorgen habe, dass die Rekruten eingewiesen werden. Im Moment gibt es wieder wirkliche Frischlinge, die noch nicht wissen wie herum die Uniform angezogen wird und auch schon etwas eingespieltere Rekruten, die zumindest schon allein den Waffengurt anlegen können. Der Drill und die Schleiferei nehmen ihren gewohnten Gang und die Korporäle machen natürlich auch vor mir nicht halt. Mein Körper hat jedoch mittlerweile gelernt zu gehorchen und zu funktionieren. Nicht ohne Folgen meist, denn nach einer wirklichen Lektion in Leibesertüchtigung vom blonden Schleifer oder vom bitteren Ernst brennen alle meine Muskeln am nächsten Tag.
Es wird sicher nicht mehr lange dauern und Ernst wird noch andere Dinge unterrichten und anleiten. Ich stehe dabei zurück. Manchmal ist da das Gefühl übersehen zu werden, bösartig und giftig wie eine Schlange schleicht es sich an. An manchen Tagen kommt es mich härter an, doch ich verbiete mir selbst dem nachzugeben. Auch wenn die Aufgaben, die man mir zuweist nach außen nicht den Nachhall haben, den die Aufgaben anderer haben, sie sind es dennoch wert mit aller Sorgfalt und Nachhaltigkeit erfüllt zu werden. Temora bewahre, dass ich mich je erneut in der Eitelkeit verliere mich für besser zu halten, als ich bin. Mein Vertrauen in die Unteroffiziere und Offiziere ist grundlegend. Sie haben sich meine Loyalität nicht nur einmal verdient. Gehorsam ohne hörig zu sein ist die Pflicht eines jeden Soldaten. Die Pflicht der Vorgesetzten ist es jeden an die Stelle zu stellen, an der er am Nützlichsten ist.
Ich bin nützlich offenbar.
Heimliche Freunde und noch heimlicherer Stolz auf diese Tatsache.
Ha-ROO!
- Helisande von Alsted
- Beiträge: 4067
- Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42
14. Eintrag
Ich habe das Gefühl herumzuirren und auf dem Weg in möglichst viele Fallen zu tappen. Es scheint gleich zu sein in welche Richtung ich mich strecke, ich bleibe zu kurz. Möglicherweise liegt es am Herbst mit seinen kürzeren Tagen, dass ich zu oft ins Brüten gerate. Ebenso erklärbar erscheint es aber auch, dass ich für gewöhnlich zu wenig nachdenke.
Es reibt sich in mich hinein wie Salz in eine offene Wunde, diese leicht daher gesagten Bemerkungen der Herren. Oder liegt es am Tee, den ich serviere? Wohl kaum, denn mein künftiger Schwiegervater traf diese Feststellung ebenso wie mein geschätzter Vormund und der blonde Schleifer namens Thorn. Alle drei waren sich unabhängig voneinander in seliger Eintracht sicher, dass ihnen mein Verlobter leid tut. Offen ausgesprochenes Bedauern. Auch der Beiname „Drache“ scheint sich für mich in der Herrenriege zu manifestieren.
Ich bin entzückt.
In Teilen!
Meine Stirne ist so gefurcht inzwischen, dass ich sie kaum noch glätten kann, denn ich habe nicht mehr die geringste Ahnung wie brav ich mich noch betragen soll, sobald Gäste im Haus sind. Knicksen, anständig sitzen, lächeln, Tee servieren und vorwiegend den Mund halten. Ganz so wie Mama es mir beigebracht hat.
„Eine unverheiratete junge Dame sieht man, hört man aber nicht, außer sie stimmt den Herren zu.“
Ich beherzige also diese Grundsätze und bin dennoch der „Drache“.
Kopfschmerzen.
Als einzige Rettung vor diesem seltsamen Konflikt sah ich Ernst, der mir schon so oft entweder den Kopf gerade gerückt hatte oder mir durch ein Wort oder eine Geste klar machen konnte, dass ich völlig in Ordnung war. Freundlich und zuvorkommend wie der Soldat nun einmal ist, schloss er sich natürlich umgehend der Meinung der anderen Herren an und setzte noch das Häubchen oben auf.
„Du bist eine Kratzbürste. Wenn dir irgendetwas gegen den Strich geht, musst du noch nicht etwas sagen, Helisande. Deine Haltung kündigt dann schon ganz von selbst das Nahen eines Sturms an.“
Großartig Eichengrund, das hat mir vielleicht geholfen! Nicht!
Es hatte ganz und gar nicht geholfen, ebenso wenig wie das letzte Gespräch mit meinem Verlobten. Er hatte im Grunde recht mit seinen Ansichten und seinen Erwartungen. Die Unwucht lag bei mir diesmal. Ich will gerecht sein: Die Unwucht lag bei mir – wie immer. Mein Geburtsfehler suchte mich immer wieder heim um noch mehr Salz in Wunden zu streuen, die schon längst hätten Narben bilden sollen.
Ich war Soldatin, sicher nicht das Musterbild einer solchen, aber immerhin brauchbar. Doch wieder erinnerte ich mich an den Spiegel, den mir Maloran vorgehalten hatte, denn auch jede Soldatin ist eine Frau, die sich zwischen Kampf und Ergebenheit finden muss. Mit diesem inneren Disput in mir fiel es mir schwer heimzukehren, also tat ich es nicht. Nach einer kurzen Andacht bei dem gefallenen Wachtmeister, den wir im Turm aufgebahrt hatten, lenkte ich meine Schritte zum Schrein der Demut. Nicht, dass ich hoffte oder zu glauben wagte, Temora würde mir den Kopf selbst zurecht rücken, wahrlich nicht. Auch wenn die Demut sicherlich eine meiner Schwächen ist und bleiben wird, hochmütig bin ich dennoch nicht.
Was mich dorthin führte, war schlicht die Überzeugung, dass die gefühlte Nähe zu Ihr, die kontemplative Ruhe am Schrein mir helfen würde meinen wirren Geist mit meinem unruhigen Herzen in Einklang zu bringen.
„Mein Leben ist nicht weniger Temora geweiht als Deines.“
War das die Wahrheit?
Die Antwort darauf fand ich nicht in dieser schlaflosen Nacht, dafür aber die Antwort auf andere, drängendere Fragen. Ich werde noch einen Brief schreiben, bevor ich zum Dienst entschwinde.
Ich hoffe er findet ihn.
Ich habe das Gefühl herumzuirren und auf dem Weg in möglichst viele Fallen zu tappen. Es scheint gleich zu sein in welche Richtung ich mich strecke, ich bleibe zu kurz. Möglicherweise liegt es am Herbst mit seinen kürzeren Tagen, dass ich zu oft ins Brüten gerate. Ebenso erklärbar erscheint es aber auch, dass ich für gewöhnlich zu wenig nachdenke.
Es reibt sich in mich hinein wie Salz in eine offene Wunde, diese leicht daher gesagten Bemerkungen der Herren. Oder liegt es am Tee, den ich serviere? Wohl kaum, denn mein künftiger Schwiegervater traf diese Feststellung ebenso wie mein geschätzter Vormund und der blonde Schleifer namens Thorn. Alle drei waren sich unabhängig voneinander in seliger Eintracht sicher, dass ihnen mein Verlobter leid tut. Offen ausgesprochenes Bedauern. Auch der Beiname „Drache“ scheint sich für mich in der Herrenriege zu manifestieren.
Ich bin entzückt.
In Teilen!
Meine Stirne ist so gefurcht inzwischen, dass ich sie kaum noch glätten kann, denn ich habe nicht mehr die geringste Ahnung wie brav ich mich noch betragen soll, sobald Gäste im Haus sind. Knicksen, anständig sitzen, lächeln, Tee servieren und vorwiegend den Mund halten. Ganz so wie Mama es mir beigebracht hat.
„Eine unverheiratete junge Dame sieht man, hört man aber nicht, außer sie stimmt den Herren zu.“
Ich beherzige also diese Grundsätze und bin dennoch der „Drache“.
Kopfschmerzen.
Als einzige Rettung vor diesem seltsamen Konflikt sah ich Ernst, der mir schon so oft entweder den Kopf gerade gerückt hatte oder mir durch ein Wort oder eine Geste klar machen konnte, dass ich völlig in Ordnung war. Freundlich und zuvorkommend wie der Soldat nun einmal ist, schloss er sich natürlich umgehend der Meinung der anderen Herren an und setzte noch das Häubchen oben auf.
„Du bist eine Kratzbürste. Wenn dir irgendetwas gegen den Strich geht, musst du noch nicht etwas sagen, Helisande. Deine Haltung kündigt dann schon ganz von selbst das Nahen eines Sturms an.“
Großartig Eichengrund, das hat mir vielleicht geholfen! Nicht!
Es hatte ganz und gar nicht geholfen, ebenso wenig wie das letzte Gespräch mit meinem Verlobten. Er hatte im Grunde recht mit seinen Ansichten und seinen Erwartungen. Die Unwucht lag bei mir diesmal. Ich will gerecht sein: Die Unwucht lag bei mir – wie immer. Mein Geburtsfehler suchte mich immer wieder heim um noch mehr Salz in Wunden zu streuen, die schon längst hätten Narben bilden sollen.
Ich war Soldatin, sicher nicht das Musterbild einer solchen, aber immerhin brauchbar. Doch wieder erinnerte ich mich an den Spiegel, den mir Maloran vorgehalten hatte, denn auch jede Soldatin ist eine Frau, die sich zwischen Kampf und Ergebenheit finden muss. Mit diesem inneren Disput in mir fiel es mir schwer heimzukehren, also tat ich es nicht. Nach einer kurzen Andacht bei dem gefallenen Wachtmeister, den wir im Turm aufgebahrt hatten, lenkte ich meine Schritte zum Schrein der Demut. Nicht, dass ich hoffte oder zu glauben wagte, Temora würde mir den Kopf selbst zurecht rücken, wahrlich nicht. Auch wenn die Demut sicherlich eine meiner Schwächen ist und bleiben wird, hochmütig bin ich dennoch nicht.
Was mich dorthin führte, war schlicht die Überzeugung, dass die gefühlte Nähe zu Ihr, die kontemplative Ruhe am Schrein mir helfen würde meinen wirren Geist mit meinem unruhigen Herzen in Einklang zu bringen.
„Mein Leben ist nicht weniger Temora geweiht als Deines.“
War das die Wahrheit?
Die Antwort darauf fand ich nicht in dieser schlaflosen Nacht, dafür aber die Antwort auf andere, drängendere Fragen. Ich werde noch einen Brief schreiben, bevor ich zum Dienst entschwinde.
Ich hoffe er findet ihn.