Ein anderer Hafen

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Isen Rauhnacht

Ein anderer Hafen

Beitrag von Isen Rauhnacht »

Sie erwachte aus einem traumlosen Schlaf in einen dunklen Raum. Noch immer waren ihre Finger in den Bären gekrallt, noch immer lag sie auf dem Bauch. Das gleichmäßige Fallen der Tropfen gab den Takt vor, in dem die Erinnerungen stoßweise aus den Tiefen ihres Ahnens über die Schwelle ihres Bewusstseins schwappten und ihr das Geschehen der vergangenen Nacht ins Gedächnis riefen.

Sie hatten sich am tiefsten Punkt des Meeres getroffen und sich dort ein Fest gegeben. Isen ahnte nichts von den meterhohen Wellen, die weit über ihrem Kopf hereinbrachen und ahnte auch nicht was sie tags darauf ans Ufer spülen sollten.

Das Schiff hatte auf ruhiger See die Segel gesetzt und Kurs Richtung Heimat genommen. Der Kapitän war betrunken und die meiste Zeit unter Deck und so war der Rumpf leckgeschlagen, kurz bevor die getrübte Sicht den Blick auf den Hafen öffnete. In der Not tut es jeder Hafen und das galt auch für die beiden.

Sie waren gemeinsam über Bord gegangen und als sie sich auf dem Grund des Meeres wiederfand, traute sie sich nicht mehr die Augen zu öffnen, wohl wissend, dass sie nicht mehr gemeinsam auftauchen würden.
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Graulist Eisenjam
Beiträge: 196
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Graulist Eisenjam »

Dies war nicht der feste Grund, in den er sonst seinen Anker legte.
So hatte das Schiff nicht den gewohnten Halt, als der Sturm es hin und her trieb.

Als der Nebel sich klärte, nahm er die fremdartigen Riffe war, in denen er sich wohl festgefahren hatte.

"Ohje, hier bin ich ja am falschen Ufer!", dachte er sich, als er nun die Lage neu sondierte. Im Oberstübchen sortierte er seine bisherigen Schiffskarten, doch keine schien ihm vergleichbar. Ihm war, als hätte er einen neuen Kontinent entdeckt. Furchtsam, doch auch ein wenig neugierig, begann er ihn zu erkunden.

Dies war nicht der ausgedörrte Dreck seiner Heimat; hier stieß er auf fruchtbaren Boden.
Isen Rauhnacht

Beitrag von Isen Rauhnacht »

Übersee

Der Bauch wölbte sich um ihre Hand (oder umgekehrt) als sie den Mageninhalt auf den Boden zu ihren Füßen erbrach. Ja, es blieb kein Zweifel über ihren Zustand und es war ein Zustand sondergleichen. Ein ihr völlig fremder und deshalb völlig unbegreiflicher Zustand, der ihr tagtäglich anschaulicher vor Augen geführt wurde. Etwas regte sich in ihr, etwas fremdes, fremdartiges und umso bedrohlicheres. Es half nichts die flache Hand fester gegen diesen Zustand zu drücken, half nicht, die Augen fester davor zu verschließen. Es war augenfällig und nicht nur für sie.
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Graulist Eisenjam
Beiträge: 196
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Graulist Eisenjam »

Auch der Bauch des Degen schwoll seit dieser Nacht unaufhörlich an.
Wie viele Stunden hatte er schon vergeblich auf dem Bardenthron verbracht?

Tagelang hatte er sich nur von getrocknetem Fisch ernährt.
Nun verstand er, warum die Leute ihn voher einzuweichen pflegten.
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