Voneinander lernen, ...

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Gast

Voneinander lernen, ...

Beitrag von Gast »

Voneinander lernen, miteinander kämpfen, füreinander einstehen

Es war ein leises Rauschen, das Rascheln eines ganz besonderen Stoffes im Spiel des Windes.
Kein Umhang konnte für die, die ihn trugen mit halten - denn es war nicht nur die Farbe, die signalisierte, dass hier mehr als nur ein Zweck erfüllt wurde, auch die Haltung der Träger lies sogleich auf einen gewissen Stolz schließen.

Stolz – ein Teil davon zu sein.

Mit einem flüchtigen Lächeln marschierte sie so völlig in Gedanken vertieft an der Linie vorüber, zu den Akten, ins Büro.
Lange Zeit hatte sie damit verbracht gehabt, im Stillen und vom Weiten die zu bewundern, die im schimmernden Blau-Gold unterwegs waren.
Wie lange hatte sie warten müssen, bis sie etwas dazu beitragen konnte, ein Teil davon sein durfte?

Geduld war nie eine ihrer größten Stärken gewesen und so auch wohl die größte Herausforderung, auf ihrem Weg.
Sie erinnerte sich noch dunkel an die Bewunderung für ihre damaligen Ausbilder,
einer absolut gradlinig, eng an den Vorschriften und die Andere, ein Vorbild mit viel praktischem Wissen, immer im Dienst.

Viele Kameraden hatten ihren Weg begleitet, aber ebenso gab es die, die einen unterwegs verlassen hatten.
Manchmal völlig unverhofft… unerwartet und schmerzhaft, wieder andere geplanter, um einen neuen Weg in ihrem Leben einzuschlagen.

Sie konnte gar nicht genau sagen, wie viele Jahresläufe ins Land gegangen waren, seitdem sie ein Teil des Ganzen war, aber.. - zumindest nach der beträchtlichen Anzahl von Pergamenten auf dem Schreibtisch, den Akten, auf denen eine hauchdünne und doch nicht von der Hand zu weisende Staubschicht lag – schien es wohl schon eine geraume Weile zu sein.

Als Rekrutin gab es noch nicht viel das sie selbst hätte beitragen könnten, die besondere, wundervolle Gabe, die ihr geschenkt wurde, kaum unter Kontrolle, beschäftigte sie sich mit den Dingen, die ihr in die Hand fielen.
Tagesläufe verbrachte sie in einem Lager, in dem sich niemand so wirklich zu Recht fand.
Das System nannte sich Chaos, der Schmied, welcher heimlich heran geschafft wurde um dort Ordnung zu schaffen, musste teuer bezahlt werden.

Wie viel hatte sich seitdem geändert?
Heute gab es Jemanden, der das Lager mit liebevoller Hand führte.
Nie kam etwas abhanden, für Nachschub war gesorgt. Auch wenn sie niemals zugeben würde, dass sie sich in der neuen Ordnung gerne einmal verknotete und auf der Suche nach den Dingen fast in die Verzweiflung geriet -Es gab eine Gardistin, die Herrin des Systems war und mit geschlossenen Augen das finden würde, was der Frau Oberstleutnant einfach nicht in die Hände fallen wollte.


Die Erweiterung des Aufgabengebietes als Gardistin, hatten sie mit einem gewissen Stolz, aber auch Schrecken erfüllt. Mit einem Male verließ man sich nicht mehr nur auf seinen Vordermann, hin und wieder kam es dazu, dass man selbst es war, der die Entscheidungen treffen musste.
Das schlimme daran war nicht die Entscheidung selbst, nein, das tat man ja auch außer Dienst.
Es ging mehr um die Verantwortung, die man zu tragen hatte, sollte einmal ein Weg nicht der Richtige gewesen sein, die Konsequenz traf den ganzen Trupp.

Heute gab es eine ganze Reihe von Gardisten unter ihnen, inzwischen war das ehemalige Blau-Gold durch ein Rot-Gold getauscht worden, die Grenzen hatten sich verändert und doch..
war sie sich sicher, auch wenn manche von ihnen vielleicht den selben Zweifel in sich trugen wie sie einst, sie waren gut ausgebildet und sie würden im Notfall die richtige Entscheidung treffen.

Sie alle hatten ihre ganz besonderen Stärken.
Da war einer, der immer bemerkte, wenn ein Kamerad zurück blieb, darauf aufmerksam machte und die kleinen Dinge sah, die sonst vielleicht Niemanden auffallen würden.
Immer wenn er da war, war für das Detail gesorgt.


Ein anderer, eher unauffällig und vielleicht auch seltener im Dienst anzutreffen, tat viel hinter den Kulissen – das was keiner direkt bemerken würde. Und gerade weil der Umstand so gut zu traf, wusste sie, er tat seine Arbeit unheimlich gut.

Auch als Gardistin konnte man schon sein Feld gefunden haben und so gab es Jemand unter ihnen, der dafür sorgte, dass auch kleinste Blessuren den Dienst nicht behinderten.
Fürsorglich wurde nicht von denen gewichen, die ihre helfende Hand gerade brauchten.
Sie selbst erinnerte sich ganz gut daran, dass die nicht gerade ungeschickten Hände der Gardistin sicherlich einen guten Teil dazu beigetragen hatten, dass sie heute noch hier sein konnte.


Ein sehr ruhiger Geselle, aber keinesfalls entbehrlich, gehörte ebenso ihren Reihen an.
Er fiel stets durch seine Bereitschaft sich einzubringen auf, auch die Aufmerksamkeit eines Ritters hatte er gewonnen und sie war sich sicher, dass er seinen Weg dort gehen würde und sie eines Tages vermutlich vor ihm salutieren würde.

Eine Gardistin, ebenso diesem einem ganz besonderen Weg folgend, hatte sich schon unzählige Male vor sie gestellt. Und immer wieder kam sie nicht umhin, mit einem warmen Lächeln an vergangene Tage zu denken, das Gesicht des überraschten Feindes und mit einem Seufzen auch die vorhandenen Rachegelüste dahinter. Dennoch, auch sie war Jemand der auffiel und etwas weiter gab.

Dann gab es noch die, die am Anfang des Weges standen..
Frischlinge, die noch viel zu lernen hatten, aber auch jetzt schon kleine nicht zu leugnende Fußspuren hinterließen.
Ein nicht mehr ganz so junger Rekrut schon lange in der Mannschaft, stets darum bemüht die Ausgehuniform tauglicher zu machen. Vielleicht würde es ihm sogar eines Tages gelingen.

Ein anderer Rekrut hatte es nicht auf die Uniform abgesehen, dafür etwas, was sie alle im Herzen trugen. Immer wenn er ihr über den Weg lief und war es noch so in den kleinen Dingen hatte sie das unbestimmte Gefühl, das der starke Glaube ihn nicht nur begleitete, sondern auch durchaus Auswirkungen auf sein Umfeld hatte.

Auch zwischen Frischlingen, gab es noch die, die völlig grün hinter den Ohren waren und erst wenige Stunden des Dienstes hinter sich hatten, aber auch hier war ein junger Mann zu finden, bei dem sie sich sicher war, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis auch er ganz besondere Abdrücke hinterlassen würde.

Beim Gedanken an den eher älteren Rekruten huschte erneut ein Lächeln über ihre Lippen. Ähnlich wie bei der Gardistin war sein Feld schon recht vorher bestimmt und doch beschritt er es anders. Ruhiger und mit seiner ganz eigenen Note.
Die Erfahrung, die er mit in die Reihen brachte veränderte ebenso.


Seltener im Dienst anzutreffen war eine junge Rekrutin, die sich schon bevor sie dem Regiment angehörte viel einbrachte. Und auch heute noch kann man sich sicher sein, dass das besondere Rot des Königs keine Löcher aufweisen wird, die goldenen Rüstungen der Recken einem Schlag des Feindes stand halten und die Rösser auf denen sie sitzen im Stande sind, die Kameraden bis in die Schlacht und darüber hinaus zu tragen.

Irgendwann war man nicht mehr der, der grün hinter den Ohren war.
Man gehörte nicht mehr zu denen, die mit der Wurzelbürste die Diehlen- oder Steinböden schruppten.. Jeder der es überlebte und das Durchhaltevermögen bewies, gehörte irgendwann dem Teil an, der in Situationen, in die keiner von uns stecken wollte, Entscheidungen treffen musste.

Als Gardist schon unangenehm, als Wachtmeister sollte man sich keinerlei Fehler mehr erlauben.
Allerhöchstens bei der Farbwahl der dienstfreien Garderobe, da konnten sie durchaus passieren, aber dass war ja nichts was den Dienst und die damit verbundenen Aufgaben beeinflusste.
Sehr viele Jahre in diesem Gold lagen hinter ihm und ganz sicher war, dass ihm alle zu hörten wenn er mit einem gewissen Korporal anfing… ‚Geh zum Regiment haben sie gesagt…‘


Die Ausbildung.. etwas, dass sie geliebt hatte.
Natürlich hatte auch da die Verantwortung noch einmal zu genommen, man war nicht nur für Entscheidungen verantwortlich, nein, man war es auch für die die gar nicht von einem selbst getroffen wurden.
Denn man hatte es gelehrt oder auf diese Art und Weise vermittelt.

Auch wenn es einen gewissen Druck mit sich brachte, eine orangene Mütze – heute die blaue – zu tragen, war es doch das was ihr immer am liebsten gewesen war.
Stundenlang hatte sie am Tor verbringen können, das theoretische Wissen weiter gebend, dass ihr einst gegeben wurde, während immer mehr Bürger bereitwillig bei der Ausbildung unterstützend Anschauungsbild spielten.

Sie musste mit einem Grinsen zugeben, dass nicht jeder gespielte Ernstfall wirklich wie geplant ablief und auch an gewissen Stellen nistete sich gerne mal ungefragt der Fehler ein und doch war es eine Zeit in die sie sich heute immer mehr zurück sehnte.

Wie an anderer Stelle auch, hatte es hier Menschen gegeben, die heute tatkräftig ihre eigenen Vorstellungen umsetzten. Da war ein Korporal, dessen Waffe nicht nur der Bogen war, auch unliebsames wurde gerne angesprochen, selbst vor dem Vorgesetzten landete es immer wieder auf dem Tisch. Beharrlich, gradlinig und vor allem herrlich Ehrlich.
Ein Jeder, der durch das Gespräch mit ihrer Empfehlung kam, hatte sich den Platz in der Truppe verdient.


Ein ganz spezieller Geselle war der, der eine ganze Weile die Folterkammer sein heim nannte.
Sicherlich war der Raum nicht nur aus dem Praktischen heraus gewählt worden, schmunzelnd kam sie nicht umhin ihn als äußerst gut gewählt zu bezeichnen.
Nicht gerade geliebte Tätigkeiten waren in seiner Hand gut aufgehoben, eine strenge Hand und doch Jemand, der sie zur Ordnung rief, dann wenn es von Nöten war und es kein anderer tat.

Nicht zuletzt gab es noch Jemanden der hier seinen Platz behauptete.
Eher ruhig und wenn es nach ihr ging, eines der am schwersten zu erhitzenden Gemüter.
Mit seiner Art die Dinge in die Hand zu nehmen, zu lehren und selbst noch einmal zu erklären, sorgte er dafür, dass auch der letzte Gardist, die Theorie im Schlaf beten konnte und nebenbei ganz heimlich wurde ein gewisser Anstand in die Herzen gepflanzt, von Jemanden der außerdem einen weiteren Weg bestreitet..


Irgendwann hatte sie Orange gegen Gold getauscht.
Sie erinnerte sich einmal wie behauptet wurde, dass es nun mehr Schreibtischdienst gab.
Eigentlich… bedachte man die Bibliothek, wäre es wohl ein Teil der ihr hätte liegen sollen?
Dabei schweifte der Blick noch einmal über die unzähligen Pergamente, Stapel und… Lagepläne, ein leiser Seufzer entfuhr ihr.

Hätte ihr vorher Jemand gesagt, was es alles mit sich bringen würde, hätte sie vielleicht noch die Möglichkeit zur Flucht ergriffen, schreiender Weise.. vermutlich.
Aber nun saß sie hier.
Nicht alle Entscheidungen die sie gefällt hatte, hatten ein Ruhmreiches Ende genommen.
Eigentlich.. hatte das Ganze sehr wenig mit Ruhm zu tun. Viel mehr damit verantwortlich zu sein, Sündenbock, Schuldige.

Vieles lag wie ein Stein auf dem Herzen, drückte schwer und manches ließ sich einfach nicht abschütteln und dennoch..
Es waren all die Menschen, an die sie gerade gedacht hatte, Menschen auf die sie vertrauen, auf die sie sich verlassen konnte… Sie waren es warum sie heute dennoch hier saß.

Das war der Grund warum sie nicht schreiend davon lief und auch die nächste Konsequenz ausbaden würde, weil sie wusste wofür sie es tat.

Eine weitere goldene Mütze gab es noch, eine die sie niemals in ihrem ganzen Leben tragen wollen würde. Um nichts in der Welt beneidete sie den Menschen der sie trug, der der die unliebsamsten Entscheidungen durchsetzte von denen, die ohnehin schon nicht geliebt wurden.
Gleich einer Mauer, die man ab und an brauchte, tauchte er dann auf, wenn es sein musste.
Um das ab zu halten, was den Rest nicht treffen sollte und genau dafür empfand sie tiefste Dankbarkeit für ihn.


Häufig aber waren nicht sie es, die den Hauptteil der Verantwortung trugen.
Nein, sie waren nicht dafür gemacht an der Politik teil zu haben und auch dafür war sie unendlich dankbar.

Eine Last die unendlich viel schwerer wog, als die die sie zu tragen hatte.
Die richtige Entscheidung, für so viele, die Stärke die man zeigen musste, die Hiebe die man einzustecken hatte.
Dafür gab es zwei ganz besondere Menschen.
Sie hatte oft genug erlebt, wie sich das ungleiche Blau zusammen gesellte und vor etwas stellte, um eine Einheit zu bilden. Etwas was nicht weichen würde, egal was da kommen würde, um die zu schützen die dahinter standen.
Keiner von ihnen würde das auf kurze Sicht aufgeben, auch wenn sie sich sicher war, dass auch sie dieses Gefühl kannten, welches einen des Nachts hin und wieder beschlich..
Sie würden es niemals zeigen.




[als kleines Dankeschön, ich möchte keinen von euch missen…]
Benedict Weber

Beitrag von Benedict Weber »

[Wenn du alles gibst, kannst du dir nichts vorwerfen.~ Nowitzki

Es gab nichts Schöneres, als schon vor dem Aufschlagen der Augen
den Gesang der Vögel zu vernehmen.. und kaum das langsam aber sicher
alle anderen Sinne erwacht sind, den Duft eines Morgens.

Lager sind etwas Seltsames. Natürlich blendet man dabei aus, dass der ein oder andere Kamerad ganz gewiss mehr als einen gesunden Schlaf hat und dieser auch mit einer nicht zu verleugnenden Geräuschkulisse einher geht.

Wer gar einen zu leichten Schlaf hat, wird ebenso die stetigen Wachwechsel bemerken.
Die Bewegungen im Zelt derer, die sich anschicken ihre Kameraden ab zu lösen, die der Rückkehrer, die sich bemühen ihren Schlafplatz zu finden und auch jener, die einfach einmal austreten müssen.

Aber abgesehen davon.. die Plane zur Seite schlagen, ein tiefer Atemzug und ganz gleich wie das Wetter an dem Morgen ist, es ist ein ganz anderes Aufwachen, denn man wird direkt gänzlich davon empfangen.

Am heutigen Morgen wurden sie alle von der Sonne begrüßt, die bei den späteren Aufstehenden sicherlich schon den ein oder anderen an der Nase gekitzelt hatte.

Nachdem sie die im Lager nach dem Rechten gesehen hatte, hieß es dann doch einmal, nach einem kleinen Rundgang sich mit den Berichten zu beschäftigen.
Ein Kitzeln in der Nase lenkte sie tatsächlich von dem Geschriebenen ab, ein herzhaftes Niesen, gefolgt von einem schuldbewussten Umsehen.

Tatsächlich gab es auch gute Neuigkeiten aus der Nacht.

Nachdem sie sich auf den neusten Stand gebracht hatte, begegnete sie einem durch und durch unausgeschlafenen Gardisten.
Aber statt wie vermutet vielleicht die all zu laut schlafenden Kameraden oder ein paar ungewohnte unbequemlichkeiten verantwortlich zu machen, war es wohl lediglich das überaus ausgeprägte Pflichtbewusstsein, was ihm den Schlaf verweigert hatte.
Manchmal überraschten sie einen selbst dann noch, wenn man es nicht mehr für möglich hielt.

Kurz darauf folgte eine Rekrutin, die wohl ebenso unter dem Mangel des Schlafes litt.
Es dauerte aber keine zwei Atemzüge, da war sie auf der Stelle wachsam und kameradschaftlich.
Es würde keine unterschiedlichen Aussagen geben.
Nein, ganz gewiss nicht.
Nicht in dieser Mannschaft.
Dafür gab es Jemanden mit dem Herzen am richtigen Fleck und die Frage,
weshalb manche es hin und wieder schaften bei gewissen Dingen durch zu schlüpfen.

Auch der nächste Gardist, deutlich ausgeschlafener als die ersten Beiden,
hing noch seinen ganz eigenen Gedanken zur Nacht nach.
Wie sich viel später herausstellte - und das nahm sie sich ganz fest vor,
sollte sie häufige auf ihre Worte achten - denn er brachte es wohl auch fertig in Rüstung zu schlafen, sollte es auch nur im Ansatz einen Fastbefehl in der Art gegeben haben.
Nicht das sie sich jemals in eine dieser schon recht unbequem drein sehenden Ungetüme gezwängt hätte, aber darinnen zu schlafen..
Sie würde darauf achten was sie in nächster Zeit von sich gab.

Nach einem Nachmittag, der sie ganz gewiss alle nicht ans Einschlafen denken gelassen hatte, war es Zeit sich noch ein wenig für das geduldige Papier zurück zu ziehen und schmerzlich fiel dabei auf, was in der letzten Zeit deutlich zu kurz kam.
Über neue Vorsätze, begann man auch bald schon den Abend.. den ganzen Tag über herrschte in dem Lager geschäftiges Treiben, Wachwechsel, ab und an ein Stimmengewirr.

Der Wind frischte bereits auf und trieb das kunterbunte Herbstlaub vor sich her, bald wäre der Sommer vollends verschwunden.
Noch halb dem Gedanken nachhängend, lief er ihr dann auch schon über den Weg.
Die Farbe selbst nicht unähnlich dem Herbstlaub.

Schon immer war er ein aufrichtiger Mann gewesen, aber ihr kam es vor als sei er unterden letzten hinzugekommenen Aufgaben noch einmal mehr gereift. Alleine der Gedanke, der hinter dem
Lager stand war bewunderns- und durchaus verfolgenswert.
Und immer wieder gab es eine handvoll von Menschen für die man Dinge
gerne tat und auch ohne groß einmal darüber nachzudenken, es war keine Frage, man wusste sie und ihre Vorhaben sind es wert.

Und so hieß es, das Störenste abzulegen, aber dennoch ein größtmögliches Maß an Rüstung zu erhalten, während es an die Arbeit ging.
Irgendwo da hatte sie wohl den Fehler des Befehls begangen, aber das .. dämmerte ihr erst sehr viel später.
Und schließlich wurde Hand in Hand wieder am Projekt gearbeitet.

Wer nicht gerade Wache stand, war sich nicht zu fein dafür mit anzupacken.

Da gab es eine Gardistin, die stets praktisch mit anpackte. Ob es nun darum ging ein Zelt aufzubauen, dass einem am Ende nicht auf den Kopf fallen sollte, oder arbeiten, die ganz sicher nicht von dem
eher zarten Geschöpf einer Frau verrichtet werden sollten, gab es kein wirkliches Murren.
Sie packte mit an, und wenn das hieß sich unter den Aufgaben begraben zu lassen, dann war das so.
Immer schon hatte sie besonders für die, die nicht nur redeten großen Respekt gehabt, aber da gab es wohl Jemanden, dem außerdem eine gewisse Bewunderung zustand.

Das Schönste aber an solchen Projekten und auch an Lagern, die eben einmal nicht hinter Mauern lagen, waren die Menschen, die kamen um mit anzufassen und ein Teil davon zu sein.
Da war eine Wachverstärkung, eine stets dunkel gekleidete Frau, die dann auftauchte, wenn man gar nicht damit rechnete. Ein wachsamer Blick und eine durchaus mehr als nur geschickte Hand was den Bogen anging.
Immer mal wieder hatte sie ihre Reihen verstärkt, so wie auch am heutigen Abend.
Aber wer hätte geglaubt, dass sie den Wunsch hegt den Wahnsinn zu verbreiten und den Platz der Nummer eins zu übernehmen?

Auch der junge und etwas stillere Akoluth griff tatkräftig zu Hammer und Nägeln.
Seine Kunstwerke werden sicherlich noch lange über den Bestand des Turmes hinaus den Erbauern ins Auge fallen. Bei der Arbeit wurde ganz gewiss kein unentdecktes, schlummerndes Talent gefunden, aber sie war sich sicher, dass auch er von diesem ungewöhnlichen Abend etwas mit nach Hause genommen hatte.

Beim Versuch das klebrige Zeug aus der Tasche zu zupfen, dachte sie lächelnd an Jemand weiteren, der stets still durch ihre Reihen huschte. Eigentlich fühlte es sich fast so an, als würde auch sie eine Uniform in den
Farben Rot-Gold tragen, auch wenn sie es bisher ablehnte. Statt dessen sorgte sie dafür, dass die Soldaten ihren Durst mit ganz besonderem reinem Wasser stillen konnten und da wo es gebraucht wurde, wurde heimlich mit einer nicht unbedingt
sonderlich nahrhaften, aber Nervennährenden Substanz gearbeitet.
Und wenn keiner hinsah, übernahm sie die Dinge, die sonst liegen geblieben wären um vielleicht unbemerkt noch eine gute
Tat zu vollbringen.

Auf dem Weg zum Lager zurück, in der Hoffnung die Finger zu entkleben ohne die Robe dafür verwenden zu müssen, vernahm sie eine
recht laute Stimme, die immer wieder für Ordnung sorgte. Ein Lächeln auf den Lippen blieb sie stehen um eine Weile schlicht zu lauschen.
Geschäftiges Treiben, kein Murren, längst hatten sich alle daran gewöhnt, dass er immer dann übernahm wenn gerade der Obstkorb
auszubrechen drohte. Ein Sortieren, ein Aufgabenverteilen und wenn es sein musste, ein paar leise aufbauende Worte oder aber auch
eine antreibende Stichelei.
Jemand der stets ein Auge auf den Zusammenhalt hatte und darauf dann wenn es nötig war, das Richtige zu tun.

Beim Reinigen der Tasche, ebenso wie der eigenen Finger fiel ihr ein doch recht verklebtes, aber noch lesbares Schreiben in die Hände.
Mit einem warmen Lächeln dachte sie an die Übergabe vom stets ehrlichen Korporal mit dem Hang dazu die unangenehme Wahrheit auszusprechen. Auch dieses Mal war die Aufmerksamkeit direkt wieder auf eine der Kuriositäten gefallen, die einem anderen Leser vermutlich
entgangen wäre.
Später war man sich über gewisse Ansichten erschreckend einig, aber es war ein gutes Gefühl sich auf Jemanden verlassen zu können, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt, so unangenehm sie auch sein konnte.


Auf dem Weg zurück zum Bauplatz fiel ihr Blick auf einen leeren Platz, an dem gerade noch ein lümmelnder Gardist weilte, mit dem Hang
zu ungewöhnlichen Geschenken unter der gerne die ganze Truppe litt. Er schaffte es stets sie recht leicht zu reizen, schon bei einem tieferen Atemzug seinerseits kam bei ihr das Verlangen auf ihn zumindest ein wenig zu ärgern.
Heute hatte sie den Fehler gemacht, dem nach zu geben und die immernoch leicht aufgestellten Härchen erinnerten sie an einen weiteren, gleich im Anschluss.
Oh und der Platz war gerade leer.. ohne Abmeldung?
Sie war sich sicher hier wartete noch eine menge Ärger.. fraglich wer darunter mehr leiden würde, aber irgendwie wurde sie die Ahnung nicht los, dass es einmal mehr alle sein würden.

Dafür stand sie noch an ihrem Platz.
Die Wachtmeisterin, die stets für eine Überraschung gut war und die sich von einer eher stillen Gardistin zu einer strengen Wachtmeisterin gemausert hatte, die das Herz am rechten Fleck trug.
Auch dieses Mal wurde der Gardist in Schutz genommen, es würde ihm wenig helfen, aber sie hatte es versucht.
Unter ihrer Aufsicht würde die Wache kein desaster werden und irgendwie hatte sie das unbestimmte Gefühl, dass keine weiteren Kameraden abhanden kommen würden.

Als sie bereits dazu übergegangen waren wieder dem Lageralltag nachzugehen und die ungewöhnlichen Überraschungen, die einen erwarteten hin zu nehmen,da tauchte auch er auf. Der Knappe, dem man inzwischen leider nicht mehr einen verirrten Farbgeschmack vorwerfen konnte, denn mittlerweile trug auch er das Herbstlaubrot.
Dennoch war darauf Verlass, dass sich einige Dinge niemals ändern würden und mit einem Lächeln lauschte sie eine ganze Weile seiner Unterhaltung.

Bestimmt hatte Jeder seine ganz eigenen kleinen Macken und doch war Jeder von ihnen etwas ganz Besonderes.

Und über den Gedanken, ein Lächeln auf den Lippen, war sie dann wohl eingeschlafen, denn sehr viel später, konnte sie sich nur an weiche Felle erinnern und eine verdammt ruhige Nacht, in der sie endlich einmal Schalf nachholen konnte.
Gast

Beitrag von Gast »

Mit dem Altwerden ist es wie mit Auf-einem-Berg-Steigen: Je höher man steigt, desto mehr schwinden die Kräfte - aber umso weiter sieht man.
~ Bergman

Unter ihr war das Rauschen der Wellen zu vernehmen, die beständig, immer wieder gegen den kühlen Stein schlugen, auf dem sie sich nieder gelassen hatte.
Sie saß schon eine geraume Weile an dem Platz, wobei sie weder das Wasser unter sich, noch das brächtige Farbenspiel der Blätter über sich wahr nahm.
Auch für das Funkeln des Sternenhimmels fehlte ihr heute der Blick, vor ihrem geistigen Auge sah sie etwas völlig anderes:

Ähnlich den Blättern, die gerade dabei waren sich zu wandeln in die schönsten Gelb und Rottöne, war sie bei vertrauten Gesichtern, gekleidet in die Farben, die für sie Heimat bedeuteten.
Einen Mondlauf hatte sie sich nun völlig fern gehalten, bis zu dem Ereignis am gestrigen Abend...
Es war keine Entscheidung gewesen, die sie sich leicht gemacht hatte, aber eine die nötig geworden war.
Wie bei dem Stein auf dem das Wasser sicherlich seine Spuren hinterließ, war es auch ihr gegangen. Mit jedem Tag wurden neue Ereignisse heran gespült, gleich der Wellen, brandeten sie mit gleicher Kraft.
Immer wieder gab es Probleme zu lösen, ob nun mit Gefangenen, Prozesse, kleine Auseinandersetzungen innerhalb der Truppe, Streitigkeiten... Vielleicht war es aber auch ein weiß Berobter, der mit einem Anderem über eine Nichtigkeit in einen Streit geraten war, oder ein Problem das auf dem Herzen lag.
Manchmal sogar etwas völlig Belangloses und doch.. war es da und musste gelöst werden.
Alle hatte inzwischen einen Platz in ihrem Herzen gefunden, sie nahm sich der Probleme gerne an, dafür machte sie sich schon lange keine wirklichen Gedanken mehr um Abend- oder Tagesplanungen
-denn es kam ohnehin immer anders als gedacht-.

Sie konnte im Nachhinein gar keinen bestimmten Zeitpunkt mehr benennen, aber irgendwann hatte sie über die Pflicht, die Arbeit und dem was dazwischen lag angefangen sich selbst zu verlieren und nur noch zu funktionieren, weil es getan werden musste.
Jeden Morgen war ihr das Aufstehen etwas schwerer gefallen, bis das Gefühl aufkam sie könne den Kopf auf den Schreibtisch legen und weiterschlafen.
Als es dann an der nächsten Entscheidung war, für die ihr keine Lösung einfiel - zumindest keine die Gerecht gewesen wäre und nicht allen Beteiligten den Kopf abgerissen hätte, um alle Probleme auf Ewig zu lösen,
war ihr klar: So ging es nicht weiter.

Und so war es einen Mondlauf her, das sie ihren Rücktritt eingereicht hatte.
Seitdem war sie allen aus dem Weg gegangen, jeglicher Pflicht oder Menschen, denen sie sich hätte erklären müssen.
Statt dessen war sie barfüßig von einem Abenteuer ins nächste gelaufen,
hatte neue Menschen, Talente und sogar Schätze entdeckt, kein Gold, keine Edelsteine, aber dennoch Schatz genug um als solcher bezeichnet zu werden.
Bis zum gestrigen Abend war sie all dem was sie hinter sich gelassen hatte aus dem Weg gegangen. Bis zu dem Anblick der Gardistin, drei Letharen und dem schmerzenden Gefühl etwas im Stich gelassen zu haben...

Sie hatte durchaus einen Augenblick gezögert, aber dann, war sie zurück.
Zurück dort wo sie aufgehört hatte, das erste Mal ohne die Farben, die sie so sehr liebte, ein Gast an der Seite - aber immerhin hatte sie Eines in der Zwischenzeit wieder gefunden: sich selbst.

Blieben noch die vielen Erklärungen und sich dem zu stellen was da kam, aber erst gab es Wichtigeres..
Dann der Rest.
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