Der erste Tag

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Belana Watz

Der erste Tag

Beitrag von Belana Watz »

Hin und her... hin und her.... das Schiff schaukelte unentwegt. Diese Übelkeit... immer wieder stieg sie auf und Belana klatschte jedes Mal ihre Hand auf den Mund. Welcher normale Mensch konnte das auf die Dauer aushalten? Doch wagte die 150-Kilo Frau nicht einen Zentimeter von ihrem Platz abzuweichen. Hatte doch der Kapitän selbst gesagt, dass es von äußerster Wichtigkeit sei, dass sie genau am großen Masten in der Mitte der kleinen Nussschale sitzen bleibe. „Madam... sie äh.... haben die wertvolle Aufgabe zu sehen, dass... ja... dass... uns ja auch kein Schiff rammt. Und das kann man nur von hier... hier haben sie den besten Überblick“. Und so blieb die beleibte Anfang-Dreißigerin genau auf dem kleinen Hocker sitzen.

Wusste Belana allerdings nicht, dass der Rest der Mannschaft so abergläubig war, wenn so eine dicke Frau an Bord war, dass sie vorn überkippen oder zur Seite, sollte sie es wagen von ihrem Platz zu weichen.

Heilfroh, als endlich Land in Sicht war betrat sie das erste Mal Gerimor. „Na das ist ja ein entzückendes kleines Dörfchen“ flötete sie und schob sich das erste Mal seit Stunden wieder was Essbares in den Mund. Zufrieden nahm sie dann endlich auf einer kleinen Bank an einem Teich Platz. „Herrlich!“ flötete sie und blickte dann auf den kleinen Jungen, der vor dem Teich in die Knie ging. „Ja schau... ein kleiner Bub!“, konnte Belana ihre Begeisterung kaum in Grenzen halten, als hätte sie noch nie zuvor ein kleines Kind gesehen. Der Junge hingegen schien etwas erschrocken, na kein Wunder, der ist auch nur Haut und Knochen, da gehen die Nerven schnell mit einem durch, dachte die stämmige Frau bei sich.

„Junge, sieh zu, dass du was auf die Rippen kriegst, sonst fällst du noch auseinander“ grunzte sie vergnügt, und so erheitert sie über ihren eigenen „Witz“ war, klatschte sie sich zusätzlich mit den Händen auf die mächtigen Oberschenkel. Doch der kleine Mann gab noch immer keinen Laut von sich. Vorsichtig beugte sich Belana vor und ganz langsam sprach sie „Kannst... du.... auch... sprecheeen?“ und betonte dabei jedes Wort. „Türlich“ war die kurze Antwort. „Türlich sagt der Rotzbub auch noch.... Redet kein Wort und dann sagt er türlich....“

„Wie ist dein Name?“.... „Belana... Belana Watz... Aus dem Hause der Watzes“ ertönte es mit stolzgeschwelgter Brust „und deiner?“ „Miki“.... Miki... soso... Miki Mikrig tönte es schon wieder in ihrem Kopf. Passt ja. Doch als Miki Mikrigs Mutter auftauchte erhob sich Belana schwerfällig von der Holzbank, die bei genauerem Betrachten bereits die ersten Sprünge aufwies.

Etwas ratlos blickte Belana auf den Fetzen Pergament, den ihr der Kapitän in die Hand gedrückt hatte. Irgendwelches Gekrakle war darauf zu erkennen, Menschen, die des Lesens und Schreibens mächtig wären, könnten locker erkennen, dass es sich um einen Brief handelt, der an den Orden der Temora gerichtet war, doch jene Fähigkeiten besaß die gute Seele nicht und so stopfte sie den Zettel achtlos in ihre Rocktasche.

„Dann wollen wir mal schauen....“ nuschelte sie zu sich selbst und stampfte langsam los in Richtung Bank. Da war doch bestimmt etwas los. Dort ist immer was los. „Ja schau sich einer das an.... Herrlich!“ flötete sie wieder und trat auf den Bankier zu. „Wunderschönen guten Tag. Ah.... der Hausherr persönlich. Sehr schön. Wisst ihr... ich bin ja quasi vom Fach. Fast hätte ich eine Lehre angefangen. Bei einem anderen Bankier wisst ihr. Aber na ja.... ihr wisst schon. Nicht jeder erträgt meinen Glanz und meine Glorie an seiner Seite“ lauthals begann sie wieder zu Lachen, begleitet von einem Grunzen. „Ach.... der Bäcker sucht? Na dann sollte ich doch fast....“ so schnell die dicken Beine sie trugen, war sie auch schon wieder aus der Bank verschwunden. Bäcker erschien ihr dann doch um einiges reizvoller, als das langweilige Leben eines Bankiers, der den ganzen Tag sowieso nur fremdes Geld zählen durfte. Aber Bäcker.... vielleicht auch noch Zuckerbäcker.... Welches Herz schlägt da nicht schneller?
Mikilas Sotan

Beitrag von Mikilas Sotan »

Es brauchte den ganzen Abend bis er Belana wenigstens aus seinem kleinen Kopf verdrängen konnte.

Er hatte gerade erst sich etwas Milch geben lassen von Dorian und wollte am Teich etwas spielen und dachte sich wie die Milch verdünnt wohl schmecken mochte als jemand hinter ihm sagte

Ja schau... ein kleiner Bub!

erschrocken drehte er sich auf den Knie herum und verschuettete mit offenem Mund fast die Milch. Er brauchte erstmal einen ganzen Moment bis er überhaupt eine Frau erkennen konnte, zwischen übermässig dickem Leib und Doppelkinn. Gerade noch rechtzeitig besann er sich auf seine dann doch noch gute Erziehung und erwähnte dazu kein Wort. Er beobachtet halb fasziniert halb entsetzt wie das Doppelkinn sich bewegte wenn sie sprach und bekam zu Anfangs einfach kein einziges Wort heraus. Er starrte die Frau regelrecht an.

Junge, sieh zu, dass du was auf die Rippen kriegst, sonst fällst du noch auseinander

Als sie über ihren eigenen Witz lachte, plumste Miki einfach nur noch auf seinen kleinen Hintern. Er hatte in seinem Leben noch nie eine dicke Frau gesehen, etwas pummelige vielleicht aber so übermässig dicke? Niemals.

Kannst... du.... auch... sprecheeen?

Fragte sie ihn und bevor er etwas falsch machen wollte oder enfach unhöflicherweise weiter starrte reagierte er lieber mit einem knappen

türlich


Er schuettelte sich wie ein begossener Pudel und schalt sich selber. Schnell dachte er sich dass sie sich bisher noch nicht beleidigt gefühlt hatte und vielleicht war so ein Mensch ja trotzdem nett, also klappte er seinen Mund brav auf und fragte

wie heiss du?


Belana.. Belana Watz .. Aus dem Hause der Watzes... und dein Name?

Na immerhin die Dame da ganz aus Fleisch hatte einen Namen, schoss es ihm durch den kleinen Kopf und gleich schalt er sich wieder selber für solchen Gedanken.

bin miki


Gab er wieder knapp von sich und geradezu erleichtert sah er seine Mama. Wie von einer Biene gestochen sprang er auf und warf sich erstmal in ihre Arme und flüsterte

mama? warum is die da soooo dick?


Das weis ich nicht, vielleicht zuviel gegessen, ich hoffe aber du hast ihr nicht gesagt das sie dick ist?

nein! türlich nich! was denks du von mir?


Entrüsstet reagierte er. Aber eigendlich hatte seine Mama ja recht, er hatte die Dame beleidigt gehabt, zumindes in Gedanken. Er beobachtete wie Belana aufstand und ihn und seine Mama eine Weile beobachtete und er fragte sich ob Belana selber auch eine Familie hatte, so mit Kindern und prompt fragte er sich wie jemand der so dick war jemals Kinder kriegen konnte. Sofort schalt er sich wieder selber für so einen Gedanken.

Den ganzen Abend dachte er über Belana nach und kam zum Schluss das sie ihm irgendwie leidtat
Mikilas Sotan

Beitrag von Mikilas Sotan »

Heute kam er mal wirklich ins Grübeln. Sicherlich fand er es lustig wie Belana durch einen Wald schlich und dabei die Tiere aufschreckte aber er sah ihren Stolz in den augen und konnte es ihr einfach nicht sagen, dass das kein Schleichen war sondern eher Alarm im Wald. Viola hatte ihr zwar gesagt das sie zuviele Pfunde auf den Rippen hatte, aber er bemerkte dabei Belanas Ruhe.

Dann ging er in die Taverne um sich von Dorian noch etwas warme Milch zu holen, Belana folgte ihm und ein Kerl da sagte doch glatt als sie ihre Bewerbung beim Bäcker ansprach.

Wofür bewerbt ihr Euch, als Heulboje?


Das war selbst für Belana zuviel und sie keifte ihn an. Miki zupfte an ihrem Rock und meinte

komm lass uns gehen, der da bewirb sich eher an ein boot auf einen mast um auf der rar aufgeknüf zu werden

Im Vorbeigehen fauchte er den Kler noch an

feiglin so redet man nich mit einer frau!

Er hatte heute etwas wirklich begriffen. Seine Worte zu Belana als sie sich bedankte waren eindeutig

das war nich nett, das war ehrlich. ich find nur weil jeman aners is is er nich gleich schlecht


Als sie ging schaute er ihr eine Weile lang nach ihre letzten Worte klangen noch in seinem Kopf nach

Deine Ma hat dich gut erzogen.

Der Kerl kam aus der Taverne und fragte ihn amüsiert ob er sie verloren hätte und Miki gab patzig zur Antwort.

nein sie tut das was normale menschen auch tun, sie bewirbt sich um arbeiten zu könn

Na dann hoff mal das sie keinen Hunger bekommt


War die Antwort des Mannes und innerlich kochte Miki. Wütend ging er in die Taverne nochmal rein um noch einen Krug Milch zu holen und murmelte zu sich selber

blödmann.


Dann hob er den Blick reckte sich auf die Zehenspitzen und meinte zu Dorian.

weis du dorian, die sin doch alle verrück. nur weil die vielleich doll aussehen glauben die die sin was besseres. dabei sin die alle dämlicher als die denken. hab noch nie ein frau kennlernt wie belana die is so lieb wie mama.

Er ignorierte Degals Worte, als jener sagte das sei die richtige Einstellung und wenn Miki mal gross sein würde, würde Miki den Kerl sicher fertig machen. Er verliess die Taverne und dachte nach. Für seine vier Sommer hatte er gerade begriffen, dass Schlankheit, richtige Oberweite, feine Gesichtformen niemals ausschlaggebend sind, sondern einzig das Herz.
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