Lichtreflexe

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Aurea
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Lichtreflexe

Beitrag von Aurea »

Lichtreflexe

Das stetige Rauschen des Wasser, dass in etlichen Kaskaden vom Berg hinab floss und das seinige zu der friedlichen Stimmung im Kloster beitrug, hatte bereits am ersten Tag hier ihre Sinne berührt und beruhigt. Doch nicht nur das Wasser schien hier auf seltsame Weise friedlicher, auch der Wind strich sanfter zwischen den hoch aufragenden Mauern entlang. Es war ein Ort der Ruhe und der Besinnung, ein Ort der Sicherheit. Jeder Stein atmete dieses Gefühl, jedes Blatt und jedes Lebewesen.
Ruhig saß sie an diesem Morgen am Bach, der von den Mauern des Klosters herab stürzte, um dann zwischen den Steinen entlang seinen Weg hinab zu suchen. Ihre Stiefel lagen neben ihr im Gras, so dass sie mit den bloßen Füßen das Spiel des kühlen Nass fühlen konnte, das Kitzeln der Gräser auf der Haut. Im Grunde tat sie nichts, hing nur ihren Gedanken nach und versuchte vorsichtig die wirren Bilder in ihrem Geist in eine Reihenfolge zu bekommen, ihnen nachzufühlen und sie zu schärfen, doch es fiel ihr schwer und immerwieder floh sie aus ihren eigenen Erinnerungen und betrachtete die Lichtreflexe auf dem Wasser.

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Die Wächter sahen nur noch gelegentlich zu ihr herüber und beinahe schien es ihr, als würden auch sie sich inzwischen vorsichtiger in ihrer Gegenwart bewegen und laute Geräusche vermeiden. Eine eigenartige Mischung aus Dankbarkeit und Verlegenheit stieg in ihr auf, als sie sich dessen bewusst wurde und flüchtig sah sie über die Schulter zurück zu ihnen, ein scheues Lächeln auf den Lippen.
Als sie den Blick wieder nach vorn richtete, sah sie an der Bruchsteinmauer auf, verfolgte die Spalten zwischen den Steinen, als würden sie ihr einen Weg weisen, dessen Ziel sie noch nicht kannte. Mit zarten Fingerspitzen strich sie sich eine Strähne aus den Augen hinter das Ohr, als würde sie auf diese Weise ihren Blick vom Schleier befreien wollen, um die Dinge endlich scharf und klar zu sehen. Doch alles was sie wirklich wahrnahm, war ihre eigene Hand, welche sie für einen Moment betrachtete, als würde sie gar nicht zu ihr gehören. Das junge Licht des Tages fiel zwischen ihren Fingern hindurch, ließ die Konturen ihrer Hand unscharf erscheinen und auf eigentümliche Weise irreal. Sie erinnerte sich an das Gefühl der rauen Rinde unter ihren Fingern, an das Gefühl der Wärme welche sie mehr in ihrem Inneren, als auf ihrer Haut spürte und an das Gefühl von Stärke und Sicherheit, als ihre Hände umschlossen wurden und sie gleichsam behutsam und fest hielten.
Langsam ließ sie ihre Hand sinken, schloss die Finger als wolle sie dieses Gefühl festhalten und dort bewahren – zumindest für diesen Augenblick.
Zuletzt geändert von Aurea am Freitag 17. Mai 2013, 16:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Das Licht fiel bereits hell durch die Fenster, offenbarte den feinen Staub in der Luft und ließ ihn funkeln. Sonst so verachtet wurde diesem so ein Moment der Schönheit geschenkt, als er gaukelnd im Luftzug tanzen durfte, bevor er sich irgendwann auf den Oberflächen niederlassen würde.
Still saß sie auf der Fensterbank und sah hinaus auf den kleinen Teich, der im Licht der Morgensonne friedlich da lag. Die Beine angewinkelt, die Arme sacht darum gelegt, genoss sie das warme Gefühl der Sonne auf ihrer Haut. Ab und an kitzelten ein paar Strähnen des feinen Haars ihren Nacken und mit einer flüchtigen Geste strich sie mit den Fingerspitzen darüber.

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Diese Momente der Ruhe waren es, die ihr die Möglichkeit gaben die verwirrenden Erlebnisse der letzten Zeit zu sortieren und in sich hinein zu horchen. Alles woran sie sich erinnerte, waren kurze Eindrücke, Bilder, die in ihrem Geist hafteten und sich doch ihrem Griff entzogen. Sie scheute davor zurück tiefer in die Bilder einzudringen, die Dunkelheit schien dann jedes Mal Besitz von ihr zu ergreifen und sie weiter hineinzuziehen, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Die Kälte hielt sie im festen Griff umfangen, das Gefühl als würde ihr Herz von einer gewaltigen Hand zusammengepresst werden und ihr die Luft nehmen.
Ein paar tiefe Atemzüge halfen. Als sie die Augen schloss und sich abermals auf das Gefühl des Lichts auf ihren Wangen konzentrierte, rückten die Bilder wieder weiter zurück und ließen nur einen bitteren Nachgeschmack zurück.
Dieser Ort, die Menschen hier, schufen einen warmen Kokon aus Geborgenheit und Sicherheit, der es ihr erlaubte immer wieder einen kleinen Schritt weiter in die Dunkelheit ihres Geistes zu wagen um nach dem zu suchen, was dort verborgen lag. Womöglich war es noch ein weiter Weg und sie hatte bereits jetzt ein schlechtes Gewissen, aber gleichzeitig fühlte sie tiefe Dankbarkeit. Sie würde es irgendwann zurückgeben. Noch wusste sie nicht wie, doch sie würde alles tun um für sie genauso da zu sein, wie sie es nun für sie waren.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Wie konnte ein flüchtiger Moment voller Angst und Scheu sich so fest in ihrem Innersten verwurzeln? Ein Augenblick, der kaum mehr als ein paar Herzschläge währte und der ihr in diesem Moment so irreal und gleichzeitig erschreckend erschienen war. Ihr Herz hatte gepocht wie ein aufgeregter Vogel in einem viel zu engen Käfig.
Immer wieder stand ihr das Bild vor Augen, schien es ihr als würde sie wieder den Stoff unter den Fingern spüren und den gleichsam schnellen Herzschlag darunter. Der ganz leichte Geruch der ihm anhaftete, hatte sich ihr genauso eingeprägt wie das Geräusch der unruhigen Atemzüge.
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Sie schüttelte den Kopf und barg das Gesicht in ihren Armen. Keinen Ärger machen, keinem Schmerzen zufügen. Irgendetwas tief in ihr wusste, dass Nähe gefährlich war und sie angreifbar machen würde. Sie würde unsichtbar bleiben, still im Hintergrund. Sie war ohnehin niemand, dem man ohne besonderen Grund einen zweiten Blick schenken würde.
In den wenigen Tagen hier hatte sie schon so vieles gehört, gesehen. Ein Geflecht aus Sympathien und Antipathien, Geschichten die ineinander spielten und ein Netz aus unterschiedlichsten Empfindungen woben, die sie kaum zu verstehen vermochte. Sie hatte Angst. Angst sich darin zu verfangen, weil sie nicht erkannte wo die Fäden verliefen. Jeder Schritt konnte falsch sein, jeder Blick und jedes Wort.
Und dennoch, etwas in ihr sehnte sich nach dieser Nähe, den wenigen Berührungen. Starke Hände die ihre umfasst hielten, ein warmes Tuch dass von zarten Händen geführt ihr Gesicht streifte, eine Schulter die neckend an die ihre stieß, das Klopfen eines Herzens unter ihren Fingerspitzen oder die zögerlichen Hände an ihren Schultern, die sie für den Bruchteil eines Augenblicks hielten…
Zuletzt geändert von Aurea am Dienstag 18. März 2014, 23:49, insgesamt 2-mal geändert.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Die Dunkelheit drängte sich gegen die Fenster und ließ den sonst so offen wirkenden Raum wie eine enge Höhle wirken. Die paar flackernden Kerzen konnten die Schatten nicht ganz vertreiben, sondern ließen sie schemenhaft an den Wänden tanzen. Sie verbannten die Dunkelsten von ihnen lediglich in die Ecken, wo sie nun lauerten und auf ihre Gelegenheit zu warten schienen.
Das Gästehaus war leer an diesem Abend, wie meistens. Im ganzen Kloster war es still. Und wäre es nicht dieser Ort gewesen, welcher der Herrin so nahe lag, hätte sie sich vermutlich noch unwohler gefühlt. Sie konnte nicht einschlafen. Lauschte auf die kleinsten Geräusche und schlang die Bettdecke enger um sich.
Insgeheim hoffte sie darauf, dass sie das Geräusch von Fußtritten auf dem Klosterplatz hören würde, das Scharren der schweren Eisentüre, die gedämpften Laute wenn sich jemand zur Nacht fertig machte. Und gleichzeitig schalt sie sich dieser Gedanken. Sie war hier sicher, draußen standen die Wachen. Es würde nichts geschehen. Die Dunkelheit konnte ihr nichts tun. Und dennoch lauschte sie und fand keinen Schlaf.
Schließlich gab sie es auf und ging samt der Decke die steinernen Stufen hinab. Es war wirklich niemand da und nur das Buch lag noch immer auf dem kleinen Tisch und wartete darauf zu Ende gelesen zu werden.
Als sie den Buchdeckel aufschlug und behutsam die Seiten umblätterte um zu der zu gelangen, bei der sie das letzte Mal zu Lesen aufgehört hatte, spürte sie schon dass die Worte ihr einen Ort schaffen würden, zu dem die Schatten ihr nicht folgen konnten. Still begann sie die Geschichte zu lesen, obwohl ihre Lider bereits schwer waren vor Müdigkeit. Ihre Fingerspitzen strichen sacht über das Papier, ehe sie umblättern musste um weiterzulesen.
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Kaum eine halbe Stunde später ist selbst das leise Rascheln, dass beim Umblättern der Seiten entsteht, verstummt. Im Gästehaus ist es still geworden, die Kerzen sind beinahe herunter gebrannt und die Seiten des Buches dienen ihr als Kopfkissen.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Es war so still in der Kirche, dass ihr das Rauschen ihres Blutes in den Ohren zu klingen schien. Reglos kniete sie auf dem steinernen Boden und versuchte gegen die Angst anzukämpfen, die ihr die Kehle zuzuschnüren schien und sich wie ein Ring um ihre Brust gelegt hatte.
Um sie herum war es friedlich, die steinernen Säulen strebten weit hinauf zu den eindrucksvoll filigranen Dachverstrebungen und ließen einen jeden, der die Kirche betrat, noch kleiner wirken oder die Größe der Herrin noch unfassbarer. Die Strahlen der Sonne fielen gefiltert durch die hohen, blauen Glasfenster und das aufwendige Fensterbild auf der Westseite. Bisher hatte ihr dieser Ort immer Ruhe geschenkt, Sicherheit ausgestrahlt auf seine klare, kühle Weise.
Aber nicht jetzt, nicht heute. Nicht nachdem sie gespürt hatte, dass das Kloster weit weniger sicher war, als sie es sich eingeredet hatte. Sie hatte geglaubt, dass sie sie hier nicht erreichen würden. Dass sie hier weit entfernt von der Dunkelheit wäre. So nahe am Herz des Lichtes auf dieser Insel.
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Selbst hier schien es ihr so, als würde der Blick aus den kleinen, schwarzen Augen des Raben noch immer auf ihr liegen. Als würde er noch immer ungehindert in ihren Geist eindringen können und dort seine düsteren Worte pflanzen. Sie kannte das Gefühl. Sie hatte es schon einmal gefühlt. Die Worte tauchten aus der Dunkelheit ihres Geistes auf und schienen sie zu verhöhnen.
„Ich… kann deine Angst riechen“
Ja, sie hatte Angst. Aber Angst ist nicht immer etwas Schlechtes. Angst macht vorsichtig, sie schützt vor Übermut, stärkt die Wachsamkeit. Die Angst war ihr vertraut. Vielleicht hatte sie schon zu viel davon verloren an diesem Ort. Zuviel Vertrauen gehabt in die Sicherheit, die das Kloster und die Menschen hier boten. Konnten sie wirklich schützen, wie sie es ihr stets versicherten? War ihre Angst unnötig?
„Diese Welt… war grausam zu dir…?“
War sie das nicht für jeden in gewisser Weise? Sie verkrampfte etwas, kauerte sich auf den kalten Fliesen zusammen und rang nach Luft. Nein, es war nicht die Welt, die grausam war. Es waren die Menschen und ihre Taten. Sie fügten sich gegenseitig Schmerz zu. Alatars Saat war in ihnen aufgegangen und brachte sie erst zu diesen Grausamkeiten.
„Missgunst, Neid, Zwietracht, Gier, Hass, Eitelkeit, Grausamkeit“
Die Stimme des Priesters klang wie ein dünnes Echo durch ihren Geist. Sie hatten erst gestern darüber gesprochen. Paias Saat. Die Geburt der Dunkelheit in den Menschen. Sie hatten darüber gesprochen und in der friedlichen Umgebung des Gartens war die Angst nicht so übermächtig gewesen. Sie hatte darüber nachdenken können. Die Tugenden der Herrin waren die Waffe gegen die Saat Paias in den Herzen der Menschen. Sie standen ihr gegenüber.
„Das Licht… blendet jene, die es sich erlauben ihren Blick vor der Welt… zu verschließen… und sich hinter hohen Mauern vor dem verstecken… was sie nicht ertragen.“
Die düstere Stimme in ihrem Kopf schien an ihren Gedanken zu kratzen und schmerzende Male dort zurückzulassen, wo sich gerade erst eine dünne Schicht aus Vertrauen gebildet hatte.
Ja, sie versteckte sich hinter den Mauern des Klosters. Das war nicht zu leugnen. Aber sie verschloss die Augen nicht. Sie wusste genau was dort draußen lauerte und heute hatte es gezeigt, dass auch die Mauern des Klosters es nicht unbedingt aufhalten würden. Sicherheit war trügerisch. Sie hatte schon zu sehr darauf vertraut, hatte sich dankbar in den Glauben eingehüllt, dass ihr hier nichts geschehen würde, dass sie sie hier nicht finden würden. Was blieb noch?
Das Licht.
Sie erhob sich auf wackligen Beinen und trat durch die schmale Türe zur Krypta und hindurch bis zum Kreuzgang. Der Baum breitete schützend seine Äste aus, spendete durch seine Blätter einen angenehm weichen Schatten, der mit hellen Lichtsprenkeln durchsetzt war. Langsam trat sie auf den Baum zu, legte ihre schmale, feingliedrige Hand an die Rinde und sank langsam auf die Knie herab.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Ihr Atem bildete zarte Wolken, als sie aus dem Haus trat und dabei noch die letzten Schnalle an ihrer einfachen Lederrüstung fest zog. Laufen gehen, das würde nun vermutlich zu ihrer täglichen Routine werden oder werden müssen. Schaudernd blickte sie zum Himmel hinauf, der einen feinen Schleier aus frischem Schnee auf die Welt herabfallen ließ. Die Aufnahme im Regiment brachte einige Veränderungen und Herausforderungen mit sich, eindeutig. Vor drei Tagen hatte sie ihren Tagesablauf angepasst und es fiel ihr immer noch schwer sich strikt daran zu halten. Ihr war sehr wohl bewusst, dass sie den andren Rekruten gegenüber im Nachteil war. Diese hatten vermutlich schon seit vielen Monden ihren Körper ertüchtigt oder waren zumindest in besserer körperlicher Grundverfassung.

Als sie das kleine Gartentörchen hinter sich geschlossen hatte, begann sie zu laufen. Es war noch früher Morgen, die meisten waren noch nicht wach oder gerade erst dabei aufzustehen. Das erste Licht des Tages suchte sich gerade erst einen Weg über den Horizont und ließ den frischen Schnee glitzern, als sie durch die verschlafene kleine Siedlung am Fuße des Klosters lief. Sie war schon seit fast zwei Stunden auf den Beinen. Die Arbeit im Kloster durfte unter ihrem Dienst im Regiment nicht leiden und so hatte sie noch vor Sonnenaufgang die täglichen Arbeiten im Kloster erledigt. Es war so ruhig in diesen Stunden. Die Arbeit im Garten hielt sich im Winter zum Glück in Grenzen, doch die Tiere mussten versorgt, das Frühstück vorbereitet und die Räume angeheizt werden. Ganz abgesehen vom Morgengebet natürlich.

Die kalte Luft brannte in ihrer Lunge und ließ sie frösteln, doch sie wusste dass sie nur alsbald anfangen würde zu schwitzen. Ihr Atem ging stoßweise als sie die Ebene überquerte und schließlich den Weg nach Norden einschlug. Ihr Körper war diese Art von Strapaze noch nicht gewohnt, doch das würde sich hoffentlich alsbald ändern. Zumindest wenn er ihr keinen Strich durch die Rechnung machte. Sie hatte noch immer die mahnenden Worte der Heilerin im Ohr. Nein, nicht daran denken. Sie würde das schaffen. Sie wollte keine Sonderbehandlung, nicht jetzt. Zwar stand schon fest dass sie nach der Grundausbildung als Rekrutin einen Sonderrang innerhalb des Regiments einnehmen würde, vor allem als Seelsorgerin und Ansprechpartnerin in Glaubensfragen, doch der Oberst war der Meinung dass es für die Moral der Truppe wichtig wäre wenn sie dieselbe Behandlung durchmachte wie alle andern auch– und sie sah es genauso.
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Ein Stechen fuhr ihr in die Seite und ließ sie stoßartiger Atmen. Jedesmal dasselbe. Wie hielten das die andren aus? Oder gab es eine Möglichkeit das zu verhindern? Sie hatte noch nie etwas davon in einem ihrer Bücher gelesen. Ließ das mit wachsender Übung nach? Sie drückte die Hand auf ihre Seite und lief weiter. Berchgard lag inzwischen hinter ihr und sie schlug den Weg nach Süden ein in Richtung der Bibliothek. Der harsche Schnee knarzte bei jedem Schritt unter ihren Stiefeln und das ein oder andre Mal musste sie sich fangen, als eine rutschigere Schicht unter dem Schnee sie beinahe zu Fall brachte. Ihre Beine fühlten sich taub an und gleichzeitig zittrig. Adoran kam in Sicht. Nicht mehr weit. Jetzt nicht nachgeben. Keine Pause. Es war noch so viel zu tun heute. Die Liste lief wie ein Mantra immerwieder durch ihre Gedanken, mit jedem Schritt ein Punkt auf ihrer Tagesordnung: Aufstehen, Feuer machen, Tiere versorgen, Morgengebet, Körperliche Ertüchtigung, Waschen, Frühstück, Briefe beantworten, Studien, Mittagsgebet, Mittagessen, Bibliotheksarbeit, Lagerhaltung, Körperliche Ertüchtigung, Waschen, Dienst im Kloster oder Regiment, Tiere versorgen, Abendessen, Studien, Abendgebet, Schlafen.
Die Beine gaben unter ihr nach, kurz nachdem sie Adoran hinter sich gelassen hatte und in das Wäldchen am Rittersee einbog. Gerade noch so fing sie sich ab und stützte sich auf Knie und Hände, ungeachtet des Schnees und eventueller Blicke. Ihr Atem ging keuchend und Sterne tanzten vor ihren Augen. Nein. Nicht aufgeben. Mühsam rappelte sie sich auf und ging langsamer das letzte Stück des Weges. Sie merkte kaum dass sie Tränen der Erschöpfung auf den Wangen hatte, in Gedanken war sie längst beim nächsten Punkt auf ihrer Liste.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Behutsam nahm sie eins der Bücher vom Regalbrett und strich mit einer beiläufigen Handbewegung den Staub von der oberen Kante. Der Titel war ihr natürlich wohl vertraut, es gehörte zu den ersten Büchern, welche Lucien ihr damals noch ins Gästehaus des Klosters gebracht hatte. Viele Male hatte sie es zur Hand genommen, doch seit einer Weile hatte es nur noch auf dem Regalbrett gestanden, beinahe vergessen zwischen all den anderen Büchern.
Weit über ein halbes Jahr war es nun her, dass sie das Haus eingerichtet hatten, Garrett und sie. Sie hatten aus den kargen Räumen ein gemütliches Heim gemacht und die ersten Wochen glücklich hier verbracht. Es war ein Zufluchtsort gewesen, ein Ort in den niemand andres einfach eindringen konnte. Damals hatte sie noch geglaubt, dass mehr daraus werden würde, aber…
Mit einem Seufzen legte sie das Buch zu den andern in die wartende Kiste. Allerlei hatte sich dort inzwischen angefunden. Bücher, Kerzen, Vorhänge und anderer Schnickschnack. Wenig davon lag ihr wirklich am Herzen. Die Stücke, die ihr etwas bedeuteten, hatten schon lange den Weg in ihre Kammer im Kloster gefunden, ihre Schätze die sie hütete wie der Drache seinen Hort. Es waren Geschenke von Freunden, Erinnerungen an besondere Zeiten.
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Dieses Haus hier war tot und leer. Sie hatte sich noch darum gekümmert, solange die Hoffnung in ihr noch nicht ganz gestorben war. Garrett war nunmal ein Herumtreiber, eine ruhelose Seele. Doch sieben Monde sind eine lange Zeit, zu lange um ein Haus zu hüten, dessen Fenster von Tag zu Tag lebloser wirkten, daher hatte sie eine Entscheidung getroffen.
Den ganzen Tag schon hatte sie im Haus geräumt, Sachen in Kisten verpackt, Staub fortgewischt und ganze Räume geleert. Immer mehr Truhen fanden sich in der kleinen Kammer wieder, säuberlich gefüllt mit allem was das Haus beherbergte. Die Arbeit war anstrengend, doch es war ein Schritt um Klarheit zu schaffen – sowohl äußerlich als auch innerlich. Vielleicht würde sie irgendwann wieder ein Heim haben, einen Ort außerhalb der Klostermauern - doch nicht so. Dieses Heim würde leben, Freude und Familie beherbergen… zumindest in ihrer Vorstellung. Doch vorerst würde es die kleine Kammer im Kloster tun, sie war ihr lieb und teuer geworden, auch wenn es dort oft einsam war… und still.
Unwirsch strich sie sich mit dem Handrücken über die Augen. Nicht weinen. Das hier ist kein Ende, das Ende war vor langer Zeit da und sie hatte es nur nicht bemerkt.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Unruhig wandt sie sich in ihrem Bett von der einen zur anderen Seite. Sie fror trotz der warmen Decke und der Kohlepfanne in ihrer kleinen Kammer. Es war schon spät, eigentlich schon beinahe wieder früh. Bald würde sie aufstehen müssen um sich um die Tiere und all die anderen Aufgaben zu kümmern und sie hatte noch keine Minute Schlaf gefunden. Seit Tagen waren es kaum mehr als drei Stunden jede Nacht und sie spürte ihr Kräfte schwinden.
Ihre Augen brannten vor Müdigkeit, doch ein Gefühl von nagender Furcht und Vorahnung erfüllte seit dem vorigen Abend ihr Innerstes und ließ sie stets an der Grenze zum Schlaf wieder aufschrecken. Ein Flüstern, dass nur sie zu hören schien und von dem sie sich sicher war es sich nur einzubilden, jagte ihr ein Schaudern über den Rücken
  • Kalt weht der Wind vor dem Nebelheer
    Flüsternd von Tod und von Widerkehr
    Die Seel‘ die er nimmt, gibt er nie wieder her
[img]http://s14.directupload.net/images/140208/7uvxodxs.jpg[/img]
Das Bild der Wesenheiten, welche sich aus dem dunklen Nebel schälten und sich mit unnatürlichen Bewegungen näherten, welche sie einkreisten und zu ersticken drohten, faulendes Fleisch, Schwefelgeruch…
NEIN!
Sie schreckte auf und blieb zitternd auf ihrem Bett sitzen. Sie fühlte sich schwach und gleichzeitig unruhig, sehnte sich nach dem Schlaf und schreckte doch davor zurück. Vorsichtig schlüpfte sie unter der Decke hervor, griff sich den warmen Umhang und zog ihn über das leichte Nachthemd um dann beinahe wie ein Geist durch das nachtschlafende Kloster zu schleichen. Sie wollte niemanden wecken.
Eine Tür knarzt, ein leises Klirren von Glas an Glas, dann einige hastige Schlucke aus einer kleinen Phiole und ein tiefer Atemzug – Erleichterung. Ruhe und gnädiger, traumloser Schlaf würden der Lohn sein. Zumindest einige Stunden lang. Die Flasche mit dem Schlafmittel fand ihren Weg an diesem Abend nicht wieder zurück zu den anderen Phiolen, sondern blieb auf dem Nachttisch stehen, beschienen von der unruhig flackernden Kerze. Übrig bleibt nur ein Wispern in der kalten Luft…
  • Kalt weht der Wind vor dem Nebelheer
    Flüsternd von Tod und von Widerkehr
    Die Seel‘ die er nimmt, gibt er nie wieder her
Zuletzt geändert von Aurea am Samstag 8. Februar 2014, 02:20, insgesamt 2-mal geändert.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Mitten in der Nacht war es erstaunlich still in der Kommandantur. Wo normalerweise sonst die schweren Schritte der Soldaten zu hören waren, huschte jetzt vielleicht ab und zu mal eine Maus an der Wand entlang um in der nächsten Mauerspalte zu verschwinden. Lediglich zum Wachtwechsel kam ein wenig Leben auf - doch auch dies waren immer nur wenige Minuten und um diese Uhrzeit hatte kaum jemand lange Gespräche im Sinn. Nachtschicht im regimentseigenen Hospiz – was bei allen Göttern hatte sie angestellt um das verdient zu haben? Langweiligeres gab es vermutlich nicht – und Unnötigeres auch nicht.

Ein hoher Stapel an Pergamenten, Mappen und Akten türmte sich vor ihr auf dem Tisch auf, Tintenfässchen und Feder lagen bereit – sie würde die Zeit zu nutzen wissen. Immerhin würde hier kaum jemand nach ihr suchen und sie um irgendetwas bitten… und Er würde sie auch nicht finden.
Sie schloss für einen Moment die brennenden Augen und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel. Zuviel, einfach Zuviel. Ihre Hände zitterten so sehr dass sie die Feder zu Anfang kaum halten konnte. Durchatmen. Sie schob den Stuhl zurück und ging einige Runden im Kreis durch den Raum um sich aufzuwärmen.
Nach einem Glas Wasser ging es schließlich ein wenig besser, sie zog den Umhang enger um sich – wie sie es so oft tat – und setzte sich wieder an die Berichte. Sie hatte in den letzten Wochen so wenig Zeit gehabt, dass die Zusammenfassungen für ihre Mappe im Kloster ausgeblieben waren. Außerdem mussten noch Briefe geschrieben werden, Einladungen zum Lichtfest und Bestellungen bei einigen Handwerkern. Wieso hatte sie eigentlich noch keine Nachricht vom Orden der Temora erhalten – es hieß doch gegen Ende der Woche. Sie rieb sich die Schläfe. Wie sollte sie je lernen Aufgaben an andre zu delegieren, wenn auf diese kein Verlass war. Im Endeffekt ging es doch einfacher und schneller wenn sie es selbst tat.
Sie biss sich auf die Lippe. Hochmut. Sie durfte sich nicht über die andren stellen, es gab gewiss ausschlaggebende Gründe. Genauso wie bei Leon oder bei den andern Bewohnern des Klosters. Es war keine böse Absicht sie mit all den Aufgaben allein zu lassen.
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Die hohe Standuhr schlug zur zweiten Stunde. Erst zur Dritten würden sich die Wachen wieder die Klinke in die Hand geben. Noch eine Stunde Stille. Sie hörte ihr eigenes Herz klopfen, so leise war es. Unwillkürlich sah sie sich um, ein Kribbeln im Nacken als würde sie beobachtet werden.
‚Er ist nicht hier. Er ist irgendwo, aber sicher nicht hier‘
Warum hatte sie so eine Scheu davor ihm wieder zu begegnen? Sie hatte Monde darauf gewartet, gehofft, gebangt um sein Leben und schließlich die Hoffnung schon beinahe verloren. Sie hatte das Haus geräumt, seine Sachen sorgsam verstaut und diesen Teil ihres Lebens tief in sich vergraben. Manche würden vielleicht nicht verstehen wie so wenige Wochen so einen tiefen Eindruck bei ihr hinterlassen haben konnten, aber er war ihr Fels in der Brandung gewesen. Er hatte ihr Sicherheit gegeben und das Gefühl von Wärme. Ihre Erinnerungen reichten damals nur wenige Wochen zurück, alles davor lag im tiefen Dunkel oder bestand lediglich aus flüchtigen, erschreckenden Bildern.
‚Acht Monde‘
Die Worte gingen ihr so oft durch den Sinn. Acht Monde ohne eine Nachricht, eine Erklärung, ein Lebenszeichen. Und dann stand er auf einmal vor ihr. Gezeichnet von einer langen Reise und schwerer Arbeit, von Erlebnissen die sich tief in sein Gesicht gegraben hatten. Sie wusste nicht mehr was sie in diesem Moment gedacht hatte, ob sie überhaupt gedacht hatte. Wieso hatte sie ihm nicht einfach erleichtert in die Arme fallen können? Wieso war es nicht so leicht wie damals, so leicht wie zu atmen. Sie war ihm so nahe gewesen, wie keinem andren Menschen. Sie hatte seine starken Arme gespürt, seine Lippen auf den ihren…
Sie schüttelte langsam den Kopf. Sie war nicht mehr dieselbe wie damals. Sie hatte sich verändert. Acht Monde eines Lebens, bei dem sie sich nur an Zehn davon erinnern konnte. Sie fühlte sich fremd zu ihm und gleichzeitig fühlte sie das schlechte Gewissen tief in sich brennen. Er hatte so vieles durchgemacht um wieder bei ihr zu sein. Er war zu ihr zurückgekehrt. Er stand vor ihr und fragte mit Hoffnung und Angst in den Augen nach einem andren Geliebten – sie hatte keinen. Es gab niemanden, wegen dem sie ihn zurückweisen müsste. Aber vielleicht war sie es selbst? Er wollte sie nicht unter Druck setzen, doch sie tat es selbst.
‚Aber du sehnst dich danach, nach jemandem der dir nahe ist, an dessen Schulter du dich anlehnen kannst…‘
Sie schluckte schwer und schüttelte den Kopf. Sie konnte nicht so einfach dort weitermachen, wo sie damals aufgehört hatten. Kannte sie ihn überhaupt noch? Würde er sie noch wollen wenn er wüsste was sie inzwischen alles tat? Er war ein Raubein, ein Freidenker, jemand der handelte anstatt viel zu reden… der sie in den Arm nahm wenn sie es brauchte ohne fragen. Ihr Kopf schwirrte. Ja, sie sehnte sich danach, aber sehnte sie sich nach ihm... ?

Sie schrak zusammen als die Uhr abermals schlug und sich kurz darauf die Türen schon öffneten, Schritte durch das Gemäuer hallten, kurze Grüße getauscht wurden und sogar ein etwas müdes Lachen zu hören war. Die dritte Stunde war angebrochen. Wo war die Zeit geblieben? Sie konnte sich nicht erinnern viel getan zu haben, der Bericht war nicht einmal halb fertig und sie war so müde.
Mit einem tiefen Atemzug griff sie abermals nach der Feder und schrieb weiter, doch es dauerte nicht lange, da sank ihr der Kopf auf die Arme ohne dass sie es noch merkte. Die Feder noch in der schmalen Hand und nun mit einem Tintenfleck am Handgelenk.

So dürfte sicher der ein oder andre Kamerad die junge Rekrutin und Diakonin am Tisch sitzen sehen, zwischen all den Pergamenten und Akten. Blass und erschöpft, dunkle Schatten um die geschlossenen Augen und mit hohlen Wangen – doch so tief schlafend.
Zuletzt geändert von Aurea am Sonntag 23. Februar 2014, 02:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Aurea
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Beitrag von Aurea »

Leise schloss sie die Türe hinter sich und ließ den Blick durch den kahlen Raum des Glaubenshauses schweifen. Bisher stand nur das Allernötigste und jeder Schritt, ja, jeder Atemzug schien in der kalten Leere widerzuhallen. In der ein oder andren Ecke stand noch Baumaterial, ein liegengelassener Hammer zwischen einigen getrockneten Mörtelresten.
Ganz langsam ging sie quer durch den Raum auf eines der Fenster zu. Das klare Glas war erst vor wenigen Stunden eingesetzt worden und ließ das Licht der Laternen draußen hineinfallen. Ohne dass sie darüber nachdachte, zog sie den Handschuh von der linken Hand und legte diese an die kalte Scheibe. Das wenige an Wärme, was ihrem Körper zu eigen war schien beinahe in das Fenster hinein gesogen zu werden, sie spürte wie eine Gänsehaus ihren Arm hinauf kroch und sah die Scheibe ganz sacht um ihre Finger herum beschlagen.

Die letzten Tage hatte sie nicht mehr gewusst wo ihr der Kopf stand. Wochen der Planung schienen in den letzten Stunden hinfällig zu werden und es schien beinahe als müssten Notfallpläne her. Sie hatte tausend Dinge im Kopf und konnte sich in manch einem Moment kaum aufrecht halten. Sie wusste dass sie am Rande ihrer Kräfte stand, so lange schon. Aber auf diesen Tag hatte sie hingearbeitet. Sie hatte ihren ganzen Ehrgeiz in das Fest gesteckt um es zu einem würdigen Abschluss für ihre Eminenz zu machen und ebenso zu einem Fest, welches die Herrin näher zu den Menschen brachte. Sie hatte es in vielen Augen gestern gesehen, das Licht war in ihnen angekommen und spiegelte sich dort wieder. Es warf einen hellen Schein und füllte sie mit einer so tiefen Dankbarkeit, dass sie zwischenzeitlich das Gefühl hatte kaum recht atmen zu können.
Es hatte so viele Momente gegeben, in denen sie sich alleine gefühlt hatte. Die Geweihten des Klosters waren so sehr ausgedünnt, dass bis auf ihre Eminenz und Bruder Thanel niemand mehr dort zu finden war. Ihre Eminenz war mit den Vorbereitungen zur Abreise beschäftigt und überließ das Fest vertrauensvoll der jungen Diakonin, und Leon schien nicht die Kraft oder den Mut zu haben sich wirklich zu beteiligen. Sie wollte ihn einbinden, aber sie wollte ihn auch nicht überfordern.

Sie schüttelte für einen Moment ganz leicht den Kopf und zog die Hand vom Fenster zurück, der Abdruck der schmalen Finger blieb noch für einige Augenblicke erhalten, bis er langsam verschwand und die Scheibe klar und unbefleckt zurückließ. Behutsam zog sie den Handschuh wieder über und machte einige Schritte durch den Raum. Sie hatte in Gedanken bereits die Einrichtung vor sich – kleiner als vorher, gewiss, aber es würde ein schönes Haus werden. Sie würde hier Unterricht geben können, Bedürftige würden eine Unterkunft, Kleider und Speisung erhalten und manch einer würde es vielleicht sogar für einige Zeit als Heimat sehen. Sie war froh dass zumindest ein Teil des Hauses für die Kirche erhalten blieb – vor allem aber für die Gläubigen.

Das größte Wunder des Festes waren ebenfalls die Menschen gewesen. Nach all der Zeit, in der sie sich verlassen gefühlt hatte, in der sie manchmal kurz davor stand aufzugeben, schienen auf einmal überall hilfreiche Hände aufzutauchen. Gerade als sie das Gefühl hatte, dass es nicht mehr ging und dass das Fest ein Reinfall werden würde, fingen einige Menschen sie auf. Manchmal waren es nur kleine Gesten, glückliche Fügungen die im Hintergrund abliefen, ein Lächeln oder eine Berührung zum richtigen Zeitpunkt. Manchmal aber auch beinahe strenge Worte die sie zur Ruhe gemahnten, sie aufrüttelten und neuen Mut gaben.
Und das Fest selbst? Sie konnte es kaum beschreiben, sie hatte es wie in einem Taumel erlebt. Die vielen Menschen, viel mehr als sie erwartet hatte – auch wenn das ein oder andre Gesicht fehlte oder unerkannt an ihr vorbeiging. Die sonst so leere Kirche mit Licht und Leben erfüllt, das rege Treiben am Markt, der besinnliche Abschluss mit Musik und den Laternen. Das ganze Fest war wie ein ganzes Gemälde in ihrem Gedächtnis festgebrannt und war vor allem eines. Licht und Dankbarkeit mit ein paar melancholischen Flecken.
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Mit einem tiefen Durchatmen stieg sie die Stufen hinauf. Im oberen Bereich des neuen Glaubenshauses war bereits sauber gemacht worden. Der Boden war gewischt, Handwerkszeug weggeräumt und die Räume schienen nur darauf zu warten mit Leben gefüllt zu werden. Eine Aufgabe welche sie nun würde übernehmen müssen. Irgendwie. Kaum war die eine Aufgabe beendet, stand die nächste vor der Türe – wenn es denn nur eine war. Noch so viele Dinge waren zu tun. Die Geschichte um die Träumer, die Experimente mit den Proben des Angriffs, der Dienst im Regiment, der Unterricht für Leon und der, den sie sich selbst suchen wollte. Und dann kamen auch immer wieder unerwartete Dinge dazwischen. Ein Gespräch hier, eine Aufgabe dort. Und nun war sie diejenige, die das Kloster repräsentierte. Zumindest solange bis jemand Neues den Platz ihrer Eminenz einnehmen würde.

Der Abschied am Baum des Lichtes lag ihr immer noch schwer auf der Seele. Das Schiff ihrer Eminenz war bereits am Tag nach dem Fest ausgelaufen und der jungen Diakonin brannten die Tränen noch in den Augen wenn sie daran dachte wie die erfahrenere Dienerin der Herrin mit feuchten Wangen vor ihr gestanden hatte und sie gar in den Arm schloss. Es fiel ihr so schwer sie gehen zu lassen. Sie war ihr in den Monden Beistand und Schutz gewesen, Vorbild und Antrieb. Wenn sie nicht mehr weiter wusste, hatte ihre Eminenz stets die richtigen Worte gefunden um ihr die Kraft zu geben noch einen Schritt weiter zu gehen.
  • ‚Namenloses Kind, Marri, Aurea, Diakonin‘
Die paar Worte, mit denen ihre Eminenz den Abschied eingeleitet hatte, hatten ihr klar gemacht wie sehr die letzten Monde sie verändert hatten. Im Frühjahr des letzten Jahres war sie angekommen, verloren in der Welt und in sich selbst. Und nun?
  • ‚Ich bin sicher, dass ich eines Tages wieder hierher komme – und sei es nur zu Besuch um der neuen Eminenz die Hand zu schütteln‘
    ‚Das macht es mir ein wenig leichter, auch… wenn es mir nicht leicht fällt zu wissen dass ihr bald nicht mehr hier seid. Ich hoffe… die neue Eminenz wird euch auch nur ansatzweise ersetzen können‘
    ‚Ich meinte dich damit, Aurea‘
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Blaues Licht flutet durch die bodentiefen Fenster der kleinen Kapelle, lässt den Raum kühl und doch lebendig und unendlich wirken – wie das Meer, wie den Himmel. Die schlichte Statuette der Herrin aus geschliffenem, blauem Stein schimmert etwas unter dem Lichteinfall und reflektiert diesen in den vielen kleinen Facetten. Ein Muster aus blauen Lichtfunken ergießt sich über den Boden und die Wände, die den engen kleinen Raum doch irgendwie weiter erscheinen lassen.
Nicht so ganz passt dazu die schwer atmende Rekrutin in der rotgoldenen Lederrüstung. Kniend verharrt sie vor dem Altar, lauscht auf die auf ihren eigenen Atem und die Geräusche im Gebäude. Einmal waren bereits schwere Schritte die Stufen hinab gekommen, zweimal würden sie noch folgen müssen, ehe das Dach wieder frei war.

Übungsstunde Leibesertüchtigung bei Korporal Eichengrund. Ihr hatte bereits davor gegraut, als sie es nur gelesen hatte. Allzu oft hatte ihr Merrik bereits von der harten Seite des Korporals erzählt und von seinen gefürchteten Trainingsstunden. Sie hatte gewusst dass sie diese nicht durchstehen würde. Sie hatte sich darauf gefasst gemacht hart kämpfen zu müssen um mit den anderen zumindest im Ansatz mithalten zu können.
Auf dem Dach angekommen waren ihr die Geräte wie Folterinstrumente erschienen, die Einweisung zog sich ewig – dieser Abend würde nicht so schnell zu einem erlösenden Ende kommen, das war klar. Die erste Runde unter strikter Anweisung verlief noch recht geruhsam – genug Zeit um sich alles genau anzuschauen, die eigenen Schwachpunkte zu erkennen und sich Strategien zurechtzulegen. Und dann… ? Der Korporal verschwand unter offenkundigem Unwohlsein und Korporal Senheit übernahm. Zwei weitere Runden mit Unterstützung und ungerechtfertigtem Lob folgten. Ihr Atem ging schwer, der Schweiß stand ihr auf der Stirn, aber sie stand noch. Dann Ende. Es war vorbei, einfach so. Sie hatte es irgendwie geschafft, aber nicht so wie es richtig gewesen wäre. Nicht so dass der Korporal stolz wäre, wie es Korporal Senheit gesagt hatte. Ganz gewiss nicht. Unter den Augen von Herzögin, Kronritter und Oberst hatte sie gekämpft und war gescheitert. Der Abend durfte nicht so vorbei gehen, nicht mit einem falschen Sieg.

Sie wartete mit klopfendem Herzen auf die Schritte. Der Kronritter und Korporal Senheit waren noch da oben, sie konnte kaum wieder hoch gehen solange die beiden noch da waren. Dies war ihr eigener Kampf und sie würden nicht verstehen wieso sie ihn auszufechten hatte. Gegen sich selbst und ihre Schwäche, für den Korporal und die eigne Überzeugung.
Mit matten Gliedern drückte sie sich hoch und ging am Apellplatz vorbei zu dem kleinen Bad. An dem Becken kniete sie nieder um sich frisches, kühles Wasser über das Gesicht laufen zu lassen und es sich über den Nacken zu reiben. Sie strich sich noch einmal das kurze Haar aus der Stirn und drückte sich wieder hoch. Im Vorbeigehen sah sie in den Spiegel und stockte. Ihr Atem ging noch immer etwas zu schnell, die Wangen aber hatten ihre Röte von der Anstrengung schon wieder verloren. Sie sah sich einige Momente selbst in die hellen, blauen Augen, bevor sie den Blick senkte und rasch weiterging
  • [img]http://s1.directupload.net/images/140318/2rhxw2pg.jpg[/img]
Als sie leise die Türe zum Dach öffnete, fand sie jenes verlassen vor. Die beiden waren gegangen und sie konnte endlich das tun, was ihr Gewissen ihr auftrug. Anfangsposition vor den dunkleren Bodenplatten. Fest drückte sie die Beine aneinander, als wären sie mit einem Band aneinander gefesselt und sprang, die Knie möglichst weit zur Brust hochziehend bei jedem Sprung, von einer Platte auf die andre. Im Laufschritt ging es weiter zu der Pyramide, lange Schritte brachten sie die steile Rampe hinauf, auf der Kante ausbalancierend, mit kleinen Tippelschritten wieder hinab. Ohne eine Pause sprang sie direkt an die Erste der drei Reckstangen. Ihre Hände schmerzten noch von den vorigen Versuchen, aber das durfte nicht zählen. Sie holte mit dem ganzen Körper Schwung und hangelte sich weiter an die zweite Stange, griff nach als sie den Halt zu verlieren drohte und versuchte sich direkt an der Dritten - sie schien so weit weg. Sie streckte den Arm aus, versuchte die Latte zu greifen und… verfehlte. Unsanft kam sie auf den strohbelegten Platten auf. Schnaufte kurz als der Schmerz in ihre Knie fuhr und drückte sich nur mühsam wieder hoch. Die drei Strohpuppen bekamen die vorgeführten Schläge und Tritte verpasst – kaum stark genug um einen Mann aus dem Gleichgewicht zu bringen, aber mit gutem Willen. Sie schloss kurz die Augen und ging in die Liegestütz hinab um zumindest drei davon möglichst bewusst zu machen. Ihre Arme zitterten und ihr Atem ging bereits schwer. Die erste Runde war geschafft. Die Nächste kam. Noch eine und noch eine. Runde um Runde jagte sie über den Parcour.
  • Temora, Herrin, aufrechte Streiterin
    In Deinem Licht, vor deinem Angesicht
    Bekenne ich meine Schuld.
Sie sprang über die dunklen Felder auf dem Dach, der Puls raste in ihren Ohren und das Denken fiel ihr zunehmend schwerer. Sie wollte es schaffen. Sie würde nicht versagen. Sie würde diese Aufgabe erledigen, wie sie zu erledigen war.
  • Ich habe gefehlt, wider Deiner Werte
    Mein Geist und Leib waren schwach und müßig
Die Steigung der Pyramide nahm sie mit drei schnellen Schritten, rutschte einmal beinahe ab und musste sich an der oberen Kante kurz abstützten, bevor sie sich wieder aufrichtete. Vor ihr breiteren sich die Dächer der Stadt aus, erhoben sich die schlanken Türme der Kirche im Südwesten. Die Arme zu den Seiten abgespreizt rannte sie die steile Rampe wieder hinab. Ihr Herz raste, der Schweiß stand ihr auf der Stirn.
  • Ich habe den leichten Weg gewählt
    Den Schatten der Sünde in mein Herz gelassen
Die Worte des Bekenntnisgebets hallten durch ihren Kopf. Wieso wusste sie im ersten Moment kaum. Sie kämpfte, sie gab nicht auf, sie nahm nicht den leichten Weg. Sie würde weitermachen. Die Aufgaben im Kloster, die Aufgaben im Regiment, die wertvollen und seltenen Momente für sie selbst.
Sie hangelte sich die Reckstangen entlang, nahm mehr Schwung für die Letzte und verfehlte sie schon wieder. Ein Fluch lag ihr auf den Lippen als sie in der Hocke auf dem Boden aufkam. Nein. In der nächsten Runde würde sie es schaffen.
  • Herrin des Lichts, blicke auf mich
    Dein Licht soll den Schatten aus mir bannen.
Sie spurtete weiter, die Puppen eine nach der andern traktierend bevor sie sich auch schon wieder zu den Liegestützen hinabfallen ließ. Eins. Zwo. Drei. Keine Pause. Wieso Bekenntnisgebet? Was hatte sie zu bekennen, wo hatte sie gesündigt?
  • Zeige mir den Weg, mein Fehlen zu sühnen.
    Gib mir die Kraft Deinen Willen zu tun.
Wie eine Springmaus nahm sie die Bodenplatten eine nach der andern, riss die Knie dabei bis fast zur Brust hoch bei jedem Sprung und kam dabei zweimal ins Straucheln. Ihre Muskeln schmerzten, ihr Herz raste. Ihr Herz.
  • Herrin…
Mit einigen schnellen, aber immer unkoordinierteren Schritten kam sie die Rampe hinauf, verharrte einen Moment und sah mit geweiteten Augen voraus. Ihr ganzer Körper bebte unter der Anstrengung und der Erkenntnis. Da war noch etwas andres. Es war gewachsen, tief in ihr und nun stand es ihr klar vor Augen. Ihre Verfehlung. Ihr eigener Fehler, den sie bereits gespürt hatte aber noch nicht hatte benennen können.

Sie fiel.
Kollerte die Rampe herab und blieb an deren Fuß liegen.
Die kalten Fliesen unter der erhitzten Wange.
Die Augen geschlossen.
Zuletzt geändert von Aurea am Dienstag 18. März 2014, 23:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Aurea »

Selten hatte sie die Stille so deutlich wahrgenommen wie an diesem Abend. Einige Wachen des Klosters standen natürlich wie immer auf ihren Posten, die meisten aber hatten sich schon lange zurückgezogen und nur sie selbst saß noch auf der schmalen Bank auf dem Klosterplatz. Sie hörte das leise Rauschen des Windes in den Blättern und das ewige Plätschern von Wasser, welches hier im Kloster nie ganz verstummte. Die Quelle im Berg wurde über die filigranen Aquädukte in etlichen Kaskaden hinab geleitet bis in die Siedlung am Fuße des Klosters und sorgte so für einen Teil dieser ewigen Klostermelodie. Und dennoch, an diesem Abend fühlte sich noch stärker als sonst, wie allein sie hier war.
[img]http://s7.directupload.net/images/140410/mqhwyh9s.jpg[/img]
Schwingenstein und das Kloster lagen ein gutes Stück entfernt vom pulsierenden Herz des Reiches. Die wenigen Menschen, die sich hierher verirrten wohnten entweder in der Siedlung oder waren Besucher des Klosters. Ein klares Ziel vor Augen und selten blieben sie länger als ein paar Stunden. Dann zog es sie zurück in die Stadt, in ihre Häuser oder zu ihren Freunden. Das Kloster blieb in Stille zurück. Sie liebte diese Stille und auf andre Weise war sie ihr auch manchmal unheimlich. Vor allem heute.
  • Wie es den Anschein hat, weiß der Feind im Westen um eure Person und um euren Namen.
Die Worte des Herrn Oberst hallten noch in ihren Gedanken nach. Sie hatte nie gedacht dass so etwas harmloses wie ein Wachritt entlang der Grenze, so weitreichende Folgen haben würde. Sie waren in einen Kampf geraten, hatten in gewisser Weise auch gesiegt – aber zu welchem Preis?
Der Tod des Mannes, den sie Eluriahus Drugar nannten - ein Ahad des alatarischen Reiches, ging ihr persönlich nicht sehr nahe. Sie kannte ihn nicht und er war ein Feind, jemand der seit Jahren den Idealen Alatars gefolgt war und vermutlich mehr als einmal gegen das lichte Reich gestanden hatte. Wer weiß wieviele durch seine Hand den Tod gefunden hatten. Er hatte ehrenvoll gekämpft und entsprechend hatte sie seinem Leichnam und seinem Andenken einen gewissen, angemessenen Respekt entgegengebracht, aber mehr war es nicht. Dem Rekruten war es anders gegangen, er hatte diesen Mann gekannt und einst mit ihm zusammen gekämpft. Dieses Zusammentreffen war eine Konfrontation mit seiner Vergangenheit gewesen, welcher er bewusst den Rücken gekehrt hatte. Er war auf die Probe gestellt worden und er hatte sie bestanden. Allerdings würde sie noch einmal mit ihm reden müssen, sie spürte dass der Kampf in ihm noch nicht ausgefochten war.
  • Man sucht gezielt nach euch.
Ihr Herz schlug ihr bis zu Hals, als sie daran dachte dass man eventuell gerade einen Rachefeldzug plante. Dass sie selbst ein Ziel war. Sie würden nicht wahllos irgendwen angreifen, nein, sie würden nach ihnen suchen. Sowohl nach Korporal Senheit, als auch nach dem Rekruten und nach ihr selbst. Die anderen waren in der Sicherheit der Stadt geborgen, hatten Freunde um sich herum oder zumindest Kameraden, Familie. Wer wäre wohl leichter zu erwischen? Und was würde dann passieren?
  • Seid wachsamer, Gardistin.
Das würde sie, soweit es ihre Pflichten zuließen. Sie würde sich nicht verkriechen und in Erwartung eines möglichen Übergriffs ihre Aufgaben vernachlässigen. Nicht nach all dem, was sie inzwischen an Kraft investiert hatte. Aber sie würde vorsichtig sein. Natürlich.
Ein tiefer Atemzug hob ihre Brust und sie sah über den kleinen, gepflegten Garten. Hatte da ein Ast geknackst? Sie zuckte bei jedem Geräusch zusammen, trotz allem. Für einen Moment sehnte sie sich stärker denn je nach jemandem, der bei ihr war, sie in die Arme schloss - Sicherheit gab und Wärme. Aber diese Mauern waren ihr Schutz. Und die Herrin würde ihr beistehen. Das musste genügen. Das würde genügen. Sie würde keinen Fehler begehen.
Zuletzt geändert von Aurea am Donnerstag 10. April 2014, 16:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Aurea »

  • Die Kälte des Winters vergessend bei Nacht,
    hat reines Licht neues Leben entfacht.
    Glitzernd wie der Sterne Gesicht,
    versorgen sie den Wald mit stahlendem Licht.
    Es funkelt unzählbar gar weit und breit,
    der Buschwindröschen weißes Kleid.
Das stetige Rauschen des Meeres, verband sich mit dem des Windes in den Blättern und gab so der friedlichen und ansonsten so reglosen Szene das Gefühl von Zeit zurück. Auf dem marmornen Gesicht der Statue an der Küste malten die Sonnenstrahlen, durch die Baumkronen gefiltert, lebendige Muster und es schienen die Züge Amyras zuweilen mehr als nur kalter Stein.
Seit Stunden saß sie inzwischen hier am Fuß des Schreines und beobachtete teils aufmerksam, teils gedankenverloren die Statue und ihre Umgebung. Die letzten Tage war auf eigenartige Weise voller Veränderung gewesen und doch eintönig zuweilen. Irgendetwas hatte die Hochs und Tiefs ersetzt durch einen geradeaus führenden, im Nebel liegenden Weg der nun vor ihr lag. Sie erwartete bei jedem Schritt dass sich etwas ändern würde und spürte die angespannte Erwartung oder Befürchtung… doch es änderte sich nichts – oder sie sah es nicht mehr.
  • [img]http://s1.directupload.net/images/140903/2is962j9.jpg[/img]
Langsam ließ sie sich im Grün der Wiese nieder und strich nachdenklich mit den Fingerspitzen über die Blüten und Gräser. Buschwindröschen bedeckten den gesamten Boden rund um den Schrein und entlockten ihr ein flüchtiges Lächeln. Die unscheinbaren kleinen Blumen waren das Symbol Amyras und standen ob ihrer zarten Gestalt, die sich dennoch wie ein deckender Teppich über die Waldwiesen ergoss, für das Mitgefühl. Die Tugend, die von vielen als Schwäche angesehen wurde und die doch oft soviel mehr bewirken konnte als der Griff zum Schwert.

Die Veränderungen in Adoran, erst die Zerstörung durch die Käferbrut und schließlich der Neuaufbau, alles im Zeichen der Zusammengehörigkeit, waren noch sehr präsent. Jedesmal wenn sie durch die Straßen lief, riefen der Eifer und der Fleiß der Menschen, Zwerge, Elfen und Thyren reinstes Staunen in ihr hervor.
Auch im Kloster hatte sich einiges verändert. Nach dem Brief vom Rat der Kirche zu Alumenas war sie nun offiziell Klostervorsteherin. Zuerst zwar nur auf Probe, aber sobald die Herrin sie in den Stand einer Priesterin berief, würde sie den Posten gänzlich ausfüllen. Bis dahin würde ein Berater entsandt werden der sie unterstützen sollte. Lange konnte es nicht mehr dauern bis er auf Gerimor eintraf.
Zudem hatten sich innerhalb weniger Tage drei junge Frauen auf den Weg zur Geweihten gemacht. Sie hatte sie alle als Novizen aufgenommen. Wenn sie daran dachte wurde sie etwas nervös, würde sie genügen? Es setzten so viele Menschen so große Hoffnungen in sie. Sie trug Verantwortung. Im Kloster, im Lichenthaler Rat, im Regiment. Manchmal hatte sie das Gefühl all das nicht zu schaffen oder dieser Hoffnung nicht gerecht zu werden. Sie war nur ein einfacher Mensch, unerfahren, jung und unsicher. Sie machte Fehler. Wie sollte sie es schaffen diesen dreien den Weg zu eröffnen, den sie selbst gerade erst angefangen hatte zu beschreiten. Gerade erst ein Jahr war sie hier und manchmal hatte sie das Gefühl sich weiter und weiter von dem zu entfernen, was sie sein sollte für die Menschen hier.

Sie legte sich langsam zurück ins Gras und schloss die Augen. Das Sonnenlicht wärmte ihr Gesicht und sie spürte das Licht regelrecht in sie einsickern. Die Gräser und kleinen Blüten kitzelten ihre Wange und sie atmete tief durch. Nach außen hin schien alles gut und richtig, aber irgendetwas tief in ihr fühlte sich anders an als sonst, als würde eine drohende dunkle Wolke das Licht abdämpfen. Aber wenn sie die Augen wieder öffnete, sah sie die Wolke nicht mehr. Es blieb nur dieses unbestimmte Gefühl zurück, das Gefühl dass etwas falsch war.

  • Erforsche mich, Herrin,
    und erkenne mein Herz,
    prüfe mich und erkenne mein Denken.
    Sieh her, ob ich auf einem Weg bin, der Dir fremd
    und leite mich zurück zu Dir.
Die Worte kamen wie von selbst über ihre Lippen, viel inniger als sie sonst meist betete. Tränen sammelten sich ohne erkennbaren Grund in ihren Augen und ein oder zwei lösten sich aus ihrem Augenwinkel und liefen ihre Wangen herab. Sie bekam keine Antwort, oder zumindest kam es ihr so vor. In ihren Gedanken sah sie nur vage die zarten Blüte eines Buschwindröschens aus Licht gesponnen.
  • [img]http://s7.directupload.net/images/140903/uw2rmo4d.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Aurea am Mittwoch 3. September 2014, 17:02, insgesamt 7-mal geändert.
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Beitrag von Aurea »

Schritte hallten leise im beeindruckenden Innenraum der Kirche wider. Keine der Bänke war besetzt, kein Gläubiger fand sich an diesem Nachmittag hier ein, doch das tat der Wirkung des Ortes keinen Abbruch. Das Licht flutete auch so durch die hohen Fenster mit den blauen Mosaikglasscheiben, hinterließ das Gefühl vollkommener Klarheit und Ruhe und ließ auch heute die Last auf den Schultern der jungen Geweihten etwas leichter erscheinen.
In den Händen hielt sie einen ledernen Umschlag, aus dem gelegentlich leise silberhelle Töne kamen. Erst am Altar angekommen öffnete sie den Umschlag behutsam und breitete die zwölf kleinen silbernen Ankh-Anhänger an den einfachen Lederbändern auf dem blauen Stein aus. Behutsam strichen ihre Finger über das kühle Metall und ein tiefer Atemzug hob ihre Brust.

Silber war von jeher das Metall der Herrin Temora, so wie das Gold ihrer Mutter Eluive zugesprochen wurde. Die kühle, klare Reinheit des Silbers spiegelte nicht nur das Licht wider, sondern auch denjenigen der hineinblickte – man erkannte sich selbst. So wie man auch auf dem Wege zur Herrin irgendwann unweigerlich zu dem Punkt kam, an dem man über sich selbst reflektierte und im Angesicht der Herrin das eigene Handeln, das eigene Selbst prüfte.
War das hier eine solche Prüfung? Hatte sie die Kraft diese vor der Herrin und in ihrem Namen zu bestehen und diejenigen schützen, welche ihr am Herzen lagen?

Sie kniete sich behutsam hin, die tiefblaue Robe zurechtstreichend und das Haupt zu senken. Sie hob die zierlichen Hände an, die so gar nicht nach denen einer Geweihten der kämpferischen Gottheit Temora aussahen, und begann mit klarer und ruhiger Stimme eine Anrufung der Herrin zu sprechen. Es waren Worte, die sie schon so oft gesprochen hatte und welche inzwischen leicht über ihre Lippem kamen, vertraute Worte mit denen sie sich auf die Kraft in ihrem Inneren und die Herrin selbst konzentrierte.

  • Herrin Temora,
    Dein Licht erhellt die Welt,
    es erkennt jeden Fehl, jede Lüge,
    Dein Licht dringt tief in die Herzen.

    Herrin Temora,
    Wenn Du siehst, dass ich zage, gib mir Zuversicht.
    Wenn Du siehst, dass ich fehle, weise mir den Weg.
    Wenn Du siehst, dass ich wanke, gibt mir die Kraft Deinen Willen zu tun.

    Herrin Temora,
    Dich will ich preisen, mich Dir anempfehlen.
    Dir vertraue ich, Deine Werte sollen mir Geleit sein.
    Dein sei mein Streben, Dein Licht sei stets in mir.

    Herrin Temora,
    Blicke auf mich, Dein Licht soll mir Wegweiser sein.
    Erkenne mich, Deine Werte will ich im Herzen tragen.
    Prüfe mich, Deine Kraft werde ich brauchen.
Langsam hob sie den Blick wieder und das Licht des Tages fiel gefiltert durch die blauen Scheiben auf sie, den Altar und die dort liegenden Ketten. Die Anhänger schimmerten bläulich und als sie die Hände hob um sie wie schützend über sie zu halten, spürte sie die Wärme des Lichtes auf ihrer Haut.

Gestern noch hatte Blut diese Hände befleckt, wie schon zwei Wochen zuvor. Der Schatten war zurückgekehrt, nachdem sie beinahe geglaubt hatte ihn gänzlich verbannt zu haben. Es war kein Gift, kein körperlicher Angreifer, kein Feind den man greifen konnte. Es war eine dunkle, bedrohliche Wolke die sich immer näher zu schieben schien – ein gähnender, schwarzer Abgrund im Erdreich. Der Schatten griff Menschen an, er schadete ihren Freunden und verfolgte sie. Sie hatte ihn selbst gesehen, doch er schien dem Licht zu fliehen. Der Herrin Licht drängte ihn zurück, so wie kein Dunkel unter dem Licht der Herrin bestehen konnte.
  • [img]http://s7.directupload.net/images/140903/xso7odnf.jpg[/img]
Was war es? Sie erinnerte sich an die Unterweisung ihrer Eminenz zurück. An das Gefühl das verfluchte Buch in Händen zu halten und das Gefühl von Dunkelheit und Schwermut, welches langsam von ihr Besitz ergriffen hatte. Unmerklich nur, bis sie die Herrin um ihren Beistand angerufen hatte und sie spürte wie das Gefühl sich verflüchtigte – wie Morgennebel sobald die Sonne aufgeht. Dieses Mal war es anders und doch gleich. Ein Gefühl von Bedrohung, davon beobachtet zu werden, Dunkelheit die in den Schatten lauerte und nur darauf wartete zuzuschlagen. Und sie hatte zugeschlagen. Drei Opfer hatte dieser Schatten schon gefordert. Drei von denen sie wusste.
Ihr schauderte bei dem Gedanken dass vielleicht irgendwo noch andre lagen, die bereits an dem Blutverlust gestorben waren. Menschen, denen sie nicht hatte helfen können, welche das Licht der Herrin nicht rechtzeitig erreicht hatte.

Sie versuchte ihre Gedanken zu beruhigen, sich ganz auf die Herrin und das Gefühl ihrer Kraft in sich zu besinnen. Es war an ihr diesen Schatten zu besiegen und die Menschen zu schützen. So wie die Lichtfunken. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen bei dem Gedanken an die kleinen Wesen. Sie waren ihr wie das Gegenstück Temoras zu den Schatten erschiene. Funken ihrer Anwesenheit, so wie der Schatten ein Teil einer dunkleren, größeren Macht war. Sie war nicht allein. Die Herrin war bei ihr, ihre Freunde ebenso und so auch die Menschen des Reiches. Gemeinsam würden sie den Schatten vertreiben, ja, vielleicht sogar vernichten. Doch zuerst würde sie dafür sorgen dass zumindest einige von ihnen einen Funken der Herrin bei sich trugen zum Schutze.

Sie hielt die Hände noch immer über den Amuletten, ihr Atem beruhigte sich langsam und sie schloss die Augen um nach dem Licht in ihrem Inneren zu greifen. Sie spürte die ruhige Gewissheit dass die Herrin bei ihr war, die Sicherheit welche die Freunde ihr gaben, das Gefühl einer kräftigen, warmen und vertrauten Hand auf ihrer Schulter. Sie war nicht allein. Sie spürte die Wärme in sich, welche sie nun langsam auf die Amulette übergehen ließ. Einen Funken des Lichts, welches die Herrin ihr geschenkt hatte um die Menschen in ihrem Umfeld zu schützen. Das war ihre Aufgabe. Schützen. Und sie würde es mit all ihren Möglichkeiten tun.

  • Lichtbringerin, Hoffnungsgeberin, Herrin Temora,
    Gewähre Deinen Schutz denen, die Dir anvertraut.
    Schicke einen Funken deines Lichts auf sie herab,
    so dass die Schatten vor ihnen weichen.
    Blicke auf uns herab und sende dein Licht auf dass
    wir erkennen was sich ihm zu entziehen such.
    Gib uns die Kraft zu bannen, was sich Dir entgegen stellt.
Die Worte kamen leise über ihre Lippen, konzentriert das zu tun was nötig war. Sie atmete ruhig und gleichmässig während sie ihre Kraft auf die Ketten legte um sie zu segnen. Ja, vielleicht würde es helfen. Ein kleiner Schritt, aber nicht der Letzte.
  • [img]http://s14.directupload.net/images/140903/2malfmfw.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Aurea am Mittwoch 3. September 2014, 16:56, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von Aurea »

Licht wirft Schatten
Die Worte des kleinen Lichtwesens gingen ihr nicht aus dem Kopf. Sie hatte nach einer Möglichkeit gefragt den Schatten zu bannen und diese Antwort bekommen. ‚Licht wirft Schatten‘ hatte es gesagt, doch waren es nicht eigentlich die Dinge, die sich dem Licht in den Weg stellten, die den Schatten warfen? Hindernisse, die dem Licht der Herrin im Wege standen ließen Schatten entstehen. Wie konnte das helfen den Schatten zu bannen?
  • [img]http://s1.directupload.net/images/140903/4joejmcy.jpg[/img]
Unruhig lief sie an diesem Tag in ihrem Haus hin und her. Ihr Geist kam nicht zur Ruhe, stellte Theorien auf und verwarf sie im selben Atemzug wieder. ‚Woher sind sie gekommen? ‘ hatte das kleine Wesen ahnungslos gefragt, so ahnungslos wie auch sie sich nun fühlte. Als sie den Schatten nachgespürt hatte, als sie das Licht der Herrin genutzt hatte um mehr zu sehen als ihre Augen erfassen konnten, hatte sie die Schatten wie eine dunkle und drohende Wolke, ein bedrohlich schwarzes Loch im Erdreich wahrgenommen. War bedeutete es? Wieso trat es vor allem in ihrer Umgebung auf? Oder suchte Personen heim, die ihr nahe standen? So viele Fragen und keine Antworten.

Leise trat sie hinaus in den Garten, setzte sich auf die einfache Bank am Teich und starrte aufs Wasser. Schatten waren ihr vertraut, bodenlos erscheinende Abgründe, drohende Wolken, unbestimmte Gefahr und Angst. Doch sie waren vor allem in ihrem Geist, nicht außerhalb. Noch immer wusste sie nicht woher sie kam, was ihr geschehen war bevor sie Gerimor erreicht hatte. Nur ein paar wenige, vage Bilder waren ihr geblieben und die waren mehr dazu angeraten diese Dunkelheit in ihrem Geist noch mehr zu fürchten.
Damals, vor vielen Monden, hatte ihre Eminenz ihr einen Weg gezeigt diese Erinnerungen zu lüften, zu ergründen wer sie war und woher sie kam. Bevor sie ihre erste Weihe erhalten hatte, hatte sie mit Hilfe ihrer Eminenz ihren eigenen Namen wiedergefunden und einen kurzen Blick in das Gebäude ihrer Erinnerungen werfen können. Sie hatte gelernt den Schleier zu lüften, welchen die Herrin um ihren Geist gelegt hatte um sie zu schützen, hatte das Werkzeug an die Hand bekommen um sich weiter vor zu wagen. Schritt für Schritt.
Sie hatte es nicht genutzt.

Unruhig fuhr sie sich mit den filigranen Fingern durch das kurze Haar. Seit damals hatte sie sich angewöhnt es kurz zu tragen. Als sie angekommen war, war ihr Haar ohne rechten Schnitt gewesen. Als wäre es mit einem Dolch grob auf diese Länge gestutzt worden. Inzwischen war es vertraut. Sie erkannte sich selbst im Spiegel und konnte akzeptieren was sie sah. Etwas blass, etwas zu dünn, das jungenhaft geschnittene Haar. Aber das war nicht das, was sie ausmachte. Sie war gewachsen. Sie war reifer geworden in den Monden hier. Sie hatte gelernt mehr zu tun als nur ihren Aufgaben nachzugehen. Sie hatte Freunde gefunden, Freunde verloren. Glück und Liebe, aber auch Angst und Traurigkeit gespürt. Sie war vor die Herrin selbst getreten, hatte die mitfühlende Berührung Amyras gespürt und das Licht in sich selbst entdeckt und gepflegt. Sie hatte gelernt und gelehrt. Sie war Schülerin und Lehrerin gewesen und nun saß sie hier und sah sich einer Bedrohung gegenüber, die ihr fremd und vertraut zugleich war.

Sie schloss die Augen und reckte ihr Gesicht dem Licht der Sonne entgegen. Der Spätsommer hatte die Insel fest im Griff die Wärme der Strahlen tat ihr gut. Aber heute war sie zu unruhig um das Gefühl lange genießen zu können. Noch immer löste eine Theorie die nächste ab und keine schien ihr richtig plausibel.
Sie war sich inzwischen sicher dass es eine karmale Kraft war. Ein Fetzen göttlicher Macht, dunkler göttlicher Macht. Sie wusste nicht woher es kam und sie wusste auch nicht wie sie es besiegen konnte. Aber sie wusste dass diese Kraft das Licht der Herrin mied und davor zurückschreckte. Sie hatte das Werkzeug in der Hand, sie wusste nur noch nicht wie sie es einsetzen sollte.

Sie stockte als ihr dieser Gedanke durch den Sinn kam. Das Werkzeug um gegen die Dunkelheit anzugehen. Das Werkzeug um ihre Erinnerungen wieder zu bekommen. Das Werkzeug um sich dem Dunkeln in ihr selbst zu stellen.
Was wenn das zusammenhing? Wenn der Schatten, der eigenartiger Weise vor allem in ihrer Nähe auftauchte, etwas mit ihr zu tun hatte? Was wenn das eine Nachwirkung war? Ein dunkler Teil ihrer selbst? Etwas, das in ihren Erinnerungen gegraben war und nun ausbrach? Weil sie sich zu lange davor zurückgescheut war sich dem zu stellen, was in ihrem Geist noch verborgen war?
Ihr Herz schlug mit einem Mal schneller. Was für ein unsinniger Gedanke. Was für ein erschreckender Gedanke. Eine wirre Theorie von vielen und doch…

Sie schloss die Augen langsam und atmete tief durch, die Arme um sich schlingend. Angst drückte ihr Herz zu und es brauchte einige Atemzüge bis sie wieder freier Luft holen konnte. Was für ein Unsinn. Das hatte nichts miteinander zu tun. Und sie war nicht allein.
  • ‚Lass dich nur hängen, kleiner Adler. Ich bring dich in dein Nest
Die Worte klangen leise in ihr nach. Sie ließ sich nicht hängen, aber das Gefühl dass jemand bei ihr war, war tröstlich. Sie würde nicht fallen, da waren Arme die sie auffingen. Jederzeit.
Womöglich konnte sie so dem Dunkel entgegen treten. Dem in ihren Erinnerungen und den Schatten außerhalb. Ob das nun zusammenhing oder nicht.
Zuletzt geändert von Aurea am Mittwoch 3. September 2014, 23:16, insgesamt 1-mal geändert.
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