Das neue Leben

Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Vergeltung ist eine Art wilder Gerechtigkeit.
    Sir Francis von Verulam Bacon
Ich kochte vor Zorn. Anders konnte man es wohl kaum beschreiben. Äußerlich ließ ich mir davon zwar wenig anmerken, innerlich aber schwelte es, ähnlich einem Vulkan, der kurz vorm Ausbruch stand. Mein Handeln entsprach allerdings ganz meinen gegebenen Möglichkeiten. Ich war ganz sicher dankbar für die geleistete Hilfe durch die Heilerin und der jungen Frau, die später ihren Weg nach Düstersee finden sollte, fühlte mich zugleich dezent hilflos dieser Furie gegenüber.

Die durchwachte Nacht, die Versorgung der Verbrennungen, die Alin davon getragen hatte, brachte indes viel Zeit zum Nachdenken mit sich. Die folgenden Gespräch am Nachmittag ebenfalls. Florentine schien mit der Versorgung Alins zufrieden zu sein und sah keine Notwendigkeit selbst nochmals Hand an zu legen. Das Fräulein vom Vorabend, eben jene, die geholfen und sich sogar in den Weg stellte, obschon sie gesehen hatte, zu was diese Wahnsinnige in der Lage war, kam ebenfalls vorbei sich zu erkundigen und bot Hilfe an - damit ich etwas Schlaf bekam. Irgendwie war die indirekte Hilfestellung durch Florentine drollig (auch wenn ich ihr das niemals so sagen würde. Vermutlich wäre ich dann gleich einen Kopf kürzer.)

Wie gesagt - viel Zeit zum Nachdenken. Und nun folgte die Zeit zum Handeln. Ich brachte Alin etwas später auf ihrem Wunsch hin zum schwarzen Ross. Natürlich wollte sie dabei sein, als die Stadtwache sich dort versammelte und ein wenig freie Zeit genoss. Nicht nur, dass ich dort erfuhr, dass diese verfluchte Furie offenbar nicht nur Alin im Visir gehabt hatte, sondern auch eine andere der Stadtwache, nein, ich wurde auch noch über weitere Dinge in Kenntnis gesetzt, die durchaus interessant waren. Nichts desto trotz verabschiedete ich mich alsbald, bat Alin heim zu bringen, wenn allgemeiner Aufbruch herrschen sollte, und machte mich auf den Weg nach Bajard.

Natürlich hielt ich mein Versprechen und unterrichtete Frau Scherenbrueck über den Vorfall. Aus eigenem Interesse schon, auch wenn ich nicht viel Hoffnung hegte, dass die Bäuerin da etwas ausrichten konnte. Diese Vermutung bestätigte sich auch schon während des Gesprächs mit ihr. Sie glaubte nicht daran, dass die Magierin sich von irgendwelchen Worten seitens der Bürgermeisterin beeindrucken ließ. Das machte nichts. Mir ging es an dieser Stelle eher um etwas anderes. Der Rückweg würde dahingehend sicherlich vielversprechender sein. Und auch da sollte ich Recht behalten.
Ich hielt Einkehr in der Akademie, berichtete auch dort von dem Vorfall am Oger und die Optionen, die genannt wurden, fand ich doch hochgradig amüsant. Voraussetzung: Sollte sich meine Aussage bewahrheiten. Nun, es gab Zeugen, die ich im Zweifel noch vorweisen konnte. Bislang hatte ich sie zwar kurz genannt, aber nicht auf deren Befragung gepocht. Mal sehen, ob das zur Notwendigkeit wurde. Als ich die Akademie wieder verließ, musste ich lächeln.

Ich mochte dieser Wahnsinnigen sicher nicht im offenen Kampf gewachsen sein, aber es gab ja nun einmal auch noch die Wege des Verstandes, die man für sich nutzen konnte. Und ich hielt mich doch für fähig genug, mich darin mit ihr zu messen - wenngleich auch auf meine, gewiss eher schmutzige Art und Weise. Ganz allmählich gefiel ich mir als Arschloch immer besser.
Eines war darüber hinaus gewiss: Sollte Frau Scherenbrueck von dem Recht der Gerichtsbarkeit zurücktreten und die Matriarchin ihr Wort halten und das Miststück nach Düstersee und damit Florentine unterstellen, dann begann das eigentliche Fest erst richtig. Ich hoffte inständig, dass diese Frau, die die Akademie leitete, mehr Eier in der Hose hatte, als so manch Kerl im Reich, und ihren Worten auch Taten folgen ließ.

Wenn das alles durchgestanden war… nun, ich vermutete, das war erst der Anfang. Alin machte nicht den Eindruck als wollte sie verzeihen. Und Thanaya war schon losgezogen, um diese Wahnsinnige zu suchen. Es begann bereits jetzt unaufhaltsame Kreise zu ziehen. Ebenso stand das Versprechen im Raum, dass das Problem nicht mehr lange Bestand haben würde. Alles in allem - ja, was sollte ich sagen: Ich war zufrieden mit der Entwicklung. Das Süße an einer Rache war und blieb die Nachhaltigkeit dessen. Man konnte sich so angenehm zurücklehnen und genießen. Ganz in Ruhe seinen Hass nähren und warten, bis die Saat keimte, letztlich aufging und wuchs. Sie war eine derer gewesen, wofür fünf der Gemeinschaft sich die Peitsche zum Freund gemacht hatten. Ihr Dank kam mir doch geradezu herzlich vor. Nun, diese Wärme und Leidenschaft dafür musste doch erwidert werden, nicht wahr? Alles andere wäre doch allzu unhöflich. Immerhin das hatten meine Eltern mir eingebläut. Vergelte stets einmal im Guten, und dreimal im Schlechten. Schritt eins und zwei hatten wir bereits. Auf drei wollte ich warten - oder sollte ich sagen, ich überließ es Alin diesen zu wählen? Ich glaube, das war einer der Ausnahmen, wo ich mir denken konnte, wohin oder worauf ihre Wahl fiel. Es war genau die gleiche, die ich nähme an ihrer Stelle.
Aus irgend einem Grund fing ich auf dem letzten Stück des Weges bis zum Strand bei Düstersee an zu summen.

Erst später ging mir auf: Es war das Kinderlied, das meine Mutter mir einst mal vorgesungen hatte.
  • An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch,
    dass man besser wird als sie.
    Diogenes von Sinope
Alin

Beitrag von Alin »

  • Spät, als schon alles schlief,
    vertrau ich diesem Brief an,
    was ich dir nicht sag, ich in mir vergrab.
    Durch die Feder fließt, das was man sonst nicht sieht,
    was in mir geschieht.

    Denn ich hab's dir nie gesagt,
    hab die Worte längst gefunden,
    Hab's einfach nie gewagt,
    denn diese Worte schlagen Wunden,
    wir wär'n für alle Zeit auf verschied'nen Seiten.

    Auch wenn die Tür sich schließt
    bin ich nicht so wie du mich siehst,
    entspringe keiner Phantasie, das verstehst du nie.
    Schreib' nur auf, was im Moment,
    mit aller Macht nach draußen drängt, den Augenblick bestimmt.
Ich saß auf der Treppe aus Sandstein, der Wind war stark und streute mir Sand ins Haar. Meine Hände hatte ich aufs Gesicht gelegt und es dauerte nicht lange, ich musste nur noch zweimal tief nach Luft ringen, bevor ich anfing zu weinen, wie ein kleines Mädchen. In mir zerbrach diese Nacht alles. Begonnen bei Ehre, wenn ich jene jemals in mir trug, bis hin zum Schamgefühl. Ich fühlte mich wohl, ich mochte es hier und ich hatte tatsächlich einen Moment den Gedanken, dass es nicht so schlimm wäre, hier zu bleiben. Aber an diesem Abend fühlte ich die Ketten um meinem Leib, welche mich zu jedem Schritt zogen und zu jeder Tat zwangen. Ich wollte mich gegen keinen Zug, welcher an der Kette getätigt wurde, wehren. Zum einen nicht, weil ich bereit war, das hier durch zu stehen und zum anderen, weil ich in der Zeit eine gewisse Bindung zu meiner Herrin aufbaute, die zumindest in meiner Seele weiter ging als ein Versprechen.

Sie war gefangen, wie wir es alle irgendwie waren und sie war kein schlechter Mensch. Sie hatte einen falschen Glauben, aber ich nehme an, das würde sie nie ablegen, was ihre Seele aber nicht anders machte. Ich war vermutlich keine gute Gläubige, weil ich den Gedanken hatte, aber es war mir gleich. Jede Demütigung, welche ich die letzten Tage ertragen hatte, nahm ich hin, ich wollte jedes Mal weinen und jedes Mal konnte ich es zurück halten. Sie entschuldigte sich bei mir, immer und immer wieder und ich nahm es an. Dieser Abend jedoch, ließ es nicht zu, das ich stark war. Das Heimweh war groß und die Ketten schnürten mir den Hals zu und die Luft wurde von Stunde zu Stunde dünner.

Ich hätte es Dazen schreiben können, ich hätte ihm schreiben können, dass es mir nicht gut geht und ich es nicht mehr aushalte. Aber dann wäre meine Schwäche offiziell gewesen. So ist sie nur meine eigene. Weinend auf der Treppe, wo zu dieser Zeit keiner vorbei kam, im Zwist mit mir selbst und Leid in den Knochen. Ich entfernte nur langsam die Hände aus meinem Gesicht und schlug das Buch auf meinem Schoß auf. Das Pergament purzelte mir entgegen und ich starrte auf jene Zeilen. Meine Lippen pressten sich aufeinander und ruckartig griff meine rechte Hand danach, streckte sich damit zur Seite aus und warf es in die Flammen. Ich würde es durchhalten, ich würde die zwei Nächte noch überstehen und danach würde ich mich nie wieder in solch eine Lage bringen. Denn auch wenn niemand ohne Kette geht, wollte ich selbst jene wählen, an welchen ich einst baumeln würde.
    • [s]Seinen Segen,
      es ist der Punkt erreicht. Es geht mir nicht mehr gut und ich will nicht mehr. Bitte holt mich ab. Holt mich ab, hängt mich an einen Pranger, lasst mich hundert Wochen schweigen, aber bitte, bitte... holt mich ab. Ich ertrage es nicht mehr, ich ertrage nichts mehr von alle dem. Es ist kein körperliches Leiden, welches ich hier ertragen muss, aber es sind Schläge in den Geist.

      Es ist so demütigend und ich bin schwach. Ich gestehe es mir ein, ich bin schwach und ich kann es nicht mehr ertragen. Ich will nicht mehr Kissen ausschütteln und ich möchte auch nicht mehr die sein, die vorgeführt wird, im Machtkampf anderer. Ich möchte wieder Hosen tragen, meine Güte, mir fehlen Hosen! Ich möchte meinen Körper wieder hinter Stoff verstecken und ich will wieder in meinem Bett schlafen. Mit Nachtgewand und ohne andere, nackte Frauenkörper neben mir. Auch wenn ich Nael und Sara wirklich gern gewonnen habe.

      Holt mich ab und ich werde vorzeigbar sein, ich werde mich bessern, ich kann mich bessern und ich will es auch. Ich werde alles tun, nur zwingt mich keinen weiteren Tag hier zu weilen.

      Dazen, bitte.[/s]


      A.
    [img]http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/cryh5dw4veq0p.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Alin am Dienstag 21. Mai 2013, 03:20, insgesamt 2-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

  • Wie liegt die Welt so frisch und tauig
    Vor mir im Morgensonnenschein.
    Entzückt vom hohen Hügel schau ich
    Ins frühlingsgrüne Tal hinein.

    Mit allen Kreaturen bin ich
    In schönster Seelenharmonie.
    Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
    Und eben darum lieb ich ihn.

    Und wird auch mal der Himmel grauer;
    Wer voll Vertraun die Welt besieht,
    Den freut es, wenn ein Regenschauer
    Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

    Wilhelm Busch - Vertraut

Gähnend ging ich die Treppen hinauf, lautlosen Schrittes. Mein Ziel war es, ihn nicht zu wecken. Wer weiß was mich sonst erwartet hätte, vielleicht Schimpfe oder dergleichen und ich wollte einfach nur noch schlafen. Langsam schob ich die Tür auf und spähte zum Bett hin. Er schlief, das freute mich, als ich dann allerdings bemerkte, wie er seine ganzen Sachen, samt Krug im Zimmer verteilt hatte, fiel das Lächeln schnell aus meinem Gesicht. So ein kleines Arschloch... Ich begann damit die Sachen aufzuräumen und spielte einen Moment mit dem Gedanken, sie zu verstecken. Aber ich wusste recht schnell, dass ich das Echo nicht vertragen würde und legte sie einfach ordentlich auf einem Haufen neben das Bett. Den Krug trug ich langsam in Richtung Küche, ich konnte nicht mehr schlafen, seit der Reise nach MenekUr, wenn die Wohnung dreckig war. Also schlich ich ein weiteres Mal die Treppen rauf, die Treppen runter und irgendwann befand ich mich dann auch endlich im Bett und konnte meiner Müdigkeit freien Lauf lassen. Ich drehte langsam meinen Kopf in seine Richtung und betrachtete ihn eine Weile. Ich ließ die Vergangenheit vor meinen Augen abfahren und irgendwie war alles leichter, seit dem ich aus der Wüste zurück war. Er hatte sich verändert, ich hatte mich verändert und ich dankte ihm dafür. Auch wenn wir uns immer noch dumme Sprüche an den Kopf warfen und er mich auch noch immer von Sitzmöglichkeiten warf, war es anders als zuvor. Es kam mir vor, als wäre unser Verhältnis vertrauter und ich hatte auch keine Angst mehr, dass er mir weglaufen würde. Ich rückte näher an ihn heran, bettete meinen Kopf auf seine Brust und schloss die Augen. Auch wenn ich nicht wusste, ob mich der Ablauf des Tages heute glücklich stimmte, wusste ich zumindest, zu wem ich am Abend ins Bett gehen wollte. Ich musste morgen auf jeden Fall ein Fass Milch kaufen, gab es überhaupt Milch im Fass? Würde sicher auf Dauer komisch schmecken, wenn es in Holz lagert... Wichtige Gedanken, welche mich sodann ins Reich der Träume führten.
  • [img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/dazenalinm7e2u5bkvi.jpg[/img]
Als ich aufwachte war jedoch irgendwas anders. Mir war schlecht und kalt und mein Kopf dröhnte, als hätte ich mich am vergangenen Abend zulaufen lassen. Ich wusste nicht so recht wie ich aufstehen sollte und ich haderte mit mir, weil Aufstehen bedeutete, dass mir kalt werden würde und selbst wenn ich die Decke mit mir schleifen würde, würden meine Füße den kalten Boden berühren und allein jener Gedanke sorgte seltsamer Weise für Starre. Ich kräuselte meine Lippen und schielte zu Dazen hin. Er war schon weg und als ich dann sah, wie weit die Sonne schon ins Fenster schien, sorgte das um so mehr für Verwirren. Es war fast Mittag und das erkannte ich auch nur dadurch, weil das die einzige Tageszeit war, wo überhaupt Sonne in mein Haus kam. Also lag ich da, starrte an die Decke und befasste mich mit meinem körperlichen Zustand. Ein leises Schnaufen noch, dann drehte ich den Leib herum und schloss einfach wieder meine Augen. Dann eben heute mal nicht, Welt, dachte ich mir. Nur spielte mir mein Leib wieder einen Streich, das Unwohlsein wandelte sich nach und nach in Schmerz und ich drückte mich in die Fötusstellung zusammen und betete unter der Decke, das es ein Ende findet.
Zuletzt geändert von Alin am Mittwoch 29. Mai 2013, 17:21, insgesamt 2-mal geändert.
Alin

V E R Ä N D E R U N G E N

Beitrag von Alin »

  • Manche Veränderungen sehen erst einmal negativ aus, aber du wirst bald feststellen, dass sie nur Platz in deinem Leben schaffen, damit Neues entstehen kann.

Ich saß de ganzen Morgen einfach nur da und starrte in Richtung der Wand. Meine Züge waren blass, meine Hände zu Fäusten geballt. Die Informationen, welche ich heute bekam, machten mich nicht unbedingt unglücklich, jedoch erinnerten sie sich an meinen großen Plan. Ich realisierte, dass ich etwas ändern müsste, denn so würde ich nie das erreichen, was ich wollte. Nur langsam sackte mein Kopf herab und die Gewissheit, dass ich ewige Zeit umsonst einen Weg gegangen bin, machte mich etwas wahnsinnig. Ich war wütend auf mich selbst, dass ich das ganze anscheinend lange Zeit so naiv betrachtet hatte, das ich wahrlich annahm, es würde so funktionieren. Aber das tat es nicht. Die Bevorzugung in Rahal war offensichtlich, das Intrigenspiel gegeneinander für niemanden mehr ein Geheimnis und so man nicht den Wert für gewisse Würdenträger besaß, konnte mich einfach nichts in dieser Stadt erreichen. Nicht etwa weil man die nötige Leistung nicht brachte, sondern eher aus der Missgunst heraus. Ich fragte mich wahrlich, ob das der Weg ist, den Alatar vorgab oder es nur die Gier nach Macht von manchen sei, welche das eigentliche Ziel des All-Einen vollkommen in den Dreck zogen.

Wie konnte es sein, dass man durch Sympathie mehr erreichte, als durch Leistung? Wie konnte es sein, dass ein Würdenträger generell die Sympathie des Einzelnen vorzog, anstatt strickt dem Folge zu leisten, was die Gebote von einem verlangen? Es war enttäuschend. Ich habe mir Rahal unzählige Jahre angesehen und so schlimm war es noch nie. Es brauchte niemanden zu wundern, es brauchte mich nicht zu wundern, wenn es immer mehr Seelen in eine andere Richtung zog. Die Machtgier hat sich über den Glauben gestellt und der Hass und Zorn richtete sich nicht mehr gegen den Feind, sondern verteilte sich im Inneren. Wir zerfraßen uns von innen und entweder waren die, die am meisten mit ihren Mäulern zuschnappten egal oder aber sie genossen es und es interessierte sie nicht, dass sie das Reich damit mehr und mehr schwächten und eine regelrechte Enttäuschung Alatars wurden, auch wenn ihr Titel das einst nie vermuten ließ.

Man konnte es recht gut daran erkennen, als sich Rahal sammelte und sich dem Regiment entgegen stellen wollte. Man musste nur die Struktur im Ketzerreich mit der der Unseren vergleichen. Wir haben uns, zwei Tage hinter einander, lächerlich gemacht. Und warum das alles? Weil der eine dem anderen etwas nicht gönnt und man sich lieber damit befasst, jene Missgunst offen zu legen und eventuelle Schritte im Inneren zu vermeiden, dass das eigentliche Ziel vollkommen nebensächlich wurde. So saß ich da, ließ Gedanken freien lauf und wünschte mir inständig, dass die Pranke Alatars erneut in Erscheinung trat und die zerquetschte, welche sich lieber mit Hetzerei und Intrigen gegen die eigenen Leute befassten, statt auf Zusammenhalt zu bauen.

Ich wollte mir das nicht mehr antun, ich wollte dem All-Einen dienlich sein und das ohne, dass ich in jene Schlingen geraten würde, welche in Rahal geworfen wurden. So nahm ich ein Pergament zur Hand und ich begann damit, meinen Weg zu ändern. Es gäbe nur eine Person, welche in diesem Reiche fähig war, sich nicht von Sympathie und dergleichen leiten zu lassen und daraus Bevorzugungen zu schaffen und jene galt es zu kontaktieren. Auch wenn es eventuell dreist war, jenen Schritt zu gehen, geschweige denn sich anzumaßen, in jene Richtung ein Schreiben zu senden. Doch ich sah für mich keinen anderen Weg mehr. Aufgeben kam nicht in Frage und so erlaubte ich mir dreist zu sein und ich erlaubte mir, einen Schritt zu machen, der über manche hinaus ging und wo mir keiner Steine, Äste oder gar Wände in den Weg legen konnte. So begann ich meine Zeilen...

"Des All-Einen Segen ehrenwerter Alka...."
Zuletzt geändert von Alin am Freitag 31. Mai 2013, 12:57, insgesamt 3-mal geändert.
Alin

Der 'Tod' Dazens

Beitrag von Alin »

Der 'Tod' Dazens
  • Zu meinem Engel gebetet, für kein andres Mädchen gelacht 
    Tausend Stunden gewartet, hat alles nichts gebracht 
    Zwanzig Briefe geschrieben, bis einer gut genug war für dich 
    Hallo wie geht's dir? Denkst du manchmal an mich? - Manchmal

    Wie sieht der Himmel aus, der jetz' über dir steht? 
    Dort wo die Sonne, im Sommer nicht untergeht 
    Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf? 
    Wenn er weit genug reicht macht dann das Meer 
    zwischen uns nichts mehr aus? 
    Du fehlst mir, oh du fehlst mir
Ich stand da, von Menekanern umringt und mein Blick war blockiert. Nael stand vor mir und versuchte mich aufzuhalten. Mein Herz raste und ich merkte, wie mir bereits die Tränen übers Gesicht liefen. Ich sah nur den Kopf von Dazen, wie er auf dem Boden lag, in seinem eigenen Blut. Es ging vermutlich recht schnell, aber für mich war es so, als wäre jede Sekunde eine Stunde lang. Ich konnte kaum atmen, sie wollten mir das nehmen, was mich am Leben hielt. Sie wollten mir das nehmen, was meine Atemzüge aufrecht erhielt. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich mich wohl fühlte, in MenekUr, bei den Menekanern. All dies zerbrach in diesem Moment. Dabei konnte ich ihnen nicht einmal zürnen, weil sie nur das taten, was ihre Führung ihnen sagte. Als jene allerdings erneut das Wort erhob und sprach, dass Khalida ihm den letzten Schlag geben sollte, rannte ich vor. Ich schubste Nael zur Seite und sprintete gegen gegen die, welche die Waffe zum letzten Stich gegen Dazen richtete. Ich hatte nicht nachgedacht, ich konnte nicht nachdenken, so war es eher ein unbeholfenes dagegen rennen. Im nächsten Moment erinnerte ich mich nur noch daran, wie man mich weg zog. Ich hielt sie ab, für einen kurzen Moment und als man mich fest hielt, hörte ich nur noch, wie das Schwert erneut einen Schritt tat und Dazen der 'letzte' Schlag verpasst wurde. Es fühlte sich an, als würde mein Leib von innen zerbrechen. Ich sackte zu Boden und meine Atmung setzte aus. Tod, ich dachte er wäre tot und ich wusste nicht mehr, wie ich mich bewegen sollte. In meinem Kopf spiegelten sich Bilder wieder, welche ich einst mit ihm erlebte, in meinem Kopf sah ich sein Gesicht, lebendig und unberührt. In der Realität saß ich seinen leblosen Körper auf dem Boden liegen, im eigenen Blut getränkt und mein Körper setzte aus. Ich wollte mich nicht mehr bewegen, ich konnte nicht mehr. Die Gewissheit, dass ich ihn nun verloren hatte, zerriss mein logisches Denken und selbst als sie meine Arme griffen, bereit waren sie zu brechen, war es mir egal. Ich hätte mir ebenso den Tod gewünscht, denn noch einen Verlust konnte ich nicht verkraften. Ich konnte und wollte das alles nicht glauben, so erinnerte ich mich an die letzten Worte, welche ich zu ihm sprach. „Ich komme gleich nach.“ Ich erinnerte mich an sein Gesicht, an seinen Duft, an seinen Schritt und es trieb mir um so mehr die Tränen ins Gesicht. Meine Hände zitterten im Griff des Menekaners und ich schrie ihn in Gedanken an, ich schrie sie alle an und ich wünschte mir nicht mehr zu sein, so er nicht mehr war. Der Rest der Nacht war bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verschwommen. Mein Herz war gebrochen, meine Seele zerstört, ich hatte ihn verloren...

Ich saß zusammengesackt an der Wand in Dazens Haus. Ich starrte in die Küche und ich wusste zwar, dass sie im Wohnbereich an ihm herum schnitten und irgendwelche heilende Substanzen auf ihn schmierten, aber für mich war er gestorben. Ich dachte nicht, dass er dies überleben würde. So betrachtete ich jede Stelle im Raum und bei jedem Durchgang starrte ich so lange, weil ich hoffte, er würde gleich hindurch kommen und irgendeinen doofen Spruch machen, Ob er nun von der Treppe kommen würde, oder aus der warmen Stube. Oder wie er am Tisch saß, sich irgendwelches Essen rein würgte, wo sich jeder fragte, wie der das Ganze essen konnte und trotzdem so aussah. Mir liefen wieder die Tränen übers Gesicht und meine Atmung wurde schneller. Wäre ich nicht so schwach gewesen, wäre ich aufgestanden und losgelaufen, weg von all diesen Erinnerungen und weg von der Leiche, die in meinen Augen eine Leiche war.
Aber dann änderte sich das alles, als ich ihn fluchen hörte, als ich seine Stimme hörte und mir sicher war, es war nicht nur mein Verstand, der mir einen Streich spielte. Es lockte nur erneut die Tränen über mein Gesicht und es war der letzte Schwung, der mich überwarf. Mein Kopf wusste nicht mehr, was er tun sollte, ist das Innere alles zerbrochen und fügte sich nur schwer wieder zusammen, als er feststelle, dass es grundlos kaputt ging. Ich war verwirrt, ich war traurig, ich war glücklich, ich war... im Arsch.

Ich lag die ganze Nacht neben ihm wach und starrte ihn an, aus Angst ihn zu verlieren, würde ich die Augen schließen. Ich beobachtete ihn beim Schlafen, auch wenn es eher ein recht unruhiger Schlaf seinerseits war. Jedes Mal, wenn meine Lider sich senken wollten, hatte ich diese Bilder im Kopf, welche nicht mehr so recht weichen wollten. Ich fragte mich, wie ich ihn je wieder allein lassen konnte, ohne vom Gedanken zerfressen zu werden, dass ihm irgendwer den Todesstoß gab. Seine Worte machten es nicht besser, als er nach alle dem noch zu mir sagte, das meine Gefühle einen Scheiss interessieren und das ich hören sollte. Es war eigentlich wie immer, aber irgendwie trieb es mir, als ich daran zurück dachte, die Tränen in die Augen. Ich betrachtete ihn beim Schlaf und konnte es nicht, wie sonst, verarbeiten, wie er in jener Nacht zu mir Sprach. Wäre ich hinderlich, ist das was ich fühle hinderlich? Hätte ich ihn retten können, hätte ich anders gehandelt? Wieso mache ich nur Fehler und wieso konnte ich ihn nie zufrieden stimmen....
Zuletzt geändert von Alin am Sonntag 2. Juni 2013, 02:14, insgesamt 3-mal geändert.
Alin

Der Gruß vom Lied

Beitrag von Alin »

Ich rannte und rannte, immer weiter den Flammen entgegen und ich kam ihnen nicht näher. Ich wollte sie retten, ich wollte sie retten, ich musste sie retten! Meine Arme streckten sich aus und es wurde immer heißer. Zwar war die Hitze spürbar, aber den Fortschritt konnte ich nicht sehen. Nur irgendwann konnte ich ein Schemen in den Flammen erblicken. Es wurde vom Feuer zerrissen und Schreie dringen an mein Ohr. Das Leben nahm ein Ende und ich begriff, dass ich sie nicht retten konnte. Ich schrie, ich rannte, ich weinte und ich kam nicht an sie heran, sie starb, ein weiteres Mal, vor meinen Augen.

Mein Kopf riss empor und meine Hände tasteten sich übers Gesicht. Es war wieder alles voller Blut, ich hatte wieder Nasenbluten und mein Kopf dröhnte, als würde mir immer wieder wer dagegen schlagen. Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht. Ich rappelte mich auf, wollte zur Tür laufen und knallte immer wieder mit der Schulter gegen die Wand oder gegen ein Möbelstück. Holz fiel zu Boden, ging zu Bruch und irgendwann befand ich mich in der anderen Ecke des Raumes. Ich krampfte meine Hände am Kopf zusammen und schrie aus Leibeskräften, jedoch war es ein Schreien, welches ich eher mir selbst gönnte, anstatt der Öffentlichkeit. Denn keine Reaktion folgte, der Hund reagierte gar nicht auf mich, ich fragte mich, ob er mich überhaupt hörte oder ob ich bereits im Wahn versunken war. Was jedoch realistisch wurde, war die Tatsache, dass es um mich herum immer heißer her ging und der Hund bereits das Weite suchte. Warum rannte er, wieso konnte ich meinen Blick nicht fixieren, was passierte mit mir?

Feuer breitete sich aus, ohne das ich es wirklich wusste, ohne das ich es registrierte, ohne das ich mich davor schützte. Schlagartig stand das ganze Schlafzimmer in Flammen und dann war es so, als hätte jemand in mir einen Schalter umgelegt. Meine Augen fixierten die Flammen, mein Leib drückte sich hoch und das Bluten der Nase ignorierte ich, als ich die Finger in die Richtung der Flammen streckte. Ich war gebannt vom Spektakel und meine Augen waren abwesend, fernab jeglicher Realität. Irgendwas hatte mich eingenommen und führte mich die nächsten Minuten. Ich wütete, ich zog Flammen durch das Zimmer und mit einem Ruck, als das Bellen des Hundes mein Ohr erreichte, war alles weg. Zurück blieb ein Haufen Asche und die Zerstörung meines obersten Stockwerkes. Ich starrte eine ganze Weile, mit einem Hauch von Wahnsinn, auf das mir dargebotene, dann sackte ich an der Wand zusammen, verkrampfte die Hände wieder an meinem Kopf und sprach einen Satz dauerhaft vor mich her...

Was passiert mit mir, was passiert mit mir, was passiert mit mir...

Ich betete das Dazen alsbald nach Hause kam, ich betete zu Alatar, dass er mir klar machen würde, was hier passierte und ich betete zu mir selbst, dass ich nicht vollkommen den Verstand verlieren wollte. Mein Leib wippte vor und zurück und der Hund, der mittlerweile neben mir ruhte, bellte immer mal wieder, als ich keine Reaktion in seine Richtung offenbarte. Erst nach einer ganzen Weile stand ich auf, riss die Fenster fast aus den Angeln und ließ die Luft heraus. Danach hockte ich mich auf den Boden und versuchte das weg zu schrubben, was ich angerichtet hatte, ich schrubbte und schrubbte und hoffte inständig, dass es auch meinen Kopf von diesem Schauspiel befreien wurde. Aber genauso wenig wie es beim Boden half, half es auch bei meinem Verstand. Das was mi mir geschah, ich wollte es nicht in Worte fassen, war eigentlich das, was ich Jahre lang von mir weg drückte. Es war das, was so viele bereits zerstört hatte und nun hatte es mich eingenommen, jedoch wagte ich es mich nicht, es in Worte zu fassen. Ich schrubbte einfach weiter... und weiter...



    • Es sind die letzten Zeiten,
      die Zeiten der Entscheidung
      über Leben und Tod,
      über Himmel und Hölle,
      Errettung und Verlorenheit.

      Seien wir vorbereitet
      auf Sein Reden und Handeln,
      auf Sein Wirken,
      Sein Gericht.

      Haben wir keine Angst
      vor dem Feuer,
      dem Feuer Gottes...

      - Arne Baier
Zuletzt geändert von Alin am Freitag 21. Juni 2013, 16:07, insgesamt 4-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

  • „Wir werden sehen, ob ich überhaupt jemals damit klar kommen werde.“


Hätte ich einen Ring, würde ich ihn abziehen und auf dem Tisch ablegen. Ich war nicht sauer und das war das Merkwürdige. Ich akzeptierte all seine Worte und doch war es heute anders. Es war eine Sache, die ich nicht ändern konnte. Ich betrachtete das Ganze alles recht nüchtern und versuchte in seine Richtung etwas gleichgültiger zu werden. Es fiel mir leichter als sonst. Vielleicht war es doch zum Teil Wut, auch wenn ich jene nicht zeigen wollte. Ich wusste nicht, wie oft ich bereits hörte, das ich ihn in die Verzweiflung trieb. Ich sollte einfach gehen, wem würde es schon weh tun. Einfach zwei Schritte, die Tür öffnen und gehen. Ich war es leid. Ich befand mich mittlerweile in einer Situation, in welcher ich Beistand benötigte. Natürlich konnte ich ihn diese Richtung nicht zwingen, aber ich wusste auch nicht, ob ich mir viel länger dieses Gesicht ansehen konnte. Wann war er eigentlich das letzte Mal wirklich glücklich mit mir, ohne großartige Sorge? Und ich überlegte mir nur Momente, wo kein Alkohol unsere Leiber kontrollierte. Traurig in dem Fall war, das mir kein Augenblick einfiel.

Zur Zeit führte ich einen Kampf mit mir selbst, einen Kampf gemeinsam mit den Anderen gegen menekanische Pest. Ob ich den Kampf mit ihm in diesen Zeiten noch ertragen würde, dem war ich mir nicht mehr sicher. Es war eine stumme Trauer, die sich in mir ausbreitete. Es war vielleicht mehr Qual als Freude, was wir uns gaben, was wir uns je geben würden. War es das wert? Ich stand noch immer zwei Schritte weg von der Tür und starrte auf ihre Klinke. Meine Züge waren geklärt und ich wusste nicht mehr, wie ich weiter laufen sollte. Ich war so demotiviert für alles. Ich konnte kaum Gedanken fassen, ohne gleich wieder genervt die Stirn in Falten zu ziehen. Ich benötigte Entspannung, unbekümmerte Momente und jene bekam ich nicht einmal in 'meinen' vier Wänden. Wo, wenn nicht hier war die Frage, dessen Antwort aber zur Zeit auch lautete, dass die Entspannung auch nicht einmal im Heim auf mich wartete. Wäre ich nicht so lustlos, würde ich laufen, einfach in Richtung Westen, bis zum Meer, dann schwimmen und irgendwann ertrinken. Kein Krieg mehr, kein Leid, keine unkontrollierte Kraft...

Ich hatte mich zumindest schon bewegt. Von Tür zum Tisch nämlich, wo ich mich nieder ließ, als wäre ich eine alte Frau. Jede Bewegung die ich tat, machte ich in einem grausigen Schneckentempo. Ich hatte sogar Angst, dass eine zu schnelle Bewegung irgendwas in Brand stecken würde. So dauert das Ganze bereits eine halbe Ewigkeit. Und wozu das alles, um einfach auch dort da zu sitzen und nichts zu tun. Meine Schultern hingen herab, meine Lider waren zur Hälfte gesenkt und wieder stieg die Lustlosigkeit in meinen Körper. Ich war müde von der Zeit und erschöpft von all diesen Erlebnissen. Von den tausend Momenten, in denen ich den Tod entgegen blickte, von den tausend Augenblicken, wo ich Tod in andere Körper rammte und diese hundert Momente, wo ich meine Gefühle auf Männer fixierte, die es hinnahmen und irgendwann ihr Ende fanden. Ich habe viel gesehen, viel verloren und ich befand mich nun an einem Punkt, wo ich den Tod begrüßen würde, erneut, mit offenen Armen.
Alin

Beitrag von Alin »

Und all dies hörte nicht auf. Ich dachte, irgendwann würde einfach mal wieder Ruhe einkehren, aber das passierte nicht. Erst kürzlich, als ich lediglich mit dem Hund eine Runde lief, stürmte ein Menekaner, Amar Yazir, mit seinem Pferd auf mich zu. Es ging alles so schnell, ich konnte mich nicht einmal wirklich zur Wehr setzen. Er presste mich an den Baum, drückte mir die Kehle zu und schrie mir ins Gesicht, was er von mir hielt. Ich nahm zu diesem Zeitpunkt an, ich würde sterben, so konnte ich die Angst und die Panik nicht aus meinem Gesicht vertreiben. Er genoss dieses Schauspiel, lehnte sogar seine Stirn an die Meine, um mir noch direkter dabei in die Augen zu sehen. Ich hasste ihn, ich hasste sie alle. Für diese Worte, die sie einem im Mund herum drehten, für diese Taten, die sie vollkommen missverstanden hatten und für all diese Angriffe, die mich immer wieder an den Rand des Lebens trieben. Für wenige Sekunden wünschte ich mir eine Befreiung von diesem Unheil, ich schrie ihm in Gedanken zu, er solle fester zudrücken, er solle noch ein Stück fester zudrücken. Aber er tat es nicht und mein Leib wollte auch nicht, auch wenn meine Seele danach schrie.

Ich riss meine Hände in die Höhe und ich besaß das Privileg des Erwachens. Ein Privileg, wovon er zum einen nichts wusste und welches ich noch nicht kontrollieren konnte. So könnte es natürlich immer passieren, das ich irgendeine Feuerfront in die Höhe riss, mich vollkommen verausgabte, aber zumindest massiven Schaden anrichten könnte. Das Lied war bereits von mir befallen, auch wenn ich in der Realität noch nichts davon mitbekam. Erst als er mir seinen Dolch durch die Schulter rammte, sich all meine Nerven zusammen zogen und der Schmerz sich durch den ganzen Körper zog, spürte ich die Wärme, die Hitze. Sie breitete sich an meinen Arm aus und ich schlug wild um mich. Das Nächste, woran ich mich erinnerte war, dass das halbe Gesicht des Mannes mit Brandblasen benetzt war. Das war es mir Wert, dachte ich mir. Dafür habe ich mich gerne ausgemergelt, wenn er nun sein Leben lang Narben dafür mit sich rumtragen würde. Natürlich wäre sein Tod noch um einiges erfüllender gewesen. Aber... beim nächsten Mal.

Und wäre das nicht genug, die Erschöpfung von Geist und Körper, nein, auch das Herz müsste geschwächt werden und an diesem Abend fragte ich mich, womit ich das alles verdient hätte. Aber wir beginnen von vorne, den ganzen Abend im Schnelldurchlauf, bis hin zu der Stelle, wo mir alles wie in Zeitlupe vorkam.
Adrian hatte sein Mal erhalten, ich war unheimlich stolz. Dann hatten wir uns noch zusammen gefunden und abgestimmt, ob ich trotz meiner Gabe noch weiter bleiben dürfte. Ich durfte, obwohl die Letharen mich seit dieser Abstimmung anders ansahen als zuvor. Damit konnte ich allerdings leben. Ich hätte auch mit Verlassen der Gemeinde leben können. Denn ich wusste, dass ich es nicht ändern konnte und somit auch in keiner Art und Weise Schritte in die Wege leiten, die irgendwie gegen diese Sache gehen würden. Aber es war geklärt, der Abend lockerte sich und ich freute mich inständig, dass sie alle Spaß hatten. Manchmal habe ich nicht einmal wirklich zugehört, ich sah nur in die amüsierten Gesichter und ich war sofort guter Dinge, es konnte nicht alles schlecht sein. Danke Dazen, das du mich wieder in die Realität zurück geholt hast...

"Wenn ihr Welpen bekommt, dann sind sie sicher auch magisch und dann wir sie werfen besser gleich in Lavagrube."

"Wir werden keine Welpen bekommen. Sie kann keine Kinder kriegen."


Meine Augen wanderten durch die Runde. Die Letharen sahen mich an, als wäre ich mit keinem Wert mehr besetzt. Ich wusste es natürlich. Frauen hatten in ihren Augen keinerlei Bedeutung mehr, wenn sie nicht fähig waren Nachwuchs zu zeugen. Es waren Blicke, die mich wieder herab rissen und ich schnappte einmal nach Luft. Weiter gingen meine Augen zu Sophie und Adrian, die eher verlegen zu ihren Händen starrten. Ich drückte mich langsam in die Höhe, versuchte nicht schwach zu werden und entschuldigte mich. Dann verließ ich den Raum und hörte nur noch die Worte der Lethra an mein Ohr dringen.

"Du solltest dir ein anderes Weibchen suchen."

Ich zog die Tür hinter mir zu und fragte mich, auf den kurzen Weg zum Tempel, ob es noch möglich gewesen wäre, mich mit Worten noch mehr zu verletzen. Ich musste nicht lange überlegen, um festzustellen, dass dies nicht ginge. Mein größer Wunsch war es ein Kind zu bekommen, meine größte Schwäche war es, das nicht ohne Hilfe zu erhalten und er hat all das vor allen offen gelegt, wie immer ohne nachzudenken. Ich war nicht einmal sauer, ich war eher enttäuscht und so verletzt, dass nicht einmal seine Entschuldigungen und Berührungen es hätten besser machen können. Ich sagte ihm, es braucht Zeit und dabei wusste ich nicht einmal, ob ich ihm das jemals verzeihen könnte...

In der Nacht schlief ich unruhig, ich träumte von meiner toten Tochter. Diesen Traum hatte ich lange nicht mehr und er zerriss mir erneut Herz und Seele. Ich hörte sie schreien, in ihren eigenen Flammen sterben und ich sah mich, als wäre ich nur ein Zuschauer. Ich beobachtete mich dabei, wie ich versuchte die brennenden Teile zur Seite zu schieben, wie meine Arme Feuer fingen und wie ich einfach nicht schaffte, zu ihr zu kommen. Ich hörte wie ihre Schreie ein Ende fanden und ich sah, wie ich aufgab, wie ich schwächlich zusammen brach und mir die Hände ins Gesicht presste, ungerührt von Dreck und Asche. Der Regen setzte ein, löschte die Flammen und begleitete mich in meiner Verzweiflung. In meinem Trau griff ich mit der Hand in die Richtung des abgebrannten Hauses, in meine Richtung, als wolle ich etwas halten, mich selbst trösten. Doch ich erreichte mich nicht. Ich wachte auf. Ich hörte bereits die Vögel singen, auch wenn die Sonne noch nicht aufgegangen war. Langsam rappelte ich mich auf, schlüpfte in meine Sachen und verließ das Haus, noch bevor Thanaya das Frühstück bereit stellte.

Ich konnte Menschen nicht mehr ertragen.
Alin

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  • Ich hatte Staub auf meiner Seele,
    meine Augen waren taub.
    Ich weiß genau, wenn's dich nicht gäbe,
    hätte ich schon lange
    nicht mehr an mich geglaubt.

„Dazen, ich danke dir, ich danke dir dafür, dass du mich am Leben hältst. Ich danke dir für all die Zeit, für all das Leid, was ich nicht alleine ertragen musste und nie mehr alleine ertragen muss. Dazen, vielen Dank...“

Ich drückte mich langsam in die Höhe, griff mit blinden Augen zur Seite hin und fühlte nur eine kalte Decke. Kurz zog ich Luft in meine Lungen, drehte meinen Kopf zur Seite und öffnete das rechte Auge gemächlich. Die Sonne war noch nicht einmal vollkommen aufgegangen und er war bereits wieder weg. Ich sorgte mich nicht, oder vielleicht doch, nur anders. Langsam drückte ich mich in die Höhe, wanderte zum Fenster, riss es auf und ließ die Augen über Düstersee wandern. Weiter hinten konnte ich vernehmen, wie ein Hammer auf irgendwas schlug, mehrmals, Bauarbeiten und ich wusste, ohne das ich es sehen konnte, wer dort am Arbeiten war. Langsam griff ich nach meinem Mantel, warf ihn mir über und verließ das Haus. Durch die Morgenstunden zog ich, mein Schritt war recht gemächlich und irgendwann, da konnte ich ihn sehen, wie er auf einem Dach hockte und versuchte das Loch darin zu flicken. Langsam blieb ich stehen und betrachtete ihn dabei, ich überlegte, ob er überhaupt geschlafen hatte. Aber dann erinnerte ich mich, dass wir zusammen ins Bett gingen und das Lächeln in meinem Gesicht wurde einen Moment ehrlicher. Meine rechte Hand hob sich langsam an und meine Augen tasteten den Ring an meinem Finger ab, wie er in der Morgensonne kurz aufblitzte und es mich etwas zum Blinzeln brachte.

Er hatte sich so verändert. Ob es der Krieg war oder einfach die Tatsache, dass er eben ein guter Mann sein wollte, wusste ich nicht. Wirklich gesprochen hatten wir darüber noch nie und wenn, wusste er keine Antwort oder wollte keine geben. Ich müsste vermutlich auch keine hören. Es gefiel mir so, wie es war, auch wenn ich manchmal nichts damit anzufangen wusste. Nicht etwa, weil ich Nettigkeiten und dergleichen nicht wollte, sondern einfach, weil das nicht der Mann war, den ich einst kennen lernte. Ich kam mir vor, als wäre ich der Dazen, der von dieser ganzen Gefühlssache nichts verstand und er wäre meine Alin, die sich Mühe gibt, wo sie nur kann, um mir bei zu stehen. Natürlich war es nicht so und ich wusste auch, dass er nie so sein würde, wie ich es einst war, wie ich es manchmal noch bin oder sein werde. Allerdings sah ich die Veränderung an ihm, in ihm und es machte mich glücklich. Es war mein kleiner Funken an Glück, der mich stets verfolgte, weil er mich verfolgte. Manchmal dachte ich zwar, meine Bindung zu ihm sei meine Schwäche, aber in solch Momenten, wo ich ihn sah, wie er sich den letzten Tropfen an Kraft aus dem Leib hämmerte, um das zu richten, was 'ich' verloren hatte, waren diese Zweifel wie weggeblasen. Zwar fiel ich immer wieder in ein tiefes Loch, durch Erinnerungen, durch Ereignisse, aber nie sehr weit. Er hielt mein Seil immer fest und sobald ihm der Sturz zu weit vorkam, zog er mit einem kräftigen Ruck, bis ich wieder auf festen Boden stand. Ich dankte ihm dafür, jeden Tag, jede Stunde. Auch wenn er es nicht wusste und ich es ihm vermutlich auch nicht all zu oft sagen würde. Allein weil sein komischer, verständnisloser Blick bereits in meinem Kopf ist, bevor er ihn aufgesetzt hatte.

Einen weiteren Schritt ging ich voran, hob die Hand empor und legte sie neben meinem Mund nieder, nur um zu ihm empor zu rufen. Ich rief ihn herab, sagte, das ich Frühstücken wolle und musste ihn, selbstverständlich, erst einmal an motzen, damit er überhaupt das Dach verließ und zu mir runter kam. Manche Leute sträubten sich gegen die Arbeit, mein Mann wollte gar nicht aufhören. Ich strich ihm ein wenig Späne aus dem Haar, wiegte den Kopf zur rechten Seite hin und betrachtete ihn einfach. Sein verwirrter Blick ging dabei vollkommen an mir vorbei. Ich fragte mich, womit ich das verdient hätte, dass ich ihn an meiner Seite hatte. Ich schrie ihm entgegen, in meinen Gedanken:

„Dazen, ich danke dir, ich danke dir dafür, dass du mich am Leben hältst. Ich danke dir für all die Zeit, für all das Leid, was ich nicht alleine ertragen musste und nie mehr alleine ertragen muss. Dazen, vielen Dank...“

Er beugte sich langsam vor, als hätte er meine Gedanken gelesen. Aber vermutlich konnte er dieses Gestarre einfach nur nicht mehr ertragen. Seine Lippen legten sich kurz auf meine, bevor er in Richtung Haus wanderte und mir zurief, wie lange ich da noch stehen würde wollen, er hätte Hunger. Ich drehte dazu langsam den Kopf, dann den Leib und folgte ihm, meinem Ehemann.
Zuletzt geändert von Alin am Freitag 12. Juli 2013, 19:49, insgesamt 2-mal geändert.
Alin

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  • Wenn ich der Welt etwas sagen könnte wäre es, dass wir alle O.K. sind.
    Und wir sollten uns nicht sorgen, weil Sorgen verschwenderisch ist,und nutzlos in Zeiten wie dieser.
    Ich werde nicht als nutzlos bezeichnet werden,
    ich werde Verzweiflung nicht ungenutzt lassen,
    ich werde mich um meinen Glauben sammeln.
    Da das Licht sich vor der Dunkelheit am meisten fürchtet.

    Meine Hände sind klein, ich weiss, aber sie sind nicht deine.
    Es sind meine eigenen, aber sie sind nicht deine.
    Es sind meine eigenen, und ich zerbreche nicht.

    Jewel - Hands


Und als erneut die Leichen verbrannt wurden, welche im Krieg gefallen waren, schlich sich ein weiteres Mal das Gefühl des Versagens in meinen Leib. Auch wenn ich meine Maske recht gut aufrecht erhielt, war man Geist komplett anderer Stimmung. Nur eine Kleinigkeit war anders als beim letzten Mal. Der Gedanke, der immer wieder zwischen dem Leid hervor blickte und mir die Gleichgültigkeit ins Gedächtnis rief. Ich merkte, wie meine Gefühlsregung dahingegen abschwächte und auch das war nichts, was mich glücklich machte. Ich schätzte es eigentlich, dass ich eben nicht dieser kalte Charakter war, wie so viele andere im Reich. Das ich auch Herz besaß und es zu nutzen wusste, ohne Alatar den Rücken zu kehren. Jedoch schien dieses Herz, nach und nach, an Gefühl zu verlieren und ich wurde so, wie ich nicht sein wollte. Doch wusste ich, nicht erst seit diesem Moment, dass es irgendwann so kommen musste.

Der Tod stand recht nah vor unserer Tür, er griff nach uns, Tag ein, Tag aus. Ich fand mich langsam damit ab, wodurch die Sorge um das Leben etwas geringer wurde. Um so gleichgültiger es einem war, um so stumpfer betrachtete man auch viele andere Dinge. Ich merkte, dass ich müde war, von der Zeit, von allem und ich merkte es nicht nur an meinen Knochen, sondern auch an den grauen Haaren, die sich ab und an durchs Rot schlichen. Trotzdem setzte ich ein Schritt vor den anderen und verdeutlichte der Welt, dass ich nicht aufgeben würde und weiter atmen, weiter gehen. Welchen Preis ich dafür zahlte, sollte keiner außer mir wissen. Ich war es leid, dass sich die Leute um mich sorgten und dieses ewige Drama. Ich war froh, wenn das Leben einmal einen gewohnten Lauf nahm und es an keiner Stelle Risse gab, die man hätte beheben müssen. Es war alles halbwegs geflickt und so sollte es auch bleiben. Vielleicht veranlasste mich das auch dazu, die Angst vor jener Dramatik, irgendwas mehr als nötig in Frage zu stellen.

Ich fragte nicht mehr nach, hörte bereits recht oft, dass es eventuell doch Dinge zum Fragen gäbe, aber ich ignorierte es. Auch wenn es mir kurz die Kehle zuschnürte, sobald die Information an mein Ohr drangen. Nur kurz dieses mulmige Gefühl, dann war es schon wieder vorbei und der Gedanke Gleichgültigkeit machte sich wieder bemerkbar. Es war vermutlich schon ein wenig verrückt, dass man ihn sogar ab und an gerne willkommen hieß. Ich lächelte da wo ich konnte und ich war auch nicht mal wirklich unglücklich. Es fiel mir alles um einiges leichter. Ich musste nicht mehr die Tränen verkneifen, wenn sich das Leid vor meinen Augen offenbarte, weil keine Tränen mehr kamen und ich musste nicht mehr hysterische Wutanfälle bekommen, wenn mir irgendwas in meinen vier Wänden nicht passte, weil ich es einfach lockerer betrachtete. Es war ein seltsames Gefühl von Freiheit, welches ich umarmte und an mich drückte. Ein Gefühl, welches nicht mit gut oder schlecht zu beschreiben war und doch etwas, was ich zur Zeit nicht missen wollte. Die Zeiten änderten sich, sie änderten das Land und sie änderten auch mich. Ich akzeptierte.


C A I L E A N

Nur des Nachts holte mich die offene Empfindung von Traurigkeit wieder ein, als ich an Cailean dachte. Ich hatte ihn eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen. Ich traute mich gar nicht, mich zu erkundigen, ob er eventuell durch die Kriegsleiden nicht mehr wahr. So schwieg ich über dieses Thema. Mit wem hätte ich auch drüber reden sollen? Florentine war weg, Thanaya sah ich alle zwei Wochen, wenn ich Glück hatte, einmal kurz irgendwo und Dazen und Kinder? Lieber nicht. Also machte ich mir alleine meine Gedanken zu meinem kleinen Prinzen. Er sagte so oft, ich sei das tollste Mädchen, das er kennt und ich glaube bis heute, dass er sich so sehr irrt. Aber er fehlt mir sehr, sein Lächeln, sein Unfug, seine Zickerein. Er war wohl mein Kinderersatz, ein Wort, was sicherlich nicht sehr nett ist und doch musste ich es mir eingestehen.

Er war mitunter eine Schwäche, eine Schwäche, wo ich nicht einmal wusste, ob sie noch existierte. Eine Schwäche, wo ich mich auch nicht erkundigen wollte, ob sie noch vorhanden war. Ich hoffte inständig, ihn alsbald wieder in meinen Armen halten zu dürfen. Er war nicht mein Licht im Schatten, wie Dazen es für mich war, er war eher der kleine Funke, der mit winkte, wenn es einmal düster wurde. Es war wie in einem Traum, er ließ mich für einen Moment, so oft, daran glauben, dass es kein Kummer und kein Leid auf dieser Welt gab. Sein Lächeln machte mich glücklich, sofort, obwohl ich es vielleicht gar nicht war.

Ich beugte mich zur Seite weg und griff unters Bett. Einen Teddybären zog ich hervor. Er war bereits etwas mitgenommen und doch hatte er einen gewissen Wert. 'Für meine wundersame, kleine Alin.' Ich lächelte, ich musste fast schon leise lachen, ohne meinen wundersamen Dazen neben mir zu wecken. Meine Finger strichen über das Plüschtier, bevor ich es wieder unter dem Bett 'versteckte'. Nicht weil man es mir wegnehmen würde, aber lange hätte es auf dem Bett wohl nicht überlebt.

Ich legte mich wieder zu meinem Mann, schloss die Augen und betete zu Alatar, dass jene Seele noch nicht genommen wurde und alsbald wieder die Sonne betritt. Meine Hand hob sich dabei an, legte sich um den Leib von Dazen und ich drückte mein Gesicht in seinen Rücken. Ich lehnte mich an meinen Helden, der nicht verschollen war.
Alin

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Lange Zeit überdachte ich diese Sache mit den Liebesschwüren, die man im alumenischen Reich schrieb, bevor man eine Ehe einging. Ich wusste, dass es in Rahal nicht so war und doch schrieb ich ein paar Worte auf, die mir in den Sinn kamen. Es waren Worte, die ich nie in Öffentlichkeit vor den Leuten preisgeben würde und doch empfand ich es als Wohltat, sie nieder zu schreiben. Als das Pergament mit den Zeilen benetzt wurde, setzte ich noch meine Initialen hinunter. Meine Mundwinkel zuckten unweigerlich, als daraus A. W. wurde. Dann schob ich das Pergament zwischen zwei Buchseiten und legte das Buch zurück in unserer Regal. Es war ein Buch über Ehe, ein ernsthaftes Buch über Ehe, das würde er nie lesen.

    • Ich lief umher so nah am Tod.
      Schritt für Schritt schrie mein Körper um Not.
      Ich sah kaum Land, kaum noch das Leben.
      Oh Herz, mein Herz, was sollte das geben.

      Da standest du da, mitten im Raum,
      und ich begann wieder zu atmen - ich glaubte es kaum.
      Auch wenn es am Anfang nie leicht mit uns war,
      nahmen wir unsere Worte nicht lange für Bar.

      So viele Schritte. über Stein, die ich mit dir ging,
      führten uns überall hin, sogar bis zum Ring.
      Niemanden vertraue ich mehr als dir,
      denn ohne dich wäre ich nicht mehr hier.

      Und auch wenn du damit nichts anfangen kannst,
      schreibe ich es auf - offen und ganz.
      Dazen du bist mein größtes Glück und Leid zugleich.
      du machst deinem Kobold das Leben reich.
Zuletzt geändert von Alin am Montag 29. Juli 2013, 19:43, insgesamt 1-mal geändert.
Alin

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  • Du willst meine Hand halten, du bist der Raum in meinem Bett.
    Du bist die Stille zwischen was ich dachte und was ich sagte
    Du bist die Angst der Nacht, du bist der Morgen wenn es vorbei ist
    Wenn es vorbei ist wirst du beginnen, du bist mein Verstand, du bist mein Herz.

    Kein Licht, kein Licht in deinen klaren blauen Augen
    Niemals wusste ich, dass das Tageslicht so brutal sein könnte
    Eine Offenbarung im Licht des Tages
    Du entscheidest was bleibt und was verschwindet
    Und ich würde alles tun damit du bleibst

    Kein Licht, kein Licht, kein Licht, sag mir was du von mir hören willst
    Durch die Menge, schreist du mich an
    In deinem Zuhause waren tausend andere Gesichter
    Ich verschwand in der Schusslinie

    Florence and the Machine - No Lights, No Lights



Ich rannte und rannte und ich wusste nicht einmal, ob der Hund mir wirklich noch folgte. Nicht nur, dass ich am Morgen rannte, nein, auch den Abend nutzte ich dazu, zu laufen. Die Worte bewahrheiteten sich, welche Dazen einst gelehrt bekam. Laufen macht frei, macht den Kopf frei. Einen freien Kopf, das benötigte ich. Die Information die Dazen mir gab, schuf einen Klumpen in meinem Hals. Ich konnte kaum noch atmen, nur beim bloßen Gedanken daran. Es warf so viele Erinnerungen auf. Es war wie aneinandergereihte Bilder, die sich in meinem Kopf abspielten. Also lief ich und ich hoffte so sehr, dass dieses Leben in meinem Kopf ein Ende nehmen würde, das die Bilder stoppen würden. Nur irgendwann, da konnte ich einfach nicht mehr laufen. Meine Muskeln machten nicht mehr mit und ich brach zusammen, landete auf dem Waldboden und zog immer wieder heftig Luft in meine Lungen. Meine Augen waren aufgerissen und meine Hände drückten sich in den Boden.
Sei stark, redete ich mir ein. Sei keine Versagerin, sprach ich atemlos vor mich her. Ich wollte stark sein und das konnte ich nur, wenn mein Kopf mich lassen würde. Es wirkte alles seltsam, ich hatte keine Kontrolle und um so mehr ich mir wünschte, die Gedanken abstellen zu können, um so mehr drückten sie sich in jede einzelne Pore meines Geistes. Ich war regelrecht gezwungen darüber nachzudenken, über all diese Bilder, bis hin zu der Sache, die dazu führte. Und so dachte ich, mitten auf dem Waldboden, mitten in der Nacht, mit einem bellenden Hund, der um mich herum sprang, als erwarte er gleich ein tolles Stockspiel.

Eine Kette glimmte in meiner rechten Hand. In meiner linken Hand ruhte ein schlichtes Schreiben. Ohne das ich es gelesen hatte, wusste ich, was es bedeutete. Ich suchte mir einen ruhigen Ort, meine Schwächen wollte ich auch dort schon hinter verschlossenen Türen halten. Ich überflog den Brief und ließ mir durch dieses Letter mitteilen, dass Rilas Avaryn sein Leben gelassen hatte. Ich hatte ihn verloren. Den Mann, der mich so oft am Leben hielt, dass ich irgendwann aufhörte zu zählen. Die Kette in meiner Hand war dabei ein lächerlicher Trost. Meine Füße zogen mich in Richtung Osten, wo ich die Ruinen seiner Burg aufsuchte, mich in jene setzte und meiner Wut freien Lauf ließ. Ich schmiss mit Steinen um mich, schrie so laut ich kann und es änderte nichts an meinem Verlust. Er hatte mich verlassen, zurück blieb eine Kette und ein Riss in der Seele.

Ich schnappte erneut nach Luft. Zwar war ich mittlerweile trainiert von den morgendlichen Übungen mit meinem Mann, aber wenn man jede Sehne ausreizte, brachte auch das nicht viel. Eine Wasserphiole zog ich aus der Tasche, um mir einen Teil zu Gemüt zu führen und den Rest über mein Gesicht zu kippen. Es war erfrischend, es machte meinen Kopf kurzzeitig wieder klar und ich dachte kurz an die Worte von Herrn Wolfseiche. Er meinte, ich solle meine Vergangenheit ruhen lassen, es würde langsam Zeit werden. Ich versuchte es sogar, kam aber zu dem Entschluss, das es eben dazu gehört, zu mir. Ich nahm aber bereits an, ohne das ich ihm das mitteilte, dass er eh ahnte, dass solch Äußerung hätte kommen können. Er kannte mich gut. Noch ein kurzer Blick in die Richtung Düstersees, bevor sich mein Kopf wieder auf Reisen begab.

Ich sackte auf den Boden, als ich das Bett von Hayden leer vorfand. Sie ruhte bereits seit Wochen und die Heilerin meinte zwar, ich solle mir keine Hoffnungen machen, aber Hoffnungen starben bei mir immer erst, wenn es keine Aussichten mehr darauf gab. An diesem Tag war ihr Bett leer und nicht etwa, weil sie wieder erwacht war. Als ich sie zuvor immer besuchte, kam es mir vor, als würe ich mich selbst in einem toten Zustand beobachten. Wir waren uns so ähnlich und doch so fernab in verschiedenen Welten. Ich hatte es ihr nie gesagt, aber ich liebte sie wie eine Schwester und sie war ein Teil von mir. Sie war ich, nur dass sie an irgendeinem Punkt stehen blieb und ich mich weiter entwickelte. So drückte ich meinen Kopf in das Kissen des leeren Bettes, schrie, was gedämpft wurde in den Federn. Ich konnte meinem Leid freien lauf lassen, es interessierte keinen. Die Menschen waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich mit fremden Leid zu befassen. Wer wollte es ihnen verübeln, ich nicht. Sie hatte mich verlassen, zurück blieb die Erinnerung und ein weiterer Riss in meiner Seele.

Meine Lippen kräuselten sich langsam und es schmerzte in der Brust. Ich kniff die Augen zusammen und versuchte weiterhin Haltung zu bewahren. Nicht vor dem Hund, vor mir selbst. Ich dachte nie über diese Sachen all zu lange nach, es quälte nur unnötig. Solch Dinge waren nicht dazu gedacht, sich deswegen jeden Tag fertig zu machen. Sie dienten lediglich zur Entwicklung. Ich hatte mich gemacht, das hatte ich schon öfter festgestellt. Ich war noch immer albern und manchmal sicher auch naiv, aber trotzdem würde ich mich schon als gestandene Frau bezeichnen. Das war nicht immer so. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass ich mittlerweile fest im Leben stand und nicht umher irrte wie eine Schildkröte, langsam und ohne jeglichen Fortschritt.
Ich strich Flohrolle über den Kopf und drückte mich langsam in die Höhe. Ich wollte die Heimreise antreten. Ich hatte genug den Boden mit meiner Anwesenheit beglückt. Es war Zeit zu gehen. Als mich meine Füße wieder zurück zum Weg führten, in Richtung Heimat, liefen die letzten Bilder vor meinem Kopf ab.

Ich hielt ein Haufen Asche in der Hand, hockte in den Resten meines Hauses und irgendwo unter dieser Asche war auch die meines Kindes. Ich konnte es nicht zuordnen, ich wollte es auch gar nicht. Ich sagte auch nichts, ich wimmerte nicht. Ich war stumm, mir liefen Tränen übers Gesicht, benetzten die Asche meines Kindes oder meines alten Stuhls oder des Hauses, sei es drum. Ich stellte bedauernd fest, dass ich mein Mädchen verloren hatte. Sie hatte mich verlassen und zurück blieb die Qaul und eine angefressene Seele.

Über Erimh dachte ich recht kurz nach. Ob das nun daran lag, dass ich in Düstersee einbog oder einfach daran, dass ich es leid war, deswegen unter zu gehen, war mir nicht wirklich bewusst. Es war mir aber auch gleich. Ich habe allem freien Lauf gelassen und mein Kopf war wieder klarer, regelrecht leer. Ich nickte den Wachen zu und irgendwann schloss ich das Türchen zu meinem neuen Haus auf. Es war schon dunkel. Entweder war mein Mann wieder in einer Spielunke und gab sich mit Alkohol den Rest oder er war bereits zu Bett gegangen. Ich kannte die Antwort und sie ließ meine Mundwinkel herab sinken.
Als ich ins Schlafzimmer kam, lag er bereits im Bett und schlief. Es enttäuschte mich, denn wäre er noch irgendwo mit Herr Schnaps und Frau Rum unterwegs gewesen, hätte mich das von der Realität etwas abgelenkt. Ich hatte leider feststellen müssen, dass die Benennung zum Knappe zwar eine unglaubliche Ehre war, allerdings unter diesem Umständen der Tanz mit dem Tod. Jedes Mal, wenn mein Mann das Haus zum Knappenunterricht verließ, befürchtete ich, dass am Abend eher der Alathraxor an meine Tür klopfte, um mir von seinem Ableben zu berichten. Ich redete mir zwar ein, das er es schaffen würde, so wie er es sich wohl auch einredete, aber wir wussten glaube ich beide, dass das eher so ein Wunschdenken war, an welchem wir uns halten mussten, um nicht zurück zu fallen.
Ich betrachtete ihn, legte mich dann dazu und ließ die Nacht und Schlaf walten, nur um mich darauf vorzubereiten, ihm Halt in dieser Zeit zu geben, ohne irgendein Drama in die Weltgeschichte zu werfen. Er hatte mich noch nicht verlassen und das sollte auch so bleiben.
Zuletzt geändert von Alin am Freitag 2. August 2013, 22:07, insgesamt 1-mal geändert.
Alin

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Die Witze die an mein Ohr drangen, wurden von mir zwar verstanden, aber ich konnte nicht darüber lachen. Nicht etwa, weil mir der Humor nicht zusagte, denn der Gedanke, dass es doch amüsant sei, kam mir durchaus. Allerdings konnte ich nicht mehr wirklich darüber lachen. Das lag nicht einmal daran, dass ich mit irgendeiner Sache beschäftigt war, die mich deprimierte. Vermutlich wunderte es mich genau deswegen. Ich lag gefühlte hundert Stunden, und vermutlich waren es nur drei, wach und starrte in die Richtung der Zimmerdecke. Mittlerweile hatte ich die Holzlatten gezählt und die Fehler darin, die kleinen Kringel, welche dem Ganzen eine Maserung gaben. Meine Finger glitten dabei hinauf und mit beiden Zeigefingern zog ich meine Mundwinkel in die Höhe. Es funktionierte, natürlich tat es das. Meine Brauen zogen sich ein wenig zusammen und die Hände glitten wieder herab. Vermutlich stumpfte ich ab, wie es jeder tat, der solch lange Zeit im Reich weilte und eine riesige Geschichte auf seinen Schultern trug.

Ich schloss die Augen und im nächsten Moment, so kam es mir vor und es war sicherlich eine etwas längere Zeit dazwischen, weckte mich Dazen zum Laufen. Eine Sache, an die ich mich gewöhnt hatte. Ich jammerte nicht mehr, so früh aufstehen zu müssen. So war ich sogar meistens schon vor Dazen fertig, was allerdings nur daran lag, dass ich mir keine Plattenrüstung anziehen musste. Die Steine in meinem Rucksack wurden mehr und ich band mir mittlerweile auch Gewichte um die Hand- und Fußgelenke. Ich lief sogar mit vorne, auch wenn ich die anderen nicht wirklich beachtete. Ich absolvierte meine Pflicht, rackerte mich durch das Übungsgelände und beendete das Ganze dann auch, wie jeden Tag, nur bereits ohne Zusammenbruch.
Zuhause angekommen legte ich die Sachen ab, nahm ein Bad und nickte Dazen einmal zum Abschied zu, bevor ich mich aufmachte mit dem Hund zu gehen. Eigentlich rannte ich aber nur vor ihm weg. Schon seltsam, seit dem Fest war alles anders.

Ich merkte, das ich ihm irgendwie egal geworden war und sicherlich machte es mich nicht glücklich. Aber ich konnte es nicht ändern. Ich beschloss lediglich, ihm so wenig wie möglich auf die Nerven zu gehen. Es schien mir zu gelingen, so redete ich mir ein. Letztendlich interessierte er sich einfach nicht mehr für mich, wodurch solch Versuch natürlich nicht sonderlich schwer fiel. Als ich daran dachte, dass ich ihm egal geworden war und ihn wohl mehr nervte, als dass ich ihm irgendeinen Halt gab, trieb mir ein bitteres Lächeln ins Gesicht. Hah, es funktionierte doch noch, das mit den Mundwinkel heben. Leider nur dieses Mal mit bitterem Beigeschmack. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis wir kein Wort mehr miteinander sprachen und irgendwann, da werde ich dann wieder meine Sachen packen und gehen. Auch wenn ich es weniger panisch betrachten konnte, als gewöhnlich, trieb es mir Tränen in die Augen. Die ich allerdings, als ich mit dem Hund wieder auf die Straße bog, schnell weg wischte. Und um so weniger ich mich damit auseinander setzte, um so weniger tat es mir weh.

Ich kam wieder nach Hause und sprach kein Wort. Ich nickte lediglich wieder einmal, zog mir die Schuhe aus und verzog mich, wie oft, in den Raum in der zweiten Etage, versank in meinen Büchern und war sogar mal froh, über diesen stumpfen Themenstoff, den ich mir aneignen musste. So musste ich mich nicht mit dem befassen, was mir eigentlich am Herzen lag. So nahm das Leben seinen Lauf und so würde der Tod nicht schlimm sein.
Alin

Beitrag von Alin »

    • Waren wir vielleicht zu feige,
      oder war es echt vorbei?
      Jeder flieht auf seine Weise,
      doch so einfach kann es nicht sein.

      Ich weiche deinen Blicken aus,
      dann schaue ich dir hinterher.
      Sammel all die Spuren auf,
      fühlst du wirklich gar nichts mehr?

      Ich hör dich sagen, kühl und leise:
      "Mit uns ist es eh vorbei"
      Jeder flieht auf seine Weise,
      doch so einfach kann es nicht sein.

      Ich kann dich nicht halten, doch ich lass dich nicht los.
      Ich weiss du musst gehen,
      doch meine Angst ist viel zu groß.

      Du machst deine Pläne so als gäbe es mich nicht.
      Du versteckst deine Tränen hinterm abgeklärtem Blick.
      Doch ich kann es sehen in deinem Gesicht.
      So cool bist du nicht, so gut kenne ich dich.
      So cool bist du nicht.
      mach dir nichts vor,
      ich kenne dich.


An diesem Morgen war das Laufen anders. Zum eine weil ich nicht geschlafen hatte und zum anderen, weil ich vor lauter Geflenne und die Schwellung der Augenringe, nichts sehen konnte. Manche fragten mich was los sei, andere ignorierten es. Ich ignorierte sie alle. Ich sattelte meine Sachen auf und rannte los. Ich glaube so schnell war ich noch nie. Ich nahm sogar den nicht üblichen Weg. Ich rannte durch den Wald, über Stock und Stein, fiel, stand wieder auf, rannte weiter. Wo mich keiner sehen konnte, ging auch das Geheule wieder los. Ich war so erbärmlich, ich hasste mich selbst dafür. Irgendwann, als ich die anderen nicht mehr hörte, blieb ich stehen, stützte meine Hände auf den Schenkeln ab und entleerte meinen Magen, der eigentlich schon leer war. Mir war so schlecht und wieder dieser Gedanke, dass ich mich selbst nicht ausstehen konnte.
Ich wischte mir mit dem Handrücken über den Mund und meine Ohren hörten auch wieder die Anderen. Das bewegte mich dazu, weiter zu laufen. Ich wollte mit niemanden sprechen. Also rannte ich und ich fiel und ich stand wieder auf. Ich stand wieder auf.

Nachdem der Lauf beendet war, stand ich eine ganze Weile vor der verschlossenen Türe, starrte auf Holz und entschied mich doch, einen anderen Ort zum Frisch machen zu suchen. Irgendwann wurde es dann das Meer. Ich fühlte mich einen Moment frei. Ein kurzer Moment, eindeutig, aber er genügte, um den Tränenfluss zu beenden. Dann verzog ich mich, in irgendeine dunkle Ecke und sah dem Tag zu, wie er an mir vorbei zog. Manchmal zählte ich die Sekunden, ein anderes Mal die Bäume, welche von der Sonne nach und nach angestrahlt wurden. Erst nach ein paar Stunden fand Thanaya mich. Ich hatte sie schon aus tausend Metern Entfernung erkannt, glaube ich, die Haare leuchteten so rot. Ich erinnerte mich daran, dass es da noch so locker war. Ich hätte nicht nach Rahal gehen sollen. Wenn ich lange mit irgendwem sprach, wurde es nie besser. Immer schlimmer, immer.
Thanaya legte den Arm um mich herum und setzte sich einfach schweigend dazu. Ich sagte kein Wort, sie sagte kein Wort und wir ließen einfach gemeinsam die Zeit an uns vorbei gehen. Irgendwann, als die Sonne mein Gesicht und das ihre traf, musste ich sogar einen Augenblick lächeln, auch wenn es mit meinem verquollenen Zügen vermutlich einen orkischen Zug hatte.

Wieder dieses Stehen vor der verschlossenen Türe und wenn ich rein gehen würde, wäre ich verpflichtet meine Sachen zu packen? Ich drehte kurz den Kopf über die Schulter und erwartete, dass mir irgendwer in den Hintern treten würde, aber es passierte nicht. Ich war schon wieder allein. Ich schloss die Augen, tastete mich durchs Haus und zwar nicht um die Sachen zu packen, sondern um dem Hund blind ein wenig Essen zu geben. Er konnte ja nichts dafür. Ich stellte mich allerdings nicht der Realität, schon als ich das Kauen hörte, floh ich aus diesen vier Wänden und schnappte ein paar Mal nach Luft, als hätte man sie dort drinnen abgestellt. Ich zog die Tür wieder zu und beschäftigte mich damit, spazieren zu gehen. Meine Wege führten mich überall hin, bis in die Osten hinein, durch die Wüste hindurch und zurück nach Grenzwarth. Nach Stunden, als ich zurück kehrte, fragte ich mich, ob ich einfach nochmal laufen sollte, aber ich hielt inne und ruckartig passierte was im Lied, was mir den Verstand nahm.
Zuletzt geändert von Alin am Dienstag 20. August 2013, 18:58, insgesamt 5-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

  • Auch wenn meine Worte, in Dunkelheit verschwinden.
    Ich bete das sie dich in einem anderen Leben finden.
    Der Brief den es nicht gibt, dann werde ich ihn schreiben.
    Und keines dieser Worte wird dir verborgen bleiben.
Ich öffnete die Augen und merkte, dass die Nacht wieder viel zu kurz war. Ich war es nicht mehr gewohnt alleine zu schlafen, wollte mir aber auch nicht vorstellen, dass je wer anders neben mir liegen könnte, als Dazen. Meine rechte Hand streckte sich langsam in die Höhe und ich betrachtete den Ring an meinem Finger eine Weile. Ich drehte die Hand, ließ die Sonne auf das Metall scheinen und mich vom Funkeln blenden. Mein rechtes Auge kniff sich dabei etwas zusammen und ich überlegte mir, warum er den Ring noch um seinen Hals trug. Weil das Bündnis noch nicht gelöst war oder hatte es mehr Hintergrund? Vermutlich nicht und wenn, dann wäre es wohl falsch, sich das Ganze nun schön zu reden. Um so mehr Hoffnung man reinlegte, um so mehr schmerzte die Enttäuschung. Also befasste ich mich gar nicht lange mit den Gedanken und rappelte mich aus meinem Bett empor. Wie aus Gewohnheit sah ich dabei kurz zur Seite hin. Dort lag niemand, schon seit Tagen nicht mehr und ich konnte mir dessen bewusst sein, ohne zu weinen. Ich war mir nur bewusst, dass nun etwas in meinem Leben fehlte und es von niemanden mehr ersetzt werden konnte. Zum einen weil ich es nicht wollte und zum anderen, weil es einfach nicht möglich war.

Der Lauf am Morgen war die übliche Prozedur, ich rannte an Dazens Seite, ohne groß mit ihm zu sprechen und ich nahm sogar an den Kampfübungen teil, auch wenn ich doch recht schlecht darin war. Magie wollte ich gar nicht erst vorschlagen, ich wusste, dass er das nicht mochte und ich fügte mich dieser Sache. Nachdem das Ganze beendet war, gingen wir alle wieder getrennte Wege und ich stromerte durch den Wald, über Wege, am Wasser vorbei, bis hin ins Feindesland. Die Welt war eigentlich recht friedlich und doch konnte ich nicht viel mit der Ruhe anfangen. Ich wusste, irgendwann würde mich das Leben wieder einholen und ich müsste mich mehr damit auseinander setzen. Ich wollte nur nicht. So setzte ich mich für einen Moment mit dem vergangenen Abend auseinander und das brachte mich doch tatsächlich zum Lächeln.

Er kümmerte sich gut um Charlie, er lehrte sie, er widmete ihr seine Zeit und war für Fragen bereit. Als ich ihn gestern betrachtete, wurde mir klar, dass der Weg, den er ging, genau der Weg war, den er gehen sollte. Ich war, wenn man so viel, richtig stolz und es stimmte mich glücklich. Und das sollte doch genügen, dachte ich. Sein Glück reichte mir, es wurde zu meinem. Ich entschloss mich dazu, ebenfalls für Charlie da zu sein und das nicht einmal aus Egoismus heraus, sondern weil sie mir auch irgendwie am Herzen lag. Sie erinnerte mich ein wenig an Thanaya, auch wenn es doch deutlich anders war. Sie war bereit zu glauben, das dachte ich zumindest, sie musste nur noch einen langen Weg gehen. Einen Weg, den sie vermutlich aber gehen wollte und das war der Knackpunkt. Wir würden sehen wie es sich entwickelt, wie das Leben weiter gehen würde und in wie weit ich in diesem großen Teil einen guten Beitrag leisten konnte. Ich versuchte es und ich wollte es, auch allein. Für mich, für ihn und für sie. Und wenn dieser Schlafmangel nicht so an meinen Kräften nagen würde, wäre ich vermutlich schon weiter gekommen.

Am Abend rannte ich immer noch bis zur Erschöpfung und so war zumindest das Einschlafen kein Problem mehr. Vorher konzentrierte ich mich aufs Lied, konzentrierte meine Kräfte und ich würde gar behaupten, ich stellte mich gut an. Manchmal erinnerte ich mich gar nicht daran, was passierte, als ich das tat und ich nahm an, dass war die einzige Sache, die da ein wenig falsch lief...
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