Die Erinnerungen eines Kriegers

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Asaniel
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Die Erinnerungen eines Kriegers

Beitrag von Asaniel »

Als ich in dem Land Lumiar zur Welt kam, war ich kein reicher Junge. Ich war der Sohn einer einfachen Familie. Mein Vater Gandor war ein einfacher Waffenschmied, meine Mutter Talisa kümmerte sich um die Hausarbeiten und den kleinen Garten hinter dem Haus. Ihre Berufungen machte meine Eltern jedoch nicht aus. Mein Vater war hart in seiner Erziehung, liebte mich dennoch nicht weniger wenn ich einmal versagen sollte. Schon früh musste ich ihm in der Schmiede bei der Arbeit aushelfen, meist wegen seiner langsam schwindenden Gesundheit. Ich musste meinem Vater langsam dabei zusehen, wie die Kraft ihn mehr und mehr verließ. Eines Tages war der Punkt erreicht an dem er selbst nicht mehr seine tägliche Arbeit verrichten konnte. Es war an mir eine Ausbildung zu erfahren und meine Familie, meine Eltern, bestmöglich zu versorgen.
In unserem Dorf gab es eine kleine Kampfschule die ich von jenem Tage an besuchte. Durch meine Arbeit in der Schmiede meines Vaters war ich bereits in jungem Alter kräftiger als die meisten Anderen, die jene Schule besuchten. Was mir jedoch gänzlich fehlte war die Technik um mit Schwert und Schild zu kämpfen. Die ersten Wochenläufe in dieser Kampfschule waren wohl die Härtesten, wenn ich nun daran zurückdenke. Nicht nur das Training zehrte an mir, denn dies waren auch die Wochen in denen meine Eltern den Kampf um ihr Leben verloren. Es war eine harte Zeit für mich und so habe ich mich oft nicht gerade clever in meinen Kämpfen angestellt und viele meiner Duelle, die wir austragen mussten, verloren. Ob es rein an dem Verlust meiner Eltern lag, oder meiner allgemeinen Abwesenheit, kann ich nicht sagen. Doch es war frustrierend immer wieder, trotz meiner körperlichen Überlegenheit, als Verliere dazustehen.
Das alles änderte sich an dem Tag an dem ich Theon von Damotil kennenlernte. Das erste Mal als ich ihn sah war ich etwas eingeschüchtert. Er war ein sehr großgewachsener Mann, hatte ein breites Kreuz und betrat an jenem Tag in voller Rüstung die Schule. Er war auf der Suche nach einem neuen Knappen und hatte deshalb die Kampfschule aufgesucht. Theon saß in der Ecke des Raumes, sprach mit unserem Trainer, während wir in der Mitte unsere Testkämpfe austrugen. Wiedermal hatte ich das Nachsehen und verlor mein Duell. Dennoch hatte Theon sich während der Kämpfe für mich entschieden.

Du bist sein neuer Knappe, Asaniel. Versau es nicht!


Dies waren die letzten Worte die mir mein Trainer damals auf den Weg mitgab. Worte die ich wahrscheinlich niemals wieder vergessen kann. Ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht was Theon von Damotil damals in mir sah, als er mich aus der Kampfschule mitnahm. Und doch folgte ich ihm blind zurück in seine Burg und verrichtete alle Dienste die er von mir verlangte. Er kümmerte sich immer gut um mich, brachte mir neben dem Kampf mit dem Schwert sogar das Lesen und Schreiben bei.
In seiner Burg lebten neben mir eine ganze Menge seiner Gefolgsleute. Krieger, Bauern und auch Glaubensvertreter waren dort ansässig.
Zuletzt geändert von Asaniel am Dienstag 14. Mai 2013, 18:21, insgesamt 1-mal geändert.
Asaniel
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Beitrag von Asaniel »

Es sollte jedoch der Tag kommen, an dem Theon von einer Grippe befallen wurde. Wir machten uns sofort auf die Suche nach einem Heiler, der fähig war ihn wieder zu alter Stärke zu genesen. Als wir schlussendlich einen passenden Heiler gefunden hatten und zur Burg zurückgekehrt waren, war es leider schon zu spät. Theon war am Morgen nicht mehr aufgewacht und hatte uns verlassen.
Sein Berater kam auf mich zu und nahm mich für einen Moment in den Arm. Ich war fassungslos, das jener Mann, der sich jahrelang um mich gekümmert hatte nun fort war. Es ist, wenn ich daran denke, schlimm das mich der Tod von Theon mehr mitgenommen hatte als der meiner Eltern. Die Ritter und Bauern, welche Theon von Damotil die Treue geschworen hatten verlangten nach einem neuen Führer. Sie wollten andere Ritter zu ihren neuen Anführern machen, doch hatte Theon seinem Berater in seinen letzten Momenten noch seinen finalen Willen verraten.

Asaniel... Asaniel soll die Burg beschützen.

Wieso ich?
Wieso nicht einer der erfahrenen Ritter, welche ihm vor Jahren die Treue geschworen hatten und unter seinem Banner geritten waren.
Wieso ausgerechnet ich?

Ich war nicht der Einzige den jene Nachricht in einen Schock versetzte. Viele Ritter waren von der Idee erfreut von nun an unter mir in Schlachten zu reiten. Ich war immerhin nach wie vor nur ein junger Mann in Ausbildung.
Da Theon jedoch wie eine Art Vater für mich war, respektierte ich seinen letzten Wunsch und versuchte so gut es geht seine Arbeiten zu übernehmen. Immer wieder traten Gerüchte an mich heran das die Bewohner der Burg nicht zufrieden mit der Situation waren.
Ich fand es damals wichtig das umliegende Land, welches nun unter meiner Obhut lag, selbst zu überwachen indem ich regelmäßige Ausritte plante um zu sehen ob alles noch beim Rechten ist.

Meine Fürsorge und meine Sorglosigkeit wurden zu meinem Verhängnis.

Was ich zu jener Zeit nicht wusste, war das mehrere meiner Ritter den Aufstand gegen mich geplant hatten und jene Ausritte als die beste Möglichkeit ansahen, mich loszuwerden. Und so kam es das ich eines Tages auf einem meiner Ausritte hinterrücks überfallen wurde. Ich versuchte mich so gut es ging zu verteidigen, doch waren sie vielfach in der Überzahl. An jenem Tage lag ich dort, im Matsch. Schwere Verletzungen am ganzen Körper. Mein Körper wurde schwächer, meine Atmung langsam. Das war es, das war mein Ende.
Zuletzt geändert von Asaniel am Dienstag 14. Mai 2013, 18:22, insgesamt 1-mal geändert.
Asaniel
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Beitrag von Asaniel »

Doch ich wachte wieder auf. Überall schmerzte es, aber ich war am Leben. Doch wo war ich? Langsam blickte ich mich um. Ein älterer Mann stand in der Ecke am Feuer und sah in die Glut hinein.

Wer... wer seid ihr?

Ein Freund. Legt euch hin und werdet gesund.


So viele Gedanken schossen in jenem Moment durch meinen Kopf. Es waren jedoch Hass und das Gefühl des Verrates das vorherrschten. Ich schloss wieder die Augen, ich musste mich schonen. Ich brauchte Ruhe.
Asaniel
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Beitrag von Asaniel »

Die Luft war feucht, es roch nach Salz. Als ich das nächste Mal wach wurde konnte ich nur am Meer sein. Am Meer? Nein, auf dem Meer. Ich öffnete die Augen und sah mich um. Groß war das Schiff nicht. Gerade einmal groß genug eine handvoll Menschen zu tragen.

Wohin geht es?

Bajard, mein Herr.

Bajard. Ich wiederholte den Namen, hatte ich ihn zuvor noch nie gehört. Neben meinem Kopf lag ein zusammengerolltes Pergament. Ich öffnete es und las darin:


Knappe Lamont.

Es war keine Zeit mit euch darüber zu sprechen, doch zu eurem eigenen Schutze habe ich euch auf dieses Schiff gebracht um euch in ein fernes Land zu bringen. Ihr seid hier nicht mehr sicher. Die Gefolgsleute eures Herrn sind unermüdlich auf der Suche nach euch. Ich hoffe ihr kommt sicher an.

Ein Freund



Ich war mir sicher das dies der richtige Weg war, doch wohin er mich führen sollte, wusste ich an jenem Tage noch nicht.
Asaniel
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Beitrag von Asaniel »

Als wir in Bajard anlegten war ich ziellos. Ich kannte niemanden in diesem Ort und wusste nicht, was ich tun sollte. Und so tat ich das, was ich die letzten Jahre am besten konnte: Ich trainierte. Die lange Reise auf der hohen See hatte an meinem Körper gezehrt und deshalb war ich mir sicher das mir das Training helfen würde.
Mehrere Tage verbrachte ich in Bajard an den Puppen, trainierte hauptsächlich meinen Kampf mit dem Schwert, war dies doch die Waffe, die mir all die Jahre gedient hatte. Ich fasste an meinen Waffengurt. Dort hing das Schwert meines Herren, was ihm jahrelang im Kampf ein hilfreiches Werkzeug war.
An den Enden der Pariersstangen waren Rubine angebracht, welche das das Wappen der Familie von Damotil in der Mitte umschlossen.
Ich hatte es niemals zum Kampf benutzt. Ich hatte zu viel Respekt davor. Es war das letzte was ich hatte, das letzte was mich an ihn erinnerte.
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