Jedes Geräusch, welches ich in der Nacht hörte, erzeugte in meinem Geist Panik. Meine Atmung ging immer mal wieder schneller, als ich annahm, dass der kleine Ast, der draußen gegen das Fenster schlug, das Vorzeichen für ein neues Beben war oder das alte Blatt, welches seinen Weg über den Boden schlängelte. Doch wollte ich jene Nacht nicht wieder klammernd zu ihm rüber rutschen und ihn mit meiner Bangigkeit belagern. Allein die Tatsache, dass ich dies bereits immer im Schlafe tat, missfiel mir. Ich wollte nicht schwach sein und ich wollte das alles nicht so nah an mich heran kommen lassen. Es hat sich, ohne das ich es erlaubte, tief in meine Seele geschlichen und dort verankert. Jedes Mal als ich versuchte, mich mit den Gedanken zu befassen, stellte sich mein Kopf jedoch auf stur. Es war so, als hätte man ihn ausgeschaltet, nachdem man begonnen hatte, die Ereignisse hervor zu kramen. Es herrschte nur eine gähnende Leere, die mein Körper, mit einem Starren auf einen irrelevanten Punkt, hinnahm. Eventuell war auch noch nicht bereit dafür oder ich wollte einfach nicht bereit dafür sein.
Lieber befasste ich meine Gedanken damit, an andere zu denken, welche in meinen Augen viel mehr litten. Ich verdrängte das alles noch recht gut und eigentlich, so das Thema nicht detailliert in einer Unterhaltung aufkam, konnte ich meinen Zustand diesbezüglich recht gut verbergen. So waren es Thanaya und Funkenblüte, die mir mehr Sorgen bereiteten, als ich mir selbst bereitete. Sie waren für mich wie kleine Schwestern, welche es zu beschützen gilt. Wie teure Vasen, welche nicht einmal mehr im Ansatz schön anzusehen waren, wenn ein Riss sie durchzog. Man würde, trotz der Stabilität, immer den Fehler bemerken, auch wenn sie noch immer die Blumen halten würden. Ich wollte nicht, dass ein offener Riss entstand, ich wollte da sein und ich wusste nicht wie.
"Fang lieber bei dir an, dir Gedanken zu machen.. du trittst im Schlaf aus wie ein Pferd."
Mit einer hektischen Bewegung wischte ich diesen Satz aus meinem Kopf. Mein Körper wird schon irgendwann bereit sein, sich diesen Gedanken zu widmen und solange er sich sträubt, hege ich auch keinen Bedarf daran, ihm nachzueifern und hervor zu locken. Ich wusste das es falsch war. tief im Inneren, aber irgendwas blockierte mich auch und ich bemühte mich nicht einmal, glaube ich... Er wollte sogar mit mir darüber reden und ich wusste, das auch er der Einzige sein würde, mit dem ich jemals offen darüber sprechen konnte und doch kam kein Wort über meine Lippen, als er mich fragte. Die Mauer schob sich ruckartig in meinen Geist und ich musste das ablehnen, was mir vermutlich geholfen hätte. Das einzige, wo keine Abrieglung geschaffen werden konnte, war der Versuch, ihn in der kommenden Nacht nicht halb zu erschlagen...
Ich griff ein paar Felle und zog in Richtung Wachturm, der Gedanke der mich dabei trieb war, was er kann - kann ich auch. Ich wickelte mich ein, was irgendwann wie ein großer Fellsack aussah und starrte in den Wald hinaus. Sollte der Feind nun kommen, was ich nicht einmal annahm, dann hätte er auf jeden Fall diverse Male auf mich schießen müssen, um die Fellwand zu durchbohren...
Ich konnte es nicht...
Ereignisse, Zerstörung und Normalität
-
Funkenbluete
Perspektivwechsel
Rauchschwaden ziehen sich schlierenhaft durch den schummrig beleuchteten Raum. Ich sitze in der Dachkammer in Minfays Hurenhaus auf der Insel.
Ich rauche irgendein dreckiges Kraut, welches mir ein schmieriger Kerl an den Docks anbot. Es betäubt meine Sinne, verschleiert meine Sicht und lässt Gleichgültigkeit walten.
Es ist mir egal, woran ihr glaubt!
Es ist mir egal wofür ihr kämpft!
Es ist mir egal, egal, egal...
Ein Husten unterbricht meinen gierigen Zug an dem glimmenden Stängel zwischen meinen Fingern. Gleichsam lässt mich der Protest meiner Lungen einen Weg in die Realität zurück finden.
Bilder der letzten Tage huschen durch mein Kopf.
Ich hätte mich von ihnen fernhalten sollen.
Ich bin ihnen viel zu nahe gekommen.
Sie sind mir egal!
Er ist mir egal!
Sie ist mir egal!
Alle!
Aber ich kann es noch so oft in die Nacht hinaus brüllen.
Außer dem Geschmeiß in den Gossen, betrunken taumelnd bis in den Sonnenaufgang, und die Sterne hört mich hier niemand. Niemand, den es interessieren würde.
Und selbst wenn... Wer würde mir glauben? Man riskiert sein Leben nicht aus Langeweile.
Was damit anfing, dass ich mir ein paar Münzen verdiene ist nun viel zu weit in eine Richtung gelaufen, die gefährlich für mich ist.
Ich bin kein Rudeltier. Bindung heißt Schwäche, Sorgen machen schwach!
Ich bin kein Wolf und erst recht kein Panther.
Warum dann geht mir das Gesicht nicht aus dem Kopf. Dieser Ausdruck einer Frau, unter einer Brücke sitzend, auf den sicheren Tod wartend.
Und wofür?
Woran sie glauben, woran sie hängen... DAS ist ihr Galgen!
Ich bin kein Rudeltier. Und wenn ich einen Weg in ihre Herzen gefunden haben. Meines bleibt verschlossen!
Ich bin frei. Frei und allein.
Rauchschwaden ziehen sich schlierenhaft durch den schummrig beleuchteten Raum. Ich sitze in der Dachkammer in Minfays Hurenhaus auf der Insel.
Ich rauche irgendein dreckiges Kraut, welches mir ein schmieriger Kerl an den Docks anbot. Es betäubt meine Sinne, verschleiert meine Sicht und lässt Gleichgültigkeit walten.
Es ist mir egal, woran ihr glaubt!
Es ist mir egal wofür ihr kämpft!
Es ist mir egal, egal, egal...
Ein Husten unterbricht meinen gierigen Zug an dem glimmenden Stängel zwischen meinen Fingern. Gleichsam lässt mich der Protest meiner Lungen einen Weg in die Realität zurück finden.
Bilder der letzten Tage huschen durch mein Kopf.
Ich hätte mich von ihnen fernhalten sollen.
Ich bin ihnen viel zu nahe gekommen.
Sie sind mir egal!
Er ist mir egal!
Sie ist mir egal!
Alle!
Aber ich kann es noch so oft in die Nacht hinaus brüllen.
Außer dem Geschmeiß in den Gossen, betrunken taumelnd bis in den Sonnenaufgang, und die Sterne hört mich hier niemand. Niemand, den es interessieren würde.
Und selbst wenn... Wer würde mir glauben? Man riskiert sein Leben nicht aus Langeweile.
Was damit anfing, dass ich mir ein paar Münzen verdiene ist nun viel zu weit in eine Richtung gelaufen, die gefährlich für mich ist.
Ich bin kein Rudeltier. Bindung heißt Schwäche, Sorgen machen schwach!
Ich bin kein Wolf und erst recht kein Panther.
Warum dann geht mir das Gesicht nicht aus dem Kopf. Dieser Ausdruck einer Frau, unter einer Brücke sitzend, auf den sicheren Tod wartend.
Und wofür?
Woran sie glauben, woran sie hängen... DAS ist ihr Galgen!
Ich bin kein Rudeltier. Und wenn ich einen Weg in ihre Herzen gefunden haben. Meines bleibt verschlossen!
Ich bin frei. Frei und allein.
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Thanaya
Staub rieselte von der Wehrmauer herab, auf einen kleinen Schuttberg der sich am Rand des dunklen Gemäuers auftürmte. Hier und da lagen grössere oder kleinere Steine, der Boden war aufgerissen und ein Teil Rahals versank ihn einem tiefen Abgrund.
Es hatte sie mitgenommen..schlaflose Nächte gekostet, Alpträume und Sorgen. Tagelang war sie herumgestromert, teilweise alleine, teilweise mit anderen, hatte hier und da etwas geholfen, aber die meiste Zeit verbrachte sie für sich.
Angst...
Sie hatte furchtbare Angst das es jemanden erwischt haben konnte den sie kannte. Dies trieb sie dazu, lieber Abstand von allen anderen zu halten, die Erkenntnis hinauszuzögern. Auch wenn ihre Gedanken stetig um die anderen kreisten. In ihren Träumen sah sie Kreaturen die hervorkrochen, und nach ihr griffen, Schreie und Verzweiflung.
Es war nichts was sie mit anderen teilen würde. Sie musste das mit sich ausmachen.
Die schmale Gestalt, in dem viel zu grossen Mantel stand vor einem Haufen Zerstörung. Die Hände tief in die ausgebeulten Manteltaschen gestopft starrte sie auf die kaputten Häuser...Einige feuchte Tränen rannen über ihre Wangen und hinterliessen eine hellere Spur in ihrem Gesicht. Oder war es der Regen? Es nieselte...der trockene Boden nahm die Nässe gierig auf, kleine Rinnsäle versickerten in dem trockenen, geborstenem Stein.
Hilfosigkeit....
Dann straffte sie sich und schluckte alle Emotionen runter.
Sie war dreckig, die Kleidung voller Staub, die Haare unordentlich, Augenringe untermalten das blasse Gesicht und sie hatte kaum essen können.
An diesem einen Abend dann, suchte sie doch die Gesellschaft der anderen. Sie betrat die kleine Hafentaverne, und war erleichtert dort zumindest einige Gesichter zu sehen die sie kannte.
Yexxe und Althan, auch wenn sie so furchtbar wütend und enttäuscht von Althan war. Naryella die sie kaum kannte, zwei Männer die fast gleich aussahen und eine Lethra die sie auch noch nicht kannte.
Also gesellte sie sich zu Yexxe.
Und dass was sie so befürchtet hatte, musste kommen...
"Er verschollen ist." Flüsterte die Lethra ihr zu. Thanaya spürte wie sich ein Kloss in ihrem Hals bildete, ein schwerer Stein der in ihrem Magen greifbar wurde.
"Ich ihn suche weiter."
"Du musst ihn finden.... du musst."
Stille....
Den restlichen Abend verbrachte sie damit zu reden.. fast unaufhörlich. Erzählte von Belanglosigkeiten, ein Wort folgte auf das andere. Und tatsächlich schienen die Gedanke für eine Weile still zu stehen.
Dann kam Alin dazu, Dazen. Sie freute sich das die beiden da waren. Ein Stück Geborgenheit. Ein Stück Freundschaft.
Es hatte sie mitgenommen..schlaflose Nächte gekostet, Alpträume und Sorgen. Tagelang war sie herumgestromert, teilweise alleine, teilweise mit anderen, hatte hier und da etwas geholfen, aber die meiste Zeit verbrachte sie für sich.
Angst...
Sie hatte furchtbare Angst das es jemanden erwischt haben konnte den sie kannte. Dies trieb sie dazu, lieber Abstand von allen anderen zu halten, die Erkenntnis hinauszuzögern. Auch wenn ihre Gedanken stetig um die anderen kreisten. In ihren Träumen sah sie Kreaturen die hervorkrochen, und nach ihr griffen, Schreie und Verzweiflung.
Es war nichts was sie mit anderen teilen würde. Sie musste das mit sich ausmachen.
Die schmale Gestalt, in dem viel zu grossen Mantel stand vor einem Haufen Zerstörung. Die Hände tief in die ausgebeulten Manteltaschen gestopft starrte sie auf die kaputten Häuser...Einige feuchte Tränen rannen über ihre Wangen und hinterliessen eine hellere Spur in ihrem Gesicht. Oder war es der Regen? Es nieselte...der trockene Boden nahm die Nässe gierig auf, kleine Rinnsäle versickerten in dem trockenen, geborstenem Stein.
Hilfosigkeit....
Dann straffte sie sich und schluckte alle Emotionen runter.
Sie war dreckig, die Kleidung voller Staub, die Haare unordentlich, Augenringe untermalten das blasse Gesicht und sie hatte kaum essen können.
An diesem einen Abend dann, suchte sie doch die Gesellschaft der anderen. Sie betrat die kleine Hafentaverne, und war erleichtert dort zumindest einige Gesichter zu sehen die sie kannte.
Yexxe und Althan, auch wenn sie so furchtbar wütend und enttäuscht von Althan war. Naryella die sie kaum kannte, zwei Männer die fast gleich aussahen und eine Lethra die sie auch noch nicht kannte.
Also gesellte sie sich zu Yexxe.
Und dass was sie so befürchtet hatte, musste kommen...
"Er verschollen ist." Flüsterte die Lethra ihr zu. Thanaya spürte wie sich ein Kloss in ihrem Hals bildete, ein schwerer Stein der in ihrem Magen greifbar wurde.
"Ich ihn suche weiter."
"Du musst ihn finden.... du musst."
Stille....
Den restlichen Abend verbrachte sie damit zu reden.. fast unaufhörlich. Erzählte von Belanglosigkeiten, ein Wort folgte auf das andere. Und tatsächlich schienen die Gedanke für eine Weile still zu stehen.
Dann kam Alin dazu, Dazen. Sie freute sich das die beiden da waren. Ein Stück Geborgenheit. Ein Stück Freundschaft.
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Dazen Wolfseiche
- Wer nicht in Zweifeln wehevoll gerungen,
Mit Alatar und sich und mit der Welt entzweit,
Ist selten durch das dunkle Tor gedrungen
Zum Throne seiner Herrlichkeit.
Wer behauptete in den Zeiten der Beben, dem Auftauchen des Allmächtigen und anderen Göttlichen, keine Angst gehabt zu haben, lügt. Davon war ich fest überzeugt. Es war nur eins, die Angst zu zeigen, ein anderes diese Empfindung in Nutzbringendes umzuwandeln.
Was mir half, war - so bösartig es klang - vor allem die Schmerzen, und dass ich genug zu tun hatte, um mir keine Gedanken zu machen, was morgen sein würde.
Dann kam die Stille. Empfindungen, die weder die meinen waren, noch welche, die ich häufig pflegte, oder gar groß beachtete für gewöhnlich. Dennoch ließen sie mich stocken, kurz in meinen Schritten innehalten, durchatmen. Es war dieses Gefühl, dass sich leise und langsam einschlich:
Es war vorbei.
Die Städte und Siedlungen in Trümmern, der Feste ganz ähnlich, die jedoch wenigstens im Grundgemäuer sehr gut standgehalten hatte, so dass wenigstens diese Zuflucht blieb.
Es blieb nun nur noch eins zu tun: Aufräumen, Wiederaufbau, Heimkehr.
Es war vorbei.
Die Schmerzen waren mittlerweile vergangen, die Verletzungen soweit verheilt, dass ich wieder anständig mit anpacken konnte. Nur die Nächte wollten nicht ruhiger werden in der Feste. Wach wurde ich in dieser tatsächlich, weil die Tritte und Knuffe ausblieben und es eindeutig zu ruhig war im Gegensatz zu den paar Stunden Schlaf in den vergangenen Nächten. Ich brauchte etwas, bis mein müder Geist begriff, was so anders war.
Im ersten Moment war ich versucht einfach liegen zu bleiben und die Gelegenheit schamlos zu nutzen, mich umzudrehen und weiter zu schlafen. Der Versuch scheiterte allerdings kläglich. Also stand ich auf, zog mir etwas über und fing an systematisch - und leise, um niemanden zu wecken - die Feste abzulaufen. Da ich in meinem eigenen Wahn davon ausging, dass uns kein Angriff bevorstand, verzichtete ich auf die Rüstung und nahm lediglich das Schwert mit. Ohne Waffe fühlte ich mich dann doch viel zu nackt.
Nach einer Weile fand ich meinen üblichen nächtlichen Störenfried - oder vielmehr einen Berg von Fellen, aus der gerade mal eine Nase hervorlugte. Ich verkniff mir irgendwelche Kommentare - ausnahmsweise. Vielmehr mopste ich ihr eins der Felle, um eine wärmere Unterlage zu haben, und setzte mich schweigend dazu.
Und wartete…
- In der Infragestellung meines Ichs reicht mir niemand das Wasser.
Aber ich kann schwimmen und dann vor allem stehen.
(Raymond Walden)
-
Alin
„Steh' auf.“
„Ich will nicht.“
„Du bist so erbärmlich, Alin.“
„Ich weiß.“
„Steh' schon auf.“
„Ich will nicht.“
„Steh' verdammt nochmal auf und tu' das, was du kannst!“
„Versagen.“
„Erbärmlich.“
„Ich weiß!“
Vor einer Stunde etwa ist alles aus mir heraus gekommen, was ich so viele Tage und Wochen in mich hinein gefressen hatte und nun stand ich da, nur noch wenige Schritte von Düstersee entfernt und ich wollte das Pferd nicht weiter in diese Richtung lenken. Die Tränen liefen mir übers Gesicht und wo ich vor wenigen Stunden noch dachte, ich würde nicht alles verlieren was mir wichtig ist, dachte ich nun, dass genau das geschehen sei. Ich wollte für ihn da sein und ich wollte stark sein und ich habe versagt. Das Atmen fiel mir schwer und all das, was mich in dieser schweren Zeit, die ich durchlebte, glücklich machte, all das, was sich in nur einer Person wiederfand, wirkte genauso zerbrochen wie ich mich in diesem Moment fühlte. Ich wollte an die Tür klopfen, ihm sagen das es mir leid tut und zeitgleich wusste ich, das ich es wohl nur schlimmer machen würde. Zumindest eine Sache, die ich wusste, denn alles andere wollte nicht in meinen Kopf.
Es tut mir leid...
Ich sollte schweigen, grundsätzlich immer, denn wirklich was Gutes kam nur selten dabei heraus und ich nahm es mir auch so oft vor und doch war es schwerer als einst angenommen. Am heutigen Abend hätte ich schweigen sollen, ich hätte nicht einmal zurück gehen sollen, aber mein schlechtes Gewissen trieb mich dazu. Wieder eine Schwäche, eigentlich. Was habe ich damit nur bewirkt? Mir ging es nun zwar besser, weil ich endlich alles hinaus geschrien hatte, was mich so lange Zeit belastete, aber der Gewinn war recht gering, wenn ich betrachtete, was ich dadurch verlor. Er war mein Halt und ich glaube, ich hatte am heutigen Abend allein losgelassen und zusätzlich bin ich noch tausend Meter nach hinten gesprungen, damit man ja gar nicht mehr wieder zugreifen hätte können. Aber nun stand ich da und ich verfluchte mich dafür. Ich erkannte was das Leben aus mir gemacht hatte und erkannte, wie ich die, die mich zum Atmen bewegte, wegdrückte, als wären sie das falsche Stück des Magneten.
Es tut mir leid...
Ich war kaputt, schon so lange und ich würde auch nie wieder richtig funktionieren und doch hat er mich akzeptiert, mit all meinen Macken. Als hätte man eine kaputte Puppe mit nur einem Arm und einem Bein gekauft, welche eigentlich für den Müll gedacht war und ihr wieder, im eigenen Heim, einen dekorativen Sinn gegeben. Ich wusste nicht mehr, ob er noch das Bedürfnis hegte, mir diesen Sinn zu geben, den ich mir selber gab, durch seine Existenz und ich wünschte mir inständig, dass ich wissen würde, damit ich mich endlich wieder in Bewegung setzen konnte und dieses Geheule aufhört. Aber es passierte nicht, ich bewegte mich erst, als die Sonne meinen Rücken traf und die Handelswagen mit Krach in meine Richtung schabten. Ein ruckartiger Tritt in die Seite des Tieres und es brachte mich im schnellen Ritt zu meinem Heim. In jenem versteckte ich mich, kroch unter tausend Decken und wünschte mir, die Zeit zurück zu drehen.
Es tut mir leid...
„Ich will nicht.“
„Du bist so erbärmlich, Alin.“
„Ich weiß.“
„Steh' schon auf.“
„Ich will nicht.“
„Steh' verdammt nochmal auf und tu' das, was du kannst!“
„Versagen.“
„Erbärmlich.“
„Ich weiß!“
Vor einer Stunde etwa ist alles aus mir heraus gekommen, was ich so viele Tage und Wochen in mich hinein gefressen hatte und nun stand ich da, nur noch wenige Schritte von Düstersee entfernt und ich wollte das Pferd nicht weiter in diese Richtung lenken. Die Tränen liefen mir übers Gesicht und wo ich vor wenigen Stunden noch dachte, ich würde nicht alles verlieren was mir wichtig ist, dachte ich nun, dass genau das geschehen sei. Ich wollte für ihn da sein und ich wollte stark sein und ich habe versagt. Das Atmen fiel mir schwer und all das, was mich in dieser schweren Zeit, die ich durchlebte, glücklich machte, all das, was sich in nur einer Person wiederfand, wirkte genauso zerbrochen wie ich mich in diesem Moment fühlte. Ich wollte an die Tür klopfen, ihm sagen das es mir leid tut und zeitgleich wusste ich, das ich es wohl nur schlimmer machen würde. Zumindest eine Sache, die ich wusste, denn alles andere wollte nicht in meinen Kopf.
Es tut mir leid...
Ich sollte schweigen, grundsätzlich immer, denn wirklich was Gutes kam nur selten dabei heraus und ich nahm es mir auch so oft vor und doch war es schwerer als einst angenommen. Am heutigen Abend hätte ich schweigen sollen, ich hätte nicht einmal zurück gehen sollen, aber mein schlechtes Gewissen trieb mich dazu. Wieder eine Schwäche, eigentlich. Was habe ich damit nur bewirkt? Mir ging es nun zwar besser, weil ich endlich alles hinaus geschrien hatte, was mich so lange Zeit belastete, aber der Gewinn war recht gering, wenn ich betrachtete, was ich dadurch verlor. Er war mein Halt und ich glaube, ich hatte am heutigen Abend allein losgelassen und zusätzlich bin ich noch tausend Meter nach hinten gesprungen, damit man ja gar nicht mehr wieder zugreifen hätte können. Aber nun stand ich da und ich verfluchte mich dafür. Ich erkannte was das Leben aus mir gemacht hatte und erkannte, wie ich die, die mich zum Atmen bewegte, wegdrückte, als wären sie das falsche Stück des Magneten.
Es tut mir leid...
Ich war kaputt, schon so lange und ich würde auch nie wieder richtig funktionieren und doch hat er mich akzeptiert, mit all meinen Macken. Als hätte man eine kaputte Puppe mit nur einem Arm und einem Bein gekauft, welche eigentlich für den Müll gedacht war und ihr wieder, im eigenen Heim, einen dekorativen Sinn gegeben. Ich wusste nicht mehr, ob er noch das Bedürfnis hegte, mir diesen Sinn zu geben, den ich mir selber gab, durch seine Existenz und ich wünschte mir inständig, dass ich wissen würde, damit ich mich endlich wieder in Bewegung setzen konnte und dieses Geheule aufhört. Aber es passierte nicht, ich bewegte mich erst, als die Sonne meinen Rücken traf und die Handelswagen mit Krach in meine Richtung schabten. Ein ruckartiger Tritt in die Seite des Tieres und es brachte mich im schnellen Ritt zu meinem Heim. In jenem versteckte ich mich, kroch unter tausend Decken und wünschte mir, die Zeit zurück zu drehen.
Es tut mir leid...
- Ich höre Dein Lachen - da bleibe ich steh'n
Ich fühl' Deinen Atem - doch ich kann niemanden seh'n
Ich spüre Deine Hand - aber ich bin allein
Ich rieche Deinen Duft - und auch das kann nicht sein
Ganz deutlich vor mir - seh' ich Dein Gesicht
Ich will Dich umarmen - doch ich greife ins Nichts
Tanzwut - Niemals ohne dich
- Ich höre Dein Lachen - da bleibe ich steh'n
-
Thanaya
Etwas schlug gegen das Fenster. Ein helles, klares Geräusch, leise und doch eindringlich.
In dem dunklen Zimmer, in welchem nur matt das Mondlicht hieinfiel und das innere in ein weiches Licht tauchte, regte sich nichts. Abermals erklang das Geräusch gegen das Fenster und aus der Ecke, in welcher ein schmales Bett stand, kam ein Brummeln. "Puschel.. sei ruhig." Stille.
Und ein weiteres mal, doch diesmal lauter hallte der Aufschlag durch das kleine Zimmer.
Thanaya schreckte auf, ihr Kopf hob sich nach oben und sie sah zur Quelle des Geräusches hin. Dann schlug sie die Decke zurück, sprang aus dem Bett, wobei die Füsse den kalten Boden berührten und sie leicht frösteln liess.
Sie wischte sich einige lange filzige Haare aus dem Gesicht, und schlich auf Zehenspitzen zum Fenster. Dicht daneben drückte sie sich gegen die Wand und spähte hinunter. Unten stand eine schmale Gestalt, im Schatten der hohen Siedlungsmauer, welche zu ihr hochblickte. Thanaya erkannte die Sillhuette und griff rasch zum Griff des Fensters, um es aufzuziehen und sich hinauszulehnen.
"Alin!" Flüsterte sie lautstark runter. "Was ist los?" Die unten stehende Gestalt sah sie ernst an und trotz des nur fahlen Mondlichts, erkannte Thanaya eine gewisse Traurigkeit welche sich in ihrem Gesicht zeigte. "Magst du.. rüberkommen?" Erwiederte diese leise fragend hinauf.
Thanaya zögerte nicht lange, whisperte noch einige rasche Worte hinunter und schloss das Fenster wieder. "Ich komme, warte, bin gleich da! Nicht wegrennen!"
Alin mochte in dem kleinen Zimmer kurz den Schein einer Laterne aufleuchten sehen, welcher kurz darauf wieder versiegte und es erneut ins Dunkel tauchte.
Ein weiterer Lichtschimmer ergoss sich nun aus der unteren Etage hinaus auf das Gras, welches das Haus umgab und leuchtete es in einem warmen Schein an. Es rummorte im Haus, irgendeine Kiste wurde geöffnet und wieder zugeschlagen, dann erlosch auch dieses Licht wieder und die Haustür öffnete sich fast geräuschlos. Hinaus trat eine in einem schmalen Mantel gehüllte Thanaya, etwas verschlafen noch unter den zotteligen Haaren dreinschauend, doch mit einem Lächeln welches sie Alin zukommen liess, und in ihrer Hand hielt sie eine Tasche, die mit irgendwelchem Zeug gefüllt war. Sie nickte der Freundin zu, und zusammen stiefelten sie hinüber, zu Alins Haus wo sie die Nacht hinter sich ausschlossen.
Zusammen stapften sie die Treppe nach oben, in das Schlafzimmer, Thanaya mit der Tasche hinterher und nicht gerade leise die Stufen hochstiefelnd. Alin war schweigsam, noch hatte sie kaum ein Wort gesprochen und Thanaya sah ihr besorgt entgegen. Oben angekommen setzten sie sich hin wobei Thanaya die Tasche öffnete und begann die hineingestopften Sachen auszupacken und vor Alin zu präsentieren. Es handelte sich um Süssigkeiten in allen möglichen Varianten. Da waren Kekse, Kuchen, Bonbons, Karamell und Cremeschnitten. Daneben stellte sie einen mit einem Deckel verschlossenen grossen Krug, der mit einer süsslich duftenden Flüssigkeit gefüllt war. Mit dem Versuch eines strahlens, schob sie die Köstlichkeiten näher zu Alin, als sie ihr gegenüber sass und schnappte sich selber seinen Karamell und schob ihn sich in den Mund. Appetit schien die rothaarige, geknickt wirktende Gestalt nicht zu haben, doch vielleicht aus Höflickeit griff sie sich ebenfalls einen Karamell nur um ihn jedoch in der Hand zu halten ohne ihn zu essen. Thanaya stand auf und rutschte zu ihr rüber, sich Schulter an Schulter zu ihr setzend und da Alin nicht gewillt schien auch nur ein Wort zu sprechen, begann Thanaya damit zu erzählen. Belanglosigkeiten waren es, Dinge die sie gemacht hatte, die sie erlebte, kleine Geschichten aus der Wache, doch bei all jenem liess sie die schlimmen Ereignisse weg, welche sie durchgemacht hatten, wie auch die Dinge, welche sie selber besorgten. So mochte eine Stunde vergehen, wobei Alin zumindest hin und wieder vom Saft einen Schluck nahm, während Thanaya sich immer wieder was von dem Süsskram griff. Nahrung für die Seele, welche beide so nötig hatten. Immer wieder versuchte Thanaya etwas aus Alin herauszukriegen, was sie bedrückte, doch diese mochte kein Wort dazu verlieren. Es war noch immer dunkel, als sie sich beide in das grosse Bett kuschelten. Alin wollte nicht alleine bleiben. Noch eine Weile plapperte Thanaya weiter, doch gedämpfter, bis sie hörte das Alin wohl eingeschlafen war. Sie selber jedoch konnte nicht einschlafen und lag noch eine Weile wach. So bemerkte sie auch das Schluchzen von der Seite, Tränen, ein leises Weinen. Den Arm tröstend um sie legend hielt sie Alin fest, bis auch sie irgendwann der Schlaf überkam.
In dem dunklen Zimmer, in welchem nur matt das Mondlicht hieinfiel und das innere in ein weiches Licht tauchte, regte sich nichts. Abermals erklang das Geräusch gegen das Fenster und aus der Ecke, in welcher ein schmales Bett stand, kam ein Brummeln. "Puschel.. sei ruhig." Stille.
Und ein weiteres mal, doch diesmal lauter hallte der Aufschlag durch das kleine Zimmer.
Thanaya schreckte auf, ihr Kopf hob sich nach oben und sie sah zur Quelle des Geräusches hin. Dann schlug sie die Decke zurück, sprang aus dem Bett, wobei die Füsse den kalten Boden berührten und sie leicht frösteln liess.
Sie wischte sich einige lange filzige Haare aus dem Gesicht, und schlich auf Zehenspitzen zum Fenster. Dicht daneben drückte sie sich gegen die Wand und spähte hinunter. Unten stand eine schmale Gestalt, im Schatten der hohen Siedlungsmauer, welche zu ihr hochblickte. Thanaya erkannte die Sillhuette und griff rasch zum Griff des Fensters, um es aufzuziehen und sich hinauszulehnen.
"Alin!" Flüsterte sie lautstark runter. "Was ist los?" Die unten stehende Gestalt sah sie ernst an und trotz des nur fahlen Mondlichts, erkannte Thanaya eine gewisse Traurigkeit welche sich in ihrem Gesicht zeigte. "Magst du.. rüberkommen?" Erwiederte diese leise fragend hinauf.
Thanaya zögerte nicht lange, whisperte noch einige rasche Worte hinunter und schloss das Fenster wieder. "Ich komme, warte, bin gleich da! Nicht wegrennen!"
Alin mochte in dem kleinen Zimmer kurz den Schein einer Laterne aufleuchten sehen, welcher kurz darauf wieder versiegte und es erneut ins Dunkel tauchte.
Ein weiterer Lichtschimmer ergoss sich nun aus der unteren Etage hinaus auf das Gras, welches das Haus umgab und leuchtete es in einem warmen Schein an. Es rummorte im Haus, irgendeine Kiste wurde geöffnet und wieder zugeschlagen, dann erlosch auch dieses Licht wieder und die Haustür öffnete sich fast geräuschlos. Hinaus trat eine in einem schmalen Mantel gehüllte Thanaya, etwas verschlafen noch unter den zotteligen Haaren dreinschauend, doch mit einem Lächeln welches sie Alin zukommen liess, und in ihrer Hand hielt sie eine Tasche, die mit irgendwelchem Zeug gefüllt war. Sie nickte der Freundin zu, und zusammen stiefelten sie hinüber, zu Alins Haus wo sie die Nacht hinter sich ausschlossen.
Zusammen stapften sie die Treppe nach oben, in das Schlafzimmer, Thanaya mit der Tasche hinterher und nicht gerade leise die Stufen hochstiefelnd. Alin war schweigsam, noch hatte sie kaum ein Wort gesprochen und Thanaya sah ihr besorgt entgegen. Oben angekommen setzten sie sich hin wobei Thanaya die Tasche öffnete und begann die hineingestopften Sachen auszupacken und vor Alin zu präsentieren. Es handelte sich um Süssigkeiten in allen möglichen Varianten. Da waren Kekse, Kuchen, Bonbons, Karamell und Cremeschnitten. Daneben stellte sie einen mit einem Deckel verschlossenen grossen Krug, der mit einer süsslich duftenden Flüssigkeit gefüllt war. Mit dem Versuch eines strahlens, schob sie die Köstlichkeiten näher zu Alin, als sie ihr gegenüber sass und schnappte sich selber seinen Karamell und schob ihn sich in den Mund. Appetit schien die rothaarige, geknickt wirktende Gestalt nicht zu haben, doch vielleicht aus Höflickeit griff sie sich ebenfalls einen Karamell nur um ihn jedoch in der Hand zu halten ohne ihn zu essen. Thanaya stand auf und rutschte zu ihr rüber, sich Schulter an Schulter zu ihr setzend und da Alin nicht gewillt schien auch nur ein Wort zu sprechen, begann Thanaya damit zu erzählen. Belanglosigkeiten waren es, Dinge die sie gemacht hatte, die sie erlebte, kleine Geschichten aus der Wache, doch bei all jenem liess sie die schlimmen Ereignisse weg, welche sie durchgemacht hatten, wie auch die Dinge, welche sie selber besorgten. So mochte eine Stunde vergehen, wobei Alin zumindest hin und wieder vom Saft einen Schluck nahm, während Thanaya sich immer wieder was von dem Süsskram griff. Nahrung für die Seele, welche beide so nötig hatten. Immer wieder versuchte Thanaya etwas aus Alin herauszukriegen, was sie bedrückte, doch diese mochte kein Wort dazu verlieren. Es war noch immer dunkel, als sie sich beide in das grosse Bett kuschelten. Alin wollte nicht alleine bleiben. Noch eine Weile plapperte Thanaya weiter, doch gedämpfter, bis sie hörte das Alin wohl eingeschlafen war. Sie selber jedoch konnte nicht einschlafen und lag noch eine Weile wach. So bemerkte sie auch das Schluchzen von der Seite, Tränen, ein leises Weinen. Den Arm tröstend um sie legend hielt sie Alin fest, bis auch sie irgendwann der Schlaf überkam.