"Ob aus dir mal was wird?"
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Fjalon Thorn
"Ob aus dir mal was wird?"
Zehn Jahre zuvor. Irgendwo in Gerimor.
„Ob aus dir mal was wird?“
Sein Vater hatte ihn genau das ungezählte Male gefragt, wenn er sich wieder einmal weigerte, die Kaufmannslehre zu beginnen, die seinen Vater zu so großem Ansehen und Reichtum gebracht hatte. Ja, fürwahr hätte es Fjalons Talenten entsprochen - Er war ja kein Einfaltspinsel, ganz im Gegenteil sogar! – aber irgendwie entsprach dies nicht seinem Naturell. Ein bernsteinäugiger, breiter Kerl mit dem kantigen Gesicht eines Söldners in Lohn und Brot bei einem Kaufmann...? Wohl kaum. Fjalon schauderte bei dem Gedanken. Denn immerhin war er schon fast sechzehn und damit weise genug zu wissen, dass all die Dinge, die sein Privatlehrer Tergon Tintenfass und sein Vater ihm beibrachten zwar wichtig seien, dass es aber auch so unendlich viel zu entdecken gäbe. Abenteuer statt Zahlenlehre, Heldentaten statt Rhetorik und Ruhm statt Geschichtsunterricht. Ganz wie der fidele Wanderbarde, der von Zeit zu Zeit in dem kleinen Weiler Halt machte, zu erzählen und zu besingen wusste. Hoffnung auf Ruhm und Abenteuer jenseits der Mauern dieses Weilers , jenseits der Straßen und jenseits der großen Stadt.
Die Stadt... dort, wo all die Adligen, die edlen Ritter und Streiter weilten. Was für Abenteuer sie wohl schon erlebt haben mussten. Und Fjalon? „Lernen soll er, beten soll er, arbeiten soll er.“ Und überhaupt... warum sollte er zu Cirmias, dem Gotte seines Vater, beten? Seit die flammenden Reden der Temorapriester sein Herz berührten, konnten all die Bemühungen seiner Familie sein Herz nicht mehr wenden. Der Lichtbringerin wollte er sein Leben verschreiben und das Gute, das Licht und das Leben schützen.
Ganz einfach eben, er wollte ein Held sein!
So oft wunderte sich Fjalon, welch' wundersame Orte wohl hinter der Stadt lagen, hinter dem Hafen und hinter dem Horizont am Ende des Meeres? Er wusste es nicht, doch er war fest davon überzeugt, dass er dorthin musste. Weit weg, seinen wahren Weg einschlagen und diese muffigen Mauern hinter sich lassen. So sponn der Geist dieses, vielleicht noch ein wenig... ungereiften... Knaben , der fatale Plan, sein liebendes, vielleicht manchmal etwas schrulliges Elternhaus Hals über Kopf zu verlassen. Mit nicht mehr als einem kleinen Beutel voller Hab und Gut schlich sich Fjalon eines Nachts aus dem Hause seiner Eltern.
Er plante, bald wiederzukommen. Mit Geschichten für den Wanderbarden, mit heldenhaften Taten und Erzählungen von den wundersamen Orten, die er bereist hatte. Und dann, ja dann würde er seine Familie überzeugen, dass er Recht hatte, kein Kaufmann zu werden!
Leider kommt es oft anders. Und noch öfter ganz anders, als man denkt.
„Ob aus dir mal was wird?“
Sein Vater hatte ihn genau das ungezählte Male gefragt, wenn er sich wieder einmal weigerte, die Kaufmannslehre zu beginnen, die seinen Vater zu so großem Ansehen und Reichtum gebracht hatte. Ja, fürwahr hätte es Fjalons Talenten entsprochen - Er war ja kein Einfaltspinsel, ganz im Gegenteil sogar! – aber irgendwie entsprach dies nicht seinem Naturell. Ein bernsteinäugiger, breiter Kerl mit dem kantigen Gesicht eines Söldners in Lohn und Brot bei einem Kaufmann...? Wohl kaum. Fjalon schauderte bei dem Gedanken. Denn immerhin war er schon fast sechzehn und damit weise genug zu wissen, dass all die Dinge, die sein Privatlehrer Tergon Tintenfass und sein Vater ihm beibrachten zwar wichtig seien, dass es aber auch so unendlich viel zu entdecken gäbe. Abenteuer statt Zahlenlehre, Heldentaten statt Rhetorik und Ruhm statt Geschichtsunterricht. Ganz wie der fidele Wanderbarde, der von Zeit zu Zeit in dem kleinen Weiler Halt machte, zu erzählen und zu besingen wusste. Hoffnung auf Ruhm und Abenteuer jenseits der Mauern dieses Weilers , jenseits der Straßen und jenseits der großen Stadt.
Die Stadt... dort, wo all die Adligen, die edlen Ritter und Streiter weilten. Was für Abenteuer sie wohl schon erlebt haben mussten. Und Fjalon? „Lernen soll er, beten soll er, arbeiten soll er.“ Und überhaupt... warum sollte er zu Cirmias, dem Gotte seines Vater, beten? Seit die flammenden Reden der Temorapriester sein Herz berührten, konnten all die Bemühungen seiner Familie sein Herz nicht mehr wenden. Der Lichtbringerin wollte er sein Leben verschreiben und das Gute, das Licht und das Leben schützen.
Ganz einfach eben, er wollte ein Held sein!
So oft wunderte sich Fjalon, welch' wundersame Orte wohl hinter der Stadt lagen, hinter dem Hafen und hinter dem Horizont am Ende des Meeres? Er wusste es nicht, doch er war fest davon überzeugt, dass er dorthin musste. Weit weg, seinen wahren Weg einschlagen und diese muffigen Mauern hinter sich lassen. So sponn der Geist dieses, vielleicht noch ein wenig... ungereiften... Knaben , der fatale Plan, sein liebendes, vielleicht manchmal etwas schrulliges Elternhaus Hals über Kopf zu verlassen. Mit nicht mehr als einem kleinen Beutel voller Hab und Gut schlich sich Fjalon eines Nachts aus dem Hause seiner Eltern.
Er plante, bald wiederzukommen. Mit Geschichten für den Wanderbarden, mit heldenhaften Taten und Erzählungen von den wundersamen Orten, die er bereist hatte. Und dann, ja dann würde er seine Familie überzeugen, dass er Recht hatte, kein Kaufmann zu werden!
Leider kommt es oft anders. Und noch öfter ganz anders, als man denkt.
Zuletzt geändert von Fjalon Thorn am Mittwoch 7. November 2012, 19:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Fjalon Thorn
Heute. Kommandantur des Regiments in Adoran.
„Alles ruhig. Nur Schnee, sonst sind die Straßen friedlich wie fast nie die letzten Wochen“
Fjalon schüttelte sich den Schnee vom Umhang der Uniform. Tatsächlich war dieser Abend ein ganz besonders ruhiger gewesen. Die Straßen waren wie ausgestorben, niemand verging sich gegen das Recht. Ja nicht einmal ein versehentlich nicht abgelegter Panzerhandschuh war zu sehen und am großen Tor gingen nur Leute ein und aus, die die Gesetze sowohl kannten als auch achteten. Das war eine Seltenheit in den letzten Wochen.
Überhaupt, in den letzten Wochen hatte sich viel getan in Fjalons Leben. Nachdem seine Schnapsidee vor 10 Jahren, auf einem Handelsschiff anzuheuern, Form angenommen hatte, wurden seine so hohen Erwartungen rasch stark geschmälert. Die ersten Monate durfte er das Deck schrubben, den Unrat der Matrosen entsorgen und generell das männliche Mädchen für Alles spielen. Nach einigen Monaten auf der GOLDESEL war Fjalon klar, dass das hier mitnichten das abenteuerliche Leben undStreben nach Ruhm und Ehre war, das er dringend gesucht hatte. Es war eher eine schlimme Variante von zuhause. Eine verdreckte Variante... und die Lehrer vermisste er auch. Das fand er, zu recht, verrückt. Glücklicherweise für Fjalon, weniger glücklich allerdings für den Rest der Mannschaft war der Umstand, dass die GOLDESEL in einem fremdländischen Hafen nach einigen friedlichen Fahrten von einer blutrünstigen Gruppe Räuber angegriffen wurde. Der nächtliche Überfall raffte fast die ganze Mannschaft hin, doch der Kapitän des Schiffes überlebte. Nüchtern betrachtet, hätte Fjalon das nicht tun müssen, der Kapitän war immerhin nicht selten grob und gemein zu ihm, doch aus irgendeinem inneren Antrieb heraus, beschützte der mutige Sechzehnjährige seinen Kapitän mit dem Leben. Nachdem die überlebende Mannschaft den Großteil der Angreifer unter schweren Verlusten beseitigt hatte, watete auch der junge Fjalon in Blut. Drei der heruntergekommenen Räubergestalten hatte er ins Jenseits geschickt. Bis heute ist ihm nicht klar, wie er das geschafft hatte, bewaffnet mit purer Entschlossenheit, dem Glauben an Temora und die Gerechtigkeit, dem Mut der Verzweifelten und einem stumpfen Küchenmesser in der Hand.
Im Nachhinein viel wichtiger jedoch war der darauffolgende Umstand, dass der Kapitän den Jungen nun zu seinem persönlichen Mundschenk und Leibwächter auserkor. Wohl aus gutem Grunde, denn viele der achso mutigen Matrosen hatten sich entweder ergeben und wurden dann doch hingerichtet oder hatten verzagt gekämpft und starben ohnehin. Allein ein kleiner Teil der Mannschaft überlebte. Fjalon hingegen genoss fortan ein besonderes Ansehen bei seinem Herren.
Der Soldat Fjalon war geboren. Vielleicht weniger ruhmreich, als er sich zunächst erdacht hatte. Doch die nächsten neun Jahre sollten deutlich ereignisreicher ablaufen. Fjalon lernte den Umgang mit dem Schwert, er stählte seinen Körper und lernte sich in jeder Situation seiner Haut zu erwehren. Freilich immer zum Schutze seines Meisters.
Letztlich jedoch erwies sich der Kapitän, in Fjalons Augen, als allzu häufig ehrlos und goldgierig, weshalb er mit 25 Jahren den Dienst quittierte und in Adoran, mit nichts als einem Lederpanzer und ein paar Münzen anlandete. Der Preis für das Dienstende war hoch, hatte er doch gewisse Reichtümer angehäuft, die der Kapitän nun einbehielt – als Tribut für Fjalons Freiheit.
Eine ehrlose Gesellschaft diese Seefahrer...
Letztlich hatte er sich, er war nun einmal irgendwie doch Soldat geworden, beim Regiment in Adoran verpflichtet und ging nun schon ein paar Monate seinem Dienst als Rekrut nach. Mitnichten eine geistig ausfüllende Tätigkeit, doch diese war ehrenvoll, dessen war Fjalon sich sicher. Hier wurde kein Zwischenhändler verprügelt, um bessere Preise „auszuhandeln“. Es wurde keine Loyalität nur mit Gold erkauft und schon gar nicht die Obrigkeit bestochen. Sicherlich schlechter bezahlt und noch deutlich gefährlicher, aber eben ehrenvoll. Ein Schild für die Schwachen, Schutz der Gesetze und das Leben für die Krone. Das war nicht nur besser, als nichts zu tun – es war eine Aufgabe, die die ganze Persönlichkeit, den Charakter und die Ziele eines Mannes ausfüllen konnte. Genau das war es, was Fjalon wohl brauchte, denn seit langer Zeit wieder verliefen seine Moral und seine Ziele wieder in einer geraden Linie.
Und wenn es nur Wachgänge, Patroullien und das Säubern einer Gefängniszelle waren: Ein Mann braucht eine Aufgabe, damit „Aus ihm mal etwas wird“.
Zufrieden setzte sich Rekrut Thorn nach vollendetem Wachgang in die Umkleide der Kommandantur und entledigte sich seiner Rüstung. Was wohl in den nächsten Wochen kommen mochte? Viel zu viele Gerüchte über Gefahren aus Varuna und Rahal waren im Umlauf – Hoffentlich bewahrheitete sich Keines.
Leider es selbst die Natur von falschen Gerüchten, zumeist ein kleines Quentchen Wahrheit zu enthalten.
„Alles ruhig. Nur Schnee, sonst sind die Straßen friedlich wie fast nie die letzten Wochen“
Fjalon schüttelte sich den Schnee vom Umhang der Uniform. Tatsächlich war dieser Abend ein ganz besonders ruhiger gewesen. Die Straßen waren wie ausgestorben, niemand verging sich gegen das Recht. Ja nicht einmal ein versehentlich nicht abgelegter Panzerhandschuh war zu sehen und am großen Tor gingen nur Leute ein und aus, die die Gesetze sowohl kannten als auch achteten. Das war eine Seltenheit in den letzten Wochen.
Überhaupt, in den letzten Wochen hatte sich viel getan in Fjalons Leben. Nachdem seine Schnapsidee vor 10 Jahren, auf einem Handelsschiff anzuheuern, Form angenommen hatte, wurden seine so hohen Erwartungen rasch stark geschmälert. Die ersten Monate durfte er das Deck schrubben, den Unrat der Matrosen entsorgen und generell das männliche Mädchen für Alles spielen. Nach einigen Monaten auf der GOLDESEL war Fjalon klar, dass das hier mitnichten das abenteuerliche Leben undStreben nach Ruhm und Ehre war, das er dringend gesucht hatte. Es war eher eine schlimme Variante von zuhause. Eine verdreckte Variante... und die Lehrer vermisste er auch. Das fand er, zu recht, verrückt. Glücklicherweise für Fjalon, weniger glücklich allerdings für den Rest der Mannschaft war der Umstand, dass die GOLDESEL in einem fremdländischen Hafen nach einigen friedlichen Fahrten von einer blutrünstigen Gruppe Räuber angegriffen wurde. Der nächtliche Überfall raffte fast die ganze Mannschaft hin, doch der Kapitän des Schiffes überlebte. Nüchtern betrachtet, hätte Fjalon das nicht tun müssen, der Kapitän war immerhin nicht selten grob und gemein zu ihm, doch aus irgendeinem inneren Antrieb heraus, beschützte der mutige Sechzehnjährige seinen Kapitän mit dem Leben. Nachdem die überlebende Mannschaft den Großteil der Angreifer unter schweren Verlusten beseitigt hatte, watete auch der junge Fjalon in Blut. Drei der heruntergekommenen Räubergestalten hatte er ins Jenseits geschickt. Bis heute ist ihm nicht klar, wie er das geschafft hatte, bewaffnet mit purer Entschlossenheit, dem Glauben an Temora und die Gerechtigkeit, dem Mut der Verzweifelten und einem stumpfen Küchenmesser in der Hand.
Im Nachhinein viel wichtiger jedoch war der darauffolgende Umstand, dass der Kapitän den Jungen nun zu seinem persönlichen Mundschenk und Leibwächter auserkor. Wohl aus gutem Grunde, denn viele der achso mutigen Matrosen hatten sich entweder ergeben und wurden dann doch hingerichtet oder hatten verzagt gekämpft und starben ohnehin. Allein ein kleiner Teil der Mannschaft überlebte. Fjalon hingegen genoss fortan ein besonderes Ansehen bei seinem Herren.
Der Soldat Fjalon war geboren. Vielleicht weniger ruhmreich, als er sich zunächst erdacht hatte. Doch die nächsten neun Jahre sollten deutlich ereignisreicher ablaufen. Fjalon lernte den Umgang mit dem Schwert, er stählte seinen Körper und lernte sich in jeder Situation seiner Haut zu erwehren. Freilich immer zum Schutze seines Meisters.
Letztlich jedoch erwies sich der Kapitän, in Fjalons Augen, als allzu häufig ehrlos und goldgierig, weshalb er mit 25 Jahren den Dienst quittierte und in Adoran, mit nichts als einem Lederpanzer und ein paar Münzen anlandete. Der Preis für das Dienstende war hoch, hatte er doch gewisse Reichtümer angehäuft, die der Kapitän nun einbehielt – als Tribut für Fjalons Freiheit.
Eine ehrlose Gesellschaft diese Seefahrer...
Letztlich hatte er sich, er war nun einmal irgendwie doch Soldat geworden, beim Regiment in Adoran verpflichtet und ging nun schon ein paar Monate seinem Dienst als Rekrut nach. Mitnichten eine geistig ausfüllende Tätigkeit, doch diese war ehrenvoll, dessen war Fjalon sich sicher. Hier wurde kein Zwischenhändler verprügelt, um bessere Preise „auszuhandeln“. Es wurde keine Loyalität nur mit Gold erkauft und schon gar nicht die Obrigkeit bestochen. Sicherlich schlechter bezahlt und noch deutlich gefährlicher, aber eben ehrenvoll. Ein Schild für die Schwachen, Schutz der Gesetze und das Leben für die Krone. Das war nicht nur besser, als nichts zu tun – es war eine Aufgabe, die die ganze Persönlichkeit, den Charakter und die Ziele eines Mannes ausfüllen konnte. Genau das war es, was Fjalon wohl brauchte, denn seit langer Zeit wieder verliefen seine Moral und seine Ziele wieder in einer geraden Linie.
Und wenn es nur Wachgänge, Patroullien und das Säubern einer Gefängniszelle waren: Ein Mann braucht eine Aufgabe, damit „Aus ihm mal etwas wird“.
Zufrieden setzte sich Rekrut Thorn nach vollendetem Wachgang in die Umkleide der Kommandantur und entledigte sich seiner Rüstung. Was wohl in den nächsten Wochen kommen mochte? Viel zu viele Gerüchte über Gefahren aus Varuna und Rahal waren im Umlauf – Hoffentlich bewahrheitete sich Keines.
Leider es selbst die Natur von falschen Gerüchten, zumeist ein kleines Quentchen Wahrheit zu enthalten.
Zuletzt geändert von Fjalon Thorn am Montag 31. Dezember 2012, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Fjalon Thorn
Heimat.
Das Wort und dessen tiefere Bedeutung war ihm schon vor langer Zeit abhanden gekommen. Aber jedes Mal, wenn er die grüne Ebene nördlich von Adoran hinter sich gelassen hatte und den Weg nach Norden ritt; jedes Mal, wenn er den Gebirgspass im Norden am Horizont erscheinen sah und die davor eingelassene Wehr zum Schutze des kleinen Örtchens erblickte – Überkam ihn ein Gefühl der Zugehörigkeit. Sicherlich war Adoran eine beachtliche Stadt, viel größer und belebter. Ein steinernes Bollwerk des Reiches – voll des ihm gebührenden Glanzes - und mit starken Befestigungsungsanlagen gesichert. Ein mit schwerem Stein, Granit und edlerem geschmückter Ort der Macht.
Doch Berchgard war ihm näher. Es war überschaubarer, heimeliger und gemütlicher. Das Handwerk stand im Vordergrund und die Lage an der Nordwestgrenze des Reiches machte es zudem zu einem strategisch interessanten Ort. Außerdem lebten die Kaluren in greifbarer Nachbarschaft. Und die! Ja, die waren Nachbarn, die jeder gern haben musste.
Und nun war er sogar Bürger dieses kleinen Nests geworden; Nun galt seine gesamte Zeit – Nicht nur die Zeit im Dienste des Regiments – auch seine Zeit als Privatmann dem Schutz des Reiches. Freilich bejahte er die Frage des Lehensverwalters, einer beeindruckenden Gestalt – Kronritter des Reiches - , ob man hier in Berchgard jederzeit auf sein Schwert zählen konnte, aus tiefstem Herzen. Denn: Eine Heimat hatte Fjalon lang nicht mehr gehabt .
Und erst, wenn ein Mann etwas verlor, weiß er den Wert dieser Sache erst wahrhaftig zu schätzen.
Mit dem Schwert wusste er umzugehen, aber vielleicht konnten seine anderen Talente – Talente weniger kriegerischer Natur – hier ja von Nutzen sein. Vielleicht konnte er seiner Heimat, dieser sinnstiftenden Instanz, ja sogar mit mehr als Schwert und Schild eine Hilfe sein.
Das Wort und dessen tiefere Bedeutung war ihm schon vor langer Zeit abhanden gekommen. Aber jedes Mal, wenn er die grüne Ebene nördlich von Adoran hinter sich gelassen hatte und den Weg nach Norden ritt; jedes Mal, wenn er den Gebirgspass im Norden am Horizont erscheinen sah und die davor eingelassene Wehr zum Schutze des kleinen Örtchens erblickte – Überkam ihn ein Gefühl der Zugehörigkeit. Sicherlich war Adoran eine beachtliche Stadt, viel größer und belebter. Ein steinernes Bollwerk des Reiches – voll des ihm gebührenden Glanzes - und mit starken Befestigungsungsanlagen gesichert. Ein mit schwerem Stein, Granit und edlerem geschmückter Ort der Macht.
Doch Berchgard war ihm näher. Es war überschaubarer, heimeliger und gemütlicher. Das Handwerk stand im Vordergrund und die Lage an der Nordwestgrenze des Reiches machte es zudem zu einem strategisch interessanten Ort. Außerdem lebten die Kaluren in greifbarer Nachbarschaft. Und die! Ja, die waren Nachbarn, die jeder gern haben musste.
Und nun war er sogar Bürger dieses kleinen Nests geworden; Nun galt seine gesamte Zeit – Nicht nur die Zeit im Dienste des Regiments – auch seine Zeit als Privatmann dem Schutz des Reiches. Freilich bejahte er die Frage des Lehensverwalters, einer beeindruckenden Gestalt – Kronritter des Reiches - , ob man hier in Berchgard jederzeit auf sein Schwert zählen konnte, aus tiefstem Herzen. Denn: Eine Heimat hatte Fjalon lang nicht mehr gehabt .
Und erst, wenn ein Mann etwas verlor, weiß er den Wert dieser Sache erst wahrhaftig zu schätzen.
Mit dem Schwert wusste er umzugehen, aber vielleicht konnten seine anderen Talente – Talente weniger kriegerischer Natur – hier ja von Nutzen sein. Vielleicht konnte er seiner Heimat, dieser sinnstiftenden Instanz, ja sogar mit mehr als Schwert und Schild eine Hilfe sein.
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Fjalon Thorn
„Wisst ihr, was eure Pflichten als Leibwächter sind?“
Seine Antwort ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Jedenfalls waren ihm seine Pflichten als Leibwächter in der Theorie völlig klar und er zählte jene nacheinander und mit pflichtbewusst klingendem Tonfall auf. Doch so recht wissen, was diese in der Praxis bedeuteten, konnte er noch nicht. Trotzdem war diese Liste von Aufgaben nun, abseits des Dienstes im Regiment, ein fester Bestandteil seines Lebens. Sein Haus in Berchgard hatte er verlassen und gegen ein kleines Zimmer im Landhaus seines Schützlings eingetauscht. Weniger Raum, aber dafür eine umso forderndere Aufgabe. Ein durchaus gerechter Tausch, wie Fjalon fand.
Vielleicht hatte der Sire irgendetwas in ihm gesehen. Fjalon wusste es nicht genau, aber irgendetwas musste dessen Entscheidung bekräftigt haben, das Leben seiner hochedlen Verlobten diesem jungen Gardisten im Falle drohender Gefahr anzuvertrauen. Vielleicht vermutete sein neuer Herr, dass hinter der Brust und der Stirn dieses Mannes mehr zu finden sei als das Herz und der Verstand eines bloßen Soldaten. Vielleicht hatte man ihm darum diese seltene und wertvolle Möglichkeit gegeben, zu beweisen, dass mehr in ihm steckte.
So erfüllte es Fjalon mit Stolz und Zufriedenheit, dass er bei der folgenden Waffenübung mit dem Sire und dem Schutz eines unerfahrenen Schützen über den gesamten Jagdzug hinweg Jenen, ohne dass dieser jedweden Kratzer erlitt, begleitet hatte.
Hoffen wir, dass die hochedle Dame in meinem Beisein ebenfalls nie verletzt wird...
Seine Antwort ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Jedenfalls waren ihm seine Pflichten als Leibwächter in der Theorie völlig klar und er zählte jene nacheinander und mit pflichtbewusst klingendem Tonfall auf. Doch so recht wissen, was diese in der Praxis bedeuteten, konnte er noch nicht. Trotzdem war diese Liste von Aufgaben nun, abseits des Dienstes im Regiment, ein fester Bestandteil seines Lebens. Sein Haus in Berchgard hatte er verlassen und gegen ein kleines Zimmer im Landhaus seines Schützlings eingetauscht. Weniger Raum, aber dafür eine umso forderndere Aufgabe. Ein durchaus gerechter Tausch, wie Fjalon fand.
Vielleicht hatte der Sire irgendetwas in ihm gesehen. Fjalon wusste es nicht genau, aber irgendetwas musste dessen Entscheidung bekräftigt haben, das Leben seiner hochedlen Verlobten diesem jungen Gardisten im Falle drohender Gefahr anzuvertrauen. Vielleicht vermutete sein neuer Herr, dass hinter der Brust und der Stirn dieses Mannes mehr zu finden sei als das Herz und der Verstand eines bloßen Soldaten. Vielleicht hatte man ihm darum diese seltene und wertvolle Möglichkeit gegeben, zu beweisen, dass mehr in ihm steckte.
So erfüllte es Fjalon mit Stolz und Zufriedenheit, dass er bei der folgenden Waffenübung mit dem Sire und dem Schutz eines unerfahrenen Schützen über den gesamten Jagdzug hinweg Jenen, ohne dass dieser jedweden Kratzer erlitt, begleitet hatte.
Hoffen wir, dass die hochedle Dame in meinem Beisein ebenfalls nie verletzt wird...
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Fjalon Thorn
Stumm, nachdenklicher Miene, blickte er aus dem Fenster der Taverne und ließ den Blick über die abendliche Straße in Adoran schweifen. Sein Blick verfing sich an fast jedem Passanten. Handwerker, die hektisch und laut fluchend ihre Waren transportierten, Kaufleute mit klingelndem Beutel und sägenden Marktschreierstimmen und flatternden Kaufmannsbüchern. Aufgeregte, schnatternde Bürger, umtriebige Straßenkehrer... Ein reges Treiben. Und das kurz vor Sonnenuntergang. Es roch nach Nachmittag und Hauptgeschäftszeit, nur stimmte die Uhrzeit nicht.
Alles ist noch so geschäftig. Sonst war es hier um diese Uhrzeit immer so schön ruhig. Die Nachricht vom Besuch des Prinzen und dessen baldiger Krönung hat die ganze Stadt in helle Aufregung versetzt. Hoffentlich drehen die nicht allesamt durch. Wir sind doch sowieso schon nicht ausreichend besetzt.
Fjalon musste an die intensivierten Dienste denken. Ein Segen, dass er dank eines Kameraden für einen Stundenlauf eine dringend benötigte Pause einlegen und ein Glas Wein genießen konnte, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Früher hatte er keinen Wein gemocht – jedes schlecht gebraute Bier hätte er diesem rötlichen Gesöff vorgezogen.
Und nun? Er verstädterte - es schien als würde ihn dieses Leben mit Zielen kultivieren, ruhiger und bedachter machen. Er trank Wein, kein Bier – und auch die Mengen waren deutlich geringer als noch zu seinen Seefahrerzeiten. Er las Gedichte, Reiseberichte und Mythen anstelle von deftigen, zotigen Geschichten. Er begann sich besser zu kleiden und seinen sonst so wild gewachsenen Bart zu pflegen. Aus Fjalon, dem Bären wurde jemand anderes. Ein passender Beiname würde schon noch entstehen, das brauchte einfach nur Zeit.
Ihm gefiel diese Veränderung. Kultiviertheit war nicht zu seinem Schaden, sie gab eine Richtung vor.
Das hätte er sich niemals erträumt, nicht so schnell nach seiner Rückkehr nach Gerimor. Gardist einer ruhmreichen Streitmacht zu werden war schon mehr als er jemals als ehemaliger Seemann zu wünschen vermocht hatte. Als sei dies nicht genug, hatte er die große Ehre, im Haushalt von Reensdorf als Leibwächter der hochedlen Dame von Eschenthal zu dienen. Und just nun – als er begann dieses kultiviertere Leben zu begreifen und sich zu eigen zu machen, passierte auch das noch!
Die Krönung des Prinzen! In Adoran! Und das Regiment wäre mitten drin, mit dabei, nicht nur Zaungast! Allein der Gedanke ließ seine Seele einen Sprung machen. Er würde Ihn sehen, den zukünftigen König über das Reich, das Fjalon einen Sinn im Leben – eine Leidenschaft – gegeben hatte. Den zukünftigen König, dem der junge Gardist in tiefer Treue ergeben sein würde.
Ohne es zu merken, hatte sich ein zufriedenes Lächeln auf seine Züge gelegt, während er noch immer aus dem kleinen Fenster der Taverne blickte. Als er sich dessen gewahr wurde, strengte er sich eilends an, eine ernstere, diensttaugliche Miene aufzusetzen, ganz im Sinne eines ernsthaft bemühten Mannes des Regiments. Mit einem letzten Schluck leerte er das Glas Wein, legte deutlich mehr Münzen auf den Tisch als notwendig und machte sich auf, zum zweiten Male an diesem Tag seine Dienstrüstung anzulegen.
Von Nichts kommt Nichts. Und es gibt so viel, so unendlich viel vorzubereiten.
Alles ist noch so geschäftig. Sonst war es hier um diese Uhrzeit immer so schön ruhig. Die Nachricht vom Besuch des Prinzen und dessen baldiger Krönung hat die ganze Stadt in helle Aufregung versetzt. Hoffentlich drehen die nicht allesamt durch. Wir sind doch sowieso schon nicht ausreichend besetzt.
Fjalon musste an die intensivierten Dienste denken. Ein Segen, dass er dank eines Kameraden für einen Stundenlauf eine dringend benötigte Pause einlegen und ein Glas Wein genießen konnte, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Früher hatte er keinen Wein gemocht – jedes schlecht gebraute Bier hätte er diesem rötlichen Gesöff vorgezogen.
Und nun? Er verstädterte - es schien als würde ihn dieses Leben mit Zielen kultivieren, ruhiger und bedachter machen. Er trank Wein, kein Bier – und auch die Mengen waren deutlich geringer als noch zu seinen Seefahrerzeiten. Er las Gedichte, Reiseberichte und Mythen anstelle von deftigen, zotigen Geschichten. Er begann sich besser zu kleiden und seinen sonst so wild gewachsenen Bart zu pflegen. Aus Fjalon, dem Bären wurde jemand anderes. Ein passender Beiname würde schon noch entstehen, das brauchte einfach nur Zeit.
Ihm gefiel diese Veränderung. Kultiviertheit war nicht zu seinem Schaden, sie gab eine Richtung vor.
Das hätte er sich niemals erträumt, nicht so schnell nach seiner Rückkehr nach Gerimor. Gardist einer ruhmreichen Streitmacht zu werden war schon mehr als er jemals als ehemaliger Seemann zu wünschen vermocht hatte. Als sei dies nicht genug, hatte er die große Ehre, im Haushalt von Reensdorf als Leibwächter der hochedlen Dame von Eschenthal zu dienen. Und just nun – als er begann dieses kultiviertere Leben zu begreifen und sich zu eigen zu machen, passierte auch das noch!
Die Krönung des Prinzen! In Adoran! Und das Regiment wäre mitten drin, mit dabei, nicht nur Zaungast! Allein der Gedanke ließ seine Seele einen Sprung machen. Er würde Ihn sehen, den zukünftigen König über das Reich, das Fjalon einen Sinn im Leben – eine Leidenschaft – gegeben hatte. Den zukünftigen König, dem der junge Gardist in tiefer Treue ergeben sein würde.
Ohne es zu merken, hatte sich ein zufriedenes Lächeln auf seine Züge gelegt, während er noch immer aus dem kleinen Fenster der Taverne blickte. Als er sich dessen gewahr wurde, strengte er sich eilends an, eine ernstere, diensttaugliche Miene aufzusetzen, ganz im Sinne eines ernsthaft bemühten Mannes des Regiments. Mit einem letzten Schluck leerte er das Glas Wein, legte deutlich mehr Münzen auf den Tisch als notwendig und machte sich auf, zum zweiten Male an diesem Tag seine Dienstrüstung anzulegen.
Von Nichts kommt Nichts. Und es gibt so viel, so unendlich viel vorzubereiten.
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Fjalon Thorn
Zu behaupten, Fjalon sei unbehaglich zumute, wäre maßlos untertrieben.
Tags zuvor die Beförderung zum Korporal, tags darauf ging ohne Vorwarnung einfach so die Welt unter.
Anfangs war es nur ein Grollen, doch spätestens als sich zwischen ihm und Wachtmeister Myrtol einfach so, mitten auf der Straße, ein großer Riss auftat, wusste er ganz genau, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmen konnte. Während das abebbende und immer wieder aufkeimende Grollen des Bodens nicht verschwinden wollte, sammelte sich das anwesende Regiment vor dem Haupteingang der Kommandantur.
Hier kann uns wenigstens nur noch der Himmel selbst auf den Kopf fallen
Als wären all diese kleinen und größeren Beben nicht genug, stellte die Truppe mit Entsetzen fest, dass die nahen Gewässer unruhig wurden. Es Brodelte, fast als würden die Gräben und Kanäle Adorans beginnen zu sieden. Mit der Zeit jedoch ebbten die Beben langsam ab, man wähnte sich in Sicherheit. Die beiden frischgebackenen Korporals organisierten eine erste Schadensaufnahme an der Bausubstanz der Stadt. Als keine katastrophalen Schäden festgestellt werden konnten und ein Teil der Bevölkerung, jener der sich in beschädigten Gebäuden befand, auf sicheres Terrain gebracht wurde, kam das Schrecken ein zweites Mal zurück.
Wenn das Meer weicht, muss es auch wieder zurückkommen
Und es kam zurück.
Mit der Wucht der Faust eines eines zornigen Gottes trafen die Wassermassen Adoran. Die wehrhafte, zumeist aus Stein errichtete Stadt, wurde einer weiteren harten Probe unterzogen. Alle zuvor evakuierten Bürger und Würdenträger, der Großteil des Regiments, harrten machtlos auf der Eben nördlich von Adoran aus, wurden Zeugen dieses gewaltigen Schauspiels.
Und das an meinem ersten Tag...
Es ist fast ironisch zu erwähnen, dass das kurzzeitig als Auffanglager für Flüchtlinge genutzte alte Rathaus von Berchgard wenige Tage nach den Aufräumarbeitenin Adoran – dem Graben im stinkenden Schlamm, den das Meer auf die Stadt gespuckt hatte - ebenfalls durch ein starkes Beben erschüttert wurde. Dieser Tage war es nirgendwo mehr sicher, wo die Elemente allzu mächtig wüten konnten. Normalerweise waren solche Orte selten.
Dieser Tage scheinen alle Orte gefährlich, egal wohin wir gehen.
Die eilig angetriebenen, erneuten, Evakuierungsversuche waren auch dieses Mal ein mühseliges Unterfangen von weniger großem Erfolg als gedacht. Dennoch gelang es der völlig übermüdeten und von den Ereignissen gezeichneten Truppe, ein wenig Ordnung im Chaos zu stiften.
Die Welt ist im Umbruch. Hoffentlich nur zum Besten für König und Reich...
Waren die Züge des Soldaten sonst von so vielen Emotionen durchzogen, hatten Sorge, die Aufregung der Tage, die neue Verantwortung und der rasche Wandel der Rahmenbedingungen aus seine Züge verändert. Dem jungen Mann war allzu oft eine strenge und ernst dreinblickende, grimmige Miene eigen. In dieser Zeit zählten nur noch Loyalität und Disziplin. Es kämen ruhigere Zeiten, hoffte der Soldat hinter seiner Fassade.
Auch wenn alles zusammenzubrechen scheint... Solange für Ordnung gesorgt wird, gibt es eine Zukunft – Mit Temoras Hilfe.
Tags zuvor die Beförderung zum Korporal, tags darauf ging ohne Vorwarnung einfach so die Welt unter.
Anfangs war es nur ein Grollen, doch spätestens als sich zwischen ihm und Wachtmeister Myrtol einfach so, mitten auf der Straße, ein großer Riss auftat, wusste er ganz genau, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmen konnte. Während das abebbende und immer wieder aufkeimende Grollen des Bodens nicht verschwinden wollte, sammelte sich das anwesende Regiment vor dem Haupteingang der Kommandantur.
Hier kann uns wenigstens nur noch der Himmel selbst auf den Kopf fallen
Als wären all diese kleinen und größeren Beben nicht genug, stellte die Truppe mit Entsetzen fest, dass die nahen Gewässer unruhig wurden. Es Brodelte, fast als würden die Gräben und Kanäle Adorans beginnen zu sieden. Mit der Zeit jedoch ebbten die Beben langsam ab, man wähnte sich in Sicherheit. Die beiden frischgebackenen Korporals organisierten eine erste Schadensaufnahme an der Bausubstanz der Stadt. Als keine katastrophalen Schäden festgestellt werden konnten und ein Teil der Bevölkerung, jener der sich in beschädigten Gebäuden befand, auf sicheres Terrain gebracht wurde, kam das Schrecken ein zweites Mal zurück.
Wenn das Meer weicht, muss es auch wieder zurückkommen
Und es kam zurück.
Mit der Wucht der Faust eines eines zornigen Gottes trafen die Wassermassen Adoran. Die wehrhafte, zumeist aus Stein errichtete Stadt, wurde einer weiteren harten Probe unterzogen. Alle zuvor evakuierten Bürger und Würdenträger, der Großteil des Regiments, harrten machtlos auf der Eben nördlich von Adoran aus, wurden Zeugen dieses gewaltigen Schauspiels.
Und das an meinem ersten Tag...
Es ist fast ironisch zu erwähnen, dass das kurzzeitig als Auffanglager für Flüchtlinge genutzte alte Rathaus von Berchgard wenige Tage nach den Aufräumarbeitenin Adoran – dem Graben im stinkenden Schlamm, den das Meer auf die Stadt gespuckt hatte - ebenfalls durch ein starkes Beben erschüttert wurde. Dieser Tage war es nirgendwo mehr sicher, wo die Elemente allzu mächtig wüten konnten. Normalerweise waren solche Orte selten.
Dieser Tage scheinen alle Orte gefährlich, egal wohin wir gehen.
Die eilig angetriebenen, erneuten, Evakuierungsversuche waren auch dieses Mal ein mühseliges Unterfangen von weniger großem Erfolg als gedacht. Dennoch gelang es der völlig übermüdeten und von den Ereignissen gezeichneten Truppe, ein wenig Ordnung im Chaos zu stiften.
Die Welt ist im Umbruch. Hoffentlich nur zum Besten für König und Reich...
Waren die Züge des Soldaten sonst von so vielen Emotionen durchzogen, hatten Sorge, die Aufregung der Tage, die neue Verantwortung und der rasche Wandel der Rahmenbedingungen aus seine Züge verändert. Dem jungen Mann war allzu oft eine strenge und ernst dreinblickende, grimmige Miene eigen. In dieser Zeit zählten nur noch Loyalität und Disziplin. Es kämen ruhigere Zeiten, hoffte der Soldat hinter seiner Fassade.
Auch wenn alles zusammenzubrechen scheint... Solange für Ordnung gesorgt wird, gibt es eine Zukunft – Mit Temoras Hilfe.
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Fjalon Thorn
Wer hätte gedacht, dass man an so vielen Fronten kämpfen konnte?
Es gab so einiges, was der junge Unteroffizier dieser Tage als ‚Reizworte‘ bezeichnen würde.
Einige Reizworte setzen sich aus den namensgebenden Worten Lillian Lindquist zusammen.
Untergetaucht, spurlos verschwunden war diese Frau - Schlicht nicht mehr aufzufinden. Und er empfand sich gleich als zweifacher Versager. Seine Schutzbefohlene wurde von diesem Subjekt verletzt und er, ihr Leibwächter, war nicht zugegen. Und das nur, weil er sich einfach nicht zweiteilen konnte. In den letzten Wochen war Fjalon nicht für einen einzigen Augenblick als Zivilist umhergestreift.
Dienst, Dienst und nochmal: Dienst. Und das alles aus gutem Grunde! Und doch... er fühlte sich als nicht ausreichend, als unzureichender Beschützer.
Der Zweite Teil des Versagens , das Fjalon empfand, war der als Soldat des Regiments, dieses gewalttätige und unverschämte Subjekt nicht ausfindig machen zu können. Als hätte die Erde sie verschluckt und hielte sie vor ihm versteckt, nur um ihm zu zeigen, wie groß seine Schande sei.
Wenn ich die in die Finger kriege...
Waren Selbstzweifel der Preis des kultivierten Lebens? War Versagensangst die Rechnung, die er für Verantwortung zu zahlen hatte? Und war das stetige Leben im „Plan“, in der Struktur einer engen Hierarchie, zugleich segensreicher und verfluchter Rahmen eines Lebens mit dem Ziel, zu dienen und für eine höhere Sache zu kämpfen? Fjalon empfand das Leben immer mehr als eine wachsende Prüfung.
Doch nur unter Druck entstehen Diamanten...
Das sagte jedenfalls der Volksmund.
Ein gewisses Reizpotenzial boten auch die Worte neue Grenzen.
Sicherlich war es, so dachte Fjalon, nur rechtens, dass die Grenzen des Reiches sich ein wenig ausgedehnt haben. Die neuen Grenzen auf Gerimor erschienen einem hierzulande residierenden König so gerade würdig.
Einen Haken sah der junge Korporal dennoch. Und genau das hielt in in so manchen Nächten wach, ließ ihn sich im Halbschlaf umherwälzen und in zerwühlten Laken aufwachen.
Reichlich häufig bestanden Fjalons Alpträume aus urplötzlich, aus gänzlich unerwarteten Richtungen, nach Lichtenthal einfallenden Massen von schwarzgerüsteten Feinden. Und das Regiment viel zu überrascht, um zu reagieren. Zumeist wachte er zu spät auf – viel zu spät, um nicht mitansehen zu müssen, wie seine geliebte Heimat sich in einen See aus Schmerz und Blut verwandelte. Und er... machtlos und gelähmt.
Wir haben leicht zu verteidigende Engpässe eingetauscht. Eingetauscht gegen riesige, offene, kaum zu überblickende Grenzverläufe...
Allein die Grenzen mit einem kleinen, sehr mobilen Trupp von Berittenen zu bewachen erwies sich dieser Tage als schwierig. Mindestens dreimal mussten die Gardisten schon offenkundig reichsgefährdende Subjekte der Flucht überlassen, wo eine sich Verfolgung als unmöglich erwies oder eine Festnahme als sinnlos.
Das Terrain war schwierig geworden, weil es eben viel zu einfach strukturiert war. Jeder Grenzritt hielt nun Überraschungen parat.
Ich hasse Überraschungen...
Konnte man vor einiger Zeit noch mit einfachen Mitteln eine Eng‘ halten, mussten nun strukturierte Patroullienrouten ausgearbeitet werden. Man musste ihre Rhythmen variieren, um einer allzu aufmerksamen Spionage entgegenzuwirken, es mussten besonders schnelle Pferde gewählt werden und allzu oft erwies sich das Überraschungsmoment der Missetäter dennoch als überlegen.
Glaubten wir wirklich, es würde einfacher werden?
Und das letzte der Reizworte lautet schlichtweg Rekrut. Doch eigentlich empfand Fjalon dieses als das einzige, welches ihm das eine oder andere Lächeln abrang, was selten war in der letzten Zeit.
Sicherlich war es eine nervenraubende Angelegenheit für ihn und die anderen Korporäle, die neuen Rekruten auszubilden. Und reichlich häufig wechselten sich geistreiche Antworten zu Dienstvorschriften mit eklatanten Verstößen gegen eben Selbige ab – Das geschah teilweise im Minutentakt.
Und trotzdem waren es die Rekruten, diese motivierten und engagierten, jungen Soldaten, die Fjalon immer wieder bewiesen, dass das was sie hier alle taten, Sinn hatte und einem höheren Zweck diente.
Oder... sie wissen einfach noch nicht, was sie wirklich erwartet
...Jedes Mal, wenn ihm dieser Gedanke durch den Kopf ging, musste der Unteroffizier unfreiwillig Schmunzeln und dachte an seine eigene Zeit als Rekrut.
Kommt Zeit, kommt Rat. Es wird eben einfach dauern, bis die Fronten sich beruhigen...
Es gab so einiges, was der junge Unteroffizier dieser Tage als ‚Reizworte‘ bezeichnen würde.
Einige Reizworte setzen sich aus den namensgebenden Worten Lillian Lindquist zusammen.
Untergetaucht, spurlos verschwunden war diese Frau - Schlicht nicht mehr aufzufinden. Und er empfand sich gleich als zweifacher Versager. Seine Schutzbefohlene wurde von diesem Subjekt verletzt und er, ihr Leibwächter, war nicht zugegen. Und das nur, weil er sich einfach nicht zweiteilen konnte. In den letzten Wochen war Fjalon nicht für einen einzigen Augenblick als Zivilist umhergestreift.
Dienst, Dienst und nochmal: Dienst. Und das alles aus gutem Grunde! Und doch... er fühlte sich als nicht ausreichend, als unzureichender Beschützer.
Der Zweite Teil des Versagens , das Fjalon empfand, war der als Soldat des Regiments, dieses gewalttätige und unverschämte Subjekt nicht ausfindig machen zu können. Als hätte die Erde sie verschluckt und hielte sie vor ihm versteckt, nur um ihm zu zeigen, wie groß seine Schande sei.
Wenn ich die in die Finger kriege...
Waren Selbstzweifel der Preis des kultivierten Lebens? War Versagensangst die Rechnung, die er für Verantwortung zu zahlen hatte? Und war das stetige Leben im „Plan“, in der Struktur einer engen Hierarchie, zugleich segensreicher und verfluchter Rahmen eines Lebens mit dem Ziel, zu dienen und für eine höhere Sache zu kämpfen? Fjalon empfand das Leben immer mehr als eine wachsende Prüfung.
Doch nur unter Druck entstehen Diamanten...
Das sagte jedenfalls der Volksmund.
Ein gewisses Reizpotenzial boten auch die Worte neue Grenzen.
Sicherlich war es, so dachte Fjalon, nur rechtens, dass die Grenzen des Reiches sich ein wenig ausgedehnt haben. Die neuen Grenzen auf Gerimor erschienen einem hierzulande residierenden König so gerade würdig.
Einen Haken sah der junge Korporal dennoch. Und genau das hielt in in so manchen Nächten wach, ließ ihn sich im Halbschlaf umherwälzen und in zerwühlten Laken aufwachen.
Reichlich häufig bestanden Fjalons Alpträume aus urplötzlich, aus gänzlich unerwarteten Richtungen, nach Lichtenthal einfallenden Massen von schwarzgerüsteten Feinden. Und das Regiment viel zu überrascht, um zu reagieren. Zumeist wachte er zu spät auf – viel zu spät, um nicht mitansehen zu müssen, wie seine geliebte Heimat sich in einen See aus Schmerz und Blut verwandelte. Und er... machtlos und gelähmt.
Wir haben leicht zu verteidigende Engpässe eingetauscht. Eingetauscht gegen riesige, offene, kaum zu überblickende Grenzverläufe...
Allein die Grenzen mit einem kleinen, sehr mobilen Trupp von Berittenen zu bewachen erwies sich dieser Tage als schwierig. Mindestens dreimal mussten die Gardisten schon offenkundig reichsgefährdende Subjekte der Flucht überlassen, wo eine sich Verfolgung als unmöglich erwies oder eine Festnahme als sinnlos.
Das Terrain war schwierig geworden, weil es eben viel zu einfach strukturiert war. Jeder Grenzritt hielt nun Überraschungen parat.
Ich hasse Überraschungen...
Konnte man vor einiger Zeit noch mit einfachen Mitteln eine Eng‘ halten, mussten nun strukturierte Patroullienrouten ausgearbeitet werden. Man musste ihre Rhythmen variieren, um einer allzu aufmerksamen Spionage entgegenzuwirken, es mussten besonders schnelle Pferde gewählt werden und allzu oft erwies sich das Überraschungsmoment der Missetäter dennoch als überlegen.
Glaubten wir wirklich, es würde einfacher werden?
Und das letzte der Reizworte lautet schlichtweg Rekrut. Doch eigentlich empfand Fjalon dieses als das einzige, welches ihm das eine oder andere Lächeln abrang, was selten war in der letzten Zeit.
Sicherlich war es eine nervenraubende Angelegenheit für ihn und die anderen Korporäle, die neuen Rekruten auszubilden. Und reichlich häufig wechselten sich geistreiche Antworten zu Dienstvorschriften mit eklatanten Verstößen gegen eben Selbige ab – Das geschah teilweise im Minutentakt.
Und trotzdem waren es die Rekruten, diese motivierten und engagierten, jungen Soldaten, die Fjalon immer wieder bewiesen, dass das was sie hier alle taten, Sinn hatte und einem höheren Zweck diente.
Oder... sie wissen einfach noch nicht, was sie wirklich erwartet
...Jedes Mal, wenn ihm dieser Gedanke durch den Kopf ging, musste der Unteroffizier unfreiwillig Schmunzeln und dachte an seine eigene Zeit als Rekrut.
Kommt Zeit, kommt Rat. Es wird eben einfach dauern, bis die Fronten sich beruhigen...
Zuletzt geändert von Fjalon Thorn am Sonntag 21. April 2013, 11:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Fjalon Thorn
Wie wahr sein letzter Gedanke doch ware, kam Zeit, kam Rat. Etwas unvermittelt, das musste er zugeben, aber er kam.
Nachdem das kriminelle Subjekt gefasst und hinter Gitter gebracht war – was dem Fest, welches der König für das Regiment ausgerichtet hatte, einen sehr zwiespältigen Nachgeschmack verlieh – empfand Fjalon zumindest etwas Vergleichbares wie Erleichterung.
In jedem Fall eine Form von Satisfaktion. Und auch seine Schutzbefohlene war ihm aufgrund der jüngsten Ereignisse nicht missgünstig gesonnen.
Du hast mehr Glück als Verstand, Fjalon.
Doch als der Sire ihn, samt eines Kameraden aus dem Regiment, zu ihm einlud, schwante Fjalon schon das Schlimmste. Eine Rüge für seine schlechte Arbeit, die sofortige Entlassung und ein Ersatz schien ja auch schon gefunden zu sein. Na immerhin ein Guter Ersatz, Sein Kamerad war mitnichten eine schlechte Wahl für so einen Posten: Ehrlich, pflichtbewusst und aufopferungsvoll.
Mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht und einer kaum zu übersehenden Angespanntheit saß er Tags darauf in der wohnlichen Stube des Kronritters im Adelstrakt des Palastes. Neben ihm ein altgedienter Kamerad und Freund. Fjalon erwartete das Allerschlimmste und innerlich sah er sich schon in Schande davontrotten.
Dann ergoss sich schwer dunkelroter Wein in sein schlankes Glas, bildete kleine Strudel und erstarrte letztlich – überzogen von einem süßlichen Duft. Das knisternde Kaminfeuer hüllte den Wohnraum in ein gemütliches, warmes Licht. Noch immer ging er davon aus, dass dies nur der ironischen Untermalung seiner Entlassung diene.
Sir Thelor versteht’s zu leben, wie es aussieht! Und der Wein ist gut. Leider viel zu gut...
Auch dieser recht amüsante Gedanke und das gefüllte Weinglas in seiner rechten Hand lenkten ihn nicht von seiner Sorge ab, in Ungnade gefallen zu sein.
Es vergingen Stunden, Wein wurde getrunken, viele Worte gewechselt. Das Licht der Stube drang in den dunklen, von der kalten Nacht bereits zur Ruhe gezwungenen, Innenhof des Palastes. Hier und da mag ein Gesprächsfetzen auf die Straße gedrungen sein. Als die Nacht in ihrer Schwärze bereits vollends hereingebrochen war, gingen zwei Gestalten aus dem Palast. Sie warfen lange Schatten im fahlen Licht der Straßenlaternen.
Sie wirkten apathisch, erschöpft und ... zufrieden? Ja! Keine Spur von Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit!
Vermutlich ging es seinem neu gewonnenen Bruder im Geiste, Bruder in Aufgabe und Pflicht – Waffenbruder – ganz genau so. Wer hätte damit gerechnet? Die beiden jedenfalls nicht, so fanden sie.
Es würden harte und lange, lehrreiche und enttäuschende, faszinierende und vielleicht auch lästige Wochen und Monate auf sie zukommen, doch sie hatten nun das höchste Ziel vor Augen, das ein Streiter des Alumenischen Reiches, so man sich in ihrem gesellschaftlichen Stand befände, vor Augen haben konnte.
Knappen eines Kronritters. Und du Dummkopf dachtest, du würdest entlassen, geteert und anschließend gefedert!
Fjalon brauchte dringend, ganz dringend ein Glas Wein, sein Bett, ein Kissen und eine Nacht guten Schlafs, um diese Wandlung, diese unerwartete Chance zu begreifen.
Nachdem das kriminelle Subjekt gefasst und hinter Gitter gebracht war – was dem Fest, welches der König für das Regiment ausgerichtet hatte, einen sehr zwiespältigen Nachgeschmack verlieh – empfand Fjalon zumindest etwas Vergleichbares wie Erleichterung.
In jedem Fall eine Form von Satisfaktion. Und auch seine Schutzbefohlene war ihm aufgrund der jüngsten Ereignisse nicht missgünstig gesonnen.
Du hast mehr Glück als Verstand, Fjalon.
Doch als der Sire ihn, samt eines Kameraden aus dem Regiment, zu ihm einlud, schwante Fjalon schon das Schlimmste. Eine Rüge für seine schlechte Arbeit, die sofortige Entlassung und ein Ersatz schien ja auch schon gefunden zu sein. Na immerhin ein Guter Ersatz, Sein Kamerad war mitnichten eine schlechte Wahl für so einen Posten: Ehrlich, pflichtbewusst und aufopferungsvoll.
Mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht und einer kaum zu übersehenden Angespanntheit saß er Tags darauf in der wohnlichen Stube des Kronritters im Adelstrakt des Palastes. Neben ihm ein altgedienter Kamerad und Freund. Fjalon erwartete das Allerschlimmste und innerlich sah er sich schon in Schande davontrotten.
Dann ergoss sich schwer dunkelroter Wein in sein schlankes Glas, bildete kleine Strudel und erstarrte letztlich – überzogen von einem süßlichen Duft. Das knisternde Kaminfeuer hüllte den Wohnraum in ein gemütliches, warmes Licht. Noch immer ging er davon aus, dass dies nur der ironischen Untermalung seiner Entlassung diene.
Sir Thelor versteht’s zu leben, wie es aussieht! Und der Wein ist gut. Leider viel zu gut...
Auch dieser recht amüsante Gedanke und das gefüllte Weinglas in seiner rechten Hand lenkten ihn nicht von seiner Sorge ab, in Ungnade gefallen zu sein.
Es vergingen Stunden, Wein wurde getrunken, viele Worte gewechselt. Das Licht der Stube drang in den dunklen, von der kalten Nacht bereits zur Ruhe gezwungenen, Innenhof des Palastes. Hier und da mag ein Gesprächsfetzen auf die Straße gedrungen sein. Als die Nacht in ihrer Schwärze bereits vollends hereingebrochen war, gingen zwei Gestalten aus dem Palast. Sie warfen lange Schatten im fahlen Licht der Straßenlaternen.
Sie wirkten apathisch, erschöpft und ... zufrieden? Ja! Keine Spur von Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit!
Vermutlich ging es seinem neu gewonnenen Bruder im Geiste, Bruder in Aufgabe und Pflicht – Waffenbruder – ganz genau so. Wer hätte damit gerechnet? Die beiden jedenfalls nicht, so fanden sie.
Es würden harte und lange, lehrreiche und enttäuschende, faszinierende und vielleicht auch lästige Wochen und Monate auf sie zukommen, doch sie hatten nun das höchste Ziel vor Augen, das ein Streiter des Alumenischen Reiches, so man sich in ihrem gesellschaftlichen Stand befände, vor Augen haben konnte.
Knappen eines Kronritters. Und du Dummkopf dachtest, du würdest entlassen, geteert und anschließend gefedert!
Fjalon brauchte dringend, ganz dringend ein Glas Wein, sein Bett, ein Kissen und eine Nacht guten Schlafs, um diese Wandlung, diese unerwartete Chance zu begreifen.
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Fjalon Thorn
Der Abend hatte doch so wunderbar begonnen. Auf dem Rücken seines Pferdes, in seiner auf Hochglanz polierten Rüstung hatte er sich aufgemacht, am Schrein der Tapferkeit für ein paar Augenblicke innezuhalten. Zu ruhen und über jene Tugend zu zu sinnieren, zu meditieren und zu beten.
Doch was waren das für Stimmen im Unterholz? Und warum kamen sie ihm so bekannt vor?
Zurück im Sattel, trieb er sein stahlgraues Ross langsam voran, bis er auf zwei ihm durchaus bekannte Gesichter stieß. Ganz in der Nähe des Schreines. Ein freudiges Wiedersehen mit zwei ehrenwerten, ihm ans Herz gewachsenen, Menschen.
Manchmal traf man das Gute eben einfach so. Manchmal fand man Freude auf einem ziellosen Ausritt, wo sonst alles vorangegangene Bestreben, voller Zielstrebigkeit im Sande verlief.
Eine lange Zeit verbrachten die drei inmitten von Büchern – Sie hatten sich zur Bibliothek aufgemacht. Zwar wurde Fjalon, wohl einfach weil er eben ein Mann ist, als Versuchsobjekt benutzt und ganz besonderer Literatur ausgesetzt, nur um seine Reaktion zu ermessen, doch auch das gehörte eben dazu.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Als dann noch die beiden Frohnaturen aus Berchgard eintrafen - Auf der Suche nach Zeitzeugen der turbulenten Zeit, jene als sich die Welt im Wandel befand - hörte der Strom erbauender Ereignisse erst recht nicht auf.
Lange – So lang, bis die Sonne flimmernd hinter dem Geäst des nahen Waldes verschwunden war, erzählten sie einander von den Geschehnissen in diesen verhängnis- und verheißungsvollen Tagen und Wochen. Fjalon war dankbar dafür. Zwar bedankten sich die beiden Frohnaturen weitaus mehr für all die Geschichten und Anekdoten, aber auch er selbst war dankbar. Wurde auf diesem Wege doch allzu labile Erinnerung konserviert.
Die schwächste Tinte ist besser als das beste Gedächtnis.
Doch dann wartete Arbeit - Unliebsame, blutige Arbeit.
Ein armer Tropf, dieser Trum von einem Mann. Eingekerkert, weil er zur falschen Zeit, am falschen Ort die absolut falsche Person um ihre Geldbörse erleichtern wollte.
Manchmal traf man das Gute eben einfach so. Jetzt kam ihm sein Gedanke plötzlich dumm vor. Falsche Zeit, falscher Ort – Einfach so.
Jener Bandit hielt den Torturen des wütenden Drachen mit der eisernen Miene nicht einmal ansatzweise stand. Ein Schwacher unter den Gesetzlosen. Ganz egal, was der hühnenhafte Tor auch von sich geben mochte, sein Tod war ihm gewiss. Und der Weg dorthin versprach grausam, schmerzhaft und erniedrigend zu werden. Hoffentlich gab er dem Drachen, wonach es ihn dürstete.
Fjalon widersprach nicht, bei diesem Werk zu helfen. Sein Gesicht hielt dicht, seine Folgsamkeit den Oberen gegenüber war mühsam antrainiert.
Doch sein Herz ließ ihn mit jedem Schlag, mit jedem Schwall heißen Blutes, das durch seine Adern schoss, wissen, dass er wider den Tugenden handelte. Allein, dass er Mitgefühl für diesen Armen Toren empfand, dessen Leben verwirkt war, ließ zu, dass er sich selbst nicht mehr hasste, als er ertragen konnte. Aber viel fehlte auch dazu nicht mehr.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. In jedem von uns.
Erst als seine Hände rot und wund waren, hörte er auf, sie zu waschen. Er fühlte sich schmutzig, als müsse er all dies abwaschen. Und dabei hatte er den Gefangenen nicht einmal verletzt. Aber bei der Lockerung seiner Zunge geholfen hatte er.
Schlaf fand Fjalon in dieser Nacht nicht. Und beim Gedanken an sein Gebet am Schrein der Tapferkeit, empfand er sich als Lügner vor sich selbst. Und das schmerzte ihn umso mehr.
Wo galt es zu folgen? Wo nicht?
Wo waren die Grenzen der Gerechtigkeit?
War es etwa tapfer, wider seiner Überzeugungen zu handeln?
Doch was waren das für Stimmen im Unterholz? Und warum kamen sie ihm so bekannt vor?
Zurück im Sattel, trieb er sein stahlgraues Ross langsam voran, bis er auf zwei ihm durchaus bekannte Gesichter stieß. Ganz in der Nähe des Schreines. Ein freudiges Wiedersehen mit zwei ehrenwerten, ihm ans Herz gewachsenen, Menschen.
Manchmal traf man das Gute eben einfach so. Manchmal fand man Freude auf einem ziellosen Ausritt, wo sonst alles vorangegangene Bestreben, voller Zielstrebigkeit im Sande verlief.
Eine lange Zeit verbrachten die drei inmitten von Büchern – Sie hatten sich zur Bibliothek aufgemacht. Zwar wurde Fjalon, wohl einfach weil er eben ein Mann ist, als Versuchsobjekt benutzt und ganz besonderer Literatur ausgesetzt, nur um seine Reaktion zu ermessen, doch auch das gehörte eben dazu.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Als dann noch die beiden Frohnaturen aus Berchgard eintrafen - Auf der Suche nach Zeitzeugen der turbulenten Zeit, jene als sich die Welt im Wandel befand - hörte der Strom erbauender Ereignisse erst recht nicht auf.
Lange – So lang, bis die Sonne flimmernd hinter dem Geäst des nahen Waldes verschwunden war, erzählten sie einander von den Geschehnissen in diesen verhängnis- und verheißungsvollen Tagen und Wochen. Fjalon war dankbar dafür. Zwar bedankten sich die beiden Frohnaturen weitaus mehr für all die Geschichten und Anekdoten, aber auch er selbst war dankbar. Wurde auf diesem Wege doch allzu labile Erinnerung konserviert.
Die schwächste Tinte ist besser als das beste Gedächtnis.
Doch dann wartete Arbeit - Unliebsame, blutige Arbeit.
Ein armer Tropf, dieser Trum von einem Mann. Eingekerkert, weil er zur falschen Zeit, am falschen Ort die absolut falsche Person um ihre Geldbörse erleichtern wollte.
Manchmal traf man das Gute eben einfach so. Jetzt kam ihm sein Gedanke plötzlich dumm vor. Falsche Zeit, falscher Ort – Einfach so.
Jener Bandit hielt den Torturen des wütenden Drachen mit der eisernen Miene nicht einmal ansatzweise stand. Ein Schwacher unter den Gesetzlosen. Ganz egal, was der hühnenhafte Tor auch von sich geben mochte, sein Tod war ihm gewiss. Und der Weg dorthin versprach grausam, schmerzhaft und erniedrigend zu werden. Hoffentlich gab er dem Drachen, wonach es ihn dürstete.
Fjalon widersprach nicht, bei diesem Werk zu helfen. Sein Gesicht hielt dicht, seine Folgsamkeit den Oberen gegenüber war mühsam antrainiert.
Doch sein Herz ließ ihn mit jedem Schlag, mit jedem Schwall heißen Blutes, das durch seine Adern schoss, wissen, dass er wider den Tugenden handelte. Allein, dass er Mitgefühl für diesen Armen Toren empfand, dessen Leben verwirkt war, ließ zu, dass er sich selbst nicht mehr hasste, als er ertragen konnte. Aber viel fehlte auch dazu nicht mehr.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. In jedem von uns.
Erst als seine Hände rot und wund waren, hörte er auf, sie zu waschen. Er fühlte sich schmutzig, als müsse er all dies abwaschen. Und dabei hatte er den Gefangenen nicht einmal verletzt. Aber bei der Lockerung seiner Zunge geholfen hatte er.
Schlaf fand Fjalon in dieser Nacht nicht. Und beim Gedanken an sein Gebet am Schrein der Tapferkeit, empfand er sich als Lügner vor sich selbst. Und das schmerzte ihn umso mehr.
Wo galt es zu folgen? Wo nicht?
Wo waren die Grenzen der Gerechtigkeit?
War es etwa tapfer, wider seiner Überzeugungen zu handeln?
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Fjalon Thorn
Eigentlich empfand er sich als durchaus fähig darin, die tödliche Melodie eines geschwungenen Schwertes zum Erklingen zu bringen.
Aber am letzten Abend mit seinem kronritterlichen Lehrer wurde Fjalon unangenehm schnell bewusst, wie wenig er jenem doch entgegenzusetzen hatte. Fjalons soldatische Kampfkunst war, nüchtern betrachtet, durchaus solide und in den unzähligen Kämpfen der letzten Jahre geschliffen und gehärtet worden. Aber den Fähigkeiten des Sires war er nicht einmal ansatzweise gewachsen.
Initiative - „Greift an!“
Fjalon gab sein Bestes – seine breite Statur und den hölzernen Schild als Rammbock nutzend, warf er sich gegen Thelor und setzte währenddessen zu einem schräg nach unten geführten Schlag mit der hölzernen Klinge an. Im Regelfall betäubte der unvermittelt harte Schildschlag das Gegenüber und der Hieb durchtrennte einen Teil des Halsansatzes. Ein hundertfach erprobter, enorm heftiger Auftakt für einen Kampf. Aber sein Lehrer war schneller. Einen halben Augenblick, aber jener genügte, um Fjalons brutalen Angriff im Nichts verpuffen zu lassen.
Ich bin zu langsam.
Nächste Runde - „Jetzt verteidigt euch!“
Es wirkte fast, als störe den Kronritter die geringe Reichweite seiner geschwungenen Waffe nicht im Geringsten. Dessen Knappe wusste, dass er ihn mit der deutlich längeren Waffe auf Distanz halten musste. Zwei Schritte, eine Fjalon völlig unbekannte Antäuschungsbewegung und die Distanz des Bastardschwertes war überwunden und Thelors Fechtwaffe durchstieß Fjalons Deckung fast zur Gänze. Sein Schild war falsch platziert.
Ich bin nicht präzise genug.
Ein paar Runden später... - „Greift an!“
Es ist sinnlos zu erwähnen, dass auch Fjalons schiere Kraft nicht ausreichte, um die Deckung des Ritters zu durchbrechen. Und eigentlich war wenigstens seine schiere Körperkraft etwas, worauf er sich immer und jederzeit verlassen konnte. Und auch hier landete der erprobte Soldat im Dreck. Eine Landung, als wäre er wieder Rekrut und noch reichlich grün hinter den Ohren. Es war Jahre her, dass er dermaßen über’s Knie gelegt wurde.
Ich bin schwach.
Und dennoch händigte ihm sein Sire am Ende des Abends eine Belohnung aus. Aus Holz wurde Eisen. Offenbar war Fjalons Versagen erwartet worden, aber ganz blamiert hatte er sich scheinbar nicht. Jeder folgende Tag würde nun gleichermaßen hart begonnen. Er würde seinen inneren Schweinehund das Fürchten lehren, jeden Muskel stählen und Distanzen laufen, die er nicht einmal den Rekruten zumuten würde.
Er würde Muskeln an Stellen entdecken, an denen er vorher nicht einmal Stellen vermutet hatte.
Es musste einfach einen Weg geben, aus der ungeschickten, schwächlichen Schnecke von einem Knappen einen halbwegs brauchbaren Mann zu formen.
Lauf, Fjalon... lauf!
Aber am letzten Abend mit seinem kronritterlichen Lehrer wurde Fjalon unangenehm schnell bewusst, wie wenig er jenem doch entgegenzusetzen hatte. Fjalons soldatische Kampfkunst war, nüchtern betrachtet, durchaus solide und in den unzähligen Kämpfen der letzten Jahre geschliffen und gehärtet worden. Aber den Fähigkeiten des Sires war er nicht einmal ansatzweise gewachsen.
Initiative - „Greift an!“
Fjalon gab sein Bestes – seine breite Statur und den hölzernen Schild als Rammbock nutzend, warf er sich gegen Thelor und setzte währenddessen zu einem schräg nach unten geführten Schlag mit der hölzernen Klinge an. Im Regelfall betäubte der unvermittelt harte Schildschlag das Gegenüber und der Hieb durchtrennte einen Teil des Halsansatzes. Ein hundertfach erprobter, enorm heftiger Auftakt für einen Kampf. Aber sein Lehrer war schneller. Einen halben Augenblick, aber jener genügte, um Fjalons brutalen Angriff im Nichts verpuffen zu lassen.
Ich bin zu langsam.
Nächste Runde - „Jetzt verteidigt euch!“
Es wirkte fast, als störe den Kronritter die geringe Reichweite seiner geschwungenen Waffe nicht im Geringsten. Dessen Knappe wusste, dass er ihn mit der deutlich längeren Waffe auf Distanz halten musste. Zwei Schritte, eine Fjalon völlig unbekannte Antäuschungsbewegung und die Distanz des Bastardschwertes war überwunden und Thelors Fechtwaffe durchstieß Fjalons Deckung fast zur Gänze. Sein Schild war falsch platziert.
Ich bin nicht präzise genug.
Ein paar Runden später... - „Greift an!“
Es ist sinnlos zu erwähnen, dass auch Fjalons schiere Kraft nicht ausreichte, um die Deckung des Ritters zu durchbrechen. Und eigentlich war wenigstens seine schiere Körperkraft etwas, worauf er sich immer und jederzeit verlassen konnte. Und auch hier landete der erprobte Soldat im Dreck. Eine Landung, als wäre er wieder Rekrut und noch reichlich grün hinter den Ohren. Es war Jahre her, dass er dermaßen über’s Knie gelegt wurde.
Ich bin schwach.
Und dennoch händigte ihm sein Sire am Ende des Abends eine Belohnung aus. Aus Holz wurde Eisen. Offenbar war Fjalons Versagen erwartet worden, aber ganz blamiert hatte er sich scheinbar nicht. Jeder folgende Tag würde nun gleichermaßen hart begonnen. Er würde seinen inneren Schweinehund das Fürchten lehren, jeden Muskel stählen und Distanzen laufen, die er nicht einmal den Rekruten zumuten würde.
Er würde Muskeln an Stellen entdecken, an denen er vorher nicht einmal Stellen vermutet hatte.
Es musste einfach einen Weg geben, aus der ungeschickten, schwächlichen Schnecke von einem Knappen einen halbwegs brauchbaren Mann zu formen.
Lauf, Fjalon... lauf!
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Fjalon Thorn
In der letzten Ecke der Stadtstube, eingerahmt von flackerndem, fast erstorbenem Kerzenlicht, sitzt ein ermattet dreinblickender Mann. Er ist in die Farben des Hauses von Schwertfluren gekleidet, eine pechschwarze Schwertscheide aus der Haut eines Balrons ziert seinen ebenso schwarzen Gürtel. Ein halbleeres Glas schweren, der Farbe nach frischem Blute gleichem, Rotwein vor sich, scheint der Blondschopf mit dem langen Haar und dem dichten, aber kurzen Bart nachzudenken.
Immer dann, wenn der Strom der Ereignisse zu versiegen scheint, findet die Welt einen Weg, mit geballter Kraft, Bewegung in ihren stetigen Fluss zu bringen. Selten ist dieser Weg sachte, mit leicht ansteigender Geschwindigkeit, sondern vielmehr unvermittelt und schlagartig. Eigentlich, so war sein Plan, wollte er lediglich die Auflagen seines Lehrmeisters, seines Sires, befolgen. Körperliche Ertüchtigung bis zum Äußersten stand auf dem Plan und jenen suchte der Knappe zu befolgen. An diesem Tage war nur wenig Arbeit vorgesehen, der Dienstplan war ungewohnt, fast erschreckend, leer und einem Ausflug in die Weiten Gerimors und die Grenzen seiner Belastbarkeit stand einfach nichts mehr im Wege.
Nur eine Runde laufen, nur ein paar Waffenübungen, nur... Was ist das denn?
Stand da etwa die Frau Oberstleutnant, die sich in den letzten Wochen so schrecklich rar gemacht hatte, mit zwei von diesen unsäglichen Menekanern beisammen? Besucher sollten die sein? Begleiter der Freiherrin auch noch?
Der Tag wurde nicht besser. Die Tatsache, dass er diese Subjekte auch noch zur Kommandantur begleiten musste, setzte dem Ganzen die Krone auf. Folgsam wurden die beiden dunkelhäutigen Damen begleitet und der Verantwortlichkeit der Feldheilerin überantwortet. Immerhin war er klug genug gewesen, jener für den heutigen Abend das Kommando zu überlassen.
Und jetzt! Ab nach Berchgard und dann in die Wildnis - Taten warten!
"Korporal Thorn, könntet ihr einen Augenblick eurer Zeit opfern?". Dieser Innes... Der hatte sowieso ein Talent zur falschen Zeit am falschen Ort immer genau das Falsche zu sagen. Wenn er nicht hin und wieder doch durchaus Dinge von Belang zu berichten wusste. Ein Soldat ohne große Disziplin, aber wenigstens kein langweiliger Geselle.
Auch während der Gardist von seinen neuesten Tätigkeiten im Dienst berichtete, schweiften Fjalons Gedanken ab. Er wähnte sich bereits in gemäßigtem Lauf durch die Wälder von Wolffenbrück hetzend, seine Ausdauer an die Grenze des belastbaren zu bringen. Stattdessen gab's Gerede. Zugegeben, sehr interessantes Gerede.
Neue Befehle im Gedächtnis verließ der Gardist letztlich das Korporalsbüro und der blonde Korporal blieb seinerseits etwas ratlos stehen. Ein kurzer Moment der Rückbesinnung auf seine Pflichten und als er sich vor der Türe zum Versammlungsraum wiederfand, streckte er die Hand zur Türklinke aus. Öffnete jedoch nicht.
Mitmachen oder endlich deinen Plan umsetzen?
Mittlerweile hatte Regen eingesetzt. Jene Form von Regen, die sich in einer lang andauernden Berieselung der Landschaft entlädt, anstelle eines explosionsartigen Schauers. Irgendwie schien einfach alles Fjalon an diesem Tag entschleunigen zu wollen. Und nur hundert Schritt vor dem rettenden Stadttor fand er diesen Jungen. Ninus. Völlig durchnässt und ganz allein. Und einfach so im Regen stehen lassen kann man einen Jungen dieses Alters ja auch nicht... - Und eigentlich schien ihm der Knabe den Aufwand eines kurzen Gespräches durchaus wert. Aus ihm würde bestimmt einmal ein guter Bürger, ein ehrlicher Mann. Aber auch der nette Plausch in den beginnenden Abendstunden brachte Fjalon nicht viel weiter an sein eigentliches Ziel. Irgendeine höhere Macht wollte ihn mit unbändigem Willen vom Verlassen der Stadt abhalten.
Wenn das so weitergeht, lerne ich lieber in Rüstung zu schwimmen. Das hätte gleich zwei gute Seiten. Bewegung und am Ende keine Diskussionen mehr.
Als dann Rekrut Daske auch noch in eifriger und unübersehbarer Diensterfüllungsstimmung an Fjalon vorbeihetzte, eine Torwache zu beginnen, wusste der Korporal ganz genau, dass er auch an dem Tor nicht ohne Dienst zu leisten vorbeikommen würde. Der Rekrut machte zwar einen guten Eindruck auf den Korporal, aber letztlich wollte dieser sich heute einfach mal mit anderen Dingen beschäftigen als dem Üben eines Saluts, mit dem Einhalten der Dienstordnung und der Kontrolle von Passanten.
Doch scheinbar wollte der Strom der Ereignisse Fjalon heute keine eigene Planung zubilligen.
Dass der folgende Tag jedoch Ereignisse in einer ganz anderen Größenordnung zu bieten hatte, konnte Fjalon jetzt noch nicht wissen. Und erst Recht nicht, dass gerade die Menekaner, die den Anfang seines verhagelten Abends gebildet hatten, der Hilfe einer Kameradin, Vorgesetzten, geschätzten Freundin dienten.
Man sprach nicht umsonst von der Ruhe vor dem Sturm.
Immer dann, wenn der Strom der Ereignisse zu versiegen scheint, findet die Welt einen Weg, mit geballter Kraft, Bewegung in ihren stetigen Fluss zu bringen. Selten ist dieser Weg sachte, mit leicht ansteigender Geschwindigkeit, sondern vielmehr unvermittelt und schlagartig. Eigentlich, so war sein Plan, wollte er lediglich die Auflagen seines Lehrmeisters, seines Sires, befolgen. Körperliche Ertüchtigung bis zum Äußersten stand auf dem Plan und jenen suchte der Knappe zu befolgen. An diesem Tage war nur wenig Arbeit vorgesehen, der Dienstplan war ungewohnt, fast erschreckend, leer und einem Ausflug in die Weiten Gerimors und die Grenzen seiner Belastbarkeit stand einfach nichts mehr im Wege.
Nur eine Runde laufen, nur ein paar Waffenübungen, nur... Was ist das denn?
Stand da etwa die Frau Oberstleutnant, die sich in den letzten Wochen so schrecklich rar gemacht hatte, mit zwei von diesen unsäglichen Menekanern beisammen? Besucher sollten die sein? Begleiter der Freiherrin auch noch?
Der Tag wurde nicht besser. Die Tatsache, dass er diese Subjekte auch noch zur Kommandantur begleiten musste, setzte dem Ganzen die Krone auf. Folgsam wurden die beiden dunkelhäutigen Damen begleitet und der Verantwortlichkeit der Feldheilerin überantwortet. Immerhin war er klug genug gewesen, jener für den heutigen Abend das Kommando zu überlassen.
Und jetzt! Ab nach Berchgard und dann in die Wildnis - Taten warten!
"Korporal Thorn, könntet ihr einen Augenblick eurer Zeit opfern?". Dieser Innes... Der hatte sowieso ein Talent zur falschen Zeit am falschen Ort immer genau das Falsche zu sagen. Wenn er nicht hin und wieder doch durchaus Dinge von Belang zu berichten wusste. Ein Soldat ohne große Disziplin, aber wenigstens kein langweiliger Geselle.
Auch während der Gardist von seinen neuesten Tätigkeiten im Dienst berichtete, schweiften Fjalons Gedanken ab. Er wähnte sich bereits in gemäßigtem Lauf durch die Wälder von Wolffenbrück hetzend, seine Ausdauer an die Grenze des belastbaren zu bringen. Stattdessen gab's Gerede. Zugegeben, sehr interessantes Gerede.
Neue Befehle im Gedächtnis verließ der Gardist letztlich das Korporalsbüro und der blonde Korporal blieb seinerseits etwas ratlos stehen. Ein kurzer Moment der Rückbesinnung auf seine Pflichten und als er sich vor der Türe zum Versammlungsraum wiederfand, streckte er die Hand zur Türklinke aus. Öffnete jedoch nicht.
Mitmachen oder endlich deinen Plan umsetzen?
Mittlerweile hatte Regen eingesetzt. Jene Form von Regen, die sich in einer lang andauernden Berieselung der Landschaft entlädt, anstelle eines explosionsartigen Schauers. Irgendwie schien einfach alles Fjalon an diesem Tag entschleunigen zu wollen. Und nur hundert Schritt vor dem rettenden Stadttor fand er diesen Jungen. Ninus. Völlig durchnässt und ganz allein. Und einfach so im Regen stehen lassen kann man einen Jungen dieses Alters ja auch nicht... - Und eigentlich schien ihm der Knabe den Aufwand eines kurzen Gespräches durchaus wert. Aus ihm würde bestimmt einmal ein guter Bürger, ein ehrlicher Mann. Aber auch der nette Plausch in den beginnenden Abendstunden brachte Fjalon nicht viel weiter an sein eigentliches Ziel. Irgendeine höhere Macht wollte ihn mit unbändigem Willen vom Verlassen der Stadt abhalten.
Wenn das so weitergeht, lerne ich lieber in Rüstung zu schwimmen. Das hätte gleich zwei gute Seiten. Bewegung und am Ende keine Diskussionen mehr.
Als dann Rekrut Daske auch noch in eifriger und unübersehbarer Diensterfüllungsstimmung an Fjalon vorbeihetzte, eine Torwache zu beginnen, wusste der Korporal ganz genau, dass er auch an dem Tor nicht ohne Dienst zu leisten vorbeikommen würde. Der Rekrut machte zwar einen guten Eindruck auf den Korporal, aber letztlich wollte dieser sich heute einfach mal mit anderen Dingen beschäftigen als dem Üben eines Saluts, mit dem Einhalten der Dienstordnung und der Kontrolle von Passanten.
Doch scheinbar wollte der Strom der Ereignisse Fjalon heute keine eigene Planung zubilligen.
Dass der folgende Tag jedoch Ereignisse in einer ganz anderen Größenordnung zu bieten hatte, konnte Fjalon jetzt noch nicht wissen. Und erst Recht nicht, dass gerade die Menekaner, die den Anfang seines verhagelten Abends gebildet hatten, der Hilfe einer Kameradin, Vorgesetzten, geschätzten Freundin dienten.
Man sprach nicht umsonst von der Ruhe vor dem Sturm.
-
Fjalon Thorn
Eine Lektion in Mut... in Tapferkeit.
Fjalon löste die wertvollen Stiefel und den Waffengurt. Entledigte sich all der Dinge, die er bei dieser Prüfung nicht tragen durfte. Diese liebenswerten Glücksbringer, Geschenke einer geschätzten Kameradin durfte er nicht mitnehmen. Und Glück war es, das er nun dringend brauchte.
Eine solche ist auch eine Lektion in Furcht – eine Lektion in Respekt.
Renold und Fjalon waren so erbärmlich gerüstet wie nur möglich. Das grobe Wildleder war gerade dick genug, dem Husten eines atemlosen Ghuls zu trotzen, aber der zermalmenden Faust eines Ogerfürsten? Wohl kaum.
Der Weg dorthin zog sich deutlich länger als gewohnt, aber war nicht vergleichbar mit den Strapazen, die noch auf sie warten würden.
Ein Berg aus Fleisch und Muskeln. Wild wie ein Dämon, nur mit weniger Schläue gesegnet, aber dafür mit der Faust von zehn kalurischen Schmiedemeistern. Und genau gegen diesen sollten sie antreten. Allein der Anblick dieses Viehs weckte ein Bouquet verschiedenster Gefühle in Fjalon. Er hatte, da war er ehrlich zu sich selbst, eine Heidenangst vor diesem „Ding“. Gleichzeitig war da aber dieser Funke, den jeder wahre Krieger, jeder Soldat und scheinbar auch ein Knappe in sich spürt. Der Funke, der Furcht als Nahrung nimmt, sie zu zähmen und daraus die Flamme zu formen, welche in der Hitze des Kampfes das Zünglein auf der Waage bildet. Auf der Waage, die entscheidet, ob ein Wagnis ‚Mutig und erstrebenswert‘ oder eben ‚Sinnlos und von tödlicher Konsequenz‘ ist.
Mut und Tapferkeit waren nichts anderes als kalkulierte Furcht und Respekt vor einem scheinbar unkalkulierbaren Risiko. Das wurde ihm in jenem Moment kar, als sein Waffenbruder und er ihren Rhythmus fanden. Als beide wie ein Mann kämpften und den Fleischberg in eine tödliche Zange nahmen. Die Kunst bestand darin, nicht zu ermüden, nicht vom Plan abzuweichen, für den anderen in die Bresche zu springen und niemals, niemals! aufzugeben.
Es verging eine lange Zeit, in der die Hallen des Unheilsberges vom Brüllen des Fürsten erbebten, sirrende Klingen Lieder von Blut und Tod sangen, nur knapp dem Tode entkommene Knappen keuchend nach Luft rangen und einen übermächtigen Feind in die Knie zwangen.
Als Fjalon dann endlich einen Fuß auf der Schulter des getöteten Wesens setzte, blitzte kurz der Schalk in seinem Verstand auf und er dachte zufrieden...
“Zwerge auf den Schultern von Riesen...“
Fjalon löste die wertvollen Stiefel und den Waffengurt. Entledigte sich all der Dinge, die er bei dieser Prüfung nicht tragen durfte. Diese liebenswerten Glücksbringer, Geschenke einer geschätzten Kameradin durfte er nicht mitnehmen. Und Glück war es, das er nun dringend brauchte.
Eine solche ist auch eine Lektion in Furcht – eine Lektion in Respekt.
Renold und Fjalon waren so erbärmlich gerüstet wie nur möglich. Das grobe Wildleder war gerade dick genug, dem Husten eines atemlosen Ghuls zu trotzen, aber der zermalmenden Faust eines Ogerfürsten? Wohl kaum.
Der Weg dorthin zog sich deutlich länger als gewohnt, aber war nicht vergleichbar mit den Strapazen, die noch auf sie warten würden.
Ein Berg aus Fleisch und Muskeln. Wild wie ein Dämon, nur mit weniger Schläue gesegnet, aber dafür mit der Faust von zehn kalurischen Schmiedemeistern. Und genau gegen diesen sollten sie antreten. Allein der Anblick dieses Viehs weckte ein Bouquet verschiedenster Gefühle in Fjalon. Er hatte, da war er ehrlich zu sich selbst, eine Heidenangst vor diesem „Ding“. Gleichzeitig war da aber dieser Funke, den jeder wahre Krieger, jeder Soldat und scheinbar auch ein Knappe in sich spürt. Der Funke, der Furcht als Nahrung nimmt, sie zu zähmen und daraus die Flamme zu formen, welche in der Hitze des Kampfes das Zünglein auf der Waage bildet. Auf der Waage, die entscheidet, ob ein Wagnis ‚Mutig und erstrebenswert‘ oder eben ‚Sinnlos und von tödlicher Konsequenz‘ ist.
Mut und Tapferkeit waren nichts anderes als kalkulierte Furcht und Respekt vor einem scheinbar unkalkulierbaren Risiko. Das wurde ihm in jenem Moment kar, als sein Waffenbruder und er ihren Rhythmus fanden. Als beide wie ein Mann kämpften und den Fleischberg in eine tödliche Zange nahmen. Die Kunst bestand darin, nicht zu ermüden, nicht vom Plan abzuweichen, für den anderen in die Bresche zu springen und niemals, niemals! aufzugeben.
Es verging eine lange Zeit, in der die Hallen des Unheilsberges vom Brüllen des Fürsten erbebten, sirrende Klingen Lieder von Blut und Tod sangen, nur knapp dem Tode entkommene Knappen keuchend nach Luft rangen und einen übermächtigen Feind in die Knie zwangen.
Als Fjalon dann endlich einen Fuß auf der Schulter des getöteten Wesens setzte, blitzte kurz der Schalk in seinem Verstand auf und er dachte zufrieden...
“Zwerge auf den Schultern von Riesen...“
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Fjalon Thorn
Nach der selbst organisierten Vorstellung der Knappen, welche die drei Waffenbrüder in den Genuss der Gesellschaft seiner königlichen Majestät und der Gräfin sowie ehrenhaften Vertretern des Standes der Freiherren gebracht hatte, waren Fjalons Kräfte aufgebraucht, sein Ehrgeiz abgenutzt und seine Disziplin am Ende. Er brauchte eine Pause, es verlangte ihm nach Zeit, Energie zu schöpfen, nur den nötigsten Dienst eines Unteroffiziers zu tun und sich auf Verwaltungsaufgaben im stillen Kämmerlein des Korporalsbüros zu beschränken.
Zuviel von Allem.
Wochenlang verließ er die Kommandantur lediglich, um sich die eine oder andere Mahlzeit zu gönnen, die Seele fernab der Dienstbarkeiten und Pflichten baumeln zu lassen. Sein ausgebranntes Inneres zu pflegen. Immerhin konnte er dies recht straflos tun, übernahm doch sein geschätzer Freund und Genosse Korporal mit dem dunklen Haar die allermeisten Aufgaben der Unteroffiziere mit einer beispielhaften Disziplin und Ausdauer. Mit jedem Tage seiner verminderten Präsenz jedoch machte sich dieses sägende Gefühl in der Magengegend bemerkbar - Erst ein leichtes Ziehen, mit wachsender Tendenz, sich zu waschechten Schmerzen auszuweiten. Fjalons Gewissen war schon immer ein furchtbarer Begleiter gewesen. Eine Erscheinung, die ihn immer wieder an seine Pflichten erinnerte.
Sir von Schwertfluren ist verreist. Das Regiment kommt vortrefflich ohne mich klar.
Der erste Gedanke beruhigte wenigstens den Teil des Gewissens, der zum Knappen Fjalon gehörte. Der Knappe, der seit einiger Zeit schon Müßiggang pflegte und dem scheinbar seine Disziplin abhanden gekommen war. Ohne Lehrmeister fiel es für die Dauer der Abwesenheit Thelors schlicht nicht auf, dass Fjalon sich kaum regte. Doch der Rest? Der Rest drückte mit jedem Tage mehr aufs Gemüt, wenngleich ihm diese Auszeit wohl tat, sah er vor seinem inneren Auge die Truppe. Diesen Ameisenhaufen in Rot und Gold, den er sträflich vernachlässigte. Vielleicht hatte man ja schon einen Nachfolger für ihn ersonnen. Vielleicht war man aber auch einfach erbost über diese Transformation zur Karteileiche. Vielleicht hatte man ihn sogar vergessen!
Doch schien man an ihn zu denken. Vielleicht auf verrückte, krude... aber auch auf eine liebenswerte Art und Weise.
Hatte man dieses vielversprechende Weib doch gerade erst in den Rang einer Gardistin erhoben, Schien sie dennoch weiterhin reichlich Flausen im Kopf zu haben. Sicherlich war ihr fragwürdiges Geschenk gut gemeint, doch jeder - noch so gut gemeinte - Verstoß dieser Tragweite hatte Konsequenzen.
Trotzdem konnte er dieser Frau nicht wirklich langfristig böse sein, obgleich seine Standpauke sich durchaus hatte sehen lassen können. Ein gutes Herz, das mit einem wagemutigen, etwas verrückten Verstand ringt... er konnte sie einfach nicht härter bestrafen.
Zumal seine Rüstung seit langer Zeit nicht mehr so vortrefflich geglänzt hatte.
Kommt mir Adoran umso wahnsinniger vor, je länger ich es nicht mehr mit offenen Augen sah?
Sogar den Turmbau in der Grafschaft Markweih hatte Fjalon nur aus der Ferne verfolgt. Papierkram und Lethargie waren weiterhin seine Deckung vor seinen Pflichten des vollständig ausgeführten Dienstes. Er fühlte sich schlicht nicht imstande, einen brauchbaren Beitrag zu leisten. Wo war seine Kraft nur abgeblieben?
Es vergingen Wochen, bis er sich wieder - in den Farben des Hauses von Schwertfluren allerdings - auf die Straßen Adorans wagte und den täglichen Irrsinn auf sich einwirken ließ. Es hatte seine innere Stimme viel Überredungskunst gekostet, seinen inneren Schweinehund zu besänftigen. Endlich wieder frische Luft zu schnappen und hinauszutreten. Zweifelnde Gedanken blieben dennoch wohlbekannte, niemals schweigende, Begleiter.
Wohin gehe ich? Wer bin ich überhaupt? Bin ich meinen Zielen gewachsen? Wonach strebe ich?
Doch...
Einen dreisten Gesetzesbruch, einen abgrundtief hässlichen Orken mit Identitätskrise - Einen Meistermagier, der Experimente auf offener Straße vollzog und ein klärendes Gespräch später war es Fjalon wieder klar:
Niemand kennt die Antworten, aber wenn hier keiner für Ordnung sorgt, brennt Adoran bald...
Antworten auf seine Fragen konnte nur er selbst finden. Und dazu musste er lediglich wieder einen Fuß vor den anderen setzen, die kurvigen Pfade und schweren Steigungen des Lebens weitergehen, in der Hoffnung eines Tages jene Hügelkuppe zu erreichen, von der er all die zukünftigen Pfade sehen konnte, die noch vor ihm lagen.
Zuviel von Allem.
Wochenlang verließ er die Kommandantur lediglich, um sich die eine oder andere Mahlzeit zu gönnen, die Seele fernab der Dienstbarkeiten und Pflichten baumeln zu lassen. Sein ausgebranntes Inneres zu pflegen. Immerhin konnte er dies recht straflos tun, übernahm doch sein geschätzer Freund und Genosse Korporal mit dem dunklen Haar die allermeisten Aufgaben der Unteroffiziere mit einer beispielhaften Disziplin und Ausdauer. Mit jedem Tage seiner verminderten Präsenz jedoch machte sich dieses sägende Gefühl in der Magengegend bemerkbar - Erst ein leichtes Ziehen, mit wachsender Tendenz, sich zu waschechten Schmerzen auszuweiten. Fjalons Gewissen war schon immer ein furchtbarer Begleiter gewesen. Eine Erscheinung, die ihn immer wieder an seine Pflichten erinnerte.
Sir von Schwertfluren ist verreist. Das Regiment kommt vortrefflich ohne mich klar.
Der erste Gedanke beruhigte wenigstens den Teil des Gewissens, der zum Knappen Fjalon gehörte. Der Knappe, der seit einiger Zeit schon Müßiggang pflegte und dem scheinbar seine Disziplin abhanden gekommen war. Ohne Lehrmeister fiel es für die Dauer der Abwesenheit Thelors schlicht nicht auf, dass Fjalon sich kaum regte. Doch der Rest? Der Rest drückte mit jedem Tage mehr aufs Gemüt, wenngleich ihm diese Auszeit wohl tat, sah er vor seinem inneren Auge die Truppe. Diesen Ameisenhaufen in Rot und Gold, den er sträflich vernachlässigte. Vielleicht hatte man ja schon einen Nachfolger für ihn ersonnen. Vielleicht war man aber auch einfach erbost über diese Transformation zur Karteileiche. Vielleicht hatte man ihn sogar vergessen!
Doch schien man an ihn zu denken. Vielleicht auf verrückte, krude... aber auch auf eine liebenswerte Art und Weise.
Hatte man dieses vielversprechende Weib doch gerade erst in den Rang einer Gardistin erhoben, Schien sie dennoch weiterhin reichlich Flausen im Kopf zu haben. Sicherlich war ihr fragwürdiges Geschenk gut gemeint, doch jeder - noch so gut gemeinte - Verstoß dieser Tragweite hatte Konsequenzen.
Trotzdem konnte er dieser Frau nicht wirklich langfristig böse sein, obgleich seine Standpauke sich durchaus hatte sehen lassen können. Ein gutes Herz, das mit einem wagemutigen, etwas verrückten Verstand ringt... er konnte sie einfach nicht härter bestrafen.
Zumal seine Rüstung seit langer Zeit nicht mehr so vortrefflich geglänzt hatte.
Kommt mir Adoran umso wahnsinniger vor, je länger ich es nicht mehr mit offenen Augen sah?
Sogar den Turmbau in der Grafschaft Markweih hatte Fjalon nur aus der Ferne verfolgt. Papierkram und Lethargie waren weiterhin seine Deckung vor seinen Pflichten des vollständig ausgeführten Dienstes. Er fühlte sich schlicht nicht imstande, einen brauchbaren Beitrag zu leisten. Wo war seine Kraft nur abgeblieben?
Es vergingen Wochen, bis er sich wieder - in den Farben des Hauses von Schwertfluren allerdings - auf die Straßen Adorans wagte und den täglichen Irrsinn auf sich einwirken ließ. Es hatte seine innere Stimme viel Überredungskunst gekostet, seinen inneren Schweinehund zu besänftigen. Endlich wieder frische Luft zu schnappen und hinauszutreten. Zweifelnde Gedanken blieben dennoch wohlbekannte, niemals schweigende, Begleiter.
Wohin gehe ich? Wer bin ich überhaupt? Bin ich meinen Zielen gewachsen? Wonach strebe ich?
Doch...
Einen dreisten Gesetzesbruch, einen abgrundtief hässlichen Orken mit Identitätskrise - Einen Meistermagier, der Experimente auf offener Straße vollzog und ein klärendes Gespräch später war es Fjalon wieder klar:
Niemand kennt die Antworten, aber wenn hier keiner für Ordnung sorgt, brennt Adoran bald...
Antworten auf seine Fragen konnte nur er selbst finden. Und dazu musste er lediglich wieder einen Fuß vor den anderen setzen, die kurvigen Pfade und schweren Steigungen des Lebens weitergehen, in der Hoffnung eines Tages jene Hügelkuppe zu erreichen, von der er all die zukünftigen Pfade sehen konnte, die noch vor ihm lagen.
Zuletzt geändert von Fjalon Thorn am Montag 26. August 2013, 12:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Fjalon Thorn
Es war ganz schön kalt geworden. Der Sommer neigte sich dem Ende zu und der Herbst, wenngleich noch nicht in seiner Gänze angekommen, kündigte doch schon mit frischeren Winden in den Abendstunden und kürzeren Tagen, von seinen alljährlichen Absichten.
Knapp hinter den Grenzen der Feinde, also nicht unbedingt in einem Gebiet, in dem man sich ohne jedwedes Rüstzeug wohlfühlen konnte, blieben die drei an einer Schlucht stehen. Ein umgestürzter Baumstamm, eine alte Eiche vielleicht, überspannte die Eng an dieser Stelle. Mit viel Phantasie konnte man an eine Brücke denken.
Aber wer ist schon verrückt genug, über diese Schlucht zu balancier....Ach - Wir? Na das wird spannend!
Fjalon blickte hinab. Ein Haufen Laub, Blattwerk. Das eine oder andere huschende Nagetier und vermutlich recht harter Boden. Ein Sturz währe vermutlich nicht tödlich, aber hinterließe unter Umständen eine längerfristige Erinnerung. Die Anweisung des Sirs war eindeutig. Hinüberbalancieren, zeigen dass man wenigstens ein Mindestmaß an Gleichgewichtssinn hatte.
Das letzte Mal auf einem Schiff ist schon eine Ewigkeit her. Ich weiß gar nicht mehr, wie...
Renold wollte zuerst. Wunderbar. Und der Jungspund stellte sich gar nicht mal so ungeschickt dabei an. War sein Waffenbruder ihm in vielen Kampfdisziplinen ein wenig unterlegen, schien er doch dem blonden, bärtigen Knappen in Wendigkeit und Körpergefühl durchaus voraus. Fjalon war, wer hätte das gedacht... unwohl bei dem Gedanken, diese doch recht souveräne Vorstellung von Renold zu adaptieren. Geschweige denn... Überhaupt heil auf der anderen Seite anzukommen.
"Jetzt du, Fjalon. Hopp!"
Ja, ja...
Der Blondschopf stieg auf den Stamm und es misslang ihm gründlich, sich jenen als ein schwankendes Schiffsdeck vorzustellen. Indes schien es dem Knappen eher, als käme der Boden mit jedem Augenblick immer näher. Er schalt sich, nicht nach unten zu blicken. Schritt für Schritt tapste der Bär voran.
Sein Lehrmeister hingegen ging seelenruhig hinterdrein, fast als flanierte er auf einer dieser breiten, gepflasterten Straßen mitten in Adoran und nicht auf einem wankenden Baumstamm irgendwo in der Wildnis westlich von Varuna!
Nur nicht nachdenken, einfach gehen, gehen, gehen...
Leider empfand es der Wind als unpassend, Fjalon in Ruhe zu lassen. Auf dem letzten Stück erfasste ihn eine starke Bö, drückte ihn ein Stück zur Seite. Nur unter starkem Rudern der Arme konnte er sich fassen, (Was sicher höchst ästhetisch wirkte!) und rettete sich mit einem hastigen Satz nach vorn auf die andere Seite der Schlucht. Dumm nur, dass er dort gleich an Renold vorbeistolperte, eine Wurzel erwischte und formvollendet, (ja, fast elfengleich!), auf der Nase landete und lediglich einen Haufen Blattwerk und Vogelkot das Fürchten lehren konnte.
Unnötig zu erwähnen, dass der Sir sich noch eine weitere Lektion ausgedacht hatte.
Stabkampf auf einem Baumstamm, der eine Schlucht überspannt. Jetzt wusste er, warum es so wenige Ritter gab:
Die starben alle, bevor sie zu einem solchen geschlagen werden konnten!
Dennoch ließen die beiden Waffenbrüder sich auf einen Zweikampf ein, denn der Sieger würde einen kleinen Preis erhalten. Zwar war Fjalon im Kampf mit wuchtigen Waffen weitaus erfahrener, doch Renold eben deutlich wendiger. Diese Kombination von Inkompetenzen und falsch eingesetzten Kompetenzen mündete in einer Art peinlicher Pattsituation, bei der der zuvor erwähnte Blatthaufen und die Nagetiere, die zunächst arglos auf dem Grund der Schlucht ihr einfaches, aber glückliches Leben führten, von zwei athletischen, massigen Leibern zermalmt wurden.
Wo gehobelt wird...
Auf zur nächsten Runde - Die beiden völlig verdreckten Knappen stapften zurück zu ihrem Lehrmeister. Es würde keineswegs die letzte unorthodoxe Lektion auf dem Weg zu einem würdigen Ritter dieses glorreichen Reiches gewesen sein, dessen war Fjalon sich ganz sicher.
Knapp hinter den Grenzen der Feinde, also nicht unbedingt in einem Gebiet, in dem man sich ohne jedwedes Rüstzeug wohlfühlen konnte, blieben die drei an einer Schlucht stehen. Ein umgestürzter Baumstamm, eine alte Eiche vielleicht, überspannte die Eng an dieser Stelle. Mit viel Phantasie konnte man an eine Brücke denken.
Aber wer ist schon verrückt genug, über diese Schlucht zu balancier....Ach - Wir? Na das wird spannend!
Fjalon blickte hinab. Ein Haufen Laub, Blattwerk. Das eine oder andere huschende Nagetier und vermutlich recht harter Boden. Ein Sturz währe vermutlich nicht tödlich, aber hinterließe unter Umständen eine längerfristige Erinnerung. Die Anweisung des Sirs war eindeutig. Hinüberbalancieren, zeigen dass man wenigstens ein Mindestmaß an Gleichgewichtssinn hatte.
Das letzte Mal auf einem Schiff ist schon eine Ewigkeit her. Ich weiß gar nicht mehr, wie...
Renold wollte zuerst. Wunderbar. Und der Jungspund stellte sich gar nicht mal so ungeschickt dabei an. War sein Waffenbruder ihm in vielen Kampfdisziplinen ein wenig unterlegen, schien er doch dem blonden, bärtigen Knappen in Wendigkeit und Körpergefühl durchaus voraus. Fjalon war, wer hätte das gedacht... unwohl bei dem Gedanken, diese doch recht souveräne Vorstellung von Renold zu adaptieren. Geschweige denn... Überhaupt heil auf der anderen Seite anzukommen.
"Jetzt du, Fjalon. Hopp!"
Ja, ja...
Der Blondschopf stieg auf den Stamm und es misslang ihm gründlich, sich jenen als ein schwankendes Schiffsdeck vorzustellen. Indes schien es dem Knappen eher, als käme der Boden mit jedem Augenblick immer näher. Er schalt sich, nicht nach unten zu blicken. Schritt für Schritt tapste der Bär voran.
Sein Lehrmeister hingegen ging seelenruhig hinterdrein, fast als flanierte er auf einer dieser breiten, gepflasterten Straßen mitten in Adoran und nicht auf einem wankenden Baumstamm irgendwo in der Wildnis westlich von Varuna!
Nur nicht nachdenken, einfach gehen, gehen, gehen...
Leider empfand es der Wind als unpassend, Fjalon in Ruhe zu lassen. Auf dem letzten Stück erfasste ihn eine starke Bö, drückte ihn ein Stück zur Seite. Nur unter starkem Rudern der Arme konnte er sich fassen, (Was sicher höchst ästhetisch wirkte!) und rettete sich mit einem hastigen Satz nach vorn auf die andere Seite der Schlucht. Dumm nur, dass er dort gleich an Renold vorbeistolperte, eine Wurzel erwischte und formvollendet, (ja, fast elfengleich!), auf der Nase landete und lediglich einen Haufen Blattwerk und Vogelkot das Fürchten lehren konnte.
Unnötig zu erwähnen, dass der Sir sich noch eine weitere Lektion ausgedacht hatte.
Stabkampf auf einem Baumstamm, der eine Schlucht überspannt. Jetzt wusste er, warum es so wenige Ritter gab:
Die starben alle, bevor sie zu einem solchen geschlagen werden konnten!
Dennoch ließen die beiden Waffenbrüder sich auf einen Zweikampf ein, denn der Sieger würde einen kleinen Preis erhalten. Zwar war Fjalon im Kampf mit wuchtigen Waffen weitaus erfahrener, doch Renold eben deutlich wendiger. Diese Kombination von Inkompetenzen und falsch eingesetzten Kompetenzen mündete in einer Art peinlicher Pattsituation, bei der der zuvor erwähnte Blatthaufen und die Nagetiere, die zunächst arglos auf dem Grund der Schlucht ihr einfaches, aber glückliches Leben führten, von zwei athletischen, massigen Leibern zermalmt wurden.
Wo gehobelt wird...
Auf zur nächsten Runde - Die beiden völlig verdreckten Knappen stapften zurück zu ihrem Lehrmeister. Es würde keineswegs die letzte unorthodoxe Lektion auf dem Weg zu einem würdigen Ritter dieses glorreichen Reiches gewesen sein, dessen war Fjalon sich ganz sicher.
Zuletzt geändert von Fjalon Thorn am Freitag 6. September 2013, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Fjalon Thorn
Kenne deinen Feind.
Ein weiser Spruch, ohne jeden Zweifel. Doch wer setzte sich schon gern mit den abscheulichen Dingen, den verblendeten Idealen und kruden - fast absurden - Ansichten seiner Feinde ernstlich auseinander? Florentine hatte ihrerseits Recht mit ihrer Anmerkung, dass auch dieses Studium nötig sei und nur tiefgehende Beschäftigung mit jener Materie wirkliches Wissen erzeugen könne. Sie war es auch, die Fjalon den Weg zu den entsprechenden Schriften wies.
Mit durchaus gemischten Gefühlen wanderte der junge Knappe aus der Stadt Adoran hinaus in das noch immer grüne, wenngleich zunehmend herbstlich anmutende Gebiet am Nebelpass. Während die Sohlen seiner Stiefel sich mit jedem Schritt in den Boden gruben, musste er unweigerlich an die freundliche, stets verlässliche Kameradin denken, die ihm jene geschenkt hatte. Die Feldheilerin war eine Pragmatikerin, so schätze Fjalon sie ein. Und sie würde ebenso wollen - immerhin trugen ihre Stiefel ihn ja nun zur Bibliothek - dass er aus rein praktischen Gründen diese Lesereise in die Gedankenwelt der Widersacher aus dem Westen antreten musste.
Auch auch der Sir hatte Recht. Recht damit, dass diese unheilvolle Saat des Panthers in jedem von uns innewohnte. Sie zu kennen wäre der rechte Weg, jene stets wuchsfreudigen, gefahrvollen Keimlinge zu finden und mit den von Temora gegebenen Mitteln, Idealen und Tugenden niederzustrecken. Vielleicht war es Fjalons Gewissheit darüber, dass er genau wusste, wie die Keim des Panthers in jedem steckte. Viel zu oft, als junger Spund, hatte er auf hoher See mitangesehen, wie Menschen verrohten, grausam wurden, eigennützig handelten und auf Kosten anderer und des Lebens selbst ihren eigenen Profit voranstellten. Fast wäre er selbst so geworden.
Fast.
Läuterung, das hatte er auch dem Sir längst zu verstehen gegeben, hatte es noch gerade rechtzeitig für Fjalon gegeben. Zu einem Zeitpunkt, da er heimatlos und einsam war nahm ihn das Alumenische Reich damals als Soldaten auf, bekräftigte sein Vertrauen und seinen Glauben an die Lichtbringerin und gab ihm eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die ein ehrenvolles, gutes Herz nötig machte.
Also gut. Bringen wir es hinter uns... Es hat sich noch niemand zu Tode gelesen. Oder etwa doch?
"Dir zu dienen heißt..."
"Dir zu dienen heißt..."
Gebot für Gebot las der blondbärtige Knappe die Glaubensgrundsätze der alatargläubigen Feinde durch. Zunächst las er quer... dann immer genauer , bis die Zeilen der Gebote Stück für Stück ein Gesamtbild zu ergeben schienen.
"Ehrfurcht und Gehorsam." Beides las sich wie eine Anleitung zum Leben in Angst, die aufgebaute Hierarchie niemals, nicht einmal versehentlich, zu untergraben. Denn immerhin waren die Weisungen und Befehle der Höheren ja Wille 'des Herrn selbst'. Ein kalter Schauer durchfuhr Fjalon beim Überfliegen der entsprechenden Absätze.
"Treue. Weisheit. Lehre der Jüngeren - Abschwur von Reichtum, Absolute und widerspruchslose Zukehr zur Sache Alatars." Fjalon empfand zunächst soetwas wie ..Verständnis.. doch er sponn die sich ergebenden Konsequenzen weiter - entsann sich der ersten beiden Gebote - und mit jedem Augenblick verstand er mehr und mehr, wie perfekt die Zahnräder der Unterdrückung und die fortwährende Aussaat der Furcht ineinander griffen. Man hatte auf der anderen Seite Gerimors ein kreisläufiges System entwickelt, das sich selbst verstärkte. Angetrieben von Opportunismus und Furcht. Ein scheußlicher Antrieb..., ging es dem Knappen durch den Kopf. Seine Stirn lag längst in tiefen Falten vergraben.
Spätestens hier wurde ihm klar, dass diese Denkweise eine unheilvolle Einbahnstraße darstellte.
Und die Tugenden der Streitbaren bieten für jeden dieser furchtbaren Einblicke in die Abgründe unserer Seele eine Antwort. Die richtige Antwort auf die jeweilige 'Frage' zu finden. Das ist wohl die schwierigste von allen Aufgaben.
Er las weiter. Der Stapel an Büchern wuchs.
"Rhetorik und Intrige." Ein jeder weiß, dass die Neigung zur Intriganz in jedem Menschen innewohnt. Doch jenes zu einem Gebot auserkoren zu wissen, ließ Fjalon schlichtweg schaudern.
"Perfektion im Kampfe - Keine Almosen." Ein jeder bekommt, was er verdient und er verliert, was ihm nicht zusteht. Fjalon empfand gerade diesen, ja eigentlich eher nebensächlich wirkenden, Absatz als ganz besonders interessant. Die 'Sprecher' dieses 'Herren', die in der Hierarchie nun einmal höher standen, definierten doch selbst, was jemandem 'zustünde' oder eben nicht. Nur ein Haufen verblendeter Opportunisten mit nichts als dem eigenen Vorteil würde solche widersinnigen Regeln aufstellen und durchsetzen. Eine Augenbraue zuckte nervös. Der Knappe wurde langsam ungeduldig und scheinbar durchaus aufgebracht.
"Dir zu dienen heißt, sich völlig aufzugeben"
Vom Rechten Maß haben die drüben in Rahal wohl noch nie etwas gehört!
Entnervt, etwas erwärmt, ja fast ein wenig erzürnt schlug Fjalon das letzte der Bücher wieder zu und schob jene Machwerke wieder in die dafür vorgesehenen Lücken in den weitläufigen Regalen des Wissenshortes. Langsam wanderte er die Treppen hinab und ließ sich auf einem der schweren Sitzkissen im Erdgeschoss der Bibliothek nieder. Mit nachdenklicher Miene legt er seine Ellenbogen auf seinen Knien ab, stütze seinen Kopf auf seine Hände und versank für eine lange Zeit in tiefe, bedeutungsschwere Gedanken.
Bekämpfe die Saat. Finde das rechte Maß. Vergiss nie, wer du bist und welcher Sache du dienst.
Ein weiser Spruch, ohne jeden Zweifel. Doch wer setzte sich schon gern mit den abscheulichen Dingen, den verblendeten Idealen und kruden - fast absurden - Ansichten seiner Feinde ernstlich auseinander? Florentine hatte ihrerseits Recht mit ihrer Anmerkung, dass auch dieses Studium nötig sei und nur tiefgehende Beschäftigung mit jener Materie wirkliches Wissen erzeugen könne. Sie war es auch, die Fjalon den Weg zu den entsprechenden Schriften wies.
Mit durchaus gemischten Gefühlen wanderte der junge Knappe aus der Stadt Adoran hinaus in das noch immer grüne, wenngleich zunehmend herbstlich anmutende Gebiet am Nebelpass. Während die Sohlen seiner Stiefel sich mit jedem Schritt in den Boden gruben, musste er unweigerlich an die freundliche, stets verlässliche Kameradin denken, die ihm jene geschenkt hatte. Die Feldheilerin war eine Pragmatikerin, so schätze Fjalon sie ein. Und sie würde ebenso wollen - immerhin trugen ihre Stiefel ihn ja nun zur Bibliothek - dass er aus rein praktischen Gründen diese Lesereise in die Gedankenwelt der Widersacher aus dem Westen antreten musste.
Auch auch der Sir hatte Recht. Recht damit, dass diese unheilvolle Saat des Panthers in jedem von uns innewohnte. Sie zu kennen wäre der rechte Weg, jene stets wuchsfreudigen, gefahrvollen Keimlinge zu finden und mit den von Temora gegebenen Mitteln, Idealen und Tugenden niederzustrecken. Vielleicht war es Fjalons Gewissheit darüber, dass er genau wusste, wie die Keim des Panthers in jedem steckte. Viel zu oft, als junger Spund, hatte er auf hoher See mitangesehen, wie Menschen verrohten, grausam wurden, eigennützig handelten und auf Kosten anderer und des Lebens selbst ihren eigenen Profit voranstellten. Fast wäre er selbst so geworden.
Fast.
Läuterung, das hatte er auch dem Sir längst zu verstehen gegeben, hatte es noch gerade rechtzeitig für Fjalon gegeben. Zu einem Zeitpunkt, da er heimatlos und einsam war nahm ihn das Alumenische Reich damals als Soldaten auf, bekräftigte sein Vertrauen und seinen Glauben an die Lichtbringerin und gab ihm eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die ein ehrenvolles, gutes Herz nötig machte.
Also gut. Bringen wir es hinter uns... Es hat sich noch niemand zu Tode gelesen. Oder etwa doch?
"Dir zu dienen heißt..."
"Dir zu dienen heißt..."
Gebot für Gebot las der blondbärtige Knappe die Glaubensgrundsätze der alatargläubigen Feinde durch. Zunächst las er quer... dann immer genauer , bis die Zeilen der Gebote Stück für Stück ein Gesamtbild zu ergeben schienen.
"Ehrfurcht und Gehorsam." Beides las sich wie eine Anleitung zum Leben in Angst, die aufgebaute Hierarchie niemals, nicht einmal versehentlich, zu untergraben. Denn immerhin waren die Weisungen und Befehle der Höheren ja Wille 'des Herrn selbst'. Ein kalter Schauer durchfuhr Fjalon beim Überfliegen der entsprechenden Absätze.
"Treue. Weisheit. Lehre der Jüngeren - Abschwur von Reichtum, Absolute und widerspruchslose Zukehr zur Sache Alatars." Fjalon empfand zunächst soetwas wie ..Verständnis.. doch er sponn die sich ergebenden Konsequenzen weiter - entsann sich der ersten beiden Gebote - und mit jedem Augenblick verstand er mehr und mehr, wie perfekt die Zahnräder der Unterdrückung und die fortwährende Aussaat der Furcht ineinander griffen. Man hatte auf der anderen Seite Gerimors ein kreisläufiges System entwickelt, das sich selbst verstärkte. Angetrieben von Opportunismus und Furcht. Ein scheußlicher Antrieb..., ging es dem Knappen durch den Kopf. Seine Stirn lag längst in tiefen Falten vergraben.
Spätestens hier wurde ihm klar, dass diese Denkweise eine unheilvolle Einbahnstraße darstellte.
Und die Tugenden der Streitbaren bieten für jeden dieser furchtbaren Einblicke in die Abgründe unserer Seele eine Antwort. Die richtige Antwort auf die jeweilige 'Frage' zu finden. Das ist wohl die schwierigste von allen Aufgaben.
Er las weiter. Der Stapel an Büchern wuchs.
"Rhetorik und Intrige." Ein jeder weiß, dass die Neigung zur Intriganz in jedem Menschen innewohnt. Doch jenes zu einem Gebot auserkoren zu wissen, ließ Fjalon schlichtweg schaudern.
"Perfektion im Kampfe - Keine Almosen." Ein jeder bekommt, was er verdient und er verliert, was ihm nicht zusteht. Fjalon empfand gerade diesen, ja eigentlich eher nebensächlich wirkenden, Absatz als ganz besonders interessant. Die 'Sprecher' dieses 'Herren', die in der Hierarchie nun einmal höher standen, definierten doch selbst, was jemandem 'zustünde' oder eben nicht. Nur ein Haufen verblendeter Opportunisten mit nichts als dem eigenen Vorteil würde solche widersinnigen Regeln aufstellen und durchsetzen. Eine Augenbraue zuckte nervös. Der Knappe wurde langsam ungeduldig und scheinbar durchaus aufgebracht.
"Dir zu dienen heißt, sich völlig aufzugeben"
Vom Rechten Maß haben die drüben in Rahal wohl noch nie etwas gehört!
Entnervt, etwas erwärmt, ja fast ein wenig erzürnt schlug Fjalon das letzte der Bücher wieder zu und schob jene Machwerke wieder in die dafür vorgesehenen Lücken in den weitläufigen Regalen des Wissenshortes. Langsam wanderte er die Treppen hinab und ließ sich auf einem der schweren Sitzkissen im Erdgeschoss der Bibliothek nieder. Mit nachdenklicher Miene legt er seine Ellenbogen auf seinen Knien ab, stütze seinen Kopf auf seine Hände und versank für eine lange Zeit in tiefe, bedeutungsschwere Gedanken.
Bekämpfe die Saat. Finde das rechte Maß. Vergiss nie, wer du bist und welcher Sache du dienst.