Nur wer die verloren geglaubte Totenkammer eines großen Herrschers betritt und in den Grabbeilagen die Krone findet, die ihn fortan zum König der ganzen Welt macht, kann erahnen, welches Gefühl Isen überkam, als sie das passende Schloss zu ihrem Schlüssel fand. In den vergangenen Tagen hatte sie festgestellt, dass Briefe zu bekommen, Hinweisen nachzugehen, Schlüssel zu finden und Truhen zu öffnen zu ihren liebsten Beschäftigungen gehörte und so kam es, dass kein Morgen verging, an dem sie nicht zuallererst das Haus verließ und ihren Postkasten besuchte. Das schaurige Gefühl, das ihr dann über den Rücken lief, wenn sie eine Nachricht in Händen hielt war unvergleichlich stärker als all die Sorgen, die sie angesichts des unbekannten Urhebers plagten. Getwergelyn hatte schon Recht, wenn er sagte, dass man nie einen Schatz findet, wenn man nicht sucht .
An einem der Morgen, an denen sie keine Botschaft erreichte, überkam Isen ein für sie untypisches Sendungsbewusstsein und sie begann die wenigen Münzen in ihrem Besitz der Reihe nach anzuordnen. Von der Zwergentruhe vor Nyms Haus führt die Spur der Münzen fort, unter den beiden geparkten Käfern hindurch, über den Zaun hinweg, um einen Grabstein herum, aus dem Friedhofsgelände heraus und in den kleinen Garten mit den Pilzen und wer der Spur gefolgt ist, findet am Ende lockerne Erde und darin eine kleine Figur mit Gravur "Getwergelyn"
Vom Finden
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Isen Rauhnacht
Die Sonne blendete, aber wärmen wollte sie nicht. Heute nicht und an keinem der Tage zuvor und so, wie es aussah auch an keinem Tag, der noch kommen mochte. Die allmorgendliche Dunstwolke schwappte mit den Wellen ans Ufer und Isen wusste, dass es bis zu den Mittagsstunden dauern würde, bis sie den Blick aufs Meer wieder freigab. In literarischer Hinsicht war die Stimmung als trostlos zu bezeichnen, aber weil Isen keinen Sinn fürs Poetische und damit keinen ästhetischen Blick auf den Hafen hatte, war es einfach nur kalt und - naja, warum nicht sagen - blöd.
Der Käfer von Getwergelyn stand regungslos an seinen Pfosten gebunden und beinahe hätte man den Eindruck gewinnen können er würde noch schlafen. Sie mochte die Tiere, hauptsächlich, weil sie sich ein bisschen davor fürchtete. In gewisser Weise waren sie wie die Zwerge selbst und was den Zwergen ihrer Ansicht nach am meisten mangelte war ein Gefühl fürs Gefühl. Das konnte man von den gepanzerten Riesenkäfern und den Zwergen behaupten, aber ganz gewiss nicht von Isen und ihrem postpubertären Weltveränderungsdrang ist es zu verdanken, dass sich trotz der tristen Witterungslage ein Entschluss in ihr festigte. Sie eilte in den Keller und holte die Farben von Nym, um sich mit einem breiten Pinsel ans Werk zu machen.
Wenn die Zwerge aus ihrer Höhle zurückkehren, dann steht vor dem Haus von Nym ein riesiger Marienkäfer, denn sie hat die Panzerung rot bemalt und mit einem breiten schwarzen Strich in zwei Hälften geteilt und die Hälften mit jeweils drei Tupfen verziert.
Der Käfer von Getwergelyn stand regungslos an seinen Pfosten gebunden und beinahe hätte man den Eindruck gewinnen können er würde noch schlafen. Sie mochte die Tiere, hauptsächlich, weil sie sich ein bisschen davor fürchtete. In gewisser Weise waren sie wie die Zwerge selbst und was den Zwergen ihrer Ansicht nach am meisten mangelte war ein Gefühl fürs Gefühl. Das konnte man von den gepanzerten Riesenkäfern und den Zwergen behaupten, aber ganz gewiss nicht von Isen und ihrem postpubertären Weltveränderungsdrang ist es zu verdanken, dass sich trotz der tristen Witterungslage ein Entschluss in ihr festigte. Sie eilte in den Keller und holte die Farben von Nym, um sich mit einem breiten Pinsel ans Werk zu machen.
Wenn die Zwerge aus ihrer Höhle zurückkehren, dann steht vor dem Haus von Nym ein riesiger Marienkäfer, denn sie hat die Panzerung rot bemalt und mit einem breiten schwarzen Strich in zwei Hälften geteilt und die Hälften mit jeweils drei Tupfen verziert.
- Daz Getwergelyn
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42