Gelebte Wege

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Naniel Finion

Gelebte Wege

Beitrag von Naniel Finion »

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Tropfnass vom Regen den der Himmel los gelassen hatte, als wär ihm Grund zum Weinen gegeben worden, stand sie unbewegt im Raum. Ein gut Teil der kleinen Lache die sich unter ihr ausbreitete, wurde bereitwillig vom sich dunkler färbenden Holz aufgesogen. Vom Wasser kräftige Locken werfend hingen ihr die Strähnen vors Gesicht und taten ihren Teil dazu den Boden zu nässen. Den Kopf gesenkt wanderte das Augenpaar über ein paar Zeilen die auf einen Zettel notiert waren der jetzt zwischen den behandschuhten Fingern lag. Sie laß sie einmal, las sie ein zweites und auch ein drittes Mal und während sich die Worte aneinanderreihten und aus den Worten der Gedanke wuchs der sich hinter ihnen verbarg, zeigte sich etwas tief in den blauen Augen von einer sanften aber mächtigen Welle ergriffen und aufs weite Wasser fortgetragen. Es rührte an ihrem Innersten und löste einen Schmerz aus der von der angenehmen Sorte und nicht brechend heiß war, sondern Linderung versprach.

Ein Wolkenbruch hatte sie auf dem Heimweg überrascht wie ein unerwarteter Bote oder die bittersüße Nachricht die sie in ihrem Kasten gefunden hatte. "Wer soviel Liebe in ein paar Worte legen kann, muss ein schönes Herz haben..." säuselte sie auf dem Weg zum Tisch während sie geübten Handgriffes den breiten Gurt ihres Mantels löste, sich aus ihm befreite und die Stuhllehne damit versah. "Wenn ich nur könnte wie ich wollte..." Sie fand auf der Bettkante ihren Platz und lies sich zurückfallen um federnd von der Matratze aufgefangen zu werden. Ihr linker Arm breitete sich über selbe Seite aus und die Fingerspitzen zupften am Kissen das sie als Freundersatz an sich heranzog um es in den Arm zu nehmen während unter der Handfläche der anderen verborgen der gefaltete Zettel an ihrem Herzen lag. "Oh Temora... lass mir doch etwas Gnade zu Teil werden und zeig mir meinen Weg... denn ich seh ihn nicht... ich brauche eine Kerze..."

Im Klang ein nüchternes Flüsterns, während ihre Augen sich schon nah ans Wasser gestellt sahen und das winterkühle, klare Blau verschwamm als schmelze das Eis darin. Ihr Gesicht war ein Bild tiefer Ruhe die einem Vertrauen in die Schuhe zu schieben war das sich neu und ungebrochen zeigte wie eine auf hochglanz polierte Rüstung die der Schmied gerade aus den Händen gab. Nachher schluckte sie die Tränen herunter von denen keine die Möglichkeit erhalten hatte sich aus verklärtem Blau zu lösen und genoß die Ruhe die sie tröstend in die Arme schloß wie eine zarte Frühlingsbrise die den Winter mit milder Bestimmtheit vertrieb. Meine Wunden waren tief... und brauchen Zeit zu heilen... aber ich schäme mich ihrer nicht. Nein... Ihr Blick erfasste die Zimmerdecke und ein Lächeln kam in Gestalt schwacher Selbstironie daher. "Ich habe meine Kerze schon nicht wahr? Zwei davon... und womöglich noch mehr..."

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Eine Weile später fand man sie vor ihrer Waschschüssel stehend das Fläschchen bitterer Medizin aus Lilianas Hand von den Fingerbeeren umfasst und das Gesicht auf eine Art verzogen als habe sie in eine Zitrone gebissen. Es war ein Versuch und kam dem rettenden Geschick eines losen Halmes gleich nachdem ein Ertrinkender griff. Während sie sich, ob Wahrheit oder Hirngespinst, einredete dass das Zittern ihrer Rechten Hand milder geworden war stellte sie die Arznei bei Seite und tauchte die zur Schale geformten Hände in die Waschschüssel um sich darüber gebeugt das kühle Nass ins Gesicht zu schlagen. Mit feuchten Fingern kämmte sie das Haar zurück und trocknete sich mit einem Tuch als sie eben auf dem Weg zum Schrank war. Etwas das in ihr Blickfeld gerieht brachte sie unvermittelt zum Stillstand. Zwischen den Türen klemmte der Saum von zarter, in pastellgrün gefärbter Seide. Aus dem Jetzt gerissen zog das Gestern an ihren Gedanken und lies den Abend an dem er ihr das Kleid zum Geschenk gemacht hatte noch einmal aufleben. Über Umwege, die von Zweifeln erzählten, von Vergangenheit zu berichten hatten und verschwommenen Wahrheiten gerieht sie zu der Stelle an der sie ihm vor gut einem Wochenlauf von einem ihrer Träume erzählte und da tat dieser noch einmal einen Atemzug:

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Ihr Kopf sank nach vorn, richtete sich wieder auf und nach dem Fenster aus. Jetzt schneite es, mehr wusste sie nicht. Sie würde diesem, der mit Sicherheit letzten winterlichen Tage, noch einen Spaziergang abstatten.

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Zuletzt geändert von Naniel Finion am Samstag 30. März 2013, 16:47, insgesamt 1-mal geändert.
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