Das Ende einer Füchsin?

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Hayden Valtaris

Das Ende einer Füchsin?

Beitrag von Hayden Valtaris »

Ihr Herz raste und das Atmen fiel ihr zunehmend schwer.
Angst. Das erste Mal seit langer Zeit fühlte sie Angst.
Was war in diesen wenigen Augenblicken geschehen?
Wo war das Leben hin, das sie bis vor wenigen Momenten noch für selbstverständlich gehalten hatte?

Das Ziehen in ihrer Brust erinnerte sie daran, dass das, was soeben geschehen war, nichts anderes als nackte Realität war.
Verzerrt drangen die Bilder in ihren Kopf. Carlos, Svetlana, Azyr, Enrico... die wutverzerrten Gesichter, das Misstrauen, die Skepsis. Sie - eine Verräterin der Insel? Die Insel war ihre Heimat gewesen, so oft Rasven auch versucht hatte sie zu überreden, ihr und den Piraten den Rücken zu kehren. Azyr war eine Ausnahme. Ihn hätte sie ohne zu zögern an jedes Messer geliefert - doch selbst da hatte sie sich zurück gehalten, einzig aus Respekt vor Jaron und der Bruderschaft. Rasven hätte ihn auf ihr Wort hin mit tausend Pfeilen gespickt...

"Eines Tages knall'n sie Dich ab wie 'n dreckigen Labar!"
Wie oft hatte sie seine Prophezeiungen und Ratschläge in den Wind geschossen, wie oft hatte sie ihm versichert, dass die Insel Familie war, und ihn dafür viel zu oft vernachlässigt?
Hatte sie in den Jahren bei Belinne denn nichts gelernt?

In dem Moment, da sie ihren Dolch an Sebastianos Hals brachte und den Lauf seiner Pistole an ihrem Brustkorb spürte wusste sie, dass sie auf ganzer Linie versagt hatte. Sie hatte den falschen Menschen vertraut.
Eine Füchsin gehört nicht auf eine Insel. Sie hätte in den Wald gehört.
Dort, wo ein Luchs auf sie gewartet hätte...

[img]http://i2.photobucket.com/albums/y45/VitaniTheReal/14179730-dead-woman-lying-on-the-floor-focus-on-the-hand_zps51a3ed21.jpg[/img]

Der erste Schuss durchbohrte ihren Brustkorb, der zweite ihren Kopf.
Sebastiano. Bartolome.
Vorallem Sebastiano...

"Bonsoir, Cherie."

Das Blut sickerte in den hölzernen Dielenboden, verklebte die fuchsfarbenen Strähnen. Die Piraten verließen die Wohnung.
Zurück blieb die Füchsin - und auf La Cabeza ging die Zeit weiter.
Bald würde es sein, als hätte es sie nie gegeben.
Zuletzt geändert von Hayden Valtaris am Samstag 2. März 2013, 16:28, insgesamt 2-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

„Sie wurde niedergeschossen. Das wusstet Ihr nicht? Sie liegt im Heilerhaus Berchgards und wird vermutlich nie wieder aufwachen. Nie wieder.“

Langsam legte sich die Hand auf die Klinke der Tür. Die Worte hallten durch ihren Kopf und ihr Geist wollte nicht glauben, was er zu ihr sagte. So war dieser Schritt, die Türe zu öffnen und sich von Wahrheit oder Lüge zu überzeugen, der, der am längsten dauerte. Ihre Kehle schnürte sich zu und die Atmung setzte einen Moment aus. Nicht noch eine Seele, nicht diese Seele, die doch eigentlich die ihre war, nur das jene sich nicht weiter entwickelte und an dem Punkt stehen blieb, wo sie sich wandelte. Ein weiteres Durchatmen, bevor die Klinke dann hinab gedrückt wurde, die Tür, wie ein Pflaster auf geknallt und das Innere der Heilerstube offenbart. Bett für Bett tasteten ihre Augen ab, während sie Schritt für Schritt voran ging, um einen besseren Überblick zu erhalten. Sie hatte sie bereits gesehen, doch drehte sie ihren Kopf noch diverse Male, als würde sie immer noch suchen. Die Augen der Rothaarigen wurden glasig und es dauerte nicht lange, da flossen leise Tränen über ihre Wangen und fanden am Kinn ihren Fall. Langsam sackte der Leib zusammen und ihre Hände verkrampften sich in ihrem Gesicht. Immer mal wieder zog sie schwer Luft in die Lungen, um sie dann fast panisch wieder auszustoßen. Der Leib zitterte und ihre Handrücken rieben sich immer wieder durchs Gesicht, durch die Augen, bis hin zum Haar.

Als sie den Kopf nach einiger Zeit anhob und in die Richtung des Bettes starrte, in welchem sie lag, Hayden Valtaris, kam sie sich vor, als würde sie sich selbst betrachten. Als würde sie dort, fast tot, liegen, ihr altes Leben, ihr altes ich. Es dauerte nicht lange und ihre Hände ballten sich zu Fäusten und schlugen auf den Boden ein, der Kopf schwang mit und das rote Haar bedeckte den Boden. Der rote Schopf schüttelte sich, immer und immer wieder. Die salzige Flüssigkeit ihrer Augen bedeckte das alte Holz Berchgards und der Tränenfluss nahm seinen Lauf.

„Hayden...“
Zuletzt geändert von Alin am Freitag 15. März 2013, 21:25, insgesamt 2-mal geändert.
Hayden Valtaris

Beitrag von Hayden Valtaris »

Es vergingen Wochen, bis die Hoffnungen derer, die die Schurkin ins Herz geschlossen hatten, zerschlagen werden sollten.
Wochen, in denen sich ihr Zustand abwechselnd besserte und verschlechterte, in denen man die Füchsin hin und wieder gar die Augen öffnen und zusammenhanglose Worte murmeln hören konnte. Doch diese Nacht waren die Atemzüge die sie tat ihre letzten.
Die bernsteinfarbenen Augen waren geöffnet, starrten ausdruckslos an die Decke des Kellerzimmers. Als man das Ausbleiben der gleichmäßigen Atemzüge bemerkte, war bereits jedes Funkeln aus den Bernsteinen gewichen. Nach Wochen der Schwebe und Unsicherheit hatte sie es geschafft...

Das Leid war vorbei.
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