Die Verlockung
Eigentlich wollte sie nur ein wenig in Bajard herum schlendern.
Noch immer hegte sie durchaus Interesse daran, dass gewisse Leute ihre Drohungen wahr machten, ein wenig Abwechslung war immer gut.
Aber, wie so oft, es tat sich nichts, kein Roland weit und breit.
Hatte er doch Angst bekommen?
Dann weckte etwas anderes ihre Aufmerksamkeit.
Die kleine Gruppe, um Alessio, die einfach da auf der Straße standen, und sich unterhielten.
„Und wer bist du?“ Fragte sie die fremde Frau, die bei dem Hünenhaften Piraten und der kleinen Luninara stand.
„Lana das ist Kersti, Kersi, das ist Lana“, stellte Alessio die beiden vor.
‚So ein Idiot‘, war das erste, was der schwarzhaarigen Piratin durch den Kopf ging.
Ein strafender, genervter Blick wurde zur Seite geworfen, den Alessio sichtlich auch nicht übersehen hatte.
Die größten, unabsichtlichen, Verräter hatte man stets in den eigenen Reihen.
Sie bot der Berchgarder Heilerin einige Kräuter an, um sie auf die Insel zu locken.
Sie unterhielten sich eine ganze Weile, Lana gab ihr einige kleine Bündel mit, und sie einigten sich darauf, dass sich die Heilerin melden würde.
Immerhin kannte sie Lana’s echten Namen dank Alessio.
Aber nun gut.
Dann lies sie Kersti gehen.
In offensichtlicher Sicherheit, die Stassen Cabeza’s durchqueren.
Es ratterte…
Gehen lassen, vorsichtig sein, oder aufs Ganze gehen?
Die Entscheidung war schnell gefällt, Gold….
Wie viel könnte sie den Heilerinnen für die Freilassung ihrer Kameradin abluchsen?
Egal, versuch macht Klug!
Im Schatten der Dämmerung und im Schutz der Häuser folgte sie Kersti, nur um einen geeigneten Moment abzupassen.
Der Knauf des Diamant Entermessers sauste auf den Hinterkopf der Rothaarigen zu, traf sein Ziel und die Heilerin sackte Ohnmächtig zusammen.
Wie viel verlangt man für eine Heilerin?
Lana schleifte Kersti zurück zu ihrem Haus.
Der Ast, den die Heilerin bei sich führte, ließ sie unachtsam liegen, jedoch den herunter gekullerten Hut, nahm sie an sich, stopfte ihn unachtsam in die Innentasche des Mantels.
Dann zerrte sie die bewusstlose zurück zu ihrem Haus.
Die Füße schleiften über den Boden, sie hatte Mühe, auch wenn Kersti keineswegs dick war, aber das Gewicht eines reglosen Körpers war nicht zu unterschätzen.
Lana brachte sie hinunter in den Keller, legte sie ins Bett und versorgte die kleine Platzwunde am Kopf.
Die Beule oder die höchstwahrscheinlich folgenden Kopfschmerzen linderte es nicht, aber zumindest Blutete sie nicht mehr.
Gürtel mit Waffen und Umhängetasche nahm sie der Heilerin ab, der Mantel wurde von ihr auf versteckte Waffen untersucht.
Man soll ja nichts dem Zufall überlassen.
Als alles geschehen war, schloss sie das Zimmer sorgsam ab, damit Kersti nicht fliehen konnte, und wanderte nach oben.
Die Sachen der rothaarigen verstaute sie sorgsam, die Haarlocke, die sie ihr abgeschnitten hatte, legte sie auf den Tisch.
Aus einem alten, abgegriffenen Buch riss sie ein Blatt heraus und begann mit roter Tinte einen Brief zu schrieben.
Dabei sind die Buchstaben krakelig, die Schrift wirkt sehr unsauber und lieblos.
So, wie sie ihre Briefe sonst nicht schrieb.
Seid mir gegrüßt Liliana und Assamaril
Vermisst ihr jemanden in eurer Mitte?
Habt ihr schon nach der Rothaarigen gesucht?
Würdet ihr sie gerne unbeschadet und bei bester Gesundheit wieder haben?
Was seid ihr bereit zu zahlen dafür?
Wie viel ist Euch das Leben eurer Freundin wert, die so viel auf Euch hält?
Wenn ihr Euch entschieden habt, hinterlegt mir eine Nachricht in der alten Hausruine nördlich vor Bajard.
Solltet Ihr auf die Idee kommen, mir eine Falle stellen zu wollen, oder anderweitig Regiment oder sonstige Hilfen zu nutzen, wird Eure Freundin nicht unbeschadet bleiben.
Bei dem Brief ist eine von Kersti’s roten Haarlocken beigefügt, außerdem der grüne Schlapphut, den die Heilerin bei sich trug.
So die beiden den Botenjungen befragen, wird er höchstens als Antwort geben, dass die Frau Kupferrotes Haar hatte, das locker zu einem Zopf gebunden war.
Antonia hieße sie, sagt er, und sie habe ihm 100 Goldmünzen gegeben, für das er sich nun einiges kaufen könne.
Und in Bajard hat er sie getroffen, mehr weiß der Pausbäckige kleine Kerl nicht.